21. Kapitel

Harry:

„Ist gerade für dich gekommen." Ich sehe auf. Nick steht mitten in meinem Büro. Natürlich tut er das, er wird niemals lernen, wie anklopfen funktioniert. „Was ist das?", frage ich verwundert, als er das Paket vor mir abstellt. Es ist nicht groß, vielleicht sind eine vorbestellten Bücher dort drin. „Woher soll ich das wissen, ich hab es nicht aufgemacht, falls du das meinst." Das wäre ja auch noch schöner. Ich nehme es und sehe auf den Absender. Ich kenne diese Firma nicht. Bürozubehör? Ich wüsste nicht, was ich bestellt habe. „Danke. Denkst du dran, die Tür zu schließen?", bitte ich Nick und hoffe, dass er versteht, dass er aus meinem Büro verschwinden soll. Er nickt und lehnt die Tür an. Er lehnt sie an. Ich verdrehe die Augen und stehe auf. Ich sollte mir eine Schließautomatisch installieren lassen.

Als ich wieder vor meinem Schreibtisch sitze, öffne ich das Paket mit meinem Brieföffner. Der Inhalt ist mit Seidenpapier bedeckt. Eine kleine Karte liegt darauf. Seit wann ist Bürozubehör so verpackt? Ich nehme die helle Karte und öffne sie.

Mutig genug?

Bitte was? Irritiert drehe ich die Karte um, aber da steht nichts, kein Absender. Wieso sollte ich nicht mutig genug sein, um Bürozubehör zu benutzten? Das Seidenpapier ist übereinander gefaltet. Ich öffne es und meine Augen werden groß. Das ist nicht das, was ich erwartet habe. Das hätte ich nicht einmal in Betracht gezogen. Mein Mund wird trocken und mein Herz schlägt schneller. Ich sehe mich um. Niemand beobachtet mich. Scheiße, wie gut, dass das Matt das Packet nicht geöffnet hat.

Als ich sicher bin, dass in den nächsten Minuten niemand in mein Büro kommt, rolle ich mit meinem Stuhl ein Stück nach hinten und nehme das Packet auf den Schoß. Erst dann öffne ich das Seitenpapier wieder. Ich weiß, was das ist. Theoretisch. In Realität habe ich es noch nie gesehen – geschweige denn angefasst. „Fuck", murmle ich und nehme es vorsichtig in die Hand. Das hat er nicht wirklich gemacht. Ich schätze, es ist Silikon, es ist nicht super glatt und fest, eher eine weichere Oberfläche. Es ist ein Plug. Keiner aus Metall, in schwarz oder dunkelrot. Er ist hellblau, ich schätze sieben Zentimeter lang und maximal drei Zentimeter breit. Ich drehe den Plug in meinen Händen und achte darauf, ihn nicht höher als meine Tischplatte zu halten.

Was soll ich damit? Dumme Frage. Ich weiß genau, was man damit tut. In dem Karton liegt außerdem eine kleine Tube Gleitgel und ein gefalteter Zettel. Ich stelle schnell fest, es ist eine Anleitung. Sowohl zur Anleitung als auch zur Reinigung und worauf man achten muss. Verdammt, damit habe ich heute nicht gerechnet. Ich lege den Plug wieder hinein und nehme mir die kleine Tube. Extra Sensitiv Relaxing Longlasting. Alles klar. Ich zögere. Ich sollte es einfach wieder zurück schicken. So etwas brauche ich nicht. Ich habe es noch nie benutzt und nie etwas vermisst. Wieso also sollte es jetzt anders sein?

Wieder fällt mein Blick auf den Plug. Angespannt sitze ich in meinem Bürostuhl. Denkt Louis wirklich, dass ich so etwas brauche? Er muss es geschickt haben, wer soll es sonst gewesen sein? Ich schließe die Kisten wieder und klebe sie zu, bevor ich sie unter meinen Schreibtisch lege. Allerdings klappt mein Plan, sie einfach bis Ende des Tages zu ignorieren nicht so ganz. Die ganze Zeit denke ich daran, was dort unter meinem Schreibtisch mitten in meinem Büro liegt. Ich sollte nicht daran denken. Ich habe wichtigeres als das zu tun. Meine Arbeit ist wichtiger. Und benutzen werde ich diesen Plug sowieso nicht. Denkt Louis wirklich, dass ich es derart nötig habe?

Bis zum Abend halte ich es aus. Dann öffne ich unseren Chat und meine Daumen schweben über der Tastatur. Ich verziehe den Mund. Das hier ist so verdammt falsch. Meine Selbstbeherrschung schwindet immer mehr, bis ich plötzlich eine Nachricht getippt habe.

Me: Wieso das Paket?

Es dauert eine Weile, aber dann antwortet er. Ich habe versucht, konzentriert weiterzuarbeiten, aber sobald mein Handy piept, habe ich es sofort wieder in der Hand.

Louis: Du hast es also schon geöffnet.

Me: Wie kommst du darauf?

Louis: Weil ich nirgendwo als Absender stehe.

Scheiße, wie konnte ich das vergessen? Der Plug hat mich derart aus dem Konzept gebracht, dass ich nicht mehr daran gedacht habe, dass ich definitiv nicht nur von Bürozubehör auf Louis hätte schließen können. Idiotisch, Styles.

Me: Und?

Louis: Mutig genug?

Er zitiert die Karte. Glaubt er, das würde mich provozieren? Ich bin niemand, der sofort etwas tut, nur weil ein anderer sagt: Ich wette, das kannst oder traust du dich nicht. Das ist primitiv und derart hormongesteuert bin ich nicht.

Me: Ich sehe keinen Mehrwert darin, es auszuprobieren

Louis: Dann kannst es mir ja zurückbringen.

Me: Du willst es benutzen?

Louis: Es ist ein Sexspielzeug, was soll ich sonst damit tun, es als Buchstütze benutzen?

Me: Es zurückschicken

Louis: Wieso auf Spaß verzichten?

Me: Also benutzt du es dann selbst?

Me: Ich meinte, allein.

Louis: Du meinst, ob ich mir den Plug in den Hintern schiebe

Mit großen Augen lese ich seine Nachricht. Natürlich habe ich das gemeint, aber so ausgedrückt hätte ich es nicht. Vor meinem inneren Auge taucht ein Bild auf. Louis sitzt auf einem Bett über dem Plug und lässt sich darauf nieder. Er stöhnt und keucht, schließt die Augen und genießt es. Mein Schwanz zuckt erregt. Fuck, dieses Kopfkino muss sofort aufhören.

Louis: Vielleicht. Ich würde es aber wahrscheinlich eher mit jemand anderem verwenden.

Me: Einem anderen Kerl?

Louis: Eifersüchtig?

Me: Wieso sollte ich?

Louis: Weil ich weiß, dass du dir vorstellt, wie ich dir zeige, wie gut sich Sex anfühlen kann. Du willst es ausprobieren und wissen, ob es alles leere Versprechungen sind, oder ich recht habe. Du willst wissen, ob ich dich um den Verstand bringen kann, dich so gut vögeln kann, dass du alles um dich herum vergisst.

Scheiße, bis gerade habe ich nicht daran gedacht, aber augenblicklich passt sich die Szene vor meinem inneren Auge an. Louis würde mich... er würde den Plug... fuck. Erregung breitet sich in meinem Körper aus und mein Schwanz drückt aufmerksamkeitssuchend gegen meine Anzughose. Was Louis wohl machen würde?

Louis: Lern denen Körper selbst kennen

Me: Deswegen hast du es mir geschickt?

Louis: Sag Bescheid, wenn du dich getraut hast.

Nach dieser Nachricht ist er offline und lässt mich mit meinen Gedanken allein zurück. Das ganze Büro ist leer. Ich bin wie so oft der Einzige, der um diese Uhrzeit noch hier ist. Deswegen denke ich nicht weiter darüber nach, als ich meinen Laptop ausschalte und mir meine Sachen schnappe. Klar denken und mich auf meine Arbeit konzentrieren kann ich mich jetzt sowieso nicht mehr. Stattdessen schnappe ich mir das Paket und mache mich auf den Weg nach Hause. Ich will es nicht ausprobieren. Und ich werde es nicht ausprobieren.

Es ist wie ein Mantra, dass ich immer wieder in Gedanken vor mich hin sage. Auch noch, als ich unter der Dusche stehe. Die Kiste steht im Wohnzimmer. Ich soll meinen Körper kennenlernen. Ich kenne meinen Körper. Ich weiß, dass ich so ein Spielzeug nicht brauche, um guten Sex zu haben. Mit Frauen. Nicht mit Louis. Also mit Männern. Mein Schwanz verlangt nach wie vor nach Aufmerksamkeit, auch wenn er seit der Fahrt nach Hause, nicht mehr gegen meine Hose gedrückt hat. Diese Genugtuung werde ich Louis nicht geben. Er schwirrt viel zu sehr in meinem Kopf herum, als dass ich gerade nicht an ihn denken könnte. Ich werde mir garantiert keinen runterholen, wenn ich mir ihn dabei vorstelle.

Weil ich weiß, dass du dir vorstellt, wie ich dir zeige, wie gut sich Sex anfühlen kann. Du willst es ausprobieren und wissen, ob es alles leere Versprechungen sind, oder ich recht habe. Du willst wissen, ob ich dich um den Verstand bringen kann, dich so gut vögeln kann, dass du alles um dich herum vergisst.

So ein Bullshit. Er weiß gar nichts. Erst recht nicht, ob ich mir so etwas vorstelle. Das tue ich nur, weil er es mir schreibt. Er könnte auch schreiben, denk nicht an die Tower Bridge. Natürlich denkt man da an die Tower Bridge. Das hat rein gar nichts zu sagen. 

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Louis schleicht sich immer mehr in Harrys Gedanken. Meint ihr, er wird widerstehen können? 

Love, L

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