neunundzwanzig.
Elizabeth || „Bereit für unser zweites Date?" Grinsend sieht Harry mich an, bevor er aus seinem Audi aussteigt und mir die Tür öffnet.
„Fake Date, Sternchen", korrigiere ich ihn und verlasse das Auto, während ich nicht umhin kann, daran zu denken, was genau heute von uns erwartet wird.
Laut Modest Zeitplan werden wir heute den ersten Showkuss vorführen müssen und alleine bei dem Gedanken daran wird mir schlecht.
„Wie auch immer", murmelt er und ich sehe ihn fragend an.
Harry hält mir wortlos seine Hand entgegen, die ich ergreife. Sofort fühle ich wieder dieses Kribbeln für das ich mich innerlich verfluche.
Unser heutiges PR-Date hat uns in den Süden meiner Heimatstadt geführt, doch er hat mich erneut im Dunkeln über seine Pläne gelassen.
Harry zieht mich über die Straße zu einem etwas heruntergekommenen Haus, dessen Eingang allerdings total hip zu sein scheint. In Neonbuchstaben blitzt mir der Name einer Galerie entgegen und auch die Werke, die im Schaufenster ausgestellt sind, wirken kostspielig.
Im Schaufenster hängt ein Plakat, dass die neue Ausstellung bewirbt und ein paar Daten zu den Künstlern liefert.
Überrascht merke ich, dass die Galerie anscheinend wirklich unser Ziel ist. „Wir gehen auf eine Kunstausstellung?"
Harry nickt bestätigend und öffnet mir dann die Tür. Gemeinsam betreten wir die Galerie, die trotz ihrer Größe schon deutlich geführt ist.
„Heute ist die Eröffnung der Ausstellung und ein Freund von mir hat ein paar Werke der Ausstellung gemalt", erzählt mir Harry. Dann fügt er nach einem prüfenden Blick nach ungewünschten Zuhörern deutlich leiser hinzu: „Hier wimmelt es nur von Presseleuten. Das ist genau der richtige Ort, um gesehen zu werden."
„Und du glaubst, dass diese uns erkennen werden? Sind die Journalisten hier nicht eher auf Kunst spezialisiert?", entgegne ich ebenso leise, während Harry mich zu dem ersten Gemälde zieht.
Doch schon bevor Harry antworten kann, merke ich, dass wir den Blick eines Mannes auf uns gezogen haben, der unauffällig versucht, ein Foto von uns zu schießen. Seine Canon-Kamera ist eindeutig professionell, womit mein Begleiter recht haben zu scheint. Dies ist die perfekte Location, um Aufmerksamkeit zu erhalten.
Ich stelle mich auf Zehenspitzen und flüstere Harry ins Ohr. „Sieh dich jetzt nicht um, aber es werden bereits erste Fotos von uns geschossen."
Natürlich dreht Harry sich sogleich in die Richtung, in die ich unauffällig gedeutet habe.
Ich seufze entnervt. „Tust du eigentlich überhaupt einmal das, was man dir sagt?"
„Selten", meint er mit einem frechen Grinsen im Gesicht.
Ich bin versucht, die Augen zu verdrehen, doch ich verkneife es mir. Wir müssen möglichst verliebt und glücklich miteinander wirken. Also trete ich näher an Harry heran und schmiege mich an seine Seite. Er sieht mich kurz überrascht an, reagiert dann aber und legt seinen Arm um mich.
„Was hältst du von dem Foto?", fragt er mich dann und nickt in die Richtung des Kunstwerkes, dass ich erst für ein Gemälde gehalten habe.
Darauf sind die Augen einer Frau zu erkennen, die einen zu verfolgen scheinen. Probeweise gehen wir ein paar Schritte nach rechts, doch selbst aus dem anderen Winkel scheint sie uns immer noch anzusehen. Ihr Blick hat etwas Verrücktwirkendes an sich, was mir einen Schauer über den Rücken schickt.
„Es wirkt irgendwie gruselig", tue ich meine Meinung kund, wobei ich mich bemühe, mit leiser Stimme zu sprechen. Wer weiß, ob der Künstler sich nicht in unserer Nähe befindet. Hinterher sind wir sein nächstes Opfer.
Harry betrachtet das Foto nachdenklich. „Ich finde, die Frau hat etwas Trauriges an sich."
„Das könnte daran liegen, dass es ein Schwarzweißbild ist", merke ich an und zucke dann die Achseln. „Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung von Kunst. Hier könnte auch ein Gemälde von Monet oder Pablo Picasso hängen und ich würde nicht einmal einen Unterschied bemerken", gebe ich zu.
„Die Bilder der beiden sind ganz anderen Kunstepochen zuzuordnen. Du würdest den Unterschied ganz sicher erkennen", versichert mir Harry. „Leonardo Da Vinci hat vor allem während der italienischen Renaissance gemalt, während Picasso dem Kubismus und vor allem der Klassischen Moderne zugeordnet wird. Die beiden haben zu ganz unterschiedlichen Zeiten gelebt."
Überrascht sehe ich ihn an. „Du kennst dich mit Kunst aus, Sternchen?"
Er wirkt beinahe verlegen und zuckt mit den Achseln. „Ich habe mich immer schon für Kunst interessiert. Meine Mutter hat dies immer gefördert und ich besuche an den Wochenende immer mal wieder die ein oder andere Kunstgalerie", entgegnet Harry.
„Das muss dir nicht peinlich sein", versichere ich ihm und frage dann: „Wer von den beiden ist schon länger tot? Picasso oder Da Vinci?"
„Da Vinci", erwidert er lachend. „Er hat einige Jahrhunderte vor Picasso gelebt."
Er zieht mich zu dem nächsten Gemälde herüber, auf das der Künstler anscheinend seinen Sohn einmal den Pinsel hat werfen lassen. Abgesehen von den drei roten Farbspritzern ist die Leinwand einfach weiß.
Ich versuche wirklich, zu verstehen, inwiefern der Preis von stolzen 1200 Pfund zu rechtfertigen ist. Vielleicht liegt es einfach daran, dass ich von Kunst so viel Ahnung habe wie Donald Trump von Politik, aber mir ist dieser Preis einfach völlig unverständlich.
„Wusstest du, dass die Mona Lisa im zwanzigsten Jahrhundert einmal aus dem Louvre gestohlen wurde?", reißt Harry mich aus meinen Gedanken. „Damals hat man Picasso verdächtigt, aber der ist es nicht gewesen."
„Nein, das wusste ich nicht", gebe ich zu und sehe ihn interessiert an. Ich mag zwar keine Ahnung von Kunst haben, aber mit historischen Geschichten bin ich immer zu ködern. „Hat man herausgefunden, wer der Dieb gewesen ist?"
Wir schlendern zu dem nächsten Ausstellungsstück und ich bin mir allzu bewusst darüber, dass Harrys Arm immer noch um mich geschlungen ist. Bei jedem Schritt werde ich an seinen Körper gepresst.
Immer wieder muss ich mir in Erinnerung rufen, dass nichts hiervon echt ist. Dass Harry nur eine Rolle spielt und ich anfangen sollte, mein Herz zu verschließen. Alles an diesem Nachmittag ist gespielt. Je eher ich dies in meinen Kopf bekomme, desto besser ist dies für alle Beteiligten.
„Ein Italiener hat das Gemälde gestohlen und wollte es zurück in sein Land bringen. Er hat behauptet, dass es Italien zu stehen würde", erzählt mir Harry. „Er wurde gefasst und zu einigen Monaten Haft verurteilt. Die Mona Lisa hat eine Tour durch Italien gemacht, bevor sie wieder an den Louvre zurückgegeben wurde."
Seine Stimme klingt begeistert und ich muss lächeln.
„Vorher ist die Mona Lisa durchaus bekannt gewesen, aber erst dann wurde das Gemälde zu einer absoluten Berühmtheit."
„One Direction hat die Phase der Bekanntheit irgendwie übersprungen. Ihr seid direkt innerhalb von wenigen Wochen zu absoluten Berühmtheiten geworden", entgegne ich und bin überrascht, als Harry das Gesicht verzieht.
„Was ist los?", will ich wissen. „Habe ich etwas Falsches gesagt?"
„Das ist es nicht." Er schüttelt den Kopf und schenkt mir ein beruhigendes Lächeln. „Ich kann nur den Begriff Berühmtheit einfach nicht ausstehen."
„Wieso nicht?", frage ich ihn überrascht. „Ist es nicht das, was ihr Jungs nun einmal seid?"
„Das mag sein", meint er zustimmend. „Aber wir sind so viel mehr als das. Ich habe manchmal das Gefühl, als würde man uns durch den Begriff auf eine Sache begrenzen. Dabei sind wir ja dennoch Menschen, die andere Interessen und Ängste haben."
Ich denke einige Zeit über seine Worte nach, dann nicke ich zustimmend.
„Du überraschst mich immer wieder, Sternchen."
Harry zieht mich zu dem nächsten Kunstwerk, einer aus Marmor gehauenen Statue, die meine Aufmerksamkeit fesselt. Die abgebildete Frau wirkt so real, dass ich beinahe erwarte, eine Bewegung zu erkennen.
Ich sehe, wie Harry möglichst unauffällig einen Blick durch den Saal wirft. „Wir haben jetzt die Aufmerksamkeit von fünf Personen auf uns. Drei davon haben eine Kamera in der Hand", berichtet er mir.
Stumm sehe ich mich ebenfalls um und merke, dass er Recht hat.
„Ich werde dich jetzt küssen. Versuch dich zu entspannen", flüstert er mir zu.
Das Gegenteil ist der Fall, mein Herz setzt kurz aus und schlägt dann umso heftiger. Ich versuche mir nichts anmerken zu lassen, nichts ist peinlicher, als ihn von meiner Aufregung wissen zu lassen.
Ich versuche, all die Fotografen um uns herum auszublenden und mich nur auf Harry zu konzentrieren.
Es dauert nur eine Sekunde, dann legen sich seine Lippen auf meine und nehmen mich in einem sanften Kuss gefangen. Die Berührung ist so leicht, dass ich sie kaum spüre. Dennoch fängt mein Herz an wie wild zu schlagen.
Ich ziehe Harry näher an mich heran und lasse meine Hände über seinen Rücken gleiten. Sein Mund wird drängender, fordernder und ich höre, wie ihm ein Stöhnen entweicht. Ich lächele in den Kuss hinein und halte ihn nicht auf, als er seine Hände in meinen Haaren vergräbt.
Während Harry mich noch enger an sich zieht, weiß ich schon jetzt, dass dieser Kuss es umso schwerer machen wird, ihn zu vergessen.
Seine Zunge drückt gegen meinen Mund, bittet um Einlass und ich gewähre ihm diesen nur zu gerne. Nun bin ich es, der ein Stöhnen entfernt und Harrys Augen funkeln mich an.
Unser Kuss wird intensiver. Er ist größtes Glück und tiefste Traurigkeit zugleich. Er ist alles.
Und dann ist es vorbei.
Außer Atem lösen wir uns schließlich voneinander. Schlagartig werde ich zurück in die Gegenwart gerissen und ich vermeide es, Harry anzusehen.
„Jetzt müssten sie ihr Foto haben", murmele ich und hoffe, dass Harry das leichte Zittern in meiner Stimme nicht hören kann.
Er nickt stumm und aus den Augenwinkeln sehe ich einen Schatten über sein Gesicht huschen. Doch schon einen Augenblick später bin ich mir sicher, dass ich mich geirrt habe.
Schweigend verlassen wir nebeneinander die Galerie, wobei meine Hand wieder in seiner liegt. Ich versuche, ein glückliches Lächeln für die Fotografen aufzusetzen, bin mir aber nicht sicher, ob ich damit Erfolg habe. Harry macht sich nicht einmal die Mühe, sondern starrt stur geradeaus.
Wir steigen in sein Auto ein und die Fahrt verläuft schweigend, bis Harry den Audi schließlich zwanzig Minuten vor meinem Haus parkt.
„Wir sind da", merkt er überflüssigerweise an.
Ich räuspere mich. „Hast du Lust noch mit hoch zu kommen?" Meine Wangen färben sich leicht rosa und ich wage es nicht, ihn anzusehen. „Nur als Freunde natürlich", schiebe ich eilig hinterher.
Kurz sehe ich Überraschung in seinen Augen. Sekunden vergehen, während er in seinem Kopf eine Pro und Contra Liste zu erstellen scheint.
Beinahe bereue ich es, ihn gefragt zu haben, denn es kommt mir nicht so vor, als hätte er sonderlich viel Lust darauf, heute mehr Zeit mit mir zu verbringen als nötig.
Doch schließlich nickt er und schenkt mir ein Lächeln.
Wir steigen aus und Harry versichert sich, dass er sein Auto abgeschlossen hat, bevor wir zu meinem Haus herübergehen.
Bei dem Haus angekommen, steigen wir die Treppen hoch und ich führe Harry an meiner Wohnung vorbei bis in die oberste Etage.
„Hier oben ist es schöner", erkläre ich ihm und breche dann die morsche Tür auf, die uns vom Dach des Hauses trennt, nur um sie daraufhin wieder hinter uns zu schließen.
Neugierig sieht Harry sich um und ich führe ihn zum Rand des Daches. Dort setzen wir uns hin und lassen unsere Beine über dem Abgrund baumeln.
„Ich habe diese Tür schon vor einigen Jahren entdeckt", berichte ich Harry leise und verschwinde in der Erinnerung. Nach einem besonders schlimmen Nachmittag bin ich heulend durch meinen Hausflur gelaufen und habe die Nähe Isabels nicht ertragen können, die in meiner Wohnung auf mich gewartet hat. Also bin ich einfach immer weiter und weiter nach oben gelaufen. Bis ich schließlich die Tür zum Dach gefunden hatte. Geflissentlich hatte ich das ‚Betreten Verboten'-Schild ignoriert, die Tür aufgebrochen und mich dann an den Rand des Daches gesetzt.
Beim ersten Mal hatte mir die Höhe Angst gemacht. Ich hatte Angst gehabt aus Zufall zu fallen. Mittlerweile glaube ich dies nicht mehr. Nichts in dieser Welt geschieht aus Zufall. Würde ich wirklich fallen, so wäre es so gewollt und ich könnte nichts dagegen tun.
Ich sehe, wie Harrys Blick die Lichter der Londoner Innenstadt betrachtet, die in einiger Ferne zu sehen sind. Wenn man sich anstrengt, kann man sogar das angestrahlte London Eye entdecken. Dann gleitet sein Blick nach unten und ich bereue es für einen Moment, ihn hierher gebracht zu haben.
Dies ist wahrlich kein Ort, an dem man den Superstar Harry Styles vermuten würde. Und dennoch sitzt er nun neben mir auf diesem Dach.
Unter uns haben die Spuren des Elends dieses Viertels große Spuren hinterlassen. Zerfetzte Müllsäcke liegen auf den Straßen, umgekippte Mülltonnen versperren die Gehwege und geradezu jede Haustür hängt nur noch halb in den Angeln. Zerbrochene Flaschen sind achtlos weggeworfen worden, nachdem sie ohne den sich darin zuvor befundenen Alkohol für Nutzlos befunden worden sind.
Ich weiß selbst, wie furchtbar diese Wohngegend ist. Bisher habe ich es immer so gut wie vermieden, irgendwen mit zu meiner Wohnung zu nehmen, um die mitleidigen Blicke nicht ertragen zu müssen.
Doch Harry wirkt nicht geschockt, sondern einfach entspannt. Er schenkt mir ein kleines Lächeln, als er meinen Blick auf sich spürt.
„Du musst nach oben schauen", flüstere ich.
Wir wenden unseren Blick nach oben, um die zahllose Sterne sehen zu können, die die tiefschwarze Nacht erhellen.
„Ist dir kalt?", fragt Harry mich mit leiser Stimme, als hätte er Panik, den Zauber der Nacht zu zerstören.
Bevor ich antworten kann, hat er schon seine Jacke ausgezogen und sie mir über die Schulter gelegt.
„Danke", murmele ich lächelnd.
Einige Zeit sitzen wir einfach schweigend nebeneinander und beinahe fühlt es sich an, als hätte jemand die Zeit angehalten.
„Wir müssen morgen besprechen, welches Mädchen du als nächstes daten willst", durchbreche ich schließlich die Stille.
Ich merke, wie sich Harry neben mir anspannt und drehe mich in seine Richtung, nur um seinem vorwurfsvollen Gesichtsausdruck ausgeliefert zu werden.
„Ich date doch schon dich, reicht das Modest nicht erst einmal?", entgegnet er mit Wut in der Stimme. „Muss ich jetzt direkt mit dem nächsten Mädchen ausgehen?"
„Schrei mich nicht so an, Harry. Ich versuche doch nur, dir zu helfen. Ich dachte, du willst dich verlieben und bist daher auf der Suche nach deinem Mädchen", erwidere ich, wobei ich versuche, ihn nicht ebenfalls anzuschreien.
„Und genau das ist das Problem, Liz!" Seine wütende Stimme klingt in der Stille der Nacht umso lauter.
„Wie meinst du das?", frage ich ihn, denn nun bin ich vollkommen verwirrt.
„Wenn du doch einfach sehen könntest, dass ich das Mädchen schon- " Kopfschüttelnd bricht er ab und sieht mich an. „Ach egal, vergiss es einfach. Es ist wohl besser, wenn ich jetzt gehe."
Ohne sich von mir zu verabschieden, steht er auf und verlässt das Dach. Die Tür fällt mit einem lauten Knall hinter ihm zu und ich starre ihm hinterher, während ich keine Ahnung habe, was hier gerade passiert ist.
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Hey ihr Lieben!
Ich hoffe, ihr habt das Wochenende gut überstanden und seid gut in die neue Woche gestartet!
Dieses Kapitel hat mir beim Schreiben unwahrscheinlich viel Spaß gemacht, da Liz und Harry sich einfach verselsbtständigt haben.
Wie fandet ihr das Date? Hätte euch so eines gefallen?
Oder sind Kunstgalerien so gar nicht eures?
Es fehlen nicht mehr viele Kapitel und ich bin gerade dabei die letzten aufs Papier zu bringen. Ich will eigentlich nicht, dass es überhaupt endet. Aber ich bin gerade so im Schreibflow, dass ich das einfach ausnutzen muss ;)
Bis zum nächsten Mal.
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