30: Frei?
Ich war jetzt seit einer Woche in diesem kleinen Zimmer auf dem Stuhl gefesselt und mir ging es einfach nur noch schrecklich. Dreimal am Tag kam Katherine und saugte mich beinahe bis auf meinen letzten Tropfen aus. Bevor ich aber endgültig sterben konnte, gab sie mir ihr Blut, das mich heilte und meine Qualen nur umso länger werden ließen. Beim ersten Mal redete sie vorher mit mir und versuchte, mich zu manipulieren. Sie meinte, dass ich furchtbare Schmerzen haben würde und der festen Überzeugung sein sollte, dass das alles allein Damons Schuld sei. Ich wusste natürlich, dass das vollkommener Schwachsinn war, aber ich fand es unglaublich böse, dass sie das alles Damon anhängen wollte. Der Gedanke an Damon, und natürlich an Elena und Elijah, war das einzige, was mich in dieser Zeit aufrecht hielt. Ich hatte mich seit einer Woche nicht mehr bewegt. Außerdem hatte ich seit einer Woche nichts mehr gegessen oder getrunken, aber ich hatte auch nicht das Bedürfnis danach. Das lag wahrscheinlich an Katherines Blut, das mich immer wieder heilte. Mein Körper war kerngesund, aber mein Verstand verfiel immer mehr dem Wahnsinn. Das einzige, was mich davon abhielt, aufzugeben, war die Hoffnung, dass mich Damon, Elijah oder Elena retten würden. Ich hoffte nur, dass sie sich beeilen würden, denn länger würde ich das kaum aushalten können ohne verrückt zu werden.
Plötzlich hörte ich, wie die Tür geöffnet wurde. Erschrocken sah ich auf. Katherine war erst vor knapp zwei Stunden hier gewesen, ich glaubte kaum, dass sie jetzt schon wiederkommen würde. Vielleicht kam ja endlich jemand, der mich retten wollte...
Aber die Person, die hereinkam, war nicht Elijah, nicht Elena, nicht Damon und auch nicht Katherine. Aber sie machte mir genauso viel Angst wie Katherine, denn es war der Vampir, der vor einigen Tagen versucht hatte, mich zu verwandeln. Er kam langsam auf mich zu und beugte sich zu mir hinab. Mein Herz klopfte wie verrückt und ich hatte unglaubliche Angst, nein, ich war richtig panisch. Doch statt mir in den Hals zu beißen und mich auszusaugen, wie ich erwartet hätte, machte er meine Fesseln los und flüsterte mir dabei ins Ohr: "Du sollst den Salvatores eine Nachricht ausrichten. Von Klaus. Er will den Mondstein und als Zeichen des Vertrauens schenkt er dir dein Leben und deine Freiheit. Aber ihr seid gewarnt: Wenn ihr versucht, ihn zu hintergehen, wird er alle Menschen und Nicht-Menschen in Mystic Falls töten."
Mit diesen Worten verschwand er mit Vampirgeschwindigkeit und ließ mich allein und verschreckt zurück. Ich versuchte, aufzustehen, aber meine Beine waren noch schwach und wackelig von dem ewigen Herumsitzen und Beinahe-Sterben. Nach einigen Versuchen schaffte ich es und stolperte blind durch den Wald. Ich wusste nicht, in welche Richtung ich musste, aber ich ging immer weiter und weiter, in der Hoffnung, irgendwann irgendwo anzukommen. Tatsächlich erreichte ich irgendwann einen Pfad, der mir bekannt vorkam. Ich folgte ihm und als ich beinahe am Ende meiner Kräfte war, sah ich das Salvatore-Anwesen. Blind vor Erleichterung torkelte ich auf die Eingangstür zu, doch kurz bevor ich sie erreichte, brach ich zusammen. Ich war am Ende meiner Kräfte, nicht körperlich, sondern hauptsächlich psychisch. Und so empfing ich die Dunkelheit mit offenen Armen.
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