Ein normaler schlechter Tag
,,Und wie sieht es mit der Pünktlichkeit aus, Miss Clark?"
,,Wie bitte? Ach so, äh relativ positiv würde ich sagen. Also nach meiner Ansicht komme ich immer recht pünktlich."
Der etwas ältere Mann warf mir einen skeptischen Blick zu.
,,Haben Sie denn überhaupt schon Berufserfahrung?"
,,Äh, nein oder doch, ich habe einmal als Kellnerin gearbeitet."
Der Chef des Unternehmens horchte auf.
,,Ach ja? Und wie lange?"
,,Naja, es also ich..." Ich versuchte die Antwort so gut es ging hinauszuzögern, doch mein Chef durchbohrte mich mit seinen schwarzen Augen, die wie giftpfeile auf mich eintrafen. ,,Na gut zwei Wochen", seufzte ich und ich konnte spüren, wie die Pfeile sich verdoppelten.
,, Zwei Wochen bloß? Wie kam es dazu?"
,,Das Café bekam Hilfe von einer naja etwas erfahrenden Kellnerin und ersetzten mich." Der Mann vor mir schien zu überlegen.
,,Oh, ja gut! Wie sieht es zu Hause aus? Also ich mein haben Sie Kinder?"
,,Äh nein, natürlich nicht."
,,Und einen Lebenspartner?"
,,Nein,er hat mich vor einem halbem Jahr verlassen ", sagte ich, was diese Situation auch nicht besser machte.
Durch das lästige Tippen seines Computers wurde ich noch unruhiger und wippte auf meinem ungemütlichen Stuhl hin und her. Ich hasste sowieso Vorstellungsgespräche. Diese wichtigtuenden Chefs, die immer im ersten Augenblick versuchten die Oberhand zu gewinnen.
,,Vielen Dank, erstmal. Sie sind bestimmt eine sehr interessante Person, aber ich glaube...Also ich glaube, dass Sie vielleicht hierfür nicht ganz geeignet sind." Der Mann versuchte, wie jeder Chef, nach einem Vorstellungsgespräch einen entschuldigenden Blick zu machen, der meiner Meinung nach nur aussagte, dass er sobald wie möglich Feierabend machen wollte.
,,Entschuldigung", fragte ich empört nach.
,,Naja, sie müssen hier mit Kunden telefonieren und ihnen etwas andrehen. " Er zwinkerte. ,,Aber ich glaube sie äh sind einfach nicht so gesprächig oder so."
,,Wie bitte?"
,,Ja, entschuldigen Sie, aber Sie sind nicht die Einzige. Würden Sie jetzt vielleicht bitte mein Büro verlassen?" Ungeduldig blickte der Typ auf seine Uhr.
,,Aber gerne. Übrigens bin ich kein Kunde mehr", versuchte ich einen guten Konterspruch zu äußern, was nicht ganz gelingte.
Während ich empört zur Tür stapfte, drehte ich mich kurz um und entgegnete noch schnell: ,,Ach und übrigens, ich bezweifel sowieso, dass es Menschen gibt, die freiwillig, beim bestellen hier anrufen, um ihre Unterhosen oder BH-größe zu verraten. Auf Nimmer Wiedersehen."
Somit knallte ich die Tür zu und ließ den Mann durch den Knall fast vom Stuhl kippen.
Anschließend rannte ich die lange Treppe nach untern runter und hätte mich, wegen dieser Aussage am Ende am liebsten geschlagen. Endlich erreichte ich die schwere Eingangstür und konnte versuchen diese neue Erinnerung zu vergessen.
Ich hatte schon wieder ein Job Angebot weniger. Verzweifelt trat ich nach draußen und der eiskalte Regen begrüßte mich, natürlich Nass. Ich zog meinen Mantel noch enger um meinen Körper, was auch nicht viel brachte. Meine langen, schönen blonden Haare waren schon längst Pitschnass. Ich wollte nur noch nach Hause.
Während ich gelangweilt die nassen Steine zählte, kam ich an einem Spielplatz vorbei. Kichernde Kinder, die im Regen spielten ließen mich aufblicken. Wahrscheinlich sind Kinder die einzigen, die sich über den Regen freuen, überlegte ich und starrte angespannt zu den Kids. Diese tobten, lachten und spielten, als ob der Regen das beste Geschenk wäre, was man kriegen kann.
Ein Kind, was würde ich nur alles dafür tun wieder ein Kind zu sein, keine Sorgen, Probleme und so weiter, dachte ich und lächelte zu den spielenden Kindern rüber.
Als mich schon ein paar Eltern komisch anschauten, ging ich lieber schnell weiter.
Ein paar Minuten später kam ich halb erfroren zu Hause an. Seid meine Eltern vor einem halben Jahr den Unfall hatten und mein Ex mich verlassen hatte, wohnte ich alleine.
,,Hi Emilia ", kam mir meine kleine Nachbarin entgegen. Die 7-jährige präsentierte mir stolz ihre Zahnlücke.,, Guck mal, mir ist ein Zahn ausgefallen", quietschte sie.
,,Wow toll", entgegnete ich lächelnd und mal froh, heute überhaupt ein Lächeln zu Stande zu bringen.
,,Ich gehe jetzt zu meiner Freundin und darf ganz alleine gehen!" Ich schmunzelte, da ich wusste, dass ihre Freundin gegenüber wohnte.
,,Na dann, viel Spaß", lächelte ich und nickte ihr zu. Schon war sie auch schon verschwunden.
Müde schloss ich meine Haustür auf und die Wärme stieß mir freudig entgegen. Ich beschloss ein heißes, langes Bad zu nehmen.
Gesagt getan! Und es war wirklich lang. Unter Wasser war es auch so schön ruihig und man fühlte sich irgendwie geborgen. Kurz darauf war ich frisch gebadet und trug meinen kuscheligen Bademantel.
Meine nackten Füße kuschelte ich in eine warme Decke und schaltete den Fernseher an. Ich wollte den Tag vergessen, wie auch die anderen Tage. Leider holten mich diese Tage in den Träumen wieder ein, was mir manchmal Angst machte, einzuschlafen. Schließlich konnte man die Träume nicht kontrollieren. Ich wusste, dass es Menschen gab, die diese Gabe hatten, nur ich gehörte da nicht zu.
Ich merkte aber auch irgendwann, dass ich kurz vor dem einschlafen war und ich auch schlafen musste. Also fielen mir meine Augen zu und ich fiel in den verhassten Schlaf
Plötzlich weckte mich ein Knall und ich öffnete erschrocken meine Augen. Ich setzte mich aufrecht hin und ich seufzte erleichtert. Der Schuss kam vom Fernseher, der noch lief.
Beruhigt ließ ich mich wieder zurück fallen. Der Fernseher lief noch, ein Krimi. Jemand war so schlau gewesen und hatte jemand anderen ins Bein geschossen.
Mist, wie spät ist es? Ich sprang auf, rannte in die Küche und sah auf die Uhr. Ach so. Es war erst kurz vor Mitternacht, bzw 23:46Uhr.
Ich entschied mich dafür, mir mein Piyama anzuziehen und ins Bett zu gehen. Auch das erledigte ich schnell. Ich zog mir eine bequeme weiße Hose, welche mir knapp über meine Knien reichte, mit silbernden und schwarzen Glitzersternen an und dazu das passende Oberteil in rot. Dieses war kurz ärmlich und ein weißer Mond tronte in der Mitte des T-shirts.
Müde sprang ich in mein Bett.
Da mir jedoch etwas zu heiß wurde, machte ich meine großen Fenster auf. Ich atmete die frische Luft ein. Es hatte aufgehört zu regnen und ich genoss die Luft.
Anschließend legte ich mich wieder schlafen und vergaß die Fenster zuzumachen...
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