Aus dem iPad kommen merkwürdige, quietschende Geräusche. Merokey schnauft einmal tippt auf ein paar Schalter und wischt mit seinem Finger ein paar Knöpfe nach oben und nach unten.
Und tatsächlich kurz darauf ertönen Stimmen aus dem Tablett. Jedes einzelne Wort ist klar und deutlich zu hören.
"Scheiß Bande! Immer müssen sie diese Schießereien in der Nacht veranstalten! Ich bekomme in letzter Zeit gar keinen Schlaf mehr, wegen diesen Deppen!", jammert die eine Stimme.
"Halten Sie den Rand!", schnauzt eine andere Stimme genervt. "Das ist halt unser Job und wenn es Ihnen nicht passt, dann suchen Sie sich halt einen anderen!"
"Ist ja schon gut!", erwidert der Erste wieder. "Aber was machen wir jetzt eigentlich? Wir können ihr Auto ja nicht überholen! Mhm? Hallo? Sind Sie schwerhörig? Haben Sie eine Idee?"
"Ich bin verdammt nochmal nicht schwerhörig, ich ignoriere Sie nur! Jedenfalls versuche ich es." Der andere ist mehr als nur genervt von seinem Arbeitspartner.
Man hört etwas rascheln und danach spricht wieder der gereizte Polizist. "Hier machen Sie sich nützlich und schießen Sie auf die Reifen!"
Mein Blick schnellt nach oben zu Merokey, der seine Augenbrauen konzentriert zusammen zieht.
"Kai? Du hast ein Schuss! Die Reifen."
Kai nickt nur, zieht seine Waffe zu sich und dreht sich nach hinten.
Das Fenster ist doch sowieso schon kaputt, also kann er genauso gut auch so schießen. Ein Schuss ertönt und hallt durch die Dämmerung. Es kommt mir so vor, als würde die Kugel in Zeitluppe auf das Polizeiauto zufliegen.
Hinter der Frontscheibe erkenne ich wie sich die Augen des Fahrers weiten und wie er versucht das Steuer herumzureißen. das
Die Kugel fliegt gefühlte Minuten durch die kühle Luft auf sein Ziel zu. Dann noch ein Knall. Die Kugel hat das Auto getroffen. Doch nicht den Reifen, wie wir eigentlich geplant haben, sondern den Radiator Grill.
"Naja, nicht das was wir geplant haben, doch mit etwas Glück ist das genauso effektiv!", kommentiert Merokey und schmunzelt leicht.
Zuerst sehe ich ihn ungläubig an, bis ich aus meinem Augenwinkel grauen Rauch erkennen kann. Aus der Motorhaube des Autos steigen dunkelgraue Rauchschwaden herauf.
Es werden immer mehr und sie werde immer dichter. Es ist so als würde sich eine graue, undurchdringbare Wand zwischen uns und das Polizeiauto schieben.
Reifen quietschen und das rauchende Gefährt bleibt mitten in der Gasse stehen.
"Sie bleiben stehen! Ihr habt freie Bahn, los! Die nächste Gasse rechts, dort sind May und Finn! Wir sehen uns gleich!", ertönt wieder Aymeriks Stimme aus dem Handy, das ich noch immer in meiner Hand halte.
"Bis dann! Danke Erik!", erwidert Merokey und nimmt mir das Handy aus der Hand.
Pearl biegt ab und kurz darauf fahren wir hinter einem dunkelblauen Pick-Up.
Die Aufregung die ich gerade noch hatte ist wie weggeblasen und ich muss ein Gähnen unterdrücken. Es ist wieder still im Auto, so als wäre das was eben geschehen ist, nie passiert.
Kai hat seinen Kopf ans Autofenster gelehnt und sieht den kleinen, kaputten Häusern zu, wie sie an uns vorbei fliegen. Merokey sieht so aus, als würde er angestrengt über eine bestimmte Sache nachdenken, während er an seinem schwarzen Ohrring spielt.
Ja, er hat ein Ohrring. Aber es gibt Jungs, zu denen passt einfach kein Ohrring. Doch ihm passt dieser schwarze Ohrring wirklich sehr gut.
Erst jetzt bemerke ich, dass ich ihn anstarre und wende deshalb schnell meinen Kopf nach vorne. Stur sehe ich nach vorne und versuche krampfhaft den Kopf nicht wieder zu ihm zu drehen.
Dann riskiere ich doch einen Blick nach links. Noch immer blickt Merokey konzentriert aus dem Autofenster. Ich sehe sogar bildlich vor mir, wie seine Gedanken in seinem Kopf hin-und her fliegen. Von einen Punkt zum anderen.
Erleichtert stoße ich leise die Luft aus. Er hat mein Starren nicht bemerkt. Gut.
Ich wüsste nämlich nicht was ich ihm antworten würde. Ohh, ich finde dieser Ohrring passt zu dir? Oder: Ja sorry für's Starren aber du sieht gerade super heiß aus? So wie er da am Fenster gelehnt nachdenkt und an seinem Ohrring spielt?!
Ach scheiße! Ich kenn' ihn doch nicht mal! Das einzige was ich über ihn weiß ist, dass Kai sein bester Freund ist, dass er Merokey heißt und höchstwahrscheinlich gefährlich ist. Ich mein' nicht jeder besitzt mal eben so eine Waffe.
Ich schnaufe und lasse meinen Kopf nach hinten auf die Kopfstütze fallen und schließe kurz meine Augen.
Ich bin seit heute morgen 6 Uhr auf den Beinen und bin von der Schule erschöpft. Ich hätte ja nicht gedacht, dass es SO spät werden würde. Es müsste mittlerweile schon 4 oder 5 Uhr sein.
Ich weiß nicht wie ich es überhaupt geschafft habe mich so lange auf den Beinen zu halten, ohne umzukippen und einfach einzuschlafen.
Ich gähne nochmal und spüre, wie jemand mich ansieht. Ich bin aber zu müde um meine Augen wieder zu öffnen und nach dem Übeltäter zu sehen und lasse deshalb meine Augen einfach geschlossen.
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716 Wörter
Lied: Imen Es - Attentat
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