know me too well | ziam
Zayns p.o.v.
Seufzend ließ ich mich auf den Barhocker fallen und stützte meinen Kopf in meine Hände. Was für ein scheiß Tag.
„Na, Zayn? Schlechten Tag gehabt?", fragte mich Bruce, der Barkeeper, der wie immer das typischste Bild abgab, mit dem einen Handtuch über der Schulter und mit dem anderen Handtuch in der Hand, dabei Gläser abzutrocknen.
Ich nickte nur. Dieses Wochenende hatte ich viel zu tun gehabt, aber trotzdem hatte mich das nicht von einer ganz bestimmten Person abgelenkt.
Ich hatte immerhin aufgehört mich selbst anzulügen und mit meiner Freundin Schluss gemacht. Dass das auch die Medien bald erfahren würden war mir durchaus bewusst und vermutlich würde ich dann wieder dastehen wie das größte Arschloch, genau wie damals bei Perrie.
Das war auch wirklich nicht okay gewesen. Ich hatte sie mit einer Textnachricht abserviert. Obwohl wir verlobt gewesen waren.
Weil ich plötzlich realisiert hatte, dass ich in meinen besten Freund verliebt war. Und der hatte an dem Tag auch noch einen kleinen Autounfall gehabt und ich war komplett überfordert mit meinen Gefühlen und der Situation gewesen, dass ich so schnell wie möglich alles hatte klären wollen. Im Endeffekt tat es mir Leid. Ich meine, Perrie hatte mir wirklich etwas bedeutet. Aber sie war zum Glück ja gut darüber hinweggekommen.
„Whiskey oder Tequila?", fragte Bruce und stellte das Glas weg.
„Whiskey, danke. Du kennst mich." Ich lächelte schwach, aber es kam nicht bei meinen Augen an.
Bruce legte mir nur freundschaftlich eine Hand auf die Schulter. „Hey, es wird besser...das versprech ich dir."
Ich seufzte nur. Irgendwie konnte ich mir das nicht vorstellen.
Während Bruce die richtige Flasche für mein Getränk suchte, legte ich meinen Kopf verzweifelt auf die Theke. Sein Gesicht schwebte immer noch vor meinem inneren Auge. Und ich bekam es einfach nicht weg.
Ich sah wieder hoch und blickte mich in der Bar um. Es war fast niemand hier, aber das war um diese Uhrzeit wohl normal. Lediglich ein alter Mann saß an dem Spielautomaten hinter der Tür und ein Pärchen auf einer der Sitzbänke, eng beieinander. Ich sah schnell wieder weg.
Der Fernseher lief nicht, dafür hatte Bruce Radio eingeschaltet, das im Hintergrund lief. Und als ich hörte, was genau lief, zuckte ich zusammen.
„You know I love it when the music stops, so come and strip that down for me, yeah yeah yeah yeah."
Zum Glück war das das Ende des Liedes gewesen. Mehr hätte ich vermutlich nicht ausgehalten.
„Hier, mein Lieber." Bruce stellte mein Getränk vor mich und lächelte mich fürsorglich an. „Wenn du reden willst, du weißt, ich bin da, ja?"
Ich nickte und lächelte dankbar.
Im Radio spielte jetzt das nächste Lied.
„I spend my weekends tryna get you off
My mind again, but I can't make it stop
I'm tryna pretend I'm good, but you can tell (Good but you can tell)"
Oh Mann. Wie Recht dieser Text doch hatte. Jedes Wochenende war es das Gleiche mit mir. Wenn ich arbeitete war es noch okay, an ihn zu denken. Da konnte ich das Ganze wenigstens wortwörtlich verarbeiten. Aber wenn ich nicht arbeitete...
„You're right, I shoulda text you goodnight
I shoulda given more time
I wish I had've known this before
Now I'm replaying our goodbye
But it wasn't a goodbye
And I still hear you slamming the door"
Oh Mann, Scheiße. Es war fast genau so passiert. Und schon hatte ich die Szene vor Augen, als wäre es gestern gewesen.
*
„Nein, Zayn ernsthaft. Du bist doch gar nicht an mir interessiert. Ich habe das Gefühl, du siehst mich noch nicht mal an. Weißt du, andere Paare kümmern sich umeinander. Guck dir Louis und Harry an. Die beiden sind noch nicht mal zusammen, sondern nur Freunde, trotzdem schicken sie sich jeden Abend Gute-Nacht-Nachrichten. Und du? Du hast nicht mal Zeit für mich. Und das nicht, weil du so viel zu tun hast, sondern weil du dich lieber zu Hause verkriechst und dich selbst bemitleidest und ich WEISS NOCH NICHT MAL WARUM. Du lässt mich ja nicht an deinen Problemen teilhaben. Weißt du, wir sollten ein Team sein. Du und ich. Sodass wir zusammen mit Problemen umgehen, sie lösen können. Aber du...du sperrst dich einfach weg und beachtest mich nicht. Das tut mir weh." Liam sah mich verzweifelt an und raufte sich durch die Haare. „Das tut mir wirklich weh." Er ließ sich auf die Couch mir gegenüber fallen.
„Zayn? Willst du vielleicht mal was sagen?", fragte er nach einer kurzen Pause.
Ich sah ihn an und biss mir auf die Lippe. Gott, er war so schön. Und er wusste ja gar nicht wie sehr ich ihn liebte.
Es tat mir Leid, dass ich ihn immer aussperrte. Das wollte ich ja gar nicht. Aber ich hatte Angst ihm meine Schwächen zu zeigen. Er kannte sie zwar alle, aber trotzdem wusste ich nicht, wie ich sie ihm aktiv zeigen konnte. Mein Stolz war einfach zu groß.
Liam seufzte. „Zayn, ich...ich liebe dich wirklich, aber...ich weiß nicht, wie lange ich das noch aushalte."
Ich zuckte mit den Schultern. „Ich...mir...ja..." Ich wusste nicht was ich sagen sollte. Ich konnte mich nicht gut ausdrücken, außer durch Musik, aber ich konnte hier ja schlecht einen Song für ihn improvisieren. Ich wollte mich verändern. Für ihn. Aber wie?
„Zayn? Was...du musst mit mir reden, bitte!"
Ich musste irgendwas sagen, irgendwas...
„Also, ich finde unsere Beziehung läuft gut." Irgendwas, außer das. Oh Gott, hatte ich das gerade wirklich gesagt? Anscheinend schon, denn Liam zog seine Augenbrauen hoch und schnaubte.
„Wow, okay. Dann kannst du diese so super laufende Beziehung jetzt mit dir selber führen. Ich bin raus!" Mit diesen Worten sprang er auf, sah mich verletzt an und ich konnte die Tränen in seinen Augen erkennen. Er rannte fast zur Tür, riss sie auf und war verschwunden.
Alles was blieb war das Geräusch der zugeknallten Tür. Immer und immer wieder.
Und dann realisierte ich, was gerade passiert war.
Ich hatte Liam verloren. Die Liebe meines Lebens.
*
„Try to hit you up, but you've had enough
You're screaming down the phone, ''You don't know what you lost'' (You don't know what you lost)
I said, "I'm fine," I didn't care that much
But I realise when you hang up, I messed this up"
Ich keuchte leise und trank einen Schluck von meinem Whiskey, aber auch der konnte die nächste Erinnerung nicht stoppen.
*
Mein Finger schwebte über dem Anruf Knopf. Sollte ich? Oder sollte ich nicht?
Ich vermisste Liam so sehr. Ich war niemand ohne ihn. Oder zumindest nicht ich. Seit er mich verlassen hatte tat mir alles weh und das war jetzt schon über zwei Monate her.
Bevor ich es mir besser überlegen konnte hatte mein Finger schon entschieden auf Anrufen zu klicken und ich zuckte erschrocken zusammen. Es tutete.
Nach etwa unendlichem Warten, war ich kurz davor schon aufzulegen, doch dann ertönte Liams Stimme.
„Was willst du?"
„Ich...keine Ahnung." Dich. Dich! Mann Zayn, was soll denn die Scheiße?
„Zayn, wieso rufst du mich an? Und dann auch noch so spät abends?"
„Ähm. Keine Ahnung. Du...wie geht's dir?", versuchte ich irgendwie eine Unterhaltung anzufangen.
„Sag mal, du weißt echt nicht, was mein Problem ist, oder?" Liam klang langsam sauer.
„Also...mir geht's gut", meinte ich nur.
Ich wusste nicht wieso ich das gesagt hatte. Ich hatte absolut nicht den leisesten Schimmer, warum ich gerade sagte was ich sagte. Aus meinem Mund kam nur Müll.
„Nein, Zayn." Ich hörte Liam seufzen. „Nein, tut es nicht, ich kenne dich. Du weißt echt nicht, was du in mir verloren hast. Es wird dich nie wieder jemand so sehr lieben, wie ich. Aber du siehst es nicht. Du bist so ein Idiot, Malik!"
Und dann legte er auf. Ich ließ das Handy neben mich auf die Couch fallen und bedeckte mein Gesicht mit meinen Händen. Scheiße.
Scheiße. Liam war doch alles für mich. Und ich hatte alles vermasselt und es nur noch schlimmer gemacht.
Stumm begann ich zu weinen.
*
„I spend my weekends tryna get you off
My mind again, but I can't make it stop
I'm tryna pretend I'm good, but you can tell (Uh)
'Cause you know me too, you know me too well
You know me too well
Ah-ah-ah-ah"
Fuck, dieser Song wusste Bescheid. Zu 100 %.
Die nächste Strophe war auf Spanisch, ich verstand kein Wort, aber ich legte verzweifelt meinen Kopf wieder auf die Theke. Dieser Song hatte das, was ich vergeblich versuchte zu verdrängen noch viel präsenter gemacht. Scheiße.
*
„Zayn?"
„Ja, Louis. Was gibt's?" Ich lag auf meinem Bett und badete in Selbstmitleid. Ich vermisste Liam. So sehr. Ich dachte jede Sekunde an ihn.
„Du äh..." Er seufzte. „Kommst du zu meinem Geburtstag? Es würde mir viel bedeuten und...ich weiß, dass Liam auch da sein wird und das nicht leicht für dich ist, aber...bitte? Ich hab dich ewig nicht mehr gesehen."
Ich überlegte. Aber es dauerte nicht lange, da hatte mein Herz sich schon entschieden. Seit ich aus der Band ausgestiegen war hatte ich abgesehen von Liam, mit dem ich schließlich zusammen gewesen war, keinen der Jungs für länger als eine Minute gesehen. Und ich vermisste sie.
Also stand ich eine Woche später vor Louis' Tür und klingelte. Sofort wurde die Tür aufgerissen und Niall stand mir gegenüber.
„Hey, Zayn." Er zog mich in eine Umarmung. „Schön, dich endlich mal wieder zu sehen." Ich nickte nur und umarmte ihn zurück. Natürlich freute ich mich ihn zu sehen, aber das Herz schlug mir bis zum Hals. Liam war hier. Ich hatte so Angst.
„Hey." Ich zwang mich dazu Niall anzulächeln und ließ mich dann von ihm durchs Haus führen.
„So, zu den Gastgebern gehts hier entlang", meinte er und ich runzelte die Stirn.
„Gastgebern?" Doch bevor Niall mit antworten konnte sah ich schon was er meinte. Leicht überrascht sah ich wie im Wohnzimmer zwischen all den Gästen Louis stand. Zusammen mit Harry. Sich leidenschaftlich küssend.
Ähm. Okay. Da hatte ich wohl was verpasst.
Louis löste sich von Harry und strahlte ihn an. „Danke, Haz, das ist so lieb von dir!" Er drückte eine Karte oder Ähnliches an seine Brust und küsste Harry dann nochmal.
Mein Herz zog sich zusammen. Sie sahen so glücklich aus.
„Zayn, wusstest du das etwa nicht?" Niall schien mein überraschter Blick aufgefallen zu sein und er guckte mich belustigt an.
Ich schüttelte nur den Kopf.
„Na ja. Dann musst du aber echt ein Brett vorm Kopf haben...sie sind schon ewig zusammen. Sie haben es uns nur nie gesagt, weil sie diese Anspielungen ganz lustig fanden und dachten es wäre offensichtlich gewesen. Als sie sich irgendwann dann einfach geküsst und ständig mit Kosenamen angesprochen haben, waren sie ziemlich überrascht, dass Liam und ich nicht Bescheid wussten."
Liam. Fuck. Jetzt sah ich ihn auch. Er stand in der Nähe von Louis und Harry an einen Schrank gelehnt und sah mich nicht an. Aber er hatte mich gesehen, ich war mir sicher.
Sein Anblick tat mir so unglaublich weh, das war nicht auszuhalten. Ich rang nach Luft und spürte schlimmen Schmerz in meiner Brust.
Harry und Louis sahen so glücklich aus. Das wollte ich auch. Das hatte ich gehabt. Und weggeworfen.
Himmel, ich wollte nur Liam.
„Zayn, alles okay bei dir?", hörte ich noch, dann sank ich erschöpft in Nialls Armen zusammen.
*
Danach war nichts mehr passiert. Ich war einfach in Louis Schlafzimmer wieder aufgewacht, mit Niall und Harry an meiner Seite. Louis war wohl noch bei den Gästen gewesen. Und bei Liam. Bei mir war der nämlich nicht gewesen. Und da war mir dann klargeworden, dass es richtig vorbei war. Wenn er in Nialls Armen zusammengesunken wäre, ich hätte alles getan, um bei ihm sein zu können.
Aber er fühlte wohl nichts mehr für mich.
Ich exte den Rest meines Glases und ließ meinen Kopf auf meine Hände senken.
Es ging mir so scheiße.
„Zayn?"
Ich seufzte nur. „Ja?", fragte ich dann leise.
Bruce griff nach meinem Kopf und hob ihn hoch, sodass ich ihn ansah.
„Ich kann das nicht mehr mitansehen. Du wirst jetzt zu Liam gehen, Dich entschuldigen, ihm nicht erzählen wie toll dein Leben läuft, sondern die Wahrheit und dann wirst du bitte bitte das nächste Mal wenn du hier hin kommst nicht mehr alleine sein, okay? Es geht dir wirklich nicht gut, und es ist keine Lösung doch jedes Wochenende alleine zu betrinken. Wirklich nicht."
Ich nickte langsam. „Ja, du...du hast Recht."
„Also hol dir jetzt verdammt nochmal ein Taxi und fahr zu ihm! Keine Widerrede."
Ich sah ihn skeptisch an.
„Aber er liebt mich nicht me-"
„Keine Widerrede!" Bruce starrte mich entschlossen an und ich seufzte ergeben. Dann nickte ich.
Ein letzter Versuch.
„Okay."
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