60. Kapitel
Harry:
Es kommt mir ein bisschen so vor, als wäre mein Körper auf einmal zwanzig Kilo leichter. Ich gehe von meinem Auto zur Eingangstür und kriege dieses sanfte Lächeln nicht von den Lippen. Egal, wie sehr ich gerade versucht habe, normal zu schauen, es hat höchstens für eine halbe Minute geklappt. Fuck, man sieht mir sowas von an, dass ich verknallt bin. Ich hoffe, dass ich mich gleich, wenn ich arbeite und konzentriert bin, besser zusammenreißen kann. Man sollte doch meinen, wenn ich arbeite, denke ich nicht an Louis. Seit heute Morgen tue ich nichts anderes. Ich bin neben ihm aufgewacht und er hat mich zu sich ran gezogen. Mein Wecker hat geklingelt, also hat er nicht weiterschlafen können.
„Fünf Minuten", sagte er leise und küsste meinen Nacken. Er lag hinter mir und hatte mich fest im Griff. Mein Herz klopft auch jetzt schneller, als ich daran denke. Es wurden zehn Minuten, bis ich mich aufgerafft habe und duschen gegangen bin. Louis ist wieder eingeschlafen. Sein Wecker müsste jetzt gerade geklingelt haben. Als ich an meinem Schreibtisch sitze, schreibe ich ihm eine kurze Nachricht,
Me: Guten Morgen :)
Louis antwortet zehn Minuten später, als ich mir einen Kaffee koche. Noch ist niemand im Büro, also ist es nicht schlimm, wenn ich zwei Minuten länger in der Küche stehe und dämlich vor mich hin lächle.
Louis: Hey. Gut geschlafen?
Me: Sehr. Heute Morgen war schön. Ich hoffe, es hat dich nicht allzu sehr gestört, dass ich dich so früh geweckt habe.
Louis: Nein, ich habe noch ein bisschen geschlafen. Und ich wusste ja, dass du immer früh ins Büro fährst.
Me: Wann sehen wir uns das nächste Mal?
Louis: Vermisst du mich schon?
Ich erröte ein bisschen und mein Herz klopft schneller. Ja, das tue ich. Es ist bisher sehr selten vorgekommen, dass ich lieber wo anders wäre als auf der Arbeit, aber heute ist definitiv so ein Tag. Mit ihm noch länger im Bett zu liegen und nichts zu tun, würde ich definitiv meinem Schreibtisch vorziehen. Scheiße, wo ist meine Arbeitsmoral hin?
Me: Ja. Du mich nicht?
Louis: Immer. Wir sehen uns die Tage, okay? Ich schicke dir später meinen Schichtplan.
Me: Du arbeitest heute, oder?
Louis: Ja, wieso?
Me: Darf ich dich auf der Arbeit besuchen? Du warst letztens auch hier.
Louis: Du willst mich besuchen?
Me: Gerne. Ist das okay?
Louis: Nur, wenn du Abendessen mitbringst
Me: Okay, gerne :)
Louis: Das war ein Witz.
Me: Nein, ich mache das. Wir sehen und später, okay? Soll ich schreiben, bevor ich losfahre?
Louis: Mach das. Ich sage meinen Kollegen Bescheid, falls wir im Einsatz ein sollten.
Me: Mit Uniform?
Schnell lösche ich die Nachricht. Fuck, das wollte ich doch überhaupt nicht schreiben. Was ist denn mit mir los? Wieso denke ich nicht mehr darüber nach, was ich tue? Ich seufze genervt und trinke einen Schluck Kaffee, während ich mir überlege was ich ihm stattdessen antworten könnte.
Louis: Mit Uniform? Magst du es, mich darin zu sehen?
Me: Was?
Louis: Du warst nicht schnell genug. Ich habe die Nachricht gesehen :)
Me: Nein. Also doch. Vielleicht. Also du siehst attraktiv aus.
Me: Es ist halt deine Arbeitskleidung, also ergibt es doch Sinn, dass du sie vielleicht anhast, wenn ich zur Wache komme.
Me: Vor allem, wenn du von einem Einsatz kommst.
Louis: Du stehst auf meine Uniform.
Me: Das habe ich nicht gesagt!
Louis: Das brauchtest du auch nicht.
Louis: Ich weiß genau, dass du gerade rot wird. Ich wette, deine Wangen sind ein bisschen wärmer geworden und du überlegst dir, was du antworten könntest
Louis: Du brauchst nichts anders zu antworten. Ich finde es gut, wenn du mich attraktiv findest. Viele Leute stehen auf Uniformen und wenn du dazu gehörst, habe ich doch Glück, oder? Mein Freund wird heiß auf mich, wenn er mich in meiner Ausrüstung sieht, Jackpot.
Me: Woher weißt du das alles?
Louis: Es ist mir schon vor einiger Zeit aufgefallen. Dein Blick, wenn du mich auf der Wache gesehen hast, war sehr eindeutig.
Me: So schlimm?
Louis: Ich würde es nicht als schlimm bezeichnen :) Bis später
Ich stecke mein Handy weg. Ich sollte wirklich anfangen zu arbeiten. Wie kann es sein, dass Louis sogar weiß, was in mir vorgeht, wenn er mich nicht einmal sieht? Ich fülle meine Tasse Kaffee ein zweites Mal und gehe zurück zu meinem Schreibtisch. Gerade, als ich mich setze, höre ich wie jemand das Büro betritt. Ich bin ziemlich sicher, es ist Oliver. Ich habe recht. Er schaut kurz bei meinem Büro vorbei und wünscht mir einen guten Morgen. Auch meine anderen Kollegen kommen nach und nach ins Büro. Der Vormittag vergeht schnell. Ich komme gut voran und auch das Telefonat mit meinen Kunden läuft mittags gut. Danach mache ich mich auf den Weg zum Grundstück, auf das bald der neue, moderne Bürokomplex gesetzt wird. Ich werde zwar per Mail über dem Laufenden gehalten, aber es ist immer gut, zwischendurch dort aufzutauchen und sich selbst ein Bild zu machen.
Abgesehen davon kann ich danach etwas zu Essen holen gehen und direkt zu Louis fahren. Das Timing ist gut und niemand wird fragen, wieso ich nicht noch einmal ins Büro komme, wenn ich erst um kurz nach drei zum Grundstück fahre.
Meinen Wagen stelle ich direkt vor der Tür ab. Hier waren mal Parkplätze für die Mitarbeiter, die hier gearbeitet haben, aber die sind seit letzter Woche endgültig raus. Ich bin sehr froh, dass es sich nicht zu einem voll aufgewachsenen Rechtsstreit entwickelt hat, denn das hätte die Zeitplanung nach hinten geworfen.
Das Bürogebäude ist nicht abgeschlossen. Ich trete ein und laufe durch die leeren Gänge. Meine Güte, es sieht hier wirklich schlimm aus. Wie gut, dass dieser Schandfleck wegkommt. Es ist alt und trist. Die Wände sind nicht mehr wirklich weiß und verstehe wirklich nicht, wer damals diesen Boden ausgewählt hat. Es kommt mir vor, als hätte man dieses Gebäude extra hässlich gestaltet. Im Innenhof steht bereits schweres Gerät und einige der Arbeiter der Abrissfirma sind vor Ort. Im Augenblick ist noch die Planung in Arbeit, aber das dürfte nicht mehr lange dauern. Ich mache einige Fotos und schicke sie meinem Kunden. Das hier wird mein Prestigeprojekt. Es wird perfekt.
Als ich wieder am Auto ankomme, schaue ich erst, wo ich hinfahren möchte, um etwas zu essen zu holen. Wie viele Leute haben mit ihm Schicht? Zehn sind sie doch auf der Wache bestimmt. Scheiße, das hätte ich ihn wirklich fragen sollen. Ich möchte nicht, dass ich zu wenig Essen dabei habe, wenn ich gleich dort ankomme. Kurz hatte ich überlegt, nur für uns beide etwas zu besorgen, aber das wäre nicht nett. Vielleicht möchte ich auch, dass sein Team mich mag. Es sind auch irgendwie seine Freunde, wenn ich es richtig verstanden habe und ich weiß, dass sie mich nicht gerade sympathisch finden. Normalerweise interessiert mich nicht, wenn mich jemand nicht mag, aber diese Leute sind Louis wichtig. Irgendwie ist es deswegen etwas anderes.
Ich suche einen Italiener raus, der nicht weit von der Wache entfernt ist. So müsste das Essen noch heiß sein, wenn ich dort ankomme. Zufrieden mit der Restaurantwahl beschließe ich, dass ich dort einfach sagen werde, dass sie verschiedene Gerichte zubereiten werde. Es wird schon für jeden etwas dabei sein. Ich sehe auf die Uhr, es ist kurz vor sechs, das passt sehr gut.
Als ich gerade die Tür öffne, höre ich meinen Namen. „Harry? Styles?" Ich drehe mich um. Ein Kerl kommt auf mich zu gelaufen. Ich brauche einen Moment, um zu verstehen, dass ich ihn kenne. „Wir kennen uns", antworte ich ihm, als er vor mit stehen bleibt. „Liam Payne", hilft er mir auf die Sprünge. „Louis' bester Freund", verstehe ich. „Ja. Wir waren auf der gleichen Hausparty." – „Ich weiß", antworte ich ihm angespannt. „Louis hat erzählt, dass ihr darüber gesprochen habt", erzählt er mir. Ich nicke. „Ja. Wir haben das Missverständnis geklärt." – „Auch das hat er mir erzählt. Was machst du hier?", fragt er mich. „Ich suche nach etwas zu essen. Ich fahre gleich auf die Wache." – „Louis mag keine Pilze." – „Was?" – „Nur, dass du es weißt", antwortet er mir. „Danke." Zu sagen, dass ich das wusste, wäre gelogen. „Sonst noch Tipps?", frage ich ihn, aber er schüttelt den Kopf. „Nein. Ich schätze, man sieht sich." Ich nicke knapp und steige in den Wagen. Keine Pilze also. Ich hätte vermutlich sowieso nichts für Louis mit Pilzen bestellt, aber es ist trotzdem gut zu wissen.
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Harry wird Louis also auf der Wache besuchen. Was haltet ihr davon? Und was denkt ihr über das Treffen mit Liam?
Love, L
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