45. Kapitel

Es ist soweit: Die Vergangenheit. (Also gerne viele Kommentare :)

-- -- -- -- --

Einige Jahre zuvor.

Harry:

Ich bin mir nach wie vor nicht sicher, wieso ich Niall zugesagt habe, mitzukommen. Ach ja. Weil er mich gezwungen hat. Skeptisch sehe ich mich um und bereue es, ihm gesagt zu haben, dass ich noch nie auf einer Studentenparty war. „Hier." Niall hält mir ein Bier hin. Ich nehme es an und drehe die Flasche in meiner Hand. „Budweiser? Ernsthaft?", frage ich ihn. „Du hättest dir ja etwas eigenes mitnehmen können", antwortet Niall mir und verdreht die Augen. „Schon gut", antworte ich und beobachte weiter das Bierpongspiel, dass gerade einige Meter stattfindet. „Tu tust so, als würde ich dich zwingen, dir eine fünfstündige, langweilige Oper anzuschauen. Das hier ist eine Party."

„Ich mag keine Partys", antworte ich ihm. „Du hast gesagt, du warst noch nie auf einer Party", argumentiert Niall und ich frage mich wieder einmal, wieso ich noch gleich mit ihm mitgegangen bin. In dieser Zeit könnte ich so viel andere produktivere Sachen tun. Ich könnte für die Uni lernen oder arbeiten und Geld verdienen. Nein, stattdessen bin ich in einer stickigen Studenten-WG und trinke Bier, das sich meiner Meinung nach nicht einmal so nennen dürfte. Ich stelle das Bier weg und öffne den Kühlschrank. Noch mehr Bier. Gibt es nichts Vernünftiges in diesem Haushalt?

„Wieso bist du heute schon wieder so schlecht gelaunt?", will Niall von mir wissen. „Ich bin nicht schlecht gelaunt", antworte ich ihm. „Ich habe nur andere Sachen zu tun." – „Und zwar?", will er wissen. „Ich muss eine Analyse fertig bekommen." – „Du denkst jetzt an Uni?" – „An die Arbeit", antworte ich ihm. Er seufzt. „Du musst ganz dringend ein Hobby finden. Arbeit ist keine Hobby." – „Ich brauche kein Hobby, mir geht es gut." – „Aha? Wann bist du das letzte Mal raus gegangen?", will er von mir wissen. „Letzte Woche war ich mit Gemma essen", antworte ich ihm. Es war vor zwei Wochen, aber diese kleine Lüge fliegt nicht auf. Erstaunt sieht er mich an. „Du warst zuhause?" – „Wieso sollte ich nicht dort gewesen sein?" – „Soweit ich mich erinnere, wolltest du zu Studienbeginn so schnell wie möglich dort ausziehen." – „Das eine schließt das andere doch nicht aus", widerspreche ich ihm. Außerdem sollte Niall inzwischen wissen, dass meine Familie an erster Stelle steht. Ich arbeite viel, das stimmt schon, aber das bedeutet nicht, dass ich deswegen nie meine Schwester oder meine Eltern sehe.

„Nialler!" Ein Kerl mit braunen Haaren und einem breiten Grinsen kommt auf uns zu. Soweit ich weiß, wohnt er hier und schmeißt diese Party. „Hi Liam. Das ist Harry." Ich nicke ihm zu und lächle freundlich. „Coole Party", sage ich, obwohl es nicht wirklich stimmt. „Danke. Wie ich sehe, habt ihr das Bier schon gefunden." Bier. Genau. „Wir spielen Shotpong, macht ihr mit?" – „Shotpong?", frage ich Niall verwundert. „Wie Bierpong nur mit Shots. Wir spielen mit", entscheidet er. Na super. Ich folge ihm und sehe dabei zu, wie die Becher aufgefüllt werden. Ich weiß, wie Bierpong funktioniert, ich habe es allerdings noch nie gespielt. Aber wie schwierig wird das schon sein.

„Harry, das ist Louis. Wir zwei spielen gegen euch zwei", stellt Liam mich dem anderen Kerl vor, der sich an den Tisch gesellt hat. „Hi", sage ich knapp und sehe in die Becher. Das sind doppelte Shots. „Ist das Tequila?", frage ich und Louis zuckt mit den Schultern. „Wir haben verschiedene Shots gemacht, so ist es nicht so langweilig." Ich nicke verstehend und Niall drückt mir einen Tischtennisball in die Hand. Na dann, wie schlimm kann das schon werden?

Ich bin schlecht in diesem Spiel. Ich treffe die Becher nur ein paar Mal und ich kann von Glück reden, dass Liam schon so viel getrunken hat, dass er genauso oft verfehlt wie ich. „Trink", fordert Louis, als er trifft. Missmutig nehme ich den Becher und fische den Tischtennisball heraus. Ich setze den Becher an und trinke den Shot schnell herunter. Es ist billiger Wodka. Igitt. „Fuck", fluche ich und schüttle angewidert den Kopf. Niall fängt an zu lachen. „Du bist dran. Vielleicht triffst du besser, wenn du was getrunken hast." Es war mein vierter Shot. Ich nehme den Ball und trete mittig vor den Tisch. Ich bin nie der Schlechteste. Im Gegenteil, normalerweise bin ich der Beste. Immer.

Wir verlieren haushoch. Ich trinke den letzten Shot – Raki – und stelle den Becher weg. Das war mit Abstand der schlimmste Shot. „Scheiße, ist es eklig!" Niall lacht mich aus und Louis kommt um den Tisch zu mir. „Jeder fängt mal so an, mach dir nichts draus." – „Was meinst du damit?", frage ich und gehe in die Küche, um mir ein Bier zum Nachspülen zu holen. Louis nimmt sich auch eins und lehnt sich an die Arbeitsplatte. „Es ist offensichtlich, dass du das noch nie gespielt hast." – „Und wenn schon", antworte ich und trinke fast die halbe Flasche aus.

Shit, so viel wollte ich überhaupt nicht trinken. Egal. Ich sehe Louis an. Niall hat ihn noch nie erwähnt. Ich glaube, sie kannten sich vor heute auch nicht. „Bist du Student?", will er wissen und mustert mich. Ich sehe an mir herab. Wieso sieht er mich so an? Habe ich einen der Shot verschüttet? „Ich studiere mit Niall, wieso?", frage ich. Louis zuckt mit den Schultern. Und trinkt einen Schluck Bier. „Du trägst ziemlich teure Klamotten, die eher nach Business aussehen als nach Student." – „Ich habe einen guten Job", antworte ich ihm. Ich kleide mich gerne vernünftig. Zum einen wird das von mir erwartet, wenn ich im Büro auftauche, zum anderen fühle ich mich wohl in dieser Kleidung. Natürlich ist mir klar, dass sich normale Studenten sich das nicht leisten können, aber ich gebe weder Geld für Alkohol noch für Partys oder Urlaub aus. Wenn man vernünftig mit seinem Lohn umgeht, kann man sich so einiges leisten.

„Lass mich raten. Du studierst irgendwas mit Wirtschaft und Finanzen", spricht er weiter. „Du sagst das, als wäre das etwas schlechtes", erwidere ich und weiß kurz nicht mehr, worum es geht, als er schmunzelt. Verdammt, das ist der Alkohol. Ich habe definitiv zu viel getrunken. „Nein, natürlich nicht. Es wäre nur nichts für mich." – „Und was tust du? Menschen retten?" – „Korrekt", sagt er und lächelt siegessicher und provokant. „Was?" Irritiert sehe ich ihn an. Er rettet Menschen? „Ich bin fast mit meiner Ausbildung bei der Feuerwehr fertig."

„Feuerwehr?", frage ich überrascht. Er nickt zufrieden und streicht sich die Haare nach hinten. Die sehen ziemlich weich aus. Ob sie wohl so weich sind, wie sie aussehen? Was interessiert mich das? Und wieso kann ich nicht verhindern, mir vorzustellen, wie er wohl in Uniform aussehen würde? Ich vertrage diese ganzen Shots nicht. Durcheinander zu trinken ist immer eine Dumme Idee. „Aber das hier ist eine Studentenparty", sage ich dann und in dem Moment, wo ich es ausspreche, bereue ich es. Wieso fällt mir nichts besseres ein? Ich bin doch sonst nicht auf den Mund gefallen!

„Ich wohne hier, du Genie", lacht er. „Du wohnst mit Liam zusammen", verstehe ich. Wieso wusste ich das nicht? Ich gehe nie unvorbereitet in Meetings oder Vorlesungen, wieso also auf eine Party? Ich hätte Niall zumindest fragen sollen, wer hier wohnt. Scheiße, wie kann es sein, dass ich mich am laufenden Band derart blamiere? Louis sieht mich schmunzelnd an. Okay? Ich bin mir nicht sicher, was dieser Blick bedeuten soll.

„Du machst nicht den Eindruck, als würdest du dich hier wohlfühlen", sagt er dann plötzlich. Verwundert sehe ich ihn an. „Wieso das? Ich habe nichts gesagt", antworte ich ihm und trinke noch etwas. So langsam sollte ich aufhören, aber... ach was solls. „Du wirkst unentspannt und ich bin mir nicht sicher, ob du freiwillig mit mir sprichst oder nur zu nett dazu bist, mich wegzuschicken", sagt er geradeheraus. Perplex sehe ich ihn an. „Was? Nein!", widerspreche ich sofort und wundere mich einen Augenblick über meine doch so schnelle Antwort. Oh Shit, der Alkohol steigt mir langsam zu Kopf. Ich sollte nicht... am Ende blamiere ich mich noch, wenn ich so weiter mache. „Sicher?", fragt Louis und ich nicke sofort entschlossen. Scheiß drauf. Niemand außer Niall kennt mich hier und so wie ich ihn kenne, ist er so betrunken, dass er bald sowieso nichts mehr mitbekommt. Ich sehe ins Wohnzimmer. Jemand hat die Musik aufgedreht. Ich mag den Song. Einige der anderen Gäste tanzen. Nein, fast alle tanzen.

Kurz sehe ich zu Louis. Verdammt, er sieht gut aus. Mir wollte das vielleicht zu denken geben, aber das tut es nicht. Ich nehme Louis' Hand und ziehe ihn in Richtung Wohnzimmer. „So entschlossen auf einmal?", fragt er grinsend. „Hast du etwas dagegen?", frage ich provokant und ziehe ihn führend zu mir. Wir stehen inmitten der Menge und mein Körper fängt wie von selbst an zu tanzen. Louis mustert mich auf eine Art und Weise, die ich definitiv mitbekommen soll. „Da würde ich schon etwas sagen", erwidert er und lächelt verschmitzt. Er weiß genau, welche Ausstrahlung er gerade hat, da bin ich mir sicher.

Louis kommt mir näher. Es wird enger um uns herum, aber ich denke gar nicht dran, von hier abzuhauen. Morgen kann ich mir über alles andere Gedanken machen. Heute nicht. Der Bass wummert stark und lässt meinen Körper auf der Musik treiben. Ich schließe die Augen und lege den Kopf in den Nacken. Plötzlich spüre ich eine Hand auf meiner Brust. Ich öffne die Augen wieder und sehe Louis, der mich fragend und gleichzeitig provokant ansieht. Instinktiv lege ich einen Arm um seine Taille und ziehe ihn enger an mich heran. Ja. Mach! Er lächelt zufrieden, fast schon siegessicher und platziert seinen Unterarm locker auf meiner Schulter. Er flirtet und er weiß, dass er flirten kann. Ich lasse es zu.

Die Songs wechseln und mir wird immer heißer. Fuck. Louis streicht mir die Haare aus der Stirn nach hinten. In diesem Moment versagt mein Verstand. „Fuck", murmle ich und starre auf seine Lippen. Er drückt sich an mich und ich schnappe nach Luft. Ich stehe mitten im Wohnzimmer auf der Tanzfläche zwischen all diesem Menschen und ich bin hart. Mein Schwarz drückt von Innen verlangend gegen meine Hose und Louis weiß das ganz genau. Er dreht sich um und scheint gehen zu wollen. Bevor er dann kann, ziehe ich ihn zurück zu mir. Herr Gott! Sein Rücken prallt gegen meine Brust und sein Hintern gegen meinen Schwanz. Ich will ihn anfassen, ohne diese Hose. „Willst du etwa hier bleiben?", fragt er und sieht mich mit großen Augen an. Er küsst mein Kinn und schiebt seine Finger zwischen meine, die auf seiner Hüfte liegen. „Oder gehen wir in mein Zimmer?" – „Dein..." – „Ich wohne hier, schon vergessen?", fragt er und lacht leise. Ich bin so was von verloren.

-- -- -- -- --

Tja, da erinnert Harry sich also wieder. Was denkt ihr darüber? Wie wird er wohl reagieren? 

Love, L

Bạn đang đọc truyện trên: AzTruyen.Top