Szene Sechsunddreißig
Szene Sechsunddreißig (Jax)
„Erfolgreich hatte er seinen Onkel, aus dem geweihten Land vertrieben und war somit jetzt an erster Stelle des Löwenrudels. Mit seiner Frau stolzierte er unter den Einwohnern des geweihten Landes auf einem riesigen Felsen und schaute stolz auf sein Volk hinab. Dort waren zahlreiche Löwen, Elefanten, Affen und allerlei Tiere die im geweihten Land lebten. Der Löwe mit der roten langen Mähne war stolz und glücklich zugleich. Stolz dafür, dass er endlich seinen bösen Onkel vertrieben hatte, der am Tod seines geliebten Vaters Schuld war, stolz darauf, dass er endlich so mutig war, um gegen ihn und den bösen Hyänen anzukämpfen. Glücklich, dass er von seinem alten Rudel wieder akzeptiert wurde- von seiner Mutter, die ihn schmerzlich vermisst hat. Und endlich hatte er eine wundervolle Löwenbraut und gerade wurde dem Volk aus dem geweihten Land ein neuer Thronfolger vorgestellt. Das kleine Löwenbaby blickte scheu auf die anderen hinab und der Streifen vom rotem Haar, wehte im lauen und warmen Wind", als ich die letzten Worte zu Ende gelesen hatte, klappte ich das Buch wieder zu und blickte zu Kat, die gegenüber von mir in einem anderen Stuhl saß.
„So eine Version von der König der Löwen habe ich noch nie gehört", bemerkte sie stirnrunzelnd.
„Du siehst auch, dass das Buch selber gebastelt wurde. Dementsprechend hat Tig das alles niedergeschrieben."
„Tig schreibt Kinderbücher?"
„Er kupfert die von irgendwelchen Disneyfilmen ab und ändert die so um, wie es geht. Außerdem muss jedes Samcrow-Baby da durch."
„Auweia", sagte Kat und schnitt eine Grimasse. „Erinnere mich daran, dass ich Abel sämtliche Disneybücher und Filme gucke, damit er ja nicht die falschen Versionen in seinem Hirn behält. Ich hätte damit gerechnet, dass Tig irgendwelche Sex-Stories schreibt, aber Kinderbücher?"
Ich lachte leise. „Das habe ich mir auch gedacht", gab ich zu. „Aber er ist selber Vater von zwei Töchtern- Zwillinge."
„Haben die genauso einen Weg, wie ihr Vater?"
„Nein, ich denke, die haben Glück gehabt und kamen nach der Mutter", sagte ich. „Ich hab die noch nie kennengelernt. Sie haben sich kurz nach der Geburt getrennt. Dawn und Fawn leben bei ihrer Mutter."
Kat blickte ich komisch an. „Ist das deren ernst? Dawn und Fawn? Da war aber jemand einfallsreich."
„Soll es geben."
„Was ist mit den anderen Sons, haben die auch Kinder?"
„Chibs hat eine Tochter. Die lebt mit ihrer Mutter in Nordirland. Haben auch nicht großartig Kontakt. Nur wenn mal der Unterhalt zu spät ankommt. Bobby hat drei Kinder von zwei Frauen. Er macht die Elvisauftritte am Wochenende auch nur, um die Medikamente und den Unterhalt der Kinder zu begleichen."
„Was für Medikamente?"
„Eines der Kinder hat ADHS. Schlimm sogar."
„Oh. Und was ist mit den Miesepeter? Hat er leibliche Kinder?"
Ich schüttelte meinen Kopf. „Nein, Clay hat keine Kinder. Juice auch nicht. Der ist ganz erpicht auf Verhütung, weil er erst ein Kind haben will, wenn er auch die Richtige hat. Croweater bringen da recht wenig."
„Wendy war doch auch eine."
„Wendy war eine, genau", nickte ich. „Aber den Fehler habe ich wohl begannen und nicht Juice."
„Okay."
„Dann habe ich einen Sohn. Den kennst du ja."
„Klar, kenne ich den kleinen Kämper."
„Opie hat auch zwei Kinder. Eine Tochter und ein Sohnemann. Das Verhältnis ist auch irgendwie angeschlagen. Er war lange Zeit im Gefängnis und die Kinder waren da ziemlich jung. Die haben kaum ein gutes Verhältnis zu ihm. Mit Donna ist es auch schwierig. Sie hasst den Club. Sie gibt uns dafür die Schuld, dass ihr Mann im Knast war und sie alleine mit den Babys war."
„Eine Oldlady zu sein, muss ziemlich hart sein."
„Kann ich nicht beurteilen, ich bin ein Outlaw."
„Er schläft", sagte Katherine und deutete auf Abel.
„Okay", ich legte das Buch weg. „Dann können wir auch fahren."
„Stimmt, wir kriegen ja heute Abend noch Besuch. Da muss das Bier gekühlt und die Pizza warm sein."
„Wir haben bereits abends und die kommen in ungefähr zwei Stunden."
„Oh. Die Zeit zieht nur an mir vorbei. Ich kriege das Teilweise gar nicht mit, wie schnell die Zeit vergeht. Nur in Gedanken."
„Mach dir wegen Noemi keinen weiteren Kopf. Du bekommst dein Mädchen schon wieder. Wir haben eine gute Anwältin, sie wird dich dann weiter aufklären."
„Wenn Clay damit einverstanden ist, dass ich jetzt auch noch die Club-Anwältin missbrauche."
„Der soll ruhig sein. Wäre er Vater, dann würde er genauso handeln wie ich."
„Juice ist auch kein Vater, aber er hilft trotzdem."
„Weil er zu mir hält. Chibs eigentlich auch. Aber ich weiß nicht, wieso er dagegen gestimmt hätte. Fünf Minuten hätten wir noch warten können, dann wären Opie und Piney mit dabei und dann hätten wir die Abstimmung gewonnen. Aber meine Klappe war mal wieder zu groß."
„Bobby und Tig sind auch Väter. Trotzdem waren sie dagegen."
„Das sind sowieso Clays persönliche Arschkriecher", schnaubte ich und stand auf. „Schlaf schön, Abel."
„Und träum süß, Mini Teller", fügte Katherine hinzu.
So nah, wie ich Katherine gerade war- ich hätte sie am liebsten wieder geküsst, aber ich wollte es nicht riskieren, dass sie wieder abhaut, nur weil ich mich nicht zurückhalten kann. Kat blickte zu mir und runzelte die Stirn.
„Denk nicht mal dran", mahnte sie mich.
„Ich kann nicht anders", rechtfertigte ich mich.
„Dann tu es doch einfach."
Verdutzt blickte ich Katherine an und noch bevor ich irgendwie reagieren konnte, da hatte sie mich am Nacken gepackt und ihre weichen Lippen auf meine gepresst. Wieso auch immer machte mein Herz ein Aussetzer und ich schlang meine Arme um ihr herum, während sich unsere Lippen synchron aufeinander bewegten- als wären sie füreinander geschaffen. Ich stöhnte leise, als Katherine sanft mit der Zunge über meine Unterlippe fuhr und drückte sie näher an mich heran.
„Ich hoffe ich stör nicht", hörte ich die Stimme meiner Mutter. Katherine wich sofort aus der Knutscheinlage zurück und blickte mit knallroten Kopf zu meiner Mutter.
„Gemma", sagte sie.
Meine Mom musste sich ein Grinsen verkneifen. Da kannte ich meine Mutter gut. Sie kratzte sich die Nasenspitze und blickte von mir zu Kat und dann wieder zu mir.
„Ich wollte nur mal Abel besuchen."
„Darfst du ruhig. Ist ja dein Enkel", meinte ich und fuhr mir durchs Haar.
„Ich warte unten", sagte Kat, schnappte sich ihre Handtasche und ging räuspernd an meiner Mutter vorbei nach draußen. Als Kat nervös durch das Fenster schaute, blickte Mom sie an und schnell schaute Kat wieder nach vorne.
„Ich dachte da ist nichts zwischen euch?", fragte sie mich und stämmte ihre Hände in ihre Hüften.
„Uhm, das war der erste Kuss..."
„Shit und da stürme ich hinein?", fragte Mom und schlug sich leicht auf die Stirn.
„Nicht schlimm."
„Hast du jetzt doch allen Mut zusammengenommen?"
„Ja, aber sie wollte es auch."
„Hab ich gesehen. Dran bleiben", sagte Mom nur und erinnerte mich an meinen damaligen Baseballcoatch. Ich war ziemlich Scheiße in dem Spiel und hab immer alles vermasselt, was man vermasseln konnte und dann hieß es immer wieder, dass ich dran bleiben soll.
„Alles klar, Coach Netti."
„Vergleich mich nicht mit den dicken Italiener", sagte Mom empört. „Weißt du, ich bin in eure Knutscheinlage geplatzt, bevor es jemand anders gemacht hätte."
Fragend schaute ich meine Mutter an.
„Wendy."
„Und?"
„Sie hat gemurmelt, dass sie Katherine umlegen will und den Bullshit."
„Was hast du gesagt?", fragte ich Mom.
„Das sie die Fresse halten und sich verpissen soll. Stürmt die darein, mach ich ihr das Leben zur Hölle. Dann ist die wieder damit ausgeflippt, dass wir Katherine alle lieben und sie niemals Abel haben wird. Dann meinte ich nur, pass auf, was du sagst, sieht nämlich schon so aus, als hätte sie deinen Exmann und so schnell du gar nicht gucken kannst, hat sie auch Abel. Ob es dir passt, oder nicht."
„Du bist fies."
„Nein, nur ehrlich", sagte Mom schulterzuckend und blickte zu Abel, der am Schlafen war. „Geh lieber zu Katherine. Ihr habt heute noch was vor."
„Hm?"
„Ihr habt Juice, Happy und Opie zum Pizzaessen eingeladen."
„Ich hab die drei eingeladen."
„Ihr plant doch keine Verschwörung gegen Clay?"
„Nein. Wir sind halt die vier die sich für Katherine einsetzen und ihr weiterhin helfen wollt."
„Er meinte, dass das Thema gegessen sei."
„Für ihn vielleicht. Aber denkst du, dass Happy das so schnell vergessen kann? Das Katherine das so schnell vergessen kann? Und ich?"
„Ich würde auch helfen, wenn ich nur irgendwie könnte. Ich finde das Verhalten von Clay auch Scheiße. Vielleicht ist das Mädchen die Tochter von Happy. Und wenn er sie nicht findet, wird er es auch nie erfahren, ob er es ist, oder nicht."
„Eben. Happy ist ein Member. Für jeden anderen aus dem Club wird wegen den Kindern geholfen. Sei es Bobby zu seinen Auftritten begleiten und Tig dabei helfen Geld zu verdienen."
„Liegt daran, dass Happy ein Nomad ist."
„Trotzdem ein Son. Und wir helfen jeden Son. Auch wenn sich der Präsident dagegen stellt."
Gemma nickte. „Sag mir sofort Bescheid, wenn's was Neues gibt."
„Mach ich", sagte ich und drückte meine Mom kurz. Dann verabschiedete ich mich noch mal vom schlafenden Abel und ging dann nach unten.
Verblüfft blickte ich zu Katherine, die ins Krankenhaus kam und sich wieder zur Tür umdrehte.
„Hey, alles okay?", fragte ich sie und fasste sie am Oberarm.
Erschrocken fuhr Katherine zusammen und drehte sich zu mir.
„Hey, ich bin es nur", machte ich sie darauf aufmerksam. „Was ist denn los?"
„Er ist hier, Jax. Er ist hier in Charming. Chris ist hier. Der war da gerade und hat mir zugewunken."
Ich ließ Katherine stehen und lief zur Tür, die ich aufriss. Ich schaute mich um, sah jedoch nur noch einen schwarzen BMW wegfahren. Aber keine weitere Menschenseele auf der Straße. Ich ging wieder zu Katherine, die kreidebleich da stand.
„Wir fahren erstmal nach Hause, okay?"
Sie nickte nur und klammerte sich dann an mich fest.
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