Kapitel 20: Hinweise
Ein klitzekleiner Funke von Hoffnung flammte in ihren Augen, er, dieser mysteriöse Mann unter der Maske, der Mann mit den Geheimnissen würde sich über eine im Vergleich langweilige, naive, unschuldige, aber lebensfrohe junge Frau wie Marianne freuen?
Wäre vielleicht ebenso vernarrt und verzaubert wie Brandon in Marianne?
Könnte das wirklich sein?
Sie musterte seine Maske, diese feinen goldenen Linien auf dem dunklen Untergrund, es sah fast schon schön aus, auch wenn es ansonsten eigentlich Angst und Schrecken verbreitete.
Ihre Augen huschten nach unten, seine Robe wirkte zwar ein wenig älter, aber nicht minder hochwertig, hier und da zeichneten sich leichte Verzierungen auf dem Stoff ab, schimmernd grüne Linien auf dem ansonsten so schwarzen Stoff, eine leichte Betrübnis schob sich auf ihr Gesicht, die auch Severus nicht verborgen blieb.
„Warum guckst du so? Soll ich lieber gehen?", vielleicht war es ihr doch unangenehm ihn bei sich zu haben und sie war einfach nur zu schüchtern, um ihn darum zu beten.
Sie schüttelte schnell ihren Kopf, dass er ging, war wirklich das letzte, was sie wollte, „es ist nur so merkwürdig, alles wirkt so... vertraut und dabei... kenne ich nicht einmal deinen Namen", ein trauriges Lächeln zierte ihre Lippen, „ich weiß gar nichts von dir."
Wie gern hätte sie diese Maske von seinem Gesicht gezogen, hätte endlich erfahren wollen, wer sich darunter verbirgt.
Vielleicht kannte sie ihn, vielleicht hatte sie ihn schon einmal gesehen, vielleicht war er sogar bei dem Angriff im Ministerium dabei, eine große Chance die unterschiedlichen Masken ausgiebig zu mustern, hatte sie damals nicht gehabt.
Könntest du wirklich mit der Wahrheit umgehen?, die Skepsis dieses Wunsches war greifbar.
„Du weißt zumindest, dass...", er stockte, das konnte er ihr nicht sagen, das ginge viel zu weit und entsprach das überhaupt der Wahrheit?
„Dass?"
„Dass ich nicht so niederträchtig bin, wie ich aussehe...", sagte er stattdessen.
„Nein, auf keinen Fall.", stimmte sie zu, rutschte wieder ein wenig zu ihm, musterte ihn, seinen von der Todesserrobe verhüllten Oberkörper.
Ihr Blick machte ihn wieder einmal nervös, „ich glaube, es ist besser, dass du nicht weißt, wer ich bin.", erklärte er einfach und ehrlich.
„Ein Name würde nicht schaden...", sie zuckte mit den Schultern.
„Ein Name kann alles ändern...", er schüttelte leicht den Kopf, wie viele Männer würde sie kennen, die Severus hießen?
Vermutlich nur einen.
„Sagst du mir wenigstens, wie alt du bist?", bat sie, setzte einen Hundeblick auf.
Er überlegte hin und her; auch wenn sie offenbar nichts gegen ältere Männer hatte, es würde sie garantiert verschrecken, wenn sie erfahren würde, dass er fast 20 Jahre älter war, ihn umarmte, sich an ihn kuschelte und Geheimnisse verriet, aber auf der anderen Seite hatte sie einen kleinen Teil Wahrheit verdient.
Oder?
Hermine musterte ihn fast schon ängstlich, „so alt?!"
Er sah sie an, ihr Ausdruck sah so witzig aus, dass er einfach nur loslachen konnte, „alt... aber nicht ganz so alt, wie du denkst... oder vielleicht doch."
„Mach es bitte nicht so spannend..."
„Ich... bin 1960 geboren.", sagte er schließlich.
Hermine musste nicht lange rechnen, um festzustellen, dass er eine ganze Ecke älter war als sie, aber mit einem 20-jährigen Jungspund hatte sie, wenn sie ehrlich war, auch nicht gerechnet.
Derselbe Jahrgang wie Remus, Sirius und Harrys Eltern... ob er sie kennt?, warf die Kopfstimme blitzschnell ein, unterdrückte den aufkommenden Vergleich zu Brandon.
„Du bist hier zur Schule gegangen...", fing sie an, sie musste ihm doch irgendwie auf den Zahn fühlen.
„Bin ich...", er nickte verhalten.
„Dann hast du Harrys Eltern und Sirius gekannt, oder? Und Remus... du musst mit ihnen in einer Stufe gewesen sein.", ihre Neugier sprühte aus ihren Augen.
„Die ganze Welt kennt die Familie Potter... genau wie Sirius Black... dafür hat Fudge zumindest gesorgt mit seinen Anschuldigungen."
„Das beantwortet nicht meine Frage.", sie ließ sich von seiner kleinen Ablenkung nicht aus dem Konzept bringen.
Er nahm einen tiefen Atemzug, „ich war mit ihnen in einer Stufe... aber das war doch gar nicht das Thema... du wolltest wissen, wie alt ich bin."
Sie nickte lächelnd, schmunzelte ein wenig, er schien ihr offenbar auch zu vertrauen.
„Warum guckst du so? Weil ich älter bin, als du dachtest oder weil ich jünger bin als ich wirke?", er musterte sie skeptisch.
„Weil du es mir verraten hast.", sie zuckte mit den Schultern, „Ich wünschte ich wüsste, wie ich dich nennen kann...", schob sie leise hinterher.
„Eine Sache nach der anderen...", er lehnte sich ein wenig entspannter an die Wand ihrer Räume, das Geheimnis seines Alters war schon einmal gelüftet und es schien sie überhaupt nicht zu tangieren.
„Was für eine Haarfarbe hast du?", fragte sie weiter, sie war neugierig, wollte mehr und immer mehr über ihn wissen und erfahren.
Severus nahm einen tiefen Atemzug, als Professor Snape hätte ihn diese Neugier wütend gemacht, aber in dieser Situation konnte er nur lachen, „schwarz"
„Wie deine Augen...", sie lächelte verträumt, rutschte noch ein wenig zu ihm, um besser die Schwärze sehen zu können, die sich um sie legte.
Severus... irgendwann wird sie wissen wer du bist, je mehr du ihr sagst, schwarze Augen, schwarze Haare, in einer Stufe mit den Rumtreibern... du kannst ihr gleich sagen, dass du ihr Professor bist.
Dann wäre das Geheimnis wenigstens gelüftet.
„Für meinen Geschmack eindeutig zu viel Dunkelheit...", brummte er dunkel, sah auf seine Beine, um ihr den Blick in seine Augen zu verwehren.
„Dunkelheit bedeutet doch nicht gleich immer etwas schlechtes...", warf sie ein, versuchte seinen Blick auf sich zu ziehen, „denk doch nur mal an den Nachthimmel... ohne die Dunkelheit würden wir die Sterne nicht sehen."
„In meiner Dunkelheit gibt es keine Sterne... kein... kleines Licht der Hoffnung... nur Schwärze."
Sie konnte nur minder erfolgreich ein Gähnen verbergen, hoffte, er würde nicht denken, dass sie ihn langweilig fand.
„Warum sagst du denn nicht, dass du müde bist?", fragte er anklagend und traurig, klappte vorsichtig das Buch zu, er wollte sie nicht vom Schlafen abhalten, er wollte nicht, dass sie seinetwegen auf ihren wertvollen Schlaf verzichtete.
Es war eine Sache, dass er nächtelang wach lag und sich den Kopf über die Zukunft zerbrach, sie sollte nicht auch so anfangen.
„Ich bin nicht müde", protestierte sie, wurde von einem weiteren Gähnen übermannt, was ihre Glaubwürdigkeit nicht wirklich unterstützte.
„Ich gehe, dann kannst du schlafen.", rutschte an den Rand des Bettes und sah sie nochmal an, sie wirkte traurig, geknickt, sie hätte ihn nie gebeten zu gehen, eher wäre sie einfach eingeschlafen.
Hermine spürte warme Finger über ihre Wange streichen, ein wenig perplex sah sie auf, „Gute Nacht.", flüsterte er lächelnd, verließ dann mit schnellen, eleganten Schritten ihre Räume.
Sie seufzte, ja... eine ganz tolle Nacht..., schüttelte dann den Kopf.
Wenigstens weißt du jetzt, wie alt er ist... das ist doch schon mal was...
„Und, dass er schwarze Haare hat", sie nickte, lächelte dann leicht, „vielleicht taut er langsam auf, wenn er merkt, dass er mir vertrauen kann.", fing dann wieder an zu träumen, schlief mit einem seligen Lächeln im Gesicht ein und sich selbst im Traum vorzustellen, wie er wohl aussehen möge.
*
„Hermine?", Ginny holte sie am nächsten Morgen aus ihren unaufhörlichen Gedanken, die selbst am Frühstückstisch nicht abrissen.
„Mh? Was?", fragte sie verwirrt, versuchte in Ginnys Gesicht abzulesen, was sie gerade gesagt hatte.
„Ich wollte wissen, ob du mit nach Hogsmeade kommst", wiederholte die Rothaarige lächelnd.
„Oh... lieb, dass du fragst, aber ich wollte heute eigentlich in die Bücherei", entschuldigte sie, widmete sich dann ihrem Frühstück und stand kurz danach auch schon auf, um in besagte Bücherei zu gehen.
Zu ihrem Glück hatte Dean das Gespräch mitbekommen und angeboten statt Hermine mit Ginny nach Hogsmeade zu gehen, worüber sowohl Ginny als auch Hermine froh waren.
So konnte sie wenigstens ein paar Stunden vollkommen in Ruhe mit ihren geliebten Büchern verbringen.
Sie lief Reihe für Reihe ab, zog sich schier unzählige Bücher aus dem Regalen und ging geradewegs zu ihrem Lieblingsplatz am Fenster, der bedauerlicherweise bereits belegt war und das von keinem geringeren als Snape.
Er hatte natürlich die schnellen Schritte gehört, spürte die schwebenden Bücher in seinem Rücken und drehte sich auf dem Stuhl langsam um, „Guten Morgen", nickte ihr mit einem undefinierbaren Blick zu, drehte sich dann wieder um.
Ihm ging dieses prickelnde Gespräch vom gestrigen Abend nicht mehr aus dem Kopf, Brandon und Marianne, dass sie sein Alter so selbstverständlich hinnahm und im Gegenteil offenbar noch mehr Interesse an ihm hatte als vorher.
Hermine stand unschlüssig vor ihm, musterte ihn, diese gerade Körperhaltung, der schwarze Stoff der Robe, der wieder über seinen Körper spannte, in ihrem Kopf huschten Bilder von dem weißen Hemd umher, ob er heute wieder weiß trägt?
Sie schüttelte leicht den Kopf, räusperte sich, „Guten Morgen", ließ ihre Bücher dann auf die andere Hälfte des Tisches schweben und setzte sich auf den Stuhl neben ihn.
Sein Kopf rückte langsam zu ihr, warum setzte sie sich neben ihn?
Erkannte sie ihn doch?
Waren die Hinweise gestern zu offensichtlich gewesen, dass sie nun 1 und 1 zusammenzählte?
„Sind die übrigen Plätze belegt?", fragte er, presste die Kiefer aufeinander und schürzte die Lippen.
„Nein, aber... das ist mein Lieblingsplatz", zuckte mit den Schultern, „ich sitze immer hier.", als würde das irgendetwas rechtfertigen.
„Nun... ich saß schon hier, da waren Sie noch nicht einmal geboren", brummte er dunkel, gab ihr einen eindringlichen Blick, bemerkte die musternden Blicke, die sich vor allem auf seine Robe richteten.
Er nahm einen tiefen Atemzug, „eigentlich würde ich Sie davonjagen... aber, da heute so ein wunderschöner Tag ist erlaube ich Ihnen hier zu bleiben."
Hermines Augen wurden größer und größer, fast schon besorgt sah sie ihn an, Snape erlaubte ihr an seinem Tisch sitzen zu bleiben, obwohl er bereits dort saß?
Severus Augen flogen über die Vielzahl von Büchern, die sich fein säuberlich aufeinander gestapelt hatten, „wollen Sie die alle lesen?"
„Nach Möglichkeit", sie nickte, zog sich dann das erste Buch heraus und schlug es auf, sah dann wieder zu ihm, als sie seinen skeptischen Blick spürte, „ist das verboten?"
„Wollen Sie nicht lieber Zeit mit Ihren Freunden verbringen?"
„Man muss auch mal Zeit für sich haben", sah dann wieder in ihr Buch und konzentrierte sich auf das, was sie las.
Ein kleines anerkennendes Schmunzeln huschte über seine Lippen, dann sah er ebenfalls in sein Buch, wie gern hätte er so offen mit ihr geredet wie in den Nächten, wenn sie sich gegenseitig Geheimnisse verrieten und sich beinahe schon nah waren, wie gern hätte er sie einfach nur angesehen, sich sattgesehen an dieser wunderschönen jungen Frau, ihre Haare gerochen und durch sie gestrichen, ihre Hände an sich gespürt und den unschuldigen Moment mit ihr genossen?
Stattdessen musste er wieder einmal so tun als würde er sie nicht ausstehen können und als wäre ihre bloße Anwesenheit eine Belastung.
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