Falsche Liebe
~Iván~
Mein Körper versteift sich urplötzlich, als ich das Klicken der Waffe höre. Es ist, als würde gerade in diesem Moment die Welt zerfallen und ich mit ihr. Gianna. Nein, nicht sie. Bitte nicht sie. Sie ist das wunderbarste Geschöpf der Welt. Allein der Gedanke, sie zu verlieren, schmerzt bestialisch. Ich kann mir ein Leben ohne Gianna nicht vorstellen. Sie ist mein Sinn. Ich kann nur mit ihr existieren. Nur mit ihr. Denn sie ist alles was ich brauche. Dieses Mädchen ist mein Leben. Niemals war mir etwas so wichtig.
Kein Schuss. Stille. Vorsichtig sehe ich zu ihr. Ihre Augen sind weiterhin geschlossen. Doch langsam öffnet sie sie. Und ihr Blick ist tödlich.
„Du hast mich mit einer ungeladenen Waffe bedroht?", haucht sie mir zu. Ein Schauer überläuft mich. Diese Stimme funkelt vor Rachsucht und Wut. Dazu dieser Blick. Die Art, wie sie mich ansieht, lässt mich innerlich sterben. Das ist nicht Gianna, versuche ich mich zu beruhigen.
Plötzlich trennt uns nur noch ein kleiner Schritt. Mit zwei Fingern streicht sie mir über den Arm. Die Stellen prickeln, an denen sie mich berührt, jedoch hinterlassen sie auch eine Sehnsucht.
„Du hättest mich töten sollen", haucht sie mir in mein Ohr, „Jetzt wirst du mich töten müssen. Kümmert euch ruhig um eure Rebellion. Es wird sicher spaßig," „Was? Gianna, was soll das?", erwidere ich unruhig. „Sagen wir es mal so. Diese Beziehung war von Anfang an zum scheitern verurteilt. Feinde können niemals glücklich zusammen sein."
Feinde. Meint sie das Ernst? Nein, nein, nein. Nicht Gianna! Reflexartig umfasse ich ihren Arm und ziehe sie zu mir. „Gianna! Hör auf mit dem scheiß! Lass das! Du bist nicht du selbst", schreie ich sie an. Ein kleines Lächeln breitet sich auf ihrem Gesicht aus. Ihr Blick fällt auf den Boden und ein leises Lachen unterbricht die Stille. Ihr Lachen klingt bösartig und verzweifelt. „Ich bin ich. Nur weil ich nicht so bin, wie du mich liebst, heißt das nicht, dass ich jemand anderes bin. Es ist nur eine andere Seite von mir. Ich besitze nicht nur eine Seite. Ich passe mich eben an Niederlagen und Gewinne an. Wir haben viele Fehler gemacht. Jetzt sind wir hier. Und wir müssen mit den Konsequenzen leben. Aber deswegen sind wir immer noch die gleichen, jetzt nur mit anderen Perspektiven."
Mein Mund ist trocken. Was ist gerade passiert. Sie entgleitet mir. In mir zerbricht alles. Die Person, die ich liebe, droht aus meinen Armem zu verschwinden. „Gianna-" „Nein. Ich werde euch nicht an meinen Vater verraten. Die Mafia ist schrecklich. Ich werde versuchen, sie umzulenken. Unschuldige werden nicht mehr ausgebeutet. Stattdessen werde ich andere Opfer suchen." Ein herausforderndes Funkeln geht von ihr aus. Sie hat ihre Opfer bereits gefunden. Mich und meine Familie.
„Warum machst du es dir so schwer?", frage ich sie erschöpft. „Ich mache es mir nicht schwer. Meine Entscheidung steht fest. Ich bin nicht dein Machtwerkzeug. Aber dieses Gespräch hat sowieso keinen großen Sinn mehr. Ich glaube, ich sollte langsam nach Hause laufen. Nicht dass mein Vater auftaucht und ich bin nicht da. Es wäre auch zu eurem besten", beschließt sie und wendet sich von mir ab. Ich kann sie nicht einmal aufhalten. Ihre Worte lähmen mich weiterhin.
Gianna ist mein Leben. Und nun ist sie mein Untergang. Ich kann sie nicht töten. Doch dafür muss meine Familie ihren Kopf hinhalten.
~
„Und? Wie lief es? Noch habe ich es ihnen noch nicht erzählt, aber das kann noch werden. Wehe, du bedrohst mich noch einmal!", begrüßt mich Vera, als sie mich erblickt. „Sie war nicht geladen", entgegne ich nur gereizt. „Hast du's wohl an deiner Liebe aus probiert?", stichelt sie weiter. „Ich nicht", werfe ich entgegen und dränge mich an ihr vorbei. „Was?", fragt sie und wirft sich vor mich. „Vera, lass es einfach. Ich muss und will mich nicht vor dir erklären", erwidere ich kraftlos. „Aber-" „Vera. Ich flehe dich an, lass das." Sie öffnet ihren Mund erneut, doch enthält sich jeglicher Worte. Vera ist nervig, aber auch sie tritt nicht nach, wenn jemand bereits am Boden liegt.
„Ich weiß, dein Herz gehört Gianna. Aber ich werde immer da sein. Ich liebe dich weiterhin, auch wenn du es nicht erwiderst. Falls du mich brauchst, werde ich alles für dich geben. Iván. Du bist der wichtigste Mensch, den ich jemals kennenlernen durfte. Und ich weiß, du liebst sie. Aber vielleicht ist sie nicht die Richtige", meint sie nun. Seid langer Zeit blicke ich wieder in die Augen, in denen ich mich einmal verloren hatte. Seid langem steht wieder die Vera vor mir, die ich zu lieben gelernt habe.
Meine Nerven liegen blank und vielleicht ist mein Handeln auch falsch, aber in diesem Moment handelt nicht mein Verstand. In diesem Moment handelt mein Herz und es sehnt sich nach Liebe.
Ich schnappe mir das Mädchen vor mir und küsse sie. Erst spüre ich die Verweigerung und Verblüffung ihres Körpers, doch sofort entspannt sie sich. Mit jeder Sekunde spüre ich, dass ihre Liebe echt und loyal ist.
Sanft liegen meine Lippen auf ihren. Auch sie erwidert den Kuss mit Sanftheit und Zärtlichkeit. Vorsichtig lege ich meine eine Hand auf ihr Hüfte und ziehe sie näher zu mir. Mit der anderen streiche ich ihr über die Wange. Nun scheint auch Vera angetan zu sein. Liebend legt sie ihre Arme um meinen Hals und zieht mich näher zu sich.
Vera ist anders als Gianna. Ihr fehlt jegliches Feuer. Veras Liebe beruht auf Zärtlichkeit und Ehrlichkeit. Vera würde alles für diese Beziehung tun, so wie damals. Vielleicht sollte ich mich wirklich auf sie einlassen. Sie ist perfekt.
Jedoch fehlt mir eben genau dieses Feuer. Mir fehlt Gianna. Sie ist stürmisch und stur. Ihre innere Zerbrochenheit überdeckt sie mit ihrer ganz persönlichen Menge an Frechheit. Doch ich liebe diese Person mit jeder Faser meines Herzens.
Egal. Gianna und ich hätte niemals funktioniert. Diese Beziehung war von Anfang an zum Scheitern verurteilt, hallen ihre Worte in mir nach. Eine Gänsehaut streicht über mich hinweg. Sie ist fort. Und nun ist sie meine Feindin.
Ich vertiefe mich stärker in den Kuss mit Vera. Sie ist jetzt meine Zukunft. Sie hat mich niemals im Stich gelassen. Vielleicht ist es besser so. Wer weiß, vielleicht war Gianna sogar toxisch? Vera ist es nicht. Sie ist nun mein Leben.
„An wen denkst du? Mich oder Gianna?", haucht sie vorsichtig an meinen Lippen. „An euch beide. Und du bist nun das, was ich will", erwidere ich und ziehe sie näher zu mir.
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