in meinen armen

Die nächsten zwei Tage sah er Louis kaum. Es war als wäre er gar nicht da. Nur beim Essen begegnete er ihm und einmal dachte er kurz ihn hinterm Haus verschwinden zu sehen, aber das hatte er sich auch nur einbilden können.

„Harry." Fizzy fuchtelte vor seinen Augen herum und Harry schreckte aus seinen Gedanken. „Hm?"

„Die Anderen sind wieder da", sagte sie und da sah Harry auch, dass Gemma ihr Auto gerade geparkt hatte und mit Phoebe und Daisy zusammen ausstieg.

„Wir sind wieder da", rief einer der Zwillinge und wedelte mit etwas in der Hand. „Und haben die Schere dabei!"

Harry lächelte. Er und Fizzy hatten schon einen Stuhl und ein altes Hemd von Dan bereit gestellt, dass sie als Friseurkittel benutzen konnten.

„Na dann, Phoebe, wer auch immer von eich beiden das ist, rein in den Sessel", sagte er und der Zwilling, der mit der Schere gewedelt hatte kam zu ihm
„Es ist wirklich gut, dass wir das jetzt machen, du brauchst nämlich wirklich lange es dir mal zu merken."

„Hey, ich hab auch länger als zwei Wochen gebraucht, um euch auseinanderhalten zu können", sagte Gemma lachend und setzte sich Fizzy gegenüber an den Tisch, neben dem sie den Stuhl aufgebaut hatten.

„Ich vertraue dir, Harry", sagte Phoebe jetzt, die sich in den Stuhl sinken ließ und Harry grinste.

„Ganz schlechte Entscheidung", scherzte er und Phoebe spielte mit und seufzte nur.

„Ich wusste es."

Grinsend legte Harry ihr das Hemd über und machte es hinter ihrem Rücken zu. Dann griff er nach der Sprühflasche, die Fizzy für ihn mit Wasser gefüllt hatte und begann ihre Haare anzufeuchten.

Er klemmte bestimmte Partien ihrer Haare gekonnt ab und Gemma nickte nur zufrieden.

„Wo hast du das so gut gelernt?", fragte Fizzy grinsend und Harry zuckte mit den Schultern.

„Hat Mum mir beigebracht", meinte er. „Sie hat mal eine Friseurausbildung gemacht und Gems hat mir erlaubt so viel an ihr zu üben, bis ich es kann."

„Also ist das eigentlich alles mein Verdienst", meinte Gemma grinsend und Harry rollte mit den Augen.

„Schulter- oder Kinnlänge?", fragte er und Phoebe schob nachdenklich ihre Unterlippe vor.

„Mach erstmal Schulter", sagte sie und Harry nickte. Bevor er aber den ersten Schnitt ansetzen konnte kamen Lottie und Liam zusammen aus dem Stall gerannt. „Fangt nicht ohne uns an", rief Lottie und Harry wartete geduldig ab, bis die beiden bei ihnen waren. Daisy hatte ihnen geschrieben, dass es jetzt losgehen würde und sie hatten sofort die Mistgabeln liegen gelassen.

Dann begann Harry vorsichtig Phoebes Haare zu schneiden. Nach ein paar Minuten kam auch Alex (mit dem Daisy jetzt irgendwie wohl doch so halb zusammen war, sie stand direkt auf, damit er sich hin- und sie sich auf seinen Schoß setzen konnte und hauchte ihm einen Kuss auf die Lippen) dazu und Fizzy hatte leise Musik angemacht und die Stimmung war super.

Wirklich, alles auf diesem Hof war einfach Sommer und Fröhlichkeit. Harry vermisste es jetzt schon jeden Tag hier aufzuwachen (gut, den Hahn vielleicht nicht, aber das Gefühl).

Und als er dann fertig war und Phoebe sich erst bestimmt fünf Minuten im Spiegel anstarrte und ihm dann um den Hals fiel, weil sie den Haarschnitt so gut fand, lachte Harry glücklich.

Jetzt konnte er sie auch endlich auseinanderhalten.

Jay und Dan waren auch hellauf begeistert, als sie es später irgendwann sahen und Phoebe konnte gar nicht aufhören durch ihre kürzeren Haare zu streichen. „Sie fühlen sich auch so gesund an", meinte sie ständig begeistert und Daisy scherzte ob sie ihre nicht auch so kurz schneiden sollte.

Louis sah es beim Abendessen. Er lächelte bloß, fuhr auch einmal durch ihre Haare und sagte „Sieht schön aus, Pheebs." bevor er sich seinem Teller zuwandte und nicht mehr viel redete.

„Die nächsten Tage soll es ja ziemlich stürmisch werden", fing Dan irgendwann an und Jay nickte.

„Ja, ich hab schon überlegt ob wir irgendwas noch absichern müssen. Es soll ja ganz schön heftig werden."

„Vielleicht die Türen vom dritten Stall? Die sind ziemlich locker."

„Ich red morgen mal mit Liam, was er denkt."

Jay nickte und in dem Moment stand Louis auf, stellte seinen Teller in die Spüle und flüchtete aus dem Raum. Alle sahen ihm hinterher und Harry hörte Jay seufzen.

Dan legte seine Hand auf ihre und nickte beschwichtigend. „Es ist schon okay", sagte er und sie kratzte sich an der Augenbraue und nickte dann.

„Ja. Aber leicht ist es trotzdem nicht."

Harry verstand mal wieder kaum was, aber er konnte sich zumindest denken, das irgendwas, vom dem was die beiden gesagt hatten Louis' Gedanken auf Zayn gebracht haben musste. Oder so ähnlich.

Als er irgendwann später aus seinem Zimmerfenster auf den Hof sah, sah er Louis wieder mal rauchen. Über das Geländer vom Reitplatz gebeugt, seine Zigarette glühte in der Dunkelheit.

Er wirkte fast in sich zusammengekauert. Und Harry konnte aus der Entfernung und durch das Glas seines Fensters spüren wie traurig er war.

_____

Jay und Dan hatten Recht. Am nächsten Tag war schon ordentlich viel mehr Wind und noch einen Tag später begann es viel zu regnen. Fizzy und Harry verbrachten die Zeit die sie sonst draußen waren drinnen und die Zwillinge verlegten ihr Training in die Halle. Es war so ein Wetter, das man sich einfach nur unter einer Decke mit einer heißen Schokolade aufs Sofa kuscheln wollte, obwohl es trotzdem noch relativ warm war.

Also machten er und Fizzy das auch eigentlich den ganzen Tag. Sie spielten Uno, tranken Tee und sahen sich ein paar Filme an, Gemma stieß irgendwann nachmittags dazu und wo Gemma war war auch Lottie nicht weit.

Es war der ruhigste Tag, seit Harry hier angekommen war, aber irgendwie verging er trotzdem wie im Flug. Als er abends im Bett lag verstand er gar nicht wo die ganzen Stunden hin waren.

Und schlafen konnte er auch nicht. Vor allem weil es inzwischen wirklich gewitterte und alle paar Minuten Donner zu hören war.

Als Harry dann aber meinte zu hören, wie Louis' Zimmertür aufging und er rausging, runzelte Harry die Stirn.

Louis wollte doch nicht wieder mit Nordlicht spazieren gehen, oder? Das wäre bei dem Sturm nicht wirklich verantwortungsbewusst.

Harrys Gehirn hatte den Entschluss schon gefasst, bevor er es überhaupt wusste und so kam es, dass er zehn Minuten später wieder komplett angezogen war und in seine Schuhe schlüpfte, um Louis zu folgen.

Dieses Mal war die Tür nicht so angelehnt, dass man wieder reinkam. Louis wollte vermutlich nicht, dass sie durch den Wind aufging oder so. Er hatte ja bestimmt eh einen Schlüssel.

Und wenn nicht würde Harry Fizzy anrufen, er hatte sein Handy dabei und es war aufgeladen.

Also ließ er die Tür einfach hinter sich ins Schloss fallen. Draußen war es extrem windig und Harry schlang die Arme um sich. Der Regen war auch nicht besonders angenehm und ja, er hätte vielleicht eine Jacke mitnehmen sollen.

Fröstelnd lief er schnellen Schrittes zum Stall, in dem wie erwartet Licht brannte, allerdings diesmal nicht so helles wie sonst, die Deckenbeleuchtung war aus. Hinten war aber irgendeine kleine Lampe an.

Jetzt wurde Harry etwas unruhiger. Wenn Louis einfach nur hier war und gar nicht weggehen wollte...dann wäre Harry hier fehl am Platz. Er wollte ihn ja nur davon abhalten in dem Sturm spazieren zu gehen, aber falls er das gar nicht vorgehabt hatte...

Zögerlich ging Harry so leise wie möglich den Gang entlang.

Bei Nordlichts Box angekommen spähte er hinein und ja, natürlich war Louis hier.

Aber er machte keine Anstalten zu gehen. Er saß auf einem Strohballen vor Nordlicht, das Pferd hatte wie so oft den Kopf zu ihm gesenkt und Louis strich ihm sanft übers Fell.

Eine Weile blieb es still und Harry stand einfach nur da und sah den beiden zu. Er sollte wieder gehen. Er hatte hier nichts zu suchen und Louis schien nicht rausgehen zu wollen, er wollte nur bei seinem Pferd sein und vermutlich alleine und-

„Du kannst dich ruhig setzen", sagte Louis, ohne aufzusehen und Harry zuckte erst zusammen, weil er sich nicht mal so ganz sicher gewesen war, dass Louis ihn überhaupt bemerkt hatte, dann betrat er zögerlich die Box und ließ sich neben Louis auf dem Strohballen nieder.

„Ich hasse Stürme", murmelte Louis leise und strich dabei Nordlicht weiter über das Fell, so als ob es ihn selbst beruhigen würde. Vermutlich tat es das.

„Und warum..." Harry räusperte sich, als ihm auffiel, wie dünn seine Stimme klang. „Warum bist du dann hier? Ich meine ist das Haus nicht sicherer?"

Jetzt sah Louis ihn zum ersten Mal an. Für eine Sekunde erstarrte seine Hand im Fell, dann machte sie weiter und Louis öffnete den Mund.

„Ich...Ich hab keine Angst...vor Stürmen, Harry", sagte er, als würde das alles erklären. „Ich mag sie nur nicht. Und Nordlicht auch nicht." Er sah hoch zu seinem Pferd, was seinen Kopf nur senkte und Louis' Schulter anstupste. „Deshalb bin ich immer bei ihm, wenn es gewittert."

Harry biss sich auf die Unterlippe.

Louis holte tief Luft. „Ich ähm..." Er warf Harry einen Blick zu, sah aber extrem schnell wieder weg. „Es tut mir Leid", sagte er dann. „Wie ich dich die erste Woche behandelt hab. Das war nicht wirklich nett von mir." Er seufzte und es war so tief, dass Harry fast das Gefühl hatte Louis' Verzweiflung am eigenen Körper zu spüren. „Es ist nur so, ich...also es...es geht mir nicht so gut", meinte er. „Und das lasse ich an allen Anderen aus, weil ich nicht gut darin bin...mit...also mit meinen Gefühlen umzugehen."

Harry folgte einem merkwürdigen Drang und legte seine Hand vorsichtig auf Louis' Arm.

„Das ist okay", sagte er. „Ich war auch nicht wirklich fair zu dir, ich hab dich einfach sofort als blöd abgestempelt und das war's."

Kurz verhakten sich ihre Blicke, dann schüttelte Louis leicht den Kopf.

„Nein, Harry, ich..." Er seufzte und legte seine Hand für den Bruchteil einer Sekunde auf Harrys. Was passierte hier gerade? Und warum fand Harry es überhaupt nicht komisch, dass es sich so vertraut anfühlte hier mit Louis zu sitzen. Das war abgesehen vom Auto das erste richtige Gespräch, das sie miteinander hatten und das musste doch eigentlich anders verlaufen, oder?

„Ich war wirklich nicht cool und..." Louis schloss kurz die Augen und lehnte seinen Kopf an die Boxenwand hinter sich. In dem Moment donnerte es und er zuckte zusammen. Nordlicht trat einen kleinen Schritt näher.

„Mein bester Freund ist vor drei Jahren gestorben", sagte Louis leise. „Vielleicht hast du das ja schon mitbekommen."

Harry schluckte und nickte vorsichtig.

„Und ich...also er..." Louis brach wieder ab und presste die Lippen aufeinander. „In meinen Armen."

Harry runzelte die Stirn. Was meinte Louis damit? In seinen Ar-

„Er ist in meinen Armen gestorben."

Harry blinzelte. Die Information brauchte ein bisschen, um bei ihm anzukommen.

Bitte was?

Er war in Louis' Armen gestorben? Das...das musste wirklich traumatisierend sein.

„Oh fuck", flüsterte Harry leise und wollte Louis wieder berühren, ihm irgendwie ein bisschen Trost geben, aber einerseits war er wie gelähmt, andererseits zog Louis seine Beine auf den Strohballen und umarmte sie, um sein Kinn auf seinem Knie abzulegen.

„Er hat hier gepennt", fing Louis an und wenn Harry es nicht besser wüsste würde er denken, dass Louis ihm jetzt die ganze Geschichte erzählen würde. Vielleicht tat er das ja wirklich. Vielleicht musste er es einfach mal rauslassen.

„Hat er ziemlich oft, wir waren quasi zusammen getackert, haben jede freie Minute miteinander verbracht."

Harry musste leicht lächeln. Das kannte er irgendwoher (hust Niall hust).

„Und es gab eine Unwetterwarnung für die Nacht, aber es sah halt nicht danach aus. Also der Himmel war super klar, man konnte sogar die Sterne sehen und es war ein Sternschnuppenregen angesagt. Ich wollte den unbedingt sehen. Von unserer Lichtung aus, weißt du? Zayn und ich waren da ständig und es ist da einfach wunderschön. Also...war es, ich war seitdem nicht mehr da. Und er meinte es ist keine gute Idee bei dem Gewitter was kommen sollte und...ach keine Ahnung. Ich hab ihn auf jeden Fall überredet gekriegt und..." Louis brach ab, kratzte sich aggressiv am Hals und redete weiter.

„Und dann sind wir doch los. Im Nachhinein...es war nicht nur absolut unverantwortlich von uns überhaupt in den Wald zu gehen, sondern auch noch...mein Gott, ich habe nicht nur uns, sondern auch unsere Pferde in Gefahr gebracht." Er streichelte Nordlicht über die Schnauze.

„Als wir bei der Lichtung angekommen sind, hat es angefangen heftig zu regnen. Also wirklich so heftig, dass man kaum mehr was sehen konnte. Dazu war es auch noch dunkel und dann wurde es immer schlimmer. Irgendwann hat Zayn mich überzeugen können, dass wir schnell wieder nach Hause sollten. Ich könnte mich dafür umbringen, dass er mich dazu überhaupt noch überreden musste. Ich war so absolut geistesgestört." Louis' Stimme klang mittlerweile belegt und er holte nochmal tief Luft.

„Wir sind nur ganz langsam los, weil man wirklich nicht viel sehen konnte und es war nass und kalt und dann ist irgendwann ein Blitz neben uns eingeschlagen. Nordlicht und Prinz, also...Zayns Pferd...sind komplett ausgerastet. Ich konnte Nordlicht relativ schnell beruhigen, aber Prinz war sowieso immer sehr lichtempfindlich und Zayn hat die Kontrolle verloren. Prinz ist abgehauen und ich bin zwar hinterher, aber irgendwann haben wir die beiden verloren."

Nordlicht schnaubte beruhigend und Louis nickte seinem Pferd zu und ließ ihn an seiner Kapuze knabbern.

„Ich bin eine halbe Stunde lang durch den Wald geirrt und hab Zayn gesucht. Und als er irgendwann geantwortet hat..." Louis' Stimme brach. Er ignorierte es und redete einfach weiter.

„Bin ich schnell hin und...und die beiden waren beim Steinbruch beim Fluss. Es ist da zwar eigentlich echt schön, aber halt auch ultra gefährlich. Ein Baum war umgestürzt und hatte Prinz so halb von der Seite und damit auch Zayns Bein eingequetscht. Ich bin abgestiegen, hab versucht zu helfen und-" Louis' Stimme brach nochmal und zitterte. Er zwang sich ruhig zu atmen und Harry legte ihm jetzt trotz allem eine Hand auf die Schulter.

„Und als ich es geschafft habe den Stamm irgendwie so weit zu bewegen, dass Prinz frei war...ist er so durchgegangen, dass er Zayn abgeworfen hat und den Abhang runter in den Fluss gestürzt ist. Zayn ist auf einem spitzen Felsbrocken aufgekommen, und es hat ihn extrem verletzt, er hatte eine riesige Wunde an der Seite, er hat extrem viel Blut verloren..." Louis holte zitternd Luft. „Ich bin sofort zu ihm. Er war voller Panik und wollte nur Prinz hinterher, was ich verstehen kann, wenn es Nordlicht gewesen wäre hätte ich genauso reagiert, aber Zayn konnte sich nicht bewegen. Der Sturz hat ihn irgendwie gelähmt oder so, irgendwelche Nerven kaputt gemacht, keine Ahnung. Und dann hat er deshalb noch mehr Panik bekommen und es hat immer noch geregnet und gedonnert und ich konnte niemanden erreichen, weil absolut kein Empfang war und meine Hände so gezittert haben und dann...dann hab ich einfach nur da gesessen, in der Kälte und Zayn hat in meinen Armen geweint, wegen Prinz und ich hab mit ihm geweint und irgendwie versucht die krasse Blutung zu stoppen, aber nichts hat geholfen."

Harry fühlte sich ein wenig hilflos. Louis schluchzte leise.

„Und dann..." Louis zitterte. „Dann war er plötzlich tot", flüsterte er. „Ich hab irgendwann auch das Bewusstsein verloren. Es war einfach zu kalt und ich war komplett fertig und kaputt. Die Feuerwehr hat uns- mich nur gefunden, weil Nordlicht sie zu mir geführt hat. Prinz ist ertrunken."

Eine Weile lang war es still. Harry wusste nicht was er sagen sollte.

Dann folgte er einfach seinem Gefühl und legte seinen Arm ganz um Louis. Und zu seiner Verwunderung lehnte Louis sich ihm entgegen und legte seinen Kopf auf Harrys Schulter ab.

„Das tut mir Leid", sagte Harry. „Das muss ziemlich heftig sein. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie schlimm das für dich war."

Louis antwortete nicht. Aber das musste er auch nicht. Er atmete einfach nur tief ein und aus und schien Harrys Umarmung zu genießen, was diesen irgendwie auf eine komische Art und Weise glücklich machte. Er drückte den älteren Jungen noch ein bisschen enger an sich und dann saßen sie einfach nur da.

Bestimmt zehn Minuten hingen sie ihren Gedanken nach, nebeneinander in Nordlichts Box, nur die Geräusche die die Pferde machten im Hintergrund, dann irgendwann drückte Harry sanft Louis' Schulter.

„Wart ihr nur Freunde?", fragte er, weil die Frage ihn jetzt schon länger beschäftigte und Louis' Blick schoss zu ihm hoch. Er musterte Harry mit gerunzelter Stirn und sah dann wieder weg.

„Ich glaube nicht", sagte er nach einer Weile und kratzte an seinem Knöchel. Seine Stimme klang wieder belegt. „Ich glaube ich war ziemlich verliebt in ihn. Ich wusste es nur irgendwie nie. Und als wir den Unfall hatten, ich-"

Er brach ab und blinzelte schnell. Nordlicht stupste ihn sanft mit der Schnauze an und Louis lachte leise, aber es klang irgendwie fast wie ein Schluchzer.

Er streichelte sein Pferd und eine Weile blieb es wieder still. Harry hatte keine Ahnung, was er sagen sollte und irgendwie war es auch das Richtige gar nichts zu sagen.

„Reiten war mein Leben", sagte Louis dann. Es klang irgendwie bitter, aber nicht so wie er am Anfang zu Harry gewesen war, sondern einfach von Traurigkeit gefüllt. „Reiten und Zayn."

Harry biss sich auf die Unterlippe.

„Und jetzt...", meinte Louis und holte tief Luft. „Im Sattel zu sitzen versetzt mich sofort zurück in die Nacht. Ich hab das Gefühl ich spür den Regen und die Kälte und...und ich krieg so Panik, dass ich sofort wieder absteigen muss." Er sah Harry an und es brach Harrys Herz die Tränen in seinen Augen zu sehen.

„Ich vermisse es so sehr", sagte Louis und holte tief Luft. „Aber ich kann einfach nicht."

Harry musste schlucken und dann hatte er plötzlich auch den anderen Arm um Louis geschlungen und zog ihn ganz an sich. Kurz löste Louis sich von ihm und Harry hielt den Atem an, aber dann kletterte Louis auf seinen Schoß, schlang die Arme um seinen Hals und begann leise zu weinen.

Und Harry hielt ihn einfach nur fest, spürte sein eigenes Herz bei Louis' Traurigkeit brechen und fuhr mit seiner linken Hand in dessen Haare.

Er versuchte nicht mal Louis zu beruhigen. Er ließ ihn einfach alles rauslassen und strich sanft durch seine Haare und über seinen Rücken.

Irgendwie bedeutete ihm das hier unglaublich viel.

Und er würde Louis irgendwie helfen. Er wusste nicht wie. Aber er würde ihm irgendwie helfen.

Ihm irgendwie helfen den Schmerz erträglicher zu machen. Zu heilen.

Er musste es zumindest versuchen.

Und da war noch eine Sache. Ein neuer Song. Harry hatte plötzlich Lyrics im Kopf.

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