fourteen
Kai
Pünktlich um halb acht stand ich neben Toni und Romelu in der Kabine und zog mich um, während wir auf Thomas' obligatorische Kabinenansprache warteten.
"So Leute,das ist unser vorletztes Spiel vor unserer kleinen Pause. Ich will, dass wir hier gewinnen und mich; uns nicht blamieren. Das ist Newcastle, die sind Tabellenplatz achtzehn.
Das sind wertvolle Punkte, die über die Meisterschaft entscheiden können.
Ich will hier ein vier null sehen, mindestens. Okay?" Sein Blick war eindringlich, so wie immer. Egal ob wir gegen den Tabellenletzten oder gegen den Tabellenersten spielte, er wollte immer,dass wir alle haben und gleichzeitig jeder Mannschaft mit demselben Respekt gegenübertreten, auch wenn uns vorher schon klar war, dass wir gewinnen würden. Etwas,dass ich an ihm als Trainer und Mensch sehr schätzte.
"Okay Leute, die Taktik und Aufstellung sind klar?"
Kollektives Nicken.
"Gut,dann sehen wir uns in zwanzig Minuten zum Warm-Up."
Damit verließ er die Kabine und wir zogen uns weiter um.
Das Spiel verlief eigentlich ganz ereignislos; wir gewannen drei zu eins. Nicht das Traumergebnis; das Gegentor war unnötig, aber wir konnten damit leben.
Thomas würde uns das bei der morgigen Nachbesprechung und Analyse nochmal sagen, aber letztendlich war es auch egal. Sieg ist und bleibt nun mal Sieg.
Müde ließ ich mich nach dem Spiel ins Bett fallen.Ich wollte eigentlich noch nicht schlafen, sondern noch ein paar Haushaltsaktivitäten erledigen; das erledigt sich ja auch nicht von allein.
Haushalt war definitiv eine der Sachen, bei denen ich meine Kindheit vermisste, in der meine Eltern das meiste getan hatten und ich nur hin und wieder mal, wenn auch nur widerwillig, geholfen hatte.
Aber mehr als meine Wäsche aufhängen hatte ich nicht geschafft, denn ich wäre beinahe im Stehen eingeschlafen. Kein Wunder, mich hätten letzte Nacht mal wieder die altbekannten Albträume gequält. Dann müsste ich das wohl auf morgen vertagen.
Julian
"Hey Jannis", rief ich meinen kleinen Bruder und winkte ihm zu. Wir hatten uns auf einem naheliegenden Feldweg verabredet und wollten eine Runde Joggen gehen.
Eigentlich wollte ich an meinem freien Tag mal wieder so richtig ausschlafen, aber Jannis hatte mich so lange genervt, bis ich zugesagt hatte. Insgeheim freute ich mich ja auch, aber ein paar Stunden später hätte es auch sein können.
"Hey Bruderherz." Wir umarmten uns kurz und begannen nach kurzem Aufwärmen mit unserer Runde.
"Und was machst du heute noch so?", fragte er nach einer Weile schon außer Atem.
"Nicht so viel eigentlich. Hab noch nen Zahnarzttermin, um fünf. Und Kai und ich telefonieren um zwölf. Sonst nichts.", gab ich angestrengt zurück," Und du?"
"Ach auch nicht viel. Ich treffe mich später noch mit einer Freundin. ", sagte er und ich bildete mir ein, dass er nervös wurde.
"So so, eine Freundin also", wiederholte ich und zog anzüglich die Augenbrauen hoch,"Wie heißt sie denn?"
"Antonia", gab er schließlich mit Rotschimmer auf den Wangen zu.
"Woher kennst du sie?", fragte ich ihn weiter aus, wollte mehr über seine 'Freundin' oder eher neue Flamme wissen.
Manchmal war ich vielleicht ein bisschen zu neugierig...
"Wir haben uns bei einer Party kennengelernt. Weißt du noch, die bei Phillip vor drei Monaten?"
Ich nickte. Philipp war ein guter Freund aus Schulzeiten.
"Darf ich sie auch mal kennenlernen?"
"Du hast doch deinen Kai"
"Ha, jetzt hast du es doch verraten", rief ich und klatschte triumphierend in die Hände.
"Okayy", gab er zu,"Vielleicht ist es auch ein Date."
"Aha. Der kleine Jannis wird erwachsen", flötete ich fröhlich und gleichzeitig etwas außer Atem, während wir rechts in den Waldweg einbogen. Jetzt hatten wir gut die Hälfte.
"Jetzt lass mich damit in Ruhe. Themawechsel bitte", lachte mein kleiner Bruder.
"Nur wenn du mir später alles erzählst", setzte ich die Bedingung.
"Damit du Quasselstrippe dann Kai alles erzählen kannst?", wollte er keck wissen.
"Quasselstrippe?", wiederholte ich gespielt empört.
"Tu doch nicht so", lachte er," Aber ja ich erzähle dir alles."
Zufrieden nickte ich und so liefen wir schweigend nebeneinander her und genossen die Natur. Es war wirklich schön hier. Links und rechts Bäume über Bäume und vor allem war es hier relativ ruhig;kaum ein Fußgänger kam hier vorbei.
Wenn Kai hier war, mussten wir auch unbedingt mal hier joggen gehen.
"Kommst du noch mit rein?", bot Jannis mir an, als wir unsere Runde beendet und uns gedehnt hatten.
"Gerne", nahm ich das Angebot und folgte ihm die Treppen zu seiner Wohnung hoch.
Mit zwei Flaschen Wasser bewaffnet setzten wir uns an den Küchentisch und leerten diese beinahe in einem Zug. Wir hatten uns auch total verausgabt.
Eine Stunde und zehn Minuten. Das war Rekordzeit", stellte Jannis mit einem Blick auf die Uhr fest.
"Stimmt", pflichtete ich bei," Sonst waren wir immer bei einer Stunde, dreizig."
Wir waren eine halbe Stunde schneller gewesen als sonst; keine Ahnung woran das lag.
"Wann hast du nochmal deine nächsten Spiele?"
"Erst am Wochenende gegen Union und dann nächsten Mittwoch Pokal gegen St. Pauli.", erklärte ich.
"Zu Hause?"
Ich nickte.
"Kommst du mit ins Stadion?", fragte ich," Ich kann dir noch eine Karte besorgen."
"Klar. Ich komme gerne. Aber warum lädst du mich so kurzfristig ein?"
"Ich wollte Kai überraschen und da ist mir eingefallen, dass es vielleicht schöner ist,wenn jemand mitkommt und er nicht alleine gehen muss.", erklärte ich und klaute mir einen Apfel aus der Obstschale,die in der Mitte des Tisches stand.
"Das fällt dir aber früh ein", kommentierte er schmunzelnd," Aber schöne Idee. Er wird sich bestimmt freuen."
Er klopfte mir auf die Schulter.
"Ich warte ja schon auf den Antrag", spaßte er.
"Damit wird Kai sich sicher noch Zeit lassen, Jannis", winkte ich ab.
Ich hasste dieses Thema.
Nicht, weil ich schon lange sehnlich auf den Antrag wartete, sondern weil es jedes Mal aufs Neue Druck ausübte; wenn auch nur unterbewusst.
Klar, irgendwann wollte ich heiraten, aber es musste nicht jetzt und nicht hier sein, sondern dann, wenn es für Kai und mich richtig war.
Er sollte sich erstmal um seine Antonia kümmern und sich erst dann in meine Beziehung einmischen.
"Dann mach du es doch. Schließlich bist du der Ältere."
"Na und?", langsam nervte er mich mit seinen besserwisserischen Ratschlägen. Er konnte es ja selbst nicht besser.
"Jannis, sei mir nicht böse, aber bitte nichts dich da nicht so ein, okay?Das geht nur Kai und mich was an. Ich freue mich,dass du dich für meine Beziehung interessierst und dass ich mit dir darüber reden kann, aber lass uns nicht zu weit damit gehen. Ich will nicht, dass Kai denkt, ich würde unsere Beziehung und alles drum und dran an alles und jeden herausposaunen.
Ich weiß, du bist nicht alles und jeder, sondern mein Bruder, aber trotzdem.
Wenn es soweit ist,dann bist du der Erste der es erfährt,das verspreche ich dir hoch und heilig."
Eindringlich aber dennoch einfühlsam sah ich ihm in die Augen.
"Okay", sagte er leise und reuevoll nach einer kurzen Pause,"Es tut mir leid, wenn ich dich damit belästigt habe oder so."
"Hast du nicht. Aber in Zukunft achten wir Beide ein bisschen mehr darauf. Ich werde dir dann auch nicht alles was etwas mit deiner Antonia zu tun hat, aus der Nase ziehen, okay?Wir lernen einfach Beide draus."
Ich zog ihn in eine Umarmung. Vielleicht hatte ich es etwas zu hart ausgedrückt, aber ich war auch froh es endlich mal ausgesprochen zu haben.
"Sorry Jannis aber ich muss dann auch los. Kai und ich wollten noch telefonieren. "
Ich zog meine Jacke an.
"Alles klar.Viel Spaß dann noch und auch beim Zahnarzt."
Gespielt beleidigt zeigte ich ihm den Mittelfinger. Er wusste, wie sehr ich Zahnärzte hasste; ich hatte keine Angst, aber toll fand ich es trotzdem nicht.
"Dir noch viel Spaß mit Antonia", zwinkerte ich und verließ seine Wohnung.
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