Szene Fünfunddreißig

Szene Fünfunddreißig (Jax)

„Hast du das ganze Zeug geschleppt?", fragte ich, nachdem ich nach Hause kam und Kat dabei sah, wie sie den Einkauf in den Kühlschrank räumte. Im Eingangsbereich bin ich fast auf die Fresse geflogen, da dort ein Sixxer Bier stand.

„Ich war mit Gemma einkaufen", sagte sie. „Ich mach uns gleich Lasagne, was hältst du davon?"

„Die können wir morgen Essen." Ich machte die Haustür zu und nahm den Sixxer mit dem Bier mit, als ich zu Katherine in die Küche kam. „Ich nehme mal an, meine Mom ist nicht mehr da?"

„Nein."

„Wir haben eine Abstimmung am Laufen gehabt. Leider nur vier zu drei Stimmen. Trotzdem..."

„Wenn der große Macker sagt, dass das nicht mehr angesprochen wird, dann wird das nicht mehr angesprochen. Ich habe keine Lust, dass du Ärger bekommst, nur weil dich irgendeine Muschi verrückt macht."

„Du bist nicht irgendeine Muschi und scheiß drauf, was Clay sagt. Bin gerade auch auf der Welle, dass ich drauf scheiße. Du brauchst keine Lasagne machen, weil ich Pizza bestellen wollte. Juice und Opie, sind trotzdem dafür, dass wir das noch durchziehen."

„Happy?"

„Happy auch. Aber der drückt mich gerade immer wieder weg. Vielleicht rufst du ihn ja mal an."

„Kann ich gleich machen."

„Ja, Ope und Juice kommen nachher, damit wir den Plan weiterbesprechen können. Wenn du Happy fragst, dann der auch."

Katherine nickte nur. „Du weißt schon, wenn Clay davon Wind bekommt, dass die Scheiße am Dampfen ist."

„Die ist doch eh schon am Dampfen. Da kommt es auf darauf auch nicht mehr an", sagte ich schulterzuckend.

Katherine räumte den letzten Schokopudding in den Kühlschrank und blickte zu mir. „Wenn du das meinst", sagte sie. „Ich wollte echt nur Danke sagen, dass du das alles machst und riskierst, dass du weiter Stress mit deinem Stiefvater..."

„Ich mach es gerne für dich. Und wenn einige Leute damit nicht klar kommen, ist das nicht mein Problem, sondern ihres."

„Und wie soll ich dir das alles zurückgeben? Das was du alles für mich getan hast? Kann ich das jemals zurückgeben?"

Was auch immer mich gerade in dem Moment geritten hatte, ich weiß es nicht, aber ich konnte in dem Moment nicht anders, als meine Lippen auf ihre zu drücken. Noch nicht mal drei Sekunden, lagen meine Lippen auf ihre und es war nicht der typische Kuss, eher ein Schmatzer, da hatte Kat auch einen Rückzieher gemacht. Verdutzt blickte ich sie an, während sie sich die Einkaufstüten schnappte und zusammenknüddelte. Dann verließ sie die Küche. Ich verdrehte, wegen mir selbst die Augen und ließ meinen Kopf an den Kühlschrank knallen. Manchmal habe ich so richtig behinderte Zeitpunkte in denen ich irgendwas mache, was überhaupt nicht passt. Und hier hatten wir ein Beispiel.

Ich ließ Katherine erstmal für eine Stunde in Ruhe und ging dann zu den Schlafzimmern. Sie machte gerad ihr Bett und blickte zu mir, als sie sah, dass ich an der Tür stand.

„Willst du Abel besuchen?", fragte sie mich.

Ich nickte. „Wenn du noch mit willst."

„Klar. Ich nehme an, wir fahren mit der Harley?"

„Ja, wieso?"

„Ich dachte, ich könnte aus dem Auto heraus Happy anrufen, aber dann mach ich das im Krankenhaus."

„Vor dem Krankenhaus. Wenn die dich in dem Gebäude mit dem Handy sehen, brauchst du nur zwei Mal blinzeln und der Chief steht vor dir."

„Als ob", sagte Katherine und ich war irgendwie verdutzt, dass sie so tat, als wäre nichts gewesen.

„Kleiner Scherz. Die schmeißen einen trotzdem raus."

     „Was war das denn eigentlich für ein Brief, den du als Vergleich von deinem Ex hattest?"

„Ist das jetzt wirklich noch irgendwie wichtig?", stellte Katherine die Gegenfrage. Ich rauchte vor dem Krankenhaus gerade eine zu Ende, während Katherine ihr Handy aus der Handtasche kramte.

Ich schmiss die Kippe auf den Boden und drückte diese aus. „Tschuldige", sagte ich. „Ich gehe dann schon mal vor und du telefonierst?"

Katherine nickte. „So habe ich das auch im Plan."

„Du wegen vorhin, sorry, wenn ich dich überrumpelt habe."

„Ist schon okay, Jax", nickte sie, ohne auch nur eine Miene zu verziehen und klappte ihr Handy auf. Dann tippte sie darauf rum.

„Uhm, okay", nuschelte ich. „Aber das ändert nichts an uns, oder?"

„Nein. Alles gut", meinte sie und zeigte aufs Handy.

„Gut, dass wir weiter drüber geredet haben", murmelte ich vor mich hin, als ich das Krankenhaus betrat.

Auf dem Weg zur Kinderstation, kam mir gerade Luann mit dieser Ima in die Quere.

„Jackson, habt ihr was Neues herausgefunden?", fragte Luann mich.

„Hm?", stellte ich verdattert die Gegenfrage.

„Na, über die Hure, die mein Mädchen verprügelt hat."

„Keine Ahnung, die ist abgehauen."

„Was bist du denn so genervt?", fragte Luann mich, während Ima mir versuchte schöne Augen zu machen. Bah. Blondine. Nie wieder.

„Ich hab auch mal einen schlechten Tag gehabt", antwortete ich. „Bin gerade auf dem Weg zu Abel."

„Gemma meinte, dass sich der Zustand immer weiter bessert."

„Ja, davon habe ich gehört. Ist meine verrückte Exfrau noch hier im Krankenhaus?"

„Ja, die macht diese Woche noch den kalten Entzug und dann geht es in die Klinik nach Oregon."

„Aus den Augen aus dem Sinn."

„Ist doch gut für dich", nickte Luann. „Und gut für sie."

„Wann habt ihr denn die nächste Clubfeier?", fragte Ima mich.

„Weiß ich nicht."

„Oh, okay. Bin ich eingeladen?"

Ich verkniff mir einen zickigen und bissigen Kommentar und blickte bittend zu Luann.

„Werden wir sehen, wenn wir die Einladung im Briefkasten haben, Schätzchen. Geh schon mal vor", sagte sie und schob Ima von sich weg.

„Ciao, Jax", Ima lächelte mich an und ich versuchte es. Aber es klappte nicht.

„Seit wann bist du denn so verklemmt?", fragte Luann mich.

„Mir tut mein Kopf weh und ich habe gerade keinen freien Kopf."

„Dann komm doch nachher zu uns in den Laden. Ima wird dir deinen Kopf wieder frei machen. Oder eine der anderen Mädchen."

„Ich dachte, du hast nur eine Pornoindustrie?", fragte ich.

„Ich muss mithalten. Wie dem auch sei. Kannst gerne vorbeikommen. Wir haben heute eine Feier da und du bist herzlich eingeladen."

„Ich kann heute Abend nicht. Bin schon verplant."

„Ah, wie heißt sie?"

„Juice, Happy und Opie", antwortete ich. „Männerabend."

„Hm, was ist eigentlich mit Gem's neuem Schützling, die Kleine die du aufgegabelt hast?"

„Sie arbeitet in der Werkstatt und hilft mir weiter."

„Und ihr seid nur Freunde?"

„Nur Freunde."

„Irgendwas stimmt echt nicht mit dir. Ich meine, würde sie wollen, hätte ich sie schon tausend Mal bei mir eingestellt. Sie würde super bei den Teenies ankommen. Aber zwingen kann ich sie ja nicht."

„Genau, zwingen kannst du sie nicht, weil ich das auch nicht zulassen werde."

„Hab ja schon verstanden. Dann grüß mal deinen Sohnemann von mir und dann sehen wir uns die Tage."

„Okay, grüß Otto, wenn du ihn das nächste Mal besuchst von mir."

„Mache ich."

     Während ich bei Abel am Toaster saß und ihn was aus einem Kinderbuch vorlas, schaute ich immer wieder zum Fenster, auf der Hoffnung mal Katherine zu sehen. Erst nach fünfzehn Minuten kam sie endlich.

„Vorlesestunde", sagte ich und hob das Buch hoch.

„Ah, ich hoffe ich störe nicht", sagte sie leise und machte die Tür hinter sich zu.

„Nö." Ich hielt inne. „Abel hat schon gefragt, wo du bleibst."

„Hat er das, ja?", fragte Kat belustigt. „Bin ja schon da kleiner Mann."

Mit den Fingerspitzen klopfte sie auf den Toaster, was Abel zucken ließ.

„Er hat sich erschrocken."

„Mag sein, aber er reagiert schon mal."

„Er reagiert sogar, wenn ich mit ihm rede. Dann dreht er seinen Kopf zu mir und blickt mich an. Die Ärztin meinte, dass er diese Woche noch aus dem Toaster kommen würde."

„Das ist doch großartig", sagte Katherine und schien ehrlich erfreut.

„Hast du Happy erreicht?"

„Ja, er ist halt nur ziemlich angepisst, wegen Clay und den anderen drei Grazien. Aber er ist dabei und kommt heute Abend."

„Wegen Freibier und Pizza die er nicht bezahlen muss."

„Das habe ich ihn auch gefragt. Er meinte nur, wegen mir und Noemi."

Ich klappte das Kinderbuch zu und blickte zu Katherine. „Noch mal wegen den misslungenen Kuss zu Hause. Das tut mir immer noch leid."

„Mir tut's auch leid, dass ich das mit dieser Reaktion so peinlich beendet habe."

„Schon okay", nickte ich und blickte zu Katherine. Diese schmunzelte leicht und blickte dann wieder zu Abel.

"Ich glaub du sollst weiterlesen", lachte sie und deutete auf Abel, der mich mit seinen großen blauen Augen anstarrte.

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