Kapitel zwei
Das Erwachen des Schicksals
Melissa war tief in ihrem Buch versunken, die Worte zogen sie in eine Welt fernab der Schrecken, die sie umgaben. Doch ein dumpfes Geräusch hinter ihr ließ sie zusammenzucken. Ihr Herz schlug schneller, als sie sich langsam umdrehte.
Ihre blauen Augen trafen den Blick einer monströsen Kreatur. Es sah aus wie ein gewaltiges, dämonisches Rind, doch größer, muskulöser und furchteinflößender, mit zwei riesigen Hörnern, die gefährlich nach vorne ragten. Sein schwerer Atem ließ den Boden unter Melissa vibrieren. Sie stolperte rückwärts, ihre Hände suchten verzweifelt Halt auf dem unebenen Boden, bis sie schließlich in Sichtweite der Shinra-Soldaten fiel.
Die Kreatur ließ ein donnerndes Brüllen hören und senkte ihre Hörner, bereit, Melissa aufzuspießen. Sie war wie gelähmt vor Angst, unfähig, sich zu bewegen. Doch dann geschah es.
Ein plötzlicher Windstoß rauschte an ihr vorbei, so stark, dass er ihre Haare zurückwarf. Sie hatte keine Schritte gehört, keine Warnung, als eine glänzende Klinge aus dem Nichts auftauchte und die Luft durchbrach. Mit einer einzigen, geschmeidigen Bewegung wurde die Kreatur durchtrennt und fiel leblos zu Boden, bevor sie Melissa erreichen konnte.
„Alles gut bei dir, Mädchen?“ hörte sie eine ruhige, fast beiläufige Stimme sagen. Sie hob den Blick und sah ihn. Der Junge mit den silbernen Haaren stand vor ihr, sein Katana blutbefleckt, seine grün leuchtenden Augen mit den geschlitzten Pupillen fixierten sie.
Bevor Melissa antworten konnte, spürte sie kräftige Arme, die sie sanft vom Boden aufhoben. Ein anderer Soldat hob ihr Buch auf, während sie wie in Trance zu einem der Fahrzeuge gebracht wurde. Sie wurde vorsichtig hineingelegt, doch ihre Hände zitterten, und ihre blasse Haut zeigte deutlich den Schock, den sie erlebt hatte. Noch bevor sie das Gesicht des Jungen erneut ansehen konnte, wurde alles um sie herum dunkel.
Ein späteres Erwachen
Als Melissa die Augen öffnete, war sie nicht mehr auf dem Schlachtfeld. Stattdessen lag sie in einem sterilen Raum, der nach Medizin und Metall roch. Sie spürte die weiche Oberfläche eines Bettes unter sich, doch ihre Glieder fühlten sich schwer an, und ihr Kopf dröhnte.
Eine Frau trat an ihr Bett heran. Sie trug einen weißen Laborkittel und hatte einen kühlen, analytischen Blick, der sie wie ein Experiment zu betrachten schien. Ihre dunklen Haare waren streng zurückgebunden, und in ihrer Hand hielt sie ein Klemmbrett.
„Du bist endlich wach“, sagte die Frau, ihre Stimme sachlich, beinahe emotionslos. „Du hattest Glück. Wenn Sephiroth nicht gewesen wäre, wärst du jetzt tot.“
Der Name hallte in Melissas Kopf wider. Sephiroth – der silberhaarige Junge mit den leuchtenden Augen. Sie erinnerte sich an seine übernatürliche Geschwindigkeit, an die tödliche Präzision seiner Klinge.
„Wo bin ich?“ fragte Melissa mit schwacher Stimme.
„In einer Einrichtung von Shinra. Mein Name ist Professor Crescent. Ich bin hier, um dich zu untersuchen.“
Die Frau warf einen Blick auf ihr Klemmbrett. „Du wirst in die Obhut von Professor Hojo übergeben. Er ist sehr daran interessiert, mehr über dich zu erfahren.“
Etwas in ihrer Stimme ließ Melissa frösteln. Doch bevor sie mehr fragen konnte, fühlte sie, wie die Erschöpfung erneut über sie hereinbrach. Ihre Lider wurden schwer, und das letzte, was sie hörte, war das entfernte Echo von Schritten, die den Raum verließen.
Ihre Geschichte hatte gerade erst begonnen, und sie ahnte nicht, welche Rolle sie in den düsteren Plänen von Shinra und dem rätselhaften Jungen namens Sephiroth spielen würde.
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