i'm stuck | larry
okay vorab: dieser One Shot ist heftig eskaliert, ich hoffe es liest ihn trotzdem irgendwer.
Louis' p.o.v.
„Okay. Ja, bis dann, Blake." Ich legte auf und seufzte genervt. „So. Gelöscht", sagte ich ein paar Sekunden später und steckte mein Handy weg. Blake war vorbei.
Zayn musterte mich skeptisch, aber als Antwort blies ich ihm nur Rauch ins Gesicht, bevor ich einen weiteren Zug von meiner Zigarette nahm.
„Du bist echt ein Arschloch", bemerkte mein bester Freund und schüttelte den Kopf. Ich seufzte.
„No shit, Sherlock."
Zayn zog nochmal an seiner Zigarette, warf sie dann auf den Boden und trat sie aus.
„Du bist wie Barney Stinson. Nur in schwul."
Ich lachte leise auf. „Ja, genau. Ich denke mir auch die weirdesten Methoden aus, um Leute aufzureißen und erstelle sogar Fake Internetseiten."
„Komm schon, du weißt was ich meine."
„Neil Patrick Harris ist übrigens sogar schwul."
„Wer ist das?"
„Na, der Schauspieler von Barney."
„Wow. Super." Zayn runzelte die Stirn und schüttelte wieder den Kopf. „Ich meine nur...ich könnte das nicht. Du brichst reihenweise Typen das Herz, die sich mehr erhoffen."
„Sind wir mal ehrlich: Die meisten der Typen erhoffen sich nicht mehr. Die wissen, dass das nichts Ernstes und meistens nur für eine Nacht ist." Ich nahm einen weiteren Zug. „Ich meine...ich hab ja auch einen gewissen Ruf. Zumindest an dieser Schule." Und damit blies ich den Rauch in die Luft.
Zayn schnaubte. „Ja. Aber sei mal froh, dass zum Beispiel Blake den nicht kannte. Sonst wäre das nämlich nichts geworden."
Ich zuckte nur mit den Schultern. „Blake ist mir ehrlich gesagt ziemlich egal. Er war ein netter Zeitvertreib. Aber nicht mehr."
„Da. Das meine ich." Zayn kratzte sich am Hals. „Genau das könnte ich nicht. Dafür sind mir Menschen zu viel wert."
„Menschen sind Idioten", gab ich nur zurück und kickte mit dem Fuß einen Kiesel weg.
„Ja, und du bist dafür das beste Beispiel."
„Sei nicht so fies zu mir, Zayn."
Zayn hob nur abwehrend die Hände und begann langsam zu grinsen. „Nur die Wahrheit, c'mon."
„Ich verfluche dich für dein ansteckendes Grinsen", sagte ich, als sich meine Mundwinkel ebenfalls nach oben zogen.
Er hatte ja schon Recht. Aber ich war nunmal einfach niemand, der sich verliebte.
Ich mochte es zu sehen was für einen Einfluss ich auf Menschen haben konnte. Ich mochte es zu spielen. Und natürlich mochte ich Sex.
Ich war der Inbegriff eines Casanovas, aber das störte mich nicht wirklich. Mir ging es gut. Außerdem war es ja nicht so, dass ich von Grund auf ein Arschloch war, so wie Zayn hier gerade tat. Wenn es um die Leute ging, die mir was bedeuteten (was eigentlich nur meine Familie und Zayn war) dann war ich der absolut liebenswürdige Typ. Und der Beschützertyp.
„Jedenfalls...tut mir Blake leid."
„Tja. Mir nicht", meinte ich nur, zuckte mit den Schultern und nahm einen letzten Zug. Es würde gleich wieder zum Unterricht klingeln, also sollte ich mal fertig werden. Ich warf meine Zigarette auf den Boden und wollte schon drauf treten, da kam mir jemand zuvor.
Ein schlanker Fuß, der in einem braunen Boot steckte trat die Zigarette mit einer drehenden Bewegung aus.
„Du stehst drei Meter von einem Mülleimer entfernt. Wirf sie das nächste Mal doch da rein", ertönte eine tiefe Stimme, die mir einen angenehmen Schauer über den Rücken laufen ließ.
Mein Blick wanderte überrascht nach oben. Grüne Augen funkelten mich an, die markanten Gesichtszüge des Jungen vor mir waren eingerahmt in braune etwa schulterlange Locken und er grinste leicht, weshalb sich Grübchen in seine Wangen bohrten.
„Nur weil dir menschliche Gefühle egal sind, muss die Umwelt das ja nicht auch sein." Er grinste etwas breiter, zwinkerte mir zu und ging dann an mir vorbei in Richtung Eingang unserer Schule.
„Was war das denn?", fragte ich komplett überrumpelt und hörte nur Zayns leises Lachen.
„Das, mein Lieber, war Harry Styles." Ich drehte mich zu meinem besten Freund, der bei seinem Satz seinen Arm um mich gelegt hatte und dem Jungen ebenfalls hinterhersah.
„Der absolute Mädchenschwarm schlechthin, obwohl man noch nicht mal weiß ob er überhaupt auf Mädchen steht. Es gibt zwar das Gerücht, dass er mal mit Taylor zusammen war, aber keiner weiß ob es stimmt."
„Taylor?"
„Swift."
„Ach die."
Zayn zuckte nur mit den Schultern.
„Und wie kommt es, dass ich nichts von ihm weiß?"
„Keine Ahnung. Wir haben beide Englisch mit ihm, aber du bist immer zu sehr mit deinen Lovern beschäftigt, als dass du wirklich auf die Leute in der Schule achten würdest."
„Hm."
Ich wusste nicht so ganz was ich davon halten sollte. Offensichtlich hatte Harry eine Menge Selbstbewusstsein. Aber das konnte er auch haben.
Himmel, ich konnte ohne Zweifel verstehen was die Mädchen in ihm sahen. Er war groß, gut gebaut und seine Augen strahlten förmlich. Ob er wohl Kontaktlinsen trug? Niemand hatte von Natur aus so krass grüne Augen, oder?
Seine Gesichtszüge waren einfach nur zum Niederknien. Wortwörtlich (ob diese Redensart davon kam? Obwohl. Vermutlich eher von Heiratsanträgen. Das war jetzt nicht das, an was ich gedacht hatte...). Und seine Haare gaben einfach noch den Rest dazu.
„Louis?" Zayn wedelte mit seiner Hand vor meinen Augen herum.
„Hm?" Ich schüttelte kurz den Kopf, um das Bild von Harrys Augen loszuwerden, das sich irgendwie in mein Gehirn eingebrannt hatte. Dieses Zwinkern...
„Wir sollten mal reingehen..." Zayn grinste. „Der scheint es dir ja angetan zu haben, hm?"
Ich stieß ihm nur in die Seite und folgte ihm dann ins Schulgebäude.
„Der Arme." Den Kommentar von Zayn ignorierte ich geflissentlich.
Und dass ich den Rest des Tages Harry Styles' Stimme nicht mehr aus dem Kopf bekam, genau so wie diese grünen Augen...das ignorierte ich auch.
___
Am nächsten Morgen wachte ich noch vor meinem Weckerklingeln auf. Ich hatte zwölf Nachrichten von einer unbekannten Nummer. Das musste Blake sein. Genervt seufzte ich und blockte ihn, bevor ich mich richtig aufsetzte und durch mein Gesicht rieb, um den Schlaf zu vertreiben.
Ich hatte sehr verwirrend geträumt. Irgendwas von Blake und auch von Zayn, der mit irgendeinem anderen Typen Wetten darüber abschloss, wie lange es noch dauerte bis ich mir doch noch irgendwann mal ein Mädchen angelte. (Fun Fact am Rande: Nie. Ich war wirklich krass schwul.) Und von einem blauen Himmel, der grüne Augen hatte.
Ich seufzte leise, schlug die Decke zurück und setzte mich an meine Bettkante. Wenn ich zu schnell aufstand, neigte mein Kreislauf dazu zusammenzubrechen und ich fiel in Ohnmacht. Das wollte ich unbedingt vermeiden. Es war ein schreckliches Gefühl, wenn einem langsam schwarz vor Augen wurde und man nichts dagegen tun konnte. Man verlor die gesamte Kontrolle über seinen Körper und ich panikte jedes Mal neu. Richtig schlimm war es, wenn es in der Dusche passierte. Da fühlte ich mich besonders hilflos, außerdem war es echt gefährlich.
Einmal war ich aus der Dusche gefallen und mit meinem Kopf auf den Fliesenboden geknallt, sodass ich eine kleine Gehirnerschütterung und eine Platzwunde gehabt hatte. Als meine kleine Schwester Daisy mich gefunden hatte, wäre sie fast gestorben vor Schreck.
Ich stand auf und suchte mir aus meinem Schrank frische Kleidung raus, dann machte ich mich auf den Weg ins Bad. Zum Glück war ich heute früh genug aufgestanden, um das Bad noch ein bisschen für mich zu haben. Ich wuchs immerhin mit vier Schwestern auf, das war also echt nicht mein Revier.
Nach einer entspannenden Dusche, in der ich zum Glück nicht umgekippt war, zog ich mich an, rasierte mich und verließ dann das Badezimmer. Lottie stand schon davor und begutachtete ihre Fingernägel.
„Hey Bruderherz", begrüßte sie mich gähnend und schlängelte sich dann an mir vorbei.
Ich ging zurück in mein Zimmer, packte meine Sachen für die Schule und trampelte dann die Treppe runter in die Küche. Mum schnitt Äpfel klein und auch die Zwillinge saßen schon am Tisch und gähnten synchron. Beide trugen noch ihre Schlafanzüge, was daran lag, dass sie heute erst zur zweiten Stunde in die Schule mussten. Aber wir frühstückten trotzdem immer alle zusammen.
„Morgen", begrüßte ich sie und drückte beiden nacheinander einen Kuss aufs Haar. Dann ging ich zu meiner Mutter, schnappte mir ein Stück Apfel und biss hinein. Meine Mutter lächelte nur selig und packte die restlichen Stücke in Brotdosen. „Morgen, Mum", fügte ich dann noch hinzu und umarmte sie fest. Sie lachte nur leise. „Louis, könntest du vielleicht einmal nachgucken, ob Fizzy schon wach ist?", fragte sie dann und ich nickte nur. „Danke, du bist ein Schatz. Wenn du wiederkommst ist dein Kakao fertig."
Ich grinste und machte mich dann doch nochmal auf den Weg nach oben, um meine vierte Schwester zu wecken. Sie neigte dazu jeden Tag ihren Wecker zu überschlafen.
Ich ging in ihr Zimmer, setzte mich an den Rand ihres Bettes und strich ihr sanft durch die Haare.
„Fizzy! Aufstehen", sagte ich dann leise, aber bestimmt und rüttelte sie leicht. Sie gab ein unzufriedenes Geräusch von sich und wedelte mit einer Hand müde in meine Richtung. Ich verdrehte die Augen. „Nein, echt jetzt. Steh auf, das Bad ist bestimmt auch schon frei, Lottie hatte genug Zeit. Außerdem macht Mum Kakao."
„Mhm." Meine Schwester klang zwar immer noch unzufrieden, gab sich dann aber geschlagen und drehte sich auf den Rücken. „Bin gleich da."
Und ich konnte nicht anders als zu lächeln und ihre Hand zu drücken. Ich liebte meine Familie so sehr.
Vielleicht würde ich ja auch mal noch jemanden so lieben. Vielleicht würde ich mich ja mal wirklich so richtig verlieben. Wow, Louis wo kam der Gedanke denn jetzt her? Sowas hatte ich noch nie gedacht. Und auch nicht gebraucht. Ich war glücklich so wie mein Leben war. Was sollte jetzt dieses Bild von strahlendem Grün, das vor meinem inneren Auge auftauchte?
Verwirrt schüttelte ich nur kurz meinen Kopf und stand auf.
___
Ungefähr eine Stunde später kam ich mit Fizzy und Lottie an der Schule an. Ich drückte beiden zum Abschied einen Kuss auf die Wange und machte mich dann auf den Weg zu Zayn, der in unserer Ecke des Schulhofs schon auf mich wartete.
„Na?", begrüßte er mich und hielt mir schon eine Zigarette hin. Dankend nahm ich sie und lächelte ihn an.
„Wie gehts? Irgendwas Neues?"
Ich schüttelte den Kopf, hielt die Zigarette in die Flamme von Zayns Feuerzeug und zog dann genussvoll.
„Heute Nacht von Styles geträumt?"
Verwirrt sah ich ihn an und schüttelte den Kopf. Er grinste nur anzüglich und ich pustete den Rauch in seine Richtung.
„Sicher? Ich sag dir, irgendwas an ihm verwirrt dich."
„Ich hab kein einziges Wort mit ihm gewechselt", protestierte ich und Zayn grinste nur. „Nein, aber ich hab deinen Blick gesehen."
„Nur weil ich ihn heiß finde, verwirrt er mich doch nicht!"
„Ha! Du findest ihn also heiß."
„Natürlich! Hast du ihn dir mal angesehen? Alter, diese Augen! Der trägt doch safe Kontaktlinsen!"
Zayn lachte leise. Dann zuckte er mit den Schultern.
„Also deine nächste Eroberung?"
Jetzt zuckte ich die Schultern. „Keine Ahnung."
Verwirrt musterte mein bester Freund mich. „Nein?"
„Ich hab nicht nein gesagt."
Er setzte an etwas zu sagen, schloss dann seinen Mund aber wieder.
„Ich verstehe dich nicht", sagte er schließlich. Ich zuckte nur wieder mit den Schultern.
„Du...ich meine..." Zayn runzelte die Stirn. „Ich meine, wenn du jemanden heiß findest hast du doch noch nie lange gezögert."
„Tja."
„Ich hab's dir gesagt: Er verwirrt dich."
Ich warf Zayn nur einen genervten Blick zu, aber er grinste. „Ich kenn dich einfach, Tommo."
In diesem Moment klingelte es zum Unterricht und Zayn und ich gaben unser sowieso nicht so interessantes Gespräch auf und begaben uns in die Schule.
In der ersten Stunde hatten wir Englisch und obwohl ich es nicht wollte ging mir sofort Zayns Kommentar von gestern durch den Kopf.
„Wir haben beide Englisch mit ihm, aber du bist immer zu sehr mit deinen Lovern beschäftigt, als dass du wirklich auf die Leute in der Schule achten würdest."
Also würde Harry Styles jetzt wohl in meiner Klasse sitzen.
Wir kamen bei unserem Englischraum an und Zayn lehnte sich an die Wand. Kaum einer aus dem Kurs war schon da, aber Mrs. Sánchez war eine dieser überpünktlichen Lehrkräfte, die eh immer noch auf die halbe Klasse warten musste und Zayn und ich waren schon zu oft noch später gekommen, deshalb achteten wir in Englisch darauf pünktlich zu sein.
Und schon kurz darauf kam sie dann auch schon auf uns zugelaufen. Ihre High Heels machten ein unangenehmes Geräusch auf dem Boden.
Sie lächelte uns freundlich zu und schloss dann die Klasse auf. Zayn, ich und die paar anderen Schüler, die schon da waren folgten ihr. Styles war nicht dabei. Nicht dass ich darauf geachtet hätte oder so...
Wir ließen uns auf unsere Plätze im hinteren Drittel des Raumes fallen und beobachteten Mrs. Sánchez dabei, wie sie die Stunde vorbereitete, während immer mehr Schüler langsam eintrudelten. Da kam auch Harry in den Raum geschlendert, zusammen mit einem Mädchen aus unserer Stufe, ich glaube sie hieß Eleanor, die herzlich über irgendetwas lachte, das Harry anscheinend gesagt hatte.
Er grinste nur und Himmel, er sah wirklich gut aus. Wieso war er mir noch nie aufgefallen? Ich meine Zayn hatte schon Recht, ich war viel mit meinen Typen beschäftigt, aber so abgelenkt konnte man doch gar nicht sein, oder?
Harry und Eleanor steuerten ihre Plätze zwei Reihen vor mir an und als er seinen Stuhl zurückschob, um sich zu setzen, wanderte sein Blick kurz zu mir.
Aber statt schnell wieder wegzugucken grinste er und zwinkerte mir zu, bevor er sich elegant auf seinen Platz gleiten ließ und sich durch die schulterlangen Haare fuhr.
Ich runzelte die Stirn. Zayn stieß mir in die Seite und ich konnte sein dummes Grinsen förmlich riechen.
Wieso hatte er das überhaupt gesehen? Normalerweise begann er sobald er mein Heft klauen konnte, mit Bleistift darin herumzukritzeln, um ohne anzugeben damit anzugeben, dass er so gut zeichnen konnte.
Ich verdrehte nur die Augen und Mrs. Sánchez begann mit dem Unterricht.
„Shakespeare!", deklamierte sie und schrieb genau dieses Wort an die Tafel. „Wer kann mir was über Shakespeare erzählen?" Sie drehte sich erwartungsvoll zu uns um und lächelte sanft. Niemand meldete sich, außer Claudette, ein nicht sehr beliebtes Mädchen, das in den Pausen immer Mangas malte und sich bei ungelogen jeder Frage in jedem fucking Unterricht meldete. Zum Glück hatte ich inzwischen nur noch Englisch und Geschichte mit ihr.
Mein Blick wanderte durch die Klasse und landete komischerweise wieder auf Harry, der sich gerade zu Eleanor beugte und ihr etwas ins Ohr flüsterte. Sie kicherte daraufhin leise und flüsterte was zurück.
Wieviel hatten die eigentlich zu bereden?
Kurz sah Mrs. Sánchez weiter abwartend in die Runde, dann schien sie aufzugeben und nahm das Mädchen dran, das sich fast den Arm ausrenkte.
„Ja, Claudette?"
„Nun, Shakespeare war ein sehr berühmter Schriftsteller, der unter anderem Werke wie Romeo und Julia geschrieben hat. Er lebte im 16. Jahrhundert und sein Geburtstag war der 23. April." Sie holte Luft, um weiterzumachen. Manchmal fragte ich mich, ob sie einfach immer unterm Tisch googelte. Sie sprach weiter: „Von ihm stammt zum Beispiel das Zitat ‚Sein oder nicht sein, das ist hier die Frage' und-"
„Falsch", unterbrach sie eine tiefe Stimme und automatisch schoss mein Blick zu ihm.
„Wie bitte, Harry?", fragte Mrs. Sánchez nach, offensichtlich erfreut darüber, dass jemand Claudettes vermutlich endlosen Vortrag frühzeitig abgebrochen hatte und sich an ihrem Unterricht beteiligte.
„Das Zitat ‚Sein oder nicht sein, das ist hier die Frage' stammt nicht von Shakespeare. Es stammt von Hamlet, der eine Figur in seinem gleichnamigen Drama ist, ja. Aber nicht von Shakespeare. Er hat es nicht gesagt, er hat es eine Person sagen lassen. Da ist ein Unterschied. Außerdem lebte er nicht nur im 16. Jahrhundert, sondern im 16. und 17., also bitte. Und dass der 23. April sein Geburtstag ist ist nur eine Annahme, man weiß nur, dass er an diesem Tag gestorben ist, eine sehr dumme Annahme also, wenn man mich fragt. Außerdem war er nicht nur Schriftsteller, sondern auch Schauspieler, er prägte eine neue Art des Theaters. Seine Aufführungen fanden unter anderem im Globe Theater statt, das existiert heute noch."
Harry wirkte auf der einen Seite fast gelangweilt als er all das sagte, auf der anderen Seite komplett begeistert, als ob er über das reden würde, was ihn auf der Welt am meisten beschäftigte. Ich hatte keine Ahnung wie er das machte, aber es haute mich um. Er wirkte extrem intelligent und das machte ihn irgendwie wahnsinnig sexy.
Claudette schien es die Sprache verschlagen zu haben, Mrs. Sánchez hingegen schaute ganz verzückt.
„Na, wie es aussieht haben wir hier einen Experten. Wieso weißt du denn so viel über Shakespeare?"
Harry zuckte mit einer Schulter. „Ich bin sehr interessiert in Literatur und Theater. Ich liebe Shakespeares Stücke. Besonders Was Ihr Wollt und Ein Sommernachtstraum, wo so viel passiert und es so viele Dreiecksgeschichten gibt, dass man fast gar nicht mehr durchblickt." Jetzt klang er nur noch begeistert.
Mrs Sánchez hielt ihm nur die Kreide hin. „Na dann leg mal los und belehr uns."
Harry stand auf und ging zur Tafel.
„Und ihr passt gut auf, ihr werdet euch noch viel mit Shakespeare beschäftigen müssen", grinste Mrs. Sánchez als Harry ihr die Kreide aus der Hand nahm und sich dann wieder mit einem Mundwinkel grinsend zu uns umdrehte.
___
Nach der Stunde war ich absolut geflasht. Harry war unglaublich. Wie konnte ein Mensch so viel wissen? Mrs. Sánchez könnte auch gleich kündigen und Harry ihren Job machen lassen. Wahnsinn.
Ich packte meine Stifte ein und nahm Zayn meinen Block weg, der nur ebenfalls aufstand und seine Jacke anzog.
Zwei Reihen vor uns holte Harry irgendein kleines Buch und einen Kuli aus seinem Lederrucksack und Eleanor legte ihm kurz die Hand auf den Arm, sagte etwas und folgte dann den anderen Schülern aus dem Raum.
Und bevor ich wusste, was ich tat hatten sich meine Beine schon in Bewegung gesetzt und blieben vor Harry am Tisch stehen.
„Jetzt mal ehrlich, woher weißt du wo viel über Shakespeare?", fragte ich und sah ihn fragend an. Harry sah langsam auf und begann mit einem Mundwinkel zu grinsen.
„Louis Tomlinson", sagte er, leicht überrascht. „Was verschafft mir die Ehre?" Er behielt das Buch und den Kuli in der Hand und schulterte seinen Rucksack.
Ich zuckte mit einer Schulter. „Dein Wissen", meinte ich dann. „Ich meine, wenn wir eine Klausur über das Thema schreiben und du quasi ein wandelndes Lexikon bist...wäre es doch ganz praktisch, das ein bisschen zu nutzen."
„Woher willst du denn wissen, dass ich nicht die ganze Zeit gelogen habe?" Harry sah mich leicht herausfordernd an, aber auch dieser Blick sah einfach so gut aus, dass ich kaum mitbekam, wie Zayn sich an mir vorbeidrängte, mit seinem typischen Blick bedachte und „bis gleich" murmelte.
Ich runzelte die Stirn. „Wieso solltest du das tun?"
„Warum nicht?", fragte er zurück. „Wenn du Dinge erfindest, die sogar die Lehrkräfte nicht wissen, musst du einfach nur so selbstbewusst wie möglich auftreten und die tun so, als wäre das die Wahrheit und sie hätten das auch alles schon gewusst."
„Also stimmt das alles gar nicht?"
„Oh doch, das war alles wahr. Ich bin tatsächlich großer Shakespeare Fan."
„Hm. Du verwirrst mich." Ich redete gerade, ohne darüber nachzudenken. Das war nicht gut. Ich sollte aufhören.
Ich hörte natürlich nicht auf.
Harry grinste mit einem Mundwinkel, schob seinen Stuhl ran und setzte sich dann in Bewegung. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass wir, abgesehen von Mrs. Sánchez die Letzten im Raum waren. Schnell beeilte ich mich und lief neben Harry.
„Also. Woher weißt du jetzt so viel über Shakespeare?"
Harry runzelte nur belustigt die Stirn.
„Hab ich doch gesagt. Ich bin ein Fan. Ich kenne mich halt mit Shakespeare aus, wie du dich mit Fußball auskennst. Ist das jetzt weniger normal?"
Ich sah ihn überrascht an. „Woher weißt du, dass ich mich mit Fußball auskenne?"
Harry warf mir wieder einen belustigten Blick zu. Er sollte aufhören das zu machen. Das gefiel mir nicht. Auch wenn ich zugeben musste, dass ihm dieser leicht überlegene Blick unglaublich gut stand. Aber das durfte er nie wissen.
„Geraten. Ich meine, trifft auf 98,9 % des durchschnittlichen heterosexuellen Mannes zu."
„Ich bin aber schwul", entgegnete ich nur verwirrt und Harry grinste mich an.
„Okay. Hätte ich dann eher RuPaul's Drag Race als Beispiel nehmen sollen? Oder bist du doch eher der Fußball Typ?"
Ich blinzelte nur und versuchte mit ihm Schritt zu halten. Er hatte ungefähr drei Meter lange Beine, es war fast unmöglich.
„Ja, ich...bin eher der Fußball Typ."
Harry lächelte und blieb vor der Treppe stehen.
„Siehst du?" Er grinste amüsiert. „Ich hab jetzt Bio." Und damit blinzelte er mir ein letztes Mal zu und ging die Treppe hoch.
„Äh warte!", rief mein Mund bevor ich irgendwie darüber hätte nachdenken können. Das hatte irgendwie leicht verzweifelt geklungen.
„Ja?" Harry drehte sich auf der Treppe zu mir um und wartete.
„Ähm, also...wollen wir...nach der Schule, also...besteht die Möglichkeit dieses Gespräch nach der Schule weiterzuführen?" Warum auch immer ich das jetzt wollte. Momentan war mein Mund nicht wirklich auf meiner Seite.
Harry wirkte wieder leicht belustigt. „Wenn du das willst", meinte er. „Denkst du denn dieses Gespräch führt noch irgendwohin?"
„Vie...vielleicht?" Ich klang unsicher. Das gefiel mir nicht.
„Okay. Wo treffen wir uns?"
„Ähm." Überrumpelt von dieser schnellen Zusage fiel mir natürlich mal wieder nichts Gescheites ein. Die Jungs, die ich gewöhnt war liebten es einen warten zu lassen, um sich wichtiger zu fühlen (was meistens nur dazu geführt hatte, dass ich den Kontakt abgebrochen hatte) oder kicherten und sagten Dinge wie „es ist doch noch viel zu früh.", damit ich dann noch mehr mit ihnen flirtete, bevor sie mit mir ausgingen. Obwohl von Anfang an klar war, dass das nur eine Nacht war. Zumindest den meisten war das klar.
„Am Schuleingang?"
Harry nickte. „Okay. Dann bis dann...ähm...wie heißt du noch mal?"
Ich schien ihn wohl ungläubig anzustarren, denn er lachte leise.
„Louis", stieß ich dann hervor und beobachtete wie sich sein Gesicht zu einem Lächeln verzog.
„Ich weiß", lachte er dann. „Ich hab doch auch eben schon deinen Namen gesagt. Ich wollte dich nur ein bisschen ärgern." Dieses Lächeln stand ihm scheiße gut. „Bis dann, Louis." Und damit drehte er sich um, übersprang elegant jede zweite Treppenstufe und ich konnte ihm nur hinterher starren.
Was ein merkwürdiger Junge.
Es gefiel mir jetzt schon.
___
Nach meiner letzten Stunde konnte ich es irgendwie kaum erwarten zum Schultor zu kommen. Keine Ahnung was mit mir los war, aber sogar Zayn fiel es auf.
„Alter, was ist denn los mit dir?", fragte er, als ich beim Versuch mein Federmäppchen einzupacken zum zweiten Mal meinen Stuhl umkippte.
„Weiß nicht", antwortete ich knapp.
„Hat es was mit Harry zu tun?", fragte Zayn. „Du hast doch nach der Stunde heute morgen mit ihm gesprochen, oder?"
„Bro, nicht alles hat was mit Styles zu tun, okay?" Ich sah ihn nur kurz an, dann schulterte ich meinen Rucksack. Keine Ahnung, warum ich es Zayn nicht sagte. Aber irgendwie...wollte ich nicht. Warum auch immer, er erfuhr schließlich immer von all meinen Jungsgeschichten. Ich hatte ihm noch nie irgendwas verheimlicht. Aber irgendwie wollte ich ihm nicht erzählen, dass ich mich jetzt mit Harry traf.
Vielleicht...aber wirklich nur ganz vielleicht...weil es keine meiner normalen Jungsgeschichten war und ich das irgendwie tief in mir drin schon spürte.
Vielleicht aber auch einfach nur aus Lust und Laune.
„Bis morgen, Bro." Ich grinste Zayn zu und verließ den Raum. Er würde jetzt eh noch zum Cheerleader Training seiner Freundin gehen, von daher bestand keine Gefahr, dass er mich mit Harry am Tor sehen würde.
„Ja, bis morgen", meinte Zayn, aber man konnte seiner Stimme anhören, dass er sehr skeptisch war.
Ich verließ den Raum und hüpfte gut gelaunt die Stufen runter. Ich war absolut übermütig und ich hatte absolut keine Ahnung warum. Aber wirklich stören tat es mich nicht.
Ich folgte dem Schülerstrom und sah Harry tatsächlich schon von Weitem am Tor stehen. Aber nicht alleine. Er stand dort zusammen mit drei Mädchen, die ich alle nur von hinten sah.
Ich runzelte die Stirn und lief auf ihn zu. Dann erkannte ich eins der Mädchen, da sie ihre Haare über ihre Schulter warf.
Kendall Jenner. Das absolut dümmste Dummbrot auf dem Planeten. Also...das war jetzt nicht böse gemeint, sie war eigentlich echt nett, nur...war sie halt einfach wirklich nicht so schlau.
Also...echt nicht.
Und dass sie sich mit Harry unterhielt gefiel mir nicht. Vor allem wenn sie dabei so offensichtlich flirtete. Es gefiel mir echt gar nicht.
Je näher ich zu ihnen kam, desto mehr konnte ich sehen wie breit Harry lächelte während er mit den Mädchen redete. Eine von ihnen hatte wohl etwas lustiges gesagt, denn Harry begann zu lachen und es war so laut, dass es bis zu mir rüberschallte.
Fuck, er sah so absolut heiß aus. Er hatte wieder die Boots von gestern an und dazu einfach schwarze Skinny Jeans. Und ein weißes Hemd, die obersten drei Knöpfe offen.
Man hätte die Szene jetzt, wie er da so stand und lachte, einfach in Zeitlupe abspielen und kitschige Musik drunterlegen können und es wäre die absolut beste romantische Komödie jemals gewesen.
Für dieses Gedanken hätte ich mich schlagen können.
Ich kam bei den vier an und blieb dann hinter den Mädchen stehen.
Harrys Blick landete auf mir und ein Lächeln huschte über sein Gesicht.
„Okay, Ladies, wir sehen uns morgen. Selena schreib mir nochmal wegen des Projektes in Bio, ja? Und Kendall richte deiner Mutter aus, dass ich das gerne gemacht habe. Ich muss jetzt los, man wartet auf mich." Beim letzten Satz warf er mir einen verschmitzten Blick zu, dann umarmte er Kendall, Selena und das dritte Mädchen, das ich nicht kannte, die aber genau so umwerfend aussah, wie die anderen beiden, jeweils und trat zu mir.
„Können wir?"
„Klar", sagte ich leicht verstimmt und kämpfte gegen den Drang an zu lächeln. Sein Blick war einfach so ehrlich und seine Augen strahlten wieder so, dass ich irgendwie lächeln musste.
„Louis?", fragte jetzt Selena überrascht und auch Kendall und die Dritte starrten uns an.
„Ja. Richtig", antwortete ich knapp, griff Harry dann am Arm und zog ihn mit mir, weg von diesem Hühnern.
Hm. Sowas hatte ich noch nie über Mädchen gedacht. Eigentlich kam ich richtig gut mit allen Mädchen klar, mit Selena zum Beispiel hatte ich Chemie und wir verstanden uns super, und sogar mit Kendall hatte ich absolut kein Problem, wir sahen uns öfter mal auf Partys, aber irgendwie mochte ich alle drei in diesem Moment nicht.
Und ich wurde den Gedanken nicht los, dass es was damit zu tun hatte, dass sie mit Harry geredet hatten.
Aber ich verdrängte ihn einfach ganz geschickt.
„Wohin gehen wir denn?", fragte Harry jetzt und sah mich interessiert an.
Oh Mist, darauf hatte ich noch nicht mal geachtet, ich war nur darauf fixiert gewesen ihn so schnell wie möglich da wegzuzerren.
„Ähm. Keine Ahnung. Wo wollen wir denn hin?", fragte ich ihn. „Hast du Hunger?"
Harry zuckte mit den Schultern. „Ein bisschen."
„Dann lass uns zu KFC, das ist hier doch in der Nähe."
„Okay." Harry lächelte mir zu und irgendwie fesselte mich sein Blick so sehr, dass ich fast gegen eine Straßenlaterne lief. Ich konnte gerade noch so ausweichen.
Himmel, was war denn los mit mir?
„Also", begann Harry, er hatte mein Straßenlaternendilemma zum Glück nicht mitbekommen. „Inwiefern wolltest du unser glorreiches Gespräch denn weiterführen?"
Ich zuckte die Schultern. „Keine Ahnung, ich bin da eigentlich eher einer Intuition gefolgt..."
„Einer Intuition?" Er runzelte belustigt die Stirn.
Ich zuckte wieder mit den Schultern. „Ja?"
„Hm. Okay." Stille. Normalerweise war ich fast genervt, wenn die Typen so viel reden wollten und sich kennenlernen sollten, aber diese Stille machte mich irgendwie fertig.
„Wo waren wir denn stehen geblieben? Also...in etwa?", fragte ich dann und fixierte einfach weiterhin den Fußboden. Harrys Anblick lenkte mich sonst zu sehr ab.
„Keine Ahnung...ich glaube ich hatte mir einen kleinen Scherz erlaubt." Ich konnte sein Grinsen hören.
„Wow. Und daraus folgt?"
„Ach keine Ahnung, Louis. Du wolltest das hier."
Da hatte er leider Recht. Auch wenn ich nicht wusste warum.
„Hm. Dann erzähl mir nochmal was über Shakespeare."
Er runzelte die Stirn. „Warum?"
„Keine Ahnung, du weißt so viel darüber."
„Ja, aber...auch nicht so viel mehr, als das was wir eben in Englisch besprochen haben. Wir haben uns schließlich zwei Stunden damit befasst."
„Hm."
„Okay. Du bist ja offensichtlich nicht so erfahren darin Konversationen am Laufen zu halten, oder anzufangen, also spielen wir einfach ein Spiel."
„Was?" Verwirrt sah ich ihn an. „Was für ein Spiel denn?"
„Na, so eine Art Kennlernspiel, nur mit einem gewissen...Twist."
„Wie bitte?"
„Okay, also pass auf. Wir stellen uns abwechselnd Fragen. Aber die beantworten wir nur falsch."
„Wie jetzt?"
„Na ja zum Beispiel, wenn ich dich jetzt frage sprichst du Englisch, sagst du nein, obwohl du es tust. Verstanden?"
„Und warum sollten wir das tun? Also...zu was führt das?"
Harry zuckte nur mit den Schultern. „Spaß?"
„Hm." Ich überlegte kurz. Dann nickte ich. „Okay. Also ich fang an. Ähm. Magst du Katzen?"
„Nein, gar nicht. Ich hasse Katzen", antwortete Harry sofort und kurz war ich komplett verwirrt. Das klang so ernst gemeint. Aber als ich ihn ansah erkannte ich, dass er das Spiel wohl schon öfter gespielt hatte.
„Bist du schwul?", fragte Harry und ich merkte, dass er das nur fragte, um sicherzugehen, dass ich das Spiel auch verstanden hatte. Fast wäre ich offended gewesen. So schwierig war es nunmal auch nicht.
„Nein. Absolut gar nicht. Ich find Jungs total unsexy. Offensichtlich!", antwortete ich also, blickte wieder zu Harry und bemerkte wie sehr diese Antwort doch nicht stimmte. Himmel, er war so. unglaublich. heiß. Das war unnormal.
Wie konnte jemand im Seitprofil so scheiße gut aussehen? Das sollte verboten werden.
Harry grinste.
„Ähm...was ist deine Lieblingsfarbe?" Ja, das war jetzt nicht so originell, das war mir klar. Aber was besseres war mir gerade auf die Schnelle einfach nicht eingefallen.
„Ich würde sagen...Gelb. Geld ist die schönste Farbe meiner Meinung nach."
„Hm."
„Hast du Geschwister?"
„Nein. Nicht ein einziges." Ich musste grinsen, denn irgendwie begann dieses Spiel mir Spaß zu machen. Ich konnte ihn außerdem alles Mögliche fragen.
„Wieviele hast du denn nicht?", fragte Harry jetzt aber, bevor ich mir eine Frage überlegen konnte. Verwirrt sah ich ihn an. Er lächelte nur, irgendwie leicht schüchtern, was zwar ungewohnt war, aber wirklich süß aussah. Himmel. Wie konnte ein Mensch so heiß und gleichzeitig so niedlich sein? Konnte mir das mal jemand erklären?
„Ähm...ich hab nicht vier Schwestern", meinte ich dann und lächelte zurück.
„Vier Schwestern?", fragte er überrascht und sah mich mit offenem Mund an.
Ich schüttelte grinsend den Kopf.
„Nein. Keine vier Schwestern."
Er verdrehte nur die Augen und machte dann eine ausladende Handbewegung, im Sinne von „Du bist jetzt dran".
„Bist du in einer Beziehung?", fragte ich dann, bevor ich über meine Worte nachdenken konnte. Harry warf mir nur einen kurzen Seitenblick zu, dann nickte er.
„Ja." Also Nein. Ich wusste nicht warum, aber irgendwie verbesserte das meine Laune ein Stückchen.
„Und mit wem?" Warum auch immer ich das jetzt schon wieder fragte. Es ergab ja nicht mal Sinn das zu fragen, wenn er in keiner Beziehung war.
„Mit dir", meinte Harry nur und schenkte mir dann ein herzerwärmendes Lächeln, das mich so sehr ablenkte, dass ich fast gegen die nächste Laterne lief. Und dieses Mal sah er es leider auch noch. Beziehungsweise glücklicherweise, denn wenn er mich nicht noch rechtzeitig aus dem Weg gezogen hätte wäre ich dieses Mal wirklich dagegen geknallt. Scheiße, was war nur mit mir los?
„Hm. Seit wann das denn?", fragte ich dann und tat so als wäre ich nicht komplett durcheinander, weil mich sein fucking Lächeln zu sehr abgelenkt hatte.
„Schon seit einem halben Jahr, was hast du denn nicht mitgekriegt?"
Ich grinste nur.
„Okay, my turn. Ähm..." Er kratzte sich an der Nase. Fuck, sogar das sah auf irgendeine Art und Weise heiß bei ihm aus. Was war nur los mit mir? Ja, ich fand Jungs heiß, aber ich war noch nie so auf jemanden abgefahren. „Was ist mit dir, bist du in einer Beziehung?"
„Ja klar, mit dir, hast du doch eben gesagt", antwortete ich und erntete nur wieder ein umwerfendes Lächeln. Scheiße.
„Ich bin dran." Ich überlegte kurz.
Ich fand es wurde Zeit, dass wir mal zu den interessanten Fragen kamen. „Bist du Jungfrau?", fragte ich ihn also und wartete gespannt auf die Antwort.
Wie dieses Gespräch wohl auf Leute wirken müsste, die keine Ahnung hatten was wir machen? Vermutlich sehr strange.
„Ja", antwortete Harry, sah mich ernst an und ich biss mir auf die Unterlippe. Fuck. Die Frage war keine gute Idee gewesen. Jetzt stellte ich mir vor wie er...
„Wenn wir schon bei solchen Fragen angekommen sind", unterbrach Harry aber zum Glück meine nicht jugendfreien Gedanken. „Hast du schonmal mit einem Mädchen geschlafen?"
Ich atmete tief durch. Dann nickte ich. „Ja klar. Ich meine...ich bin schließlich hetero", meinte ich. Irgendwie war mir diese Antwort peinlich. Es wirkte so unreif. Ich meine...ich war schwul. Ich hatte noch nie mit einem Mädchen geschlafen. Das war ja jetzt nicht so außergewöhnlich. Ich hatte schon genug Sex mit Jungs gehabt. Ich war alles andere als unerfahren. Und doch machte mich Harrys Frage und meine Antwort darauf irgendwie unsicher.
Ich sah auf meine Schuhe, um mich abzulenken. Hm. Meine Vans waren ganz schön kaputt, ich brauchte bald mal neue.
„Okay. Du bist dran." Ich spürte Harrys auffordernden Blick auf mir, aber ich sah ihn nicht an. Dieses Spiel verwirrte mich. Er verwirrte mich. Ich dachte zu viel über alles nach.
Und außerdem waren wir jetzt eh bei KFC angekommen.
„Können wir..." Ich sah auf. „Vielleicht aufhören mit diesem Spiel?" Ich klang echt unsicher. Seit wann klang ich mal unsicher?
„Klar", meinte Harry aber sofort und machte mir die Tür zum Restaurant auf. Ich lächelte ihn an als ich hindurch lief.
„Also. Du hast vier Schwestern?", nahm er dann locker den Gesprächsfaden wieder auf und ich nickte. „Ja. Lottie, Fizzy, Phoebe und Daisy." Ein Lächeln schlich sich auf mein Gesicht. „Sie sind echt super, ich liebe alle vier so sehr."
„Aber anstrengend ist es trotzdem, oder?", fragte Harry und studierte die Karte über der Bestelltheke. „Ich meine, ich bin ja schon mit einer überfordert. Auch wenn ich meine Schwester über alles liebe. Was nimmst du?"
Ich musste lächeln, als er von seiner Schwester redete, dann riss ich meinen Blick von ihm los, um ebenfalls auf das Menü zu sehen.
„Ähm. Ich denke einfach einen Cheeseburger oder so...", murmelte ich und verzog nachdenklich den Mund. Dann spürte ich Harrys Blick auf mir und wurde leicht nervös. Wieso sah er mich so an? Ich blickte zu ihm. „Was ist?"
„Lass uns mal was Neues ausprobieren", grinste er dann und stieß mir leicht mit der Faust gegen den Arm. Auch wenn es null wehgetan hatte rieb ich mir leicht über die Stelle.
„Inwiefern?"
„Ähm...Pommes mit Eis?"
Ich warf ihm ein Grinsen zu. „Mach ich ständig, das schmeckt echt gut."
Überrascht und amüsiert schoss sein Kopf wieder zu mir. „Echt jetzt?"
Ich zuckte nur mit der Schulter und nickte leicht.
„Dann...Eis mit Ketchup?"
„Iiih, nee."
„Chicken mit Schokosauce?"
Grinsend sah ich zu ihm.
„Bin dabei."
Schmunzelnd ging Harry also ein paar Schritte an die Theke und bestellte. Ich suchte uns schonmal einen Tisch. Im Obergeschoss am Fenster fand ich einen der ziemlich bequem aussah und schon kurz darauf kam Harry mit einem Tablett an.
Er ließ sich mir gegenüber auf den Stuhl fallen und grinste. Ich ließ meinen Blick über das Essen schweifen. Zwei Portionen Chickenwings und Pommes. Dazu ein Eisbecher, der komplett mit Schokosauce gefüllt war. Überrascht sah ich zu ihm hoch. „Wie hast du das denn geschafft?", fragte ich, aber er grinste nur.
„Persönlicher Charme."
Ich schüttelte nur den Kopf, verdrehte die Augen und kramte mein Portemonnaie aus der Tasche.
„Wieviel macht das?"
Harry winkte nur ab. „Lass stecken, ich bezahle."
Ich sah ihn augenverdrehend an, aber er nickte nur. „Doch, Louis. Ist mir egal, dass du das nicht willst."
Ich seufzte und gab mich geschlagen. „Okay. Danke."
„Gerne doch", sagte er übertrieben freundlich und grinste weiterhin dieses Grinsen, das mich irgendwie verrückt machte. „Okay, lass es uns ausprobieren!", meinte er dann voller Tatendrang und nahm sich etwas von seinem Chicken. Ich sah ihm erstmal nur zu, wie er es in die Schokosauce tauchte und dann hineinbiss. Sein Gesichtsausdruck beim Kauen war erstmal unergründlich, dann wechselte er zu überrascht.
„Das ist gar nicht mal so schlecht!", gab er dann von sich und tauchte das Stück wieder ein. „Probier auch mal!"
Noch nicht ganz überzeugt, aber von Harrys Reaktion überrascht nahm ich ebenfalls etwas Hühnchen und tauchte es in die Schokosauce. Harry verfolgte gespannt meinem Gesichtsausdruck als ich es probierte.
„Wow", rief ich dann erstaunt. „Das ist ja wirklich gut!"
„Oder?" Harrys Augen leuchteten und ich kaute nur begeistert weiter und musterte ihn. Er war so gutaussehend, das war wirklich unglaublich.
Grinsend kaute Harry weiter auf dem Fleisch herum und ich konnte nicht anders, als ihn weiter anzusehen. Erst als mir auffiel wie offensichtlich ich starrte, senkte ich schnell meinen Blick und aß selber weiter. Von Harry bekam ich nur ein leicht amüsiertes Schmunzeln.
„Mhm", fing er nach einer kurzen Weile an und bedeutete mir dann mit einer Geste, dass er noch kurz zu Ende kauen musste. „Hast du Fotos?", fragte er dann als er den Bissen heruntergeschluckt hatte.
Verwirrt sah ich ihn an.
„Von deinen Schwestern."
„Achso! Klar." Ich wischte meine Hände kurz an einer der Servietten ab, die er mitgebracht hatte und griff dann in meine Hosentasche, um mein Handy rauszuholen. Ich reichte es ihm. „Mach einfach an und geh auf Fotos. Der Code ist 2809."
Er runzelte die Stirn, nahm mein Handy aber entgegen. Ich deutete grinsend auf das Essen. „Ich will währenddessen weiter essen", erklärte ich und da begann er auch zu grinsen.
„Neues Lieblingsessen, hm? Wenn du mich mal besuchen kommst mach ich dir auch Chicken mit Schokosauce."
Ich verschluckte mich, aber er hatte seinen Blick schon auf mein Handy gesenkt. „Sind das Du und Zayn? Süß. Also 2809 oder wie war das noch?"
Ich nickte nur und hustete weiter. Besorgt sah er kurz hoch. „Alles ok?" Wieder nickte ich nur und trank dann einen Schluck. Langsam konnte ich wieder atmen.
Harry tippte interessiert auf meinem Handy herum, aber anders als andere Menschen hatte ich keine Angst oder so. Ich hatte schließlich nichts zu verbergen.
„Dein Hintergrundbild ist niedlich", kommentierte er und ich sah auf mein Essen. „Das mit Zayn? Da waren wir beide ziemlich dicht und clingy. Wenn wir betrunken sind könnte man fast meinen wir wären ein Paar. Blöd nur, dass er hetero ist." Ich grinste.
„Danke für die Info, aber ich meinte eigentlich dieses hier." Harry drehte mein Handy zu mir um. Mein Homebildschirm war ein Foto von mir als ich etwa sechs Jahre alt war, in einer roten Sporthose und einem weißen Shirt, wie ich mich dehnte. Meine Mutter hatte es vor irgendeinem Schullauf aufgenommen und als Lottie es letztens gefunden hatte hatte sie es sofort als mein Hintergrundbild eingestellt. Uns als ihr eigenes. Weil sie es so süß fand.
Ich grinste. „Ach das."
Harry zog nur die Augenbrauen hoch, drehte mein Handy dann wieder zu sich und ich sah ihm mit gerunzelter Stirn zu wie er darauf herum tippte. Er wollte doch nur zu Fotos.
„Hm. Ich hätte irgendwie gedacht, du hättest mehr random Nummern von Typen", äußerte er sich und diesmal zog ich die Augenbrauen hoch. Was machte er da?
„Was machst du da eigentlich?"
„Ach, ich stalke dich ein bisschen." Er sah kurz zu mir auf und ich konnte mir ein leichtes Schmunzeln nicht verkneifen.
„Keine Sorge, die Fotos gucke ich mir schon noch an."
Ich grinste und beobachtete ihn eine Weile nur. Ich könnte ihn stundenlang einfach nur ansehen. Er war...Kunst.
„Ich lösche die Nummern", meinte ich dann relativ leise.
„Hm?" Kurz war er verwirrt, dann verstand er was ich wollte. „Oh. Das ist...radikal."
Ich zuckte nur mit den Schultern. „Ich will keine Beziehung. Und die wissen eigentlich worauf sie sich einlassen."
Harry zuckte mit den Schultern. „Okay."
Kurz herrschte Stille, dann lächelte Harry zu mir und meinte: „Also...Fotos?"
Ich nickte und er verdrehte die Augen, gab mir mein Handy und setzte sich dann auf die Bank neben mich, damit wir gleichzeitig aufs Display gucken konnten. „Such du einfach die Fotos aus, die du mir zeigen willst. Ich muss jetzt keine random Dic-Pics oder abfotografierte Tafelbilder sehen."
Ich grinste nur kurz, weil das tatsächlich einen Teil des Inhalts meiner Galerie widerspiegelte, ignorierte wie nah Harry an mir saß und dass mir das überhaupt auffiel und suchte nach den besten Bildern mit meinen Schwestern.
„Okay", begann ich, als ich ein gutes Foto von Lottie gefunden hatte. „Das ist die Älteste. Lottie. Sie ist drei Jahre jünger als ich, also 15. Das hier ist Fizzy, zwei Jahre jünger als Lottie und dann noch hier die Zwillinge, Phoebe und Daisy sind fast 7. Dieses Foto ist ein bisschen alt, da hab ich noch meinen alten Haarschnitt, bitte lach nicht, aber die beiden hatten Spaß mich ein bisschen zu verunstalten. Auf dem Foto hier sind Lottie und ich letztens auf einem Konzert gewesen. Und das hier ist mit Fizzy und Lottie auf der Hochzeit meiner Mum. Ach ja guck mal, da ist auch Zayn im Hintergrund, ist mir noch gar nicht aufgefallen. Und hier-" Ich stockte, als ich bemerkte, dass Harry gar nicht mehr auf mein Handy, sondern stattdessen mich ansah. „Was?"
„Nichts." Er lächelte. Und setzte sich dann wieder auf seinen Platz mit gegenüber. „Deine Schwestern sind alle echt hübsch. Und du siehst sehr glücklich aus auf den Fotos."
Ich musterte ihn nur mit gerunzelter Stirn. Er sah einfach weg und holte sein Handy aus der Hosentasche. „Oh Mist, meine Mutter hat mich schon zweimal angerufen. Ich ruf besser mal zurück."
Er tippte kurz auf dem Display herum und hielt sich dann sein Handy ans Ohr. Ich sah ihm nur dabei zu und widmete mich dann wieder meinem Essen. So großen Hunger hatte ich eigentlich gar nicht, deshalb war ich froh, dass Harry nicht so viel Essen geholt hatte.
„Ja? Mum?" Eine Falte bildete sich zwischen seinen Augenbrauen, was seinen Gesichtsausdruck unglaublich ernst machte und ihn noch zehn Mal heißer aussehen ließ.
„Okay...Mit Gemma?...Ja, klar...Ja, ich komme." Er nickte leicht, verabschiedete sich von seiner Mutter und legte dann auf. Ich sah ihn nur fragend an.
„Ich muss los", meinte er und machte die Box mit seinem Essen drin zu, um sie in seinen Rucksack zu packen. Ich tat es ihm gleich und holte auch noch meine Zigaretten raus. Alleine würde ich sicher nicht hier drin sitzen bleiben.
„Ich komm mit raus", sagte ich also und stand auf.
Harry nickte nur, dann fiel sein Blick auf die Schachtel in meiner Hand.
„Du solltest aufhören", meinte er und ich sah ihn verwirrt an.
„Was? Womit?", fragte ich und er nickte nur zu meiner Hand. „Mit dem Rauchen", erklärte er und setzte sich in Bewegung Richtung Treppe. „Ist nicht gut für dich", rief er über seine Schulter. „Okaay", antwortete ich gedehnt, nahm die Zigarette zwischen meine Lippen und folgte ihm. Was ging ihm das denn an?
Vor der Tür war ich etwas unsicher wie wir uns jetzt voneinander verabschieden sollten. Ich meine...Freunde waren wir nicht...aber ich hatte auch nichts mit ihm wie mit den anderen Typen mit denen ich mal was essen war oder so.
„Bis dann, Louis", meinte Harry, grinste mich an und wandte sich dann zum Gehen.
„Äh...Ja, bis dann." Ich kramte mein Feuerzeug aus meiner Jackentasche und sah ihm kurz hinterher. Da drehte er sich plötzlich nochmal um.
„Ach und...wenn du Fragen zu Shakespeare hast...schreib mir einfach", grinste er und ich runzelte nur meine Stirn. „Meine Nummer hast du", fügte er hinzu und verschwand dann um eine Straßenecke.
Ich machte meine Zigarette an, mich ebenfalls auf den Heimweg und holte mein Handy raus.
Und bei H fand ich was er meinte. Mit einem Harry :) hatte er sich bei mir eingespeichert. Und ich musste kurz lächeln, als ich das sah. Er war wirklich ein komischer Junge.
Später am Abend saß ich mit meiner Mum in der Küche. Ich hatte gerade Phoebe und Daisy ins Bett gebracht und Lottie und Fizzy sahen sich einen Film an. Ich hatte mir noch ein Brot gemacht, da ich beim Abendessen keinen Hunger hatte (was daran liegen könnte, dass ich etwa eine Stunde vorher noch meine Reste von KFC gegessen hatte), aber jetzt mein Magen knurrte.
Ich kramte meine Zigaretten aus meiner Jackentasche und legte sie vor mir auf den Tisch, damit ich gleich eine rauchen konnte. Meine Mutter bedachte mich nur mit einem nachdenklichen und etwas besorgten Blick.
„Louis Schatz, du solltest echt mal weniger rauchen. Am besten wäre es du hörst ganz auf, wirklich. Das ist nicht gut für dich", meinte sie dann. Und ich musste leicht grinsen, weil Harry es ja fast genau so auch formuliert hatte.
„Witzig, du bist heute schon die zweite Person, die mir das sagt", meinte ich nur und biss etwas von meinem Brot ab. Meine Mutter musste lächeln.
„Nun, wer immer das war...ich mag ihn." Grinsend stand sie auf, drückte mir noch einen Kuss auf die Stirn und verließ die Küche. Sie musste morgen früh raus.
Und ob ich es wollte oder nicht, der Gedanke, dass meine Mutter gerade gesagt hatte, dass sie Harry mochte (auch wenn es eigentlich nicht zählte, weil sie ihn nicht kannte), löste ein wohliges Gefühl in mir aus.
___
Am nächsten Tag wachte ich ziemlich verwirrt auf. Ich hatte irgendetwas von Harry geträumt, wusste aber so gut wie nichts mehr, außer, dass er halt da gewesen war. Aber das drückte wohl ganz gut aus wie sehr dieser Junge mich verwirrte. Irgendetwas war an ihm, das anders war als bei jedem anderen Menschen, den ich bis jetzt getroffen hatte. Er strahlte irgendetwas aus, was mich vom ersten Moment, in dem ich vorgestern seine Stimme gehört hatte auf eine merkwürdige Art und Weise aus dem Konzept gebracht hatte. Und das hatte sich bis jetzt nicht wieder eingependelt.
Das schien auch Zayn zu bemerken, der mich nur aufmerksam musterte als ich bei ihm ankam.
„Irgendwas ist los mit dir, Louis."
„Hm?" Ich wollte mir schon aus Gewohnheit eine Zigarette anzünden, doch ich hielt inne. Vielleicht sollte ich ja tatsächlich mal anfangen das etwas runterzuschrauben. Schließlich hatten ja Harry und meine Mum Recht damit, dass rauchen jetzt nicht so super gesund war. Und so dringend, dass ich nicht anders konnte war das Bedürfnis nach einer Zigarette gerade eh nicht.
Zayn musterte mich nur immer noch und runzelte die Stirn.
„Ich versuche etwas weniger zu rauchen", erklärte ich mein Handeln und er zog nur eine Augenbraue hoch und nickte dann langsam. „Woher der plötzliche Sinneswandel?"
Ich zuckte nur mit den Schultern und Zayn nickte wieder. „Okay. Dann sags mir nicht."
Ich seufzte. „Meine Mum meinte ich soll weniger rauchen. Und sie hat Recht." Das war keine Lüge. Nur vielleicht die halbe Wahrheit. Denn wie Zayn jetzt auch auffiel...
„Das hat deine Mum aber schon tausendmal gesagt. Wieso ist es plötzlich was anderes?" Ich zuckte nur wieder mit den Schultern und die Schulklingel erlöste mich. Zayn trat seine Zigarette aus und wir machten uns auf den Weg ins Gebäude. Zuerst hatte ich Musik, leider ohne Zayn, denn man musste sich zwischen Kunst und Musik entscheiden und das war ihm zwar schwer gefallen (anders als mir, ich konnte null zeichnen), aber schlussendlich war die Entscheidung dann doch auf Kunst gefallen.
Es war relativ langweilig, es ging nur um Noten und wir mussten ein Arbeitsblatt ausfüllen, also war ich ziemlich froh als endlich Pause war.
Ich lief auf den Schulhof und entdeckte Zayn mit seiner Freundin auf einer Bank. Innerlich stöhnte ich auf. Ich musste mir dringend mal einen weiteren Freund suchen. Ich war zwar auch mit Gigi befreundet, aber manchmal war das turteln der beiden dann doch zu viel des Guten. Also setzte ich mich auf den Baumstamm der auf unserem Schulhof lag (der Baum war irgendwann mal bei einem Sturm umgefallen und statt ihn wegschaffen zu lassen hatte unser fauler Hausmeister ihn einfach als neue Sitzgelegenheit bezeichnet und die Äste abgesägt), um Zayn und Gigi nicht zu stören.
Ich biss in mein Brot und kaute gelangweilt, als mir jemand von hinten auf die Schulter tippte.
„Hey", sagte Harry, ließ sich neben mich fallen und ich verschluckte mich fast.
„Hi", meinte ich dann, nachdem ich den Bissen runtergeschluckt und die Überraschung überwunden hatte. Ich war irgendwie leicht nervös, mein Bein wippte unruhig auf und ab.
Er grinste. „Also eigentlich wollte ich nur fragen, ob du Lust hättest heute mit mir diesen neuen Waffelladen in der Innenstadt auszuprobieren. Eleanor und Selena haben beide keine Zeit und deshalb dachte ich ‚das gestern war doch ganz lustig, warum wiederholen wir das nicht einfach?'"
Kurz starrte ich ihn einfach nur an, dann biss ich mir auf meine Unterlippe. „Ja", meinte ich dann. „Warum nicht?"
Harry lächelte und wieder konnte mein Gehirn nichts anderes denken als Fuck, wie kann ein Mensch so gut aussehen?
„Okay. Cool. Schreib mir einfach eine Nachricht, dann sag ich dir wo dieser Laden ist." Fröhlich stand Harry auf, grinste mir nochmal zu und machte sich dann auf den Weg zu Eleanor, die am Schuleingang stand und auf ihr Handy blickte. Als Harry bei ihr ankam zog er sie in eine enge Umarmung und meine Nervosität veränderte sich nur in ein komisches anderes Gefühl in meiner Brust, das ich nicht so richtig einordnen konnte. Aber es gefiel mir nicht.
Generell gefiel mir nicht, wie ich auf Harry reagierte. Irgendwie verlor ich die Kontrolle über mich. Das schüchterte mich ganz schön ein.
___
Ich überlegte viel zu lange was genau ich ihm schreiben sollte. Und irgendwann war ich so genervt von mir, dass ich einfach schnell irgendwas tippte und abschickte. Im Endeffekt wurde es ein Hi, huer idt Louis. Was aussah als wäre ich schon am helllichten Tag komplett betrunken. Das war wohl auch in etwa das was Harry dachte, denn kurz darauf kam die Antwort.
Oh wow, Alkohol so früh am Tag?
Ich verdrehte nur die Augen, da trudelte die nächste Nachricht ein. Es war ein Standort und dazu hier ist das Café. Wann treffen wir uns?
Wieder wurde ich irgendwie unsicher. Sollte ich mich wirklich mit ihm treffen? Was war das überhaupt? Ein Date ja wohl eher nicht. Aber Freunde waren wir auch nicht. Verwirrung machte sich in mir breit und ich schüttelte nur den Kopf und schob meine Gedanken weg.
In einer Stunde?, schrieb ich also zurück und bekam nur einen Smiley von ihm als Antwort. Ich fasste das jetzt einfach mal als ein Ja auf.
Ich würde vielleicht zwanzig Minuten mit der Bahn zu dem Laden brauchen, also ging ich nochmal duschen und machte mich fertig, um entspannt losfahren zu können. Meine Mum arbeitete heute länger und Lottie und Fizzy gingen die Zwillinge von der Grundschule abholen, deshalb hatte ich tatsächlich mal Zeit und das Haus für mich.
Ich brauchte länger mich für ein Outfit zu entscheiden als mir lieb war. Es störte mich, dass es mir anscheinend wichtig war was Harry von mir hielt. Aber abstreiten konnte ich es ja auch nicht wirklich. Ich wollte, dass er mich mochte.
Kurz darauf hatte ich mich endlich für Vans, einen schwarzen Pulli und Jeans entschieden und machte mich auf den Weg. Ich steckte mir Kopfhörer in die Ohren, machte Musik an und hatte ziemlich Glück, dass die Bahn sofort kam.
Das Café was Harry meinte sah tatsächlich ziemlich gemütlich aus. Es war in Brauntönen gehalten und das Licht war etwas gedimmt, abgesehen vom Tageslicht, was durch das Fenster schien. Harry war noch nicht da, also setzte ich mich auf eine Bank vor dem Café.
Nach einer Weile spürte ich wie mir jemand einen Kopfhörer aus dem Ohr zog. Ich zuckte kurz überrascht zusammen und drehte mich dann zu der Person.
Harry trug wieder dieses Outfit, was mich gestern schon fast um den Verstand gebracht hatte. Seine Boots, dazu schwarze Skinny Jeans und ein Hemd mit den drei oberen Knöpfen offen. Nur, dass das Hemd diesmal noch dünne schwarze Streifen hatte.
Kurz gesagt: Dann auch noch mit diesem strahlenden Lächeln, das Harry mir schenkte...er sah absolut unwiderstehlich aus.
„Hey."
Dazu kam, dass sein Hemd heute anscheinend leicht anders geschnitten oder noch lockerer war, denn man hatte einen besseren Blick auf seine Brust. Und damit auch auf einige Tattoos, die sich auf seiner Haut abzeichneten. Das war mir gestern aber noch nicht aufgefallen. Scheiße, die Tattoos an seinen Armen waren ja schon heiß, aber das hier hob seine Attraktivität auf ein ganz anderes Level.
Fuck, ich war am Starren. Und er wartete auf eine Antwort.
Ich atmete nochmal tief durch bevor ich mir auch ein Lächeln abrang und aufstand. „Hi."
„Wollen wir reingehen?"
Ich nickte. „Ja. Okay."
Harry hielt mir die Tür auf und lächelte mich weiterhin an. Wir setzten uns an einen kleinen Tisch irgendwo am Fenster und ich griff nach der Karte, um wenigstens irgendetwas zu tun. Immer noch war ich etwas unentspannt. Und das nervte mich.
„Wie kommt's, dass du hier hin wolltest?", fragte ich also und schüttelte dieses Gefühl ab. Ich wollte jetzt Spaß haben.
Harry sah von der Karte auf. Dann zuckte er mit den Schultern. „Ich hab gesehen, dass es eröffnet ist und hatte Lust auf Waffeln", meinte Harry und zuckte mit den Schultern. „Und wie gesagt weder Eleanor noch Danielle hatten Zeit." Hatte er nicht vorhin noch von Selena gesprochen? Ich runzelte die Stirn. „Also hab ich dich gefragt. Offensichtlich hast du ja Interesse daran dich mit mir zu unterhalten." Jetzt grinste er, aber bevor ich etwas darauf erwidern konnte kam die Kellnerin.
„Was darf es für euch sein?", fragte sie und lächelte uns an.
„Eine Waffel mit Vanilleeis und Schokosauce bitte", bestellte Harry und die Kellnerin nickte, schrieb es auf, wandte sich aber nicht sofort mit zu, sondern wanderte mit ihrem Blick kurz zu seiner Brust und starrte auf die offenen Knöpfe seines Hemdes beziehungsweise die Vögel, die sich auf seiner Brust abzeichneten.
„Ich hätte gerne eine Waffel mit Schokoladeneis und Sahne", sagte ich schnell und sie riss sich von Harrys Anblick los und sah peinlich berührt zu mir.
„Sicher. Was zu trinken?"
Aus dem Augenwinkel sah ich wie Harry anfing zu grinsen, das aber versteckte, indem er seinen Blick wieder auf die Karte senkte. Ich warf ihm nur einen kurzen Blick zu und lächelte wieder gezwungen der Kellnerin zu. Ich wusste nicht warum es mich so störte, dass sie Harry so angesehen hatte. Ich meine, wer konnte es ihr verübeln, ich tat das schließlich auch die ganze Zeit.
„Ein Wasser bitte", bestellte ich und Harry schloss sich mir mit einem frischen Minztee an.
Die Kellnerin verschwand und ich sah wieder zu meinem Gegenüber. Er studierte immer noch sehr interessiert die Karte, bis ich sie ihm einfach wegnahm. „Wir haben schon bestellt, was willst du denn noch?", fragte ich ihn neckend und er verdrehte nur grinsend die Augen, nahm sie mir wieder aus der Hand, klappte sie aber zu und steckte sie zurück zu den anderen Karten.
„Wie gehts dir?", fragte er dann und brachte mich leicht aus dem Konzept. Was sollte denn diese Frage jetzt?
„Ääh ganz gut", antwortete ich also perplex und er lächelte.
„Wie war dein Tag, was für Fächer hattest du, erzähl mir was. Irgendwas." Ich sah Harry mit gerunzelter Stirn an, aber er lächelte nur aufrichtig und stützte sein Kinn in eine Hand. Das brachte mich auch zum Lächeln.
„Ähm...ich weiß nicht", begann ich, etwas überfordert von der Frage. „Mein Tag war ganz okay, schätze ich. Musik war langweilig, Mathe okay, nur Sport hat richtig Spaß gemacht. Aber eigentlich ist das immer so", begann ich also ein wenig vor mich hin zu schwafeln.
„Bei wem hast du Sport?", fragte er.
„Ääh, bei Mr. Payne", antwortete ich und war immer noch etwas durcheinander, weil er so aufrichtig interessiert wirkte.
„Oh ja der ist cool, den hab ich in Geschichte."
Ich nickte. „Ja, er mir wirklich sympathisch. Anders als manch andere Lehrkräfte." Ich begann mit dem Zuckerstreuer zu spielen, der auf dem Tisch stand. Harry lachte leise. „Wie Mrs. Sanchez zum Beispiel?"
Ich musste grinsen. Dann nickte ich. „Ja, die ist anstrengend. Ich mochte Englisch eigentlich immer, aber sie vermiest es mir ein bisschen."
„Magst du Literatur? Also...liest du gerne? Passt ja eigentlich wenn man Englisch mag."
„Fragst du das wegen Shakespeare?"
Er zuckte mit den Schultern.
Ich wiegte meinen Kopf hin und her. „Mehr oder weniger. Ich hab nichts gegen lesen, aber wirklich freiwillig tue ich es jetzt auch nicht. Ich spiel in der Zeit dann lieber Fußball oder skate oder so. Also...Theater und so ist nicht unbedingt meins. Allerdings muss ich zugeben, ich liebe Musicals. Grease ist einfach ein Meisterwerk."
Harrys Grinsen wurde breiter. „Und ich hab mich schon gefragt, ob du irgendein Klischee erfüllst..."
„Was?"
„Na ja. Du passt ja jetzt was vieles angeht nicht unbedingt in die stereotypischen Züge eines homosexuellen Mannes. Aber die Vorliebe für Musicals scheinst du wohl abgekriegt zu haben."
Ich wusste nicht so richtig, was ich davon halten sollte. Und ob ich offended sein sollte oder nicht. Ich entschied mich dagegen und runzelte nur die Stirn. „Tja. Sieht so aus."
In diesem Moment kam die Kellnerin mit unseren Waffeln und unser Gespräch wurde unterbrochen.
Es sah ehrlich gesagt wirklich lecker aus und wir begannen sofort zu essen.
„Guten Appetit", wünschte Harry noch und ich erwiderte es nur, dann senkte ich meine Gabel in das Gebäck.
„Also...", griff Harry dann den Gesprächsfaden wieder auf. „Musicals sind nicht schlecht, aber ich bevorzuge dann doch Theater. Wie gesagt Stücke von Shakespeare sind großartig, aber ich kann mich auch für französische Literatur begeistern. Oder Don Juan finde ich auch nicht schlecht."
Ich nickte anerkennend und grinste kurz, dann schob ich mir die nächste Gabel in den Mund. Es war wirklich köstlich.
Kurz kam mir der Gedanke, was das genau hier eigentlich war. Den hatte ich zwar vorher schon, aber...dieses ganze Kennenlernen...machte man das nicht vor allem auf Dates? Dachte Harry das hier wäre ein Date? War es eins? Nein, auf gar keinen Fall. Ich war Louis Tomlinson. Wenn das hier ein Date war, war das gestern ja auch eins und dann wäre er schon in meinem Bett aufgewacht.
Aber was wenn er das doch dachte? Gut, ich wusste ja nicht mal ob er überhaupt auf Männer stand, aber was wenn er das hier für ein Date hielt? Wusste er von meinem...Casanova Dasein?
„Du solltest vielleicht wissen", begann ich also nachdem ich den Bissen zu Ende gekaut hatte. „Dass ich eigentlich nicht so der Typ bin, der...ernste...naja...Beziehungen eingeht oder so."
„Okay." Harry zuckte mit einer Schulter und kaute weiter an seiner Waffel.
Verwirrt sah ich ihn an. „Okay? Wie jetzt, okay?"
„Ich weiß. Ich meine...ist jetzt nicht der unbekannteste Fakt über dich. Außerdem hast du doch auch gestern schon darüber gesprochen." Okay, also kannte er meinen Ruf. Und er hatte Recht, ich hatte tatsächlich schon gestern mit ihm darüber geredet, wenn auch nur kurz.
„Hm." Ich musterte ihn eine Weile. „Und das stört dich nicht?"
„Warum sollte es?", fragte Harry, hob den Kopf, um mir genau in die Augen zu sehen und grinste mit einem Mundwinkel. „Willst du etwa, dass es mich stört?"
Sprachlos musterte ich ihn, setzte an etwas zu sagen und schloss meinen Mund dann wieder. Ich hatte absolut keine Ahnung, was ich darauf antworten sollte.
„Nein", meinte ich dann, nicht sonderlich überzeugend.
Harry lachte leise. „Das war jetzt nicht so überzeugend." Ich verdrehte die Augen und aß dann selber ein Stück von meiner Waffel. Er grinste breit. Dann wanderte sein Blick von meinen Augen etwas weiter nach rechts und er räusperte sich leise.
„Äh du...du hast da etwas..." Er wirkte plötzlich sehr abgelenkt. „Etwas...Sahne an der...äh"
Er streckte langsam den Arm über den Tisch und legte seinen Zeige- und Mittelfinger unter mein Kinn.
Und ich hatte absolut keine Ahnung warum, aber irgendwie begann mein Herz schneller zu schlagen, als er mich so berührte.
Langsam strich Harry mit seinem Daumen meine Wange entlang und mein Atem ging heftiger. Ich konnte meinen Blick nicht von seinem Gesicht nehmen. Gott, dieser Junge war so schön.
Harry ließ seine Hand eine kurze Weile so an meinem Gesicht und sah mich so intensiv an, dass ich langsam begann zu zittern. Fuck, dieser Junge war so unglaublich heiß.
Dann zog er seine Hand wieder zurück und führte seinen Daumen zwischen seine Lippen, um die Sahne abzulecken. Himmel, das machte er doch jetzt nicht wirklich!
Er sah mir tief in die Augen und ich atmete noch schneller. Wie es sich wohl anfühlte wenn- Stopp! Louis, denk an was anderes, sonst passiert hier gleich noch was was nicht passieren sollte!
Ich konnte mich nicht entscheiden was ich eher angucken sollte, seinen Mund oder seine Augen, die sich immer tiefer in meine bohrten. Mir wurde unsäglich heiß und ich verknotete meine Hände in meinem Schoß.
Da ließ Harry den Finger wieder aus seinem Mund gleiten und wischte ihn an seiner Serviette ab, aber doch hörte er nicht auf mich so anzusehen. Und ich konnte nur auf seine Lippen starren.
Hilfe, sie sahen so einladend aus.
Ich hatte das Bedürfnis ihn einfach zu mir zu ziehen und zu küssen bis ihm schwindelig wurde.
Und obwohl ich das jetzt bei jedem anderen Jungen getan hätte, irgendwas hielt mich bei ihm davon ab.
Vielleicht war es die Angst, dass, bei ihm, mir selbst auch schwindelig werden könnte.
Harry leckte sich über die Lippen und ein leises Keuchen verließ meinen Mund. Die Luft zwischen uns knisterte nicht nur, sie schien zu brennen und mir wurde immer heißer.
Doch dann verzogen sich Harrys Lippen zu einem Grinsen und er brach den Augenkontakt ab. Als wäre nichts gewesen nahm er eine weitere Gabel seiner Waffel und aß zufrieden vor sich hin.
Verwirrt riss ich mich von seinem Anblick los und schüttelte den Kopf, um an was anderes zu denken.
Was war das denn bitte gewesen? Vollkommen überfordert senkte ich ebenfalls den Blick wieder auf mein Essen und trank dann einen Schluck. Ich musste dringend wieder runterkommen. Harry verwirrte mich. Er verwirrte mich so krass.
Ich hatte noch nie so sensibel auf irgendwelche Berührungen oder Sätze berührt. Ich war noch nie so bemüht gewesen, dass jemand mich mochte. Generell hatte ich einfach noch nie so...naja...gefühlt?
Wir unterhielten uns weiter ein bisschen, wurden aber sehr schnell mit den Waffeln fertig und verließen das Café, weil Harry auf einen Verdauungsspaziergang bestand. Wie meine Großmutter...
Aber es war irgendwie nicht so schlimm. Ich war sogar fast ein bisschen aufgeregt. Warum auch immer. Wir liefen durch das Viertel und an einem Blumenladen blieb Harry kurz stehen, um sich ein paar der Pflanzen anzugucken. Er meinte er suche etwas für Eleanor, die bald Geburtstag hatte, aber nach 5 Minuten zog ich ihn dann doch weiter. Blumen könnte er auch wann anders kaufen. Und über Eleanor reden wollte ich auch nicht wirklich.
Aber es machte mir wirklich Spaß mit Harry. Ich genoss seine Anwesenheit und die Tatsache, dass ich sowas sonst nie machte (ich hatte schließlich außer Zayn nicht wirklich Freunde und sonst waren die Typen mit denen ich unterwegs war immer...nun ja...Typen von mir halt) machte es noch schöner.
Am Ende landeten wir in einem kleinen Mini Park - eigentlich war es eher ein Spielplatz mit einer Wiese daneben - als Harry eine Art Regal entdeckte, das neben einem kleinen Häuschen stand.
„Oh mein Gott, Louis!", rief er begeistert und zog mich darauf zu. Ich ließ es zu, war aber leicht verwirrt, weil ich nicht wusste was an Sperrmüll so toll sein sollte. Dann sah ich allerdings, dass es sich nicht um Sperrmüll handelte, sondern um eine von diesen leicht unnötigen Bücherbox-Dingern, die sowieso nur alte Menschen gut fanden.
Alte Menschen und Harry, wie es aussah.
Ich schüttelte schmunzelnd den Kopf und zog meine Schachtel Zigaretten aus der Jackentasche. Bis jetzt hatte ich es ganz gut mit nur einer Zigaretten heute ausgehalten, aber jetzt schien mein Körper schon irgendwie danach zu schreien. Zum ersten Mal fiel mir auf, wie abhängig ich tatsächlich war. Ich meine, klar ich hatte es gewusst, aber es zu realisieren ist dann doch noch mal was anderes.
„Ew", kam von Harry als einziger Kommentar, als er den Rauch gerochen und sich zu mir umgedreht hatte. Ich zuckte nur mit einer Schulter. Er beobachtete mich eine Weile, was mich leicht nervös machte.
„Nein, aber ernsthaft...", fing er dann an. „...stört das nicht deine ganzen Bettgeschichten?"
Ich runzelte die Stirn. „Was?"
„Naja ich meine...ist doch eklig. Ich persönlich küsse keine Leute, die rauchen." Und damit wandte er sich einfach wieder ab und kramte in der Bücherbox rum. Ich sah nachdenklich auf meine Zigarette.
Der Gedanke, dass Harry mich nicht küssen wollen würde störte mich aus irgendeinem unerfindlichen Grund. Ich verzog das Gesicht und beeilte mich zu Ende zu rauchen.
Bevor ich die Zigarette auf den Boden fallen lassen wollte, sah ich aus dem Augenwinkel einen Mülleimer neben einer Bank. Also ging ich zwei Schritte rüber, drückte meine Zigarette dort aus und warf sie weg.
Als ich mich umdrehte hatte ich das Gefühl, dass Harry sich ebenfalls schnell wieder umdrehte und die Bücher inspizierte. Hatte er mir etwa zugesehen? Aber wieso sollte ihm das peinlich sein? Ihm war doch nie etwas peinlich. Zumindest nicht vor mir. Er war der absolut lässigste, entspannteste Junge den ich kannte.
Ich gesellte mich zu ihm und sah zu den alten kaputten Büchern, die auf den Brettern standen.
Eine Ausgabe von Krieg und Frieden, komische Krimiromane, merkwürdige 60er Jahre Erotikgeschichten, ein Buch über Vögel, das auch schon einige Jahre auf dem Buckel hatte...Kurz gesagt: nach meinem Verständnis nur Schrott.
Aber Harry wirkte begeistert. In der einen Hand hatte er ein altes Märchenbuch, in der anderen irgendein alt aussehender Schmöker, dessen Klappentext er sich durchlas. Ich musste schmunzeln.
„Ich glaube ich nehme beide mit", verkündete er dann und lächelte zu mir. „Muss ich zwar zwei Bücher herbringen, aber das ist es wert."
Mein Mund öffnete sich und ich starrte ihn belustigt an. „Du bringst nicht ernsthaft Bücher im Tausch hier hin?"
„Natürlich!" Harry sah mich fast schon entgeistert an. „Ich kann doch nicht einfach welche mitnehmen ohne was hier zu lassen. Das wäre nicht nett andern gegenüber."
Sprachlos musterte ich ihn. „Harry, niemand interessiert sich für diese komischen Bücherboxen."
„Ähh doch. Ich zum Beispiel. Und wenn ich mich dafür interessiere, dann gibt es auch noch mehr Menschen da draußen, die sich dafür interessieren."
Noch mehr Spinner wie ihn? Das war schwer zu glauben. Aber seine Empörung war irgendwie niedlich. Moment. Niedlich?
Tomlinson, was ist nur los mit dir?
„Und nur aus Trotz nehme ich jetzt auch noch dieses Vogelfachkunde Buch mit", meinte Harry und begann zu grinsen. Dann griff er tatsächlich nach dem komischen Fachbuch und zog nur einmal provozierend in meine Richtung seine Augenbrauen hoch. Ich grinste zurück, schüttelte meinen Kopf und folgte dann Harry, der sich in Bewegung gesetzt hatte.
___
Ich musste leise lachen und schüttelte den Kopf. Zayn warf mir einen fragenden Blick zu. Wir standen auf dem Schulhof neben unserer kleinen Mauer und warteten mal wieder darauf, dass es zum Unterricht klingelte.
„Was ist so lustig?", fragte Zayn dann und versuchte einen Blick auf mein Handy zu erhaschen.
„Ach", winkte ich ab. „Er schickt mir nur ständig so dämliche Vogelmemes."
„Wer? Blake?" Zayn sah mich verwirrt an. Ich schüttelte nur abgelenkt den Kopf. „Nein, Harry!" Zayn runzelte nur die Stirn. „Harry Styles?"
Ich nickte. „Und die Namen der Seiten sind meistens lustiger als die Memes an sich. Ich meine pigeonsdoingthings? Der Typ hat doch echt einen Knall." Schnaubend schüttelte ich den Kopf und grinste als mich schon das nächste Meme erreichte.
„Aber anscheinend stehst du drauf", murmelte Zayn.
„Was?" Ich sah auf.
„Seit wann seid ihr bitte schön Freunde? Welchen Mittelteil hab ich verpasst?"
„Ach nein, gar nichts, wir sind keine Freunde. Wir waren nur letzte Woche zusammen essen", meinte ich und wurde zum Satzende hin immer leiser. Zayn schien mich trotzdem verstanden zu haben.
„Was?" Seine Augen wurden groß. „Hast du mit ihm geschlafen?"
„Wie bitte? Nein!", sagte ich sofort und blickte Zayn verwirrt an.
„Du, der großartige Louis Tomlinson warst mit Harry Styles essen und hast ihn nicht ins Bett gekriegt?" Immer noch ungläubig sah mein bester Freund zu mir.
„Ich hab gar nicht versucht ihn ins Bett zu kriegen."
„Aber du warst mit ihm essen." Zayn sah mich verständnislos an. „Du gehst nie mit Leuten essen, wenn du sie nicht ins Bett kriegen willst."
Und ich verstand ihn ja. Er kannte mich nunmal und so war ich. Eigentlich. Aber bei Harry...war es halt irgendwie...anders.
„Mit dir bin ich doch auch manchmal essen", sagte ich also nur.
„Ja, aber wir sind Freunde."
„Eben."
„Du hast doch gerade gesagt ihr wärt keine Freunde." Zayns Blick wurde immer verwirrter.
„Nein, sind wir ja auch nicht."
„Louis, verdammte Scheiße hör auf mich so zu verwirren! Jetzt sag was Sache ist!", forderte er mich auf und grinste.
„Mann, keine Ahnung! Wir waren halt irgendwie bei KFC und am nächsten Tag bei diesem Waffelladen und jetzt schreiben wir halt ein bisschen. Wobei das hauptsächlich aus seinen Vogelmemes und Knock Knock Witzen besteht, die wirklich grausam sind, mal ganz by the way."
„Ihr wart sogar schon zweimal essen?"
Ich zuckte nur mit den Schultern. Es regte mich irgendwie auf, dass ich es Zayn gesagt hatte. Mann, ich brauchte eine Zigarette.
„Ich weiß nicht mal warum ich dir das überhaupt erzählt habe, eigentlich wollte ich das gar nicht", meinte ich, mehr zu mir selber als zu ihm, während ich meine Jackentasche nach Zigaretten abklopfte.
„Was? Warum nicht?" Jetzt sah Zayn fast ein bisschen verletzt aus. „Wir erzählen uns doch sonst alles."
„Ich...ich weiß..." Ich seufzte. „Keine Ahnung. Ich wollte nicht, dass du ihn wieder als einen meiner Typen abstempelst und sofort denkst da geht was oder so." Ich holte die Schachtel raus und steckte mir eine Zigarette zwischen die Lippen.
„Du..." Zayn kam einen Schritt näher. „Du wolltest nicht, dass ich ihn als einen deiner Typen abstemple? Das stört dich doch sonst auch nicht. Du spielst es doch selber immer so runter."
„Ja..." Ich stockte. „Mann, ich weiß auch nicht. Bei Harry stört es mich halt." Ich sah weg. „Hast du mal Feuer?"
Wortlos reichte Zayn mir sein Feuerzeug.
„Du...", begann Zayn nach einer Weile, biss sich aber auf die Unterlippe und sprach nicht weiter.
„Was?" Ich wusste nicht warum, aber ich war leicht gereizt. Lag vielleicht am Nikotinmangel. Ich machte meine Zigarette an und zog genüsslich.
„Nein...ist egal." Zayn musterte mich kurz, dann schüttelte er leicht den Kopf und lächelte.
„Ist egal", sagte er nochmal und sein Lächeln verwandelte sich in ein Grinsen. Und obwohl mich das sonst leicht aggressiv gemacht hätte (ich hasste es wenn Menschen einen Satz anfingen, den dann aber nicht zu Ende brachten) senkte ich den Blick wieder auf mein Handy, denn ich hatte wichtigeres zu tun als mich über Zayn aufzuregen.
Mit einem leichten Lächeln auf den Lippen antwortete ich dem Vogelfreak.
___
Die nächsten paar Tage schrieben Harry und ich ständig. Und warum auch immer, selbst wenn er mir nur einen seiner wirklich schlechten Knock Knock Jokes erzählte oder einen random Fakt aus dem Vogelbuch raushaute, machte es mich irgendwie immer glücklich wenn mich eine Nachricht von ihm erreichte. Und das verwirrte mich. Total.
Also dachte ich einfach nicht weiter drüber nach.
Jetzt gerade saß ich mal wieder in Matheunterricht, einem meiner wenigen Kurse, die ich nicht mit Zayn hatte, dafür aber der zweite Kurs, in dem auch Harry war. Und Eleanor. Die war überall wo er war. Und das nervte mich irgendwie. Was mich auch verwirrte.
Also dachte ich auch da einfach nicht weiter drüber nach.
„Okay", riss mich Mr. Carson aus meinen Gedanken und ich sah von der kleinen Zeichnung auf, die Zayn in der letzten Stunde auf meinen Heftrand gekritzelt hatte. Es war ein Auge. Denn immer wenn Zayn nicht wusste, was er zeichnen sollte, waren es Augen. Dieses hier sah erschreckend krass aus wie das seiner Freundin. Keine Ahnung, warum er das so gut konnte.
„Ihr sucht euch jetzt alle einen Partner und jede Gruppe bekommt dann ein Arbeitsblatt von mir. Ihr sollt alle etwa zwei-minütige Referate über das jeweilige Thema erarbeiten und nächste Stunde hören wir uns die alle an."
Sofort suchten alle mit Blicken nach einem Partner und es wurde ein bisschen laut, weil alle durch den Raum durch kommunizierten. Ich biss mir auf die Unterlippe und rief dann nur leise: „Harry?"
Er drehte sich zu mir um und ich wurde mit einem kleinen Lächeln fragend angesehen.
„Sind wir eine Gruppe?", fragte ich und er drehte seinen Kopf kurz zu Eleanor, sagte irgendetwas und als sie nickte sah er zurück zu mir und nickte warm lächelnd. „Gerne." Er stand auf, knuffte Eleanor nochmal in die Schulter, griff dann nach seinem Block und setzte sich zu mir. Und ich wurde leicht nervös. Mal wieder.
Warum auch immer. Denn anscheinend waren wir ja irgendwie so etwas wie Freunde.
Glaubte ich jedenfalls, so richtig wusste ich das auch wieder nicht. Bei Zayn war ich nie nervös. Bei Harry schon, er machte mich irgendwie unsicher, aber trotzdem genoss ich seine Anwesenheit. Sehr.
Das verwirrte mich.
Also tat ich was ich immer tat wenn mir etwas zu viel oder zu kompliziert wurde.
Ich dachte einfach nicht weiter drüber nach.
___
Kurz darauf hatten wir begonnen zu arbeiten und uns am Ende der Stunde darauf geeinigt das Projekt am nächsten Tag bei einem von uns fertig zu machen. Er hatte sich mit einem „Ich schreib dir", von mir verabschiedet, was mich mit einem wohligen Gefühl im Bauch und noch mehr Verwirrung zurückgelassen hatte.
Und jetzt stand ich hier vor seinem Haus und mein Finger schwebte überm Klingelknopf. Tief atmete ich durch und drückte dann darauf. Das leise Schrillen im Haus nahm ich sogar von außen wahr und dann hörte ich Schritte die näher kamen.
Unsicher steckte ich meine Hände in die Hosentaschen und wippte kurz auf meinen Füßen auf und ab. Die Tür vor mir öffnete sich und ein Mädchen mit schulterlangen braunen Haaren stand mir gegenüber. Sie lächelte mich an.
„Hey, du musst Louis sein. Ich bin Gemma, Harrys Schwester. Er ist gerade noch duschen, aber er ist sofort fertig, komm doch rein." Sie trat einen Schritt zur Seite und ich konnte nur staunen. Das gute Aussehen schien in der Familie zu liegen. Gemma war wirklich unnormal hübsch.
„Ähm, danke", entgegnete ich, nicht besonders geistreich und trat an ihr vorbei ins Haus. Etwas unsicher zog ich meine Schuhe aus und stellte sie neben die unzähligen anderen Paare, die neben der Garderobe auf dem Boden standen. Der Flur führte nach ein paar Metern eine Treppe hoch, man konnte aber auch links an ihr vorbei, oder durch eine Tür auf der linken Seite.
„Du kannst theoretisch schon in Harrys Zimmer warten, wenn du willst. Oder möchtest du was trinken, essen? Wir haben noch Nudeln, falls du Lust hast."
Wow, Gemma verstand echt etwas von Gastfreundschaft. Ich wollte erst den Kopf schütteln, doch dann nickte ich. „Ein Glas Wasser wäre nett."
„Okay." Sie lächelte und bedeutete mir mit einer Kopfbewegung ihr zu folgen. Die Küche befand sich direkt zwei Meter weiter durch die Tür links, davor hingen einige Fotos an der Wand. Interessiert blieb ich stehen.
„Seid ihr das?", fragte ich dann und deutete auf ein Foto. Es waren zwei Kinder auf einer gestreiften Decke, die im Gras lag. Das Mädchen hatte den Jungen von hinten umarmt und es war einfach nur niedlich. „Hm?" Gemma stellte sich neben mich und grinste dann. „Ja. Das ist die Harry und Gemma Wand. Fotos mit Mum sind alle im Wohnzimmer."
Ich lächelte nur zu ihr und sah dann ein Foto was noch nicht allzu lange her sein musste, aber mein Herz aufgehen ließ. Die beiden lagen zusammen einander zugewandt unter einer rot-blau karierten Decke in irgendeinem Bett und schliefen. Gemmas Kopf lag auf einem Simba-Kissen und man sah sie kaum, während Harrys Gesicht relativ gut zu erkennen war. Es war einfach nur wunderschön.
So würde ich auch mal gerne neben Harry liegen. Einfach nur seine Anwesenheit spüren und mich entspannen. Gedankenverloren lächelte ich dumm vor mich hin und guckte mir die anderen Bilder an.
Eins von Harry und Gemma auf irgendeiner Terrasse wo sie auf seinem Schoß saß und beide in die Kamera lächelten, eins in schwarz weiß auf dem beide noch klein waren und Harry Gemma auf die Wange küsste, eins von hinten fotografiert, wo beide einen Hut trugen und Arm in Arm auf irgendeiner sonnigen Straße liefen und viele mehr, die ich mir gar nicht alle ansehen konnte.
Vor allem, weil das sonst leicht komisch gewirkt hätte, ich riss mich also von dem Anblick eines winzigen Harry los und folgte Gemma, die leicht amüsiert aussah dann in die Küche.
Am Küchentisch saß allerdings noch jemand. Ich tippte einfach mal auf Harrys und Gemmas Mutter, das war das naheliegendste. Als ich mit Gemma reinkam sah sie von ihrer Zeitung auf und begrüßte mich ebenfalls mit einem warmen Lächeln. Irgendwie fühlte ich mich hier jetzt schon wohl.
„Hallo, du musst Louis sein. Ich bin Harrys Mutter, Anne. Freut mich dich kennenzulernen."
Ich nickte nur und lächelte leicht schüchtern zurück. „Ja, freut mich auch."
„Sprudel oder Still?", fragte Gemma jetzt und drehte sich zu mir um.
„Ääh gerne mit Sprudel", antwortete ich und Gemma grinste sofort. „Endlich mal jemand normales hier im Haus! Mum und Harry trinken beide nur stilles Wasser, weil ihnen Sprudel, ich zitiere, zu sehr wehtut."
„Was?" Lachend sah ich zu Anne und diese nickte nur grinsend. „Ja ja, da sind wir nunmal empfindlich."
Lächelnd reichte Gemma mir ein Glas mit Wasser. „Ich gehe mal eben schauen, wie weit Harry ist." Mit einem weiteren herzlichen Lächeln ging sie an mir vorbei und verließ die Küche. Ich trank einen Schluck und wusste nicht so richtig wohin mit mir selbst. Leicht awkward kratzte ich mir am Hals.
„Und du und Harry...", begann Anne jetzt. „Ihr...kennt euch noch nicht so lange, richtig?"
„Naja..." Ich kam etwas näher und setzte mich einfach zu ihr an den Tisch. „Wie sind schon lange auf einer Schule, aber das stimmt, ich wusste nie wirklich, dass es Harry gibt, auch wenn das jetzt irgendwie arrogant klingt. Aber letztens haben wir uns nach Englisch ganz gut unterhalten und sind dann zusammen was essen gegangen. Und jetzt sind wir irgendwie...Freunde? Schätze ich?"
Anne lächelte. Und obwohl es vielleicht eigentlich etwas merkwürdig sein sollte das alles der Mutter eines Freundes zu erzählen, die man seit zwei Minuten kannte...es kam mir nicht so vor. Klar, war es noch ein bisschen awkward, so wie immer wenn man zum ersten Mal bei jemandem zu Hause ist, aber an sich fühlte ich mich sehr wohl und Anne sowie Gemma unterstützten das Gefühl nur. Ich kam mir schon so akzeptiert vor. Es war nicht so ein „Wehe du verletzt Harry, wir sind noch sehr skeptisch, du bist halt ein neuer Freund, den wir nicht kennen", sondern eher ein „wir freuen uns unglaublich, dass Harry und du jetzt Freunde seid, komm gerne immer wieder, du bist hier willkommen". Und das machte mich wirklich glücklich.
„Das freut mich", sagte Anne jetzt auch und deutete dann zum Herd. „Wenn du noch Nudeln haben willst, kann ich dir gerne was geben, aber du kannst auch in Harrys Zimmer warten wenn dir das lieber ist. Er ist bestimmt eh gleich fertig. Einfach die Treppe hoch und die zweite Tür rechts."
Ich nickte und stand auf. „Vielen Dank."
Sie lächelte nur und widmete sich wieder ihrer Zeitung. Ich verließ die Küche und ging die Treppe hoch. Unter der ersten Tür rechts brannte Licht und Musik sowie das Geräusch einer Dusche klang dahinter hervor. Das musste das Bad sein. Eine Tür weiter blieb ich stehen. Das hier war unverkennbar Harrys Zimmer. Es klebten nämlich die Buchstaben H und S in Gold an der Tür.
Hier oben waren noch zwei andere Türen gegenüber, die vermutlich zu Annes und Gemmas Zimmern führten aber ich öffnete einfach die Tür zu Harrys Zimmer und staunte nicht schlecht als ich es betrat. Direkt gegenüber von mir war ein kleiner Balkon, die gesamte Wand um die Balkontür war tapeziert mit Bandpostern und Konzerttickets, sowie Theatereintrittskarten, soweit ich das erkennen konnte. Davor stand eine Gitarre.
An der rechten Wand befand sich ein Schreibtisch, nicht besonders groß, übersäht mit Heften, Stiften und einer Schreibtischlampe, die noch an war (Ha, und er sagte er kümmerte sich um die Umwelt. Heuchler). Direkt neben mir an der Wand hing ein riesiges, eingerahmtes Bild in Schwarz Weiß, auf dem man ihn sah, zusammen mit Eleanor wie sich aus ungefähr zwei Metern Entfernung intensiv ansahen und Harry die Hand nach ihr ausstreckte. Er sah scheiße gut aus, er trug wieder sein typisches Outfit, weißes Hemd, Skinny Jeans, und Boots, und irgendwie war die Belichtung des Fotos unglaublich gut. Seine Gesichtskonturen, eigentlich alle seine Konturen kamen sehr gut hervor und aus dem Bild zeichneten sich sofort Emotionen ab. Man konnte irgendwie sehen, dass Harry und Eleanor tiefe Gefühle füreinander hatten und das machte mich fertig. Ich wollte das Bild dafür hassen, aber leider ging das nicht. Harry sah einfach zu gut aus.
Links von mir stand noch ein großes Bett, und dahinter vorm Fenster ein langes Bücherregal, das sich unter dem Fenster die gesamte Wand entlang zog, darauf stand ein Plattenspieler.
Die Decke hatte Harry mit unzähligen Leuchtsternen beklebt und er hatte keine Lampe, sondern einfach eine Glühbirne von der Decke hängen. Kurz gesagt: Das Zimmer passte so perfekt zu Harrys Persönlichkeit, dass ich es fast nicht glauben konnte.
Ich ging zur Wand mir gegenüber und strich vorsichtig über eins der Bandposter. Aber so vorsichtig musste ich gar nicht sein, es war alles fest. Ich strich mit meinen Fingern über die verschiedenen Namen und Tour Dates, die auf manchen standen. Fall Out Boy, The Script, The Beatles, Konzerttickets für Fleetwood Mac, ein Ticket für eine Hamlet Inszenierung, sogar eine Seite aus irgendeinem Drama, und einiges mehr. Dann griff ich nach der Gitarre und strich behutsam über die Seiten. Es war eine schwarze Westerngitarre und sie musste an Harry bestimmt unglaublich gut aussehen. Then again, alles sah an Harry gut aus, von daher...
„Gefällt dir mein Zimmer?", fragte plötzlich eine tiefe Stimme hinter mir und ich zuckte zusammen.
„Gott, Harry, erschreck mich doch nicht so", meinte ich nur und drehte mich zu ihm um. Er lächelte warm. Jetzt wo ich seine Mutter kannte wusste ich auch woher das kam. Er trug ein schwarzes Shirt und eine Jogginghose, was etwas ungewohnt, aber nicht weniger schlecht an ihm aussah. Trotz seiner noch nassen Haare sah er nämlich einfach umwerfend aus. Wie immer.
Er kam ein paar Schritte auf mich zu und musterte mich mit diesem intensiven Blick. Ich schluckte.
„Hi", meinte er.
„Hi", entgegnete ich leise und lächelte schüchtern. „Und ja...mir gefällt das Zimmer. Sehr. Es ist irgendwie so...du."
Harry grinste und entfernte sich dann von mir, um sich auf sein Bett fallen zu lassen. Ich folgte ihm und setzte mich dann daneben.
„Das Bild", fing ich an. Harry blickte zu mir und dann auf das Foto. „...ist echt...mega krass. Man sieht richtig...was für...Gefühle du für sie hast." Die letzten Wörter nuschelte ich leise, aber Harry schien sie verstanden zu haben.
Er lachte. „Na, das will ich doch hoffen, wir haben schließlich Romeo und Julia gespielt."
„Was?" Verwirrt blickte ich zu ihm. Er grinste. „Siehst du nicht, dass wir auf einer Bühne stehen? Okay, ich geb's zu, wenn man es nicht weiß erkennt man es nicht direkt. Aber das Foto hat ein Freund von mir bei einer Probe gemacht. Er ist echt richtig gut was Fotografie angeht und Bühnenbeleuchtung und halt die beste Belichtung die man für Fotos haben kann."
„Das heißt..."
„Wir haben da gerade eine Szene gespielt. Und Liam hat ein Foto davon gemacht. Das Foto ist übelst geil geworden, deshalb hab ich es mir drucken und rahmen lassen." Er blickte zu mir und lächelte. „Freut mich, dass es dir gefällt."
Ich runzelte die Stirn. „Ja...", meinte ich dann leise und biss mir auf die Unterlippe. „Ja."
„Dachtest du ich hätte Gefühle für Eleanor?", fragte Harry und klang leicht belustigt.
„Hm? Na ja, ich meine...sieh dir das Foto doch mal an. Das siehst sie an als wäre sie dein Lebensgrund." Diese Unsicherheit machte mich verrückt. Wann war ich so geworden? Wo war mein Selbstbewusstsein hin?
Harry lächelte nur. „Julia ist ja auch Romeos Lebensgrund. In gewisser Weise. Aber Eleanor nicht meiner. Ich hab sie wirklich lieb, aber sie ist nur meine beste Freundin."
„Aber so einen Blick kann man doch nicht einfach..." Ich sah zu ihm. „Nicht einfach faken oder?"
Jetzt schmunzelte Harry. „Das nennt sich nicht faken, Louis. Das heißt Schauspielerei."
„So gut kann doch niemand spielen." Ich runzelte meine Stirn und musterte das Bild. Diese Emotionen die man an Harrys Blick ablesen konnte...das musste doch echt sein.
„Achja?" Harry zog eine Augenbraue hoch und bevor ich mich versah rückte er näher zu mir und hatte seine Hände an meine Wangen gelegt. Er sah mir tief in die Augen und sein Blick war so ernst, dass mir fast schwindelig wurde. „Louis", begann er leise und ich wusste nicht wie mir geschah. Mein Puls hatte sich gefühlt verdreifacht und ich konnte nichts weiter tun als ihm einfach in die unglaublich grünen, verdammt schönen Augen zu sehen.
„Du bist mein Leben", sagte er sanft. „Ich liebe dich, mit jeder Faser meines Herzens und wenn dir irgendetwas zustoßen würde ich mir das niemals verzeihen. Ich kann meinen Blick nicht von dir nehmen. Du bist so wunderschön. Wirklich. Du verzauberst mich. Auf jede mögliche Art und Weise."
Und scheiße.
Ich glaubte ihm. Ich glaubte ihm jedes Wort. Er sah mir tief in die Augen und dann auf die Lippen und ich konnte nicht anders als meinen Blick ebenfalls zu seinen Lippen wandern zu lassen. Ich atmete flacher und mein Gehirn wollte schon aussetzen, da zog Harry sich grinsend zurück und zuckte mit einer Schulter. „Siehst du?", meinte er. „Alles eine Frage der Schauspielerei."
Ich starrte verwirrt vor mich hin und schüttelte kurz ein wenig den Kopf, um dieses Gefühl abzuschütteln. Funktionierte nur so semi gut. Ich zuckte mit den Schultern. „Hm."
Was machte dieser Junge nur mit mir?
„Wollen wir das Projekt zu Ende machen?", fragte ich, einfach, um mich auf andere Gedanken zu bringen und Harry nickte. „Okay." Er ging zu seinem unordentlichen Schreibtisch und griff nach seinem Rucksack der darunter stand. Ich sah ihm nur dabei zu, wie er ihn aufmachte und einen Ordner rausholte, dann aber stockte und einen gelben Regenschirm aus dem Rucksack holte. „Oh, den muss El aus Versehen in meinem Rucksack vergessen haben", meinte er. Dann sah er zu mir und grinste. „Sie scheint wohl doch meine Seelenverwandte zu sein."
Ich runzelte die Stirn. „Warum denn das? Ihr seid beide schusselig?", fragte ich nur und sah zu dem Bild. Diese Verbindung zu Eleanor...störte mich einfach. Obwohl beide - ja, sie auch, das musste ich zugeben - auf dem Bild absolut schön aussahen.
„Was? Äh...nein. Gelber Regenschirm und so", erklärte Harry, was mich dazu veranlasste wieder zu ihm zu sehen.
„Hä?"
Ich musste wohl ziemlich lost aussehen, denn Harry zog nur die Augenbrauen hoch. „Du hast wirklich keine Ahnung wovon ich spreche, oder?"
Ich war immer noch verwirrt. „Nee, irgendwie nicht."
Jetzt sah Harry mich fast schon fassungslos an. „Hast du nie how I met your mother gesehen?"
Ich sah ihn einfach nur weiter an und sein Mund klappte auf. „Echt jetzt?", fragte er ungläubig. Ich zuckte mit den Schultern.
„Du hast nie how I met your mother gesehen?", fragte er nochmal und ich seufzte und schüttelte den Kopf. „Nein. Was ist denn daran so schlimm?"
Harry blinzelte nur. „Okay", begann er und sprach fast mehr zu sich selbst als zu mir. „Okay, das müssen wir dringend ändern!"
„Was? Warum das denn?", fragte ich jetzt und Harry schüttelte nur verzweifelt den Kopf. „Na...nur weil es in etwa die beste Serie jemals ist?"
„Ich bin nicht so ein Serienmensch." Wieder zuckte ich mit den Schultern. „Ich guck lieber Filme."
Gespielt geschockt legte Harry sich eine Hand aufs Herz. „Ich sehe dich in einem ganz neuen Licht, Louis Tomlinson."
Ich verdrehte nur die Augen, musste aber anfangen zu grinsen. Harry war so ein Idiot. Er grinste ebenfalls. Dann stand er auf. „Nein, aber ernsthaft. Das müssen wir ändern", meinte er, griff nach dem Laptop auf seinem Schreibtisch und kam zurück zu mir aufs Bett.
„Mach's dir gemütlich, wir haben ne Menge Staffeln vor uns."
___
Im Endeffekt mussten wir die Mathepräsentation in der Pause vorm Unterricht vorbereiten. Aber immerhin waren wir dafür schon fast bei Staffel 2.
Er hatte nunmal Recht gehabt, es war wirklich eine gute Serie. Es hatte Spaß gemacht sie zu sehen und vor allem hatte es Spaß gemacht sie mit Harry zu sehen.
Und ich musste zugeben, irgendwie hatte es fast noch mehr Spaß gemacht ihn zu beobachten als das Geschehnis auf dem Bildschirm. Wir hatten die ganze Zeit nebeneinander gelegen und irgendwann hatten sich dann unsere Arme berührt. Und ich hatte das unglaubliche Bedürfnis gehabt mich an ihn zu kuscheln, mich aber gerade noch so zusammenreißen können.
Zum Glück.
Denn das alles hatte nur noch mehr zu Verwirrung in meinem Kopf geführt. Und jetzt saß ich hier gegenüber von ihm am Tisch auf dem Schulhof und beobachtete ihn dabei wie er den Kopf über unser Mathebuch beugte und sich konzentriert auf der Lippe herum kaute. Und wieder konnte ich nicht anders als ihn unglaublich hübsch zu finden. Attraktiv. Und schön.
Und irgendwie wollte ich das alles nicht.
Aber vielleicht ja doch.
Und vielleicht war es viel eher das, was mich verwirrte.
___
Einen Tag später träumte ich von ihm. Und es war zum Kotzen kitschig, wir waren auf irgendeinem Boot und sahen uns den Sonnenuntergang an und Harry legte seine Hände an meine Wangen und sagte genau die gleichen, viel zu überzogenen Worte, die er gesagt hatte, um mich von seinen Schauspielkünsten zu überzeugen.
Etwas was Louis Tomlinson eigentlich gehasst hätte. Aber in meinem Traum schmolz ich förmlich dahin.
Und als ich vollkommen verwirrt aufwachte, war ich erst noch komplett erfüllt von einem wohligen Gefühl, das ich nicht einordnen konnte. Ich kannte Harry seit knapp zwei Wochen (gut seit 12 Tagen, aber wer zählte denn schon?) und trotzdem war ich anders in seiner Anwesenheit.
Ich stand müde auf und versuchte mich mit einer Dusche auf andere Gedanken zu bringen, aber das funktionierte nur so semi-gut. Ein durch Sonnenuntergangslicht golden strahlender Harry, der beteuerte wie sehr er mich liebte schlich leider weiterhin in meinen Gedanken herum.
Ich frühstückte mit meiner Familie und machte mich dann gemeinsam mit Fizzy und Lottie auf den Weg in die Schule. Es war Freitag, ich hatte Spanisch in der ersten Stunde und normalerweise waren das Dinge über die ich mich freuen konnte. Und ich war auch gut gelaunt. Aber gleichzeitig so dermaßen durcheinander.
Ich sah Zayn mit Gigi zusammen unter unserer üblichen Platane stehen und ging auf sie zu. Ich mochte Gigi, wie gesagt waren wir auch befreundet. Zayn und sie waren jetzt schon über ein Jahr zusammen, schienen sich wirklich glücklich zu machen und wir hatten schon so einige Abende zu dritt verbracht, ohne, dass ich mir komplett überflüssig vorkam. Deshalb mochte ich die Beziehung der Beiden.
„Hey Louis", begrüßte mich Gigi, die von Zayn an der Taille umschlungen wurde und dieser grinste nur und schlug mit mir ein.
„Hey", antwortete ich und mein Blick schweifte an Zayn vorbei weiter über den Schulhof. Und da ich entdeckte ihn auch. Er saß auf der komischen Baumstamm-Bank, Eleanor stand vor ihm und schien sich über irgendetwas aufzuregen, zumindest gestikulierte sie wild mit den Händen in der Luft herum.
Harry griff nach ihrer Hand und zog sie neben sich. Ich hatte schon irgendwie Angst, aber er küsste sie nicht oder so. Es schien eher als würde er sanft auf sie einreden. Sie nickte dann und begann mit seiner Hand zu spielen, die locker auf ihrem Knie lag.
Schon wieder spürte ich dieses nervige Gefühl in der Magengegend. Was sollte das? Was war das? Ich wusste nur, dass ich irgendwie nicht wollte, dass die beiden so nah aneinandersaßen. Dass es normal war, dass sie seine Hand nehmen konnte.
War das etwa...wie sich...Eifersucht anfühlte?
„Hey Louis!", sagte jetzt eine Stimme energisch und jemand schnipste vor meinem Gesicht herum. Ich zuckte nur zusammen und fiel aus meiner Starre. Scheiße, ich hatte Harry ganz schön angestarrt.
„Bist du noch anwesend?"
Ich nickte Zayn nur zu. „Ja, ja, ich bin hier."
„Aber mit deinen Gedanken woanders", kommentierte er nur und ich boxte ihm leicht gegen die Schulter. „Du Idiot."
„Also mal ganz an Rande", begann Gigi jetzt. Ich sah zu ihr. „Ich würde es shippen." Sie zog eine Augenbraue hoch, nickte über Zayns Schulter zu Harry und grinste.
Ein warmes Gefühl machte sich in mir breit und ich konnte mein kleines Lächeln nicht verhindern. Scheiße, sie hatte nur gesagt, sie würde es shippen, Sie hatte mir weder ein Kompliment gemacht, noch irgendwelche guten Nachrichten überbracht. Wieso fühlte sich das so gut an?
Gigis Grinsen wurde immer breiter und ich hatte fast das Gefühl sie könnte meine Gedanken lesen. Ich sah kurz weg, machte einen nervösen Schritt nach hinten und stellte mich dann wieder normal hin. Zayn schaute nur verwirrt zwischen uns her. Dann schüttelte er den Kopf.
„Ich hab dir von Anfang an gesagt er verwirrt dich, Bro."
Ich zuckte nur mit den Schultern, sah nochmal kurz zu Harry, der gerade breit lächelte (leider zu Eleanor und nicht zu mir) und seufzte dann.
Zayn grinste.
Und ich verfluchte ihn dafür, dass er Recht hatte.
___
In der ersten Pause nach Spanisch beschloss ich Harry zu suchen. Wir waren ja inzwischen irgendwie sowas wie Freunde und deshalb konnte ich doch wohl auch einfach die Pause mit ihm verbringen, oder?
Ich ließ meinen Blick über den Schulhof gleiten und es war fast so als wären meine Augen inzwischen darauf trainiert Harry zu suchen, denn ich entdeckte ihn sofort. Er stand mit Eleanor - natürlich, wie denn auch sonst? - und Selena neben der Sporthalle und sie schienen sich über irgendetwas zu unterhalten. Ich machte mich auf den Weg.
„Hi Louis", begrüßte Selena mich lächelnd als ich bei ihnen ankam und Eleanor drehte sich überrascht um. „Hallo", meinte sie auch und nickte mir freundlich zu.
„Hi Selena, hi Eleanor", sagte ich und ließ meinen Blick dann zu Harry wandern. „Hi Harry." Meine Stimme war etwas leiser geworden, aber ich sah ihn direkt an.
Er lächelte. „Hey Louis", meinte er, kam auf mich zu und umarmte mich zur Begrüßung. Kurz vergaß ich wie atmen funktionierte. Wie aus Reflex hatten sich meine Arme um Harrys Körper geschlungen und ich drückte ihn kurz an mich.
Als wir wieder normal voreinander standen und Harry einen Schritt zurück in den Kreis machte in dem wir jetzt standen konnte ich einfach nicht anders als zu lächeln.
„Was führt dich zu uns?", fragte er mich dann und ich biss mir kurz auf die Unterlippe. War es doch nicht normal, dass ich Zeit mit ihm verbrachte? Also...so normal wie Freunde? „Du brauchst natürlich keinen Grund, aber...gibt einen spezifischen?"
Okay. Das war gut. „Ähm", begann ich. „Nein, nicht wirklich. Also...vielleicht hast du Lust heute zu mir zu kommen?" Keine Ahnung wo das jetzt herkam. Aber ich bereute es absolut nicht.
Bevor Harry allerdings antworten konnte wurde er von einer Stimme hinter mir unterbrochen. „Hey Leute! Dieses Wochenende ist ja langes Wochenende, also wir haben Montag auch frei, deshalb schmeiß ich Sonntag ne Party", meinte Niall Horan, das ungefähr sozialste Wesen auf diesem Planeten. Er war ein Junge aus meiner Stufe und es war wirklich so: Jeder mochte Niall, Niall mochte jeden. Ich drehte mich zu ihm um, er grinste breit.
„Und ihr seid alle eingeladen. Hoffe wir sehen uns am Sonntag." Und damit verschwand er auch schon wieder. Ich runzelte die Stirn und drehte mich grinsend um. Harry lächelte mich an.
„Ich würde gerne kommen", meinte er dann.
„Zur Party? Ja gut, ich dachte es kommen halt eh alle-"
„Nein, nicht zur Party. Also...gut da auch, aber ich meine heute. Zu dir."
Ein warmes Gefühl breitete sich wieder in meinem Bauch aus und ich musste lächeln. „Das freut mich."
___
„Okay also...willkommen bei mir zu Hause", meinte ich, trat ein und ließ Harry an mir vorbeilaufen. Ich schloss die Tür hinter ihm, schlüpfte aus meinen Vans und ließ sie genau dort liegen.
„Deine Schuhe kannst du einfach irgendwo hinstellen und deine Jacke...oh Moment...du hast keine an."
Harry grinste mich an, schlüpfte aus seinen Boots, stellte sie ordentlich vor unser Schuhregal und stellte meine daneben. Ich rollte mit den Augen.
„Willst du was trinken? Was essen? Irgendwas?", fragte ich als ich mich an Gemmas gute Qualitäten als Gastgeberin erinnerte und ging dann voraus in die Küche. „In die Küche geht's hier lang."
Er folgte mir.
In der Küche saß Fizzy, mit Phoebe auf ihrem Schoß, zusammen über Phoebes Matheheft gebeugt.
„Hey Fiz, hey Pheebs", meinte ich, ging auf meine Schwestern zu und drückte beiden einen Kuss auf den Kopf.
„Hallo Lou", antworteten beide gleichzeitig und lächelten zu mir auf.
„Das ist Harry", stellte ich Harry vor, der sich jetzt durch die Haare strich und die Hand hob. „Hi." Er wirkte leicht nervös. Harry Styles und nervös? Was war denn jetzt passiert?
Jetzt runzelte Fizzy die Stirn. Phoebe lächelte Harry nur zu. „Hi", antwortete sie ihm und sah wieder runter auf ihre Matheaufgaben. „Ja. Hi", meinte die ältere meiner jüngeren Schwestern jetzt auch und musterte Harry von Kopf bis Fuß.
„Ääh ja. Willst du'n Tee?", fragte ich Harry jetzt und er nickte erleichtert. Ich schmunzelte, denn anscheinend war er wirklich ein wenig nervös. Das war süß.
„Wer ist denn der hübsche junge Mann in meiner Küche?", kam jetzt eine Stimme hinter Harry und er drehte sich überrascht um und meine Mum kam an ihm vorbei in den Raum.
„Harry Styles, Ma'am", sagte er und lächelte sein Harry-Lächeln.
Er gab meiner Mutter die Hand und sie nahm sie, schüttelte sie und sah dann zu mir. Ihr Gesichtsausdruck machte mich nervös. Es war dieser Wow-du-bringst-jemanden-mit-nach-Hause-Gesichtsausdruck.
„Sag Jay zu mir. Aber was verschafft mir die Ehre?", fragte sie dann. „Ich meine, Louis bringt nie jemanden nach Hause. Naja außer Zayn. Wobei, den habe ich auch länger nicht mehr zu Gesicht bekommen...die beiden treffen sich ja nur noch irgendwo draußen, wo sie sich vermutlich das Hirn rauskiffen-"
„Mum!", unterbrach ich sie jetzt und sah sie erschrocken an. Harry schien sich ein Grinsen verkneifen zu müssen und Fizzy entschied anscheinend, dass das zu viel war, denn sie griff nach Phoebes Matheheft und Phoebes Hand und zog meine kleine Schwester aus dem Raum. Was wohl eine gute Entscheidung war.
„Was denn, Lou? Ich war auch mal jung. Glaubst du echt, ich weiß nicht wie Gras riecht?"
Ich seufzte und kniff kurz die Augen zusammen. „Wolltest du noch was, Mutter?", fragte ich dann und sie lächelte nur, griff nach ihrem Wasserglas und schüttelte den Kopf.
„Nein nein. Ich wollte nur sehen wer die Schuhe so schön ordentlich hingestellt hat. Mein Sohn war es wohl nicht." Sie sah zu Harry. „Ich hoffe du kommst öfter vorbei. Ich mag dich." Und damit verschwand sie aus der Küche, während ich meinen Kopf gegen den Kühlschrank lehnte. Hilfe. Ich liebte meine Mutter ja, aber manchmal...
Harry lachte leise und kam zu mir.
„Kannst du bitte vergessen, dass das passiert ist?", fragte ich und drehte mich zu ihm um. Scheiße, er stand echt ganz schön nah vor mir.
„Wie wäre es wenn wir einfach einen Tee machen?", fragte Harry sanft, sah mir tief in die Augen und ich schluckte.
Im Nachhinein betrachtet...vielleicht war das der Moment gewesen, in dem ich ihm schlussendlich zu 100% verfallen war.
___
Als wir bei mir zusammen how I met your mother geguckt hatten (das war jetzt irgendwie unser Ding) hatte er mich gefragt ob ich am nächsten Tag mit ihm auf die neue Kirmes gehen wollen würde.
Und jetzt...jetzt stand ich vor meinem Schrank und wusste nicht was ich anziehen sollte. Und es machte mich fertig. Ich würde nur auf eine normale Krimes gehen, nicht auf die nächste Fashionweek oder ein Red-Carpet-Event. Und trotzdem brauchte ich ewig.
Sollte ich einfach Jeans und T-Shirt anziehen? Aber was für eine Jacke? Jeansjacke? Lederjacke? Gar keine Jacke? Aber wurde mir dann nicht kalt?
Und was für ein T-Shirt überhaupt? Weiß? Schwarz? Mit Aufdruck? Das einzige was schon feststand waren meine Vans als Schuhe. Vermutlich aber auch nur, weil ich nicht wirklich andere Schuhe besaß, die ich in Erwägung ziehen könnte.
„Lottie!", rief ich verzweifelt und kurz darauf kam meine Schwester rein. Ich musste nicht mal etwas sagen, sie griff wortlos in meinen Kleiderschrank, gab mir ein weißes T-shirt, schwarze Jeans, eine graue Mütze und eine Sweatshirtjacke, drehte sich dann wieder um und verschwand mit einem „gern geschehen" aus dem Zimmer. Kurz sah ich ihr mit offenem Mund hinterher, dann schüttelte ich den Kopf und sah auf die Kleidung.
Meine Schwester wusste wirklich was sie tat, es sah aus als hätte ich wahllos irgendwelche Kleidungsstücke aus meinem Schrank gezogen, die aber gut zusammenpassten. Ich zog die Sachen an, die sie mir gegeben hatte und griff dann nach meinem Handy, meinen Schlüsseln und meinen Kopfhörern und wollte mich gerade auf den Weg machen, da hatte ich eine Idee. Ich lächelte, nahm mein Handy und schrieb Harry eine Nachricht.
Ich hol dich ab.
Ich wartete gar nicht auf eine Antwort sondern rief einfach meiner Mum zu, dass ich jetzt weg war und lief in die Garage, wo mein Motorrad stand.
Etwas später kam ich vor Harrys Haus an und sah ihn auf den Stufen sitzen und etwas in sein Lederjournal schreiben. Ich lächelte, zog mir den Helm vom Kopf und sah ihm kurz dabei zu.
„Ey Romeo", rief ich dann und er sah auf und grinste mir zu. „So hätte ich mir dich eher vorgestellt, du Kavalier", rief er zurück und ich grinste ebenfalls und nickte ihn zu mir. Er stand auf, kam zu mir rüber, packte sein Journal weg (von dem mich übrigens brennend interessierte was darin stand) und umarmte mich.
„Also...du fährst Motorrad?", fragte er dann und ich legte nur den Kopf schief.
„Überrascht dich das?"
„Keineswegs."
„So ein Mist."
„Was?" Lachend sah er mich an. „Falls es dich beruhigt ich fand es schon überraschend, dass du mich jetzt hier so abgeholt hast. Aber das Motorrad passt zu deiner Rolle."
„Meine Rolle? Was denn für eine Rolle?" Ich holte den zweiten Helm raus und drückte ihn Harry in die Hand, der ihn skeptisch musterte.
„Na...die des One Night Stand Badboys", meinte er und setzte sich den Helm dann auf. „Wieviele Typen hast du auf dem Bike schon mitgenommen?"
Sprachlos sah ich ihn an.
„Was?", fragte er.
Ich schüttelte den Kopf. „Nichts."
Er hatte Recht. Das war ich. Das war meine „Rolle". Der Typ, der sich random Typen angelte, mit ihnen auf seinem Motorrad fuhr und sie danach nie wieder anrief. Nur irgendwie...einerseits stimmte das nicht mehr. Nicht so richtig. Und andererseits...gefiel mir nicht, dass Harry dieses Bild von mir hatte. Ich meine ich hatte es ja eigentlich gewusst. Und das war ich ja eigentlich auch. Ich hatte noch nie ein Problem damit gehabt wer ich war. Oder dass jemand mich so offen und ehrlich damit konfrontierte.
Aber irgendetwas veränderte mich. Und ich wurde das Gefühl nicht los, dass er es war.
Ich schüttelte mich kurz, zuckte dann mit den Schultern und setzte mich auf mein Motorrad. Ich sah Harry auffordernd an, der immer noch leicht skeptisch neben mir stand.
„Komm", forderte ich ihn auf und er schien sich einen Ruck zu geben und schwang sich dann hinter mir aufs Bike. Ich drehte mich halb zu ihm um. „Hast du etwa Angst?"
Er zuckte mit einer Schulter und sah mich direkt an. „Vielleicht n bisschen."
Ich lächelte. „Halt dich einfach gut fest und vertrau mir."
Er nickte und schlang die Arme um meinen Torso. Ich musste noch breiter lächeln. Und dann gab ich Gas.
Der Weg zur Kirmes war nicht weit, aber ich genoss jede Minute. Harrys Körper so nah an meinem brachte alles in mir zum Kribbeln und als er sich nach einer Weile zu entspannen schien spürte ich wie er sogar seinen Kopf an meiner Schulter anlehnte. Das gab mir ein unglaublich gutes Gefühl. Außerdem auch den Eindruck mal die Kontrolle zu haben.
Ich wollte fast nicht anhalten, aber es wäre jetzt auch komisch gekommen wenn ich einfach immer weiter gefahren wäre, also hielt ich auf dem Parkplatz neben der Kirmes und wir stiegen ab. Harry wirkte tatsächlich noch etwas wackelig auf den Beinen, aber er strahlte mich an, als er den Helm absetzte.
„Das war...unglaublich", meinte er dann und ich lächelte nur und zog damit ebenfalls den Helm vom Kopf. Ich verstaute ihn im Bike und nahm Harry dann auch seinen ab.
„Wirklich, das...das war echt schön", meinte Harry und umarmte seinen Oberkörper während er mich musterte. Sein Blick machte mich leicht nervös, also lächelte ich nur kurz, sah weg und schloss das Motorrad ab.
„Los, lass uns gehen", meinte ich dann und er nickte und folgte mir, als ich mich (leicht übermütig hüpfend) auf den Weg zur Kirmes machte.
Es war ziemlich voll, aber Harry und ich liefen in einem gemütlichen Tempo zwischen den Menschen her und hielten immer mal wieder an einem interessanten Stand an. Und es war echt schön. Es fühlte sich so gut an einfach mit Harry hier langzulaufen, Scherze zu machen und mein Leben zu genießen. Ich wusste nicht was es war, aber irgendetwas machte die Anwesenheit dieses Jungen so schön, dass es ganz egal war was wir wirklich machten. Ehrlich gesagt, selbst an einer Müllhalde spazieren zu gehen würde zusammen mit Harry Spaß machen. Solange er dabei war.
Wir fuhren Kettenkarussell und aßen Zuckerwatte, die er in seiner Hand ständig zu irgendwelchen Tieren formte, die ich dann erraten musste (und es war nicht meine Schuld wenn ich das nicht schaffte. Das Ding hatte mehr Ähnlichkeit mit einem sterbenden Einhorn gehabt als mit einem Affen). Die Zeit verging wie im Flug, wir waren schon mindestens zwei Stunden hier.
Doch dann sah Harry etwas, wovon ich wünschte, dass er es übersehen hätte.
„Hey, lass uns Geisterbahn fahren", schlug Harry begeistert vor und sah mich mit leuchtenden Augen an. Ich schloss kurz meine Augen und seufzte.
„Nee, da hab ich nicht so Lust drauf", antwortete ich und hoffte, dass er mir nicht ansah wie viel Schiss ich einfach vor Geisterbahnen hatte. Ich war mit 8 oder so mal auf einer gewesen und hatte mir vor Angst in die Hose gemacht, geweint und abends nicht mehr schlafen können. Seitdem war ich traumatisiert.
„Ach komm schon warum denn nicht?" Harry war stehen geblieben und ich seufzte.
„Ich hab da halt nicht so Lust drauf...", sagte ich wieder und merkte, dass die Ausrede nichts brachte. „Und außerdem...", fing ich dann an. „Sollten wir vielleicht mal wieder nach Hause fahren...ich muss noch...Hausaufgaben machen. Erst die Arbeit dann das Vergnügen." Okay, wow das war wirklich bei den Haaren herbeigezogen und der Spruch war auch nicht unbedingt wirklich angebracht, immerhin hatten wir schon zwei Stunden hier verbracht.
Harry grinste nur. „Oder aber..." Er legte eine Hand auf meine Schulter und kam immer näher. Ich atmete flacher. Seine Lippen berührten fast meine Haut und er raunte mir ins Ohr: „Erst das Vergnügen und dann die Arbeit."
Mir lief ein Schauer über den Rücken. Verdammt, warum musste seine Stimme auch so tief sein? Und wieso hörte sich das Wort Vergnügen bei ihm direkt anzüglich an?
Wir sprachen hier doch nur über Geisterbahn fahren?
Er grinste und zuckte mit einer Augenbraue, bevor er die Hand von meiner Schulter meinen Arm runterlaufen ließ, um nach meiner Hand zu greifen und mich hinter sich her zu ziehen. Ich bekam eine Gänsehaut.
Verwirrt stolperte ich ihm hinterher durch die Menschenmassen und lief in ihn rein, als er plötzlich stehen blieb. Ich wusste nicht mal wo er hin wollte, an der Geisterbahn waren wir jetzt vorbei.
Vor ihm hatte sich eine Traube um einen Musiker gebildet, aber ich stellte mich nur vor Harry und sah ihn an.
„Was...was meintest du damit?", fragte ich. Seine Hand ließ ich nicht los. Keine Ahnung warum. Aber ich wollte nicht.
„Was meintest du denn damit?", fragte Harry schelmisch grinsend.
„Na ja einfach nur..." Wie zur Hölle schaffte dieser Typ es mich so unsicher zu machen? Ich war nie unsicher. Wirklich nicht. „...Geisterbahn fahren?"
Harry grinste. „Na, dann meinte ich das wohl auch."
Ich sah ihn einfach nur an.
„Aber ist schon ok. Wir fahren jetzt einfach nicht Geisterbahn. Ich zwinge dich nicht irgendwas zu tun was du nicht tun willst. Aber nach Hause will ich noch nicht." Er sah zu dem Musiker und bewegte sich im Takt der Musik leicht hin und her.
In mir breitete sich ein warmes Gefühl aus. Meine Ausreden waren echt schlecht gewesen. Und trotzdem hatte er sich einfach damit zufrieden gegeben. Und hielt immer noch meine Hand. Ich musste lächeln und lehnte mich dann leicht an ihn. Ich dachte nicht darüber nach, ich tat es einfach. Und Harry sah lächelnd zu mir runter und legte dann seinen Arm über meinen Kopf so auf meine Schulter, dass wir immer noch Händchen hielten.
Ich hatte mich ich nie so gut gefühlt.
___
Wir hatten uns in der Nacht noch relativ lange geschrieben, nachdem ich ihn nach Hause gebracht hatte, deshalb hatte ich heute fast bis ein Uhr nachmittags geschlafen. Aber das war nicht so schlimm, so würde ich jetzt gleich auf Nialls Party schließlich nicht so schnell müde werden.
Zayn, Gigi und ich hatten uns schon vorher getroffen und waren jetzt auf dem Weg zu Niall. Seinen Eltern gehörte irgendein stinkreicher Golfclub, deshalb lebte Niall in einem riesigen Haus mit Pool und eigener Bowlingbahn im Keller. Aber seit sein Bruder ausgezogen war war Niall zu Hause ziemlich einsam, deshalb schmiss er ständig Partys.
„Nein, Zayn", hörte ich Gigi jetzt quieken und drehte mich zu den beiden um. Ich lief ungefähr einen halben Meter vor den Beiden und war unglaublich am third-wheelen. Heute war es wirklich schlimmer als sonst mit Ihnen, keine Ahnung was los war.
Sie waren stehen geblieben und Zayn hatte Gigi eng an sich gezogen. Sie kicherte während er ihr gesamtes Gesicht mit Küssen überhäufte. Ich verdrehte die Augen.
„Sag mal ist Gigi schwanger oder warum seid ihr so all over each other?", fragte ich verwirrt und Gigi und Zayn sahen mich nur verstört an. Dann seufzte Gigi nur und lächelte.
„Nein, Tommo. Ich bin nicht schwanger. Und Zayn auch nicht. Wir sind einfach nur schwer ineinander verliebt."
Und als ich die beiden so sah, wie Zayn nach ihrer Erklärung das Kinn seiner Freundin zu sich zog und sie küsste, musste ich an Harry denken. Und lächeln. Denn irgendwie waren die beiden ja schon süß.
Als wir ungefähr fünf Minuten später bei Niall ankamen schien die Party schon in vollem Gange zu sein, dabei war es gerade mal zehn nach neun. Wir betraten das Haus und wurden sofort von einem erfreuten Niall begrüßt, der uns alle nacheinander umarmte, den Garderobenraum für unsere Jacken öffnete und dann in die Küche dirigierte, um uns Drinks auszuschenken. Er war mindestens genauso ein guter Gastgeber wie Gemma. Aber er hatte ja auch Übung.
Zayn und Gigi waren schon wieder mit turteln beschäftigt, deshalb stieß ich einfach mit Niall an und folgte ihm dann wieder aus der Küche raus.
„Wie gehts dir, Louis? Wir haben lang nicht mehr gesprochen", meinte er dann und ich nickte. „Stimmt, haben wir echt nicht. Aber mir geht's soweit ganz gut. Dir?"
„Ach, alles wie immer." Er grinste mich an und zog dann die Augenbrauen hoch. „Aber du bist jetzt mit Harry befreundet?"
Ich nickte. „Kann man so sagen, ja. Ist er schon hier?"
Jetzt nickte Niall. „Ist vor ungefähr ner halben Stunde gekommen. Ich glaube er ist da vorne irgendwo."
Wir waren in dem Raum angelangt, indem getanzt wurde, der aber auch nach draußen in den Garten und zum Pool führte und Niall deutete in eine Richtung. „Ich lass dich dann mal kurz alleine, ja? Man wartet auf mich."
„Klar, kein Problem", entgegnete ich und Niall haute mir noch kurz freundschaftlich auf die Schulter, dann verschwand er.
Ich fing an mich an ein paar Menschen vorbei in die Richtung zu drücken, in der Niall Harry vermutet hatte und tatsächlich entdeckte ich ihn in der offenen Terrassentür stehen. Er unterhielt sich mit Eleanor, einem anderen Mädchen und einem Typen und ich musste lächeln als ich ihn sah. Heute hatte er ein dunkles, gemustertes Hemd an, aber wie jeden Tag oben ziemlich weit auf und kombiniert mit Boots und schwarzen Skinny Jeans. Er sah einfach aus wie ein Prinz mit seinen Haaren und wie er entspannt seinen Drink hielt und über irgendetwas grinsend nickte was der Typ gesagt hatte.
Kurz sah ich ihn einfach nur an, dann ging ich auf die Gruppe zu. „Hey", begrüßte ich ihn und er fuhr zu mir herum. „Louis! Hi", antwortete er mit einem breiten Lächeln und zog mich kurz an sich. Eleanor nickte mir genauso breit lächelnd zu und ich erwiderte es.
„Ähm, das sind Maia und mein Kumpel Liam, der Sohn von Mr. Payne."
Liam, der mich grinsend angesehen hatte warf Harry einen leicht genervten Blick zu. „Musst du mich immer so vorstellen?", fragte er und Harry grinste nur zurück. „Ach komm schon, jeder mag deinen Vater."
„Hi jedenfalls", wandte Liam sich dann an mich und grinste.
„Hi", erwiderte ich. „Ich bin-"
„Louis, ich weiß", unterbrach er mich und warf Harry wieder einen Blick zu. Dieses Mal war sein Grinsen noch breiter und er zog kurz die Augenbrauen hoch.
„I swear to god, Liam, wenn du nicht aufhörst...", gab Harry zwischen zusammengepressten Zähnen als Antwort und ich runzelte nur belustigt die Stirn.
„Freut mich jedenfalls dich kennenzulernen", meinte Liam nur, Harry ignorierend, trank einen Schluck von seinem Drink und ich grinse. „Mich auch", meinte ich, nickte auch Maia lächelnd zu, die freundlich zwinkerte und dann nach Liams und Eleanors Hand griff, um beide raus auf die Terrasse zu ziehen.
Harry seufzte, gab etwas von sich was klang wie „wieso müssen sie immer so auffällig sein" und wandte sich dann einfach mir zu.
„Wie geht's dir?", fragte er dann lächelnd und ich zuckte mit den Schultern. „Gut." Wenn ich bei dir bin geht es mir immer gut.
„Na dann." Er hob seinen Becher und wir stießen an. „Auf einen guten Abend", meinte er und sah mir tief in die Augen.
„Auf einen guten Abend", wiederholte ich und trank einen Schluck.
Einige Zeit später saß ich mit Harry zusammen auf einem Sofa und wir unterhielten uns über alles mögliche. So wie immer. Wir hatten schon eine Runde Truth or Drink mit ein paar Leuten gespielt, versucht zusammen mit Liam, Maia und Gigi und Zayn, die wieder aufgetaucht waren Niall die Relativitätstheorie zu erklären (in Wahrheit wusste vermutlich keiner von uns auch nur ansatzweise worüber wir sprachen. Aber wir waren betrunken und hatten eine gute Zeit) und bei einer Runde Bier-Pong haushoch gegen den Gastgeber verloren (ehrlich gesagt, ich glaube, Niall übte das heimlich jeden Abend, so gut konnte das niemand einfach so) und jetzt saßen wir alle einfach auf dieses Sofa, das irgendwo im Flur stand (warum auch immer) und führten dumme Gespräche. Und niemand wusste warum, aber irgendwie saß ich wohl auf Harrys Schoß.
„Hä, gar nicht", verteidigte dieser jetzt seine Meinung und ich schnaubte nur und spielte mit den Haaren in seinem Nacken.
„Ehrlich gesagt mein Lieber, ich muss Louis da zustimmen", gab jetzt Liam auch noch seine Meinung dazu, der es ziemlich mit Maia offzuhitten schien. „Alle die sagen, dass Ananas auf Pizza nicht gut schmeckt haben es einfach noch nicht probiert."
„Yeah! Danke!" Ich hielt ihm die Hand hin und er schlug grinsend ein.
„Nee iih Leute!" Niall schüttelte angewidert den Kopf. „Wenn hier jemand Essensexperte ist, dann ja wohl ich und ich kann euch sagen, das macht man einfach nicht! Man isst ja auch nicht Pommes mit Eis!"
„Ey, das schmeckt aber gut!", protestierten jetzt Harry und ich gleichzeitig und ich sah ihn überrascht an. Er zuckte fast schon schüchtern mit den Schultern und lächelte leicht. „Du meintest das machst du ständig, also hab ich es ausprobiert. Gemma hat mich dafür ausgelacht." Er sah weg und legte seine Arme, die bis jetzt nur etwas untätig auf meinen Beinen gelegen hatten um meine Taille, um mich etwas näher an sich zu ziehen.
„Das ist süß", meinte ich und legte meine Arme in seinen Nacken. Die anderen beachteten uns nicht mehr und waren wieder in der Ananas-Pizza-Diskussion vertieft, aber Harry sah hoch und ich musste schlucken. Wir sahen uns einfach nur an und es schien als würde die Welt still stehen. Er hatte so unglaublich schöne Augen. Und er war ein so unglaublich toller Mensch. Und ich-
„Harry", rief jemand jetzt von irgendwo und wir schreckten auf. Alle blickten jetzt zu Eleanor, die mit tränenüberströmtem Gesicht auf uns zukam. „Bist du hier?"
„Äh ja", rief Harry sofort und schob mich sanft von seinen Beinen, um aufstehen zu können. „Gott, El was ist denn passiert?", fragte er, nahm ihr Gesicht in seine Hände und sah sie prüfend an. Ich sah weg. Die Art wie er sie berührte...ließ ein komisches, unangenehmes Gefühl in mir aufsteigen. Während Harry Eleanor jetzt also zum Sofa führte murmelte ich nur „ich geh mir mal eben Wasser holen" und machte mich auf den Weg in die Küche. Harry jetzt mit Eleanor zu sehen musste ich mir nicht geben.
Ich sah wie Gigi Zayn zunickte und er dann aufstand und mir folgte. Aber das störte mich nicht.
„Hey Bro." Zayn hatte aufgeholt und ich warf ihm nur einen kurzen Blick zu und zusammen liefen wir den langen Flur von Nialls Haus entlang zur Küche.
Eine Weile beobachtete mein bester Freund mich nur an die Heizung gelehnt dabei wie ich meinen Plastikbecher kurz ausspülte und Wasser reinfüllte, dann seufzte er.
„Okay Hand aufs Herz, Louis. Was ist los?"
Ich hob meinen Blick und sah ihn an. Dann lehnte ich mich Zayn gegenüber an die Kücheninsel und seufzte selbst. „Ehrlich gesagt...", fing ich an. „Ich bin nicht sicher."
„Was war das gerade für ein Abgang?" Zayn suchte meinen Blick, aber ich schaute nur auf meine Hände und den Becher.
„Ich..." Ich seufzte nochmal. „Ich wollte nicht wieder dabei zusehen wie Harry Eleanor so ansieht und ihre Hand nimmt und ihre Tränen wegwischt und..." Ich stockte. Dann zuckte ich mit den Schultern und schluckte. „Ich war irgendwie eifersüchtig."
„Eifersüchtig?", hakte Zayn nach und jetzt sah ich ihn an und nickte. Und irgendwas in meinem Blick schien ihm etwas zu sagen.
Sein Gesichtsausdruck wechselte von leicht besorgt zu verblüfft. „Fuck", stieß er gedehnt hervor und ich hob die Augenbrauen.
„Was?", fragte ich leicht verwirrt und Zayn stieß sich von der Heizung ab und kam auf mich zu. Einen Meter vor mir blieb er stehen und starrte mich ungläubig an.
„Scheiße, Tommo, du bist verliebt!" Ein breites Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus und er lachte leise. „Ernsthaft verliebt. Das ich das noch erlebe. Wahnsinn. Congratulations, Harry Styles."
„Was? Ich-" Ich stockte in dem Moment, in dem mir auffiel, das Zayn verdammt nochmal Recht hatte.
„Fuck."
Mein bester Freund grinste nur immer noch und breitete tröstend die Arme aus. „Komm her."
___
Ich war mit Zayn und Gigi zur Party gekommen und hatte mit Zayn und Gigi Nialls Haus auch wieder verlassen. Nicht mit Harry. Als Zayn und ich nämlich aus der Küche wieder zurückgekommen waren, war Harry schon weg gewesen. Genau so wie Eleanor. Und ich wollte es zwar nur ungern zugeben, aber das machte mich ganz schön fertig. Genauso wie die Tatsache, dass er mir nicht mal eine Nachricht geschrieben hatte. Er war einfach ohne Verabschiedung gegangen und ich wusste damit nicht umzugehen.
„Darling?" Es klopfte an meiner Tür und ich gab ein zustimmendes Brummen von mir. Meine Mum kam rein und setzte sich auf meine Bettkante. „Alles klar bei dir? Es ist fast eins, so lange schläfst du nie. Wie heftig ist denn dein Kater bitte?"
Ich seufzte. Dann setzte ich mich auf und lächelte meiner Mutter zu. „Alles klar bei mir. Und nein, mein Kater ist nicht heftig. Eigentlich hab ich gar keinen. Habt ihr schon gefrühstückt?"
Meine Mum schüttelte lachend den Kopf. „Du kennst doch Fizzy und Daisy. Die brauchen keine Party, um bis 1 zu schlafen. Lottie weckt die beiden gerade."
„Soll ich Brötchen holen gehen?"
„Du bist ein Schatz." Meine Mutter drückte mir einen Kuss auf den Kopf und verschwand wieder aus meinem Zimmer. Ich stand auf, machte mich fertig und sah auf mein Handy. Harry hatte mir geschrieben. Aber statt eines sorry, dass ich gestern einfach gegangen bin war es nur ein guten Morgen :)
Ich fand es zwar nicht so cool von ihm, dass er sich nicht verabschiedet hatte, aber immerhin dachte er an mich. Ich wollte gerade zurückschreiben, aber mein Handyakku schien das anders zu sehen, denn er verabschiedete sich. Mein Handy ging aus, ich musste gestern Nacht vergessen haben es ans Ladegerät anzustecken. Ich seufzte und schloss es jetzt an. Dann machte ich mich auf den Weg zum Bäcker.
Nach dem Frühstück mit meiner Familie zogen Phoebe und Daisy mich ins Wohnzimmer und zwangen mich mir mit ihnen einen Disneyfilm anzusehen, einfach weil ich schon lange keine Zeit mehr mit ihnen verbracht hatte. Und sie hatten Recht. Also saß ich auf dem Sofa, sah mit Phoebe an meiner Seite dabei zu, wie Rapunzel Flynn vermöbelte und flocht dabei die Haare von Daisy, die sich vor mich gesetzt hatte.
Irgendwann stießen auch Mum, Fizzy und Lottie dazu und wir machten uns alle zusammen einen gemütlichen Nachmittag. Der Tag verging wie im Flug (er hatte schließlich auch erst um 1 angefangen) und deshalb war das nächste Mal, dass ich auf mein Handy schaute abends um 10. Deshalb sah ich auch erst abends um 10, dass Harry mir ungefähr ein tausend Nachrichten geschickt hatte. Aber bevor ich ihm antworten konnte hörte ich irgendetwas gegen mein Fenster schlagen. Irritiert ging ich darauf zu und sah Harry unten stehen.
Ich öffnete das Fenster. „Ist das dein Ernst?", fragte ich ihn grinsend und Harry zuckte nur mit den Schultern. „Können wir reden?"
Ich schüttelte grinsend den Kopf. „Komm rein", meinte ich dann und schloss das Fenster wieder. Ich lief aus meinem Zimmer, die Treppen runter und öffnete dann die Haustür, vor der Harry stand.
„Hey", meinte er und ich trat zur Seite und ließ ihn reinkommen.
„Hi", sagte ich dann. Wir gingen in die Küche und ich drehte mich zu ihm um. „Also...was machst du hier?"
„Ist das dein Ernst? Du antwortest mir den ganzen Tag nicht und dann tauche ich hier auf, weil ich mir Sorgen mache und du fragst ‚was machst du hier'?", fragte er und sah mich ungläubig an.
„Warte...was?" Er hatte sich Sorgen gemacht?
„Ich meine...du hast die Nachricht heute Morgen gelesen. Aber nicht geantwortet. Und danach den ganzen Tag nicht mehr. Hab ich irgendwas falsch gemacht?"
„Was? Harry, mein Akku war leer. Und dann war ich den ganzen Tag hier unten im Wohnzimmer mit meinen Schwestern. Ich hab deine ganzen Nachrichten eben erst gesehen und als ich antworten wollte hat irgendein Idiot versucht mein Fenster zu bombardieren."
Er musste grinsen.
„Du und dein bescheuerter Shakespeare. Die Klingel hätte es nicht getan?"
„Ich hatte Angst jemanden aufzuwecken", verteidigte er sich.
„Hm. Guter Punkt. Phoebe und Daisy schlafen tatsächlich schon."
„Also hab ich wirklich nichts falsch gemacht?", fragte Harry jetzt.
„Um ehrlich zu sein war es tatsächlich nicht so eine coole Aktion von dir gestern einfach abzuhauen ohne dich von mir zu verabschieden. Du hättest ja wenigstens was schreiben können."
Schuldbewusst sah Harry mich an. „Ja, das stimmt. Aber es ging El wirklich schlecht und-" Harry stockte als er mein leises Seufzen hörte. „Sorry."
Ich sah auf. „Schon ok."
„Kann es sein, dass du irgendwas gegen El hast?", fragte Harry jetzt nach.
Ich wich seinem Blick aus.
„Louis? Was hast du gegen sie?"
„Ich...ich hab nichts gegen sie. Es ist nur..." Ich seufzte.
„Ich mag dich", sagte ich dann und klang unglaublich frustriert. Immer noch sah ich ihn nicht an. „Und...vielleicht..." Ich biss mir auf die Unterlippe und wiegte meinen Oberkörper abwechselnd nach rechts und links. „Vielleicht find ich es irgendwie nicht so cool, wie vertraut ihr seid und wenn du sie so...ansiehst...und ich weiß, dass ich da absolut kein Recht drauf habe, schließlich ist sie schon ewig deine beste Freundin und mich kennst du gerade mal seit ein paar Wochen, aber...scheiße bevor ich dich kannte wusste ich nicht mal wie sich Eifersucht überhaupt anfühlt." Keine Ahnung warum das plötzlich alles aus mir rausgeplatzt war. Aber zurücknehmen konnte ich es nicht. Und wollte es auch nicht.
Ich verknotete meine Finger. Ich war trotzdem unsicher. Aber in Harrys Gegenwart war das nicht mal etwas Neues.
Langsam sah ich zu ihm hoch und runzelte verwirrt die Stirn, als ich sah, dass er begann breit zu lächeln.
„Louis...", fing er an, lachte leicht, sah weg und dann zurück zu mir. Dieses Lächeln machte ihn so unglaublich schön, mir wurde schwindelig.
„Was?", fragte ich und er schüttelte nur kurz den Kopf.
„Du bist süß." Sobald er das sagte, begann ein warmes Gefühl sich in mir auszubreiten. Aber dann realisierte ich, was er gerade gesagt hatte.
„Wie bitte?", fragte ich leicht empört. „Ich bin doch nicht süß! Ich bin höchstens heiß, okay, aber-"
Ich verstummte, weil Harry zwei Schritte auf mich zukam und mich fest in seine Arme schloss. Kurz vergaß ich wie Atmen funktionierte. Er war so nah.
„Doch", sagte er dann. „Du bist süß." Ich überlegte kurz zu protestieren, doch als er dann auch noch einen Kuss auf meine Haare drückte vergaß ich meine ganze Empörung. Ich schloss nur meine Augen, schlang meine Arme um seinen Torso und drückte mich eng an ihn. Mein ganzer Köroer begann zu kribbeln und mir wurde angenehm warm. Ich spürte ihn gegen meine Haare lächeln und konnte nicht anders als ihn noch enger an mich zu drücken. Ich fühlte mich so sicher in seinen Armen. So geborgen. Unglaublich.
Unglaublich, was dieser Typ in mir auslöste.
Selbst seine kitschige Shakespeare-Steine-ans-Fenster-werfen-Aktion fand ich irgendwie süß.
„Kommst du morgen nach der Schule zu mir?", fragte er jetzt, löste sich aber nicht aus der Umarmung. Ich nickte nur an seiner Brust und atmete tief seinen Geruch ein. Scheiße, ich war diesem Jungen komplett verfallen. „Also...nicht direkt nach der Schule. So um 3 oder so?"
Wieder nickte ich einfach und er drückte mich nochmal fest an dich und ließ dann los. „Ich sollte dann vielleicht nach Hause, ich hab meiner Mum nicht gesagt wo ich hin will. Wir sehen uns morgen?"
Ich lächelte ihn nur an. „Ja. Bis morgen."
Und dann brachte ich ihn noch zur Tür und konnte nicht anders als sie hinter ihm zu schließen und mich dann dagegen zu lehnen.
Dann seufzte ich leise. Denn egal wie sehr ich in ihn verliebt war...Ich wusste ja noch nicht mal ob Harry überhaupt auf Jungs stand.
__
Ich stand vor Harrys Tür und wollte gerade klingeln, da ertönte Gemmas Stimme hinter mir.
„Warte, ich hab einen Schlüssel."
Ich drehte mich zu ihr um, lächelte sie an und bemerkte dann, dass sie ganz schön viele Einkäufe trug.
„Oh kann ich dir was abnehmen?", fragte ich schnell und sie nickte nur. „Das wäre lieb, danke."
Sie gab mir eine der beiden Holzkisten und musterte den Inhalt während Gemma die Tür aufschloss.
„Was wollt ihr denn mit einem Liter Schokosauce?", fragte ich sie verwirrt und Gemma grinste nur, öffnete die Tür und zuckte mit den Schultern. „Frag das, Harry." Sie streifte ihre Schuhe ab und rief dann „Hey Bruderherz, ich hab deinen Verlobten mitgebracht." Mein Herz begann ein bisschen schneller zu schlagen. Und ich verfluchte mich dafür. Es war doch nur ein dummer Witz.
Harry kam aus der Küche und musste sich offensichtlich ein Grinsen verkneifen. „Gemma, hör auf alle meine Freunde mit deinen dummen Sprüchen zu vergraulen." Er nahm seiner Schwester die Einkäufe ab und warf mir dann sein umwerfendes Lächeln zu. „Hey Louis."
„Freunde. Hm, ist klar", grinste Gemma, schlug Harry noch zweimal kurz auf die Schulter und verschwand dann die Treppe hoch. Harry schüttelte den Kopf. „Danke, dass du ihr geholfen hast, kannst du das einfach eben in die Küche stellen?"
Ich nickte und folgte ihm dann in die Küche, wo es unglaublich lecker roch. Wir stellten die beiden Kisten in die Vorratskammer, die von der Küche abführte und dann erst sah ich, dass Harry eine Schürze trug.
„Was...", begann ich, aber er grinste nur.
„Ich hab dir gesagt ich mach dir mal Chicken mit Schokosauce wenn du mich besuchen kommst. Das Essen ist schon im Ofen, wir müssen nur noch ein bisschen warten. Und ich dachte dabei gucken wir how i met your mother?"
Ich musste unglaublich breit lächeln. „Bin dabei."
„Perfekt."
Harry nahm seine Schürze ab und dann gingen wir ins Wohnzimmer, wo er den großen Fernseher einschaltete und auf Netflix ging. Wir setzten uns auf die Couch, aber bevor ich mich versah hatte Harry mich zwischen seine Beine gezogen. Überrascht sah ich ihn an, aber er lächelte nur und schlang seine Arme von hinten um meinen Torso. Ich lächelte zurück und lehnte mich zufrieden an seine Brust.
Also so könnte ich für immer liegen bleiben. Auf jeden Fall. Dieser Junge war so unglaublich. Und ich durfte ihm so nah sein.
Wir sahen uns einfach eine Weile schweigend die Folge an, dann ergriff ich das Wort. „Also ich finde irgendwie nicht so, dass Robin und Ted zusammenpassen."
„Waaaas?" Ich hörte Harrys Empörung aus seiner Stimme raus und musste ein Glucksen unterdrücken. „Das kannst du doch nicht ernst meinen! Die beiden sind füreinander geschaffen!"
„Achja und warum ist sie dann nicht die Mutter?"
Harry zögerte. „Ich werde dir jetzt garantiert nichts spoilern. Meiner Meinung nach passen sie gut zusammen."
„Ach und deine Meinung ist mir wichtig?", neckte ihn ihn und musste grinsen.
„Davon gehe ich aus", antwortete Harry. „Ich meine...offensichtlich hast du dir ja gemerkt, was ich übers Rauchen gesagt habe..." Er lachte leise und stieß mit seiner Nase sanft in meinen Nacken. Sein Atem auf meiner Haut machte es mir schwerer mich zu konzentrieren.
„Was?", fragte ich leicht belustigt nach. „Woher willst du denn wissen, dass ich deinetwegen aufgehört habe und nicht...weil meine Mum es wollte, oder...mein Arzt?"
Ich konnte Harrys Grinsen förmlich hören als er antwortete.
„Weil ich nicht das Aufhören meine. Sondern, dass du die Zigarette danach in den Mülleimer und nicht auf den Boden geworfen hast."
„Du hast mich ja doch beobachtet!", rief ich in einer Mischung aus überrascht und empört und drehte mich zu Harry um. Er grinste. Dann lächelte er. Und dann nickte er.
„Du weißt ja gar nicht, wie froh ich bin, dass du endlich mit dem Rauchen aufgehört hast", flüsterte er dann nur und starrte auf meine Lippen. Die Luft hier im Raum wurde immer dicker, hatte ich das Gefühl.
„Achja? Warum denn?" Meine Stimme und mein Atem zitterten und ich starrte zurück, auf Harrys wohlgeformte, so unglaublich einladende Lippen. Die Stimmung hatte sich ein einer Sekunde um 180 Grad gedreht.
„Weißt du eigentlich ernsthaft nicht, wie sehr du mich um den Finger gewickelt hast?", fragte Harry leise.
„Wie bitte?" Überrascht sah ich in seine Augen, die er aber weiterhin nur auf meine Lippen gerichtet hatte.
„Gott, Louis du bist so schön", hauchte er und kam ein Stück näher.
Ich schloss überwältigt die Augen.
Und dann trafen Harrys Lippen auf meine.
Der Kuss war unglaublich sanft und weich und schön und...scheiße, so war ich noch nie geküsst worden. Es ließ mich Harry bis an mein Lebensende einfach nur glücklich machen wollen. Er meinte vielleicht ich hätte ihn um den Finger gewickelt aber meine Fresse es war andersherum.
Als wir uns voneinander lösten sah ich ihn einfach nur überfordert an und begann dann zu lächeln.
„Ich weiß, dass du nicht so der Beziehungsmensch bist und wir kennen uns erst seit ein paar Wochen, aber können wir bitte endlich zusammen sein?"
„Scheiße ja!", rief ich und drehte mich komplett um, sodass ich auf seinen Beinen saß. „Bitte." Und damit küsste ich ihn wieder.
Etwa zwanzig Minuten später stand Harry an die Anrichte gelehnt neben dem Herd und hatte seine Hände an meiner Taille. Und ich meine in seinen Nacken. Das Hühnchen brauchte doch noch fünf Minuten und wir verbrachten die Zeit einfach damit uns zu küssen.
Ich verbrachte die Zeit damit meinen Freund zu küssen. Meinen Freund.
Hätte man mir das vor zwei Monaten gesagt hätte ich der Person den Vogel gezeigt. Aber ich hatte mich schon nach einer halben Stunde daran gewöhnt Harry so zu nennen.
„Übrigens ist Eleanor absolut in einen Typen namens Max verliebt. Den hat sie auf der Party dann ein anderes Mädchen küssen sehen und ist deshalb weinend in meine Arme gerannt. Das einzige was sie gesagt hat, was nichts mit Max zu tun hatte war Sorry fürs cockblocken", ergriff Harry das Wort.
„Was?", fragte ich ihn leise lachend und Harry begann nur mit seinen Daumen sanft meine Taille zu streichen.
„Sie shippt uns total. Und abgesehen davon... komm schon Louis." Er lachte leise. „Du denkst doch nicht ernsthaft ich könnte an irgendjemandem interessiert sein außer an dir?"
„Ich..." Überwältigt von seinen Worten sah ich ihn einfach nur an. Dann ließ ich meinen Kopf auf seine Brust fallen und seufzte. Als ich den Kopf wieder hob, sah ihn einfach liebevoll an. „Du bist unglaublich", flüsterte ich leise. Und er lächelte nur, zog mich so nah an sich, dass kein Blatt mehr zwischen uns passte, flüsterte „du auch" und küsste mich.
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Als wir etwa eine Woche später mit den anderen auf der gleichen Kirmes waren auf der wir schon vorher waren, konnte Zayn immer noch kaum glauben, dass er mich ernsthaft in einer glücklichen Beziehung sah. Gigi und Eleanor hingegen waren schon dabei einen Fanclub zu gründen und Niall als ihren Anführer zu krönen und Liam und Maia waren mit ihrem eigenen Glück beschäftigt. Sie waren seit Nialls Party nämlich zusammen.
Das war ebenfalls einer der großen Vorteile seit Harry. Ich hatte mehr Freunde als nur Zayn und Gigi. Wir wurden alle irgendwie zu einer großen Clique und ich liebte es. Es machte mich unglaublich glücklich. Von Harry umarmt sah ich dabei zu, wie Maia für Liam einen Teddybären gewann und beobachtete Niall und Eleanor bei einem Zuckerwatte-Wettessen. Dass El wie es aussah sogar gewann.
Mein Freund pikste mir plötzlich allerdings in die Seite und ich quiekte leise auf. Er lachte nur und zog mich in einen langen Kuss.
„Ist Louis schwanger oder warum seid ihr so all over each other?", rief Gigi uns zu und ich musste laut lachen.
„Nein, Gigi", sagte ich dann. „Ich bin nicht schwanger. Und Harry auch nicht. Wir sind einfach nur schwer ineinander verliebt."
Und Harry nickte nur, stupste mit seiner Nase gegen meine und flüsterte: „oh ja. Oh ja, das sind wir."
Wir machten uns auf den Weg zu dem Musiker, der auch dieses Mal hier war und die anderen waren uns alle ein paar Schritte voraus, als ich jemanden sah, der mir bekannt vorkam.
„Oh hi", sagte er auch überrascht und blieb vor uns stehen.
„Oh ähm hey", erwiderte ich und versuchte fieberhaft mich an seinen Namen zu erinnern.
Ich sah zu Harry. „Das ist...äh..." Fuck, der Name war wie weggewischt.
„Blake!" Der Junge starrte mich mit einer tiefen Falte zwischen den Augenbrauen an.
„Richtig!" Ich nickte und deutete auf ihn. „Harry das ist Blake, wir...hatten mal was..." Harry grinste nur. „Hi Blake."
Dann sah ich zu Blake und deutete auf Harry. „Und Blake, das ist Harry, mein..." Ich konnte es mir nicht verkneifen, dass sich ein breites Lächeln auf mein Gesicht schlich. „Mein Freund."
Harry grinste, biss sich spielerisch auf die Unterlippe und zog mich mit Schwung vor sich, um seine Arme um mich und sein Kinn auf meinen Kopf zu legen. Und ich musste kichern.
Blake fiel das unsichere Lächeln aus dem Gesicht und er starrte Harry und mich komplett verblüfft an.
„Sag mal, Louis, hast du gerade gekichert?", fragte er, vollkommen entgeistert.
Ich hörte Harry hinter mir leise lachen, dann fuhr er mit seinen Händen meine Arme herunter und verschränkte unsere Finger. Ich nickte Blake nur zu und lehnte mich dann an Harry. Dieser drückte mir einen Kuss auf die Wange und sofort drehte ich meinen Kopf zu ihm hoch und er verstand was ich wollte. Sanft drückte er seine Lippen auf meine und ich konnte nicht anders als leise zu seufzen und in den Kuss zu lächeln.
Und dass Blake schnaubte und abhaute bekam ich nicht mal mit.
Harry war mein Ein und Alles.
Und ja, er hatte mich sehr verändert.
Aber das würde ich niemals und für nichts auf der Welt wieder rückgängig wollen.
Denn ich mochte vielleicht kein Casanova mehr sein...
Aber Harry machte mich einfach nur unglaublich glücklich.
Cause your love has tamed the devil out of me
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Okay. Wtf. Ich hätte niemals gedacht, dass dieser One Shot dermaßen eskalieren würde, aber hier sind wir mit mehr als 22.000 Wörtern. Falls irgendwer tatsächlich bis hier gelesen hat, probs to you und vielen vielen Dank haha
Ich werde diesen One Shot eben weil er so eskaliert ist auch noch mal einfach so als Buch auf meinem Profil hochladen. Also...er wird nicht noch länger oder so, sondern halt einfach unterteilt, sodass man es vielleicht einfacher lesen kann oder so 🤷🏼♀️
Einen schönen Tag noch, bleibt gesund und ich hoffe der One Shot hat euch gefallen (obwohl er so lang war). :)
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