Joker
Diese verfluchte Frau raubte mir die letzten Nerven, so viel stand auf jeden Fall fest. War sie nicht da, starb ich praktisch vor Sehnsucht nach ihr, doch war sie da, dann herrschte das reinste Chaos und leider keins der guten Sorte, sondern eines, das mich zur Verzweiflung brachte. Wie konnte sie bitte immer noch für diesen Mistkerl einstehen? Wie konnte es ihr so wichtig sein, was aus ihm wurde? Es erfüllte mich mit Hass, dass er sie berührt hatte, dass er sie geküsst hatte, dass er mein Eigentum einfach geküsst hatte. Es war ja schon schlimm genug, dass dieser Dan genau das getan hatte, doch solange ich nicht an ihn herankommen und ihn dafür leiden lassen könnte, müsste Diablo eben herhalten und er würde sicher nicht nur mit ein paar Kratzern davon kommen.
Zielstrebig lief ich so aus Janes Zimmer, egal wie schwer es mir auch fiel sie so zurück zu lassen, wenn sie schwach, eindeutig aufgebracht war nach unserem Streit und nach wie vor Schmerzen von dem Ausbruch hatte, doch das hier musste erledigt werden und würde ich bei ihr bleiben, würden wir uns nur so lange weiter streiten, bis ich entweder wirklich noch über sie herfallen würde oder ihr aus versehen eine Kugel zwischen ihren hübschen Augen verpassen würde.
„Puddin, da bist du ja, ich habe dich schon überall gesucht." Verzweifelt schloss ich meine Augen und blieb stehen, als die nervige Stimme Harleys hinter mir ertönte, doch sie hatte sich den unpassendsten Augenblick von allen ausgesucht, um mir auf die Nerven zu gehen, „Ich habe wirklich das Gefühl, als ob du mich meiden würdest und außerdem kann ich es nicht ausstehen, wenn du diesen Spanier damit beauftragst auf mich Acht zu geben."
„Ich habe gerade keine Zeit, also such mich später nochmal auf", antwortete ich ich lediglich und lief weiter, als sie mich schließlich erreichte und sich auch schon wie eine Klette an mich klammerte.
„Was machst du denn? Ich kann dich ja begleiten und anschließend suchen wir uns eins der vielen Zimmer hier im Haus, wo ich dir zeigen kann, wie sehr ich dich eigentlich vermisst habe", trällerte sie fröhlich weiter und ich atmete genervt aus, war ja so dankbar, dass Jane nicht da war, denn dieses Drama, das entstehen würde, wenn sie das hier sehe, das konnte ich mir wahrlich sparen.
„Ich bin nicht daran interessiert dich in meine Pläne einzuweihen, also geh wieder zu Carlos, ich bin nicht in Stimmung für Spiele."
„Früher hast du Spiele auch geliebt. Aber seit Sie wieder da ist, bist du anders. Für diese Schlampe..." Weiter ließ ich Harley gar nicht ausreden, als diese anfing sich in rage wegen Jane zu reden, stattdessen packte ich sie an ihren Schultern und drückte sie grob gegen die Wand, ergriff mit einer Hand ihr Kinn und zwang sie dazu, dass sie mich ansah.
„Sag jemals wieder ein schlechtes Wort über sie und du wirst dir wünschen mich nie aus dem Arkham befreit zu haben", flüsterte ich bedrohlich, sah wie sich in ihren Augen kurz Angst widerspiegelte, ehe sie vergnügt zu lächeln begann.
„Alles was du willst, Mr. J", hauchte sie anzüglich und kopfschüttelnd ließ ich von ihr ab, fragte mich, wie ich sie je als Ersatz für Jane hatte nutzen können. Sie waren so unglaublich unterschiedlich, dass es wirklich einem Wunder glich, dass es je geholfen hatte sie als Ablenkung zu nutzen.
„Und nun geh endlich, ich habe was zu erledigen!"
„Ja, du willst den Flammenwerfer töten gehen, doch ich würde dir davon abraten, Puddin", bemerkte Harley und folgte mir auch weiterhin.
„Ach und wieso?", fragte ich gelangweilt, interessierte mich kein Stück für ihre Antwort und blieb vor der Türe stehen, die zum Treppenhaus in die Kellerräume führen würde.
„Würde er leben, könnten er und Jane glücklich zusammen werden, dann würden sie uns nicht mehr im Wege stehen", erklärte sie sich und sah verliebt zu mir auf, während ich wütend versucht war ihr eine Kugel zu verpassen, nur leider war es nicht so leicht wie erhofft jemanden wie Harley zu töten. Nach allem was mit ihr gewesen war, konnte ich sie nicht töten, nicht einmal aus sentimentalen Gründen, was lächerlich gewesen wäre, viel eher weil Jane ein Grundrecht darauf hätte sie zu töten, falls sie es je wollen sollte.
„Geh!"
„Na gut, ich gehe ja schon, aber wenn..."
„Nein, du sollst ganz gehen! Verlasse dieses Haus und komm nie wieder hier her, Harley!", bemerkte ich kalt, sah wie sie perplex den Mund öffnete, wohl um schon zu jammern, doch ich ließ sie gar nicht damit anfangen, „Denk nicht für auch nur eine einzige Sekunde, dass du wichtiger bist, als sie. Denk nicht, dass ich dich nicht töten würde, wenn du was falsches sagen oder machen solltest. Du warst immer nur ein Ersatz, ein Zeitvertreib und nun solltest du besser gehen, bevor es dir so ergeht, wie allen anderen, von denen ich genug habe."
„Der Tag wird kommen, wo du mich wiederhaben willst", erwiderte die Blondine den Tränen nahe und schniefte laut, „Sie wird nicht ewig da sein, das verspreche ich dir und dann wirst du mich anflehen, dass ich zurück komme!" Amüsiert lachte ich von ihren Worten lautstark auf, schaffte es, dass vermutlich das halbe Haus das hören müsste. Angetrieben davon schluchzte Harley auch schon schon auf und wartete gar nicht auf eine weitere Antwort, sondern rannte den ganzen Weg zurück. Ich wollte dankbar von ihrer Flucht schon endlich meinen Weg ohne sie endlich fortsetzen, als ich da jedoch einen Schuss, wie den von einer Waffe, vernahm und fluchend augenblicklich ebenfalls wieder zurück eilte. Ich folgte dem daraufhin entstehenden Krach direkt in die Gemeinschaftsküche des Hauses, wo sich ein Großteil meiner Männer die meiste Zeit über aufhielten und wo nun einer von diesen tot auf dem Boden lag.
„Was zum Fuck nochmal ist hier los?", fluchte ich alles andere als in der besten Stimmung nach dem Streit mit Jane und nun auch der Harley Sache, hatte meine eigene Waffe längst gezogen und sah zu all den Anwesenden.
„Wir wissen nicht, wer es war", traute sich schließlich einer zu antworten und sah zitternd vor Angst zu der Leiche am Boden, die eine Kugel direkt zwischen den Augen getroffen hatte und unter der sich nun eine Pfütze voll Blut ausbreitete. Ich hatte keine Ahnung so genau, wer der Tote war, hatte nie vermutlich auch nur ein Wort je mit ihm gewechselt gehabt, doch niemand außer mir selbst hatte das Recht einen meiner Männer grundlos hier zu ermorden!
„Wie kann es sein, dass keiner von euch Schwachköpfen das gesehen haben kann?!", schrie ich wütend aus von der Nutzlosigkeit aller Beteiligten, „Ich will, dass der Verantwortliche gefunden wird, ansonsten suche ich mir fünf von euch heraus, die dafür bestraft werden!"
„Ja Boss", antwortete mir daraufhin alle in einem leisen Murmeln und genervt strich ich mir über mein Haar, steckte die Waffe weg, sah dabei zu, wie alle anfingen den Raum zu verlassen, ehe Sam diesen betrat.
„Nein, ich weiß auch nicht, wer dafür verantwortlich ist, falls du das fragen wolltest, Boss", ergriff dieser zuerst das Wort und sah angewidert zu dem Toten auf dem Boden, während er sich an die Theke lehnte, direkt gegenüber von mir.
„Und doch willst du mir wohl irgendwas sagen, ansonsten würdest du nicht freiwillig in meine Nähe kommen", bemerkte ich spöttisch und hatte eigentlich gar keine Nerven, egal was es auch sein würde. Ich wollte Diablo nur noch hinrichten, Jane erneut aufsuchen und versuchen sie zur Vernunft zu bewegen. Harley war fort, für sie gab es keinen Grund mehr sich so aufzuführen, schließlich würde sie schon irgendwie über diese tätowierten Abschaum hinwegkommen.
„Es geht um sie", brachte Sam unsicher hervor, traute sich nach wie vor nicht zu mir aufzusehen, sah lieber zu seinem verstorbenen Kollegen, dessen Anblick ihn vermutlich stark an Danny erinnern musste, der auf die gleiche Art sein Leben hatte geben müssen und über dessen Tod Sam vermutlich niemals hinwegkommen würde, dafür kannte ich ihn einfach zu gut.
„Um sie?", fragte ich nach, schritt wie von alleine auf ihn zu, als das Thema auf Jane fiel, „Was ist mit ihr?"
„I-Ich mache mir um ehrlich zu sein Sorgen um sie, Boss", gestand er, wagte es den Blick etwas anzuheben, „Ich befürchte einfach, dass diese Sache mit dem Gefängnis ihr nahe gehen könnte, sehr nahe. Ich habe sie kaum wiedererkannt, als sie zu uns zurück gekommen ist, doch als ich sie vorhin gesehen habe... ich denke einfach, dass es ihr..." Bevor er jedoch seinen Satz vollenden konnte, bevor er in der Lage dazu war mir zu erklären, was sein Problem nun eigentlich war, ertönte ein gewaltiger Krach, der vermutlich im ganzen Haus zu hören war und augenblicklich war Sam für mich vergessen, stattdessen zog ich meine Waffe und verließ die Küche, wo mir nach nur wenigen Metern sogleich ein panischer Jeremy entgegen kam.
„In der Garage... Deadshot ist mit ihr abgehauen... sie sind weg", keuchte dieser außer Atem, hielt sich stützend an der Wand dabei fest, während ich wütend meine Augen schloss, wirklich in Versuchung war ihm die Kehle dafür durchzuschneiden, ob er nun etwas dafür konnte oder nicht, doch meine Wut auf jeden aus dieser bescheuerten Gefängnisgruppe, meine Wut auf Janes Naivität, brachten mich ans Ende meiner Geduld für den heutigen Tag.
„Ich verspreche eines: Ist sie wieder auf dieser fucking Brücke, dann bringe ich dich um!", fluchte ich und ließ ihn links liegen, sah zwar noch, wie er mir einen Blick dabei zu warf, dass er doch rein gar nichts hierfür konnte, doch mich interessierte es langsam überhaupt nicht mehr, wer für irgendwas die Schuld trug und wer nicht. Ich wollte Jane einfach nur wieder hier haben und meine ganze Wut, die sich durch Diablo angestaut hatte, herauslassen dürfen.
In der Garage angekommen sah ich sofort das fehlende Garagentor und all meine nutzlosen Männer, die das Loch in der Wand ansahen, als erhofften sie sich irgendein fucking Wunder.
„Sagt mir, dass das beschissene Ortungsgerät an gewesen ist, als sie das Auto genommen haben", rief ich aus, nahm erleichtert zur Kenntnis, wie ein paar sofort hektisch nickten und ohne auf irgendeinen von ihnen weiter zu achten, stieg ich in das nächste Auto und suchte auf meinem Handy nach dem Standort des verfluchten Wagens, der als einziger zu fehlen schien. Noch schien dieser in Bewegung zu sein, fuhr gerade erst über die Gotham-Bridge und erleichtert darüber, dass er nicht wie zu erwarten dort anhielt, startete ich den Motor und fuhr geradewegs hinaus. Eines war sicher: Würde ich Jane finden, dann würde ich endgültig meinen Plan in die Tat umsetzen müssen sie an mich zu ketten und Deadshot sollte seine letzten Gebete besser aussprechen für den Versuch sich gegen meine Gesetze zu stellen!
So schnell ich nur konnte fuhr ich die Straße durch den Wald entlang, behielt den anderen Wagen auf meinem Handy dabei stets im Auge, wo ich verwundert feststellen musste, dass dieser einige Minuten am Friedhof anhielt, ehe er weiter fuhr. Etwas irritiert wusste ich nicht so ganz, was ich davon halten sollte, doch einen Versuch dort anzuhalten, sollte es wert sein. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie dort ausgestiegen war, war eben sehr groß, wenn man bedachte, dass ein Großteil ihrer Familie dort begraben lag, und wo sollte sie auch sonst hin? Es war ja nicht so, als gäbe es viele Orte, die sie aufsuchen wollen könnte.
Die ersten Regentropfen, die vom Himmel fielen, verwandelten sich schnell in eine Art Wasserfall, der über einen zusammenbrach, doch selbst das hielt mich nicht davon ab das Auto zu verlassen, als ich den Friedhof schließlich erreichte und diesen auch schon betrat. Das gute war wohl, dass bei einem solchen Wetter niemand sich hier wirklich freiwillig aufhalten würde, so keine wilde Verfolgungsjagd mit der Polizei entstehen könnte, weil irgendein Bürger Gothams meinte mich zu erkennen. Für so etwas hatte ich nähmlich wahrlich nicht mehr die Geduld heute. Ich hatte keine wirklich Ahnung davon, wo sich die Gräber von Janes Familie befanden, doch ich würde, wenn es sein musste, den kompletten Friedhof nach diesen absuchen, egal wie verflucht lange es auch dauern würde, egal wie kalt und ekelhaft nass es hier auch war und egal wie gerne ich einfach nur wieder im trockenen wäre, ich würde sie suchen!
Das Wasser lief mir nur so in Strömen übers Gesicht, verschmierte meine Schminke, ließ meine Haare auf meiner Stirn kleben, genauso wie meine Kleidung vermutlich längst eins mit meiner Haut geworden war, doch es kümmerte mich nicht, stattdessen lief ich weiter, wollte sie einfach nur sehen, wollte sie einfach nur wieder mit mir nehmen. Mit jedem Schritt zweifelte ich ein wenig mehr daran, ob sie auch wirklich hier war, hasste es so ahnungslos über ihren Zustand, ihren Aufenthalt zu sein, ehe ich da schließlich an einigen großen Bäumen vorbei lief und überrascht davon stehen blieb, sie doch tatsächlich gefunden zu haben. Einige Meter von mir entfernt saß sie doch tatsächlich auf dem Boden vor zwei Gräbern, neben ihr irgendeine andere Frau, gehüllt in einer rosa Regenjacke, doch ihr Gesicht erkannte ich nicht. Erleichtert davon, dass sie hier war, dass sie in keiner Gefahr zu schweben schien, atmete ich auf, strich mir über mein nasses Gesicht und ich war schon dabei auf sie zuzulaufen, sie am Arm zu packen und mit mir zu ziehen, doch genauso schnell, wie mir dieser Gedanke gekommen war, verwarf ich ihn jedoch auch wieder. Ich dachte an Sams besorgte Worte von vorhin, dachte daran, wie wir vorhin gestritten hatten und ich wusste, dass es nicht schlau wäre sie jetzt von dort wegzuziehen, weswegen ich an Ort und Stelle blieb, mich an dem nahestehenden Baum anlehnte und Jane dabei beobachtete, wie sie mit der Frau da sprach, worüber auch immer. Es würde mir schwer fallen sie nicht anzuschreien, wenn sie fertig mit dem Gespräch wäre, doch ich müsste mich beherrschen. Wenn sie freiwillig hierherkam, sich bei diesem Wetter auf den kalten, durchnässten Boden setzte und die Gräber ihrer Verstorbenen besuchte, dann musste sie wirklich am Ende sein und es würde keinem von uns beiden weiterhelfen jetzt schon wieder zu streiten. Sie war nach wie vor verletzt, sie war vermutlich wirklich stark aufgewühlt wegen des Gefängnis und es lag an mir für sie da zu sein.
Aloha :) Lange ist es mal wieder her, doch ich hoffe euch hat das Kapitel dennoch gefallen. Im nächsten ist dann auch wieder was aus der Vergangenheit dabei xx
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