Von Verlieren und Verloren haben
Mesut war alleine, saß auf seiner Couch, den Kopf nach unten gesenkt.
Er überlegte lange, ob er eigentlich nicht der sein sollte, der er ist.
Sein Leben überforderte ihn oder war es nur ein ziemlich kräfteraubender Kampf zwischen seinem Herz, das Cristiano unbedingt wieder sehen und nie wieder loslassen wollte und seinem Kopf, der ihm sagte er solle endlich loslassen, Cristiano vergessen und sich ganz auf Fußball konzentrieren? Und ja, das war der Grund seines Wechsels, Mesuts Kopf hatte gesiegt aber er merkte schon kurze Zeit später wie sehr er diese Entscheidung bereute. Sehr bereute.
Natürlich hatte Mesut der Presse irgendeine Schwachsinn erzählt, der irgendwie glaubwürdig klang und auch der Kommentar von Cris dazu enging ihm nicht. Er wollte damit abschließen, aufhören an Cris zu denken oder sein Spiele zu gucken, aber das konnte er nicht.
So sehr er es sich auch wünschte.
Gerade war einer dieser Momente, die in letzter Zeit so verdammt oft vor gekommen waren, wo er still da saß, mit sich selber diskutierte und nichts spürte außer seinem Herzen, gebrochen.
Und voller Sehnsucht, nach dieser einen Person. Einer Sehnsucht die er so, vorher noch nie gespürt hatte, bei nichts und niemandem.
Die Sehnsucht wurde wurde mit der Zeit immer größer und der Wille mit seiner Mannschaft zu gewinnen, egal was, immer geringer.
Ein Kampf zwischen Herz und Kopf aber Mesut hatte sich längst entschieden, schon seit er bei Real angefangen hatte. Anfangs dachte er, es würde nur eine Schwärmerei wegen dem Weltfußballer sein, schließlich fand jeder Neuankömmling es toll, mit Cristiano Ronaldo zu spielen. Und so hatte er sein immer wieder pochendes Herz einfach ignoriert, beim Training, wenn er ihn flüchtig berührte oder auch nur ansah.
Mesut wusste mittlerweile, dass da mehr war. Und es war Zeit einen riesengroßen Fehler wieder gerade zu biegen und nicht mehr so egoistisch zu sein. Lange hatte er nachgedacht, nachts stundenlang wachgelegen, manchmal war die ein oder Andere Träne seine Wangen hinuntergekullert. Aber es war jetzt vorbei, es sollte vorbei sein.
Er war sich mit sich selbst nicht mehr einig geworden(war er irgendwie auch immernoch nicht), weshalb er in einem Flugzeug nach Madrid saß. Er war bereits am Flughafen als er seine Kappe noch etwas mehr in sein Gesicht zog. Er sah wirklich fürchterlich aus und auf eine Konfrontation mit irgendwelchen Fans hatte er keine Lust. Das Einzige, das er wollte, war Cristiano.
Cristiano Ronaldo dos Santos Aveiro.
Deshalb stand er auch kaum eine halbe Stunde später vor dem Tor dessen Villa und klingelte. Es war schon sehr spät, besser gesagt mitten in der Nacht, aber Mesut konnte und wollte nicht bis zum nächsten Morgen warten. Er war nervös, zitterte am ganzen Körper und erschreckte sich leicht als er die warme, aber auch verschlafene Stimme an der Sprechanlage hörte, die diese Sehnsucht ausgelöst hatte: „Hola?"
Cristiano hatte Portugiesich gesprochen, "Hallo" war das einzige Wort, welches Mesut in dieser Sprache noch beherrschte.
Ronaldo hatte ihm noch einige andere Wörter beigebracht aber nach und nach hatte er sie alle vergessen, in London und bei seiner Familie, geschweigedenn bei der deutschen Nationalmannschaft musste er auch nur ein Wort spanisch, geschweigedenn Portugiesich sprechen.
Mesut war für einen Augenblick unfähig etwas zu antworten, so gerne er auch wollte. Fast tonlos kam ein „Hey" über seine Lippen und Cristiano erkannte seine Stimme trotzdem sofort, öffnete das Tor und auch direkt die Haustür.
Eine Art Angewohnheit, früher war der ehemalige Realspieler oft vorbeigekommen.
Mesut lief langsam, immer noch zitternd den breiten Kieselweg entlang, den er schon so lange nicht mehr entlang gegangen war.
Cristiano lehnte im Türrahmen, beobachtete Mesut still, war aber innerlich genauso aufgeregt wie jener und auch sein Herz klopfte schnell und laut. Cristiano versuchte in Mesuts Augen zu schauen aber dieser vermied den Blickkontakt, er würde sich in seinen Augen verlieren und dann hätte er schon verloren. Mesut wusste nicht was schlimmer war..zu verlieren oder schon verloren zu haben?
Cristiano hatte denselben Gedanken..
Denn gerade in diesem Moment war Beides der Fall.. er hatte schon verloren, denn Mesut war gewechselt, anfangs hatte er ihn angelächelt, angeschaut, mit ihm in seinem Garten trainiert.. und jetzt? Jetzt war er am Verlieren, denn er wusste nicht warum Mesut hier war, aber so wie es aussah war er nicht gekommen, um sich mit Cristiano auszusprechen.
Trotzdem beobachtete der Portugiese Mesut weiterhin.
Oh ja, und wie er ihn vermisst hatte.
(Drüber hinweggekommen ist er nie)
Cris' Haare waren verstrubbelt, er war verständlicherweise aus dem Bett gejagt worden und unter seinen Augen sah Mesut große Augenringe. Doch er wollte sich nicht beschweren.
Mesut wusste genau, dass er nicht anders aussah, hatte nächtelang nicht geschlafen, sich bei seinem Verein krank gemeldet, um seinen Gedanken Tag für Tag freien Lauf zu lassen und schließlich hier zu landen, vor Cristianos Haustür.
Seine Augen schrien förmlich nach dem Portugiesen und Mesut verschnellerte seinen Schritt dann doch und warf sich in die Arme von Cristiano. Er atmete seinen Geruch ein, hatte die Hände hinter seinem Nacken verschränkt. Auch Cristianos Arme lagen feste um Mesuts Hüfte und drückten ihn nah an seinen Körper. Cristiano atmete in Mesuts Ohr, ehe er ein „Querido, ich hab' dich so sehr vermisst" flüsterte. Das stimmte. Cristianos Sehnsucht war fast größer als die von Mesut gewesen und als sie sich so in den Armen lagen, wurde ihm das erst richtig bewusst.
Er wollte ihn nie mehr gehen lassen.
Sie lösten sich und schauten sich einfach nur ewig lange in die Augen. Dismal ließ Mesut es zu.
Beide konnten nicht glauben, dass sie sich nach so langer Zeit wiedersahen und, dass Mesut ohne einen Anruf, eine SMS oder Sonstiges spontan zu Cris gefahren war und ihn besucht hatte.Das war..ungewohnt. Und das war mehr als ein Besuch, das war ein Wiedersehen.
Mesut fühlte sich fast so, als könne er jeden Moment anfangen zu weinen. Er versuchte mit aller Kraft das zu vermeiden, denn er wollte den Moment nicht noch trauriger machen als er eh schon war.
Aber er konnte es nicht mehr verhindern und ließ letztendlich seinen Tränen freien Lauf. Weichei, sagte er zu sich selbst. Cris umarmte ihn schlagartig ein zweites Mal und strich langsam und mitfühlend die Tränen von Mesuts Wange. Mit seiner anderen Hand strich er beruhigend über Mesuts Rücken. Er war so zerbrechlich.. (Cristiano fühlte sich so als müsse er ihn beschützen, obwohl er erwachsener geworden war, erfahrener.)
Fast musste er sogar mitweinen, aber konnte das dann doch aufhalten und flüsterte stattdessen ein leises 'Shh'.
Bei Mesut war er so sensibel, war fürsorglich; Ricardo, meinte, das würde man "wahre Liebe" nennen, wenn sogar der "große Ronaldo" wegen jemandem wie "Mesut" weinen würde.
Erst war Cristiano etwas eingeschnappt gewesen, Mesut war nicht "irgendjemand".
Als er das dann aber zu Ricardo gesagt hatte, war ihn selber aufgefallen, dass dieser Recht hatte.
Mesut hatte sich ein wenig beruhigt und strich sich nun die restlichen Tränen selbst aus dem Gesicht, es war ihm ein wenig peinlich, dass er angefangen hatte zu weinen und seinen Wangen hatten sich dementsprechend rosafarben gefärbt. Er ließ sich von Cristiano mit in seine Villa ziehen, sie standen lange draußen und Cristiano war ziemlich kalt geworden, halbnackt( damit meinte er, nur in Shorts, bei 17 Grad mitten in der Nacht.)
Er ließ seine Tat dennoch unkommentiert, er wollte diese irgendwie komische aber auch schöne Atmosphäre nicht zerstören. Sie setzten sich gemeinsam auf die Couch und kuschelten beide miteinander. Das hatten sie so lange nicht mehr getan. Irgendwann nach vielen, vielen Stunden, die sie einfach schweigend nebeneinander verbrachten, brach Mesut die Stille. „Ich hab' es ohne dich einfach nicht mehr ausgehalten." flüsterte er, neigte dabei den Kopf ein bisschen nach oben, weil er etwas weiter unten lag als Cristiano und ihm in die Augen schauen wollte. Angesprochener lächelte nur. „Ich liebe dich, Mesut. Bleib' einfach für immer hier, bei mir." Jetzt musste auch Mesut lächeln und setzte sich auf. Das aus seinen Lippen zu hören, war so ungläubich schön, schlagartig klopfte Mesuts Herz ein bisschen schneller.
"So einfach is' das nicht." , erwiderte der Deutschtürke und sollte damit leider Recht behalten.
Cristiano setzte sich ebenfalls etwas auf, lächelte aber nicht sondern grinste schon fast. und die Beiden wahren sich unverschämt nah. Cristiano berührte mit seiner Hand Mesuts weiche Wange und zog ihn langsam zu sich hin. Seine andere Hand, hatte ihren Platz an Mesuts Hüfte gefunden. Ihre Nasenspitzen berührten sich und sie hielten in dieser Position kurz inne, sahen sich tief in die Augen und wollten Beide einfach nur den Moment genießen. Mesuts verlor sich, wie so oft in den Augen von Cristiano, die er so anziehend, schön und in diesem Moment so verdammt ehrlich fand. Ein Schauer lief Mesuts Rücken hinunter als er Cris' andere Hand unter seinem T-Shirt spürte und wie er mit seinen Fingerspitzen seine Wirbelsäule entlang fuhr.
Das tat er noch eine ganze Weile (vorher hatte er seine Hand kurz an Mesuts Hüfte liegen gehabt, doch konnte sie einfach nicht stillhalten). Immer wieder fing er unten an und bewegte sich langsam nach oben. Mesut genoss einfach seine Nähe, dachte über nichts Anderes nach, als Cristiano nah zu sein, so nah wie er ihm seit gefühlter Ewigkeit nicht mehr war. Und Mesut genoss, Cristianos Geruch einzuatmen, immer und immer wieder. Ihre Nasenspitzen berührten sich immer noch, aber inzwischen hatten beide ihre Augen geschlossen. Mesut zögerte nicht und legte seine linke Hand langsam und behutsam in Cris' Nacken und zog ihn Näher bis ihre Lippen fast vereint waren. Er neigte seinen Kopf ein Stück ehe er den Abstand zwischen ihren Lippen überquerte und langsam seine Unterlippe küsste, ein wenig daran zog und ihn endlich schmeckte. Der Kuss wurde tiefer, etwas inniger (aber dennoch ohne Zunge) und Mesut sowie Cristiano steckten ihre ganze Liebe, ihre ganze Sehnsucht in diesen lang erwartenden Kuss. Der Arsenalspieler gab sich Cristiano voll hin, ließ sich auf ihn fallen und die Beiden fielen nach hinten, zurück auf die Couch, ohne den Kuss zu lösen. Es fühlte sich so verdammt richtig an und sie waren sich zu 100 Prozent sicher, dass sie das, was gerade passierte, nie wieder missen wollten und, dass sie sich nie wieder trennen wollten. Und ja, das wussten sie Beide, ohne auch nur ein Wort zu wechseln. Mesut lächelte in den Kuss, bevor er sich löste. Sein Atem ging schnell und er konnte nicht anders als seinen Kopf in Cristianos Nacken zu vergraben. Noch nie hatte ein Mensch ihn so sehr fasziniert, ihn so sprachlos gemacht. Noch nie hatte Mesut so viel gefühlt, wie in diesem Moment. Nicht einmal mit Anna-Maria oder Mandy, an die er gar nicht erst denken wollte. Mit denen hatte er nur Sex gehabt, nie solche Glücksgefühle. Er hatte bei ihnen nie Liebe gespürt, nein. Das dachte Mesut zwar zuerst (er wusste schließlich bis jetzt nicht, wie sich wahre Liebe anfühlt) aber sie waren nur sein Spielzeug, hatten wahrscheinlich selbst unendlich viele One-Nightstands, von denen Mesut nichts wusste. Und es war ihm noch nie so egal, wie in diesem Moment, um 3 Uhr nachts, auf Cristiano Ronaldos Couch, in Cristiano Ronaldos Armen.
Der Portugiese musste irgendwann etwas feststellen, daß er vor ein paar Stunden noch anders gesehen hatte.
Er hatte nie verloren, er hatte gewonnen..und das, schon immer!
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Ein etwas älterer und überarbeiteter Oneshot, hoffe er gefällt euch dennoch :)
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