Chapter 11

In mich gekehrt lief ich über die Straße, weg von Raynard Waits Versteck. Es war mir ein Rätsel. Dieser komplette Mann war mir ein Rätsel. Wie konnte er so sein wie er war? Wie war er so geworden? Wer hatte ihm das angetan? Und warum? Ich wusste, dass er nicht immer so gewesen war. Er war doch auch noch jemand außerhalb von Raynard Waits. Jemand, der keine Menschen ermordete. Einfach so. Ich wollte plötzlich alles über ihn wissen und auch als ich einen Supermarkt erreicht hatte und hineinlief waren meine Gedanken immer noch bei ihm. Die lauten Stimmen und das Gewusel und Gedränge im Inneren rissen mich dann doch aus meinen Gedanken und ich konzentrierte mich auf mein Vorhaben. Ich packte vorallem Brot ein und irgendwelche einfachen Gerichte, die man aus einer Packung zubereiten konnte. Dann noch Kaffee. Natürlich. Als ich in der Schlange stand um zu bezahlen und mit dem Geldschein herum spielte, weil es immer noch komisch für mich war plötzlich Geld in der Hand zu haben, sah ich was Raynard gemeint hatte. Oben an der Wand war ein Fernseher befestigt und dort wurde gerade sein Bild gezeigt. Jeder, der in der Reihe stand, konnte es sehen und auch das Geräusch war laut genug. "Für uns hat immer noch der flüchtige Serienmörder Raynard Waits oberste Priorität." Ich wurde etwas unruhig. Raynard war berühmt. Irgendwie. Und ich war alles andere als das. Trotzdem hatte ich beschlossen ihm zu helfen. Dabei hatten die Menschen Angst vor ihm und schauten auf mich herab. Und ich war der einzige der keine Angst vor ihm hatte? Warum eigentlich nicht? Er tötete Menschen und ausgerechnet er hatte mir bestätigt mich nicht umzubringen. Was aber auch eine glatte Lüge sein konnte. Irgendwie wollte es nicht zu mir durchdringen. Er war ein Mörder. Ich hätte genauso gut einen Stein in einen Vulkan werfen können. Na und? Andere Menschen waren auch Mörder. Jeder Mensch war ein Mörder. Ein Mörder von Liebe und Hoffnung. Ein Mörder von Akzeptanz und Toleranz. Jeder hatte es verdient zu sterben, es machte mir nichts aus, dass er dies erfüllte. Mit dieser Sicherheit über mich selbst war ich schließlich an der Reihe und ich musste ziemlich grimmig geschaut haben, denn die Kassiererin hatte nicht vor mich zu grüßen. Vielleicht waren es auch nur meine verdreckten Kleider. Oder irgendwas anderes an mir, was andere immer abschreckend fanden, egal wer es war. Wenn sie alle nur wüssten welchem Mann ich half. Wenn sie alle nur wussten, dass ich das Versteck von Raynard Waits kannte! Er musste mir vertrauen, sonst hätte er mich nicht einfach so aus seinem Haus hinaus spazieren lassen. Und das auch noch mit Geld. Und all dieses Wissen, was ich jetzt besaß. Bestimmt hatte er sein Versteck jetzt nicht aufgegeben. Dieser Tunnel und die Höhle dahinter, das war nicht nur kurzzeitig, da wohnte er wirklich. Und weil ich so wütend auf die Menschen war und übermütig wurde tat ich etwas sehr Dummes.

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