Schwarz
Das gleißend helle Licht des Mondes hob sich von dem tiefen Schwarz des Nachthimmels ab, während wir schweigend nebeneinander mit dem Rücken auf unseren Jacken lagen.
Das Feld um uns herum war in Dunkelheit getaucht und man konnte die roten Mohnblumen kaum noch ausmachen. Ihre Schönheit, die man bei Tageslicht sehen konnte, zählte jetzt nicht mehr. Der Rauch unserer Zigaretten füllte unsere Lungen, der billige Wein von der Tankstelle wärmte unsere Bäuche. Wir waren so jung und frei in diesem Moment.
Und ich weiß noch, dass ich mich für einen winzigen Moment plötzlich mochte und es ok fand zu existieren.
Als wir da so unter diesem hellen weißen Licht lagen, in eine feste Umarmung verwickelt, waren wir doch nichts anderes als eine Beziehung aus gebrochenen Knochen und hohlen Brustkörben.
Leichtsinnige Blicke und ein verdrehtes Lächeln voll von ständigem Bedauern, während wir in unseren leeren Inneren wahrscheinlich grade beide nach Hilfe schrieen.
Du und ich. Ich und du. Was war das da zwischen uns? Eine Freundschaft? Eine Liebe? Oder doch nur ein Fall von Rudelbildung? Zusammenrottung einer gleichen oder zumindest ähnlichen Spezies? Die Sommernacht war warm, ihre Augen voller Zuneigung, unserer Körper eingepackt in schwarze Lederjacken.
Wir waren die schlimmen Kids der Stadt. Die, vor denen die Eltern ihre „lieben" Kinder warnten.
Wir rauchten, tranken und gaben einen Scheiß darauf was andere dachten. So schien es. Doch innerlich waren wir von Selbstzweifeln zerfressen, mussten uns durch jeden Tag durchschlagen und hatten das Gefühl keiner würde uns verstehen.
Einsame Seelen.
Plötzlich kam mir ein Arctic Monkeys Zitat in den Kopf und ich konnte nicht anders als es laut auszusprechen, denn es war so wahr und rein in diesem Moment.
„And I'll be yours until the stars fall from the sky, Yours, until the rivers all run dry, In other words, until I die".
Sie drehte ihren Kopf in meine Richtung, ich konnte ihre fast schwarzen Augen und das Lächeln auf ihren vollen rauen Lippen nur erahnen. Als sie mir näher kam roch ich den Tabak und Wein aus ihrem Mund vermischt mit dem süßen Duft ihrer warmen Haut und ich hatte noch nie etwas besseres gerochen. Ich spürte ihre Hand an meinem Kopf, wie sie mir sanft durch die schwarzen, verstrubbelten Haare strich und als unsere Lippen sich endlich berührten war es wie eine Explosion. Eine Kollision zweier Sterne, die zu einem wurden. Wir leuchteten um die Wette und ich fühlte nichts außer dem Drang ihr noch näher zu kommen, auch wenn das ziemlich unmöglich war.
Für einen kurzen Moment verspürte ich keine Angst, kein Leid, mein Herz war nicht schwer, ich fühlte mich gut.
„And her lips are like the galaxies edge" Sangen die Arctic Monkeys in meinem Kopf und mein Herz schlug zum Tackt.
„Baby, I'm yours, And I'll be yours until the sun no longer shines, Yours until the poets run out of rhyme, In other words, until the end of time" führte sie mein Zitat fort und plötzlich war ich mir sicher, dass es Liebe war, die ich da für sie empfand.
Für dieses kleine, dünne Mädchen, welches immer nach Rauch und Versuchung roch.
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