Fünfundzwanzig oder so


Fünfundzwanzig oder so

Ich lief nun seit Stunden, ungelogenen Stunden, vielleicht so um die fünfundzwanzig oder so, hier umher, hatte nicht mal den Hauch eines blassen Schimmers, wo ich mich nun denn wirklich befand. Ich sah umher, verzweifelt nach links, nach rechts, wieder nach links und umgekehrt. Kreuzungen waren mein Untergang, mein Verderben. Links oder rechts, oder doch lieber links? Ich wagte es und tat einen Schritt in die eine Richtung, um wiederum in die andere zu gehen. Ein Labyrinth war das hier, ein wahres Labyrinth! Wie konnten sie es nur verantworten mich in diese Hölle zu verfrachten? Mich in diesen Alptraum, der aus unzähligen, aus tausenden und aber tausenden Gängen bestand, hinein zu setzen, ohne jeglichen Hinweis, wohin ich denn nun bitte gehen sollte. Meine Schritte halten auf dem Gang, diesem endlosen Gang der Verzweiflung. Ich sah nach links und rechts und links, überall Gänge, Korridore, die wiederum mit Abzweigungen versehen waren. Ein Plan wäre nicht schlecht, auch wenn ich schrecklich mit Plänen war, doch den, der hier irgendwo in diesem irren Wirrwarr steckte, das das Labyrinth des Minotaurus sicher um Längen und Breiten übertraf, hätte ich vermutlich nicht einmal im Ansatz entziffern können, geschweige denn überhaupt feststellen, wo ich mich befand. Abbiegen, jetzt? Ja, aber links, oder rechts, oder doch gerade aus, oder - egal. Einfach die Münze werfen und das Schicksal entscheiden lassen, auch wenn das Schicksal mich kein Stück mochte. Also warf ich, ging rechts, weiter entlang und fünfundzwanzig und mehr, von Stufen hinunter, bis ich dachte, ich hätte geradewegs die Treppe zur Hölle hinunter betreten, so niemals enden wollend war sie. Endlich, nach einer Ewigkeit und fünfundzwanzig, oder so, Tagen am Ende der Höllentreppe angelangt, nur um links zu gehen und andere Stiegen wieder hinauf. Das Schicksal mochte mich kein Stück und noch weniger als kein Stück.

Keuchend und japsend, am Ende meiner Kräfte angelangt, erreichte ich die Spitze der Treppe, öffnete eine Tür und fand fünfundzwanzig oder so, weitere vor. Wählen, ich durfte wählen zwischen Türen, die mich sicher wieder zu anderen Türen führen würde und immer so fort. Wann hatte dieser Wahnsinn ein Ende? Wann würde ich es schaffen das Labyrinth zu verlassen? Ich musste entscheiden, entschied mich für geradewegs mitten hindurch, und so geradewegs in den Wirrwarr, aller Wirrwarrs, die ich bis jetzt erlebt hatte. Gänge. Fünfundzwanzig verschiedene oder so, die Qual der Wahl. Schon wieder. Ich nahm einen auf gut Glück. Lange würde ich nicht mehr durch halten, all diese Korridore, Abzweigungen, Türen, Treppen, Wege verwirrten mich und meine Gedanken. Schwer, nein, schwerer als Blei waren meine Beine, als ich weiterging, weiter, tiefer hinein in dieses Labyrinth meines Unterganges. Würde ich für den Rest meiner Tage in diesem Wahnsinn umherirren? Ich bezweifelte es nicht und dennoch weigerte sich mein sturer Stolz aufzugeben, aufzuhören weiterzugehen. Ich blieb stehen. Eine Kreuzung. Ich sah zum kleinsten, der kleinen Fenster hinaus, erblickte- Büsche. Mindestens fünfundzwanzig Büsche mussten es sein, die mir die Sicht versperrten und mir so meine, nicht vorhandene, Orientierung verwehrten.

„Annie!", rief jemand meinen Namen. Ich wirbelte herum. Sonya, meine beste Freundin lugte aus einer Tür. Meine Rettung aus dem Labyrinth, mein Faden der Ariadne, meine Befreiung aus dem Wirrwarr. „Wo bleibst du? Der Unterricht hat schon längst begonnen!"

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