Kapitel 3
"Juliebulie! Aufwaachen! Frühstück!", hörte ich Sofias Stimme in mein Ohr dröhnen. Kurz darauf hört ich Schritte und eine zuknallende Tür. Sie war ein echt ungeduldige kleines Mädchen.
Ich gähnte und schaute auf die Uhr auf meinem Nachttisch. 9:24 blinkte die Dikitalanzeige. Viel zu früh meiner Meinung nach.
Da ich wohl oder übel keine andere Wahl hatte, weil ich nicht den ganzen Urlaub verpennen wollte, raffte ich mich auf und ging mich umziehen. Auf Duschen hatte ich gerade keine Lust und da wir heute bestimmt eh baden gehen würden, könnte ich das auch heute Abend erledigen.
In meinem geblümten Lieblingskleid ging ich die Treppe hinunter zum Speisesaal des Hotels. Im Gehen flocht ich mir noch schnell einen französischen Zopf, eher schlecht als recht.
Als ich den Saal betrat, schlug mir schon der köstliche Duft frischgebackener Pancakes entgegen. Ich winkte meiner Familie zu, bevor ich mich ans Buffet anstellte. Natürlich lud ich mir den Teller ordentlich mit Pfannkuchen und Ahornsirup voll.
Plötzlich tippte mir jemand auf die Schulter.
"Hey Julie!", sagte Reece mit einem Blick auf meinen Teller, auf dem sich sie Pancakes stapelten.
"Du magst ja Pancakes genauso gerne wie wir!", lachte Blake, der auch dazu gekommen war. George hatte er im Schlepptau. Ich musste auch lachen, als mir auffiel, das der Pancakestapel auf Georges Teller fast noch höher war als meiner. "Da muss ich euch wohl recht geben!", lachte ich und klatschte bei Reece ein.
Nach dem Frühstück verdaute ich das üppige essen, indem ich in meinem Zimmer eine Runde auf dem Bett entspannte.
Es klopfte an der Tür.
"Wir bräuchten mal deine Hilfe Julie." Es war meine Mutter.
"Kannst du vielleicht kurz auf Sofia aufpassen, während wir Kleider für die Hochzeit ausleihen gehen?" Ich nickte. "Klar, das mach ich doch gerne. Außerdem habe ich gerade eh nichts zu tun." Erleichtert atmete Mama aus. "Ein Glück. Sonst hätten wir Sofia mit in den Läden nehmen müssen, du weißt ja wie quengelig sie manchmal sein kann. Sollen wir dir gleich ein Kleid mit aussuchen?" Energisch schüttelte ich den Kopf. "Nein Nein Nein Nein Nein. Das mache ich schön selber." Mama lachte. "Das habe ich mir schon gedacht. Ich bringe Sofia gleich rüber. Du kannst ja mit ihr in den Pool gehen oder so." Ich nickte.
Mit meiner kleinen Schwester an der einen und der Badetsche in der anderen Hand, stieg ich in den Fahrstuhl der ins Erdgeschoss führte, wo sich der Pool befand. "Spielen wir dann wieder Meerjungfrau?", fragte sie während wir den Gang zu den Umkleiden entlang gingen. Sofia schaute mich erwartungsvoll an. "Aber klar. Alles was du willst." Die kleine grinste wie ein Honigkuchenpferd. "Dann können ja deine Jungsfreunde auch mitspielen! Ich brauche ja sowieso noch einen Prinzen und einen König und einen-"
Ich lachte. "Ganz ruhig Sofia! Wir wissen doch gar nicht, ob sie auch hier-" sie ließ mich gar nicht ausreden sondern zeigte mit ihren kurzen dicken Fingern in Richtung Wasser.
"Hey Julie!" Blake und George winkten zu mir herüber. Keine zwei Sekunden später tauchte Reece aus dem Wasser auf und schüttelte seine nassen Haare aus. "Oh Hey Julie! Was für ein Zufall!"
Sofort tapste Sofia mit ihren nackten Füßen an den Rand des Pools. "Wollt ihr bei meinem Spiel mitspielen?", fragte sie die Jungs die mich daraufhin fragend ansahen. Ich lächelte nur schelmisch zurück. "Die drei würden bestimmt unfassbar gerne mitspielen!", sagte ich zu Sofia und ihre Augen fingen begeistert an zu leuchten. "Auf geht's!", rief sie und stolzierte selbstbewusst mit ihrem Arielle die Meerjungfrau Badeanzug in der Hand in eine Umkleide. Kaum war sie verschwunden brachen wir alle in schallendes Gelächter aus.
"Ist das deine Schwester?", fragte Reece. "Ja, das ist Sofia. Sie ist vier." "Und super süß!", vervollstädigte Blake meinen Satz. Ich lächelte.
"Ich bin nicht süß!", hörte man die Stimme meiner Schwester durch die Umkleidentür. "Ich bin cool!" Wieder musste ich mir das Lachen verkneifen.
Wie ein Model kam Sofia nach ein paar Minuten aus der Umkleide gelaufen und drehte sich während des Gehens ein paar Mal.
"Du siehst ja wunderschön aus. Und das ist ein sehr hübscher Badeanzug, Sofia.", sagte George so lieb, dass Sofia ganz rot wurde und mein Herz innerlich ein bisschen anschmolz.
"Dankeschön... ehm..."
"George."
"Dankeschön, George!", lächelte Sofia und hüpfte mit einem großen Platscher ins Wasser. "Könnt ihr kurz aufpassen, dass sie nicht untergeht? Sie kann ohne Schwimmflügel noch nicht so gut schwimmen. Ich gehe mich mal umziehen.", gab ich Bescheid. Ich warf nochmal einen Blick nach hinten und sah, wie Sofia schon auf Reece' Schultern saß und mit dem Wasser spritzte.
In der Umkleide kam mir zu ersten Mal in den Sinn, dass ich gerade drei Jungen, die ich erst seit gestern kenne, meine Schwester anvertraut hatte. Aber sie wirkten so nett, dass ich nicht glauben konnte, dass sie in der Lage wären, ein kleines Mädchen zu entführen. Außerdem konnten sie nicht viel älter sein als ich.
Als ich im Bikini und mit Sofias Schwimmflügeln unterm Arm aus der Kabine trat, könnte ich meinen Augen nicht trauen.
Sofia schwamm!
Aber nicht so ein Hundepaddeln wie alle aus ihrem Kindergarten Schwimmkurs. Richtige Schwimmbewegungen, wie ich sie auch mache.
"Guck mal Juliebulie was ich kann!", sagte Sofia als sie mich bemerkte, tauchte dann mit dem Kopf unter Wasser und Schwamm von Reece bis zu Blake. Als sie wieder auftauchte applaudierten wir alle und sie freute sich wie ein kleines Kind. Was sie ja auch war.
"Respekt Jungs. Ihr habt ihr innerhalb von zehn Minuten Schwimmen beigebracht! Woher könnt ihr das nur? Seid ihr irgendwie Schwimmlehrer oder so?", lachte ich.
"Nein, das nicht aber ich habe auch eine kleine Schwester, der ich als sie kleiner war das Schwimmen beigebracht habe.", sagte Reece. "Wow. Du wirst mal ein guter Vater sein.", gab ich nur dazu.
Da wir nun alle im Wasser waren, spielten wir auf Sofias Wunsch Meerjungfrauen. Anschließend spielten wir noch eine Runde Wasserball im American Football Style.
Als Blake den Ball in meine Richtung warf, sah ich nur aus dem Augenwinkel, wie Reece auf mich zu kam um mir den Ball wegzuschnappen. Er hatte sein Tun wohl nicht richtig durchdacht denn er kam erst ein paar Zentimeter vor mir zum Stillstand und streckte seine Arme nach dem Ball aus. Ich riss den Ball in die Höhe, damit er ihn nicht erreichen konnte. Er streckte sich weiter und griff ins nichts. "Hey! Gib schon her!", lachte er und schaute mir uns Gesicht.
Wie von irgendetwas angezogen trafen sich unsere Blicke. Er hielt den Blick stand und ich verlor mich in seinen grünen Augen. Augenblicklich fing mein Bauch an zu Kribbeln.
Was zur Hölle ging da ab?
"Können wir jetzt mal weiterspielen!", nörgelte Sofia ungeduldig und ganz perplex befreite ich mich aus der Trance. "Ja klar...", murmelte ich und gab den Ball an Blake ab, der nur wissend lächelte. Wie lange hatten wir uns bloß gegenseitig angestarrt?
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Mist, jetzt hab ich Hunger auf Pancakes 🥞
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