verluste

Schatten tänzelten über die spärlich beleuchtete Straße. Ein einsames Auto fuhr mitten im Nirgendwo den Weg entlang. Bäume, die ihre Äste ausstreckten wie Arme, säumten den Rand der Straße. Ein eisiger Wind fegte über den gefrorenen Boden. Der Mond war hinter dunklen Wolken verborgen.
Unter den Reifen des Autos knirschten die steif gefrorenen Blätter. Die Bäume knarzten, bedrohlich beugten sie sich von einer Seite zur anderen.
Im Auto war es kühl, die junge Frau hatte sich einen Wollschal um den Hals gewickelt. Ihre Finger krampften sich um das Lenkrad, der Blick war fest auf die Straße gerichtet. Regen peitschte gegen die Scheibe. Die Scheibenwischer arbeiten bereits auf Hochtouren.
Leise dudelte friedliche Musik aus den Lautsprechern.
Auf dem Beifahrersitz saß ihr Freund, eingehüllt in eine Bomberjacke. Er hatte die Arme um den Körper geschlungen und lehnte sich gegen die Scheibe.
Das Eis glitzerte im Licht der Scheinwerfer.
"Wann sind wir da?", meldete sich der Mann zu Wort. Seine haselnussbraunen Augen ruhten auf ihr.
"Dauert noch ein bisschen", gab sie angespannt zurück. Sie warf einen Blick in den Rückspiegel. Sie waren völlig alleine.
Der Tag hätte ganz anders laufen sollen. Sie sollten nicht mitten in der Nacht durch einen verregneten Wald fahren.
Er atmete tief durch und richtete den Blick wieder auf die vorbeiziehenden Bäume. Sie wirkten gespensterhaft zwischen den Regenschwaden.
Es geschah so schnell und plötzlich, er konnte nichts anderes tun, als aufzuschreien und die Arme hochzureißen. Die Reifen quietschten und qualmten, rutschten auf dem eisigen Untergrund.
Das Lenkrad drehte sich unkontrolliert, sie konnte es nicht mehr festhalten. Der Wagen schwankte zur Seite, in den Graben hinein.
Sein Herz hämmerte schmerzhaft gegen seine Brust, panisch rief er nach seiner Freundin, die einen erstickten Laut von sich gab.
Den Baum sah er erst im letzten Moment auf sich zukommen.
Ein Knall, ein Schrei, betäubende Schmerzen, Dunkelheit.

Das rot-weiß gestreifte Band wurde ausgerollt, Stimmen schallten durch den finsteren Wald.
Ein schwarzer BMW lag im Graben, der vordere Teil war zusammengefaltet wie ein Origamikunstwerk.
Die Rettungskräfte schoben das in der Hitze einer Explosion geschmolzene Blech zur Seite und brachen die Fahrertür auf.
Eingeklemmt zwischen dem Lenkrad und dem Ledersitz war eine junge Frau, ihr dunkles Haar war völlig zerzaust. Ihr Kopf lag auf dem Lenkrad. Vorsichtig legte einer der Sanitäter ihn in den Nacken.
Blut befleckte das zerkratzte Gesicht der Frau, wie Furchen zogen sich die Wunden durch ihre Haut. Ihre aufgeplatzten Lippen waren leicht geöffnet, die Augen standen weit offen. Leblos starrten sie an die halb verbrannte Decke des Autos.
Der Sanitäter überprüfte ihren Puls. Eine Bewegung konnte er unter der bleichen Haut nicht fühlen.

"Er ist noch am Leben!", rief einer der Rettungssanitäter, der die Beifahrertür geöffnet hatte. Er sah hinab auf einen jungen Mann, der bewusstlos gegen seinen Sitz gelehnt war, die Augen geöffnet aber nach hinten verdreht. Die Scherben der zersplitterten Windschutzscheibe klebten in seinen verwuschelten, blutgetränkten Haare.
Zwischen den Füßen des Mannes lag eine kleine Karte. Ein Ausweis, der ihm aus der Tasche gerutscht war. Ein Name war sichtbar auf dem verdreckten Dokument:
Jack Clearwater.

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