Szene Sechsundzwanig

Szene Sechsundzwanzig (Jax)

Als ich am nächsten Tag im Clubhaus ankam, war ich ziemlich verwundert, dass Kat nicht in dem Büro der Werkstatt saß, sondern meine Mom.

„Wo ist Katherine?", fragte ich sie.

„Sie hat erst heute Nachmittag Schicht, weil ich ins Krankenhaus zu Abel fahre. Und dann schau ich mal, was deine Ex-Frau macht."

„Lass den Junkie doch einfach in Ruhe. Die hatte einen Rückfall. Die verdient es noch nicht mal angeguckt zu werden", sagte ich in einem leicht motzigen Unterton.

Mom runzelte nur die Stirn. „Irgendwas ist mit Katherine. Ich hatte sie mehrmals angerufen gehabt, aber sie hat mich immer weggedrückt. Dann hat sie mir eine SMS geschrieben, was ich will. Nachdem ich sie gefragt habe, meinte sie nur ok."

„Vielleicht hat sie auch nur geschlafen."

Meine Mutter schaute komisch, so als ob sie was weiß, was ich nicht weiß. „Mom, was ist?"

„Wir haben uns gestern nur unterhalten. Was soll sein?"

„Naja, hat sie dir irgendwas erzählt?"

„Nein, wir haben uns nur über Belangloses geredet. Über die Promis und deren Müll was die machen. Vielleicht ist sie ja auch einfach nur krank oder fühlt sich nicht gut."

„Dann fahre ich da gleich mal hin."

„Luann hat angerufen. Eines ihrer Mädchen wurde gestern in einem Motel zusammengeschlagen. Wir sollen dort hin", hörte ich Clay hinter mir sagen. Gemma runzelte die Stirn.

„Welches Mädchen?", fragte Gemma.

„Eines der Safron-Schwestern. Ima."

„War mir sowieso klar, dass das irgendwann passieren wird. Jetzt müssen wir uns um Luann's Müll kümmern."

„Sie gehört immer noch zu den SONS. Sie ist die Old Lady von Otto. Und wir haben Otto versprochen, dass wir uns um Luann kümmern, auch wenn er im Knast verrottet."

„Ja, fahrt ihr doch alleine. Ich fahre zum Motel."

„Lass doch Katherine einmal sein, Jax. Wir haben gerade wichtiges zu tun."

Ich verdrehte die Augen und folgte meinem Stiefvater nach draußen. „Wieso kannst du das nicht alleine mit den Jungs machen? Dann gucke ich nach Katherine."

„Weil es bei dir in letzter Zeit nur noch um Katherine und Abel dreht. Ich will nicht, dass irgendein Weib dir den Kopf verdreht und du den Club vernachlässigt."

„Mach ich doch gar nicht", bemerkte ich leicht angesäuert. "Dann komm."

"Wenn du das sagst", murmelte Clay.

"Und wenn das so sein sollte, dann kann es dir doch eigentlich egal sein, wer mir den Kopf verdreht, oder nicht?", platzte es doch aus mir heraus.

Clay blickte mich an. "Ich meine es ja nur gut, Jax. Ich will nicht, dass dir das gleiche widerfährt wie mit Wendy."

"Katherine nimmt noch nicht mal Drogen. Sie raucht noch nicht mal."

"Ganz wie bei Wendy", murmelte Clay. Ich sagte darauf nichts mehr.
Dann machten wir uns mit Tig und Chibs auf dem Weg zu Luann.

Diese wartete vor dem Laden und ging nervös auf und ab.

"Da seid ihr ja endlich", sagte sie. "Ich dachte ihr taucht gar nicht mehr auf."
"Was ist denn passiert?", fragte Clay.

"Was glaubt ihr denn? Ima hat ein neues Motel gebraucht, wegen eines Stalkers. Die Zimmernachbarin ist gestern Nacht völlig ausgeflippt und hat ihr Zimmer auseinander genommen. Ima ist rüber und wollte nur ihre Ruhe, da hat die Schlampe mein Mädel verprügelt. Ima fällt aus und ich habe einen strengen Zeitplan. Der Film muss bis Freitag fertig sein und wir haben Mittwoch. Wie soll Ima denn einen Typen eine blasen, wenn ihre Nase gebrochen ist und die dadurch nicht atmen kann. Außerdem sieht sie aus, als ob sie unter die Räder gekommen ist."

"Kann nicht die andere Safron-Schwester nicht mal alleine?", fragte Tig.

"Safron-Schwestern, Tiggy. Die gibt es nur im Doppelpack. Findet dieses Miststück, die Ima vermöbelt und bringt die her. Ich will persönlich mit der ein paar Takte reden."

"Welches Motel?", wollte ich wissen. Luann drückte mir einen Zettel in die Hand und ich blickte mit weit aufgerissenen Augen auf die Adresse. Das ist das Motel, in dem Katherine wohnt. War sie das etwa?

"Ihr fahrt zurück ins Clubhaus. Ich mach das alleine", sagte ich und knüddelte den Zettel zusammen.

"Was soll das heißen, Jax?", fragte Clay mich.

"Warte, kennst du die Schlampe?", schnaubte Luann sauer.

"Nenn' sie noch einmal Schlampe", zischte ich und ließ die anderen einfach stehen.

"Jackson!", bellte Clay noch hinter her, aber ich war schon weg. Ich saß auf meinem Bike und machte mich auf dem Weg zum Motel. Immer wieder merkte ich das vibrieren meines Handys in der Kuttentasche. Versuchte es aber zu ignorieren.

Ich hielt vor Katherine's Zimmer und ließ den Motor verstummen. Noch nicht mal anklopfen musste ich, da Katherine schon die Tür geöffnet hatte und mich anblickte. Sie sah schrecklich aus. Hatte sie die ganze Nacht durchgeweint? An ihren Knöcheln auf der Hand Schürfwunden sehen.

Ohne irgendwas zu sagen, stürmte ich zu Katherine, die den Tränen wieder nahe war und nahm sie erstmal in den Arm. "Was ist denn los?", fragte ich und drückte sie. Als ich über ihre Schulter hinweg sah, blickte ich schockiert auf das verwüstete Zimmer. "Katherine, sag mir, was los ist?"

Sie fing an zu zittern und klammerte sich an meiner Kutte fest, während ich sie ins Zimmer schob. "Setz dich."
Katherine setzte sich auf ihr Bett und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht. Ich machte die Tür zu und kniete mich vor ihr.
"Magst du mir erzählen, was passiert ist?", fragte ich sie nett und blickte in ihre geröteten Augen. Wieder huschte eine Träne über die Wange.

"Ich brauche deine Hilfe, Jax", wimmerte sie und blickte mich an. "Bitte."

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