~8~ Minho ~Die Wette
Die Tore waren bereits in Sicht und ich rannte schnell hindurch. Zufrieden joggte ich über die Lichtung, während ich auf meine Uhr sah. Diesmal war ich schneller als sonst. Um ganze 5 Minuten! Es war zwar nicht gerade viel, aber besser als nichts, besonders, da ich ein Wettrennen gemacht hatte.
Ich hatte eine Wette mit Minho abgeschlossen, wer der bessere Läufer von uns sei, zugegeben, wir waren leicht angetrunken und es war bereits sehr spät, aber die Wette galt dennoch. Ich wollte es ihm zeigen, dass ich sogar schneller sein kann, als der Hüter der Läufer. Zufrieden lächelnd lief ich an den Feldern vorbei, wo Newt arbeitete. Er sah auf, als ich an ihm vorbeilief.
„Na, was gibt es denn da so zu grinsen? Du bist doch heute ohne Minho gelaufen...", fing er an und ich blieb langsam stehen.
„Tja, ich bin fünf Minuten schneller da, als sonst. Und ja, es ist schon schade, dass ich nicht mit Minho laufen konnte, aber das ist halb so wild, denn ich habe ja mit ihm die Wette abgeschlossen..." Er nickte wissend „Stimmt. Die Wette..." Er lachte laut.
An dem Abend waren Minho und ich betrunken in Newts Hütte getorkelt und hatten ihn geweckt, wobei wir laut kichernd und gelegentlich gegen etwas tretend neben sein Bett getrampelt waren und ihn freudestrahlend aus seinem Dornröschenschlaf geweckt hatten. Wir hatten ihm so betrunken, wie wir waren die Idee erzählt und ihn zum Schiedsrichter ernannt. Er war zu müde, um mit uns Betrunkenen zu diskutieren und hatte einfach zugestimmt.
„Ich hatte nicht erwartet, dass ihr das durchzieht, geschweige denn, dass ihr euch noch daran erinnert... Ihr wart ganz schön dicht...", lachte er.
„Das stimmt doch gar nicht... So betrunken waren wir nicht!", widersprach ich und verschränkte die Arme. Er zog lediglich die Augenbrauen hoch. „Minho hat gesagt, dass er ziemlich heftige Kopfschmerzen hatte... Ich bezweifle, dass das bei dir nicht so war..." Ich verdrehte die Augen und zuckte mit den Schultern. Ja, ich hatte wirklich zu viel getrunken...
„Wie auch immer... Ist Minho denn schon da?", wechselte ich schnell das Thema und er schüttelte den Kopf. „Ich glaube, die Wette hast du gewonnen..."
Ich fing an zu jubeln und einige Lichter sahen mich verwirrt an, doch mich störte es nicht. „Und das, obwohl er öfter vor mir da ist!"
Mit einem breiten Grinsen verabschiedete ich mich von Newt und lief zur Läuferhütte, um mir auch komplett sicher zu sein, dass ich gewonnen hatte. Dort angekommen sah ich keinen Minho und mir kam der Gedanke, dass er vermutlich sofort an den Toren gewartet hätte, um mich auszulachen, wenn er bereits auf der Lichtung gewesen wäre...
Ich setzte mich hin und fing an die Pläne zu zeichnen, wie jeden Tag, wenn ich zurückkam. Normalerweise saß ich mit ihm in einem Raum und gemeinsam zeichneten wir, doch dieses Mal fehlte er, was mich ein wenig störte, denn ich genoss es immer, wenn wir diese ruhige Zeit zusammen hatten.
Nachdem ich mit den Zeichnungen fertig war, verließ ich die Hütte und schaute nochmal bei Newt vorbei. Es wunderte mich, dass Minho noch immer fehlte, doch es könnte auch sein, dass er sich mit seinem besten Freund ein wenig verquatscht hatte... Doch bei den Gärten war er nicht und Newt kümmerte sich gerade um die Tomaten.
„Newt, ist Minho irgendwie vorbeigekommen?", erkundigte ich mich und er sah auf. Verwunderung huschte über seine Züge.
„Nein. Ist er denn nicht in der Hütte?"
Ich schüttelte nur den Kopf und erlegte sein Werkzeug weg. Nachdenklich warf er einen Blick zu den Mauern. „Er müsste eigentlich schon zurück sein. So langsam war er sonst nie..." Nun etwas beunruhigter richtete er sich auf. „Bist du dir sicher, dass er nicht irgendwo ist?" Erneut nickte ich. „Und wenn er sich versteckt, weil du wirklich schlechter als er warst?"
„Das bezweifle ich sehr!" Als aus dem Südtor zwei der Läufer kamen, joggte ich zu ihnen.
„Ben, hast du Minho gesehen?", fragte ich den einen Läufer, der nun etwas langsamer wurde.
„Nein, er wollte doch heute allein laufen..." Und mit den Worten ließ er mich stehen und rannte weiter zur Hütte.
Langsam wurde ich nervös, denn es wunderte mich sehr, dass Minho noch nicht da war. War ihm vielleicht etwas passiert?
„Und?" Erschrocken fuhr ich herum. Newt war zu mir gelaufen und sah mich fragend an.
„Sie haben ihn auch nicht gesehen...", grübelte ich. „Denkst du ihm ist etwas passiert?" Besorgnis flammte in seinen Augen auf, doch schnell wurde seine Miene wieder normal. „Ich bin mir sicher, dass es ihm gut geht. Vielleicht hat er ja etwas entdeckt?" So wirklich glaubte er es selbst nicht...
„Vielleicht ist wirklich etwas passiert... Ich könnte ihm ja entgegenlaufen und nachsehen, ob alles in Ordnung ist...", murmelte ich, als wir vor dem Eingang standen. Da ich noch meine gesamte Ausrüstung bei mir trug könnte ich ohne Probleme loslaufen. Ich blickte noch einmal in das Labyrinth, doch dort sah ich ihn nicht.
„Es wäre vermutlich eine gute Idee...", murmelte ich und wollte gerade loslaufen, doch Newt hielt mich an meinem Gurt zurück. „Nein, das wäre keine gute Idee. Die Tore schließen sich gleich und wer weiß, vielleicht lauft ihr aneinander vorbei?" Er zog mich ohne Erbarmen von der Mauer weg, bis zum Garten.
„Aber ich kenne die Route, die er heute laufen wollte...", begann ich zu protestieren, doch er schüttelte nur den Kopf. „Als zweiter Anführer verbiete ich es dir!" Empört schnappte ich nach Luft, doch er legte mir bloß seine Hände auf die Schultern und sah mich eindringlich an. „Wir warten einfach hier. Du machst dir keinen Kopf deswegen. Und du wirst sehen, alles wird gut gehen!"
Nur widerwillig stimmte ich zu und setzte mich an den Rand des Feldes. Die ganze Zeit starrte ich zum Eingang, doch Minho sah ich nie durchlaufen.
Auch Newt wurde, je später es wurde, immer nervöser. Das Ganze sprach sich auch auf der Lichtung herum und es kam schließlich auch Alby zu uns. Da Minho noch immer nicht da war, versammelten wir uns am Tor. Newt und ich an erster Stelle.
Hibbelig wippte immer wieder vor und zurück, doch das machte wohl auch Newt unruhig, denn er fuhr sich nervös durch die Haare und warf einen Seitenblick zu mir. Ich konnte meinen Blick nicht von den hohen Mauern abwenden.
Ich versuchte mir einzureden, dass Minho jede Sekunde um die Ecke laufen würde und dann einen dramatischen Eingang darlegen würde, doch das würde nicht in Erfüllung gehen. Immer wieder warf ich einen Blick auf die Uhr und merkte, wie in mir langsam die Verzweiflung hochkam.
„Kann ich nicht einfach loslaufen?", fragte ich und wand mich zu Newt, der ebenfalls hinausstarrte.
„Nein, Greta, wir können nicht zulassen, dass wir zwei unserer besten Läufer verlieren!", widersprach Gally, der unmittelbar hinter Newt stand.
Mein Herz begann immer schneller zu schlagen, als ein leichter Wind aufkam. Das Zeichen, dass sich das Tor nun schließen würde! Erneut blickte ich in das Labyrinth, doch dort sah ich keinen Minho. Wo steckte er nur?!
„Beeil dich! Spann mich nicht so auf die Folter, Minho!", murmelte ich wie en Mantra vor mich hin, doch auch, als das laute Geräusch von den Mauern kam, tauchte er nicht auf. Mit großen Augen sah ich zu, wie sie sich in Bewegung setzten. Verzweifelt schüttelte ich den Kopf. „Nein! Das darf nicht wahr sein!" Doch in dem Moment sah ich ihn. Er bog humpelnd um die Ecke.
Sobald auch die anderen ihn sahen, begannen sie laut zu rufen. Doch ich war wie vor Schreck erstarrt, unfähig etwas zu machen, musste ich mit ansehen, wie sich die Mauern immer weiter aufeinander zu bewegten. Ich konnte Minho verzweifelt schreien hören, während er auf uns zu humpelte. Ich nahm alles nur in Zeitlupe war, die Schrei der anderen waren in dem Moment fern. Ich hörte das Blut in mein Ohren rauschen und mein Herz gegen meine Brust hämmern. Ein entschlossener Ausdruck lag auf Minhos Gesicht, während er immer näherkam, doch das viel zu langsam!
Er würde es nicht schaffen!
Sobald mir diese entsetzliche Tatsache bewusst wurde, riss es mich aus meiner Starre und ich wollte zu ihm laufen, doch Newt hielt mich zurück, indem er nach meinem Handgelenk griff. Verzweifelt wehrte ich mich.
„Minho!", rief ich panisch, während ich gegen Newts Griff ankämpfte. Doch er sah mich nur genauso verzweifelt an und schüttelte den Kopf. Als ich wieder zu Minho sah, hatten sich die Mauern schon fast geschlossen. Es passte kaum mehr ein Mensch hindurch. Doch genau in dem Moment erreichte Minho das Tor. Er erkannte, dass es zu spät war und sackte zu Boden. „Minho!"
„Greta!"
Ich riss mich aus Newts Umklammerung, doch es war zu spät. Der spalt in der Mauer war nur so breit, dass ich ihn gerade so erkennen konnte. Sein Blick traf auf meinen.
„Greta! Ich liebe dich!", hörte ich ihn mit aller Kraft über den Lärm der Mauern hinwegrufen. Schon im nächsten Moment schloss sich der Spalt und die Mauern knallten dumpf gegeneinander. Verzweifelt schlug ich mit meinen Fäusten gegen den harten Stein, während mir Tränen über die Wange liefen.
„Minho! Nein!", rief ich entsetzt. Es fühlte sich so an, als hätte man mir den Boden unter den Füßen weggezogen, denn meine Beine gaben nach und ich sackte zu Boden.
Unaufhörlich wurde ich von Schluchzern geschüttelt. Immer wieder hämmerte ich gegen den Stein, bis mich jede Kraft verließ. Es fühlte sich so an, als hätte mir jemand ein Messer in meine Brust gerammt!
Ich weiß nicht, wie lang ich noch dort kniete und weinte, doch nach einiger Zeit spürte ich, wie mir jemand eine Hand auf die Schulter legte. Es war Newt.
Die Tatsache, dass sich die Gruppe an Lichtern nun wieder aufgelöst hatte, nahm ich nur am Rande wahr, denn als ich Newt erblickte, kochte in mir die Wut hoch. „Du!", fauchte ich wütend. „Du hast mich aufgehalten!"
Ich wurde immer wütender und stand nun langsam auf. „Ich hätte zu ihm kommen können!" Und je mehr ich ihn anschrie, desto mehr verschwamm meine Sicht und desto mehr Tränen sammelten sich in meinen Augen. „Wieso hast du das getan?!"
Gerade wollte ich wütend auf ihn zuschreiten, doch meine Beine boten noch immer nicht genug halt, weshalb ich strauchelte und gegen ihn fiel. Sofort fing Newt mich auf und schlang seine Arme um mich. Doch ich wehrte mich gegen die Umarmung.
„Wieso musstest du mich festhalten?!" Newt verstärkte den Griff um mich.
„Ich kann nicht zulassen, dass ich zwei meiner Freunde verliere!" Auch er war den Tränen nahe. Verzweifelt schluchzte ich auf und verschluckte jedes weitere Wort. Stattdessen ließ ich mich einfach von Newt umarmen und klammerte mich an ihn, wie an ein rettendes Bot.
Unaufhörlich lief mir die Tränen aus den Augen, doch irgendwann schaffte ich es meine Atmung etwas unter Kontrolle zu bringen und die Schluchzer ebbten ab.
„Wir wissen doch beide, dass er ein zäher Junge ist!", murmelte Newt, nachdem wir uns wieder beruhigt hatten.
Auf der gesamten Lichtung herrschte eine angespannte Stimmung und uns beiden wurden mitleidige Blicke zugeworfen, wenn wir jemandem begegneten. Es hatte eine Weile gedauert, bis Newt mich dazu überredet hatte von den Toren wegzugehen, denn ansonsten hätte ich dort die Nacht verbracht. Mit verquollenen Augen blickte ich zu ihm.
„Wenn es doch nur so einfach wäre..."
„Wir sehen morgen nach!"
Matt nickte ich. Mein Körper fühlte sich taub an und meine Kehle trocken. Es war bereits Nacht und die meisten Lichter schliefen schon.
„Wir sollten uns vielleicht besser hinlegen und uns ausruhen...", murmelte Newt. Es wunderte mich, wie er in einer solchen Situation noch klar denken konnte. Vermutlich war das der Grund, weshalb der der zweite Anführer war.
Obwohl mir nicht nach Schlaf war, nickte ich erneut. An den Schlafplätzen trennten sich unsere Wege. Doch im Gegensatz zu Newt wollte ich nicht schlafen, also ging ich in den Wald. Meine Füße fanden den Weg zur Hütte von allein und so war ich nach einiger Zeit dort.
Schwach öffnete ich die Tür und trat in den dunklen Raum. Meine Augen gewöhnten sich langsam an das fahle Licht, das durch einige Löcher eindrang und ich konnte die Karten ausmachen, die an den Wänden hingen. Mit einem langen Seufzen ließ ich mich auf einen der Stühle sinken und starrte auf den leeren Platz vor mir. Dort saß meistens Minho, wenn wir unsere Pläne aufzeichneten.
In Gedanken erinnerte ich mich wieder an unsere Zeit in dem Raum. Direkt nachdem wir aus dem Labyrinth kamen, hatten wir uns immer hingesetzt und still gezeichnet. Es war immer schön, wie wir schwiegen und diese Stille nicht im Geringsten unangenehm war, stattdessen nur angenehm. Einfach nicht zu reden und nur die Gegenwart des anderen zu genießen war auch etwas, das auf der Lichtung nicht immer möglich war.
Zudem war es einfacher so, ihn einfach zu beobachten, während er zeichnete. Er hatte zwar immer seine sarkastischen Antworten parat und war immer für jeden Spaß zu haben, doch es war fast so, als würde eine andere Seite von ihm zum Vorschein kommen, wenn er zeichnete. Während seine Hand den Stift schnell über das Papier führte, kam eine zarte Seite zum Vorschein. Die Art, wie er die Striche setzte und gelegentlich aufsah, um sich zu erinnern, nur um dann wieder zu zeichnen. Und wenn er damit fertig war, dann brauchte ich noch etwas, denn er war auch der bessere und schnellere Zeichner. Doch stören tat es mich nicht, schließlich konnte er mir manchmal helfen.
Das waren die Momente, von denen ich nie genug bekommen könnte. Wieso auch? Es war einfach zu schön. Und ihm gefiel es auch, denn er freute sich immer auf das Zeichnen nach dem Laufen. Das hatte er öfter gesagt.
In solchen Momenten war ich mir nicht sicher, was mit mir los war, denn meine Gedanken waren wirr und ich konnte oft meinen Blick nicht von ihm lösen... Wenn er aufsah und mir in die Augen blickte, dann spürte ich, wie mein Herz ein Satz machte und, wenn er lächelte, dann musste ich ebenfalls lächeln.
Bei der Erinnerung daran hatte ich erneut das Gefühl, als würde mir in die Brust gestochen werden. Mir fehlte die Luft, weshalb ich krampfhaft aufatmete. Mir kamen seine Worte wieder in Erinnerung.
Er hatte gesagt, dass er mich liebt...
Immer wieder spielten sich die letzten Sekunden vor meinen Augen ab und ich kämpfte erneut mit den Tränen, die unaufhörlich aus meinen Augen traten. Wenn ich zu ihm gerannt wäre, hätte er es vielleicht geschafft!
Als ein lauter Schrei ertönte, zuckte ich zusammen. Es waren die Griewer.
In meiner ersten Nacht hatte ich noch Angst vor den Geräuschen, aber Mino konnte mich immer beruhigen. Nur diesmal war er nicht da, stattdessen befand er sich selbst bei diesen Monstern da draußen! Egal, was Newt sagte, Minhos Überlebenschancen waren gering, äußerst gering. Das schlimmste an der Situation war, dass ich nie damit gerechnet hätte, dass Minho jemals im Labyrinth stirbt. Ich war davon ausgegangen, dass wir noch ewig miteinander verbringen würden, dass ich ihm irgendwann hätte sagen können, was ich für ihn empfand. Doch jetzt war es zu spät! Und in meinem Herzen befand sich ein Loch.
Ich hatte Minho verloren!
Als mir diese Tatsache bewusst wurde, schluchzte ich verzweifelt auf. Ich hielt mir die Hand vor den Mund, um das Schluchzen zu dämpfen, doch ich unterdrückte es nicht. Ich weinte bis sich mein Gesicht anfühlte, wie eine schmerzverzerrte Maske. Und selbst dann liefen mir noch vereinzelte Tränen über die Wange, während ich vor mich auf den leeren Platz starrte. Der Gedanke daran, dass ich ihn nie wiedersehen würde, brach mir erneut das Herz.
Es war mir ein Wunder, wie ich die Nacht überlebt hatte, denn als das erste Licht durch einzelne Stellen an der Wand fiel, und den Morgen ankündigte, bewegte ich mich nicht.
Normalerweise würde ich jetzt aufstehen und mich fertig machen, um mit Minho ins Labyrinth zu laufen, aber heute wollte ich dort nicht hinaus. Der Gedanke daran ihn zu finden machte mir zu sehr Angst. Zu oft hatten Griewer unsere Leute getötet irgendwo liegen lassen.
Es kamen auch sonst keine Läufer in die Hütte, vermutlich sollte heute niemand dort rein...
Als ich hörte, wie sich die Tore öffneten, zögerte ich. Doch ich blieb in der Hütte.
Mit zusammengesunkenen Schultern saß ich auf meinem Platz und sah auf meine Hände.
Wie würde es denn jetzt weitergehen?!
Was sollte ich denn machen?
Als eine Stimme hinter mir ertönte und meine Gedanken unterbrach, zuckte ich erst erschrocken zusammen.
„Mir ist zu Ohren gekommen, dass sich hier eine Gewinnerin befindet?" Ich erstarrte in meiner Bewegung, als ich die Stimme erkannte. Zögerlich drehte ich mich um.
Sobald ich die Person erblickte, die am Eingang stand, schlug ich mir meine Hände vor den Mund.
„Minho!"
Eine unbeschreibliche Welle an Erleichterung überströmte mich, als sich ein kleines Grinsen auf sein Gesicht schlich und alle Anzeichen an Erschöpfung vertrieb.
„Schön zu wissen, dass du dir nach einer Nacht ohne mich noch meinen Namen merken kannst!", scherzte er. Noch immer konnte ich es nicht fassen. Er stand hier, direkt vor mir. Lebendig. Nur sein äußeres hatte ein wenig gelitten. Seine Läuferkleidung war erstaunlich verdreckt und verschwitzt und seine Haare sahen nun nicht mehr ganz so perfekt aus, wie sonst. An seinem Arm hatte er eine Menge an Kratzern und Dreck. Und als ich ihn da so vor mir sah, atmend, lächelnd, lebendig, fiel die ganze Anspannung der letzten Nacht von mir ab. Die Verzweiflung vermischte sich mit Freude und ich trat mit Tränen in den Augen auf ihn zu.
„Du lebst!", hauchte ich. Ich konnte es noch immer kaum wahrhaben!
„Ich dachte...ich dachte ich hätte dich verloren!" Meine Stimme wurde immer weinerlicher. Mit einem Lächeln auf dem Gesicht schloss ich meine Augen und versuchte gegen die aufkommenden Tränen anzukämpfen.
Eine Berührung in meinem Gesicht ließ mich jedoch meine Augen aufschlagen. Minho hatte seine Hand ausgestreckt und strich mir behutsam die Tränen von der Wange. Dabei sah er mich noch immer intensiv an.
„Ich bin so froh, dass es dir gut geht!" Er lächelte. Sein warmer Blick ließ mein Herz immer schneller schlagen.
„Wie hast du es geschafft da drin zu überleben?!"
„Mit dem Gedanken an dich." Erstaunt hielt ich inne und starrte ihn einfach nur an. „Greta, ich... ich liebe dich!" Erschrocken hielt ich die Luft an. „Dieser Gedanke, es dir persönlich zu sagen hat mich am Leben gehalten!" Mein Bauch begann zu kribbeln, als er mir immer näherkam. Der scherzende Ausdruck war aus seinen Augen verschwunden, stattdessen lag dort reine Zuneigung. Für mich!
Er stoppte kurz vor meinem Gesicht, so knapp, dass sich unsere Nasen kaum berührten.
„Ich liebe dich auch, Minho!", hauchte ich und lehnte mich vor. Im nächsten Moment trafen unsere Lippen aufeinander und ein Feuerwerk an Gefühlen ging in mir los. Minho schlang seine Arme um mich und zog mich so noch enger zu ihm, während er den Kuss erwiderte.
Dieser eine Moment fühlte sich an wie eine Ewigkeit. Jedoch eine Ewigkeit der Freude.
Erst, als ich keine Luft mehr bekam, lösten wir uns wieder. Mit einem Strahlen in den Augen, sah Minho mich an. „Das war es Wert zu überleben!" Grinsend sah ich ihm in die Augen und langsam wurde mir sein Zustand wieder bewusst. „Warst du schon bei den Sanis?"
Er schüttelte den Kopf. „Ich musste zuerst dich sehen!" Erneut blitzen seine Augen auf. Mit einem Grinsen griff ich nach seiner Hand und führte ihn aus der Hütte, um ihn zu den Sanis zu bringen. Er humpelte etwas, weshalb ich ihn auf dem holprigen Weg stützte.
Wir kamen auf die Lichtung, wo bereits einige Jungen standen und Minho mit großen Augen musterten. Er hatte schließlich eine Nacht im Labyrinth überlebt!
„Obwohl dich nun alle als unglaublich guten Läufer preisen werden, wissen wir doch beide, dass ich der bessere bin.", begann ich mit einem Grinsen, „Ich habe gewonnen! Ich war zuerst hier!"
Auch Minho begann zu lächeln, als ihm bewusst wurde, dass ich von unsrer Wette sprach.
„Verloren habe ich dabei aber nicht!", meinte er und lehnte sich zu mir, um mich zu küssen. Mit einem schelmischen Grinsen löste er sich wieder von mir.
Er hatte Recht, verloren hatte er wohl nicht!
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