inflagranti | ziam

„Zayn? Bitte rede mit mir. Ich sehe doch, dass es dir nicht gut geht." Niall blickte mich besorgt an und griff nach meiner Hand.

Ich seufzte leise auf.

„Wir machen uns alle echt Sorgen, weil du dich so vor Liam zurückziehst. Ich meine, was ist denn vorgefallen? Liam weiß sich echt nicht mehr zu helfen, er ist am Boden zerstört, weil er nicht weiß was er falsch gemacht hat", sprach er weiter.

Genau da lag ja das Problem. Liam hatte nichts falsch gemacht. Er hatte alles, absolut alles richtig gemacht. Was dazu geführt hatte, dass ich mich Hals über Kopf in meinen Bandkollegen verliebt hatte. Unsere Freundschaft war schon immer sehr eng gewesen. Ständig hatten wir gekuschelt oder so wie auch Louis und Harry ständig miteinander geflirtet.

Aber bei den beiden schien es zu funktionieren, ohne dass sich einer von ihnen verliebte. Bei mir ging das nicht. Zumindest nicht mehr.

Ich weiß nicht genau wann ich es bemerkt hatte, aber irgendwann war mir aufgefallen, dass das keine Freundschaft war. Zumindest für mich nicht. Dieses Kribbeln, das Liam in mir auslöste, diese unerträgliche Hitze, die sich jedes Mal in mir ansammelte, wenn ich ihn oberkörperfrei sah...

Einfach diese ganzen heftigen Gefühle, für die er verantwortlich war...das war keine Freundschaft.

Das war Liebe.

Aber in den letzten Wochen war es immer schlimmer geworden. Ich hatte mich so sehr nach seiner Nähe gesehnt. Ich wollte nichts weiter als durch seine Haare zu streichen, seine Augen zum Strahlen zu bringen, meinen Kopf auf seinem Brustkorb abzulegen und seinem Herzschlag zu lauschen...

Ich wünschte mir nichts sehnlicher als seine Lippen auf meinen spüren.

Ich hielt die Nähe zu ihm nicht mehr aus. Die freundschaftliche Nähe.

Denn natürlich empfand er nicht das Gleiche für mich. Wieso sollte er denn auch?

Aber dass ich mich von ihm zurückzog war nicht nur Liam aufgefallen, sondern auch den Anderen. Harry hatte mich schon ein paar mal darauf angesprochen, aber ich war immer ausgewichen. Louis ahnte auch, dass etwas los war, aber wir sprachen nicht wirklich miteinander über unsere Gefühle. Wir lenkten uns meistens nur ab, indem wir zusammen Scheiße bauten oder kifften.

Niall ahnte glaube ich sogar etwas, weswegen ich Gesprächen mit ihm auch eher aus dem Weg gegangen war.

Und Liam? Der merkte es anscheinend auch. Aber was sollte ich denn tun? Ich konnte ja nichts dafür ihn am liebsten in meine Arme zu schließen und nie wieder loslassen zu wollen. Ich hatte einfach Angst, dass ich mich nicht mehr beherrschen konnte, wenn ich länger als fünf Minuten mit ihm sprach. Allein sein besorgter Blick, mit dem er mich in letzter Zeit immer musterte...Gott, alles was ich denken konnte war, wie heiß er dabei aussah. Und ihn mir ohne Shirt vorstellen.

Es tat mir weh Liam wehzutun. Aber ich wusste mir wirklich nicht mehr zu helfen. Und Liam anscheinend auch nicht.

Heute morgen war Niall dann einfach bei mir aufgetaucht. Er hatte Frühstück mitgebracht und wir hatten uns zusammen ein paar Folgen einer Serie angesehen und dann hatte er einfach gestoppt und mich mit diesem ernsten Blick angesehen, den Niall wirklich selten aufsetzte.

„Bitte rede mit mir", flehte er jetzt. „Ich kann dir nur helfen, wenn du mit mir redest."

Ich seufzte. Langsam stiegen Tränen in mir auf. Das war auch in letzter Zeit eine meiner Lieblingsbeschäftigungen. Alleine zu weinen. Gesund war das nicht, das war mir schon klar. Aber ich konnte einfach nicht anders. Mein Herz tat zu sehr weh, denn ich wusste, dass Liam nicht das Gleiche empfand.

Natürlich war da dieses verfluchte kleine Fünkchen Hoffnung in mir, dass verzweifelt versuchte größer zu werden, aber ich zwang mich einfach es zu verdrängen. Ich konnte es Liam nicht sagen. Ich würde doch nur die ganze Freundschaft kaputt machen. Ich hatte so eine Angst davor. Er wusste ja nicht mal, dass ich auch auf Männer stand. Gut, um ehrlich zu sein hatte ich das vor Liam selbst nicht gewusst und andere Männer hatte ich jetzt auch noch nicht angesehen, aber seit Liam hatte ich auch andere Frauen nicht mehr angesehen.

Ich seufzte.

„Ich...ich kann nicht darüber reden. Ich meine..." Meine Stimme brach. „Ich will ja, aber ich habe so Angst."

Niall runzelte die Stirn. „Wovor denn?"

Ich schluckte und blickte in seine blauen Augen.

Oh Gott, ich musste es jemandem sagen, sonst drehte ich noch durch.

„Ich habe Angst alles zu zerstören, Niall", flüsterte ich dann, senkte den Blick und spielte mit meinen Fingern.

„Was meinst du?"

„Ich hab Angst Liam zu verlieren."

Niall zog nur die Augenbrauen hoch. „Hör mal Zayn, der einzige Weg wie du Liam verlieren wirst ist wenn du so weitermachst wie bisher. Es tut ihm weh, dass du dich so von ihm abwendest."

Ich musterte ihn kurz und griff mir dann ein Kissen, das ich umarmte und gegen mein Gesicht drückte.

Dann blinzelte ich, hob entschlossen den Kopf und sah zu Niall.

„Ich ertrag seine Nähe nicht mehr", gab ich dann zu und ließ es zu, dass die erste Träne über meine Wange rollte.

„Wieso?", fragte Niall in einer komischen Mischung aus verständnislos und verständnisvoll, was eigentlich gar nicht möglich ist, aber Niall kriegte es hin.

Ich atmete aus. „Es tut mir weh. Weil es mir zu wenig ist. Und ich weiß, dass ich vermutlich nie mehr haben kann." Ich sagte das ganze so leise, dass ich nicht dachte, dass Niall es überhaupt wirklich gehört hatte. Aber das hatte er.

„Was meinst du damit?"

Himmel, es kam mir fast so vor als legte er es darauf an, dass ich es aussprach.

„Mann, Niall, ich bin in Liam verliebt, verdammt noch mal!", schluchzte ich und fing an langsam zu zittern. „Jedes Mal wenn ich ihn berühre tut es weh, weil ich weiß, dass ich...also dass er nicht das Gleiche empfindet und weil ich mich dafür verfluche überhaupt so dumm gewesen zu sein mich in ihn zu verlieben."

„Heyyy." Niall nahm mich in den Arm und wiegte mich hin und her. „Alles ist gut."

Als ich mich etwas beruhigt hatte strich Niall mir die Tränen von den Wangen und lächelte sanft.

„Danke, dass du mir das erzählt hast", meinte er dann. „Aber ich denke, du solltest es auch Liam sagen."

„Was?", fragte ich ihn erschrocken.

„Es ist deine Entscheidung, aber...ich kann nicht weiter mitansehen wie schlecht es Liam geht, weil du dich so von ihm abwendest. Bitte, irgendwas musst du tun."

Ich seufzte. „Aber er erwidert meine Gefühle nicht."

Jetzt seufzte Niall. „Wie kannst du dir da sicher sein? Hast du Liam schonmal gefragt?"

Ich schüttelte nur den Kopf.

„Na also."

„Ich will nicht, dass es ihm schlecht geht."

„Sieh mal Zayn, wir haben gleich ein Interview, dafür müssen wir nur noch eben Louis und Harry aus den Federn holen, nicht dass die das wieder verschlafen, und dann treffen wir uns mit Liam beim Radiosender. Versprichst du mir mit ihm zu reden? Du musst ihm ja nicht mal deine Gefühle gestehen, du kannst ihm auch irgendwas anderes auftischen, nur bitte hör auf ihn zu verletzen. Ich weiß nicht, wie das ist in einen guten Freund verliebt zu sein, aber ich weiß, dass du nicht willst, dass es ihm schlecht geht."

Ich nickte nur. Niall hatte Recht. Ich wollte Liam nicht weiter weh tun. Aber meine Gefühle gestehen konnte ich ihm auch nicht.

„Ich versprech's dir."

Niall begann zu strahlen. „Okay. Dann lass uns jetzt mal die beiden Chaoten wecken gehen."

„Ich schreibe Liam noch kurz." Das machte ich dann auch. Ich fragte ihn ob wir nach oder vor dem Interview mal kurz reden könnten. Und schon zwei Minuten später kam die Antwort. Ja, natürlich.

Niall und ich machten uns auf den Weg ins Auto, um Harry und Louis holen zu gehen. Ich würde Liam erzählen, dass es mir Leid täte, dass ich ihn so scheiße behandelt hatte und dass ich mein Verhalten ändern wollte. Und wenn er nach einem Grund fragte, dann...dann würde ich ihm einfach sagen, dass ich darüber nicht gerne reden würde.

Denn ja, es war Selbstmord für mein Herz mich wieder auf Liams Nähe einzulassen, aber ich wollte ihn nicht leiden sehen.

Scheiße, es wäre so viel einfacher, wenn ich nicht in ihn verliebt wäre. Wieso hatte ich mich überhaupt in ihn verlieben müssen?

Nur wegen ein bisschen Geflirte und ständigem Körperkontakt? Harry und Louis waren genauso drauf und von denen verliebte sich ja auch keiner.

Kurz darauf waren wir auch schon beim Haus der beiden angekommen. Wir wohnten alle sehr nah aneinander.

Niall und ich stiegen aus und der Ire machte sich nicht mal die Mühe zu klingeln. Wie hatten alle Schlüssel zu unseren Häusern und Harry und Louis mussten wir eh erst wecken. Zumindest lief das sonst immer so.

Ich trat hinter Niall durch die Tür und runzelte die Stirn.

Der ganze Flur war absolut nass. Keine Ahnung warum. Aber es zog sich eine Spur aus Wasser vom Badezimmer bis zu Harrys Schlafzimmer.

„Was ist denn hier los?", fragte sich auch Niall und ich zuckte nur mit den Schultern. Niall ging ins Badezimmer, während ich der Spur in die andere Richtung folgte und Harrys Zimmertür aufmachte. Was ich vielleicht besser gelassen hätte.

Vollkommen starr stand ich in der Tür. Überrumpelt, überrascht. Ich wusste nicht mehr was ich denken sollte.

Denn Harry und Louis lagen eng aneinandergekuschelt auf Harrys Bett. Und unverkennbar hatten beide absolut nichts an. Harrys gesamte Hinterseite lag frei, Louis lag auf seiner Brust und die Decke bedeckte nur den nötigsten Teil, aber immerhin tat sie das, wofür ich ihr schon ziemlich dankbar war. Und Beide hatten wohl ziemlich viel geschwitzt, ihnen klebten ihre Haare an der Stirn.

Was hatte ich eben gedacht? Louis und Harry hatten ja auch keinerlei Gefühle für einander, wieso hatte ich sie dann also für Liam?

Absoluter Bullshit. Ich wusste zwar nicht was für Gefühle die Beiden vor mir füreinander hatten, aber irgendwelche waren da definitiv. Selbst wenn es nur animalische Triebe waren.

Die ganze Luft in diesem Raum roch förmlich nach Sex.

„Also im Badezimmer sieht es so aus, als hätten die Beiden zusammen gebadet, die Wanne ist noch voll, der Boden klatschnass, aber ihre Kleidung liegt ordentlich gefaltet auf dem Klodeck-", ertönte Nialls Stimme hinter mir und verstummte in dem Moment in dem er neben mir zum Stehen kam. „Oh", war alles was er dann von sich gab.

Ich konnte immer noch nichts sagen.

„Na, was sagt man dazu?", sagte Niall und grinste. „Niedlich."

„Was?", fragte ich ihn verwirrt. „Überrascht dich das denn gar nicht?"

Niall musste sich ein Lachen verkneifen. „Ist das dein Ernst, Zayn? Das war ja mal sowas von offensichtlich, dass da irgendwas läuft. Ich wusste zwar nicht, dass sie wirklich vögeln, ich bin eher von ein paar Küssen ausgegangen und dass sie sich vielleicht nicht ganz im Klaren darüber sind was sie...naja sind...aber...überraschen wäre wohl absolut das falsche Wort." Niall schüttelte kurz belustigt über mich den Kopf. „Ich meine...wie sie die ganze Zeit miteinander flirten? Das tut man doch nicht ohne Gefühle füreinander zu haben..."

In dem Moment begann Harry sich zu bewegen und ich sah unschlüssig zwischen Niall und dem Bett hin und her, aber Niall Mr. Ich-kenne-kein-Schamgefühl grinste einfach, spazierte ein paar Schritte ins Zimmer und rief dann: „Aufwachen ihr beiden! Wir haben in zwei Stunden ein Interview!"

Harry zuckte richtig zusammen, schlug die Augen auf und sah uns erschrocken an, dann griff er nach der Decke und zog sie ein Stück höher.

Louis hingegen grummelte nur ein bisschen, kuschelte sich enger an Harrys Brust, murmelte ein „Lass mich noch kurz, Baby" und schmatzte dann.

Harry, der uns gerade ziemlich verstört musterte konnte nicht anders als auf den Jungen auf seiner Brust runterzuschauen und ihn voller Liebe zu betrachten. Okay wow, ich war wirklich blind gewesen. Wenn er Louis die ganze Zeit schon so ansah, dann brauchte ich dringend eine Brille.

„Wie lange läuft das schon?", wollte Niall dann wissen und sah Harry herausfordernd an.

„Niall bitte, Louis wacht gleich sonst noch auf", meinte Harry in seiner tiefen Morgenstimme und strich dem Kleineren durch den Nacken.

„Eine Antwort!", forderte Niall und Harry setzte an etwas zu sagen.

„Ich schöre dir Horan, wenn du nicht in fünf Sekunden aus dem Zimmer bist dann bist du einen Kopf kürzer", zischte Louis, der die Augen immer noch geschlossen hatte, aber wohl langsam wach wurde.

„Okay okay, aber ihr schuldet mir Antworten!" Niall hob abwehrend die Hände, verließ das Zimmer, zog mich mit sich und machte die Tür zu.

Wir warteten eine Weile vor ihrem Zimmer, dann hielt ich es irgendwann nicht mehr aus und ging zur Abstellkammer, um einen Wischmopp zu holen. Dieses Wasser machte mich fertig. Ich begann also den Flur zu wischen und dann kamen Harry und Louis auch schon aus dem Zimmer. Jetzt hatten sie beide zumindest Jogginghosen an und wirkten etwas wacher, aber sie hatten deutlich geschwollene Lippen und ihre Hände waren miteinander verschränkt.

„So Jungs. Antworten!", forderte Niall und ich lehnte den Wischmopp an die Wand und musterte die Beiden genauer. Oh Mann. Harrys gesamter Oberkörper war mit Knutschflecken übersät, die so aussahen als kämen sie von letzter Nacht und auf Louis' Rücken waren ein paar Kratzspuren zu erkennen. Jetzt schob dieser sich aber vor Harry und Harry legte nur seine Arme um ihn und küsste seine Schulter, seinen Nacken und hinter sein Ohr, bevor er seufzte und sagte: „Was willst du denn wissen, Niall?"

„Wie lange geht das schon?", fragte Niall. „Und wann hattet ihr gedacht uns davon zu erzählen?"

Harry und Louis wechselten einen Blick. „Naja...", begann Harry dann, seine Stimme klang tatsächlich ein kleines bisschen unsicher. „Wir sind seit zehn Monaten zusammen."

„Was?", fragte Niall geschockt. „So lange schon? Und nicht mal nur irgendetwas, sondern wirklich zusammen? Und ich weiß nichts davon? Hört mal Jungs, das könnt ihr meinem armen Herz doch nicht antun! Ich hab doch nur darauf gewartet, dass ihr zusammenkommt. Und jetzt sagt ihr, ihr seid es schon seit fast einem Jahr?"

Ich seufzte. Dann schien Niall seinen „Ärger" zu vergessen, er drehte sich zu mir und zog die Augenbrauen hoch. „Du solltest dir mal ein Beispiel an den Beiden nehmen."

Harry küsste Louis jetzt wieder im Nacken und als Louis seine Augen schloss, sich Harrys Berührung völlig hingab und dieser anfing ihm einen Knutschfleck zu machen, war es dann doch zu viel des Guten. Ich musste mal nachdenken.

„Ääh, ich warte draußen!", sagte ich also und verließ fluchtartig das Haus.

Ich konnte irgendwie nichts dagegen tun, dass sich schon wieder Tränen in meinen Augen sammelten. Ich war neidisch. Absolut neidisch. Ich wollte das mit Liam. So sehr. Ich wollte mit ihm zusammenwohnen, mit ihm baden, mit ihm zusammen aufwachen und dass er mich so ansah wie Harry Louis vorhin angesehen hatte.

Ich setzte mich auf die Stufen vorm Haus und stützte mein Gesicht auf meine Hände.

„Ich meine...wie sie die ganze Zeit miteinander flirten? Das tut man doch nicht ohne Gefühle füreinander zu haben..."

Immer und immer wieder wiederholte Nialls Satz sich in meinem Kopf. Liam und ich hatten auch immer so geflirtet. Und schon immer hatten wir uns ziemlich viel berührt, auch bevor mir aufgefallen war warum.

Aber Liam...hatte doch unmöglich Gefühle für mich. Oder?

Ich spürte wie der kleine Funke Hoffnung in mir es schaffte größer zu werden. Ich schüttelte den Kopf. Nein. Nein. Bitte nicht, Hoffnung war schrecklich.

Ich seufzte. Ich wollte zu Liam. Gut, eigentlich wollte ich das die ganze Zeit, aber ich musste jetzt wirklich zu ihm. Ich musste mit ihm reden. Ich wollte ihn nicht länger verletzen. Das war sowieso so egoistisch von mir.

Ich stand auf und wischte mir die Tränen ab. Dann ging ich entschlossen zum Auto und stieg ein. Sollten die anderen doch mit Louis' oder Harrys Auto fahren. Ich startete den Motor und fuhr los. Liam würde jetzt noch nicht beim Sender sein, sondern bei sich zu Hause. Also machte ich mich auf den Weg dorthin.

Er wohnte zwar auch nicht weit von und Anderen weg, aber ich brauchte trotzdem circa zehn Minuten wegen ein paar nerviger Ampeln.

Ich parkte auf seiner Auffahrt und stieg aus dem Auto. Dann ging ich die zwei Stufen zu seiner Tür hoch und atmete tief durch. Ich zitterte leicht. Das hier würde nicht leicht werden.

Ich hob die Hand und klingelte.

Kurz darauf wurde die Tür auch schon geöffnet. Darin stand Liam, der offensichtlich gerade geduscht hatte. Er trug eine Jogginghose, kein Shirt und ein Handtuch lag in seinen Nacken. Seine Haare trieften und tropften ihm ein bisschen ins Gesicht.

Liam machte jeden Morgen Sport, da war es nicht verwunderlich, dass ich ihn kurz nach dem Duschen antraf. Und doch warf es mich gehörig aus dem Konzept, denn er sah einfach unglaublich heiß aus.

„Zayn?", fragte er mit einem überraschten Gesichtsausdruck und musterte mich aus seinen braunen Augen. Mir wurde warm unter seinem Blick.

„Kann ich reinkommen?" Mein Hals war absolut trocken und ich schluckte nur.

Liam nickte stumm und ging zur Seite, sodass ich an ihm vorbeilaufen konnte.

Ich lief in sein Wohnzimmer und ließ mich auf der Couch nieder. Jesus, das war jetzt schon schwer.

Liam setzte sich neben mich. Eng neben mich. Sein Körper strahlte Hitze aus.

„Kannst du dir vielleicht was anziehen?", fragte ich leise und sah weiterhin starr auf den Boden.

„Was?", fragte Liam nach, aber ich winkte nur ab. „Egal."

Liam seufzte. „Also Zayn...", fing er an. „Kannst du mir jetzt vielleicht mal sagen was ich falsch gemacht habe?" Er legte eine Hand auf mein Bein und sofort schlug mein Herz doppelt so schnell.

„Ich kann das nämlich nicht viel länger. Du entfernst dich von mir und das macht mir Angst, das tut mir weh. Ich will dich nicht verlieren Zayn, du bedeutest mir viel zu viel."

Ich sah hoch in sein Gesicht und in seinen Augen spiegelte sich tatsächlich genau das wider, was er gesagt hatte. Seine braunen Augen musterten mich genau, seine Stirn war besorgt gerunzelt und doch konnte ich den Schmerz und die Angst ausmachen.

Scheiße, er sah so gottverdammt heiß aus. Und sein immer noch nackter Oberkörper machte das nicht gerade besser.

Ich sah wieder Harry und Louis vor mir, wie Harry Louis liebevoll einen Kuss auf die Schulter drückte und dieser selig lächelte und sich an den Größeren lehnte.

„Ich meine...wie sie die ganze Zeit miteinander flirten? Das tut man doch nicht ohne Gefühle füreinander zu haben...", ertönte schon wieder Nialls Stimme in meinem Kopf. Ich atmete langsam aus. Mein Blick wanderte zu Liams Lippen, die leicht offen standen.

„Zayn?" Liams Stimme war nicht mehr als ein Flüstern.

Und da konnte ich nicht mehr standhalten. Mein Gehirn war wie gelöscht.

Ich beugte mich ein Stück zu ihm rüber und drückte meine Lippen auf seine. Für den Bruchteil einer Sekunde, dann wurde mein Gehirn anscheinend aus dem Papierkorb geholt und ich zuckte erschrocken zurück und starrte Liam an. Sein Gesichtsausdruck war unergründlich.

„Ich...", fing ich an, wusste aber nicht wirklich was ich sagen sollte.

Doch dann konnte ich auch nichts mehr sagen, denn Liam zog mein Gesicht zu ihm und küsste mich.

Jetzt ernsthaft, er küsste mich. Ich realisierte gar nicht was passierte, doch dann fiel mein Gehirn wieder aus und überließ mich meinen Gefühlen. Ich erwiderte den Kuss und schlang meine Arme um seinen Hals. Unsere Lippen bewegten sich gegeneinander und ich kann gar nicht beschreiben was ich fühlte.

Es war der absolute Wahnsinn. Ich wusste nicht mehr wo oben und unten war.

Langsam drückte Liam mich nach hinten, sodass ich mit dem Rücken auf dem Sofa lag. Er lag über mir und wir küssten uns als gäbe es kein Morgen mehr.

„Zayn, ich liebe dich", murmelte Liam dann plötzlich als er sich von mir löste. Seine Augen waren geschlossen, als hätte er Angst mich anzusehen. Ich keuchte leise auf.

„Liam", hauchte ich dann. „Oh Gott, Liam ich liebe dich auch."

Wie sein ganzes Gesicht strahlte als ich das sage war alles was ich für den Rest meines Lebens sehen wollte.

Dass wir zu spät zu unserem Interview kamen war uns sowas von egal. Genau wie die wissenden Blicke der anderen drei. Liam liebte mich.

Und damit hatte ich alles was ich im Leben brauchte.

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