tell me anything | larry

„Niall, hör auf!", rief Louis mit zusammengepressten Zähnen und versuchte dem Popcorn auszuweichen, mit welchem der Ire seinen Kumpel abwarf.

„Nein, Niall, mach weiter", feuerte Liam ihn an, weil Louis ihn trotz Nialls Angriffen gerade in FIFA besiegte.

Zayn beobachtete das Ganze nur grinsend von der Couch aus, tippte auf seinem Handy herum und ließ sich von Harry die Fingernägel der anderen Hand schwarz lackieren. Er hatte ihn so lange angefleht bis Zayn genervt eingewilligt hatte, allerdings nur mit dem Nagellackentferner jederzeit zugänglich.

Niall, Liam, Zayn, Louis und Harry waren beste Freunde seit sie denken konnten. Beziehungsweise irgendwie schon bevor sie wirklich denken konnten. Sie waren alle im gleichen Jahr, im gleichen Monat geboren und ihre Mütter hatten sich im Geburtsvorbereitungskurs kennengelernt und waren unzertrennliche Freundinnen geworden. Und so waren die fünf zusammen aufgewachsen.

Sie hatten Geburtstage zusammen gefeiert (der Alptraum aller Eltern, fünf Kindergeburtstage in einem), zusammen schwimmen gelernt (außer Zayn, der hatte immer noch Angst vor Wasser), waren zusammen im Kindergarten und in der Grundschule gewesen (natürlich waren sie jetzt auch alle noch auf einer Schule) und ihre Freundschaft würde für immer halten. Das wussten alle.

Und auch wenn Liam jetzt eine Freundin hatte und Zayn auf sehr viele Dates mit einem Mädchen aus der Stufe unter ihnen ging, verbrachten sie kaum weniger Zeit miteinander als sonst (und schon immer).

„Ni-all!", rief Louis jetzt nochmal ernsthaft genervt und der Ire grinste nur und steckte sich das Popcorn in den Mund, statt es auf Louis zu werfen. Harry sah von Zayns Nägeln auf und lächelte. Louis war niedlich wenn er sich aufregte.

Das würde Harry Louis aber niemals sagen, denn niedlich würde Louis mit klein assoziieren und Louis war sehr empfindlich was seine Größe anging. Er war sogar gar nicht mal kleiner als die anderen (gut, er war kleiner als Harry, aber Harry überragte sie alle), aber er war auf der Grundschule mal von so einem sehr bescheuerten Kid namens Dooley dafür gemobbt worden, dass er damals halt kleiner gewesen war und egal wie oft die anderen Jungs ihm sagten, dass das inzwischen absolut nicht mehr stimmte und Dooley ein hirnverbrannter Idiot war, Louis hatte Komplexe. Und Harry würde nie etwas tun, damit Louis unsicher war. Oder traurig. Oder wütend. Er wollte Louis einfach nur glücklich sehen.

Er lächelte und sah wieder runter auf Zayns Finger. Er war fast fertig. Dann würde er Zayn nach der anderen Hand fragen.

„Aaah nein!", rief Liam in diesem Moment, Niall lachte, Louis freute sich triumphierend und Zayn schmunzelte.

Harry sah seine besten Freunde kurz an und lächelte in sich hinein. Es war ein ganz normaler Nachmittag bei ihnen. Er liebte es. Er wollte es niemals anders haben.

Gut, vielleicht ein bisschen anders. Vielleicht war Harry nämlich ein bisschen in Louis verliebt und wäre gerne mit ihm zusammen. Und vielleicht war er nicht nur ein bisschen in Louis verliebt, sondern sehr. Und vielleicht auch schon wirklich lange. Und vielleicht machte ihm das in letzter Zeit noch deutlich mehr zu schaffen.

„Äääh Payno, was meintest du eigentlich vorhin von neuer Bowlingbahn?", fragte Niall und schüttelte sich den letzten Rest Popcorn aus der Schüssel in den Mund.

„Ach so, stimmt!", begann Liam. „Maya meinte im Sportcenter hat eine neue Bowlingbahn aufgemacht. Die müssen wir mal ausprobieren! Wie wäre es dieses Wochenende?"

„Bin dabei!", kam es nur abwesend von Louis, der gerade irgendwas auf seinem Handy machte.

„Ich auch! Perfekt, wir hatten eh noch keine Beschäftigung für Freitag Abend. Ich meine...außer Bier trinken, Chips essen und Videospiele spielen." Niall grinste und stellte die leere Popcornschüssel auf den Boden.

„Das klingt auch gut", grinste Liam. „Aber Bowling ist mal besser."

Niall nickte und Harry ebenfalls. „Find ich gut. Aber äh...ich bin echt nicht so gut im Bowling."

„Das wissen wir doch, Hazza...", grinste Niall. „Dafür kannst du andere Dinge."

Harry zog nur die Augenbrauen hoch.

„Was, Fingernägel lackieren?", scherzte Liam und Harry verdrehte die Augen.

„Das sieht sogar gar nicht mal schlecht aus", meinte Zayn, der jetzt seine Hand begutachtete. Harry lächelte. Er hatte doch gewusst, dass Zayn ein Typ für Nagellack war. „Machst du die andere Hand auch?"

„Mit Vergnügen", antwortete Harry. „Anscheinend kann ich ja sonst nichts." Er warf Liam einen lieb gemeinten, stechenden Blick zu. Der grinste nur.

„Hey, das ist Unsinn!", schaltete sich Louis dazu, der sein Handy jetzt zur Seite legte. „Niemand behauptet Harry wäre talentlos, okay? Harry kann kochen, Gedichte schreiben und singen wie ein Engel!"

Harry kämpfte gegen ein Lächeln an, versagte maßlos und lenkte sich schnell mit Zayns Hand ab. Verdammt. Wieso musste Louis solche Dinge in ihm auslösen? Wieso, wieso, wieso?

Ernsthaft warum konnte sich Harry nicht einfach in irgendwen verlieben, den er im Club kennenlernte? Oder im Kino? Nein, es musste ja ausgerechnet sein bester Freund sein.

„Es stört euch nicht wenn ich Gigi mitbringe, oder? Maya kommt doch bestimmt auch." Zayn sah Liam fragend an. Der nickte. „Ja, klar."

„Nein, kannst Gigi ruhig mitbringen. Wird eh Zeit, dass wir alle sie mal kennenlernen und nicht nur Harry!", meinte Niall mit einem winzigen Hauch Vorwurf in der Stimme.

Zayn grinste. „Der Grund, dass Harry sie kennt und ihr nicht ist ja nur, dass ihr euch alle zu fein wart von einem Mädchen in Fußball besiegt zu werden!", verteidigte er sich und grinste zu Harry.

„Pfff, niemals hätte die mich besiegt. Ich musste nur auf Phoebe und Daisy aufpassen", murmelte Louis.

„Und ich hatte einen wichtigen Zahnarzttermin!", sagte Niall.

„Jaja." Zayn schüttelte schmunzelnd den Kopf. „Jedenfalls bring ich sie mit, wenn sie Zeit hat, sie freut sich bestimmt."

„Und?", fragte Niall dann und sah nacheinander Harry und Louis an. „Noch jemand ein Date, oder sind wir so Single wie immer, Jungs?"

Sie schüttelten beide den Kopf.

Und Harry stellte sich einfach vor, Louis und er hätten eine geheime Beziehung angefangen und mussten das jetzt vor Niall verstecken. So fühlte er sich besser.

Manchmal kam er sich schon erbärmlich vor.

Aber wenigstens hatte Louis auch kein Date. Harry würde vermutlich sterben, wenn Louis jemals eine Beziehung einging. Eine Beziehung, die nicht mit ihm war. Das würde er nicht verkraften.

Dass Niall kein Date hatte war nicht ungewöhnlich. Aber nicht, weil er niemanden fand oder so. Niall band sich einfach nicht gerne. Er hatte ständig irgendwen am Start, aber was ernstes war es bei ihm nie. Er glaubte nicht daran, dass man die große Liebe in Teenagerjahren finden konnte, deshalb „konnte er jetzt auch genauso gut einfach Spaß haben".

Harry bewunderte das irgendwie. Er selbst war ein viel zu großer Romantiker. Und viel zu sehr in Louis verliebt, als dass er irgendwie davon ausgehen könnte, das wäre nicht die große Liebe.

Verdammt.

_____

„Yesss! Strike!", rief Maya und alle anderen jubelten und klatschten mit ihr ab (außer Niall, der flirtete gerade mit dem Mädchen, das die Bowlingschuhe verlieh. Aber niemand konnte es ihm verübeln, sie sah wirklich gut aus und schien Niall zu mögen).

Maya setzte sich wieder, drückte Liam einen Kuss auf die Lippen und dieser sah auffordernd zu Harry. „Na los. Zeig uns, dass du nicht nur Nägel lackieren kannst!"

Harry verdrehte wieder nur die Augen. Insgeheim wünschte er sich, dass Louis ihn wieder verteidigte, aber der war irgendwie den ganzen Abend schon mit seinem Handy beschäftigt.

Er stand auf, nahm die Bowlingkugel und versuchte sein Glück. Natürlich landete sie sofort in der Rille. Vielleicht sollte Harry nach der Kindersicherung fragen. Dann hätte er vielleicht ein bisschen mehr Spaß. Denn so kam er sich zwischen den beiden Pärchen (gut, offiziell waren Gigi und Zayn noch nicht zusammen, aber inoffiziell irgendwie eigentlich schon, jeder konnte sehen wie sehr die beiden sich mochten) und Louis, der so abwesend war ein bisschen verloren vor. Niall war ja auch nur so halb da.

Das war öfter mal so. Dass Harry sich ein wenig unsichtbar vorkam. Es lag nicht an seinen Freunden, er liebte sie alle abgöttisch, sondern eher an seiner Art. Er war nunmal etwas stiller und konnte sich mit Dingen, die er schrieb besser ausdrücken als mit Worten, die er sagte.

Er war halt der in der Gruppe, der ein bisschen unscheinbar war. Und manchmal machte es ihm das schwer. Deshalb gab es seine Dienstage.

Normalerweise war Louis sehr sensibel was Harry anging. Er konnte fühlen wann er sich unwohl fühlte, er reden wollte oder er lieber nicht reden wollte und das gab Harry immer ein gutes Gefühl. Darauf konnte er sich verlassen. Und Louis ging mit einer Sanftheit mit Harry um, die für ihn sehr untypisch war.

Vermutlich liebte Harry Louis deshalb.

Aber in der letzten Woche war er irgendwie ein bisschen...abwesend gewesen. Oder abgelenkt. Als ob er mit seinem Handy eine Beziehung eingegangen wäre. Und das störte Harry mehr als er wollte. Denn es ließ ihn sich ein bisschen fehl am Platz fühlen. Und auch das störte ihn. Denn das hier waren seine besten Freunde. Und er sollte sich wohl fühlen. Auch ohne Louis' Sensibilität.

Auch der zweite Versuch war nicht besser und Harry setzte sich nur wieder hin, erwiderte das nette Lächeln von Gigi und nippte an seiner Cola.

Niall kam zurück und wedelte mit einer Serviette. „Ratet wer gerade die Nummer von dem niedlichen Mädchen dahinten bekommen hat."

„Du?" Zayn sah ihn unbeeindruckt an und Harry musste sich ein Lachen verkneifen. Zayns trockene Art fand er manchmal unglaublich witzig. Gigi anscheinend auch, denn sie drückte kichernd ihre Nase an Zayns Schulter. Die beiden waren schon niedlich. Außerdem mochte Harry Gigi unglaublich gerne.

„Korrekt. Ich bin beeindruckt von deiner Beobachtungsgabe." Niall nickte sarkastisch, grinste dann und ließ sich neben Harry fallen. „Was geht hier so? Wieviel mal war ich dran?"

„Nur einmal. Wir sind einige Leute und du warst nicht soo lange weg", meinte Liam und zog Mayas Beine auf seinen Schoß, wobei diese fast das Gleichgewicht verlor und sich dann leise lachend an seinen Schultern festhielt.

„Stimmt. Ich hab fast vergessen wie gut ich im Flirten bin." Niall nickte zufrieden, aber Harry sah immer noch zu Liam und Maya. Sie strich ihm übers Kinn und küsste ihn dann kurz und Harry seufzte innerlich.

Er wollte das. Mit Louis.

Außerdem musste er hier mal kurz raus. Das Schwarzlicht sorgte langsam dafür, dass ihm schwindelig wurde.

„Ich komm gleich wieder", meinte er also, stand auf und ging.

Im Eingangsbereich vom Sportcenter atmete er auf. Hier drang das letzte Tageslicht herein und die Dame am Tresen lächelte ihm freundlich zu. Er lächelte zurück und ließ sich dann auf eine Bank fallen. Harry biss sich auf die Lippe.

Er hatte es langsam satt. Er konnte nicht mal genau sagen was. In Louis verliebt zu sein? Sich manchmal unsichtbar zu fühlen? Er wusste nur, dass er sich gerade nicht wirklich gut fühlte. Seit einiger Zeit schon und das nervte ihn. So war er eigentlich nicht. So...trostlos.

„Harry?"

Harry sah auf und bemerkte Niall auf ihn zukommen.

„Alles okay?" Er setzte sich neben ihn.

Harry nickte. „Ja. Alles gut. Ich brauchte nur ein bisschen...Luft."

„Oder waren es dir zu viele glücklich verliebte Menschen da drin?", fragte Niall mit einem leichten Grinsen. Harry lächelte matt. „Vielleicht auch das", lachte er dann leise.

„Ich mag Gigi und Maya ja, und es ist schön Zayn und Liam so glücklich zu sehen, aber..." Harry ließ den Satz unbeendet in der Luft hängen. Niall nickte nur.

Eine Weile sagte niemand etwas und man hörte nur die gedämpften Geräusche der Bowlingbahn und das Gespräch von zwei Rauchern, die vor der offenen Tür draußen standen.

„Harry...", begann Niall, sah weg zu dem kleinen Brunnen, der auf dem Empfangstresen stand, dann zurück zu Harry. „Wann sagst du es ihm endlich?"

Harry runzelte die Stirn. „Was meinst du?"

Niall atmete aus. „Wann sagst du Louis endlich, dass du in ihn verliebt bist?"

Harry starrte Niall nur an, blinzelte und sagte...nichts.

„Harry?" Nialls Stimme war leise und er blickte ihn besorgt an.

„Ich..." Harry schluckte. Sollte er so tun als hätte Niall Unrecht? Sollte er alles zugeben? Was sollte er tun?

„Ich kann das nicht mehr länger mitansehen. Du leidest." Niall griff nach Harrys Hand.

Harry schluckte wieder. „Woher...woher weißt du das überhaupt?" Es zu leugnen hätte doch auch keinen Sinn. Niall fragte ja auch nicht, er setzte es als Wissen voraus.

Niall lächelte. „Du hast es mir in der zweiten Klasse gesagt. Und ich weiß, dass deine Gefühle seitdem nicht weggegangen sind."

„Oh", gab Harry nur von sich und seufzte. Das wusste er sogar noch. Aber er hätte nicht gedacht, dass Niall das damals so ernst genommen hatte.

„Macht dich das nicht langsam echt fertig?", fragte Niall und ließ Harry nicht aus den Augen.

„Ähm." Harry sah auf seine Hände. Dann wieder hoch zu seinem blonden Kumpel, der ihn prüfend ansah. „Es tut schon weh", gab Harry dann zu. „Ich meine, der Typ wegen dem ich schon mit acht wusste, dass ich schwul bin ist...immer noch der Typ in den ich verliebt bin. Und inzwischen sind wir siebzehn."

„Glaubst du nicht, du solltest es ihm sagen?", fragte Niall.

Harry sah ihn skeptisch an. „Und eine lebenslange Freundschaft zerstören? Nein, danke. Solange ich in seiner Nähe bin...ist doch alles gut. Ich bin glücklich so."

„Sicher?

Harry nickte (aber natürlich war das eine Lüge. Und Niall wusste das auch).

„Aber das ist es doch nicht was du willst."

Harry sah ihn nur mit einer Falte zwischen den Augenbrauen an. „Ni, ich kann es ihm nicht sagen."

„Aber was wenn er irgendwann bald eine Person findet die er mag und sich in sie verliebt. Du kannst mir doch nicht erzählen, dass es dir dann gut ginge."

„Natürlich nicht, aber..." Harry seufzte frustriert. „Ich hab keine Chance."

„Das stimmt nicht."

„Louis ist straight, Niall."

„Ach, wir haben alle ein bisschen Regenbogen in uns", winkte Niall ab und grinste.

Harry sah nur auf den Boden vor ihnen. Er fand es ja lieb, dass Niall sich so um ihn sorgte, aber...er hatte es Louis seit neun Jahren nicht gesagt und er würde es ihm nicht sagen. Er wollte einfach nichts zerstören. Denn jetzt war Louis sein bester Freund und das war super. So war es schon immer gewesen und so würde es immer sein. Harry wollte gar nichts anderes (das war gelogen. Harry wollte Louis am liebsten heiraten).

Als Niall bemerkte, dass Harry nicht antwortete legte er einen Arm um seinen Freund. „Harry. Ich hasse es, dich traurig zu sehen. Und ich weiß du hältst das schon ewig aus, aber...ich habe das Gefühl es wird jedes Jahr schlimmer. Ich beobachte das jetzt schließlich schon eine ganze Weile."

Harry sagte nichts.

„Hey Jungs", rief in dem Moment eine Stimme und Louis kam in den Eingangsbereich. „Wo bleibt ihr denn? Niall, du bist dran."

„Wenn man vom Teufel spricht", murmelte Niall. Harry sagte nichts und kaute auf seiner Unterlippe.

„Okay, ich komme." Niall stand auf und legte Harry eine Hand auf die Schulter. „Du solltest es ihm wirklich sagen."

Dann ging er an Louis vorbei zurück zu den Bowlingbahnen. Und Louis sah nur zu Harry, der ebenfalls aufstand.

„Alles okay?" Er kam näher. Harry nickte nur schnell und presste die Lippen aufeinander. „Ja, alles gut." Er lächelte Louis an, aber dieser sah immer noch besorgt aus. Er kannte Harry, er wusste, dass nicht alles okay war. Da war er wieder. Der sensible Louis, den Harry die letzte Woche manchmal vermisst hatte.

„Harry, du weißt, dass du mir alles sagen kannst, oder?"

Harry seufzte leise (so leise, dass Louis es nicht hören konnte). Dann nickte er wieder. „Ja. Ja, weiß ich. Danke, Lou."

Louis lächelte vorsichtig. „Sicher, dass es dir gut geht?"

Harry nickte nur nachdrücklicher und erzwang ein Lächeln. „Ja. Alles gut." Und damit ging auch er an Louis vorbei zurück zu den anderen. Und Louis sah ihm nur nach und wusste, dass es Harry nicht gut ging.

Aber er würde schon auf ihn zukommen. Sie waren schließlich beste Freunde.

Gott, wenn Louis doch nur wüsste, dass genau das das Problem war.

_____

„Boah, bin ich froh, dass für heute Schule vorbei ist", seufzte Liam und ließ sich auf die Rückbank neben Niall fallen. Zayn fuhr, Harry saß vorne und der einzige, der noch fehlte war Louis. Der kam aber schon auf sie zu.

„Ich auch!" Niall nickte und Harry drehte sich nur um und lächelte Liam zu.

Als auch Louis sich in seinen Sitz hatte fallen lassen und alle begrüßt hatte startete Zayn den Motor und fuhr los. Eine Weile lang sagte niemand etwas, alle hingen ihren Gedanken nach und waren ein bisschen geschafft vom Schultag (heute wurde Klausur geschrieben. Das verbrauchte Energie.)

Erst als sie fast bei Harry und Louis angekommen waren (die beiden wohnten nebeneinander, der Rest eine Straße weiter) meldete Niall sich zu Wort.

„Alsooo." Er schaltete sein Handy auf Standby und sah in die Runde. „Was machen wir heute?"

„Also ich geh mit Gigi für ihre Großmutter einkaufen, sorry." Zayn zuckte mit den Schultern.

„Okay, lahme Ausrede", beschwerte sich Niall und Liam grinste.

„Also zu fünft können wir heute eh nichts machen", meinte Louis. „Es ist Dienstag."

„Oh, richtig." Alle sahen zu Harry. Der lächelte nur, weil Louis sich daran erinnert hatte. Dann zuckte er genau wie Zayn entschuldigend mit den Schultern.

Harry war Dienstagabends nämlich immer beschäftigt. Keiner der anderen Jungs wussten warum, aber das war schon seit bestimmt anderthalb Jahren so. Am Anfang hatte Harry nicht darüber reden wollen und inzwischen fragte sich keiner mehr was er wirklich machte. Sie gingen alle davon aus, es sei irgendein Familiending.

Oh, sie wussten ja nicht, wie falsch sie damit lagen.

„Ich schreib euch nochmal, Jungs", meinte Niall als Zayn auf Harrys Auffahrt hielt und lächelte. Harry und Louis nickten und stiegen aus.

Das Auto fuhr wieder weg und Louis sah Harry an. Irgendwie hatte ihn das gerade wieder neugierig gemacht.

„Sag mal, was machst du eigentlich dienstags immer?", fragte Louis ihn und Harry lächelte ein wenig.

„Nicht so wichtig."

„Es interessiert mich aber", beharrte Louis und Harry seufzte.

„Du weißt, du kannst mir alles sagen, ich würde dich nie verurteilen", meinte Louis und trat einen Schritt näher. Harry seufzte leise. Sollte er es Louis erzählen? Irgendwie wollte er nicht. Es war sein Safe Space. Aber andererseits war Louis auch sein Safe Space.

In dem Moment gab allerdings Louis' Handy ein Piepen von sich und er wurde abgelenkt. Harry runzelte die Stirn. Seit über einer Woche hing Louis absolut an seinem Telefon. Das war doch nicht mehr normal. Vor allem nicht für Louis, der bis letztes Jahr noch ein Tastenhandy von Nokia gehabt hatte.

„Oh, Harry ich muss dann auch. Wir sehen uns." Ohne richtig Aufzublicken zog Louis Harry in eine halbherzige Umarmung (egal wie halbherzig sie war, Harrys Herz musste natürlich trotzdem schneller schlagen und er verfluchte es dafür) und ging dann auf sein Haus zu.

Harry schüttelte nur verwirrt den Kopf und verschwand in seinem Haus.

Eine Nachricht. So schnell hatte Louis jetzt also das Interesse an dem verloren was Harry machte. So schnell hatte Louis das Interesse an Harry verloren.

„Hey Mum, ich bin zu Hause", rief Harry, als er reinkam und es kam nur ein „Wieso werd ich nicht begrüßt?" aus dem Wohnzimmer. Harry lächelte, ließ seinen Schlüssel in die Schlüsselschale fallen und schlurfte ins Wohnzimmer zu seiner Schwester. „Hey Gems." Er ließ sich neben sie fallen.

„Ouh, langer Tag heute, oder?" Gemma legte einen Arm um ihren kleinen Bruder. Er nickte.

„Keine Ahnung wer auf die Idee gekommen ist in der siebten und achten Stunde die Klausur zu schreiben, aber ich hasse es wenn ich nach Hause komme und es schon so spät ist."

„Ja, das kann ich verstehen. Soll ich dir was zu essen machen?" Gemma legte endgültig ihr Buch zur Seite und Harry schüttelte nur den Kopf.

„Ich ess lieber später was bevor ich losgehe. Aber danke fürs Angebot. Ich glaube, ich mach einfach einen kurzen Powernap."

„Auch gut." Gemma lächelte und Harry legte sich komplett auf das Sofa. Er schob die Sneakers von seinen Füßen (mit seinen Füßen) und machte eine Handbewegung zu Gemma, die ihm daraufhin schmunzelnd ein Kissen reichte. Ihr Bruder war echt niedlich wenn er müde war. Oder ein bisschen traurig. Oder beides, so wie es gerade schien. Gemma wusste zwar nicht genau woran es lag und natürlich mochte sie es nicht Harry traurig zu sehen, aber heute war Dienstag. Wenn er heute Abend wiederkam würde es ihm besser gehen.

______

Harry blickte aus der Bustür und drückte dann als der Bus zum Stehen kam nochmal auf den Knopf, damit die Tür sich öffnete.

Beschwingt stieg er aus und lief dem Beat seiner Musik angepasst los. Er hatte gute Laune. Das Nickerchen hatte was gebracht.

Harry musste nur um zwei Ecken biegen, dann stand er davor. Lächelnd drückte er die Tür zu dem unscheinbaren Pub auf und wurde von warmer Luft und dem altvertrauten Geruch nach Bier, Essen und Liebe empfangen.

„Hey Harry", begrüßte ihn Samantha sofort und die anderen, die um sie herum standen drehten sich ebenfalls in seine Richtung und begrüßten ihn. Er grinste und ging auf die Gruppe zu.

„Hey Leute." Sofort wurde er in einige Umarmungen gezogen und lächelte nur.

„Wie geht's dir?", fragte Amy und er ließ Luft entweichen. „Joa. Geht so, um ehrlich zu sein. Also ich meine jetzt wo ich hier bin geht es mir natürlich gut..." Er machte eine kurze Pause in der ihm alle zugrinsten. „Aber so generell...bin ich letzter Zeit mega unzufrieden. Ich weiß auch nicht warum, ich bin einfach irgendwie..." Er beendete den Satz nicht und fuhr sich durch die langen Haare.

Philipp legte ihm nur eine Hand auf die Schulter und nickte verständnisvoll. „Jeder hat bessere und schlechtere Zeiten."

Harry lächelte. Die Menschen hier verstanden ihn einfach. Es war viel einfacher mit ihnen über Probleme zu sprechen, vor allem über seine Freunde, denn sie kannten ja niemanden von ihnen.

„Hast du heute was fürs Programm?", fragte Samantha interessiert und Harry nickte.

„Aber nur was kurzes. Ihr?"

Sam und Amy nickten, in dem Moment kam Leo, der anscheinend an der Bar gewesen war und drückte Philipp ein Bier in die Hand.

„Oh, hey Harry." Er lächelte und Harry lächelte nur zurück. Leo war erst seit drei Wochen ungefähr dabei, aber Harry fand ihn ganz nett. Und unglaublich gutaussehend. Er hatte blonde Locken, die ihm sanft in die Stirn fielen und strahlende blaue Augen. Und Harry liebte blaue Augen (vielleicht erinnerten sie ihn auch an Louis und deshalb fand er sie toll, aber wer wusste das schon?). Außerdem war Leo sogar noch größer als Harry. Leo war fast zwei Meter groß. Und obwohl er eher auf Jungs stand, die  kleiner waren als er (beziehungsweise er stand halt auf Louis. Und Louis war zufälligerweise kleiner als er), bei Leo war es wirklich attraktiv.

Es störte Harry nicht wirklich, dass er hier der Jüngste war. Die anderen verstanden ihn einfach. Auch wenn Leo zum Beispiel vier Jahre älter war und Philipp Harry manchmal mit dem Auto nach Hause fuhr. Das war sogar eigentlich echt praktisch.

In diesem Moment trat John, der Pubbesitzer auf die kleine Bühne und nahm das Mikrofon. Sofort gesellten Harry und seine Freunde sich zu den Klappstühlen, die davor aufgebaut waren.

Erst begrüßten sie noch die meisten anderen, es kannten sich hier fast alle, dann sahen sie zur Bühne.

„Hallöchen hallöchen meine lieben Freunde", meinte John und grinste. „Es freut mich euch alle zu sehen. Wie geht's so? Sam, ich sehe der Gips ist ab?"

Samantha grinste und nickte. „Ist alles wieder verheilt."

„Perfekt." John lächelte. „Na dann heiße ich euch heute willkommen zum wöchentlichen Amateur Poetry-Slam Abend, ich habe ungefähr fünf eindeutige Teilnehmer, falls irgendwer spontan etwas beitragen möchte, nur zu, wir sind wie immer offen für alles."

Alle Gäste klatschten und John grinste. „Getränke wie immer 20 % off und meine Frau hat ihren wunderbaren Kuchen gemacht, den gibt es umsonst."

Alle klatschten und Amy pfiff. Johns Frau Rose, die neben der Bühne stand lächelte nur. „Kunst muss schließlich auch bezahlt werden", meinte sie dann grinsend.

„So Sam, Du bist die Erste. Komm hoch." John machte eine auffordernde Geste und Samantha sprang sofort auf und kam zu ihm auf die Bühne.

Harry lächelte. Er liebte Sams Texte. Sie war wirklich gut.

Sam lächelte in die Runde, kramte ihren Text aus ihrer hinteren Hosentasche, sagte ein paar Worte und begann dann vorzutragen.

Harry konnte den ganzen Abend nicht aufhören zu lächeln. Auch wenn Dinge ihn wirklich zum Nachdenken anregten, er fand die Texte wunderschön. So war das fast jeden Diestag. Er liebte es.

Und als Philipp Harry ein paar Stunden später zu Hause absetzte und ihm nochmal sagte wie gut er Harrys Beitrag gefunden hatte verstand Harry, dass er das jeden Dienstag machte, weil er sich zwischen Worten und Poesie einfach wohl fühlte. Manchmal fast wohler als bei seinen besten Freunden.

Und das machte ihn nachdenklich.

_____

„Shawn wird nächstes Wochenende 18", meinte Niall und sah von der Nachricht auf seinem Handy auf in die Runde. „Also nicht das, was jetzt kommt, sondern das danach. Wir sind dabei, oder?"

„Ja klar." Liam nickte.

„Ich bring dann auch äh...", begann Zayn und machte eine dramatische Pause. „Meine Freundin mit", verkündete er und grinste breit.

„Eyyyy, ihr seid endlich offiziell?" Louis sah von seinem Handy auf (ja, er war schon wieder damit beschäftigt) und boxte Zayn freundschaftlich gegen den Oberarm.

Zayn nickte und sofort bombardierten ihn alle mit „Glückwunsch", „sehr gut, ich mag sie echt" und „Wurde auch mal Zeit, Bro."

Harry lächelte. Man konnte sehen, wie glücklich Zayn damit war. Das freute ihn. Aber irgendwie machte es ihn auch ein bisschen traurig. Denn er würde das nie haben.

Er schielte zu Louis. Der war schon wieder mit seinem Handy beschäftigt. Harry seufzte.

„So. Und wir drei wieder Single, Jungs?" Niall blickte wie immer zu Harry und Louis, doch während Harry wieder nickte, schüttelte Louis zaghaft den Kopf.

Diese kleine Geste reichte, um Harrys Herz in tausend Teile zu zerbrechen.

Er hatte gewusst, dass so etwas wehtun würde, aber dass schon diese winzige Reaktion ihm dermaßen die Luft zum Atmen nahm hätte er nicht gedacht.

Louis war nicht mehr Single? Oder ging zumindest nicht Single zu Shawns Party?

Auch die anderen sahen Louis überrascht, fragend und auffordernd an und er seufzte.

„Okay, also...ich hab in letzter Zeit sehr viel mit diesem einen Mädchen geschrieben. Ihr kennt sie vielleicht, sie arbeitet bei Starbucks an der Ecke und geht auf die Nachbarschule. Eleanor?"

Harry trank einen Schluck Wasser. Ihm war nicht gut. Sein Kopf begann langsam sich zu drehen.

Louis. Nicht Single. Eleanor. Fuck.

Das war alles was irgendwie in seinem Kopf Platz hatte.

Verdammt, es tat so weh, das zu hören. Die letzten neun Jahre waren ja schon schwer gewesen, aber Louis jetzt zu verlieren, darauf war Harry nicht vorbereitet.

Deshalb war Louis auch so viel mit seinem Handy beschäftigt gewesen. Wegen dieses Mädchens. Dieses Mädchen, das auch noch aussah wie ein Supermodel.

„Naja und jedenfalls...haben wir da so was am Laufen." Louis lächelte. Harry wollte kotzen.

Er spürte Nialls Blick auf ihm liegen. Kurz sah er zurück, dann runter auf seine Finger. Er wollte irgendwie kein Mitleid.

Er wollte Louis.

Aber Louis war unerreichbar.

„Äh ich...ich muss mal eben..." Er stand einfach auf und verließ die Küche. Die anderen nickten abwesend und löcherten Louis über das Mädchen. Nur Niall blickte Harry besorgt hinterher.

Er wusste, dass Harry nicht nur auf Toilette oder so verschwunden war. Heute würden sie ihn nicht mehr zu Gesicht kriegen.

Und Niall hatte wirklich Angst, dass Harry gerade weinte.

Er wollte eigentlich nach ihm sehen, aber...Harry wollte das jetzt nicht. So gut kannte er seinen Kumpel dann doch.

Also beteiligte er sich einfach im Gespräch, um so viel wie möglich über dieses Mädchen rauszufinden, das dafür sorgte, dass Harry unglücklich wurde.

_____

Harry saß an seinem Fenster und starrte in den Regen. Wie perfekt das Wetter doch zu seiner Stimmung passte.

Aber Harry liebte den Regen sowieso. Das Geräusch war wunderschön und machte ihn immer ein wenig melancholisch.

Aber jetzt war er nicht melancholisch. Jetzt war er am Boden zerstört.

Er hatte seinen Kopf gegen die Scheibe gelehnt und den Vorhang zum Erker, in dem er saß ein Stück zugezogen. So war er allein mit dem Regen.

Er hatte nicht weinen gewollt. Aber jetzt liefen ihm schon seit über einer halben Stunde stumme Tränen über die Wangen.

Es war nicht so, dass er schluchzte oder schwer atmete. Er weinte einfach nur still vor sich hin und starrte mit verschwommener Sicht in den Regen nach draußen.

Gemma hatte als Harry nach Hause gekommen war natürlich gemerkt, dass irgendwas nicht gestimmt hatte, aber sie hatte Harry ansehen können, dass er jetzt lieber alleine war.

Louis. Sein Louis. Hatte jetzt eine Freundin.

Gut, nicht wirklich eine Freundin, es war eher „irgendwas", aber wie könnte sich jemals jemand nicht in Louis verlieben?

Und dieses Eleanor Mädchen war ja auch noch echt hübsch, Harry kannte sie vom Sehen und Instagram.

Ach Mann, gerade wollte er einfach nur sterben. Der Junge, den er seit neun Jahren liebte hatte eine Freundin und er fühlte sich bei seinen besten Freunden irgendwie manchmal fehl am Platz. So sollte es nicht sein.

Das Leben war scheiße.

Harry ging es gerade wirklich nicht so gut. Also tat er einfach das was er am besten konnte.

Er verwandelte seine Gefühle in wunderschöne Texte.

_____

„Hey Harry, kann ich noch mit zu dir?"

„Hm?" Überrascht sah Harry von seinem Handy auf. Er hatte Sam eine kleine Stelle aus seinem Text geschickt, um zu sehen was sie davon hielt.

Louis sah Harry fragend an.

„Ich war schon länger nicht mehr bei dir, lass uns irgendwas machen", meinte er und Harry nickte nur.

„Ja, klar. Cool."

„Cool." Louis lächelte und sah wieder runter auf sein Handy. Harrys Gesicht verdunkelte sich. Eleanor. Er starb fast vor Eifersucht.

Kurz darauf hatte Zayn auch schon bei Louis und Harry angehalten und die beiden stiegen aus.

„Also...", begann Harry dann als die beiden zu seinem Haus gingen und er die Tür aufschloss. Er wusste schon bevor er sie sprach, dass er seine nächsten Worte bereuen würde. „Wie ist es denn mit Eleanor? Also wie ist sie so?"

Er wusste, dass die beiden sich irgendwie über Instagram kennengelernt hatten (Eleanor hatte Louis angeschrieben...vielleicht war es auch andersrum gewesen, aber Harry weigerte sich das zu glauben) und jetzt waren sie halt irgendwas.

Mehr wusste er nicht. Eigentlich wollte er das auch nicht. Aber das schien sein Mund nicht zu verstehen und deshalb hatte er gefragt.

Louis lächelte. „Es läuft echt gut. Also...wirklich gut. Ich hab ja jetzt nicht so viel Erfahrung generell mit Mädchen und so, aber mit Eleanor ist es irgendwie so...einfach. Also es ist unkompliziert. Ich bin nie nervös oder so, es ist echt entspannt."

Harry zwang sich sein Lächeln aufrechtzuerhalten. Aber es bröckelte. Louis' glückliche Reaktion war so...echt. Und das machte ihn kaputt.

Er ignorierte den Stich in seinem Herz und stieß die Tür auf. Louis folgte ihm ins Haus.

Harry sah ihm dabei zu wie er selbstverständlich seine Vans abstreifte und zu den anderen Schuhen stellte, seine Jacke neben Gemmas an den Haken hängte und dann in die Küche ging, um Harrys Mutter zu begrüßen. Es sah so richtig aus. So vertraut. Er konnte nicht anders als sich kurz vorzustellen es wäre Jahre später und er und Louis wären verheiratet und würden seine Eltern besuchen. Und für einen kurzen Moment heilte das sein Herz.

Aber Louis war nicht mit ihm zusammen. Louis war mit Eleanor zusammen. Zumindest fast. Und das zerstörte die Illusion wieder.

Er hörte Louis mit seiner Mum reden und zog sich ebenfalls die Schuhe und Jacke aus. Dann ging er zu den Beiden in die Küche.

Harrys Mutter Anne hatte ihre Hand auf Louis' Schulter und lachte leise über irgendetwas was er anscheinend gesagt hatte.

„Hallo mein Schatz", begrüßte sie dann Harry und lächelte warm. „Ich wusste ja gar nicht, dass Louis heute mal wieder kommt."

„War auch eher spontan."

Anne lächelte. „Freut mich. Du bist hier immer herzlich willkommen, mein Lieber, das weißt du oder?" Sie sah Louis an und der nickte nur lächelnd.

„Ja, ich weiß."

„So. Wollt ihr was essen, Jungs?", fragte Anna dann, aber Louis und Harry schüttelten die Köpfe.

„Vielleicht später, Mum."

„Okay. Dann koche ich heute Abend?"

Harry nickte nur und ging zu seiner Mutter, um ihr einen Kuss auf die Wange zu drücken.

„Gehen wir hoch?", fragte Louis, der nur lächelnd dabei zugesehen hatte und Harry nickte.

Kurz darauf verschwanden die Beiden in Harrys Zimmer und Louis ließ sich sofort auf den Fenstersitz im Erker fallen.

„Ich war echt lange nicht mehr hier", meinte er dann. „Also...alleine, meine ich. Mit den Jungs ja schon."

Harry setzte sich auf sein Bett und nickte. „Ja. Ich hab dich schon vermisst."

Louis grinste nur. „Sicher?", fragte er dann, griff nach dem ersten Kissen, das er in die Finger bekam und warf es auf Harry. Harry fing es auf, ließ sich aber nach hinten fallen und flüsterte leise „Ja. Ja, ganz sicher", bevor er sich wieder aufrichtete, das Kissen zurück zu Louis schleuderte und sagte: „Jetzt wo du's sagst. Vermutlich nicht so. Ich meine, wer will schon einen Freund, der ihm den Kühlschrank leer frisst."

„Oooh, das reicht", rief Louis und stürzte sich auf Harry. Einige Minuten ging die Kissenschlacht weiter, dann ging Louis dazu über Harry zu kitzeln.

„Nein, bitte! Lou...", flehte Harry lachend, wand sich und versuchte irgendwie Louis' Hände festzuhalten, aber es nützte nichts.

„Gnade", bettelte er und Louis grinste teuflisch.

„Erst wenn du sagst ‚Louis Tomlinson ist der coolste Junge, den ich kenne'."

Er kitzelte Harry weiter, sie rangelten sich auf dem Bett hin und her und irgendwann schwebte Louis' Gesicht genau über Harrys.

„Sag es", flüsterte Louis, aber Harry konnte nur in seine blauen Augen starren und schluckte.

Fuck, er liebte diese Augen seit neun Jahren. Er biss sich auf die Lippe und blinzelte nur.

Louis runzelte die Stirn. Er legte seine Hände an Harrys Wangen und sah ihn prüfend an. „Haz, alles okay bei dir?"

Bei dem Spitznamen setzte für eine Sekunde Harrys Herz aus. Das war Louis' Spitzname. Für ihn. Louis' ganz besonderer Spitzname. Irgendwann hatte er angefangen ihn so zu nennen. Und niemand anderes durfte das. Hazza, vielleicht noch. Aber Haz, so nannte ihn nur Louis.

„Hey." Louis suchte Harrys Blick, aber Harry wich aus. Louis war ihm zu nah.

„Harry, du kannst mir alles sagen, okay? Das weißt du. Ich würde dich nie verurteilen, dafür bist du mir viel zu wichtig." Louis' rechter Daumen begann sanft über Harrys Wange zu streichen und dieser hielt die Luft an.

Wie zum Teufel sollte er sich denn auch nicht in Louis verlieben, wenn Louis sowas machte? Das hier war keine Bro-Pal-Kumpel-Freundschaft. Mit Liam würde er sowas nie machen. Beziehungsweise mit Liam würde es nie soweit kommen.

Harry schloss kurz die Augen und bevor er irgendetwas tun konnte, was er bereuen würde seufzte er nur leise. „Können wir einfach einen Film gucken?"

Louis nickte nur zaghaft lächelnd, strich Harry eine Locke hinters Ohr und ging dann von ihm runter.

Harry atmete auf, setzte sich hin und Louis ging zum DVD Regal.

„Was willst du denn gucken?"

„Keine Ahnung. Such du aus."

„Okay." Ein paar Sekunden später lief Louis mit irgendeiner DVD zum Fernseher und ließ sich dann neben Harry aufs Bett fallen, der die Kissen anders arrangiert und sich angelehnt hatte.

Und kurz darauf startete „In guten wie in schweren Tagen".

Sprachlos wandte Harry sich zu Louis. „Du willst einen 3einhalb Stunden langen Bollywood Film sehen?"

Louis grinste nur. „Verurteil mich nicht. Ich geh Popcorn holen." Er stand auf und lief die Treppen runter. Harry starrte nur auf den Bildschirm, wo die Mutter und der Vater von Rahul gerade erklärten wie sehr Eltern ihre Kinder lieben.

Er musste leicht lächeln. Dass Louis diesen Kitsch mit ihm gucken wollte machte ihn irgendwie glücklich.

Etwa eine Minute später kam Louis dann auch wieder, mit einer Schüssel Popcorn in der Hand und setzte sich wieder neben Harry.

Das Popcorn war schnell leer und Louis schien immer müder zu werden, denn irgendwann legte er seinen Kopf auf Harrys Schulter. Das war zwar nichts außergewöhnliches, das machten die Jungs öfter, auch Zayn hatte sich schon unzählige Male bei Harry angelehnt, oder Harry bei Niall, aber es war nunmal Louis. Und das machte es zu was anderem.

Für Harry zumindest.

Etwa eine halbe Stunde später sackte Louis Kopf dann auf Harrys Brust und Harry spürte ihn gleichmäßig atmen. Louis war eingeschlafen.

Er konnte nicht anders als zu lächeln. Ihm war auch aufgefallen, dass Louis in der gesamten Zeit bei Harry kein einziges Mal auf sein Handy gesehen hatte und das machte ihn glücklich.

Und als Louis dann im Schlaf auch noch seinen Arm um Harrys Bauch legte und sich komplett an ihn kuschelte musste Harry fast anfangen zu weinen.

Denn, scheiße Harry merkte wie sehr er Louis wirklich liebte.

Harry liebte Louis so sehr, dass er langsam wirklich nicht mehr weiterwusste.

_____

„Wie gehts dir?", fragte Liam und zündete ein Streichholz an. Liam hatte so einen merkwürdigen Tick Streichhölzer anzuzünden, ihnen beim Verbrennen zuzugucken und das nächste anzuzünden. Dabei produzierte er zwar eine Menge Müll, aber irgendwann hatte Zayn angefangen den Müll in Kunst zu verwandeln. Deshalb fanden inzwischen alle Liams Tick nur noch witzig.

„Ach." Harry zuckte mit den Schultern. „Gut." Er beobachtete Niall und Louis, die auf dem Fußballplatz vor ihnen gerade um den Ball kämpften und Zayn, der im Tor stand.

„Sicher?" Liam sah von der Flamme zu Harry. „Du wirkst ein bisschen...off in letzter Zeit."

Harry lächelte. Wieso hatte er denn auch gedacht, dass seinen besten Freunden nicht auffiel, dass es ihm nicht so blendend ging? Sie waren nunmal seine besten Freunde. Und sie kannten ihn.

„Ähm...ehrlich gesagt geht es mir in letzter Zeit nicht so ganz super, aber ich will nicht so gerne darüber reden", meinte er also und Liam pustete das Streichholz aus, sah zu Harry und lächelte.

„Okay. Aber wenn du mal reden möchtest...ich bin hier." Er legte kurz eine Hand auf Harrys Schulter und Harry lächelte zurück.

„Danke."

„Kein Ding. Ist selbstverständlich. Du bist immerhin unser Küken." Er stieß Harry freundschaftlich mit der Schulter an, aber so leicht, dass er nicht von dem merkwürdigen Metallkasten fiel, auf dem sie saßen.

„Hey!" Harry grinste. „Fünf Tage, okay? Ich bin fünf Tage jünger als Niall."

„Deshalb ist er ja auch das zweite Küken."

Harry lachte leise und schüttelte den Kopf. „Aber wirklich, Liam. Danke", meinte er dann ernst.

„Harry, du bist mein bester Freund. Abgesehen von den Dreien da natürlich. Und du bist mir wichtig. Das ist wirklich selbstverständlich."

„Trotzdem. Danke."

Liam lächelte nur und zündete das nächste Streichholz an. Harry sprang vom Kasten und lief zu den anderen.

Sofort passte Louis den Ball zu ihm (obwohl Harry wirklich nicht besonders gut Fußball spielte) und Harry schoss ihn an Zayn vorbei ins Tor. Sehr zur eigenen Überraschung (denn wie gesagt, er war nicht so gut).

„Yesss!", rief Louis laut, machte ein triumphierendes Gesicht zu Niall und rannte zu Harry, um ihn hochzuheben.

Harry krallte sich nur in Louis' Trikot und lachte.

„Sehr gut, Hazza", flüsterte Louis als er Harry wieder absetzte und Harry spürte die Zuneigung zu Louis mal wieder in ihm aufsteigen.

Aber sofort war ein Bild von Eleanor vor seinen Augen.

Und sein Herz fing wieder an wehzutun.

____

Am nächsten Dienstag stand Harry zwischen Sam und Philipp und obwohl er im Pub war, am Poetry Slam Abend, an seinem Happy Place...er dachte nur an Louis. An Louis und Eleanor und wie sehr er Louis liebte und wie weh es ihm tat.

Die Texte der anderen brachten ihn halbwegs auf andere Gedanken, aber er konnte sich kaum konzentrieren. Er musste es endlich loswerden.

Und als er dann aufgerufen wurde schluckte er kurz und spürte einen sanften Druck von Sam auf seiner Schulter. Sie lächelte ihm aufmunternd zu und Harry erklomm mit einem schiefen Lächeln die Bühne.

„Ähm. Ja, hallo", begrüßte er die Leute und lächelte kurz. „Ich habe heute einen Text mitgebracht, den ich letzte Woche geschrieben habe. Es ist nur ein kurzer Text, weil die lange Version zu lang wäre und zu sehr wehtun würde, also...also lese ich nur die kurze." Er räusperte sich. „Der Text heißt Glasscherben. Und äh geht so...

Ich habe mich verliebt.

Ich habe mich verliebt als ich sieben Jahre alt war.

Sich verlieben, wenn man sieben Jahre alt ist, das heißt eigentlich nur, man findet jemanden des anderen Geschlechtes nett und die Heteronormativität, die diese Welt beherrscht sagt dann ‚hey. Du bist verliebt.'

Bei mir war das...ein bisschen anders.

Denn ich habe mich in einen Jungen verliebt.

Ich kannte ihn schon immer eigentlich und das tue ich auch immer noch. Aber damals hab ich angefangen ihn in einem anderen Licht zu sehen.

Wenn er lächelte ging die Sonne auf. Ich konnte meinen Blick gar nicht mehr abwenden, musste selber lächeln und konnte für einen kleinen Augenblick nicht mehr atmen.

Ich war jeden Tag, den ich ihn sah glücklich, das heißt ich war jeden Tag glücklich, denn ich sah ihn nun mal...jeden Tag.

Wir konnten damals schon stundenlang reden und ich dachte mir nur ‚bitte. Bitte mach, dass sich nie was verändert.' Und das hat es auch nicht. Wir sind immer noch genau die gleichen...

...besten Freunde.

Ich bin seit neun Jahren verliebt. Aber ich hatte viel zu viel Angst die Wahrheit zu sagen. Ich bin seit neun Jahren verliebt, zu viel Angst die Konsequenzen zu tragen wenn...ja, wenn er mir sagt er fühle nicht das Gleiche.

Und jetzt ist es zu spät. Jetzt sind da so viele Tränen, denn er hat jemand anderen, um ihm die Luft zum Atmen zu nehmen.

Unerwiderte Liebe

Ist als würde man barfuß über Glasscherben laufen, nur weil man hofft, dass sich am Ende des Weges der Schatz befindet, den man seit Ewigkeiten sucht.

Obwohl man weiß, vermutlich wird er nicht da sein läuft man immer weiter. Schritt für Schritt, man fühlt wie sich die Scherben ins Fleisch bohren und einem die Füße aufschneiden, immer nur angetrieben von dem winzigen, klitzekleinen Funken Hoffnung.

Dem winzigen, klitzekleinen Funken Hoffnung, dass eines Tages...eines Tages die Gefühle erwidert werden.

Unerwiderte Liebe ist als wäre man wieder sieben Jahre alt und als wollte man wirklich dieses eine Spielzeug haben. Aber immer wieder wird man von jemandem weggezogen und muss Geld sparen. Und dann wenn man endlich genug Geld gespart hat und stolz und glücklich in den Laden geht...dann ist jemand anderes vor dir da gewesen.

Unerwiderte Liebe ist Schmerz. Unerwiderte Liebe tut weh, tut so sehr weh, aber wenn man für eine Sekunde vergisst, dass sie unerwidert ist...dann ist unerwiderte Liebe der Himmel auf Erden.

Oder wie der Himmel an einem Sommertag. Genauso blau und wunderschön, wie seine Augen."

Harry atmete aus. „Dankeschön", hauchte er noch ins Mikrofon und lächelte, als das ganze Publikum anfing zu klatschen.

Er stieg von der Bühne runter und stellte sich wieder neben Sam, die ihn einfach in ihre Arme zog. Und das tat gut.

Als auch Philipp und Amy sich anschlossen und Harry in einer Gruppenumarmung fast unterging, aber alle schwiegen, merkte er nochmal, wie sehr diese Leute ihn verstanden.

Sie verstanden das Wunder der Worte. Und jetzt absolut gar nichts zu sagen war das Richtige.

_____

„Harry?"

„Hm?" Harry sah hoch zu Niall und bemerkte nur seinen besorgten Blick.

„Es tut mir Leid."

„Was tut dir Leid?" Harry runzelte die Stirn.

„Dass ich dir nicht helfen kann." Niall sah wirklich aus, als fühle er sich schuldig. „Ich weiß wie sehr dir das wehtut. Mit Louis und...und Eleanor."

Harry sah wieder auf den Boden. „Es ist okay, Ni. War ja klar, dass es irgendwann passiert. Du hast mich doch sogar noch letzte Woche darauf hingewiesen."

„Aber niemand konnte wissen, dass es wirklich so schnell jetzt passiert, ich meine-"

„Niall. Müssen wir darüber reden?"

„Naja keine Ahnung. Ich meine...vielleicht tut es dir ja gut darüber zu reden, es muss dir doch gerade wirklich schlecht gehen und-"

„Ja, Niall!" Harry seufzte. „Dass Louis jetzt eine Freundin hat zerreißt mich. Es macht mich fertig. Es macht mich fertig, dass er die ganze Zeit an seinem Handy war, um mit diesem Mädchen zu schreiben, es macht mich fertig, dass er nicht mit uns gemeinsam zu Shawn geht, sondern uns mit ihr da trifft. Es macht mich fertig, dass meine Gefühle, obwohl ich weiß, dass wir nie zusammen sein werden jeden Tag stärker zu werden scheinen. Aber ich kann nichts ändern. Die Situation ist jetzt so."

„Ich weiß. Und das genau das tut mir ja so weh. Du bist mein bester Freund. Ich will nicht, dass du so leidest, Harry."

„Niall, es ist okay."

Kurz schwieg Niall. „Vielleicht ist das ja auch genau das was du brauchst", meinte er dann leise.

„Was? Ein gebrochenes Herz?" Verwirrt sah Harry Niall an.

„Nein. Aber..." Niall schluckte. „Eine Möglichkeit mit ihm abzuschließen."

Harry seufzte und biss sich auf die Lippe. „Will ich das überhaupt?", flüsterte er und Niall sah ihn nur mitleidig an.

„Du solltest es zumindest versuchen. Vielleicht...ich weiß auch nicht...vielleicht musst du mal jemanden...kennenlernen. Jemanden, der nicht Louis ist. Ich meine...du bist seit neun Jahren in ihn verliebt. Du siehst es ja nicht mal, wenn jemand an dir interessiert ist."

„Wer ist denn schon an mir interessiert?", schnaubte Harry und Niall sah ihn fast schon empört an.

„Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder?"

Harry sah ihn nur fragend an.

„Sag mal Harry, weißt du wirklich nicht wie gut du aussiehst?"

Harry runzelte nur die Stirn in Nialls Richtung.

„Ernsthaft? Alle Mädchen auf unserer Schule thirsten dir nach. Und ich weiß, dass die dich nicht interessieren, aber es gibt auch zuhauf Jungs, die dir hinterherschauen. Du merkst das nur nicht. Himmel, du weißt echt nicht wie attraktiv du bist, oder? Harry, du bist eine fucking elf von zehn! Wenn ich nicht so straight wäre wärst du schon lange nicht mehr Single."

Harry musste grinsen. Er konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen Niall zu daten.

„Jetzt übertreib mal nicht", lachte er und Niall sah ihn fassungslos an.

„Ich übertreibe nicht", sagte Niall dann. „Wirklich nicht. Warte. Zayn?"

Zayn lief mit Gigi händchenhaltend etwa 25 Meter hinter ihnen (dahinter waren noch Maya und Liam, Niall und Harry waren immer weit vorne, weil Harry einfach ewig lange Beine hatte und Niall unglaublich schnell lief) und sah fragend zu Niall.

„Ja?", rief er.

„Wie attraktiv ist Harry?"

„Ähm. Krass attraktiv", rief Zayn sofort. „Vogue Covermodel attraktiv. Warum? Braucht Harry'n Ego-Push?"

„Siehst du?", meinte Niall triumphierend und drehte sich ohne auf Zayns Frage einzugehen wieder zu Harry.

„Also Maya und ich finden das auch", rief Gigi dann.

Niall drehte sich grinsend wieder um.

„Nicht, dass es was zur Sache täte, aber ich stimme auch zu", rief Liam dann auch noch und grinste breit. „Hätte ich Maya nicht, würde ich für Harry ja wirklich an meiner Straightness zweifeln. Then again, das tue ich sowieso schon für Zayn, also..."

Zayn und Gigi lachten, Maya schüttelte grinsend ihren Kopf und Niall sah zu Harry. „Siehst du es jetzt endlich ein? Und das sehen echt einige so. Jetzt wo Louis..." Er beendete den Satz nicht.

Harry sah weg und kratzte aggressiv an seinem linken Handrücken.

„Okay, Harry, ich sage ja nicht, dass du und Louis nie was werden. Aber jetzt hat er halt...dieses Mädchen und du solltest auch einfach mal deinen Horizont erweitern."

„Dass aus Louis und mir je was wird ist Unsinn, Niall, das musst du nicht sagen, nur damit es mir besser geht. Ich meine, er ist straight. Und er war es die ganze Zeit über."

„Das kannst du nicht wissen, Harry. Ist ja auch nicht so als gäbe es nur straight und gay. Labels sind nicht alles."

Harry seufzte. „Niall, was willst du erreichen? Mein Herz tut auch schon weh, wenn ich nicht die ganze Zeit über Louis rede. Können wir bitte das Thema wechseln?"

Niall nickte. „Ja. Tut mir Leid. Nur...denk mal drüber nach, okay?"

„Okay."

„Aber jetzt haben wir eh andere Dinge an die wir denken können. Alkohol. Und dumme Partyspiele." Niall grinste.

Sie waren bei Shawn angekommen und er stieß das kleine Tor zum Vorgarten auf. Harry folgte ihm und hielt es dann noch für Maya, Zayn, Gigi und Liam auf. Zusammen gingen sie zur Haustür und Niall klingelte.

Kurz darauf wurde die Tür geöffnet und ein gut gelaunter Shawn stand in der Tür.

„Hey Jungs, da seid ihr ja, hey Gigi, hey Maya", begrüßte er alle und machte eine einladende Geste.

Nacheinander begrüßten ihn alle, gratulierten ihm und traten dann hintereinander ein. Man hörte Musik, aber nicht zu laut, und Menschen miteinander reden. Außerdem schien aus dem Wohnzimmer bunte Partybeleuchtung.

„Ist Louis schon da?", frage Harry und reichte Shawn sein Geschenk. Dieser nahm es lächelnd an und nickte. „Ja, er ist mit Eleanor bei Camila in der Küche."

„Okay, danke." Harry versuchte sich nichts anmerken zu lassen, aber sein Lächeln bröckelte leicht. Shawn schien es nicht gemerkt zu haben, aber der wurde auch gerade von Maya und Liam abgelenkt.

Zayn kam zu Harry, legte ihm freundschaftlich einen Arm um die Schulter und zog ihn mit sich.

„Dann wollen wir uns diese Eleanor doch mal angucken", meinte er und lächelte Harry zu. Harry zwang sich zurück zu lächeln.

„Und uns gleichzeitig direkt mal was zu trinken besorgen", fügte Zayn noch hinzu.

Jetzt war Harrys Lächeln wieder echt. Ja, Alkohol klang jetzt gut. So könnte er vielleicht dem Drang widerstehen Eleanor zum Duell herauszufordern.

Die Beiden grüßten ein paar Leute, die noch auf dem Flur standen und die sie kannten und betraten dann die Küche.

Louis saß auf der Kücheninsel, ein Bier in der Hand und lachte über irgendetwas. Ihm gegenüber stand Shawns Freundin Camila, die gerade anscheinend irgendwas zu Essen machte. Und neben Louis stand sie dann.

Eleanor.

Sie trug ein hübsches Kleid und hatte ihre Haare hochgesteckt, bis auf ein paar Strähnen, die runterhingen. Ein Lächeln zierte ihre Lippen und Louis hielt ihre Hand.

Harrys Herz zerbrach noch ein Stück. Das zu sehen machte es irgendwie real.

Und Eleanor war so hübsch.

Harry starb fast vor Eifersucht.

„Hey", meinte Zayn und zog Harry näher.

„Oh hi, da seid ihr ja!" Louis lächelte breit und hob die Hand.

Auch Camila grinste, kam auf sie zu und umarmte beide kurz bevor sie sich wieder an das Essen - was war das eigentlich? Nudelsalat? - machte.

„Ähm", meinte Louis dann. „Jungs, das ist Eleanor", stellte er sie vor und Eleanor lächelte schüchtern und winkte. „Hi."

„Hi, ich bin Harry", meinte Harry und lächelte so freundlich wie er konnte zurück. Zayn nickte Eleanor ebenfalls zu, meinte „Zayn, freut mich dich kennenzulernen" und nahm seinen Arm von Harrys Schulter, um zwei Bier aus dem Kasten hinter Louis zu greifen.

Er holte sein Feuerzeug aus der Hosentasche, um sie aufzumachen und reichte Harry eins, der ihn dankbar anlächelte.

„So", meinte Zayn dann und zog Harry ein bisschen näher zu Louis und seiner...ja, was auch immer die jetzt am Laufen hatten.

„Jetzt hau mal raus, Louis. Wie genau kam es zu euch beiden?"

Louis lächelte. „Ich hab euch das doch mindestens schon drei mal erzählt. Ich fand sie eh irgendwie immer süß, dann wurde sie mir auf Instagram vorgeschlagen und ich hab sie einfach angeschrieben."

Eleanor lächelte breit bei den Worten und ging einen Schritt näher zu Louis, um ihre verschränkten Hände auf seinen Oberschenkel zu legen.

Harry nahm schnell einen Schluck vom Bier, um sich abzulenken und ging wieder einen kleinen Schritt auf Zayn zu. Der warf ihm nur einen Seitenblick zu, den Harry nicht deuten konnte und legte dann einfach wieder seinen Arm um Harrys Schultern. Harry wusste zwar nicht warum, aber er war sehr dankbar. Zayn gab ihm gerade die Stabilität, die er brauchte.

In dem Moment kamen auch die anderen in die Küche. Sofort begrüßten sich alle, redeten leicht durcheinander, stellten sich Eleanor vor und nahmen sich was erstes zu trinken.

Liam und Maya stießen miteinander an, Gigi half Camila beim Nudelsalat, Shawn drückte seiner Freundin einen Kuss auf die Wange und verschwand dann mit Niall auch schon wieder.

Harry sah aber nur zu Louis und als der zurücksah und lächelte fing sein Herz an Terror zu machen. Scheiße, Eleanor machte ihn so fertig.

„Und Ähm...", begann diese dann. „Wie habt ihr euch kennengelernt?" Sie sah Zayn und Harry lächelnd an.

Zayn runzelte die Stirn. „Ähm...durch unsere Eltern. Genau so wie wir auch Louis kennen."

„Oh, Moment! Du bist der Zayn!", rief sie und schlug sich ihre Hand vor die Stirn. „Wie dumm kann man denn sein? Ich dachte irgendwie..." Sie lachte leicht und schüttelte ihren Kopf.

„Dachtest du, ich wäre mit Harry zusammen?", fragte Zayn amüsiert nach und grinste.

„Ähm. Naja. Louis hat mir halt erzählt, dass Harry schwul ist, deshalb...", meinte sie leicht beschämt und Louis lachte.

„Ja, Love, aber ich hab dir auch erzählt, dass Zayn glücklich mit Gigi zusammen ist."

Harry wurde schlecht. So sollte er Eleanor nicht nennen. Bitte. Er wusste ja gar nicht wie sehr das Harry wehtat.

„Was ist mit mir?" Gigi hob den Kopf, kam zu ihnen und sah fragend in die Runde.

Harry schluckte den Schmerz herunter und grinste.

„Eleanor dachte ich wäre mit deinem Freund zusammen."

„Oh. Wow." Gigi lachte. „Muss ich mir Sorgen machen?" Sie grinste und drückte Zayn einen schnellen Kuss auf die Lippen, bevor sie sich wieder zu Camila stellte. Dass sie die Frage nicht ernst gemeint hatte war klar.

„Also Ähm. Wir sind nicht zusammen", stellte Harry jetzt klar. „Ich bin Single."

„Oh." Eleanor lächelte. „Der Richtige kommt bestimmt noch." Sie lehnte sich in Louis' Richtung und der lächelte sie an.

„Ja. Bestimmt", meinte Harry nur, presste die Lippen aufeinander und nahm dann einen weiteren Schluck von seinem Bier. Vielleicht ist der Richtige auch schon da, nur du nimmst ihn mir weg, dachte er.

Und dann lehnte er sich noch mehr in Zayns Umarmung. Es tat ihm gut, dass seine Jungs nicht diese anstrengende No-Homo Fraktion waren. Die Fünf waren schon immer so gewesen, dass sie sich viel berührten, umarmten und übereinander einschliefen. Das fanden manche zwar komisch (und es gab anscheinend sogar eine ganz weirde Theorie, die in der Schule kursierte, darüber, dass sie alle fünf zusammen waren) aber sie standen sich halt nah, sie waren beste Freunde und fanden es traurig, dass eine körperliche Freundschaft zwischen Jungs in der Gesellschaft immer als „schwul" abgestempelt wurde.

Mädchen umarmten sich schließlich auch ständig und sie sahen es nicht ein, warum sie das nicht durften.

„Okay." Louis klatschte in die Hände. „Wollen wir mal ins Wohnzimmer rüber? Ich glaube es haben auch schon Leute mit Trinkspielen angefangen. Außerdem haben wir Niall mal wieder verloren, wer weiß wen der sich heute klärt."

„Ja, gute Idee", nickte Zayn und von den anderen kam auch zustimmendes Gemurmel.

„Ich bin auch gerade mit dem Nudelsalat fertig geworden", grinste Camila und nahm die Schüssel in die Hand. „Drüben ist das Buffet, ihr könnt euch dann bedienen", fügte sie hinzu, weil Liam schon gierig auf den Salat blickte.

Also begab sich die ganze Gruppe ins Wohnzimmer, wo abgesehen von Niall, der mit einem Mädchen auf dem Sofa saß und redete und ein paar Leuten, die sich unterhielten eine relativ große Gruppe auf dem Boden im Kreis saß.

Sie setzten sich dazu.

____

Etwa zwei Stunden später war die Musik ein bisschen lauter und einige Leute tanzten (beziehungsweise Maya und Liam waren auf der Tanzfläche zwischen wirklich tanzenden Menschen damit beschäftigt sich zu küssen). Harry stand an Shawns Klavier gelehnt da und beobachtete Eleanor und Louis, die auf dem Sofa saßen und Camilas Nudelsalat von einem Teller aßen.

Inzwischen hatte er schon mehr getrunken. Aber seiner Meinung nach immer noch nicht genug, um das ertragen zu können.

„Hey", meinte in dem Moment jemand und lehnte sich neben ihn ans Klavier.

Harry löste seinen Blick von Louis. „Oh hey Lauren!", begrüßte er das braunhaarige Mädchen neben ihm und lächelte. „Wie geht's dir?"

„Besser als dir, wie es scheint", meinte Lauren und lächelte mitleidig.

Harry runzelte die Stirn. „Was meinst du?"

Sie seufzte. Dann nickte sie zu Louis. Harry biss sich auf die Lippe.

„Ich weiß, wie du dich fühlst", meinte sie dann und trank einen Schluck von ihrem Bier.

Harry drehte sich weiter zu ihr. „Was meinst du?"

„Ich weiß wie es dir geht. Also...Louis mit diesem Mädchen zu sehen."

„Wie-"

„Harry, ich war auch in meine beste Freundin verliebt. Ich weiß, was deine Blicke bedeuten."

„Du...du warst in Camila verliebt?"

Lauren strich sich eine Haarsträhne hinters Ohr und nickte dann. „Ja. Und als sie mit Shawn zusammen gekommen ist ist meine ganze Welt zusammengebrochen."

„Das...das tut mir Leid, das wusste ich nicht."

„Woher auch?" Sie lachte. „Du läufst ja auch nicht rum und erzählst jedem, dass du in deinen besten Freund verliebt bist."

„Ja." Harry lachte leise. „Da hast du wohl Recht."

Eine Weile lächelten die Beiden einfach nur in Gedanken versunken, dann schien etwas in der Ecke des Raumes Lauren's Aufmerksamkeit zu erregen.

„Oh. Madison ruft mich, wir sprechen später nochmal, ja?" Sie lächelte, legte Harry kurz die Hand auf die Schulter und er nickte.

„Und ich hole mir noch was zu trinken."

„Mach das."

Lauren verschwand in Richtung Madison und Harry warf noch einen kurzen Blick zu Eleanor und Louis, doch als Louis zurücksah zuckte Harry zusammen und ging in die Küche.

Er ging zum Getränketisch, stellte seinen Becher hin und griff nach dem Gin.

„Harry?"

Harry erschrak und wirbelte herum.

„Leo? Krass, was machst du denn hier?" Er musste lächeln. Das war eine nette Überraschung. Er kannte Leo zwar nicht so besonders gut, aber das was er kannte mochte er (ach ja und wie schon erwähnt: Harry fand auch einfach, dass Leo unglaublich gut aussah).

„Hi, erstmal." Leo kam auf Harry zu und die beiden umarmten sich. „Ich spiele mit Shawn Eishockey", erklärte er dann. „Und du?"

„Wir gehen auf eine Schule."

„Cool." Leo sah zu dem Gin in Harrys Hand. „Den trinkst du jetzt aber nicht pur, oder?"

„Was? Nein, nein, keine Angst. Ich äh..." Er seufzte. „Ich wollte mich nur ein bisschen ablenken."

Leo runzelte die Stirn. „Von...deinem besten Freund?"

Kurz war Harry verwirrt, dann wurde ihm klar, dass Leo ja am Dienstag seinen Text gehört hatte. „Oh äh, ja. Ja, genau."

„Willst du nicht lieber ein Bier mit mir trinken, statt Gin?"

Harrys Lippen verzogen sich zu einem Lächeln. „Gerne."

„Cool." Leo griff an Harry vorbei in den Bierkasten und holte zwei Flaschen raus. „Hast du einen Öffner?"

Harry grinste, nahm ihm die Flaschen aus der Hand, öffnete die eine an der anderen, gab sie ihm zurück und klemmte den Kronkorken der anderen zwischen seine Zähne. Leo riss seine Augen auf. „Nein! Das tut mir ja beim Zusehen weh! Sag nicht, du kannst das!"

Harry zwinkerte nur und öffnete die Flasche mit seinen Zähnen.

Leo stand der Mund auf. „Ungeahnte Talent, Harry. Ungeahnte Talente."

Harry grinste.

„Wollen wir auf die Terrasse?", fragte Leo und Harry nickte nur.

Also traten die beiden durch die Tür auf die Terrasse und als Leo sich daneben auf den Boden setzte und an der Hauswand anlehnte tat Harry es ihm gleich.

Die beiden stießen an, tranken einen Schluck und kurz sagte keiner etwas.

„Ich muss sagen, ich...ich war echt beeindruckt von deinem Text", meinte Leo dann und warf Harry einen Blick zu. „Also nicht nur von deinem Mut das vorzutragen, etwas was dir so nahegeht...sondern wirklich auch von der Metaphorik und der Sprache. Echt."

Harry lächelte. „Danke."

„Willst du darüber reden?", fragte Leo vorsichtig und erst wollte Harry schon verneinen, aber da fiel ihm auf, dass es vielleicht ganz gut tun würde mit jemandem darüber zu reden, der Louis nicht kannte.

Also nickte er zaghaft.

„Ich kann mir das gar nicht vorstellen. Das muss echt scheiße sein."

Harry schnaubte leicht und nickte. „Oh ja."

„Echt neun Jahre?"

Wieder nickte Harry. „Es tut einfach nur weh. Ich meine all diese Jahre ist da diese dumme Hoffnung, obwohl Louis hetero ist und ihn jetzt mit...mir Eleanor zu sehen das tut einfach nur weh. Anders kann man es nicht beschreiben."

„Das tut mir echt Leid."

„Und ich meine...mein bester Freund Niall meinte heute auch noch...dadurch, dass ich seit so vielen Jahren nur an Louis interessiert bin fällt mir halt nichtmal auf, wenn jemand anderes mich anspricht oder gutaussehend findet oder so."

Leo schmunzelte. „Das erklärt einiges."

„Was?" Harry runzelte die Stirn.

„Naja", begann Leo. „Ich find dich schon länger ganz süß. Aber auf den Blickkontakt oder meine Andeutungen hast du nie reagiert."

Harrys Mund stand auf. „Du findest mich süß?"

Leo zuckte mit den Schultern, grinste, trank einen Schluck und nickte dann. „Ja."

„Sorry."

„Was?" Leo lachte. „Das muss dir doch nicht Leid tun. Da kannst du ja nicht für."

„Hm."

Beide sagten wieder eine Weile nichts und hingen ihren Gedanken nach.

„Aber es hat auch was Gutes, dass ich so lange schon in meinen besten Freund verliebt bin."

„Ach ja? Was denn?" Leo sah Harry interessiert an.

„So wusste ich immerhin schon sehr früh, dass ich schwul bin."

„Hm. Stimmt, das ist...das ist wirklich was positives. Irgendwas muss es ja geben, wenn es so wehtut, hm?"

Harry lachte. „Ja. Aber gerade geht's eh." Er lächelte Leo an.

„Flirtest du gerade mit mir?", fragte Leo und grinste begeistert.

„Vielleicht", meinte Harry, zog die Augenbrauen hoch und trank dann noch was von seinem Bier.

„Okay. Okay." Leo grinste und stand auf. Er streckte Harry seine Hand hin und Harry ließ sich ins Stehen ziehen. „Dann gehen wir jetzt Tanzen."

Harry runzelte die Stirn.

„Weil ich Lust habe mit dir zu tanzen", beantwortete Leo die unausgesprochene Frage von Harry und lächelte. „Außerdem können wir Louis zeigen was er verpasst."

„Das wird nicht funktionieren. Er ist straight, wieso sollte er eifersüchtig werden?"

Leo zuckte mit den Schultern. „Dann tanzen wir halt einfach so. Und nächste Woche gehen wir ins Kino. Deal?"

Harry sah noch skeptisch aus.

„Hör zu, ich will nicht irgendwie deinen Liebeskummer ausnutzen oder so. Ich will dich einfach auf andere Gedanken bringen. Man kann auch als Freunde ins Kino gehen."

Harry lächelte. „Nein, nein. Lass uns ein Date daraus machen. Wir probieren es einfach aus. Vielleicht wird es ja was. Und wenn nicht...dann nicht, okay?"

„Okay." Leo lächelte und hielt Harry seine Hand hin. „Dann lass uns tanzen gehen."

_____

„Okay, Harry!", rief Gigi noch bevor Harry wirklich durch die Tür war. „Gib uns den Tea!"

Heute trafen sie sich bei Zayn und zwar nicht nur zu fünft, sondern mit Maya und Gigi. Und dagegen hatte Harry zwar nichts, Maya und Liam waren schon echt lange zusammen und er mochte sie, genau so wie Gigi, aber jetzt hieß das halt, dass auch Eleanor dabei war. Und dagegen hatte Harry was.

„Was?" Überfordert sah Harry Gigi an, die etwa einen Zentimeter vor ihm stand und ihn begeistert und erwartungsvoll anschaute.

Zayn lachte. „Baby, lass ihn erstmal atmen, bitte. Sonst kriegen wir ja eh nichts aus ihm raus." Gigi trat einen Schritt zurück.

„Was?", fragte Harry nochmal und sah sich verwirrt um, aber alles wirkte normal. Zayn saß vor der Couch und ließ sich von Liam massieren, Maya saß daneben auf der Couch, Niall gähnte, weil er vermutlich diese Nacht nicht besonders viel geschlafen hatte und Louis grinste Harry fröhlich zu. Das einzig Ungewöhnliche war Eleanor. Aber die saß nur da und sah hübsch aus.

„Harry!", meinte Gigi und legte ihre Hände an Harrys Wangen, damit er sie ansah. „Wir. wollen. den. Tea."

„Jahaaa, bitte, ich sterbe sonst vor Neugier!", stimmte Maya zu und ließ sich dramatisch gegen Liam fallen.

„Was für Tea denn bitte? Wovon redet ihr?" Harry griff nach Gigi's Händen und zog sie von seinen Wangen. Hilfesuchend blickte er zu Niall, Aber der zuckte nur mit den Schultern und gähnte nochmal.

„Na, der Typ!", meinte Liam. „Gestern. Du hast den ganzen Abend mit ihm verbracht. Wer war das? Woher kennst du ihn? Was läuft da?"

„Ach ihr meint Leo!", meinte Harry und tat so als wäre es das Normalste auf der Welt.

„Yes!", rief Gigi. „Wir haben den Namen. Ich wiederhole, wir haben den Namen!"

Harry lachte nur leise, schüttelte den Kopf und stieß Gigi leicht mit seiner Schulter an. Er ging zum Sofa und setzte sich zwischen Liam und Eleanor.

Alle sahen ihn erwartungsvoll an.

„Was wollt ihr denn hören?", fragte Harry dann verwirrt.

„Alles", meinte Zayn. „Aber fangen wir mal langsam an, für die nicht so hellen unter uns. Er heißt Leo. Und weiter? Kennst du ihn von gestern?"

„Ich glaube nicht", rief Louis dazwischen, der seine Hand auf Eleanors Knie liegen hatte. „Ich hab gesehen wie die beiden sich gestern in der Küche umarmt haben. Das war kein Fremden-Umarmen."

Harry runzelte die Stirn. Das hatte Louis gesehen?

„Also kanntest du ihn schon? Interessant", murmelte Liam. „Und woher?"

Harry seufzte. „Ich seh ihn jeden Dienstag."

Liam sog. scharf die Luft ein. „Du bist aber nicht schon seit Ewigkeiten mit ihm zusammen, gehst dienstags immer auf Dates und erzählst es uns nicht, oder?"

„Was?" Harry sah ihn verstört an. „Nein."

„Was machst du denn eigentlich an diesen Dienstagen immer?", fragte Zayn dann und drehte sich zu ihm um. „Wir nehmen das schon ewig einfach so hin, aber es weiß keiner wo du hingehst, oder?"

„Ist das wichtig?", fragte Harry zurück.

„Nein, nein", schaltete sich Maya wieder dazu. „Die viel wichtigere Frage ist: Stehst du auf ihn?"

Harry sah auf seine Finger. Er hatte gestern wirklich Spaß gehabt. Mit Leo war es so leicht gewesen. Sie hatten sich viel unterhalten, viel getanzt und auch viel zusammen geschwiegen. Es war wirklich schön gewesen und Harry hatte kaum an sein schmerzendes Herz gedacht. Ein Lächeln erschien auf seinen Lippen, er konnte nicht dagegen ankämpfen.

„Oh mein Gott! Das ist ein Ja! Wir haben ein Ja!" Gigi legte eine Hand auf Harrys Oberschenkel und blickte ihn seufzend an. „Unser Baby wird erwachsen."

„Komm mal ein bisschen runter, Babe, du machst ihm ja noch Angst. Au, Liam nicht so feste!", meinte Zayn und Harry zog nur die Augenbrauen hoch. Zayn und Liam hatten auch eine komische Bromance.

„Passt schon, Gigi darf das", meinte er dann und lächelte ihr zu.

„Siehst du?" Gigi grinste triumphierend und trat Zayn leicht gegen den Oberarm.

„Also?", meinte sie dann und drehte sich wieder zu Harry. „Erzähl uns was!"

Harry lächelte. „Na ja. Er ist 21 und wirklich...wirklich cool. Also er ist charmant und lieb und er...er mag mich irgendwie? Ich weiß nicht. Jedenfalls fühle ich mich wohl in seiner Nähe und wir haben gestern stundenlang geredet und vielleicht, aber auch nur vielleicht haben wir nächste Woche ein Date."

„Yessss!", rief Maya laut, Gigi quietschte leise und Zayn und Liam grinsten zu ihm.

Louis sagte nichts und legte seinen Arm um Eleanor. Aber er schien sich für Harry zu freuen, er lächelte.

Nur Niall sah Harry etwas skeptisch an. Aber dann zuckte er nur mit den Schultern und klopfte Harry auf den Rücken. „Das freut mich, Harry. Das verdienst du."

_____

„Popcorn oder Nachos?" Leo sah Harry fragend an und Harry lächelte.

„Vibe Check: Süß oder salzig?"

„Süß natürlich!"

„Dann Popcorn."

„Also hab ich den Vibe Check bestanden?"

„Absolut." Harry grinste. „Ich bin es so Leid mit den anderen darüber zu streiten welches Popcorn wir nehmen." Er grinste. „Also eigentlich nur mit Louis, der zwar der einzige ist, der salziges Popcorn bevorzugt, aber es irgendwie trotzdem manchmal schafft seinen Willen durchzusetzen." Er sah auf zu Leo. „Oh, vermutlich sollte ich auf einem Date mit dir nicht über Louis reden."

Leo lächelte nur. „Ach. Du bist in ihn verliebt, das passt schon. Außerdem bist du niedlich wenn du über deine Freunde redest."

Harrys Mund stand einen Spalt breit offen. „Du bist unglaublich, weißt du das?"

„Natürlich, weiß ich das. Ich bin super." Leo grinste.

Harry lachte leise. „Jetzt geh uns Popcorn holen, Superman."

Als Leo nach ein paar Minuten wieder neben Harry auftauchte und sie sich auf den Weg zu Kino 11 machten blieb Harry kurz stehen.

„Ich meine das wirklich. Du weißt, dass ich in jemand anderen verliebt bin, aber du nimmst das so hin und gehst toll mit mir um. Du versuchst mich abzulenken und du bist super lieb. Danke."

Leo lächelte. „Keine Ursache. Und natürlich bin ich lieb. Ich versuche schließlich, dass du dich in mich verliebst."

Harry grinste. „Mach so weiter und es könnte klappen."

Leo sah ihn kurz einfach nur lächelnd an.

„Na komm", lächelte er dann und machte eine Kopfbewegung zum Kino. „Lass uns reingehen, sonst verpassen wir den Anfang."

Während des Films griff Harry nach Leos Hand.

Er war seit neun Jahren in Louis verliebt, er hatte andere Jungs nicht mal wirklich angesehen, das hier...das war neu.

Leo war neu und aufregend und gutaussehend und...und es tat Harry gut diese Erfahrung zu machen. Vielleicht konnte er mit jemand anderem glücklich werden.

Also hielt er für den ganzen Rest des Films Leos Hand. Und auch danach. Bis Leo ihn nach Hause brachte und zum Abschied auf die Wange küsste.

Ja, vielleicht...vielleicht könnte das funktionieren. Harry musste nur Louis aus seinen Gedanken kriegen. Aber das würde er schon schaffen.

Ein bisschen Abstand war vielleicht sowieso ganz gut.

___einige Wochen später___

„Ähm...Leute?" Harry sah in die Runde.

„Ja?" Louis pausierte das Spiel und Liam zischte leise auf.

„Das hast du jetzt nur gemacht, weil ich kurz davor war zu gewinnen!"

„Nein, Harry will was sagen."

„Dann war das auch Harrys Plan", meinte Liam und sah mit zusammengekniffenen Augen zu Harry, aber seine Mundwinkel zuckte amüsiert. „Ihr steckt doch immer unter einer Decke."

Harry schmunzelte nur und Zayn hob den Kopf (den er genüsslich hingelegt hatte, weil Niall auf seinem Rücken saß und ihm eine Massage gab - Zayn starb für Massagen und irgendwie gelang es ihm auch immer jemanden dazu zu überreden ihm eine zu geben) und grinste zu Liam. „Komm mal runter, Payno. Schonmal drüber nachgedacht, dass Harry wirklich was zu sagen hat?"

„Ja ja. Ihr wollt mich alle nur nicht gewinnen sehen." Liam verschränkte gespielt gekränkt die Arme vor der Brust und Harry räusperte sich.

„Jedenfalls", fing er an. „Ähm...wie ihr wisst bin ich jetzt seit etwa einer Woche mit Leo zusammen. Und äh...ich dachte...ihr könntet ihn mal kennenlernen?"

„Was? Echt jetzt?" Liam riss begeistert die Augen auf.

Harry zuckte mit den Schultern. „Wenn ihr euch benehmen könnt, ja."

„Yess, Gigi wird ausrasten", lachte Zayn und legte seinen Kopf wieder ins Kissen.

„Wollen wir dann vielleicht einfach wieder bowlen gehen?", fragte Liam und alle nickten. „Also Gigi und Maya kommen und Louis, du..."

„Ich bring meine Freundin mit", meinte er. „Wir sind offiziell." Und er lächelte.

Und Harry schloss kurz die Augen. Er hatte jetzt zwar Leo, aber es tat so weh.

„Warum hast du das nicht schon früher gesagt, Bro? Nice." Liam hielt ihm die Hand zum High Five hin, aber Louis nutzte den Moment der Ablenkung, startete das Spiel wieder und gewann die Oberhand, bevor Liam auch nur verstanden hatte was passierte.

„Oh, du Wichser", murmelte er dann und konzentrierte sich ebenfalls auf das Spiel.

Eleanor war schon ein zwei Mal bei Treffen dabei gewesen und Gigi und Maya schienen sich auch ganz gut mit ihr zu verstehen, aber Harry ignorierte sie so gut er konnte.

Wenn er versuchen würde sie zu mögen würde er vermutlich nur noch mehr kaputt gehen. Also beachtete er sie so wenig wie möglich. Und von Louis versuchte er auch sich abzulenken. Denn es tat einfach immer noch so sehr weh.

Er hatte schon bei einigen Treffen in den letzten Wochen gefehlt, weil er lieber mit Leo auf ein Date gegangen war als Louis in sein fröhliches, wunderschönes Gesicht sehen zu müssen. Aber Louis schien es nicht mal aufzufallen. Als Harry ihnen letzte Woche eröffnet hatte, dass Leo und er jetzt zusammen waren hatte Louis sich unglaublich für ihn gefreut.

Und das sollte er auch, er war schließlich Harrys bester Freund, aber Harry konnte das nicht mehr.

Wenn das mit Leo funktionieren sollte, dann brauchte Harry Abstand von Louis. Wirklichen Abstand. Er würde sich nicht mehr ohne die Anderen mit ihm treffen und wenn die Anderen dabei waren vielleicht eher mit Niall reden oder mit Zayn kuscheln als mit Louis.

Denn er konnte es Leo nicht antun mit ihm zusammen (was Harry übrigens wirklich glücklich machte. Leo war toll und Harry war ein wirklich kleines bisschen in ihn verliebt), aber gleichzeitig noch in Louis verliebt zu sein.

Deshalb war der Plan jetzt Louis so lange zu weniger zu beachten bis er Leo mehr liebte als ihn.

Gut, um ehrlich zu sein plante Harry nur sich von Louis zu distanzieren, weil er nicht damit umgehen konnte wie glücklich Louis mit Eleanor zu sein schien. Aber er verdrängte diesen Gedanken ganz tief in sein Unterbewusstsein.

Er machte das für Leo. Punkt.

_____

„Sag mal wo ist Niall eigentlich schon wieder? Wir sind vor fünf Minuten hier angekommen." Liam stemmte die Hände in die Hüften und Maya grinste nur und legte ihm den Arm um die Schultern.

„Der ist wieder zu dem ‚niedlichen Mädchen dahinten'", meinte sie, zeichnete Anführungszeichen in die Luft und ging dann an Liam vorbei zu den Bowlingkugeln.

„Aber er hat doch schon ihre Nummer, oder nicht?"

„Ach ist doch egal, Schatzi. Du hast ja noch uns. Und Louis sollte auch gleich hier auftauchen. Außerdem sind wir hier, um Leo kennenzulernen, nicht Niall." Zayn tätschelte Liams Wange und setzte sich zu Gigi.

Da kam Louis auch schon. Den Arm um seine Freundin gelegt. Harry sah weg.

„Hey Leute!", rief Louis fröhlich und auch Eleanor begrüßte die anderen. Harry zwang sich zu einem Lächeln und war sehr froh, dass kurz danach Leo anrief, weil er nicht wusste welchen Eingang er nehmen sollte.

„Ich bin gleich wieder da", rief Harry und verschwand.

Er fand seinen Freund vor dem falschen Eingang.

„Leo!" Er winkte und Leo lächelte sobald er ihn sah.

„Hey boyfriend", meinte er und grinste. Harry lächelte breiter und küsste Leo zur Begrüßung.

„Hey." Er biss sich grinsend auf die Unterlippe und Leo lachte leise. Dann griff er nach Harrys Hand und gemeinsam liefen sie zum richtigen Eingang.

„So Leute", rief er dann als sie bei den anderen ankamen. „Das hier ist mein Freund. Seid nett."

Sofort sahen alle zu den beiden und grinsten. Leo musste schmunzeln.

„Hi, ich bin Leo."

„Cool, fange ich an?" Niall, der anscheinend wieder da und auch dran war (er hatte eine Bowlingkugel in der Hand), sah sich um. „Hi, ich bin Niall, freut mich."

Harry schüttelte grinsend den Kopf und verdrehte die Augen. Niall grinste und lief dann an, um seinen Zug zu machen.

„Hi, ich bin Liam und dieses Model hier ist mein Freund Zayn." Liam grinste und Zayn schnaubte belustigt.

„In deinen Träumen, Li. Ich bin zwar Zayn, aber ich bin dem Model da drüben zusammen." Er nickte zur anderen Bank ihm gegenüber wo Gigi saß.

„Das Model wäre dann ich, hi, ich bin Gigi."

„Und ich bin gar nicht mehr offended wenn mein Freund so tut als wäre er mit Zayn zusammen. Nach zwei Jahren gewöhnt man sich da dran. Ich bin Maya." Sie grinste. „Und äh...ich bin wirklich mit Liam zusammen, falls du das noch nicht verstanden hast."

Leo schmunzelte nur und nickte. „Ich mag deine Freunde", grinste er und Harry lachte nur.

„Und das da ist äh...Louis. Und seine Freundin Eleanor." Harry drückte Leos Hand ein bisschen mehr und er gab ihm nur einen beruhigenden Blick.

„Ja, hi." Louis musterte Leo von oben bis unten. Eleanor lächelte nur und stellte sich selbst nochmal vor. Harry presste die Lippen aufeinander. Mit Le war es um einiges besser, aber er konnte den Drang Eleanor zu hassen nur schwer unterdrücken.

„Harry, du bist dran!" Niall grinste und Harry sah, dass er ihn retten wollte. Er schenkte ihm ein strahlendes Lächeln, griff nach einer Bowlingkugel und versuchte sein Glück. Aber natürlich landete sie sofort in der Rille. Er seufzte, drehte sich um und verdrehte die Augen als er Liams Lachen sah.

„Ja ja mach es besser."

„Gerne."

Nachdem Harry auch seinen zweiten Wurf verkackt hatte stand Liam grinsend auf und warf natürlich einen Spare. Wäre ja auch zu schön gewesen.

Harry schmollte.

„Aw, muss man dir mal zeigen wie man richtig bowlt?" Leo grinste und Harry schmollte noch mehr und setzte sich auf seinen Schoß.

„Pff. Ich bin gut genug."

„Für den letzten Platz, ja."

„Hey!"

Leo lachte in Harrys Nacken. „Das mein ich doch nicht ernst."

„Ich weiß." Harry seufzte zufrieden. Leo war toll. Mit Leo fühlte er sich gut.

„Soll ich uns was zu trinken holen?"

Harry nickte nur und stand auf. „Will noch irgendwer was zu trinken?", fragte Leo in die Runde und nahm ein paar Bestellungen auf, bevor er zur Theke verschwand.

„Du bist dran, Love", hörte Harry Louis sagen und er konnte nicht anders als sich kurz angesprochen zu fühlen. Er seufzte. Den er war neunmal nicht gemeint.

Eleanor stand auf und versuchte ihr Glück mit der Bowlingkugel. Sie war aber genauso schlecht wie Harry. Und normalerweise hätte er dadurch mit ihr sympathisiert, aber...es war Eleanor. Louis' Freundin. Und er hatte Leo, aber es würde noch ein bisschen dauern bis er über Louis hinweg war.

Leo kam mit einem Tablett an Getränken zurück und stellte es auf den Tisch, Harry ging zu ihm und nahm sich seine Cola.

„Hier, Trink, Babe, dann wirst du groß und stark." Zayn nahm zwar Gläser und gab eins an Liam.

„Ich bin zwar schon groß und stark, aber ich werde da jetzt einfach mal drüber hinwegsehen, weil du mich Babe genannt hast", gab Liam zurück und stieß mit Zayn an.

„Weißt du...", begann Gigi und legte einen Arm um Maya. „Manchmal glaube ich ja schon, die beiden haben eine geheime Beziehung, über die wir nichts wissen."

„Ja", meinte Maya nur. „Aber ich meine...haben wir ja auch, von daher..." Sie grinste und drückte Gigi einen Kuss auf die Wange, bevor beide anfingen zu lachen.

Niall schüttelte nur den Kopf. „Ich sag's dir, irgendwann haben die noch einen Vierer."

„Ew. Niall, Kopfkino!" Harry schlug Niall leicht gegen den Oberarm und Leo prustete leise los.

„Endlich mal jemand, der mich wertschätzt. Behalt den, Harry, ich mag ihn."

„Hab ich vor", grinste Harry, Leo zog ihn an sich und Niall nickte zufrieden.

Louis' Blick bemerkte keiner von ihnen.

____

Die nächsten Monate wurde es leichter für Harry. Mit Leo war es echt schön und irgendwie...so leicht. Er musste sich über nichts Sorgen machen, Leo war unkompliziert.

Und Louis...nun, von Louis distanzierte Harry sich immer mehr. Es war vielleicht nicht unbedingt gut für ihre Freundschaft, aber es war gut für Harry.

Und es fiel ihm nicht mal so schwer, denn Louis war fast nur noch mit Eleanor anzutreffen. Wirklich dieses Mädchen war überall. Und so sehr Harry es auch versuchte, er konnte sie einfach nicht mögen. Aber so war es wenigstens nicht so schlimm Abstand von Louis zu halten.

Aber Louis schien das sowieso nicht mal aufzufallen. Das war das Einzige, das Harry noch runterzog und weiter zu Leo brachte.

Auch wenn Leo und Louis sich irgendwie extrem gut verstanden...sie schickten sich ständig irgendwelche Memes und hatten Insider zwischen sich. Aber das störte Harry nicht besonders. Er konnte es ihnen schließlich nicht verübeln, er liebte sie ja auch beide.

Und sonst...sonst war es echt besser. Er war langsam über Louis hinweg, da war er sich sicher. Zu sehen wie straight Louis war half. Und auch zu sehen wie gut Leo für Harry war half. Und nicht mehr so viel auf Louis zu achten...das half auch.

Aber weil Harry sich so distanzierte war er auch überrascht als Louis ihn in Zayns Wohnzimmer fragte ob sie mal kurz reden könnten.

Sie hatten schon seit Ewigkeiten nicht mehr unter vier Augen gesprochen.

Und irgendwie...während Harry Louis die Stufen in Zayns Zimmer folgte war plötzlich die Hoffnung wieder da. Die Hoffnung, dass Louis endlich aufgefallen war wie sehr Harry sich distanziert hatte und dass er es nicht mehr aushielt und endlich wissen wollte warum und einfach, dass die beiden wieder beste Freunde wurden.

Denn auch wenn er sich etwas anderes einredete...Harry vermisste Louis. Sehr.

Aber als Louis sich auf Zayns Bett niederließ und anfing zu reden platzte diese Hoffnung wieder.

„Harry, ähm...es geht um Eleanor", begann er und Harry runzelte die Stirn.

„Um Eleanor?"

Louis nickte. „Also...ich hab irgendwie...ich hab das Gefühl du magst sie nicht besonders."

„Ähm." Harry schluckte. Was sollte er denn jetzt sagen? Nein, ich mag sie wirklich nicht? Weil du mit ihr zusammen bist? Das wäre ja irgendwie nicht so passend.

„El fällt das auch auf. Und es belastet sie langsam immer mehr, wenn wir uns alle treffen. Sie sieht immer wie du mit Maya und Gigi umgehst und wünscht sich, dass du das auch bei ihr so machen würdest. Hast du ein Problem mit ihr?"

El. Wenn Harry das schon hörte. Er seufzte.

„Ich weiß, ich...es tut mir Leid." Er sah auf den Boden und dann an die Decke. „Es fällt mir ein bisschen schwer...mich an sie zu gewöhnen."

„Warum?", fragte Louis leise. „Du hattest echt viel Zeit, oder? Ich meine, wir sind jetzt zwei Monate zusammen und davor war sie ja auch schon einige Zeit dabei. Ich verstehe es nicht. Maya hast du von der ersten Sekunde akzeptiert und auch mit Gigi warst du sofort befreundet. Wieso ist das jetzt so anders?" Louis stand auf und stellte sich vor Harry.

Harry seufzte.

„Harry?" Louis sah Harry eindringlich an.

„Bei...bei Maya und Gigi hat sich nichts geändert!", platzte es aus Harry heraus und er seufzte nochmal leise. Das hatte er nicht sagen wollen.

„Was meinst du?" Louis runzelte die Stirn.

„Na ja..." Harry rang nach Worten. „Bei Maya und Gigi...klar, Liam und Zayn haben sie mal auf dem Schoß, küssen sie oder was auch immer...aber irgendwie...die beiden liegen trotzdem auch ständig noch übereinander. Oder lehnen sich bei mir an, wenn wir einen Film gucken. Oder tragen sich gegenseitig huckepack. In ihrer Freundschaft und ihrer Freundschaft mit uns hat sich nichts verändert. Und...verdammt, seit Eleanor da ist, hab ich dich nicht mal mehr richtig umarmt!" Jetzt war es raus. Fuck, er vermisste Louis noch mehr als ihm klar gewesen war.

„Das stimmt nicht", hauchte Louis. Harry zog nur die Augenbrauen hoch.

„Aber...du hast doch auch Leo. Jetzt tu nicht so als würde das alles nur von mir aus kommen. Du hast dich doch von mir distanziert!"

Harry wich Louis' Blick aus. „Darum geht es doch jetzt gar nicht."

Louis sah ihn nur an.

„Okay, vielleicht geht es auch genau darum!", rief Harry dann und atmete tief durch. „Vielleicht ist genau das mein Problem. Dass ich mich wegen deiner Freundin von dir distanziere und...und es dir egal ist."

Kurz war es still.

„Du...", fing Louis dann an und kam einen Schritt näher. Sein Blick wurde weich. „Du fühlst dich...von mir vernachlässigt?", fragte er dann. „Das ist das Problem?"

Harry sah auf den Boden. Er biss auf die Innenseite seiner Wange. Scheiße, er wollte jetzt nicht weinen.

Langsam nickte er und blinzelte. Seine Augen brannten, aber er tat alles die Tränen zurückzuhalten.

„Hazza." Auch Louis' Stimme wurde weich. Er kam noch näher und schlang einfach seine Arme um Harrys Hals. „Es tut mir Leid", nuschelte er gegen die empfindliche Haut. Überfordert schlang Harry seine Arme um Louis und drückte ihn an sich als hätte er Angst, dass er ihn nie wieder so umarmen konnte.

Sein Herz hämmerte gegen seine Brust und als er Louis' Atem gegen seinen Hals spürte, rollte doch die erste Träne über seine Wange. Louis' rechte Hand fuhr in Harrys Locken und Harry musste sich zusammenreißen nicht anzufangen zu schluchzen.

Scheiße.

Wem machte Harry hier eigentlich was vor?

Verdammt, er liebte Louis doch immer noch genauso bedingungslos wie vor einigen Monaten. Es hatte sich nichts geändert. Rein gar nichts.

Das konnte er Leo nicht länger antun.

_____

Leo schien zu spüren, dass Harry nicht ganz bei der Sache war.

Sonst waren sie an Dienstagen immer sehr das disgustingly cute couple gewesen, aber heute hatte er nur manchmal seinen Arm um Harry gelegt und ihn umarmt. Nichts was Harry irgendwie überfordert hätte und das zeigte ihm nur nochmal wie wundervoll Leo war und machte es noch schwerer das zu tun, was er tun musste.

Als Leo ihn nach Hause fuhr und auf Harrys Auffahrt hielt sah er Harry nur abwartend an.

„Leo...", begann Harry dann. „Wir sollten mal reden."

Und Leo nickte nur. Als wüsste er ganz genau was kommen würde.

„Lass uns dafür aussteigen, so können wir uns besser angucken", meinte er nur und Harry nickte, stieg aus und lief um das Auto herum zu Leo.

„Ich ähm..." Harry seufzte leise und verknotete seine Finger.

„Hey", flüsterte Leo leise, griff nach Harrys Händen und strich sanft über seine Handrücken. „Ich bin okay. Und ich werde okay sein."

Harry atmete tief durch. „Leo, es tut mir Leid", sagte er dann. „Ich kann nicht länger mit dir zusammen sein, das...das ist dir gegenüber nicht fair."

Und Leo lächelte nur traurig als hätte er gewusst, dass Harry das sagen würde und verschränkte seine Finger mit Harrys. Er nickte vorsichtig.

„Ich..." Harry schloss kurz seine Augen. „Ich bin einfach immer noch so stark in Louis verliebt, das...das funktioniert nicht. Ich dachte immer das würde mit der Zeit weggehen, ich war schließlich in dich verliebt und du warst so wundervoll und ich...ich weiß auch nicht. Ich dachte es könnte funktionieren, aber...im Endeffekt...es tut mir Leid. Wirklich. Aber ich kann Louis nicht mal ansatzweise vergessen." Er senkte den Blick und Leo zog ihn nur an sich.

Harry lehnte sich gegen seinen jetzt Ex-Freund und genoss wie er ihn im Arm hielt. In Leos Armen fühlte er sich sicher.

„Es ist okay", flüsterte Leo dann. „Um ehrlich zu sein...hab ich damit gerechnet." Er löste sich von Harry, um ihn besser ansehen zu können und legte seine Hände an seine Wangen. „Als ich das erste Mal gesehen habe wie du ihn ansiehst...wusste ich, dass wir keine Chance haben." Er verstummte kurz. „Ehrlich gesagt hast du es schon länger mit mir ausgehalten als gedacht." Ein trockenes Lachen drang aus seiner Kehle.

„Du..." Harry seufzte. „Es tut mir Leid, Leo. Ehrlich. Du bist ein wirklich toller Typ. Ich...ich wünschte ich könnte dich so lieben, wie du es verdient hast."

„Ich wünschte Louis könnte dich so lieben, wie du es verdient hast", meinte Leo und umarmte Harry nochmal. Harry biss sich auf die Unterlippe.

Dann sah Leo ihn nachdenklich an.

„Du könntest deinen Freunden ja sagen, dass ich mit dir Schluss gemacht habe", meinte er. „Dann...ich meine, vielleicht hat er Mitleid, oder so..."

Harry lächelte traurig. „Ja", hauchte er. „Aber ich sollte ihm vermutlich einfach die Wahrheit sagen."

„Vermutlich." Leo strich Harry eine Strähne aus der Stirn.

„Es tut mir echt so Leid", hauchte Harry nochmal und fiel Leo um den Hals.

„Schon okay", flüsterte dieser in Harrys Locken und zog ihn fest an sich. „Wie kann jemand schon mit neun Jahren Schritt halten?"

Harry löste sich ein Stück und sah Leo in die Augen. „Du musst verstehen...wenn nicht du...dann niemand. Weißt du? Du wärst perfekt. Du bist perfekt. Du bist der liebste, netteste, perfekteste Junge für mich und wenn du es nicht schaffst, dass ich Louis vergesse, dann schafft es niemand. Es tut mir wirklich Leid und du bist mir sehr wichtig, ich hoffe du weißt das."

Leo nickte mit Tränen in den Augen. „Ja, Harry. Ich weiß. Und ich hoffe du weißt, dass ich dir nur das Beste wünsche. Du kannst deinen Freunden alles erzählen was nötig ist. Dass ich Schluss gemacht habe oder dass ich irgendwas Schlimmes gemacht habe, weshalb du mit mir Schluss gemacht hast oder was auch immer du brauchst."

Harry schüttelte den Kopf. „Das würde ich nie."

„Ich weiß. Aber es wäre okay." Leo senkte kurz den Blick. „Ich will nur das Beste für dich."

„Und ich will das Beste für dich. Danke. Für alles." Harry sah ihn ernst an.

Leo lächelte. Dann nickte er. „Hab ich gern gemacht."

Wieder umarmten sich die Beiden.

Harry wollte Leo nicht gehen lassen. Aber er wusste es war das einzig Faire und Richtige was er tun konnte.

_____

„Harry? Was machst du hier? Es ist halb 1 und morgen ist Schule!" Zayn gähnte und kratzte sich am Kopf.

„Ich hab irgendwie ne Krise", flüsterte Harry und Zayn rieb sich die Augen.

„Gib mir fünf Minuten", meinte er, schloss das Fenster und verschwand im Haus.

Zwei Minuten später öffnete sich dann die Haustür, Zayn trat in Jogginghose und Shirt vor die Tür und sah Harry an.

„Also?"

„Kommst du mit zu mir?", fragte Harry. „Mum und Gems sind nicht da und...also...ich bin allein?"

„Ist das deine Krise?"

Harry schüttelte den Kopf.

„Okay, Moment ich schreib meiner Familie kurz einen Zettel."

Zayn verschwand wieder im Haus und kam kurz darauf wieder raus. Er brauchte nichts mitzunehmen, denn 1. wohnte er wortwörtlich um die Ecke und 2. hatte er eine Zahnbürste bei Harry. Sie hatten alle irgendwie bei jedem der Jungs Zahnbürsten, einfach weil sie so oft spontan beieinander pennten.

Schweigend (Zayn war müde, Harry in Gedanken) liefen die beiden dann zu Harrys Haus.

Harry schloss die Tür auf. „Willst du einen Kaffee?", fragte er Zayn, der gähnte, aber er winkte ab.

„Passt schon. Du hast mich nur aus dem Tiefschlaf gerissen, glaube ich."

„Sorry."

„Schon okay. Wofür sind Freunde denn sonst da?" Zayn grinste und Harry lächelte.

Die beiden begaben sich auf die Dachterrasse, wo Harrys Mum eine Art winzigen Garten angelegt hatte (sie hatten zwar einen richtigen Garten hinterm Haus, aber...das war Anne anscheinend egal) und Zayn griff sofort begeistert nach einem abgefallenen Ast und setzte sich auf einen provisorischen Stuhl aus Ziegelsteinen. Harry ließ sich neben ihn fallen und beobachtete wie Zayn sein Taschenmesser aus der Hosentasche holte (er hatte das Ding immer dabei, auch mitten in der Nacht in seiner Jogginghose) und begann den Stock zu schnitzen.

„So Harry. Dann hau mal raus", meinte er. „Was ist deine Krise?"

„Ähm." Harry schluckte. „Ich äh...ich hab mich von Leo getrennt."

„Oh." Zayn warf Harry einen vorsichtigen Seitenblick zu. „Wegen Louis?"

Harry sah auf. Kurz sagte er nichts. „Du weißt es auch?"

Zayn biss sich auf die Unterlippe und ließ seinen Blick zum Fußboden schweifen. „Ich sehe deine Blicke", meinte er dann schulterzuckend.

Harry seufzte nur.

„Ja", hauchte er dann. „Ja, wegen Louis."

„Sorry, Mann." Zayn hörte kurz auf an dem Stock rumzuhantieren. „Das tut mir Leid."

Harry lächelte traurig. „Schon okay. Du kannst ja nichts dafür. Aber irgendwie...ich fühl mich so...schlecht, weißt du?"

„Inwiefern?" Zayn runzelte die Stirn. „Ich meine, du hast gerade mit deinem Freund Schluss gemacht, da ist es normal, dass es einem nicht Bombe geht."

Harry seufzte. „Ich hatte..." Er rang nach Worten. „Also um ehrlich zu sein, vor Leo und so gab es eine kurze Zeit, da hab ich mich bei euch irgendwie nicht mehr so wohl gefühlt."

„Echt jetzt?" Zayn sah Harry ernst an.

Er nickte. „Ja. Ich weiß nicht genau warum, vielleicht war es, weil Louis mir weniger Aufmerksamkeit gegeben hat oder was auch immer, jedenfalls hab ich mich ein bisschen fehl am Platz gefühlt. Und irgendwie so...zwecklos."

„Zwecklos?"

„Ja. Also...so...dass es auch keinen Unterschied gemacht hätte wenn ich nicht da wäre. Bei euch, meine ich."

Zayn runzelte die Stirn. „Also Harry, erstmal unterschätzt du glaub ich, wie wichtig du uns bist. Wir sind fünf. Und wir bleiben auch immer fünf. Harry, ihr vier seid die wichtigsten Personen in meinem Leben. Und ich liebe meine Familie und meine Freundin wirklich sehr, nur um das mal in Kontrast zu stellen. Es würde einen großen Unterschied machen wenn du nicht da wärst."

„Danke Zayn." Harry lächelte. „Aber das ist ja inzwischen auch nicht mehr so. Also so denke ich nicht mehr, ich fühl mich wieder genauso wohl wie immer wenn ich mit euch unterwegs bin. Nur...gleichzeitig wusste ich irgendwie einfach nicht wer ich bin. Und das weiß ich auch immer noch nicht. Ich meine ohne Louis oder ohne Leo oder...ach Mann. Es fühlt sich einfach manchmal an als hätte ich keine Persönlichkeit."

Zayn biss sich nachdenklich auf die Unterlippe. Dann legte er den Stock und das Messer weg und drehte sich komplett zu Harry, sodass sie sich gegenüber saßen.

„Harry. Das ist normal, dass man auf der Suche nach sich selbst ist. Aber natürlich hast du Persönlichkeit. Du bist ein Junge, dem so viel an seinen Freunden liegt, dass er fast nicht weiß wohin mit so viel Liebe. Du bist vielleicht etwas leiser als andere, aber dafür schreibst du unglaublich schöne Gedichte, von denen wir alle übrigens mal mehr hören wollen. Du liebst Achterbahnen, hasst Oberflächlichkeit und liebst es jedes Jahr an unseren Geburtstagen neue Kuchen zu backen. Du glaubst an das Gute im Menschen, gehst mit Kindern um wie alle wünschten sie könnten es, bist manchmal unsicher, aber dafür hast du andererseits in manchen Situationen dann wieder so viel Selbstbewusstsein, dass man nur neidisch sein kann. Kurz gesagt: Harry, von dir könnten sich einige mal eine Scheibe abschneiden. Und du hast Persönlichkeit. Sogar eine sehr starke Persönlichkeit. Weißt du eigentlich wie sehr ich es bewundere wie egal es dir manchmal ist was andere von dir denken?"

Harry runzelte die Stirn und setzte an etwas zu sagen.

„Ja, Harry ich weiß, unsere Meinungen sind dir extrem wichtig. Aber eben nur unsere. Nur die Meinungen der Menschen, die dir wichtig sind, sind dir auch wichtig. Es könnte dich nicht weniger interessieren, was irgendeine Clarissa in unserer Stufe denkt. Also wage es ja nicht dich selbst runterzumachen, Harry Styles!"

Harry sah Zayn nur an. Dann begann er zu lächeln. „Danke, Zayn", flüsterte er.

Zayn lächelte nur. Dann veränderte sich etwas in seinem Gesicht.

„Du hast eine Idee", stellte Harry fest.

„Na ja." Zayn grinste. „Wenn du trotzdem mal einen Tapetenwechsel brauchst...so...nach der Trennung und alles..."

„Ja?" Harry musste selber grinsen.

„Ich könnte dir die Haare schneiden."

_____

„Warum wart ihr nicht in der Schule?", rief eine Stimme und Zayn und Harry sahen auf. Sie saßen auf Harrys Auffahrt und malten mit Straßenkreide, die sie im Keller gefunden hatten Kunstwerke auf den Boden (also Zayn malte Kunstwerke. Harry malte niedliche kleine Enten).

Liam, Niall und Louis kamen auf sie zu, zu Fuß, weil sie den Luxus von Zayns Auto nunmal nicht hatten wenn Zayn nicht da war.

„Harry ging es nicht gut und weil seine Schwester wieder bei sich zu Hause und seine Mum in Kur ist hab ich mich um ihn gekümmert", log Zayn (eigentlich war das auch nur halb gelogen) und warf Harry einen Blick zu. Der lächelte nur dankbar und zog sich die Kapuze tiefer ins Gesicht.

„Oh", meinte Louis. „Das ist blöd. Brauchst du irgendwas? Suppe, eine Decke? Jemanden, der dich umarmt?"

Harry musste lächeln. Das war sein Louis, wie er ihn kannte. „Nein danke, Zayn ist ja da", winkte er dann aber ab und Louis nickte nur.

„Okay. Ich muss dann mal babysitten gehen. Wenn du Lust hast die Zwillinge zu sehen und nicht ansteckend bist kannst du natürlich rüberkommen." Er lächelte nochmal und verschwand dann in seinem Haus.

„Ich geh dann auch mal nach Hause, ich Treff mich gleich noch mit Maya." Liam lächelte. „Bis dann."

Nur Niall stand jetzt noch auf der Auffahrt. Dann kam er langsam zu den anderen, setzte sich zu ihnen auf den Boden und sah Harry prüfend an.

„Du hast mit ihm Schluss gemacht, oder?"

Harry seufzte und nickte nur.

„Wegen Louis?"

Wieso war Harry eigentlich so einfach zu lesen?

Wieder nickte er.

„Sorry."

„Schon okay." Harry sah auf. „Zayn hat mir dafür ne Typveränderung gegeben." Grinsend zog er seine Kapuze ab und sah wie Nialls Augen groß wurden.

„Harry! Meine Fresse, das sieht ja richtig gut aus!"

„Ja, oder? Es ist echt ungewohnt, aber Zayn hat krass Talent." Harry lächelte. Es war anders, aber er mochte es.

Zayn grinste nur und malte weiter.

_____

„Ähm, ich weiß, du meintest Zayn ist ja da und so, aber ich hab dir trotzdem eine Tütensup-" Louis stockte mitten im Satz und starrte auf Harrys Haare.

„Was? Ist mit deinen Locken passiert?" Fassungslos blinzelte er und Harry musste leicht grinsen.

„Zayn", sagte er nur.

„Ich bring den Wichser um", flüsterte Louis und Harry runzelte die Stirn.

„Wie bitte?"

„Ääh nichts. Ähm. Ich hab dir Suppe gemacht", meinte Louis, immer noch auf Harrys kurze Haare starrend und streckte die Hände mit dem kleinen Topf aus.

„Danke." Harry lächelte, nahm den Topf an und brachte ihn in die Küche. Das war süß von Louis.

Als er merkte, dass Louis ihm nicht gefolgt war ging er zurück zur Tür. Louis saß auf den Stufen vorm Haus und schien sehr in Gedanken versunken zu sein. Harry griff nach dem Schlüssel, zog die Tür zu und setzte sich neben ihn.

„Hey." Er sah zu Louis rüber, der seine Stirn in seine Hände gestützt hatte.

„Hey." Louis sah auf und lächelte Harry an.

„Alles okay bei dir?", fragte Harry besorgt und Louis nickte nur.

„Das sollte ich eigentlich eher dich fragen." Er runzelte die Stirn. „Du siehst gar nicht krank aus. Und Zayn ist doch auch nicht mehr da, oder?"

Harry schüttelte den Kopf.

„Hm."

„Ähm...mir ging es nicht so gut...wegen...anderer Dinge." Die gar nicht so wenig mit dir zu tun haben. „Leo und ich äh...haben uns getrennt."

„Was echt?" Geschockt sah Louis zu Harry und Harry nickte.

„Was also...warum? Ihr wart doch glücklich."

Harry rang nach Worten.

„Soll ich nochmal mit ihm sprechen?", fragte Louis. „Ich bin ganz gut mit ihm befreundet, ich kann bestimmt-"

„Nein, Louis, das ist nicht nötig."

„Aber ich könnte wirklich-"

„Das ist echt süß, aber...das brauchst du nicht." Harry seufzte. „Manchmal ist die Person, die du willst einfach...unerreichbar..."

„Ja, ich weiß, was du meinst." Louis nickte und sah auf die Straße vor ihnen.

„Tust du das wirklich?", flüsterte Harry in Gedanken versunken und blickte Louis von der Seite aus an. Denn irgendetwas sagte ihm Louis wusste nicht wovon er sprach.

„Was?" Louis sah wieder hoch zu Harry und runzelte die Stirn.

„Oh äh...nichts", winkte Harry ab und lenkte seinen Blick wieder auf die Straße. Love is love hatte Zayn zwischen seinen Zeichnungen auf die Straße geschrieben. Harry musste lächeln.

„Harry, hast du gerade-"

„Nichts! Ich hab nichts gesagt!", unterbrach Harry Louis und fuhr sich durch die kurzen Haare.

„Was meintest du damit?" Louis Stimme wurde sanft und er blickte Harry mit einem sehr...prüfenden Blick an.

Harry seufzte. „Nichts, Lou. Ich...vergiss es bitte einfach, okay?"

„Okay", sagte Louis, aber er wirkte besorgt. „Aber du kannst mir alles sagen. Das weißt du, oder?"

Und dieser Satz, dieser beschissene Satz, den er schon viel zu oft gehört hatte brachte dann das Fass in Harry zum Überlaufen.

„Nein!", rief er. „Nein, Louis, kann ich nicht. Ich kann dir nicht alles sagen. Es gibt Dinge, die kann ich dir einfach nicht sagen!" Er stand auf und sprang die Stufen runter.

„Harry!", rief Louis, aber Harry drehte sich nicht um, er starrte einfach nur starr nach vorne. Seine Schultern sanken ein Stück und er beobachtete ein Auto das vorbeifuhr.

„Hey." Louis stand auf und ging ebenfalls die Stufen runter. „Haz." Er legte eine Hand auf Harrys Schulter und Harry konnte sich nicht mehr beherrschen. Dieser Spitzname machte ihn wahnsinnig.

Er fuhr herum, zog Louis an sich und küsste ihn heftig.

Louis hatte keine Ahnung was gerade passierte. Aber seine Lippen erwiderten den Kuss sofort. Er legte seine Arme in Harrys Nacken und für ein paar Sekunden verschmolzen die beiden.

Bis Harry sich von Louis löste, als hätte er sich verbrannt und ihn geschockt ansah.

„Scheiße, was hab ich getan?", wisperte er, drehte sich um und rannte weg.

Und Louis konnte ihm nur hinterher starren, sanft seine Lippen berühren und sich fragen was um Himmels Willen gerade passiert war.

Und wieso es sich so verdammt richtig angefühlt hatte.

_____

„Niall, ich hab echt Mist gebaut!", rief Harry noch bevor die Tür komplett auf war und Niall sah ihn nur überrascht an.

„Ähm. Okay?"

„Nein, ernsthaft, Niall. Ganz großen Mist."

„Willst du reinkommen?"

Harry schob sich an Niall vorbei und dieser folgte ihm in sein Zimmer.

„Ich hab Louis geküsst", verkündete Harry und drehte sich auf wippenden Füßen zu Niall um.

„Du hast...was? Okay Wow. Damit hab ich jetzt nicht gerechnet." Niall ließ sich auf sein Bett sinken und sah Harry mit gekräuselten Lippen an.

„Ich hab alles kaputt gemacht. Fuck. Fuck." Harry seufzte, ließ sich neben Niall fallen und vergrub sein Gesicht in seinen Händen. „Ich wollte das nicht, aber dann war er da mit dieser bekackten Suppe und er hat diese Dinge gesagt und scheiße, wenn er mich Haz nennt schmelze ich doch sowieso jedes Mal und...hilfe!" Harry ließ sich nach hinten fallen und hab ein verzweifeltes Geräusch von sich.

„Ähm. Okay." Niall seufzte. „Schadenskontrolle: Hat er dich weggeschubst?"

„Nein."

„Hat er dich komisch angesehen? Also nicht verwirrt sondern irgendwie...anders komisch?"

„Nein."

„Hat er...was gesagt?"

„Nein, ich bin sofort weggerannt."

Niall seufzte.

„Niall?"

„Hm?"

„Er hat..." Harry schluckte. „Er hat den Kuss erwidert."

Niall starrte ihn nur an. „Wieso hast du das denn nicht gleich gesagt?" Er strahlte und griff nach Harrys Händen, um ihn zurück ins Sitzen zu ziehen.

„Weil das bestimmt nur ein Reflex war. Wieso sollte Louis mich denn küssen? Er ist glücklich mit Eleanor zusammen. Oh Scheiße. Eleanor. Ich hab einfach ihren Freund geküsst." Harry vergrub sein Gesicht wieder in seinen Händen. „Ich muss mit ihr reden."

„Erstmal musst du dich beruhigen." Niall griff nach Harrys Händen, zog sie sanft von seinem Gesicht und hielt sie fest. „Willst du zum Essen bleiben? Meine Mum hat Lasagne gemacht."

Harry sah ihn an und nickte nur. Seine Unterlippe zitterte.

„Oh, Harry. Komm her." Niall breitete seine Arme aus und Harry warf sich leise schluchzend in die Umarmung.

„Wieso muss alles denn immer so kompliziert sein?", fragte er und Niall strich nur über seinen Rücken und zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht, Hazza. Ich weiß es nicht."

„Ich weiß, dass ich mit Louis darüber reden muss, aber ich will nicht." Er seufzte und strich sich ein paar Tränen weg. Sein Gefühlsausbruch war vorbei. „Ich hab einfach Angst. Ich will nicht, dass sich was ändert."

„Das ist Bullshit, Harry. Du willst, dass sich was ändert. Du willst mit ihm zusammen sein. Und jetzt hast du, wie es aussieht eine Chance, also tu jetzt mal nicht so als wäre alles schlecht."

Harry sah ihn nur an und kaute auf seiner Unterlippe.

„Aber ich hab ihn geküsst, Niall", flüsterte Harry.

Niall verdrehte nur die Augen. „Ja. Das sagtest du bereits."

Harry seufzte. „Das heißt ich hab keine Chance jemals über ihn hinwegzukommen. Jetzt wo ich weiß wie...meine Fresse, das war der beste Kuss in meinem Leben."

Niall musterte Harry nur.

„Scheiße, Niall, ich liebe ihn wirklich so sehr."

Niall seufzte. „Du musst mit ihm reden, Harry."

Harry sah Niall ein paar Sekunden lang an und nickte dann langsam. „Ja, du...du hast Recht. Ich muss mit ihm reden."

_____

Harry redete nicht mit Louis. Zumindest die nächsten zwei Tage nicht. Er versank in Selbstmitleid und aß Eis während er Alexa und Katie anguckte.

Aber dann kam Zayn vorbei und redete ihm ein bisschen Verstand ein, sodass Harry duschte, sich anzog und auf den Weg zu Starbucks machte.

Die Schlange war nicht besonders lang und Harry war schnell dran.

„Oh ähm. Harry?" Eleanor sah ihn verwirrt an und rückte ihre Kappe zurecht.

„Kann ich mal mit dir reden?", fragte er nervös und Eleanor atmete kurz durch und nickte dann. „Ich wollte eh gerade Pause machen." Sie lächelte und sagte irgendwem Bescheid. Kurz darauf standen sie draußen vorm Laden und Eleanor lehnte sich gegen die Hauswand.

„Ich ähm...ich wollte mich entschuldigen", sagte er dann. „Ich bin von Anfang an nicht sehr nett zu dir gewesen und...und das hat einen einfachen Grund. Ich äh...ich bin in Louis verliebt. Schon seit Ewigkeiten. Deshalb warst du in meinen Augen halt irgendwie der Feind. Und jetzt ähm...jetzt hab ich noch was gemacht, aber da darfst du ihm auf keinen Fall die Schuld für geben, das ist ganz allein von mir-"

„Harry", unterbrach Eleanor ihn. „Ich weiß, dass Louis und du euch geküsst habt."

Harry runzelte die Stirn. „Was?"

„Und ich finde es wirklich lieb von dir, dass du dich entschuldigst und alles, aber äh...ich bin eh nicht länger der Feind. Louis und ich sind nicht mehr zusammen."

Harry sah sie einfach nur stumm an.

„Wir waren eh nie so...krass ineinander verliebt. Es war echt schön so, aber...wir waren eher befreundet. Also...das Physische war nur ein netter Bonus. Es war halt irgendwie unkompliziert. Jetzt ist es vorbei und das ist okay. Bisschen schade so, aber...mir geht's echt gut. Ich hab kein gebrochenes Herz oder so."

Harry blinzelte. Irgendwie wurde ihm noch nicht so richtig bewusst, was Eleanor da von sich gab.

„Du...ihr...ihr seid nicht mehr zusammen?"

Eleanor lachte leise. „Nein. Sind wir nicht. Vielleicht bleiben wir ja irgendwie Freunde oder so, aber...keine Beziehung mehr."

„Ich..."

Sie rollte grinsend mit den Augen. „Mann, Harry! Jetzt schnapp ihn dir, bevor er auf die Idee kommt noch irgendeinen sechste Klasse Crush anzuschreiben."

Harry runzelte die Stirn. Und dann lächelte er leicht. „Du bist echt cool."

„Ich weiß." Eleanor zuckte mit einer Schulter und grinste.

____

Können wir reden? Bitte? Ich sitze vor deiner Haustür, mach mal auf.

Harry runzelte die Stirn. Er war noch nicht wieder zu Hause, er konnte die Tür jetzt nicht aufmachen.

Ich bin gleich da, warte.

Harry wollte gerade auf senden klicken, da klingelte sein Handy. Er erschrak zu Tode und atmete tief durch.

„Mein Gott, Niall erschreck mich doch nicht so!"

„Was? Ich hab lediglich angerufen", meinte Niall fast schon beleidigt und Harry seufzte.

„Ja, egal, ähm was gibt's?"

„Es geht um Louis."

„O-okay?"

„Ich hab gerade mit Liam gesprochen und eigentlich hat er mir zwar das Versprechen abgenommen es dir nicht zu sagen, aber ich muss es dir jetzt einfach sagen."

Harry atmete tief ein. „Schieß los." Eigentlich war Harry dagegen Geheimnisse zu hören, die er nicht hören sollte (er konnte das einfach nicht mit seinem Gewissen ausmachen), aber hier ging es um Louis.

„Also. Louis hat vor etwa einem halben Jahr an seiner Sexualität gezweifelt. Deinetwegen."

„Was?", rief Harry völlig entgeistert und nahm das Handy kurz vom Ohr, um es anzustarren.

„Ja! Ja, irgendwie...fand er dich heiß oder so, keine Ahnung. Und er hat da mit Liam drüber gesprochen, weil...naja normalerweise bist du derjenige mit dem er über sowas redet, aber das konnte er ja schlecht mit dir besprechen und Liam ist nunmal sein Zweitansprechpartner in Krisen, deshalb hat er mit ihm geredet."

Harrys Mund stand offen.

„Und Liam wollte natürlich erstmal nur, dass nichts awkward wird und außerdem wollte er nicht, dass deine Gefühle verletzt werden, falls Louis wirklich nur verwirrt und doch straight ist - weil seien wir mal ehrlich, Harry, jeder wusste, dass du in Louis verliebt bist. Es ist echt ein Wunder, dass er es nicht weiß - jedenfalls meinte Liam dann Louis solle es testen. Weißt du?"

„Äh." Einerseits war es unglaublich spannend was Niall erzählte, aber Harry war fast bei sich zu Hause angekommen und sah Louis nur mit hängendem Kopf auf den Stufen sitzen.

Harry seufzte. „Niall, ich muss jetzt mit Louis reden, ich ruf dich zurück." Und damit legte er auf.

„Lou!"

Louis sah auf und als er Harry sah begann er vorsichtig zu lächeln.

Harry winkte und joggte die letzten Meter auf ihn zu.

„Hey", meinte er und Louis musterte ihn von Kopf bis Fuß, bevor er auch „Hey" sagte.

Harry setzte sich neben ihn auf die Stufen. „Ich ähm..", begann er, wusste aber nicht so richtig wie er anfangen sollte.

„Ich glaube, ich bin der eine Erklärung schuldig", rief Louis dann und bis sich auf die Unterlippe während er Harry ansah.

„Du mir?", fragte dieser verwirrt und runzelte die Stirn.

Louis nickte. „Ja."

Harry wollte widersprechen, aber da fing Louis einfach an.

„Ich hab vor etwa einem halben Jahr oder so...ein bisschen an meiner Sexualität gezweifelt. Also...ich stand irgendwie auf dich und...keine Ahnung, ich war verwirrt. Also hab ich mir Liam darüber geredet und er meinte ich soll es einfach ausprobieren. Also irgendein Mädchen anschreiben und gucken was passiert, einfach nur um sicher zu sein oder was auch immer. Und ich hatte irgendwann in der sechsten Klasse mal diesen Crush auf Eleanor, wir hatten mit ihrer Schule zusammen Schwimmunterricht. Also hab ich sie angeschrieben und irgendwie...ich weiß auch nicht es war so einfach. Eleanor war echt cool und dann...ich hab mich auf sie konzentriert und ich war echt glücklich, ich dachte ich wäre in sie verliebt. Ich dachte hm ich bin ja doch straight. Und als du dann auch noch mit Leo ankamst dachte ich nur Ja perfekt, jetzt sind wir alle glücklich. Ich hab nicht länger drüber nachgedacht. Mit Eleanor war es echt nett. Unkompliziert. Aber um ehrlich zu sein vermutlich war es so unkompliziert, weil wir halt irgendwie die ganze Zeit nur Freunde waren. Die sich küssen." Louis runzelte die Stirn bei seinen eigenen Worten. Harry sah ihn einfach nur an.

„Naja, aber irgendwann letztens als du bei deinem Dienstagsding warst und Niall bei irgendeinem Mädchen glaub ich, haben Liam Zayn und ich uns auf Liams Dach betrunken. Und da hab ich die ganze Zeit gesagt wie gut du doch aussiehst und wie gut dir kurze Haare stehen würden. Deshalb hab ich so auf deinen Haarschnitt reagiert. Zayn hat das safe mit Absicht gemacht. Jedenfalls war ich da schon wieder ein bisschen verwirrt und dann...als du mich geküsst hast..."

Harry schluckte.

„Harry, ich bin nicht mal ansatzweise in Eleanor verliebt gewesen. Sie zu küssen war nett, aber dich zu küssen war...eine vollkommen andere Liga. So müssen Küsse sich anfühlen, deshalb küssen Menschen sich so gerne. Ich..." Er zuckte mit den Schultern. „Ich bin gerade der verwirrteste 17jährige Junge auf diesem Planeten, aber...aber ich weiß, dass ich in dich verliebt bin und es nicht gemerkt habe."

Harrys Mund stand auf. „Lou", flüsterte er und Louis lächelte nur schüchtern.

„Ich bin seit neun Jahren in dich verliebt", hauchte Harry dann ohne zu realisieren, was er da sagte.

Louis Augenbrauen wanderten nach oben. „Was?", hauchte er genauso tonlos.

Harry nickte nur. „Weißt du noch als ich mich bei euch geoutet habe?"

„In der vierten Klasse? Ja, klar."

„Ich wusste es schon zwei Jahre davor."

„Dass du schwul bist?"

Harry nickte. „Ja. Weil ich...weil ich Gefühle für dich hatte. Schon in der zweiten Klasse."

„Scheiße, Harry, das tut mir so Leid."

Ohne es zu merken waren die Beiden sich immer näher gekommen, Louis' Hand lag auf Harrys Oberschenkel.

„Schon okay. Ich war glücklich. Solange du Single warst. Und an meiner Seite."

Louis atmete aus, nur noch Zentimeter von Harrys Gesicht entfernt.

„Probieren wir es aus?"

Harry nickte vorsichtig. „Ich hab nur Angst dich zu verlieren falls es nicht funktioniert."

„Keine Chance", flüsterte Louis. „Mich wirst du nie los."

Und damit drückte er sanft seine Lippen auf die von Harry.

Und Harry war so glücklich wie noch nie in seinem Leben.

_____

„Ein Toast!", rief Liam und stand auf, sein Weinglas (das klingt zu fancy, eigentlich war es ein altes Marmeladenglas, ausgewaschen und jetzt mit Weißwein gefüllt) hebend.

„Ja", rief Maya sofort, hob ihr Glas auch an und grinste zu ihrem Freund.

Liam räusperte sich. „Darauf, dass Larry es nach siebzehn Jahren flirten auch mal geschafft hat..." Die anderen jubelten, Harry grinste zu seinem Freund (es fühlte sich immer noch surreal an das überhaupt zu denken) und drückte ihm einen Kuss auf die Wange. „...auf Niall, der tatsächlich mal Gefühle entwickelt hat und das ‚niedliche Mädchen dahinten' von der Bowlingbahn endlich auf ein Date eingeladen hat" Wieder gaben alle ein zustimmendes Jubeln von sich. „...auf Eleanor, die wir heute endlich als Mitglied dieser Clique annehmen und zwar nicht als Louis' Freundin, sondern als Freundin..."

„Yes!", rief Harry laut. Eleanor grinste.

„...und zu guter Letzt auf Zayn, weil er einfach schön ist und wir ihn alle jeden Tag angucken dürfen. Prost!" Liam hob sein Glas höher, alle taten es ihm gleich, Gigi rief „Amen!", manche stießen noch an und dann tranken sie.

Auf das Leben und die Liebe.

Und auf ihre Freundschaft. Denn nichts würde je stärker sein als ihre Freundschaft.



_____
okay uff. ursprünglich war dieser one shot von einem bild inspiriert (das ich mal wieder auf instagram gefunden habe), allerdings bin ich mit der zeit so von der eigentlichen idee abgewichen, dass ich dazu noch einen anderen one shot schreiben werde.

der one shot ist mal wieder ziemlich lang geworden. (zwar keine 25.000 wörter, aber immerhin 18.000) keine ahnung warum das immer mal wieder passiert, aber ich kann da nichts für. die werden dann einfach so lang (das heißt aber auch, dass ich nicht noch mal probegelesen habe...tippfehler oder so tun mir leid, aber...keine motivation haha).

und don't be too harsh on me in bezug auf den poetry slam haha, ich schreibe sowas zwar öfter, aber ich hab es noch nie irgendwo jemandem gezeigt oder veröffentlicht (und außerdem wirkt sowas natürlich vorgetragen immer besser).

also dann...ja...ich hoffe es hat euch gefallen :)

ich hab seit einer woche ferien und hoffe euch geht es auch gut.

💕

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