7. Kapitel

Vielleicht oder vielleicht auch nicht habe ich aus Versehen Kapitel 8 statt 7  hochgeladen. Tut einfach so, als hättet ihr es noch nicht gelesen, falls ihr es schon habt, deal?

Louis:

Zwischen uns ist noch genügend Abstand, dass er mit Leichtigkeit einfach gehen könnte. Aber er tut es nicht. Stattdessen sieht er mich mit großen Augen an. „Dass ich was?", wiederhole ich meine Frage erwartungsvoll. „Uhm... du..." Ich hebe eine Augenbraue. Ich bin sicher, so geht sonst niemand mit ihm um und genau deswegen ist er derart überfordert. „Dass du dich an andere ran machst", bringt er heraus und räuspert sich unbeholfen. „Ich tue was? Wann soll das gewesen sein?", will ich von ihm wissen. „Im Bad... also im Waschraum... vorhin", stottert er und atmet flach. Ich lächle, nur ein wenig. „Ach das. Das war nichts. Wir haben nur geredet, oder nicht?" – „Uhm... wir... du..." – „Ganze Sätze", fordere ich mit strengem Blick. Wie weit ich das hier wohl treiben kann? Wie lange wird es brauchen, bis er merkt, was hier gerade passiert und es schafft, sich zusammenzureißen. Wie lange dauert es wohl, bis er mir sagen wird, dass ich ein Arschloch bin und sich verzieht? Ich kann es absolut nicht einschätzen, vielleicht lasse ich mich deswegen auf diese Situation ein. Ich will die Antwort wissen.

„Du hast dich an mich rangemacht", sagt er schließlich. „Habe ich nicht", widerspreche ich ihm. „Doch... du... hast du", sagt er und nickt, als müsste er es sich selbst bestätigen. Dann strafft er die Schultern und sagt: „Ich habe keine Ahnung, wieso du überhaupt denkst, ich würde auf Männer stehen. Tue ich nämlich nicht. Ich bin hetero. Ich weiß also nicht, was du dir erhoffst, aber du solltest es sein lassen. Vor allem aus Respekt deiner Freundin gegenüber." – „Du erzählst mir etwas von Respekt?", frage ich überrascht und schmunzle ironisch. „Garantiert nicht, Styles. Du hast keinen blassen Schimmer, was Respekt bedeutet." Er schluckt und atmet tief ein und wieder aus. Es sieht fast aus, als müsste er gleich stöhnen.

„Ich weiß sehr wohl, was das bedeutet. Und ich weiß, dass ich nicht von dir angegraben werden möchte." – „Wenn ich dich angraben wollen würde, sähe das anders aus", antworte ich ihm und zucke mit einer Schulter. „Außerdem steht es dir frei zu gehen und soweit ich weiß, wolltest du dir sowieso ein Taxi nehmen, oder nicht?" Er öffnet den Mund. Er will etwas kontern, das ist ihm anzusehen, aber er weiß nicht, was er sagen soll. Ja, so habe ich ihn gern: sprachlos.

„Es war übrigens meine Mutter", sage ich dann, als er nichts sagt. „Was?", fragt er irritiert. „Ich habe mit meiner Mutter telefoniert, nicht mit meiner Freundin", stelle ich klar. „Aber du ist natürlich erstmal davon ausgegangen, dass ich ein Arschloch bin, natürlich." – „Ich habe nicht... du... das war deine Mutter?" – „Ja, Sherlock", antworte ich trocken. Er errötet und nickt. „Klar. Wer sonst." Sieht mich unschlüssig an. Ich mustere ihn. Dann hubt plötzlich ein Taxi neben uns und Harry sieht an mir vorbei. „Dein Taxi, nehme ich an?" – „Uhm... ja. Genau. Bis dann." – „Das klingt so, als würden wir uns wiedersehen", provoziere ich ihn weiter. Er bleibt an der Taxitür stehen und sieht mich an. „Was? Wiedersehen?" – „Vergiss es, Harry", antworte ich nur und schüttle den Kopf, ehe ich zurück in die Kneipe gehe.

Bis wir uns wiedersehen, ich glaube auch.

Der einzige Grund, den es dafür geben könnte, wäre wenn Harrys Büro wieder brennt und das bezweifle ich ganz stark. Abgesehen davon habe ich am nächsten Tag noch frei, also werde ich ihm da wohl kaum über den Weg laufen. Ich werde ausschlafen, mittags erst frühstücken und danach fahre ich zu Liam. Und ich werde vergessen, dass ich Harry wieder über den Weg gelaufen bin. Verdammt, ich hasse es, dass der Kerl immer noch in meinen Gedanken spukt. Er soll sich schleunigst wieder verziehen.

Es ist früher Nachmittag, als ich zu Liam gehe. Oder besser gesagt zu dem Bürogebäude, dessen Adresse er mir geschickt hat. Allerdings ist die Tür abgeschlossen. Ich sehe mich um und schaue dann auf mein Handy. Laut Navi bin ich richtig hier. Kurzerhand rufe ich ihn an. „Hi. Ich stehe unten, aber es ist abgeschlossen. Du hast nicht vergessen, dass wir verabredet sind, oder?" – „Du solltest mir schreiben", antwortet er mir amüsiert. „Hast du mir nicht gesagt." – „Nicht? Oh, sorry." – „Schon okay. Wie komme ich in das Gebäude." – „Sekunde", antwortet er mir, dann legt er einfach auf. Super.

„Hi. Komm rein", begrüßt Liam mich, als er die Tür geöffnet hat. „Die Tür klemmt ein bisschen und geht nur noch mit Schlüssel auf", erklärt er mir. „Oh und der Fahrstuhl ist auch kaputt." – „Und in welche Etage müssen wir?", frage ich ihn. „Die Vierte", antwortet er mir und lächelt schief. „Sorry." – „Kein Problem", antworte ich und zwinge mich, nicht anzumerken, dass ich Feuerwehrmann bin. Ich werde wohl vier Etagen hochlaufen können. Ich sehe mich um. „Die Hütte ist ganz schön alt", bemerke ich. „Ja. Und die Fenster sind nicht richtig dicht, aber die Miete ist okay", argumentiert er. „Das hier ist unser Büro", sagt er schließlich und ich sehe mich um. „Das sieht so..." – „Modern aus? Ich weiß. Das liegt daran, dass wir es selbst umgebaut haben", sagt er stolz. Soweit ich weiß, arbeiten sie im Augenblick zu Dritt, die anderen beiden kenne ich allerdings nicht.

Die Räume sind hell und einladend. Die Technik ist ziemlich hochwertig und auch sonst würde man nicht denken, dass man so ein Büro in einem Gebäude wie diesem findet.

„Setz dich. Willst du einen Kaffee?" Ich sehe ihn skeptisch an. „Tee. Schon klar", erinnert er sich und setzt Wasser auf. Ich nehme auf einem der Sessel Platz. „Die Küchenzeile haben wir auf Ebay gefunden, gratis. Wir mussten sie nur abholen." – „Ziemlich gut", antworte ich. Er nickt und gibt mir die Tasse Tee. Er muss noch ziehen. „Und? Wie läuft's?", frage ich. „Immerhin ist das eine ziemlich gute Einrichtung hier, aber in diesem Gebäude? Ich weiß nicht, was ich denken soll."

„Es läuft gut", lächelt er zufrieden. Seit einem Jahr schon hat er ein Start-Up, dass sich auf das Management von Podcasts spezialisiert. Er hat es mit seinen beiden Kollegen aufgezogen, die er aus dem Studium kennt. Ich weiß nicht viel darüber, aber ich weiß zumindest, dass er bereits einige Kunden hat. Ein paar kleine Influencer und auch das ein oder andere Unternehmen, dass ich auf einem neuen Gebiet versuchen will, allerdings keine Ahnung hat, wie Podcasts überhaupt funktionieren.

„Wir haben eine Idee", fängt er an. „Aha? Und zwar?" – „Wir werden unsere eigenen Podcast machen", grinst er motiviert. „Es soll um alles Mögliche gehen. Erstmal vor allem, wie wir unser Start-Up aufgebaut haben. Und dann wollen wir verschiedene Gäste einladen, du weißt schon, damit es interessant und unterhaltsam bleibt." – „Klingt gut", nicke ich. Ich habe ihm schon vor einem Jahr gesagt, dass ich keine Podcasts höre, seitdem versucht er mich vom Gegenteil zu überzeugen. Ich schaue schlichtweg lieber eine gute Serie oder höre Musik.

„Wir haben schon einige Gäste", spricht er weiter. „Und dann hatte ich die Idee, dass ich auch dich als Gast einlade", fügt er hinzu. „Was? Mich?" Irritiert sehe ich ihn an. „Seit wann bin ich ein Promi?" – „Tu nicht so. Das bist du nicht", antwortet er mir und ich trinke einen Schluck Tee. Dann verstehe ich, worauf er hinaus will. „Du willst mich als Feuerwehrmann in deinem Podcast haben, richtig?" – „Ja. Wir hatten an Feuerwehr oder Rettungsdienst oder Polizei gedacht, aber..." – „Polizei? Die Feuerwehr ist deutlich cooler", unterbreche ich ihn sofort und sehe, wie er schmunzelt.

„Scheiße, du wusstest, dass ich das sage." – „Diese Hassliebe ist doch ein offenes Geheimnis, also wieso sollte ich das nicht nutzen?" – „Ich habe nicht zugesagt", werfe ich ein. Liam zuckt mit den Schultern. „Wirst du schon noch." – „Da scheinst du dir ja sehr sicher zu sein." – „Bin ich, weil wir seit Jahren schon befreundet sind. Außerdem denke ich, du könntest den Leuten, die uns zuhören, erklären, wie man sich in einem Notfall zu verhalten hat." – „Du meinst, dass man nicht am Straßenrand halten soll, nur um einen Unfall zu filmen? Oder einen Hausbrand?" – „Ganz genau", nickt er.

„Ich weiß, dass du kein Fan von Podcasts bist, aber du musst ihn dir ja nicht anhören. Wir nehmen ihn hier auf und das wars", versucht er mich zu überzeugen. Ich zögere. „Ich bin wirklich nicht sicher, ob ich der Richtige dafür bin. Ich denke, Matt hätte da deutlich mehr Spaß dran als ich." – „Dann frag ihn." – „So leicht bin ich also zu ersetzen", erwidere ich trocken, muss aber schmunzeln. „Was? Soll ich jetzt dein Ego streicheln?", will Liam von mir wissen. „Oh Gott, bitte nicht!", lehne ich sofort ab. Er fängt an zu lachen. „Überleg es dir. Musst du mit deinem Chef deswegen sprechen? Wegen Schweigepflicht oder so?" – „Ich frag ihn mal. Und Matt", schlage ich vor. Liam nickt zufrieden. „Danke." – „Klar. Wen habt ihr noch so?", will ich neugierig wissen.

„Einige Leute aus der Wirtschaft. Andere Start-Up-Gründer und so. Einen Musiker, der gerade aufsteigt und eine Künstlerin, die auf Social Media langsam aber sicher groß wird." – „Also alles Leute, die sich gerade erst ihre Zukunft aufbauen. Meinst du echt, da passt ein ausgelernter Feuerwehrmann rein?" – „Du trägst eine Uniform, da stehen die Leute drauf." – „Oh wow." – „Du weißt das es stimmt. Wie hieß der Kerl nochmal, der dir in der Bar fast den Schwanz gelutscht hat, als er erfahren hat, dass du eine Uniform trägst?", fragt er grinsend. 

„Du meist Micah", sage ich und denke an den Tag zurück, als wir Liams Abschluss gefeiert haben. Ich war da selbst noch in der Ausbildung und sobald er ein Foto von mir in Ausrüstung gesehen hat, ist er fast auf den Boden gefallen. „Nein, der andere, Maurice." – „Oh Shit!", erinnere ich mich und schüttle lachend den Kopf. „Micah war der, den ich danach tatsächlich abgeschleppt habe, oder?" – „Ja, er ist bestimmt erst später auf die Knie gefallen", grinst Liam. Ich schmunzle. Ja, das ist er. Er ist... er war der erste, den ich damals abgeschleppt habe, nachdem es passiert ist. Wieso ist Harry schon wieder in meinen Gedanken? Das kann doch nicht wahr sein!

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New Character. Liam ist auch von der Partie. Wie findet ihr die Idee, dass Louis bei diesem Podcast mitmachen soll? 

Love, L


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