13. Kapitel
Im Haus herrschte stille, die so still war, dass es einem schon etwas Angst machte. Alessandro war, wie geahnt ausgerastet. Er hatte Hugo schreckliche Sachen vorgeworfen, an die ich ungern erinnert werden würde. Eine Sache quälte mich schon die ganze Zeit, auch wenn ich drüber nicht nachdenken wollte.
Wer war Emma und was hatte Alessandro ihr angetan? Ich hätte Hugo zwar gefragt, aber mich ließ die Angst nicht los, also ließ ich es komplett. Den Streit am Tisch hatte ich nur zur Hälfte mitbekommen, weil Alessandro mich weggeschickt hatte. Was versuchte er vor mir zu verheimlichen?
Mittlerweile war es schon zweiundzwanzig Uhr. Vor einer halben Stunde hörte ich wie Türen zugehauen wurden, traute mich aber nicht aus dem Zimmer heraus. Ich hatte die nächste halbe Stunde nachdenkend auf dem weichen Teppich verbracht. Man könnte schon fast meinen, man läge auf einer Wiese voller Haaren.
Länger konnte ich nicht mehr in diesem Zimmer bleiben. Ich hatte schrecklichen Durst und außerdem musste ich noch meine Tablette trinken. Mit nackten Füßen schlich ich zu meiner Zimmertür und presste mein Ohr auf das kalte Holz. Kein einziges Geräusch zu vernehmen.
Ich atmete tief ein und sprach mir Mut zu. Knirschend öffnete ich die Zimmertür und setzte ein Bein raus. Lautlos fiel mein Fuß auf den kalten Boden. Ich lauschte, stille. Gut und jetzt weiter. Ich benötigte für den Weg viel mehr Zeit, als sonst. Bei jedem Geräusch zuckte ich zusammen.
Als die Küche in mein Blickfeld kam, atmete ich erleichtert auf. Nach qualvoll gefühlten Stunden packte ich eines der bunten Gläser und füllte sie mit kaltem Leitungswasser auf. Das kühle Nass tat meinem Hals und auch der Wärme auf meiner Haut sehr gut. Glücklich seufzte ich auf.
Hinter mir lachte eine raue Stimme. Ich zuckte zusammen und drehte mich blitzschnell um. Hugo lehnte Oberkörperfrei und mit einer Jogginghose am Tresen und beobachtete mich belustigt. Ich ließ meinen Blick über seinen Oberkörper wandern. Er hatte eine sehr hübsche Statur für einen Mann. Seine Muskeln lagen an den richtigen Stellen und auch der Sixpack passte zu seinem Typ.
Kurz gesagt, ich schmolz hin. Dieser Mann zog mich an, ohne viel dafür zu tun. Er war so viel freundlicher und herzlicher, als Alessandro. Ein leises Kichern holte mich aus meinen dreckigen Gedanken zurück. "Bist du fertig damit, mich noch mehr auszuziehen, als ich schon bin?"
Ich verschränkte die Arme. "Woher willst du wissen, dass ich dich in meinen Gedanken 'noch mehr' ausziehe?"
Hugo lachte heißer. "Ava, ich bin ein Mann. Ich sehe und merke sowas."
Er stieß sich vom Tresen ab und schlenderte zu mir. Ich stolperte zurück um gewiss Abstand zu halten, doch Hugo blieb direkt vor meiner Nase stehen. Sein Atem vermischte sich mit meinen abgehackten Atemzügen. Seine Finger strichen eine Haarsträhne hinter mein Ohr. Absichtlich berührte er sanft mein Ohrläppchen.
"Darf ich dir ein Angebot machen?", fragte Hugo flüsternd.
"Welches?", fragte ich atemlos.
"Ich weiß, dass du Alessandro nicht liebst oder auch nicht magst. Du hasst ihn dafür, dass er dir die Freiheit und die wichtigen Personen genommen hat.", er machte eine Pause, um mich die Worte realisieren zu lassen. "Deshalb mache ich dir ein Angebot. Ich helfe dir aus diesem Haus zu kommen und biete dir ein sicheres und vor allem ein Alessandro freies Leben."
"Werde ich meine Mutter wiedersehen können?"
"Alles und wenn du willst."
"Ich bin einverstanden. Hol mich hier raus und bringe mich weg von hier."
Hugo lächelte zufrieden. "Der Plan sieht so aus, meine Liebe. Du hast Zeit bis Mitternacht, um deine ganzen Sachen zu packen. Punkt Mitternacht werde ich vor deiner Tür stehen und dich abholen. Den Rest erledige ich selbst. Okay?"
"Okay."
Hugo drückte mir einen leichten Kuss auf die Wange und verließ den Raum.
* * *
Bevor ich in mein Zimmer zurückkehren konnte, ging ich noch in das Ärztezimmer, wo ich meine braune abgetragene Umhängetasche gefunden hatte. Ich nahm meine Tasche an mich und sah nach, ob noch alles an seinem Platz war. Tabletten, Notizbuch, Buntstifte, Handy, Pfefferspray und mein Portmonee fand ich in der Tasche, somit war alles noch vorhanden.
In meinem Zimmer zog ich hastig das Kleid aus und zog meine Klamotten an, die ich am Tag der Entführung trug. Zuerst quetschte ich mich in meine etwas lockere Skinny Jeans, zog dann obendrüber mein langes Band T-Shirt an und zum Schluss meine abgetragenen Doc Martens.
Mit geröteten Wangen packte ich noch eines der Kleider, die Alessandro besorgt hatte in meine Tasche. Es war ein gelbes langes Sommerkleid. Ich war noch nie eine Diebin gewesen, aber das Kleid wurde theoretisch ja für mich gekauft und ich durfte es dementsprechend auch mitnehmen. Das schlechte Gewissen blieb trotzdem.
Und dann kamen mir Daisys Worte wieder in den Kopf. Ich soll mich nicht in einen der Black Brüder einlassen, aber was wenn mir der eine hilft? Vielleicht spürte ich auch ein gewisses Verlangen gegenüber der einen Person. Verdammt!
* * *
Um Mitternacht prüfte ich, ob ich alles dabei hatte und nicht noch etwas vergessen hatte. Ich hatte Angst, dass Alessandro uns bei der Flucht erwischen würde. Denn wenn Alessandro mich in die Finger bekommen sollte, war ich so gut wie tot. Ich öffnete leise meine Tür und tatsächlich stand dort Hugo und wartete auf mich.
Ich lächelte ihn zaghaft an. Er streckte mir seine Hand hin, die ich dankbar annahm. Er spürte meine Angst und versuchte mir zu helfen und mich zu beschützen, ganz anders als Alessandro, dachte ich bitter. Hugos Finger verschlungen sich mit meinen. Und dann ging es los.
Durch Hugo erfuhr ich, dass Alessandros Zimmer im zweiten Stock lag und somit unerreichbar für uns und auch für ihn. Hugo kannte sich sehr gut in diesem Labyrinth aus und brachte uns schnell in den Hauptteil. Ab dort würde es jetzt richtig schwierig werden, denn dort waren die meisten Wachen, darunter James.
Der sich als echtes Hindernis oder eher Problem herausstellte.
"Wohin des Weges, meine lieben Gäste?"
Ich bekam auf der Stelle Gänsehaut.
***
Hello, it's me, i'm back✌😂
Findet ihr eigentlich die Kapitel gut? Oder sollte ich irgendwas ändern?☺
Und wie sieht's momentan mit euren Gefühlen gegenüber Hugo aus? Ist er jetzt verhasst oder sogar beliebter?
Jen🌸🌹 aka Lesezeichen☆
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