das hat nichts mit dir zu tun

„Was haltet ihr von einem Picknick?", fragte Mark und Phoebe und Daisy nickten begeistert.

„Beim Steinbruch am Fluss?", fragte Daisy. „Wir könnten ja auch neue Blumen-" Sie verstummte, als Fizzy ihr heftig in die Seite stieß. Harry runzelte die Stirn, aber als Fizzy nach links nickte und die Anderen Louis erblickten, wechselte Daisys Blick zu fast panisch. Harry runzelte die Stirn.

Er musste unbedingt rausfinden, was diese ganze Louis-Sache war. Er hatte Fizzy eigentlich darauf ansprechen wollen, was er gestern gesehen hatte, aber als es schien wie ein guter Zeitpunkt (beim nachmittäglichen UNO-Spielen) war Mark auf dem Hof angekommen und er und Harry waren einander vorgestellt worden und jetzt entschieden sie alle wie sie den Nachmittag verbringen wollten.

Er musste Fizzy wann anders fragen, aber sie klebten quasi zusammen, er würde schon noch eine Gelegenheit haben.

„Dad!", rief Louis erfreut und kurz sah Harry ein ehrliches Lächeln auf seinen Lippen. Er kam zu ihnen, umarmte seinen Vater und Mark lächelte ihn fröhlich an. „Da ist ja mein Ältester", sagte er und Louis grinste und sah einen Augenblick lang aus, wie ein kleiner Junge. Harry konnte seinen Blick kaum von ihm lösen.

„Wir wollen ein Picknick machen, auf der Wiese neben dem alten Mühlendamm, wir wollten hin ausreiten, hättest du was dagegen mit dem Auto nachzukommen und die Decken und das Essen mitzubringen?", sagte er und Harry war beeindruckt wie schnell Mark einfach irgendwas entschieden hatte. Aber anscheinend gab es irgendwas an dem Ort von dem Daisy gesprochen hatte, was Louis nicht hören sollte.

Und das ergab einfach keinen Sinn, diese Familie war so offen und ehrlich miteinander von dem was Harry bis jetzt mitbekommen hatte. Wieso sollten sie Louis Dinge vorenthalten?

Vermutlich um ihn zu beschützen, oder?

Aber wovor bloß?

„Du hast das Auto aus der Werkstatt geholt?"

Mark nickte. Anscheinend gab es wohl doch nicht nur einen Familientraktor.

„Oh nice, danke!", meinte Louis und Harry spürte, wie Gemma neben ihm sich gegen ihn lehnte (sie und Lottie waren gestern sehr lang wach gewesen), also legte er ihr den Arm um die Schulter und sie lächelte kurz müde zu ihm hoch.

„Ja, kann ich machen. Und ihr reitet alle hin?" Louis' Augen strahlten jetzt etwas Trauriges aus und Harry wollte so dringend wissen, was passiert war, dass Louis nicht mehr ritt. Er schien es doch zu wollen, oder? Und er konnte es ja auch. Da gab es genug Trophäen, die das bestätigten. Fizzy nickte.

„Aber Lottie gibt eine Reitstunde und Mum bleibt auch hier", meinte Phoebe (graue Reithose, Harry war ihnen dankbar, dass sie ihr Colourcoding zumindest bei den Reithosen beibehielten). „Der Rest aber schon, Dan wollte auch mitkommen, er macht die Zwillinge gerade schon fertig."

„Und was ist mit ihm?" Louis nickte zu Harry, ohne ihn anzusehen und Harry spürte schon wieder etwas Wut in sich aufkochen. Wieso zur Hölle konnte Louis nicht einfach mal normal zu ihm sein? Das hatte doch nachts im Stall auch funktioniert? Warum war er also wieder zurück bei seinem alten selbst, das so tat als wäre Harry gar nicht da, oder blöde Kommentare machte. Er beschloss es einfach sich nicht darüber aufzuregen und legte sein Kinn auf dem Kopf seiner Schwester ab.

Fizzy warf ihm einen Blick zu. „Wenn du willst, kannst du einfach bei mir mitreiten", meinte sie schulterzuckend. „Wir nehmen dann eine Decke, keinen Sattel und du hältst dich an mir fest, das klappt ohne Probleme. Aber wenn du das nicht willst, dann kann Lou dich mit dem Auto mitnehmen." Sie wandte sich ihrem Bruder zu und warf ihm einen stechenden Blick zu.

Louis zuckte mit einer Schulter. „Wie du willst." Jetzt sah er Harry tatsächlich an und ganz kurz fiel es dem schwer zu atmen, aus welchem Grund auch immer. Vielleicht waren Louis' Augen einfach zu blau. Das wäre eine Möglichkeit.

„Ich äh...", sagte Harry. „Ich glaube ich versuch's mal mich mit dir auf ein Pferd zu setzten", sagte er und bereute es fast schon in dem Moment, in dem Fizzy begeistert die Augen aufriss.

„Yesss", rief sie. Gemma lachte leise und Harry seufzte. Also würde er sich heute wohl zum ersten Mal auf ein Pferd setzen. Cool.

„Oh, H, nimm doch deine Gitarre mit", meinte Gemma jetzt und drehte sich zu ihrem Bruder um.

„Auf einem Pferd?", fragte er verwirrt und sie rollte mit den Augen.

„Nein, ich meinte, dass Louis die dann auch im Auto mitbringt. Aber dann könnten wir ein bisschen singen, das wär doch cool."

Harry zuckte mit den Schultern. „Wenn ihr Lust dazu habt, klar."

Er sah nochmal zu Louis, einfach weil er nicht anders konnte und zuckte fast zusammen, weil Louis zurücksah. Mit einem unergründlichen Blick. Dann biss er sich auf die Lippe und sah zu Boden.

Harrys Herz randalierte.

Er zwang es zum Schweigen.

_____

Eine halbe Stunde später waren alle so weit und Harry sah zweifelnd zu Fizzy hoch, die auf ihrem Pferd saß und ihn auffordernd ansah.

„Jetzt komm schon", sagte sie. „Mach nicht so ein Drama."

Er biss sich auf die Unterlippe. „Es sind schon Leute beim Reiten gestorben", sagte er und bildete sich ein für den Bruchteil einer Sekunde einen Schatten über Fizzys Gesicht huschen zu sehen. Aber das Gefühl war so schnell wieder weg, wie es gekommen war.

„Wirst du aber nicht, jetzt steig auf." Sie hielt ihm ihre rechte Hand hinter ihrem Rücken hin und Harry seufzte und kletterte auf die Trittleiter. Wacklig begab er sich hinter Fizzy auf das Pferd und klammerte sich dann sofort an ihrem Rücken fest. Fizzy lachte hell und schüttelte ihren Kopf.

„Mein Gott, Harry, ich verspreche dir, wir werden nur Schritt reiten."

Harry holte tief Luft. Dann lockerte er seinen Klammergriff ein kleines bisschen und hielt sich wie ein normaler Mensch an Fizzy fest.

„Okay, okay", seufzte er. „Ich hör auf Drama zu machen, los geht's."

Fizzy machte irgendwas, sodass das Pferd sich in Bewegung setzte und kurz darauf trafen sie die ganze Familie bis auf Jay, Lottie und Louis auf dem Hof, alle auf Pferden. Gut, Ernest und Doris jeweils vor einem der Zwillinge mit einer Art Haltegurt vor ihnen (Harry war nur ein kleines bisschen neidisch), aber trotzdem.

Gemma lenkte Feline neben Fizzy und grinste Harry zu. „Na, du siehst aber entspannt aus", grinste sie und Harry streckte ihr die Zunge raus.

„Ha ha", sagte er, konnte aber ein bisschen Bewunderung nicht verbergen. Er hatte seine Schwester jetzt schon öfter im Vorbeigehen reiten sehen, aber sie sah auf dem Rücken der Stute wirklich so glücklich aus und all ihre Bewegungen wirkten so natürlich, dass Harry noch mehr verstand, warum Gemma so viel Zeit sie konnte auf diesem Hof verbrachte.

Die ganze Truppe machte sich dann auf den Weg und Harry verkrampfte sich wieder etwas. Klar, sie gingen nur Schritt, er sollte sich mal entspannen, aber irgendwie traute er dem Ganzen noch nicht.

Der alte Mühlendamm war anscheinend nicht mal so weit weg, sie waren nur vielleicht zwanzig Minuten unterwegs und ohne Harry wären sie vermutlich noch schneller da gewesen, weil sie auch schneller hätten reiten könnten, aber der Weg war eigentlich ganz schön.

Nur das ganze auf-dem-Pferd-sitzen gefiel Harry nicht. Es war ihm zu hoch und zu wacklig und er war wirklich sehr sehr froh, als sie da waren und er wieder festen Boden unter den Füßen hatte. Er hatte einfach Angst, dass das Pferd sich wegen irgendwas erschrecken würde oder ihn einfach nicht mochte und dann durchging und ihn abwarf. Pferde waren auf gar keinen Fall ungefährlich, man sollte das nicht unterschätzen.

Auch wenn Fizzy ihm sagte, dass er sich nicht so anstellen sollte...er hatte entschieden den Rückweg mit Louis im Auto mitzufahren.

Der war schon da, lehnte an der Motorhaube und hatte Decken auf dem Boden ausgebreitet, auf denen der Korb mit dem Kuchen und einige Flaschen Limonade lagen.

Die Tomlinsons lebten wirklich ein Bilderbuchleben, Harry konnte es kaum glauben.

Harry war überrascht wie entspannt Louis an diesem Nachmittag wirkte. Als sie sich alle auf den Decken verteilten, Kuchen aßen und sich unterhielten, zwischendurch immer die Zwillinge bespaßten, redete er eigentlich die ganze Zeit mit Mark und schien wirklich nicht so grimmig wie sonst. Vielleicht hatte er ja besser geschlafen?

Als er Louis irgendwann fragte, ob es für ihn ok war wenn er im Auto mitfuhr, meinte Louis nur „Klar", zuckte mit einer Schulter und redete dann weiter mit Mark, während Ernest sich müde gegen seine Brust lehnte und Louis etwas abwesend durch seine Haare strich.

Harry genoss es, die Zeit unter der warmen Sonne zu verbringen. Dieser Sommer war wirklich schon so viel besser als erwartet. Und als sie tatsächlich irgendwann ein paar Lieder sangen, konnte Harry sich fast hier auf dem Land leben sehen. Und der Gedanke erschreckte ihn ein bisschen.

Er hatte noch vor einigen Tagen erst schließlich Niall die Ohren vollgeheult, dass Landleben wirklich gar nichts für ihn war.

Er sollte Niall eh mal schreiben. Er war es nicht gewohnt so lange nichts von ihm zu hören.

Das tat er dann, als er im später im Auto auf Louis wartete, der noch den letzten Korb in den Kofferraum stellte. Als er sich neben Harry auf den Fahrersitz fallen ließ, beendete Harry die Sprachnachricht und räusperte sich.

„Das war an meinen besten Freund", sagte er. Für einen Moment sah Louis ihn an, mit einem Blick den Harry wirklich absolut nicht einschätzen konnte. Dann nickte er einfach nur und Harry hatte das Gefühl ein kleines Lächeln in seinem Mundwinkel zu erkennen, obwohl seine Augen irgendwie unglücklich aussahen. Aber Louis sah irgendwie immer unglücklich aus.

Es war wirklich traurig.

„Er ist irgendwie der Grund, dass ich hier bin", sagte Harry dann, um der unangenehmen Stille zu entkommen, die eingesetzt hatte. Louis startete den Motor und Harry redete weiter, als er losfuhr (obwohl das Radio anging und es etwas weniger unangenehm machte).

„Weil er Scheiße gebaut hat und ich das auf meine Kappe genommen habe. Ein Jahr Schule ohne Niall würde ich nicht aushalten."

„Hast du noch eins vor dir?", fragte Louis und Harry war überrascht, dass er überhaupt zugehört hatte.

„Ja", meinte Harry. „Aber zum Glück nur eins, dann bin ich frei."

Louis lächelte.

Ehrlich, er lächelte. Dieser Junge überraschte Harry jeden Tag aufs Neue.

Dann fuhren sie im Schweigen weiter, aber es war nicht mehr so angespannt.

Das Auto war ein Cabrio und Louis hatte das Verdeck hochgeklappt, weil das Wetter wirklich gut war heute und irgendwann machte er sich eine Zigarette an. Für eine höchstens zehn Minuten lange Autofahrt.

Harry seufzte leise und Louis warf ihm einen missbilligenden Blick rüber. Da war die entspannte Stimmung also schon wieder weg.

„Es geht dich nichts an, ob ich rauche oder nicht", sagte er und Harry biss sich auf die Lippe.

„Sorry", sagte er nach einigen Sekunden, weil Louis ja Recht hatte. Es ging Harry nun mal wirklich nichts an. „Du hast Recht. Ich glaub ich bin nur so empfindlich was das angeht, weil meinem Ex meine Gefühle übers Rauchen immer komplett egal waren."

Eine Weile sagte wieder niemand etwas. „Oh", machte Louis dann und biss sich auf die Lippe. Verdammt, Harry fand ihn so heiß. Er zwang sich wegzusehen.

„Wann habt ihr euch denn getrennt?"

Überrascht über die Frage öffneten sich Harrys Lippen ein wenig. „Ähm...vor etwas mehr als einem halben Jahr", sagte er dann und Louis nickte nur und klemmte die Zigarette wieder zwischen seine Lippen.

Den Rest der Fahrt verbrachten sie wieder einfach in Stille, aber es war okay. Als sie auf dem Hof ankamen und Louis parkte und die Handbremse zog, blieb er noch kurz einfach sitzen, was Harry ein wenig verunsicherte.

„Wenn...", begann er dann und Harry sah ihn an. „Wenn ich schlecht drauf bin...bitte nimm das nicht persönlich, okay? Das hat nichts mit dir zu tun."

Das überraschte Harry. „Okay", sagte er aber und lächelte leicht. Louis warf ihm einen kurzen Blick zu und erwiderte das Lächeln für den Bruchteil einer Sekunde, bevor er schnell den Schüssel zog, die Tür öffnete und ausstieg.

Harry holte seine Gitarre aus dem Kofferraum, aber Louis ging schon weg, ins Haus.

Harry sah ihm hinterher und biss sich auf die Unterlippe, als die Tür hinter ihm zufiel. Dann schlich sich ein kleines Lächeln auf sein Gesicht.

Er konnte nichts dagegen tun.

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