Kapitel 7
Der restliche Tag verging angenehm ruhig. Jack nervte noch ein wenig, doch trotz allem konnte ich Maya pünktlich nach der Schule bei April abholen.
„Wie war euer Schullandheim?", fragte ich kaum nachdem Maya die Tür geöffnet hatte. „Einfach nur super, ich hoffe, wir wiederholen das bald wieder", strahlte sie mich an. Dann verabschiedete sie sich von April und stieg mit mir ins Auto ein. Auf der Fahrt zu uns nach Hause kam Maya aus dem Schwärmen und Erzählen nicht mehr heraus. Ich hingegen sagte währenddessen kein einziges Wort.
Als wir das Haus betraten, war wie zu erwarten niemand da. Erleichtert gingen wir in die Küche und fingen gemeinsam an zu kochen. Das war bei uns ebenfalls zu einer Tradition geworden. Immer machten wir Mums Lieblingsgericht und hörten nebenher ihre Lieblingslieder. Anschließend setzten wir uns aufs Sofa, zündeten eine Kerze an, aßen und schauten Mums Lieblingsfilm. So fühlten wir uns ihr immer näher und ich merkte, dass es Maya genauso gut tat wie mir. Sie konnte zwar nicht mehr bei uns sein, aber in unseren Herzen lebte sie immerhin noch weiter. Diese Aktionen waren unser Geburtstagsgeschenk für sie. Gerne hätte ich ihr auch auf ihrem Grab eine Kerze angezündet, doch nach der Beerdigung waren wir relativ schnell hier her gezogen und in unsere Geburtsstadt konnte ich nicht so leicht einen Tagesausflug machen, wenn ich den ganzen Vormittag über Schule hatte und es dorthin fast zwei Stunden Flug war. Nach dem Film schauten wir uns eines der alten Fotoalben an. Das waren wirklich schöne Erinnerungen.
Um halb zehn beschlossen wir schließlich, dass wir langsam ins Bett sollten – oder wenigstens Maya. „Geh du schon mal vor, ich komme in fünf Minuten nach", sagte ich zu ihr, als sie zum wiederholten Mal gähnen musste. Nickend stand sie auf, als die Haustür zuschlug. Erschrocken sahen wir uns an, während ich versuchte zu verstehen, was gerade passierte. War Dad heute etwa schon früher da als sonst? Nein, nein, nein, nein, nein, das darf nicht wahr sein. Er durfte uns diesen schönen Abend nicht verderben. Keiner von uns wagte es, auch nur ein Wort zu sagen. Langsam und möglichst leise stand ich ebenfalls auf um mich schützend vor Maya zu stellen. Nervös lauschten wir den Schritten, die ins Wohnzimmer halten und beobachteten die Tür. Niemand erschien. Stattdessen hörten wir, wie eine Flasche aus einem Schrank geholt wurde – vermutlich in der Küche. „Komm", sagte ich flüsternd zu Maya und machte ihr mit der Hand ein Zeichen, dass sie mir folgen sollte. Gemeinsam schlichen wir aus dem Wohnzimmer und die Treppe im Flur nach oben zu unserem Zimmern. Fast geschafft. Doch dann ließ uns ein lautes Quietschen aufschrecken. Verdammt, ich hatte vergessen, dass diese eine Treppenstufe immer quietscht. Mit rasendem Herzen sah ich zu Maya, die genauso erschrocken zurückstarrte. Nervös blieben wir einen Moment lang wie versteinert stehen und wagten es kaum zu atmen, in der Hoffnung, dass Dad davon nichts mitbekomme hatte. Dann halten aber die Geräusche schwerer Schritte zu uns auf die Treppe. „Los, geh in dein Zimmer und schließ die Tür ab", sagte ich zu Maya und drängte sie nach oben. Sofort gehorchte sie und als ich die oberste Treppenstufe erreicht hatte, sah ich bereits ihre Zimmertüre zugehen. „Thalya?", ertönte die Stimme meines Vaters von unten. Sie klang sanft und überhaupt nicht wütend, doch irgendetwas irritierte mich. Auch Maya stockte und blickte durch den Spalt ihrer Zimmertür verwundert zu mir. „Thalya", wiederholte Dad und dieses Mal bemerkt ich, was mich daran gestört hatte. Thalya war der Name meiner Mum. Dachte er etwa, dass ich sie wäre? Kurz schaute ich an mir herunter. Ich trug ihr Kleid, meine Haare hatte ich von ihr, genauso wie den Mund, die Nase und die Augen. Kurz: ich sah genauso aus, wie sie früher ausgesehen haben muss. „Er denkt, ich bin Mum", flüsterte ich kaum hörbar und blickte zu Maya, die mir mit fragendem Gesichtsausdruck entgegensah, „Geh ins Zimmer und schließe ab, Mum würde er nie etwas antun. Ich spiel einfach etwas Theater." Einen Augenblick lang zögerte sie noch, doch dann nickte sie und ging in ihr Zimmer. Nachdem ich hörte, wie sie ihre Tür abgeschlossen hatte, richtete ich meine Aufmerksamkeit wieder auf Dad. Dieser war inzwischen dabei, die Treppen zu mir nach oben zu steigen. Als er schließlich bei mir ankam, legte er mir von hinten sanft die Hände auf die Schultern und flüsterte an meinen Nacken den Namen meiner Mutter. Ein Schauer jagte mir den Rücken herunter, bevor ich leise antwortete: „Ich bin müde, ich geh ins Bett." Mum würde er immerhin sicherlich nicht aufhalten und er dachte ja nach wie vor, dass ich sie war. Langsam löste ich mich von ihm und ging auf mein Zimmer zu, in dem ich wenige Sekunden später verschwand. Seufzend schloss ich die Tür hinter mir und lehnte mich gegen die Wand daneben. Das war irgendwie merkwürdig gewesen, aber immerhin hatte er mich nicht wieder geschlagen.
Ich weiß nicht, wie lange ich so dastand und versuchte mich zu beruhigen, bevor sich meine Zimmertür öffnete und anschließend wieder schloss. Erst als ich den Schlüssel im Schlüsselloch hörte schaute ich auf. Dad stand vor mir und ließ seinen Blick langsam über mich gleiten. Was hatte er vor? Ein ungutes Gefühl beschlich mich, als ich Dad so vor mir stehen sah, aber ich sagte nichts. Schlimmer als die Schläge konnte es ja kaum werden. Angestrengt versuchte ich in seinen Augen zu lesen, was gerade in ihm vorging, aber ich hatte keine Chance. Schritt für Schritt kam er weiter auf mich zu bis er nur noch wenige Zentimeter von mir entfernt war. Seine Hände legten sich sanft auf meine Hüften und zogen mich zu sich. Er würde doch nicht etwa... Ich traute mich nicht, den Gedanken zu Ende zu denken. Dazu kam ich jedoch auch gar nicht erst, denn da hatte er seine Hände bereits tiefer gleiten lassen, sodass seine Fingerspitzen problemlos über meine nackte Haut unter dem Saum meines Kleides streichen konnten. Erschrocken schnappte ich nach Luft, was ihn stocken ließ. „Was bist du heute denn so verspannt? Komm, ich helfe dir, dich etwas zu lockern", sagte Dad und entfernte sich ein paar Schritte von mir. Mit einer raschen Bewegung zog er sich sein T-Shirt über den Kopf und öffnete danach in Zeitlupe erst seinen Gürtel und dann seine Hose. Wie erstarrt schaute ich ihn an. Das, nein, bitte nicht. Schnell wandte ich meinen Kopf zur Seite, als er seine Hose auf den Boden fallen ließ und wieder auf mich zukam. Dieses Mal legte er seine Hände jedoch direkt unter mein Kleid. Langsam wanderten sie meinen Rücken nach oben um mir das Kleid über den Kopf zu ziehen. Ich wollte das nicht. Er war mein Vater, ich wollte von ihm nicht so berührt werden. Aber ich konnte ihn auch nicht verletzten. Also versuchte ich ihn vorsichtig von mir wegzudrücken. Seine einzige Reaktion darauf war jedoch, mich noch enger an sich zu ziehen und seine Hände fest um meinen Hintern zu legen, was mich erneut nach Luft schnappen ließ. „Hör auf", versuchte ich es nun, „Dad, ich bin es, deine Tochter Gaya. Ich bin nicht Mum." Er reagierte nicht auf meine Worte, stattdessen hob er mich hoch und trug mich zum Bett, auf dem er mich sanft ablegte, nur um sich anschließend auf mich zu legen. „Dad", keuchte ich erneut, doch wieder reagierte er nicht darauf. Langsam fing er an seine Hüften auf meinen zu kreisen. Nein! Die erste Träne fing an, über meine Wange zu rollen und dann folgten noch weitere. Ich machte mir erst keine Mühe sie zu unterdrücken, vielleicht würde Dad es ja merken und endlich aufhören. Vielleicht würde er mich dann erkennen. Wobei ich das ehrlich bezweifelte, so vernebelt, wie sein Kopf von dem Alkohol sein musste. Noch einmal versuchte ich ihn von mir zu drücken ohne ihn dabei zu verletzen, doch erfolglos. Dann fiel mir jedoch etwas anderes ein: Maya. Hoffentlich bekam sie davon nichts mit. Wehe Dad machte Lärm. Maya durfte das nie erfahren, niemals. Sie würde mich umbringen, wenn sie es wüsste. Schnell legte ich mir die Hand auf den Mund, um einen Aufschrei zu unterdrücken. Um ja keinen Laut von mir zu geben, biss ich mir schließlich auf die Hand. Es schmerzte zwar, aber es half ruhig zu bleiben. Mein Gesicht war inzwischen tränenüberströmt, aber ich ignorierte es. Ich versuchte mühsam meine gesamte Umgebung auszublenden, doch es gelang mir nur sehr schwerfällig.
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