Messer in der Küche

~Iván~

Langsam streiche ich ihr über das weiche Haar. Ihr Kopf liegt erschöpft auf meiner Brust. Ich hätte es nie für möglich gehalten, sie so in meinen Armen liegen zu sehen.

Mein inneres ringt mit mir. Ich hatte sie gerade wirklich auf die Stirn geküsst. Es war ein wunderbares Gefühl gewesen. Dennoch weiß ich nicht genau, ob sie unter normalen Umständen nicht zugeschlagen hätte.

Wir verweilen noch eine Zeit so. Einige würden es für langweilig halten, aber ich könnte so für immer verweilen.

Plötzlich merke ich, dass sie schon eine Weile nicht mehr wach ist. Sie ist wirklich enorm erschöpft. Wenn ich nur wüsste, weshalb.

Moment mal. Im Kopf gehe ich das Gespräch von vorhin noch einmal durch. Ich hatte ihr die Wahrheit gesagt, aber ihre Reaktion hatte ich mehr oder weniger übersehen.

Sie verfolgt das selbe Ziel? Das macht es tatsächlich gefährlicher. Einen Mafiosi hoch zu stufen, ist eine Sache. Aber einen Feind der Mafia an die Spitze zu bringen, wird extrem gefährlich.

Es ist eine wichtige Information. Nur weiß ich nicht, wie Vera reagieren wird. Sie wird jede Möglichkeit ausnutzen, Gianna in Schwierigkeiten zu bringen. Ich halte es für besser, es fürs erste auf eigene Faust zu versuchen.

Ob Gianna überhaupt richtig aufnehmen konnte? Schließlich hatte sie lässig über das Thema gesprochen. Wahrscheinlich nicht. Sie ist zu erschöpft. Es ist unmöglich, dass sie es mitbekommen hat.

Okay. Es erklärt zumindest, warum sie von jeglicher Energie verlassen wirkt.

Vorsichtig drücke ich sie von mir weg. Sie braucht ihren Schlaf, nur würde es nicht schaden, mich ein wenig umzusehen. Vielleicht finde ich etwas Brauchbares.

Das Sofa knarzt ein bisschen, als ich aufstehe. Sofort stoppe ich meine Bewegung und spähe zu Gianna. Falls sie diese Aktion von mir mitbekommt, wird sie mir niemals verzeihen.

Sobald ich mir ihres Schlafes sicher bin, setze ich mich wieder in Bewegung.

Ich visiere eine Tür an. Was sich wohl hier befindet? Vorsichtig drücke ich sie auf. Ah. Es ist nur die Vorratskammer.

Macht Sinn. Schließlich befindet sie hier direkt die Küche.

Sie schließt sich direkt an das riesige Wohnzimmer an. Die Küche sieht extrem edel aus und ist luxuriös geschmückt. Wer auch immer hier kocht, muss Spaß daran haben. Ich fände es bestimmt amüsant.

Behutsam öffne ich eine Schublade nach der anderen. Besteck und Geschirr. Was habe ich auch erwartet.

Mein Blick fällt auf den Zylinder mit Messern. Wow, einige von ihnen sind riesig. Und nicht alle sehen aus, wie gewöhnliche Küchenmesser. Der Gedanke daran schaudert mich. Klar, die Mafia sollte überall Waffen haben.

Ein unsicheres Lachen entfährt mir. Hoffentlich werde ich nie mit den Waffen Bekanntschaft machen müssen. Aber unser Plan wird Leben fordern. Wenn es für uns gut geht, wird es die Seite der Mafia sein. Dessen ist sich Gianna wahrscheinlich nicht bewusst. Doch nur so können wir sie endgültig schwächen.

Ich kann nicht einschätzen, ob sie es schafft, ihren Bruder zu töten. Es ist viel verlangt.

Plötzlich spüre ich etwas scharfes an meiner Kehle. Ein kalter, metallischer Gegenstand schneidet sich in meine Haut.

Sofort versteife ich meinen ganzen Körper. Es darf mir keine Bewegung entfahren, solange ich nicht weiß, wer es ist. Nur einer Sache bin ich mir sicher. Das an meinem Hals, ist eines der erschreckenden Messer.

„Was sollte das hier werden?", flüstert mir eine weibliche Stimme ins Ohr. Gianna.

„Was hast du vor?", werfe ich verwirrt zurück. „Ist das nicht offensichtlich? Ich kann es dir noch etwas deutlicher machen", gibt sie giftig zurück.

Mein Herzschlag wird schneller. Es fühlt sich grausam an, doch ich darf jetzt nicht in Panik verfallen. Jeder andere würde jetzt am Boden liegen, doch ich kann ihr nicht schaden.

„Also. Was hast du gesucht?", meint sie ungeduldig. „Gianna, leg das Messer weg", erwidere ich ruhig. „Was hast du gesucht?!", wiederholt sie aggressiv. Ungeduldig drückt sie das Messer näher zu sich. Ich folge ihrer Bewegung, doch ewig geht das nicht. Sie ist zwar kleiner, doch hat sie mich geschickter Weise attackiert, als ich eine der unteren Schubladen öffnen wollte.

„Ich habe mich etwas umgesehen", gebe ich zu. „Das war nicht die Frage. Ich habe bemerkt, dass du schnüffelst. Hältst du mich für blöd? Ich habe gefragt, was du gesucht hast", meint sie schneidend. „Gianna! Pack zuerst die Klinge weg! Du wirst mich schneiden", befehle ich nervös. „Ich habe genug Gefühl. Keine Sorge. Mit dem Messer mache ich keine Fehler. Mein Bruder hat mich gut unterrichtet." „Das hier wäre ein Fehler!"

Langsam beugt sie sich zu mir. „Tja, uns beiden passieren Fehler", flüstert sie mir ins Ohr. Kalter Schweiß läuft mir über den Rücken.

Langsam drängt sie mich näher zu sich. Leider ist hinter mir ihr Körper. Ich kann ihrer Bewegung nicht länger folgen. Doch sie schiebt das Messer näher zu sich.

Ein schneidender Schmerz durch zuckt mich. Die Klinge hatte sich in meine Haut eingeschnitten. Sie meint es ernst. Und mir geht die Zeit aus.

Unter Angst fasse ich nach ihrem Arm. Mein einziger Trumpf ist meine Kraft. Schnell schiebe ich ihren Arm etwas von mir weg. Sofort tauche ich unter ihm durch und werfe mich hinter sie, weiterhin mit ihrem Arm. Ich drehe ihren Arm hinter ihren Rücken und ziehe ihn nach oben. Mit meiner anderen Hand fasse ich nach ihrer Taille und ziehe sie zu mir. Ein Wimmern entfährt Gianna, aber ich bin noch nicht fertig. Heftig trete ich ihr in die Kniekehlen. Hart fällt sie nach vorne.

Sofort bemerke ich das Messer. Mit geballter Kraft drücke ich meine Hand um ihr Handgelenk zusammen.

Unsanft kracht das Messer auf dem Boden auf.

Sofort ziehe ich ihren Arm wieder nach oben. Gianna quietscht und eine Träne entfährt ihr.

Erst jetzt fällt mir auf, dass ich es komplett übertrieben hatte. Ihr Arm hängt ungesund in der Luft. Noch ein bisschen weiter und er ist ausgekugelt.

Ich lockere meine Stellung. Sofort entspannt sie sich ein bisschen.

„Lass mich los!", faucht sie herrisch. „Das kann ich nicht. Du hättest mich fasst getötet!" „Gut erkannt", gibt sie zufrieden zurück. Wie bitte?

„Was hast du gesucht?!", schriet sie aggressiv. „Ich weiß nicht ob du in der Stellung bist, Fragen zu stellen", erwidere ich. „Du gleich auch nicht mehr!", kommt es giftig zurück.

„Okay. Ich habe nur nach nützlichen Informationen gegen deine Familie gesucht", gebe ich nach. Noch so eine Situation brauchte ich jetzt nicht. „Spinnst du?! Ich vertraue dir und du nutzt das sofort aus?", kommt es verloren zurück, „Lass mich endlich los."

Vorsichtig lasse ich von ihr ab. Wütend rappelt sie sich auf und schafft Abstand von mir.

„Es wäre besser, wenn du gehst", knurrt sie ohne mich eines Blickes zu würdigen. „Gianna, es-" „Ich will mich nicht ständig wiederholen! Hau ab!"

Es schmerzt, sie so wütend zu sehen. Ich hätte es wissen müssen. Ihre Stimmung ist nie stabil. Ich schiebe es einfach auf ihre Erziehung.

„Geh jetzt endlich!", drängt sie aggressiv. In ihren Augen erkenne ich pure Wut und ebenfalls Enttäuschung. Ich verstehe, dass sie verletzt ist.

„Okay, bis bald. Ich werde dich aufsuchen", verabschiede ich mich. In Gedanken verlasse ich das Haus. Doch die Stille nagt an mir. Ich kann sie einfach nicht einschätzen. Ihre Stimmungen sind zu wechselhaft.

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