𝘷𝘪𝘦𝘳 [IN ÜBERARBEITUNG]
»Page ist in mich gestossen und ich habe mein Gleichgewicht verloren. Ich bin dadurch selbst ins Stolpern geraten und habe einen Tisch ins Wackeln gebracht, ein paar Gläser heruntergeschmissen, bevor ich darauf gefallen bin.«
Meine Augen weiten sich bei dieser Aussage von Will überrascht. Ich hätte gedacht, dass er Trishas Variante unterstützten und mich schlecht darstellen würde, aber er hat sich das gespart. Es überrascht mich einfach, weil Trisha seine Freundin ist und er mich dabei so harmlos dargestellt hat. Ich meine, er hat die Wahrheit gesagt, aber ich hätte es trotzdem nicht von ihm erwartet. Wenn ich einen Freund hätte, müsste der meine Aussagen immer unterstützen. Egal ob ich nun Recht habe oder nicht.
»Page? Willst du da irgendetwas hinzufügen?«
Ich schüttle schnell meinen Kopf. Ich sollte dankbar dafür sein und mich nicht so merkwürdig benehmen. Will zischt kurz auf, als ihm die letzte Scherbe aus der Händfläche gezogen wird. Brexon zieht seine perfekten Augebrauen in die Höhe und seine Augen finden mich.
»Wieso bist du überhaupt gestolpert? Ich meine, so viel ich gesehen habe, kannst du in diesen Haken laufen und der Boden ist auch nicht rutschig.«
Will sieht jetzt ebenfalls zu mir, Neugier glänzt in seinen Augen. Vielleicht sind es aber auch Schmerz-Tränen, ich kann es nicht genau sagen. Ich zucke mit meinen Schultern.
»Ich habe Hunger gehabt und nicht besonders auf meine Gegend geachtet. Ausserdem bin ich erst gestolpert, als ich Will gerammt habe.«
Brexon schnaubt belustigt und Will schmunzelt.
»Essen Mädchen wie du überhaupt etwas?«, fragt Letzterer und sieht mich dabei gespannt an. Ich verdrehe die Augen. Jeder hat immer so falsche Vorstellungen von Frauen. Ehrlich, das nervt.
»Natürlich. Ausserdem habe ich seit gefühlten Ewigkeiten nichts Normales gegessen und ich habe etwas gebraucht, um meinen Magen zu stillen.«
Die beiden sehen im gleichen Moment auf meinen Bauch und lassen ihren Blick dort verharren, als würde er ihnen eine Antwort geben, wenn sie es nur genug lange machen würden.
»Du weisst schon, dass du ziemlich lange mit diesem Schritt gewartet hast, nicht wahr, Page? Die Party läuft seit einigen Stunden und du kommst erst innerhalb von Sekunden auf die Idee, dass du etwas essen könntest?«, hakt Brexon schliesslich ungläubig nach. Will nickt zustimmend, wahrscheinlich seine Art zu sagen, dass das tatsächlich etwas ist, was man nicht verstehen sollte. Ich rolle mit den Augen.
Ich kann schlecht sagen, dass ich mich anfangs im Mädchenklo versteckt habe, einfach weil mir die Situation und der Artikel mit Brexon unangenehm gewesen ist. Ist sie ja noch immer, allerdings ist er bisher nicht annähernd so schlimm wie ich ihn beschrieben habe und das macht die Situation für mich um einiges besser. Ich meine, es ist nicht so, als hätte ich kein schlechtes Gewissen mehr, aber mittlerweile kann ich schon besser damit umgehen und das ist irgendwie ... beruhigend.
»Ich habe genau genommen noch immer nichts gegessen. Aber ja, der Gedanke ist mir einfach so gekommen.«
Und das sobald mein gesunder Menschenverstand wieder eingesetzt hat. Mein Blick fällt auf Wills Hände, die sauber verbunden und versorgt sind.
»Ich habe das wirklich nicht absichtlich gemacht und es tut mir leid«, meine ich an Will gerichtet. Wir sind ja eigentlich wegen ihm hier ... und wegen mir. Aber es wäre trotzdem merkwürdig, wenn wir uns nur darüber unterhalten hätten, ob ich esse und ich komplett ignoriere, was für ein Trampel ich gewesen bin.
Er nickt verständnisvoll und schenkt mir ein halbes Lächeln.
»Ich weiss. Ich meine, ich kann verstehen, wie das für Trisha gewirkt haben muss, aber ich habe die Situation ja selbst durchlebt. Vielleicht solltest du ihr das einfach auch noch einmal sagen. Ich denke, dass das ganze Drama dann geklärt wäre. Ich muss sowieso noch aufs Klo.«
Und damit verschwindet Will in dem Badezimmer, während der Typ mit dem Ärztekoffer aus dem Zimmer geht. Seine Arbeit ist getan, aber jetzt bleibe ich mit Brexon alleine zurück und ich kann sofort spüren, wie ich unruhig werde.
»Page«, bricht er dann plötzlich die Stille. Sein Gesicht ist ausdruckslos, aber seine Augen mustern mich ein wenig besorgt. Das lässt mich meine Stirn runzeln. Der Rockstar, den Millionen von Menschen vergöttern sieht mich, das Mädchen, das einen total dummen Artikel geschrieben hat, besorgt an. Wenn er nur wüsste...
»Willst du nichts essen oder hast du tatsächlich vergessen zu essen?«
Und das überrascht mich noch viel mehr. Ich meine, selbst wenn ich auf einer total unnötigen Diät wäre, es geht ihn nichts an. Und zur Info: Ich mache keine Diät. Ich finde, dass ich genügend esse, dünn bin und dass ich so gut aussehe. Sonst hat man nicht genügend Energie und das will ich nicht. Ich bin eine Studentin und möchte mein Leben definitiv in vollen Zügen geniessen. Selbst wenn ich nicht dünn wäre, man kann alles verstecken - was eigentlich falsch ein falscher Gedanke ist, vor allem weil jede Person seinen Körper so lieben sollte, wie er ist.
»Ich...ich habe es tatsächlich einfach vergessen.«
Der Druck und Stress, unter den ich mich gesetzt habe, haben mich meinen guten Menschenverstand vergessen lassen. Ich meine, es ist doch nicht viel dabei, dass ich eimal meinen Kopf vergessen. Wenn ich mit Mom und Dad gesprochen hätte, wären die beiden mir wahrscheinlich an den Kragen gegangen. Sie hätten mir einen Vortrag gehalten und mir alle Fehler, die ich in meinem Leben gemacht habe, aufgezählt und mich wie eine schreckliche Person aussehen lassen. Aber offensichtlich ist Brexon nicht einmal annähernd wie sie.
»Okay. Dann solltest du dringend etwas essen gehen«, antwortet er ruhig und deutet auf die Tür, als hätte ich um seine Bewilligung gebeten, den Raum verlassen zu dürfen. Habe ich nicht. Aber ich befehle mir selbst, seine Worte nicht weiter zu analysieren, bevor ich nicke und die Flucht ergreife. Ich muss ihn ja nicht belästigen. Er hat bestimmt besseres zu tun, als mit einem zwei Jahre jüngerem Mädchen herumzuhängen.
Sobald ich die Tür hinter mir schliesse, ist Trisha schon aufgesprungen und kommt mir mit einem merkwürdigen Gesichtsausdruck entgegen. Will hat gesagt, ich soll ihr erklären, was passiert ist.
»Trisha«, halte ich sie also schnell auf, bevor sie an mir vorbeistürmen kann. Sie sieht mich aus einer Mischung von überrascht und wütend an.
»Ich habe mich nicht an deinen Freund herangemacht.«
In knappen Worten erzähle ich ihr die Geschichte, so wie sie tatsächlich gewesen ist und versichere ihr dabei, dass ich es ernst meine. Und es funktioniert. Mit jedem Wort, das ich sage, scheint ihr Gesichtsausdruck weicher zu werden.
»Tut mir leid, dass ich dich so angefahren habe«, seufzt sie, sobald ich fertig bin. Sie tätschelt meine Schulter etwas unbeholfen, was ich mit einem Lächeln kaschiere.
»Kein Problem. Ich gehe jetzt etwas essen. Will sollte gleich rauskommen.«
Und damit lasse ich sie stehen. Problem gelöst. So schnell kann es also gehen. Verrückt, wenn man überlegt, was für langfristige Fehler sonst so haben können.
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