T W E N T Y - O N E| Rick Flag

Joker

Schon wieder landete eine leere Flasche gegen die Zimmerwand und das leere Glas gleich hinter her. Sie war weg! Schon wieder hatte ich sie verloren und diese Gewissheit trieb mich Stück für Stück an den Rande der Verzweiflung. Wie hatte mir ein so wichtiges Detail entgehen können? Sie wurde freigelassen. Einfach freigelassen und dieses sture, verwirrte Biest würde natürlich diese Gelegenheit nicht nutzen, um zu mir zurück zu kehren, nein, sie hatten sie manipuliert und Waller würde dafür bezahlen!

Ich ballte wütend meine Hände zu Fäusten und schrie verzweifelt auf, erhob mich vom Boden und zerstörte alle Flaschen auf der Theke meiner Bar, zerschmetterte sie gegen die Wand und sank auf meine Knie. Ich war so nahe dran sie wieder zu haben, so verdammt nahe dran und nun war sie irgendwo da draußen, jeden verfluchten Bastard, den ich entführte, hatte keine Ahnung wo, dafür hatte Waller die Schlampe gesorgt und vermutlich müsste ich sie persönlich schnappen, um sie zu finden, doch das war alles andere als eine einfache Nummer.

„Boss?" Ich lachte auf, als Sams vertraute Stimme ertönte und er hatte ja keine Ahnung, wie froh ich war, dass er zurück war, denn wenn es einer schaffen würde sie zu finden, dann er!

„Der Rum ist alle", lachte ich weiter und legte mich zurück, in das Meer aus Glas, spürte wie sich Stücke in meinen Rücken bohrten und genoss die Ablenkung von meinen anderen Qualen.

„Ich sehe es, aber ich habe eine Idee, wie wir sie finden können."
„Dann sag es lieber ganz schnell, denn jede weitere Sekunde ohne sie wird unerträglich", zischte ich und raufte mir die Haare dabei.

„Rick Flag."

„Flag?", fragte ich amüsiert und setzte mich wieder aufrecht hin, sah wie angespannt Sam war und nervös mit seinen Händen spielte, „Ich zerbreche mir den Kopf und die heilige Antwort soll RICK FLAG SEIN?!"

„Er ist weit oben bei Waller, leicht zu bedrohen, nach allem was wir über seine kleine Freundin herauskriegen konnten und er kannte sie sehr gut, wenn wir ihn finden und Druck ausüben, kriegen wir Jane wieder", erklärte er sich hastig und komplett aufgelöst von meinem Wutausbruch und ich lächelte breit, zückte eines meiner vielen Messer und stand dabei auf.

„Sam, Sam, Sam", sagte ich und spürte, wie Blut an meinem Arm heruntertropfte, „Du bist ein Genie." Ich umklammerte sein Gesicht mit einer Hand und drückte ihm mit der anderen mein Messer an die Kehle, sah wie panisch er wurde, spürte seinen rasenden Puls, wo die Haut sich an die scharfe Kante presste.

„Danke", brachte er schwer atmend hervor und ich lachte vergnügt auf, trat noch näher an ihn heran und drückte das Messer mehr an seine Haut, so dass eine feine Linie Blut sich anfing einen Weg nach unten zu suchen.

„Und weil du der einzige Idiot mit einem Hirn bist, will ich deinen Plan aufgehen sehen, denn wenn ich sie nicht in einer Woche bei mir habe, dann bist du tot, dann werde ich dich persönlich vierteilen lassen, verstanden?" Nun hatte er ohne jede Zweifel Angst, ich sah es deutlich, es berauschte mich diese Panik zu sehen und ich wusste, dass er nicht versagen würde, er würde wenn es sein müsste die ganze Stadt umdrehen, nur um sie zu finden.

„Natürlich", sagte er und ich nahm mein Messer weg, fuhr mir mit meiner anderen Hand durchs Haar und warf das Messer anschließend gegen die Wand, zu den vielen anderen.

„Dann los und besorg' mir neuen RUM!", schrie ich das letzte Wort und sank erneut zu Boden, als er weg war. Ich ging eindeutig zu Grunde ohne sie und ohne eine Ablenkung wie Harley an meiner Seite. Ich hatte sie eindeutig zu viel durchgehen gelassen, dass es so weit kommen konnte. Wenn ich sie wieder hatte, dann würde sie nie wieder von meiner Seite weichen, wenn es sein müsste würde ich ihr Ketten anlegen, um das sicherzustellen. Nochmal würde ich das nicht verkraften, nicht so wie damals, als ich dachte sie sei gestorben.



2 Jahre zuvor.

Feuer, Schreie, Verderben. Es waren die Dinge, die mein nicht vorhandenes Herz aufblühen ließen, die mich mit Freude durchströmten, doch nun waren es zum ersten Mal die Dinge, die mich in eine Art Schockzustand versetzten. Verwirrt starrte ich die Tischplatte vor mir an, hatte kein Gefühl mehr in meinen Armen, die in der Zwangsjacke steckten und nahm alles immer und immer wieder in mir auf. Ich versuchte die Hitze des Feuers wieder zu spüren, den unfassbaren Knall der Explosion, verbunden mit den Schreien der Laute um uns herum, was sonst wie Musik in meinen Ohren gewesen wäre, doch nun war es wie ein Totengesang und...

„Mr. Joker, ich... ähm, naja wir sollten vielleicht anfangen zu kommunizieren", räusperte das blonde, naive Ding vor mir sich verlegen und errötete sofort unter meinem Blick, als ich diesen auf sie richtete. Optisch konnte sie fast schon als Ihr Gegenteil wirken und ich ließ einen wütenden Schrei aus, als ich schon wieder an sie dachte, was Dr. Harleeeeeen Quinzel zusammenschrecken ließ.

„Reden, wieso wollen alle immer nur reden?", fragte ich gereizt nach und fing an hin und her zu wippen, was sie fasziniert beobachtete, doch sie kriegte sich schnell wieder ein.

„Ähm... also ich... ich bin dafür da, um mit Ihnen zu reden und... und naja um ehrlich zu sein weiß ich nicht, was ich von Ihnen halten soll."
„Ich bin der böse, böse Wolf, der das arme hübsche Mädchen fressen wird, in dem Fall dich", sagte ich so ernst ich konnte, fing aber kein Sekunde später laut zu lachen an, als ich ihren irritierten Blick bemerkte, was sie erröten ließ.

„Verstehe.. verstehe", wiederholte sie ihre Worte leiser und schob sich die Brille wieder mehr auf die Nase zurück, während ich mich weiter fröhlich lachend zurück lehnte und innerlich versuchte mir klar zumachen, dass ich mich endlich in den Griff kriegen müsste, Jane kurz vergessen bräuchte, denn anders würde ich nie wieder hier herauskommen und das käme nicht in Frage. Arkham wäre kein einfacher Ort zum ausbrechen, doch ich schaffte alles, wenn ich es wollte und dann würde ich einen gewaltigen Rachefeldzug einleiten gegen alle, die sie mir weggenommen hatten!

„Am besten machen wir wohl weiter, nachdem Sie ihre Tabletten bekommen haben, sonst ist das wohl zwecklos", sprach sie leicht hysterisch weiter und ich sah ihr genauestens an, dass sie komplett überfordert war, das könnte eindeutig noch heiter werden mit ihr, auch wenn ich keinerlei Nerven für die Fragen eines kleinen schwachen Mädchens hatte. Nicht Jetzt.




Jane

Gegenwart

Der Besuch bei Zoe verlief zwar kurz, doch immerhin würde ich Floyd berichten können, dass es seiner Tochter gut ginge und er sich nicht sorgen müsste. Sie war intelligent, aufgeweckt und kam bestens klar, darüber gab es keine Zweifel. Sie kam besser klar als ich, denn so wirklich eine Ahnung darüber, was ich nun machen sollte, hatte ich nicht. Ich wollte nicht zurück in diese elendige Wohnung müssen, weswegen ich mich einfach von meinen Füßen tragen ließ, die bevor ich es wirklich realisierte, mich zu meinem alten Haus führten. Nach und nach erkannte ich die vertrauten Straßen und Häuser meiner alten Wohngegend und doch konnte ich mich nicht mehr zum Stoppen bewegen.

Verzweifelt zog ich die Kapuze tiefer über mein Gesicht, sah zu dem Bäcker rüber, wo meine Mum immer den umwerfend gut schmeckenden Kirschkuchen gekauft hatte, als Luca und ich jünger gewesen waren, weiter zu dem kleinen nun nur noch mehr mitgenommenen Internetcafé, wo noch seltsamere Gestalten drinnen waren, als früher. Ich erkannte die Bank wieder, wo vielleicht das ganze Drama damals seinen Lauf genommen hatte und hastig eilte ich weiter, denn vielleicht würde es mir besser gehen, wenn ich das kleine Haus wiedersah, wo ich so lange drinnen gelebt hatte, was so viele Geschichten zu erzählen hatte und was vermutlich nun auch nicht mehr das selbe war wie einst. Ich war seit drei Jahren fort, genauso mein Bruder. Mein Vater war Ewigkeiten schon weg und die einzige Person, die noch hätte dort sein können, war es nicht. Meine Mutter war irgendwann nach meinem Verschwinden ausgezogen, das hatte Sam mir zumindest berichtet gehabt, doch wo sie nun war wusste ich nicht, vielleicht irgendwo, wo sie endlich glücklich werden konnte.

Ich steckte meine Hände in meine Hosentaschen und sah zu dem kleinen, weiß gestrichenen Haus vor mir, das auf der anderen Straßenseite lag und in dem nun eine neue Familie hauste. Ich sah im Vorgarten einen Fußball und ein pinkes Kinderfahrrad stehen, was mich gleich zum lächeln brachte, denn vielleicht würde ja diese Familie glücklich darin werden? Wir hatten es nie wirklich geschafft. Die Geister der Vergangenheit hatten uns immerzu verfolgt gehabt, doch vielleicht wurden sie ja glücklicher.

Ich stand noch einige Minuten einfach da, sah zu dem Haus, ohne wirklich über etwas dabei nachzudenken, ehe ich letztendlich wieder zurück lief. Obwohl es schmerzvoll war, so war ich froh darüber wieder kurz dort gewesen zu sein. Es zeigte mir, wer ich einmal gewesen war und zu wem ich am besten wieder werden sollte, wenn es nur so einfach wäre. Ich stand einfach zu sehr zwischen den Stühlen. Zwischen dem lieben Mädchen von einst und der geborenen Mörderin. Es waren beides Seiten an mir und doch musste ich mich dringend einmal entscheiden, was ich sein möchte.



Unterwegs kaufte ich mir beim Bäcker mit dem wenig Geld, das ich zur Verfügung hatte, ein Stück von dem Kirschkuchen, ehe ich fast schon verbittert an meine Wohnung dabei dachte, doch dieses tatenlose Warten würde mir nicht helfen. Irgendwie musste ich weitermachen und nur weinend herumsitzen würde mir rein gar nichts bringen, weswegen ich was machen musste. Mit diesem schweren Entschluss ging ich Heim, doch was ich dort vorfand, warf mich nur mal wieder aus der Bahn.

„Rick?", fragte ich verwirrt nach, als ich oben ankam und die Tüte mit dem Kuchen beiseite stellte und zu ihm sah, wie er nervös in der Wohnung auf und ab lief. Was zur Hölle nochmal tat er denn hier?

„Wo warst du?", fragte er angespannt und ich runzelte irritiert die Stirn, denn was sollte sein Besuch bedeuten? Aus reiner Nächstenliebe war er sicher nicht da.

„Draußen, aber was machst DU hier?"
„Ich weiß mir nicht anders zu helfen und will dich nicht bei Waller verpfeifen", bemerkte er und ich öffnete den Mund, um was zu erwidern, doch er war schneller, „Wegen Ihm. Sie glaubt er will dich nicht, doch wenn ich wegen meines Anliegens zu ihr gehe, weiß sie, dass du gelogen hast und das wäre es dann."
„Was ist los?", fragte ich nun nervös nach und er blieb endlich sehen und mir fiel auf wie mitgenommen er wirkte, als hätte er seit Tagen nicht mehr geschlafen.

„Ich weiß nicht wie, aber er hat mich gefunden", sagte er und musste gar keinen Namen nennen, denn ich wusste genau, wen er meinte. Verzweifelt ließ ich mich auf das kleine Sofa nieder, während er sich auf den Stuhl beim winzigen Esstisch setzte und sich durch sein Haar fuhr, „Er will, dass ich ihm sage, wo du steckst, ansonsten wird er sie mir wegnehmen."

„Rick ich..."
„Ich werde dich nicht verpfeifen, ich lasse das nicht zu, verstanden? Aber ich weiß auch nicht weiter, ich werde June nicht verlieren, sie ist immer noch zu angeschlagen nach dieser ganzen Sache und der Joker ist unberechenbar."
„Was glaubst du bitte, was ich machen kann?", fragte ich leicht hysterisch nach und sah ihn hilflos an, denn außer mich auszuliefern könnte ich rein gar nichts unternehmen, doch meine Auslieferung wäre wie Selbstmord.

„Ich habe eigentlich keine Ahnung. Ich wollte dich einfach warnen und vielleicht hast du ja eine Ahnung, wo er sich versteckt hält, was seine nächsten Schritte sein werden."
„Ich war vor zwei Jahren bei ihm, Rick, er ist paranoid, zieht verflucht oft um, beseitigt alle Spuren, wenn es jemand noch wissen könnte wäre es wenn schon Harley", antwortete ich und er vergrub sein Gesicht in den Händen.

„Und sie wird niemals reden."



Heyho :) Ich weiß ein kurzes Kapitel, aber das nächste wird interessanter werden hehe. Ich hoffe euch hat es dennoch gefallen, immer schön voten und mich motivieren :) xx

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