5. Kapitel
Harry:
„Hi, ich bin Louis", stellt er sich gut gelaunt vor. Sollte er nicht zurück zu seinen Freunden gehen? „Freut mich. Ich bin Oliver, das sind Nick und Harry." – „Styles, richtig?", unterbricht er ihn und sieht mich scheinheilig lächelnd an. „Ja", antworte ich knapp. „Ihr kennt euch?" Verwundert sieht Nick zwischen und hin und her. „Habt ihr von dem Brand mitbekommen in seinem Büro?", fragt Louis die beiden. „Wir sind Kollegen", erwidert Nick. „Aber nur noch Harry war dort." Louis nickt. „Ich bin Feuerwehrmann. Wir haben ihn da raus geholt." – „Gezwungen", korrigiere ich ihn, ohne darüber nachzudenken. „Gezwungen ist etwas übertrieben", widerspricht er mir und lehnt sich vor, um die weiße Kugel zu stoßen. Er trifft so präzise, dass direkt eine der halben Kugeln versenkt wird. Ich gehe für den nächsten Zug um den Tisch herum. Louis steht mir gegenüber und sieht mich an. Ich treffe die nächste halbe Kugel und er ist wieder am Zug.
Ich muss zugeben, dass er nicht schlecht spielt, aber das kann auch Glück sein. „Dann haben wir es dir zu verdanken, dass unser Büro noch steht?", fragt Nick und lehnt sich gegen einen der Tische. „Nicht nur mir. Es ist eine Teamleistung. Und ihr könnt euch glücklich schätzen, dass euer Feuermelder automatisch einen Alarm an uns geschickt hat. Harry hätte es sicherlich viel zu spät bemerkt." Danke, sehr freundlich. Ich presse die Lippen zusammen und zwinge mich, ihm nicht zu antworten. Ich muss hier sein, damit Oliver meine Fähigkeiten sieht, ein Team zu führen. Das wird er nicht, wenn ich Louis sage, dass er sich verpissen soll. Normalerweise ist meine Selbstbeherrschung ziemlich gut. Aber diesen Typen kann ich nicht leiden.
„Dir passt es nicht, dass ich mitspiele", sagt er auf einmal. Er hat sich neben mich gestellt und spricht so leise, dass es Nick und Oliver auf der anderen Seite des Tisches nicht hören. Sie sind am Zug. „Wieso auch? Wir hätten die paar Minuten auch auf Maisie warten können." – „Deine Kollegin?" Ich nicke, aber wenn ich nicht weiß, was es ihn angeht. „Weißt du, die meisten Menschen halten Feuerwehrleute für mutig und finden es gut, was wir tun." – „Und was denkst du, was ich von dir halte?" – „Du nimmst es uns übel, dass wir dich nicht einfach haben weiterarbeiten lassen." Ich zucke mit den Schultern. „In meinem Büro ist nichts passiert. Auf der ganzen oberen Etage war nichts. Nicht einmal viel Rauch." – „Das ist ziemlich unvernünftig, was du sagst", erwidert er.
„Es wäre nichts passierst", wiederhole ich. Hört er mir eigentlich nicht richtig zu? „Ich könnte dir jetzt erklären, dass es durchaus zu einem Kabelbrand oder einem Brand hätte kommen können, der sich durch die Zwischendecke ausgebreitet hätte. Dann sähe dein Büro nicht mehr so spießig aus, wie gestern noch." – „Es ist nicht spießig", widerspreche ich ihm sofort. „Und es gibt noch Dutzende andere Möglichkeiten, wie dir etwas hätte passieren können, aber klar, erklär du mir ruhig meinem Job", spricht er einfach weiter. „Es ist aber nichts passiert. Hättet ihr als die tollen, mutigen Feuerwehrmänner das nicht wissen können?", frage ich provokant. „Wirst du eigentlich für deine Arroganz bezahlt?", entgegnet er nur und nimmt sich seinen Queue. Wir sind wieder dran. Arschloch.
„Wir sollten die Teams wechseln", sagt Nick irgendwann. Er ist ziemlich angetrunken. Es liegen nur noch vier Kugeln auf dem Tisch. Zwei Volle, eine Halbe und die Schwarze. „Louis ist viel besser als du, sorry Chef", sagt er zu Oliver. Er zuckt mit den Schultern. „Schon gut. Ich wollte mich sowieso kurz zu den anderen setzen. Drei unserer Kollegen sitzen noch bei uns am Tisch. Sie wollten nicht mitspielen. Louis versenkt die Halbe und dann die Schwarze Kugel. Wir haben gewonnen. „Nick, du solltest dich auch lieber mal setzen", sagt Louis ihm. „Und ein Wasser trinken." – „Lass ihn doch, wenn er trinken will", grätsche ich dazwischen. „Du bist bei der Feuerwehr, du hast bestimmt recht", überlegt Nick laut und geht zum Tresen. Er bestellt sich tatsächlich ein Wasser.
„Hast du das jetzt nur gemacht, damit du und deine Kollegen spielen könnt?", frage ich ihn. Er verdreht die Augen. „Ich bin nicht so ein Arschloch, wie du." – „Was?" – „Ich wette, du fragst mich das nur, weil du genau so einen Move machen würdest." Ich wiederhole. Arschloch. „Die Wette würdest du verlieren", antworte ich lediglich. „Gut, dann wette ich eben, dass ich besser Billiard spiele, als du", sagt er kurzerhand. „Garantiert nicht." – „Wenn ich gewinne, bezahlst du meinen Deckel. Wenn du gewinnst, zahle ich deinen", erwidert er. „Du weißt aber schon, dass Scotch teurer ist als Bier?", will ich von ihm wissen. „Ich werde vielleicht nicht so gut bezahlt, wie du, aber das bedeutet nicht, dass ich arm bin. Und außerdem werde ich gewinnen", sagt er nur und baut neu auf. Er wird verlieren.
„Du fängst an", sagt er. Ich möchte erst widersprechen, aber lasse es dann doch. Es ist unsinnig mit ihm über ein Spiel zu diskutieren. Ich werde sowieso gewinnen. Ich habe wieder die Halben, er die Vollen. Eine Kugel versenke ich, danach prallt die nächste Kugel knapp neben der Ecke ab. Verdammt. „My Turn", sagt Louis gut gelaunt. Ich verschränke die Arme vor der Brust. „Darf ich mal?" Er quetscht sich an mir vorbei und lehnt sich über den Tisch. Sein Shirt rutscht ein Stück hoch. Er ist trainiert. Zumindest der Teil seines Rückens, den ich sehe. Ach was, Sherlock, er ist Feuerwehrmann, ermahne ich mich selbst.
Er versenkt direkt drei Kugeln und geht damit deutlich in Führung. Den vierten Stoß verhaut er. Endlich. Ich versenke die erste Kugel, wechsle auf die andere Seite des Tisches und muss mich quer darüber lehnen, um an die weiße Kugel zu kommen. Sie liegt mittig, nicht zu schlecht, aber eben so, dass ich mich nach vorne lehnen muss, um präzise zielen zu können. Louis steht hinter mir. Ich spüre seinen Blick auf mir. Muss er mich so anstarren? Seltsamer Kerl. „Nett", kommentiert er, als ich die nächste Kugel versenke. „Ich weiß", antworte ich nur trocken. Es war so einfach, diese Kugel zu versenken, das hätte ich gar nicht versauen können. „Oh, und du bist sogar nochmal dran", sagt er provokant und einen kurzen Augenblick stocke ich. Was? Er geht an mir vorbei und ich spüre etwas an meinem Hintern. Fuck, war er das?
„Bist du so überrascht von dir, dass du die Regeln vergessen hast?", fragt er mich und reißt mich damit aus meiner Starre. „Ich habe überlegt, was ich als nächstes tue", sage ich schnell. „Und dabei musst du über dem Tisch liegen?", fragt er amüsiert. Ich presse die Lippen zusammen und sage nichts. Ich denke mir meinen Teil. Mein nächster Zug geht allerdings daneben. Louis lässt seinen Blick über den Tisch gleiten. Er versenkt noch drei Kugeln. Verdammte Scheiße. Nein, er wird verlieren, sage ich wieder und entscheide mich, welche Kugel ich als nächstes versenke. Das Risiko besteht, dass ich die acht auch erwische, aber der Stoß geht so gezielt, dass sie sich kein Stück bewegt. Ich sehe es in seinem Gesicht. Er hat gehofft, dass die schwarze Kugel reingeht. Fuck.
Ich lächle zufrieden und für einen kurzen Moment denke ich, dass ich noch in dieser Runde, meinen Sieg sicherstellen kann. Dann verziehe ich allerding. Er ist an der Reihe und innerhalb weniger Minuten muss ich zusehen, wie er seine letzten Kugeln versenkt und die Schwarze Acht folgt.
„Tja, das war's wohl", grinst er zufrieden. „Mein Deckel geht auf dich." – „Sicher", sage ich nur knapp. „Wie viel hast du getrunken?" – „Oh, wir haben nicht von meinem Drinks gesprochen, sondern von meinem Deckel", antwortet er mir zufrieden. „Scheiße, wem wolltest du was ausgeben?", will ich wissen. Wie konnte ich so dumm sein und darauf reinfallen? „Der ganzen B-Schicht. Ich hoffe, du hast genug Geld dabei", sagt er. „Ich komme gleich zur Theke und zahle", presse ich heraus und gehe zu den Waschräumen.
Nachdem ich meine Hände gewaschen habe, bleibe ich einen Moment vor dem Spiegel stehen. Wie konnte ich so dumm sein? Ich verliere keine Wetten, weil ich sie nicht annehme, wenn ich nicht weiß, dass ich gewinne. Das ist eine einfache Grundregel. Ich habe nicht nur knapp, sondern ziemlich hoch in diesem Spiel verloren, das hätte ich voraussehen müssen. Genauso wie ich hätte voraussehen müssen, dass Louis nicht umsonst die Formulierung Deckel gewählt hat. Theoretisch könnte es mir egal sein, ich habe genug Geld, aber ich hasse das Gefühl, was sich gerade in mir breit macht.
„Hier bist du." – „Ich habe doch gesagt, ich komme zur Theke", sage ich und sehe Louis durch den Spiegel an. Er kommt auf mich zu. „Du hast mich schon zehn Minuten warten lassen", sagt er und stellt dich hinter mich. Ich schnaube. „Und jetzt? Verklag mich doch." Louis schnaubt. „Deine Arroganz geht mir auf den Sack." – „Nicht mein Problem", antworte ich lediglich. Im gleichen Moment tritt er näher an mich. Direkt hinter mich. Mein ganzer Körper spannt sich an. Er sieht mich durch den Spiegel durchdringend an. „Sag das nicht zu früh. Das könntest du bereuen." – „Ich..." – „Ja?", fragt er abwartend und legt eine Hand auf meine Hüfte. Ich lehne mittlerweile am Waschtisch. Fuck.
„Es ist unfreundlich, jemanden so lange warten zu lassen", sagt er mit fester Stimme. „Also kommst du jetzt mit mir zur Bar und begleichst den Deckel. Wettschulden sind immerhin Ehrenschulden, oder nicht?", fragt er, aber ich antworte nicht. Zu überfordert bin ich gerade damit, was hier passiert. Louis lächelt verschmitzt. Ich blinzle ein paar Mal und nicke. Dann lächelt er zufrieden und geht einen Schritt nach hinten. „Dann komm mit." Er verlässt den Waschraum. Was war das gerade?
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Well, das hat Harry sich wohl etwas anders vorgestellt. Was haltet ihr von der Szene?
Love, L
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