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c o n n o t a t i o n

mai 2018

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Harry || Meine Finger gleiten über die Saiten der Gitarre, die mir in letzter Zeit immer wichtiger geworden ist. Anfangs ist es ungewohnt gewesen, fremd und vor allem furchtbar schwer. Das Instrument und ich hatten nicht gleich gefühlt, wir waren zwei verschiedene Charaktere, die miteinander kämpften. Es hatte mich so sehr frustriert, dass ich kurz davor gewesen bin, gänzlich mit dem Versuch aufzuhören, das Gitarre spielen beherrschen zu wollen. Es ist ohnehin eher Nialls Gebiet gewesen, doch als Solokünstler blieb mir nichts anderes übrig, als wenigstens ein Instrument spielen zu können.

Ich hatte mich für die braune Schönheit entschieden, die nun in meiner Hand in den schönsten Tönen sang. Außerdem hatte Kate mir einen schwarzen Flügel zum Geburtstag geschenkt, der nun stolz in meinem Wohnzimmer auf sich aufmerksam macht. Er ist sicherlich furchtbar teuer gewesen, doch meine Verlobte hatte bloß gelächelt und mich geküsst. „Du verdienst das beste in diesem Leben, H", hatte sie gesagt und mich daran erinnert, warum ich mich damals so sehr in sie verliebt hatte.

Während ich nun gemeinsam mit meiner Band in der kleinen Halle stehe und meine Finger über die Saiten tanzen, denke ich zum ersten Mal seit einer Weile wieder an meine Verlobte, die sich auf der anderen Seite der Welt befindet. Während es in England gerade einmal Nachmittag ist, ist bei Kate bereits Mitternacht. Ich vermisse sie stetig, es ist ein kleines, sanftes Ziehen in meinem Herzen, was auch nicht verschwinden wird. Das Opfer einer Fernbeziehung. Anfangs ist es aufregend gewesen, mittlerweile quält es mich nur noch.

Ein lauter Knall zieht mich aus meinen Gedanken. Sarah lässt ihre Schlagzeugstäbe so schnell auf ihr Instrument heruntersegeln, dass mir bereits vom bloßen Zuschauen schwindelig wird. Auf ihren Lippen liegt ein seelisches Lächeln, was ihr sicherlich nicht einmal bewusst ist und sie wirkt so glücklich, dass meine Mundwinkel ebenfalls nach oben zucken.

Auch die anderen meiner Bandmitglieder sind voll in ihrem Element und ich bin dankbar dafür, dass ich nicht nur gute Musiker an meiner Seite habe, sondern vor allem Menschen, die die Musik ebenso sehr lieben wie ich selbst. Das ist selten und ich habe einen richtigen Glücksgriff gelandet.

So holprig der Start meiner Solo-Karriere auch gewesen ist, so oft ich abends auch weinend in Kates Armen gehalten wurde, so glücklich bin ich jetzt mit meinen Begleitern, die inzwischen zu richtigen Freunden geworden sind. Ihnen und Kate habe ich es zu verdanken, dass ich nicht schon längst das Handtuch hingeworfen habe. Stattdessen genieße ich es mittlerweile, wieder richtig auf der Bühne stehen zu dürfen.

„Das reicht für heute. Wir sind bestens für heute Abend vorbereitet", bestimme ich schließlich und wische mir die paar Schweißperlen ab, die sich auf meiner Stirn gebildet haben. Seit vier Wochen ist das Wetter in London unfassbar drückend, weswegen es in dem Proberaum kaum auszuhalten ist.

Fast kann ich die roten Backsteinmauern ebenfalls schwitzen sehen, die glücklicherweise einiges der Hitze aussperren. Doch England ist auf solche Wetterumschwünge einfach nicht eingestellt, weswegen ich mich nun nach einer Klimaanlage sehne.

„Ich wette, dass wir schon an einem Hitzeschlag gestorben sind, bevor wir heute Abend auch nur die Bühne betreten", kommentiert Mitch trocken und bindet sich seine langen, dunklen Haare erneut zu einem Dutt zusammen, ganz in dem Versuch, der Wärme zu trotzen.

Clare entfährt ein helles Lachen, während sie sich versichert, dass auch alles an ihrem Piano wieder richtig eingestellt ist.

Gemeinsam mit meinen Bandkollegen verlasse ich die Halle und weiche Adam aus, als dieser Anstalten macht, mir einen Arm über die Schulter zu legen.

„Du bist total verschwitzt, Kumpel", lache ich und deute in Richtung seiner Schweißränder, die sich deutlich an seinem hellgrauen T-Shirt abzeichnen.

Mein Bassist zuckt sorglos mit den Achseln und schenkt mir ein freches Grinsen. „Du riechst genauso furchtbar, Kumpel."

Sarah nickt bestätigend und streicht sich ein paar nasse Haarsträhnen aus der Stirn. „Wir haben alle eine kalte Dusche nötig."

Die Tür des Studios schlägt mit einem Knall hinter uns Fünfen zu und wir machen uns auf dem Weg zu unseren Autos.

„Irgendwer Lust, noch ein Eis essen zu gehen, bevor wir heute Abend sterben werden? Eine Henkersmahlzeit haben wir uns redlich verdient", schlägt Mitch vor und sieht fragend in die Runde.

Die beiden Mädchen sind sofort dabei, doch Adam und ich schütteln den Kopf.

„Ich muss nach Hause. Ich habe den Kids versprochen, vor dem Konzert heute Abend noch mit ihnen ins Freibad zu gehen", entschuldigt sich der Älteste von uns.

„Ich passe ebenfalls. Ich muss noch etwas erledigen", lehne ich ab.

Mitch verdreht grinsend die Augen. „Sag mir bitte nicht, dass du schon wieder in diesen Blumenladen verschwindest. Blumen nach Australien zu verschicken, muss so teuer sein, dass das selbst auf deinem Konto Spuren hinterlässt."

Ich verschweige, dass die Blumen nicht an Kate gehen und zucke einfach nur teilnahmslos mit den Schultern. „Vielleicht solltest du einmal darüber nachdenken, deinen Frauen Blumen zu schicken. Dann würden sie vielleicht länger als zwei Wochen bei dir bleiben."

Mitch lacht schallend. „Keine Sorge, Styles. Wir wissen beide, dass lange Beziehungen nichts für mich sind. Viel zu viel Arbeit."

Grinsend verdrehe ich die Augen. „Du wirst noch einsam und alleine sterben."

Er zuckt mit den Achseln. „Besser, als unglücklich verheiratet", entgegnet er augenzwinkernd. Ich weiß, dass er bloß scherzt, dennoch bildet sich ein Klumpen in meinem Bauch, den ich nicht ganz ignorieren kann.

„Wir sehen uns dann heute Abend! Ich brauche jetzt dringend eine kühle Erfrischung!"

Mitch legt die Arme um unsere beiden weiblichen Bandmitglieder und führt sie zu seinem Auto herüber, damit sie gemeinsam das Abenteuer Eiscreme in Angriff nehmen können.

„Warum genau haben wir Mitch überhaupt noch einmal in die Band aufgenommen?", fragt Adam mich grinsend, während wir ihnen hinterherschauen.

„Auf jeden Fall nicht wegen seines Charmes", scherze ich.

Auch wir machen uns auf den Weg zu unseren Fahrzeugen, bevor wir noch von ein paar Fans überrascht werden. Normalerweise macht mir das nichts aus, aber heute sehe ich wirklich so verschwitzt aus, dass ich auf Fotos verzichten kann. Das mag eitel sein, aber ich kann es nicht ändern.

„Viel Spaß im Freibad", wünsche ich meinem Bassisten, als ich an meinem Porsche Cabrio ankomme und die Fahrertür öffne.

„Ich bin mir noch nicht sicher, ob es nicht eher eine Stressveranstaltung wird." Adam stapft daraufhin mäßig begeistert weiter in Richtung seines Familienvans, der von innen sicherlich wie immer voller Kekskrümmel ist. Grinsend sehe ich ihm hinterher.

„Pass auf, dass du dir zwischen all den kreischenden Kindern keinen Hörsturz holst! Wir brauchen dich heute Abend noch", rufe ich.

Adam streckt mir grinsend den Mittelfinger entgegen. „Du bist doch nur neidisch, dass du niemanden hast, der zuhause auf dich wartet."

Damit hat er nicht ganz Unrecht. Ich würde viel dafür geben, um Kate wieder bei mir in England zu haben. Es ist anstrengend, andauernd von ihr getrennt zu sein. Aber wirklich vermissen tue ich sie nicht, was wahrscheinlich daran liegt, dass ich es nicht anders gewohnt bin. Ich freue mich immer, wenn sie wieder bei mir ist, aber nach einigen Wochen gehen wir uns so sehr auf die Nerven, dass ich beinahe froh bin, wenn sie zu ihrem nächsten Drehort fliegt.

„Das kann auch ganz entspannend sein", erwidere ich und an Adams Grummeln erkenne ich, dass er mir da zumindest heute zustimmt. Dabei vergöttert er seine Familie an den meisten Tagen und ich weiß, wie glücklich er ist, sie zu haben.

Ich setze mir meine Sonnenbrille auf die Nase und öffne dann das Verdeck des Cabrios, um die wenigen guten Sonnentage Englands bis aufs Äußerste auszukosten. Wer weiß, wann uns der nächste Schauer erwischen wird.

Nach einem kurzen Blick auf die Uhr versichere ich mich, dass mir noch genügend Zeit bleibt, bis ich heute Abend auf dem privaten Konzert auftreten werde. Der kleine Umweg über den Blumenladen am Rande der Stadt ist eindeutig noch drin.

Ich starte den Motor meines Porsches, der mit einem lauten Röhren erwacht und fahre dann los. Heute verzichte ich auf Musik, sondern genieße es einfach, einmal gar nichts hören zu müssen. Die Stille ist viel zu selten in meinem Kopf, umso mehr weiß ich sie nun zu schätzen.

Es dauert fast eine halbe Stunde bis ich schließlich vor dem kleinen Laden in einem der ruhigeren Viertel Londons anhalte, doch das stört mich nicht. Ich habe Zeit, etwas, was sich in wenigen Wochen drastisch ändern wird. Denn dann beginnt meine eigentliche Tour, auf der Ruhepausen ein kostbares Gut sein werden.

Als ich aussteige, versichere ich mich, dass ich den Wagen geschlossen habe und gehe dann zu dem kleinen Laden herüber, der durch die danebenliegenden Häuser beinahe verschluckt wird. Doch das unscheinbare Äußere täuscht eindeutig, denn sobald man die Türen öffnet, befindet man sich in einem grünen Paradies. Leichte Wellnessmusik besudelt den Raum, der über und über mit Pflanzen befüllt ist. Außerdem hat die Besitzern Charlotte sich alle Mühe dabei gegeben, den Laden wie ein Wunderland wirken zu lassen. Hölzerne Gartenstühle sind immer wieder zwischen den Blumen zu finden und die Einladung, dass man sich gerne ein paar Stunden mit einem Buch einfach hier verkriechen kann. Ich bin vor Jahren das erste Mal auf diese Goldgrube gestoßen und seitdem habe ich sehr viel Zeit hier verbracht.

„Guten Nachmittag, Harry", begrüßt mich Charlotte mit einem Lächeln, sobald sie erkennt, wer durch ihre Tür getreten ist. Das dauert etwas, da sie meiner Meinung nach dringend eine Brille nötig hätte, doch die alte Dame ist zu stolz, um sich ihre Sehschwäche einzugestehen. Manchmal mache ich mir Sorgen deswegen, doch sie hat mir einmal erzählt, dass sie ohnehin kein Auto besitzt und der Umwelt zuliebe auf öffentliche Verkehrsmittel zurückgreift, was beruhigend ist.

„Hey, Charlotte! Schön, dich zu sehen", lächele ich und trete näher an den Verkaufstresen, woraufhin mich die stämmige Dame mustert.

„Ist die Woche schon wieder um?"

„Ich weiß nicht, was du meinst", weiche ich aus, doch Lügen ist ohnehin nicht einer meiner größten Stärken.

Die Dame lacht ihr dröhnendes Lächeln und zwinkert mir dann zu. „Ich bin doch nicht von gestern, Harry. Ich weiß, dass du deinem Mädchen jeden Montag einen Strauß Blumen schickst."

„Sie ist nicht mein Mädchen", murmele ich. Jedenfalls nicht mehr.

Charlotte fragt nicht weiter nach, sie ist noch nie einer der Menschen gewesen, die zu sehr in meiner Privatsphäre geforscht haben. Anfangs habe ich mich gefragt, ob sie überhaupt weiß, dass ich andauernd auf den Titelblättern weltweit abgebildet werde. Doch irgendwann habe ich dann verstanden, dass dies der Besitzerin des Blumenladens durchaus bewusst ist. Es interessiert sie nur nicht. Charlotte ist es wichtiger, die Personen selbst kennenzulernen und würde nie über jemanden urteilen, nur weil sie aus dritter Hand etwas erfahren hat. Einer der Gründe, warum ich sie mittlerweile in mein Herz geschlossen habe.

„Könnte ich bitte ein Bestellformular bekommen?", bitte ich.

„Wieder Lilien?"

Ich nicke.                                                                                          

Charlotte schiebt mir das Blatt zu und geht dann durch den Laden, um die Blumen zu holen.

Während ich beginne, das Formular auszufüllen, sucht sie nach den Lilien und versucht, ein paar besonders schöne auszuwählen. Das Dokument vor mir ist reine Formsache, mittlerweile weiß Charlotte bestens, was genau ich brauche.

Meine Hand führt den Kugelschreiber mit schnellen, sicheren Bewegungen über das Bestellformular für einen weiteren Blumentrauß, auch wenn ich mittlerweile langsam die Hoffnung verliere. Es ist bereits der achte und immer noch habe ich nichts von Ally gehört. Drei weitere werden noch folgen, wenn ich bis dahin kein Lebenszeichen erhalten habe, dann werde ich aufgeben.

Die schwarze Tinte füllt ebenfalls die kleine Grußkarte aus, die dem Strauß beigelegt wird und ich unterschreibe schwungvoll mit meinem Namen, wobei Ally mittlerweile sicherlich weiß, von wem die Blumensträuße kommen.

Als ich daran denke, was Mitch vorhin gesagt hat, bekomme ich ein schlechtes Gewissen und sehe zu Charlotte herüber, die bereits begonnen hat, den Strauß Lilien zu binden.

„Verschickst du auch nach Australien?", frage ich.

Überrascht sieht sie zu mir herüber. „Wieso?"

„Weil ich dort auch einen Strauß hinschicken möchte."

„Tut mir leid, Harry. Aber die Blumen werden dort nicht heile ankommen und schon völlig welk sein, bevor sie ihr Ziel erreichen."

Merkwürdigerweise beruhigt das mein schlechtes Gewissen.

„Ich könnte aber einen Kollegen dort anrufen und in einem australischen Blumenladen einen Strauß für dich bestellen", bietet Charlotte mir mit einem Lächeln an.

„Nein, das ist nicht nötig", lehne ich ab. Kate würde auch ohne Blumen überleben, weswegen ich der Ladenbesitzerin die Mühe erspare.

„Der Strauß wird gleich abgeholt und an Ally geliefert", teilt mir Charlotte schließlich mit und betrachtet zufrieden ihre Arbeit, die wie immer perfekt geworden ist. Sie hat ein Händchen für Blumen und definitiv ihren Traumjob gefunden. Das ist selten, doch auch bei mir der Fall, worüber ich wirklich glücklich bin.

„Vielen Dank, Charlotte", entgegne ich lächelnd und beschließe dann, mich auf einen der Holzstühle zu setzen. Ich habe noch etwas Zeit und zuhause ohnehin nichts zu tun.

„Harry?", fragte Charlotte mich nach einer Weile vorsichtig, nachdem ich in meinem Handy herumgesurft und ein paar Whatsapp-Nachrichten beantwortet habe.

Ich sehe auf und bemerke, dass mich die stämmige Dame mustert. „Was ist?"

„Darf ich dich etwas fragen?"

Nickend sehe ich sie an und warte darauf, dass sie weiterspricht. Es ist ungewöhnlich für sie zu zögern, weswegen ich merke, wie viel Überwindung sie diese Frage kostet.

„Ich mische mich normalerweise nie in das Leben meiner Kunden ein, aber bei dir dachte ich, dass wir uns eigentlich ganz gut verstehen und –"

Ich schenke ihr ein Lächeln. „Frag einfach. Keine Sorge, ich bin dir nicht böse."

„Diese Ally, du sagtest, dass sie nicht deine Freundin ist?"

„Nein, das ist sie nicht", antworte ich Charlotte.

„Wer ist sie dann?"

Ich beiße mir auf die Unterlippe. „Ein wunderschönes und herzliches Mädchen, was das Beste in dieser Welt verdient. Das Mädchen, das ich einmal wirklich geliebt habe und dessen Herz ich zerstört habe. Nun will ich einfach nur, dass sie glücklich ist und sie weiß, wie wichtig sie mir ist", murmele ich schließlich.

Meine Wangen werden rot, denn ich weiß selbst, wie furchtbar kitschig das klingt. Doch Charlotte schenkt mir einfach ein ehrliches Lächeln und zwinkert mir zu.

„Diese Ally kann wirklich froh sein, dich zu haben. Nicht viele würden sich so viel Mühe geben."

Ich seufze. „Leider sieht sie das anders. Aber ich arbeite daran."
„Viel Glück, Harry."

Ich bedanke mich und mache mich dann auf den Weg nach Hause, denn es wird Zeit, mich für das Konzert heute Abend vorzubereiten. Sarah hat Recht gehabt, ich habe eine Dusche wirklich nötig.

Mein Porsche bahnt sich einen Weg durch die Straßen Londons, wobei ich die Geschwindigkeitsbegrenzungen eher als Richtwert sehe. Je näher ich der Innenstadt komme, desto dichter ist der Verkehr und ich kann mich nur noch schleichend fortbewegen, was eine Schande ist, wenn man bedenkt, was mein Wagen eigentlich zu bieten hat. Gekonnt ignoriere ich die wütenden Blicke anderer Leute, die irgendein Problem mit meiner Fahrweise zu haben scheinen und steuere den Porsche schließlich durch die Einfahrt meines Grundstücks. Wie immer versperrt Kates Mini Cooper den Weg, sodass ich mich seufzend an ihrem Auto vorbeitasten muss. Selbst als sie nach Australien aufgebrochen ist, hat sie es nicht hingekriegt, ihren Wagen ordentlich zu parken und ich habe bis jetzt noch nicht die Zeit gefunden, den Mini zur Seite zu fahren.

Nachdem ich den Porsche in der Garage abgestellt habe, betrete ich das Haus und lasse mich auf das Sofa fallen, das beinahe mein ganzes Wohnzimmer einnimmt. Kate liebt dieses riesige Möbelstück, während ich bereits mit einem kleineren viel zufriedener wäre.

Eigentlich sollte ich wirklich dringend duschen, denn ich stinke mittlerweile sicherlich so sehr, dass ich selbst die Nachbarskatzen vom Betreten meines Grundstücks abhalte. Aber vorher muss ich zumindest einmal versuchen, Kate zu erreichen, denn wir haben schon seit Tagen nicht mehr miteinander gesprochen.

Das Telefon klingelt lange, bis am anderen Ende schließlich abgenommen wird. Mir dringt so lauter Lärm entgegen, dass ich mein Handy beinahe vor Schreck fallen lasse.

„Kate?"

„Harry?" Ihre Stimme klingt so weit weg, wie ich mich momentan von meiner Verlobten fühle.

„Ja, ich bin es."

Am anderen Ende höre ich sie etwas antworten, was ich jedoch nicht verstehen kann. Viel zu laut ist der Bass.

„Hast du schon geschlafen?", frage ich, bevor mir bewusst wird, wie bescheuert die Frage ist. Der Geräuschpegel ist so laut, dass er Konzerten Konkurrenz machen kann. Natürlich schläft sie noch nicht.

„Nein, wir sind auf einer Party", brüllt Kate ins Telefon. „Es ist wirklich toll hier."

„Das freut mich", antworte ich ehrlich. „Kate?"

„Harry?"

„Ich liebe dich." Ein Teil von mir ist sich nicht sicher, ob ich dies nur sage, um mein schlechtes Gewissen zu beruhigen.

„Was hast du gesagt? Es ist so laut hier?", antwortet sie.

Ich seufze. „Ich sagte, dass ich dich liebe."

„Ich dich auch", entgegnet sie und ich weiß, dass Kate lächelt, auch wenn ich sie nicht vor mir sehe. Ich kenne sie gut genug, um auch solche Dinge einfach nur an ihrer Stimme zu erkennen. „Ich rufe dich morgen an, okay? Ich kann dich kaum verstehen."

„Okay", erwidere ich.

„Viel Spaß auf deinem Konzert, H. Ich werde an dich denken."

„Danke."

Bevor ich noch ein weiteres Wort sagen kann, ist die Verbindung unterbrochen. Seufzend lasse ich mein Handy neben mir aufs Sofa fallen und schließe einen Moment lang die Augen. Meine Beziehung mit Kate fühlt sich wieder einmal so an, als würden uns tausende an Meilen trennen und das meine ich nicht nur wörtlich. Ich verfluche Fernbeziehungen dafür, dass sie so furchtbar kompliziert sein müssen.

Ich mache mir nicht die Mühe, mein Handy wieder von der Couch hochzuheben und lasse es einfach im Wohnzimmer zurück, als ich mich auf den Weg in die zweite Etage mache. Direkten Schrittes gehe ich in das große Badezimmer, das an mein Schlafzimmer angeschlossen ist und ziehe mir währenddessen schon einmal das T-Shirt vom Kopf, das durch den Schweiß ungemütlich an meinem Körper festklebte. Dem Oberteil folgen meine Hose und die restlichen Kleidungsstücke, die ich noch am Körper trage. Dann steige ich unter die Dusche und schließe erleichtert die Augen, als das kühle Wasser über meinen Körper läuft. Bei dieser Hitze ist jeder Wassertropfen eine Rettung.

Das Wasser rinnt über meine Haut und mit jeder weiteren Berührung wird nicht nur der Schweiß von mir gewischt, sondern auch das schlechte Gewissen, meine Probleme und all der Druck.

Einen Augenblick lang bin ich wunschlos glücklich und frei.

Einen Augenblick lang existieren nur ich und meine Gedanken.

Einen Augenblick lang lebe ich.

Doch dann klingelt es an der Haustür und ich werde schmerzhaft wieder in die Realität zurückgerissen. Der Moment, in dem ich am liebsten ewig leben würde, ist vergangen und wird nie wieder Wirklichkeit werden. Ein einziges Mal nur habe ich ihn spüren dürfen und wieder einmal konnte ich es nicht richtig genießen. Genauso wie all die ersten Male, die ich im Laufe meines Lebens erfahren habe.

Mein erstes Konzert, mein erstes Interview, mein erst erster Soloauftritt. Meine erste große Liebe.

All diese und noch so viele weitere erste Male sind an mir vorbeigehuscht, so schnell und hastig, dass sie einen Augenschlag später schon wieder verschwunden waren.

Das Klingeln ertönt erneut, heftiger und fordernder als zuvor, doch ich ignoriere es dennoch. Ich will einfach nur wieder zurück in meinen Augenblick der Ruhe. Als sich das Schellen jedoch in einen dauerhaften Ton wandelt, der sich schlimmer anhört als meine Schwester beim Singen, drehe ich seufzend die Dusche aus und wickele mir hilfsbedürftig ein Handtuch um.

Dann eile ich die Treppenstufen herunter, wobei ich aufgrund meiner nassen Füße beinahe auf der Treppe ausrutsche und mich nur fluchend gerade noch abfangen kann. Immer noch schimpfe reiße ich schwungvoll die Haustür auf.

„Was denkst du eigentlich, wer du –"

Mitten im Satz erstarre ich.

Ich blinzele, doch auch noch erneutem Überprüfen ändert es nichts daran, dass Allison Baker immer noch vor der Haustür steht. 

Ihre blonden Haare stehen ihr wirr vom Kopf ab und ich muss grinsen, als ich sehe, dass das warme Wetter ihre ansonsten geglättete Mähne wieder in die natürlichen Wellen verwandelt hat. Außerdem sind ihre Wangen gerötet, als wäre sie gerannt und ihr T-Shirt steckt halb in der Jeansshorts, während die andere Hälfte aus der Hose heraushängt. Ich bin sicher, dass ihr das nicht einmal aufgefallen ist.

Dennoch sieht Ally wunderschön aus mit ihren strahlenden graublauen Augen und dem unsicheren Lächeln, das sich über ihre Lippen legt. Ich sollte nicht so denken. Aber ich kann nicht anders.

„Was machst du hier?", flüstere ich.

Plötzlich wird mir bewusst, dass ich nur ein Handtuch an meinem Körper trage und kralle meine Hand in dieses, auf der verzweifelten Suche nach Sicherheit. Doch Allys nächste Worte rauben mir dennoch den Atem. Das hat sie immer schon am besten gekonnt.

Graublaue Augen, so fremd und gleichzeitig so vertraut, sehen mich zum ersten Mal wirklich an. „Wir sollten reden, Harry."

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Ihr Lieben,

Bevor ich mir gleich schon wieder irgendein Fußballspiel anschaue, wird es Zeit, dass es bei dieser Geschichte weitergeht.

Ally hat sich also entschlossen, zumindest bei Harry aufzutauchen. Meint ihr, dass das ein gutes Zeichen ist oder eher nicht?

Wie immer ein großes Dankeschön für eure Unterstützung!

Bis zum nächsten Mal.

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