Schlag 1
Die Wand besteht aus Backstein und sie schimmert im abendlichen Licht der Straßenlaternen. Man hört dumpfe Musik und als er um die Ecke geht, sieht Matthew den Eingang des Clubs.
Ein großgewachsener Mann mit grimmiger Miene steht vor der Tür und schaut Matthew herablassend an. „Ausweis", kommt es tief aus seinem Mund.
Matthew greift in seiner Hosentasche nach seiner Brieftasche und zückt die Karte.
Er zeigt sie dem Türsteher.
„Matthew Wellington. Irgendwas sagt mir das."
Matthew will es unkommentiert lassen, aber es ist nur schwer, darauf nicht zu antworten, als der Mann ihn prüfend ansieht.
„Mein Vater ist Anwalt", sagt Matthew gegen den wiederholenden Beat, der aus dem Inneren des Clubs dröhnt.
„Richtig." Der Mann gibt ihm seinen Ausweis wieder und tritt zur Seite. „Eine Treppe nach oben und dann siehst du schon den Tresen", sagt er mit einem gewissen Unterton.
Matthew weiß, welcher Unterton das ist. Er bekommt ihn jeden Tag zu hören.
Du bist reich, also gib schön was aus.
Matthew ist aber nicht hier, um viel Geld auszugeben. Er ist hier, weil er etwas sucht. Jemanden.
Er folgt der Beschreibung des Türstehers und geht die Treppenstufen nach oben. Er landet direkt vor dem Tresen, hinter dem eine Frau steht. Ihr rotes Haar ist zu einem Dutt zusammen gebunden.
„Herzlich Willkommen. Dort hinten finden Sie die Bar und wenn Sie nach rechts gehen, finden Sie private Räume. Wenden Sie sich bitte an mich, wenn Sie noch etwas brauchen." Sie lächelt freundlich.
Matthews Blick geht über ihre Schulter hinweg zur Bar und dann scannt er den Raum.
Er will schon fast seufzen.
Doch er reißt sich zusammen, nickt und stellt seinen Fuß nun endlich auf den offiziellen Boden des Clubs. Er rückt sein Sakko zurecht und steuert auf die Bar zu.
Es dauert nur wenige Augenblicke, da steht der erste Drink vor ihm und der Barkeeper meint nur. „Geht auf's Haus."
„Sicher...", rollt Matthew mit den Augen. „Von wem ist der?"
Er dreht sich um und geht noch einmal über alle sichtbaren Gäste.
„Der erste geht immer auf's Haus", lacht der Barkeeper. Er schüttelt den Kopf und mustert den jungen Mann vor sich. „Bist du überhaupt schon achtzehn?"
„Ich bin 21, wenn Sie es genau wissen wollen", sagt Matthew zickig und sieht sich das Glas näher an.
„siehst jünger aus."
Matthew unterbricht den Barmann, als er zum nächsten Spruch ansetzen will. „Was genau setzen Sie mir hier vor?"
„Martini." Der Barkeeper wirkt aus der Bahn gerissen.
Matthew schaut angewidert aufs Glas. „Ich mag keinen Martini."
„Jeder mag doch Martini", meint der Barkeeper und sieht auf das Glas, welches Matthew ihm nun, immer noch voll, zuschiebt.
„Vielleicht die meisten, aber ich nicht." Matthews Blick ist fordernd und arrogant. „Wenn ich nun bitte einen Wodka Soda haben könnte?" Es ist keine Frage und Matthew schwört, dass dem Barkeeper die Nippel hart werden, als er das sagt.
Der Mann hinter der Theke nickt und nimmt sich eine Flasche aus dem Regal hinter sich.
„Ich gehe davon aus, dass du kein Dom bist, oder?" Matthew wechselt dazwischen über die Gäste mit seinen Augen zu gleiten und dem Barkeeper dabei zuzusehen, wie er das Glas mit sauberer Hand extra voll schenkt.
„Ich bezeichne mich als beides. Dom und Sub", murmelt er und schiebt Matthew das Glas kleinlaut entgegen.
„Aha, sicher." Matthew nimmt den ersten Schluck und hebt eine Augenbraue. Immerhin kann der Mann etwas. Wenn auch keine ordentliche Konversation betreiben.
Die Stimmung ändert sich im Club, als nun ein ruhigeres Lied läuft und Matthew ist zu frustriert, um überhaupt noch zu gucken, ob jemand interessantes den Club betritt. Also stürzt er den Wodka Soda runter und bestellt gleich den zweiten.
Der Barkeeper ist äußers still und bedient mittlerweile andere Gäste, die netter sind als Matthew.
Im Club riecht es nach Alkohol und verbrauchter Luft. Es riecht nach süßem Likör, Leder und Latex. Allgemein scheint dies hier letztendlich doch nur ein ganz gewöhnlicher BDSM-Club zu sein, auch wenn dies hier angeblich der beste der Stadt sein soll. Matthew ist gänzlich enttäuscht und nach dem nächsten halben Glas, schiebt er sich vom Barhocker und taumelt in Richtung der Toiletten.
Hier ist alles weitaus dunkler als im Club selbst und es riecht nach Seife und Reiniger. Immerhin putzen sie hier, rollt Matthew mit den Augen. Er ist schon etwas betrunken und geht in eine der Kabine. Nur Barbaren benutzen Pissoirs.
Er hört noch ein paar Stimmen um ihn herum und muss sich das Lachen verkneifen, als er hört, wie ein Mann neben ihm in der Kabine versucht Dirty Talk zu machen.
Die andere Person klingt genauso belustigt wie Matthew.
„Ich habe gesagt, ich werde es versuchen! Ich gebe hier mein Bestes, Daniel!"
„Sicher, mach weiter."
Matthew ist mit einem Ohr noch bei dem Gespräch der beiden und stellt sich ans Waschbecken, um sich die Hände zu waschen. Und vielleicht noch zu hören, wie das Fiasko seinen Lauf nimmt.
Im merkwürdigen Schein der Lampe über dem Spiegel vor sich, mustert Matthew sein müdes Gesicht. Er überlegt zu gehen und die Suche für heute zu lassen. Er hat noch niemanden getroffen, der ihm gefiel.
Er dreht sich zur Tür und drückt anstatt zu ziehen. Die andere Person auf der Seite drückt ebenfalls und als Matthew loslässt, weil er seinen Fehler bemerkt hat, lässt er los und die Person stolpert ihm direkt entgegen.
Matthew kann sich gerade mal so halten und rafft sich dann wieder auf. „Pass doch mal auf", zischt er, obwohl er weiß, dass er der Grund für den Zusammenstoß war.
„Bitte?", lacht der Mann, den Matthew nun als äußerst attraktiv wahrnimmt. „Ich soll aufpassen? Ich war nicht der Grund, dass du in mich rein gerannt bist."
„Du bist in mich reingerannt", sagt Matthew und drängt sich an dem Mann vorbei. „Immer diese Leute, die die Wahrheit so drehen, wie es ihnen passt", beschwert sich Matthew lautstark und dramatisch. Dann verlässt er die Toilette.
Er gibt dem Abend noch eine Chance.
Zurück an der Bar, genießt Matthew seinen Drink und schaut verschmitzt auf den Barkeeper, der Augenkontakt mit ihm vermeidet.
Es vergehen ein paar Minuten, ohne dass Matthew angebaggert wird. Er ist gerade mit seinem zweiten Wodka Soda fertig, da ertönt eine Stimme direkt neben seinem Ohr. „William Handler."
Matthew dreht sich nach rechts und findet dort den Mann, der ihm soeben auf der Toilette in die Arme gefallen ist.
Der Mann, William Handler, wie er sich so professionell vorgestellt hat, lächelt ihn an.
Auch er scheint über seinen ersten Drink hinaus zu sein.
„Dom oder Sub?", fragt Matthew unverblümt.
„Wem würde ich dieses intime Detail verraten, wenn ich fragen darf?"
„ich heiße Matthew. Also?" Matthew schiebt sein Glas in Richtung des Barkeepers und signalisiert ihm, dass er noch einen haben will.
Der Barkeeper macht sich ohne Widerworte an die Arbeit.
„Den hast du ja schon unter Kontrolle", schmunzelt William und blickt vom Barkeeper zu Matthew. „Ich bin dominant."
Matthew überschlägt die Beine und deutet William, sich neben ihn an die Bar zu setzen.
„Welch Überraschung", murmelt Matthew mit einem Glitzern in den Augen. Er hat ihn gefunden.
„Und du?", ignoriert William den bissigen Kommentar.
„Was wohl?", lacht Matthew kurz. „Ist das schwer zu erkennen?"
„Nicht wenn ich mir dein Auftreten ansehe", sagt William analysierend. „Den Barkeeper hast du mit deinen wahrscheinlich ziemlich unverschämten Kommentaren dazu gebracht, gar nichts mehr zu sagen und bei unserer Begegnung gerade eben, hast du mich provoziert. Du bist ein Sub."
„Das könnte jetzt auch eine falsche Einschätzung sein, Mister Handler. Immerhin habe ich den Barkeeper unter Kontrolle und ist das nicht, was Doms tun?" Matthew legt seinen Kopf leicht zu einer Seite.
„Nein. Doms sind im Umgang mit fremden Menschen höflicher." William hebt die Augenbraue. „Du siehst so aus, als würdest du noch etwas brauchen."
„Sag schon was", meint Matthew und trinkt einen Schluck.
„Du brauchst Disziplin."
Matthew lacht. „Das brauche ich sicher nicht."
„Da wäre ich anderer Meinung." William legt seine Hand auf Matthews Knie. „Du brauchst jemanden, der dir Grenzen aufzeigt."
Matthew starrt auf die Hand und ja, vielleicht ist es nur der Alkohol in seinen Adern, aber er will William in eines der Zimmer ziehen und sich von ihm ficken lassen.
„Sag mir wonach du suchst", murmelt William dann näher an Matthews Gesicht als vorher.
„Und was tust du dann? Mir sagen, dass du alles bist, was ich gesucht habe und vielleicht nicht einmal gewusst habe, dass ich es brauche?"
William schmunzelt wieder. „Sicher nicht. Ich will nur wissen, wonach du suchst."
Matthew spielt mit dem kalten Glas vor sich herum und sieht dem sprudelnden Wasser dabei zu, wie es mit den Eiswürfeln kämpft. Für eine kurze Zeit ist er davon abgelenkt, doch dann kommt er wieder in der Gegenwart an und spuckt es aus. „Ich suche einen Daddy. Einen Sugar Daddy, um genau zu sein. Jemand, der mir was bieten kann und der für mich... Aufgaben hat."
Williams Daumen streift langsam über Matthews Knie und geht dann etwas höher. „Na dann, passen wir prima zusammen."
Matthew sieht ihn an, erweiterte Pupillen und diesen Blick, den er nur selten anderen zeigt. Diesen verzweifelten Blick, der so voller Lust und Untergeben ist.
Auch wenn er diesen Blick nicht leichtfertig zeigt, so bringt William ihn fast dazu ihn automatisch zu zeigen.
Er schmilzt, wie kitschig es auch klingt, bei einer einzigen Berührung des anderen.
„Was willst du?", fragt William und rückt noch ein Stück näher an Matthew heran.
Matthew holt tief Lust. „Dass du mein Daddy bist."
Was denkt ihr?
Jasper
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