23. Darjanas Absturz ins verknallte Dasein einer Idiotin

KAPITEL 23
Darjanas Absturz ins verknallte Dasein einer Idiotin
Montag, 21. November 1977

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       DARJANA WOLLTE SICH OHRFEIGEN, ALS SIE AUFWACHTE. Was war gestern in sie gefahren? Irgendetwas war passiert, als sie Remus und Zara zusammen gesehen hatte, das war klar — und sie mochte die Bedeutung davon nicht. Vielleicht sollte sie es einfach akzeptieren. Vielleicht stand sie auf Remus Lupin. Es war keine Schande, es zuzugeben, so etwas konnte passieren. Sie hatte einen Verstand, der die Situation gut einschätzen konnte.

Das mit ihr und Remus würde nicht gut gehen. Jetzt mochte er sie noch, aber er kannte sie ja kaum. Wenn er es täte, wären seine Gefühle für sie Geschichte, und das wäre vermutlich das Beste für ihn. Sie war schwierig, sie war egoistisch, sie war nicht die richtige Frau für ihn. Plötzlich schien es ihr wahrscheinlicher, dass er ihr das Herz brechen würde, statt umgekehrt, und das sollte wohl ein echter Grund zur Sorge sein.

Was wenn sie ihm zu sehr vertraute? Wenn sie ihn zu sehr auf ein Podest stellte und er doch nicht so gut war, wie sie dachte? Was wenn sie sich öffnete und er ihr wehtat? Sie wusste nicht, ob sie das überleben würde.

Obwohl sie in der letzten Nacht länger als gewöhnlich wach geblieben war und ein wenig zu viel Feuerwhiskey getrunken hatte, weckten diese Gedanken sie auf und verboten ihr, wieder einzuschlafen, als wollten sie sie quälen. Darjana hasste es, wegen ihm wach zu liegen. So sollte das nicht sein. Es sollte entspannt und zwanglos sein, nichts, was sie so sehr beschäftigte, dass sie nicht schlafen konnte. Remus Lupin sollte es ihr nicht unmöglich machen, den Kopf abzuschalten, wenn er nicht einmal da war.

Nach ein paar Minuten, die sich wie Stunden anfühlten, beschloss Darjana, dass es keinen Sinn hatte. Sie musste irgendetwas tun, irgendetwas anderes, als verbissen gegen die Vorhänge vor ihrem Bett zu starren und sich zu wünschen, sie wäre bei ihm. Diese Sehnsucht... Vermisste sie ihn etwa?

Sie fragte sich, wie es sich anfühlen würde, von ihm umarmt zu werden. Er wirkte wie jemand, den man nie mehr loslassen wollte, wenn er seine Arme um einen schloss. Er hatte es einfach an sich— dieses Warme, Einfühlsame und Aufrichtige, das ein guter Umarmer brauchte. Als ihre Gedanken zu der Vorstellung abdrifteten, dass er sich in diesem Moment von hinten an sie herankuscheln würde, sein warmer Atem ihren Nacken kitzelte und er ihr zuflüsterte, wie schön sie war, setzte sie sich hastig auf.

Merlin. Sie musste definitiv einen freien Kopf bekommen.

Als sie sich anzog, stolperte sie fast, so sehr beeilte sie sich, um schnell hier herauszukommen. Doch auf dem Weg nach draußen erwartete sie die nächste Überraschung. Charity kam mit einem verschlafenen Gähnen den Gang entlang geschlurft, der zu den Schlafsälen führte. „Oh, du bist schon wach", murmelte sie, als sie sie erkannte, und Darjana runzelte die Stirn.

Du bist schon wach?", wiederholte sie verwirrt. Charity war nicht mal ansatzweise eine Frühaufsteherin. Es war ein Wunder, dass sie in den letzten Jahren überhaupt ein Wort gewechselt hatten, so unterschiedlich wie ihre Schlafrhythmen waren.

„Toilette", erklärte Charity müde und sah Darjana kurz an, bevor sie sich zu erinnern schien, wie ihre letzte Begegnung verlaufen war. Plötzlich wandelte sich ihr Gesichtsausdruck und sie wich ihrem Blick aus, während sie hastig an ihr vorbeiging.

Sie hatten fast eine Woche nichts als oberflächlichen Smalltalk ausgetauscht und Darjana hielt es langsam nicht mehr aus. Doch dieses eine Mal schien Charity es nicht einzusehen, so zu tun, als sei nichts gewesen, und Darjana wusste, dass es an ihr war, den ersten Schritt zu machen.

„Charity, hey", begann sie und versuchte, ihren Stolz herunterzuschlucken, als sie sich umdrehte. Sie hasste es, sich zu entschuldigen. Sie fühlte sich seltsam dabei. „Letzte Woche... ich wollte nicht gemein sein. Ich war schlecht drauf wegen... ja, wegen Lupin. Du hattest recht und das hat mich wohl gereizt."

Charity blinzelte ein paar Mal, als durch die Schicht morgendlicher, verschlafener Verwirrung der Inhalt von Darjanas Worten vordrang. Nach ein paar Sekunden riss sie die Augen auf. „Danke", sagte sie und ein breites Lächeln legte sich auf ihr Gesicht. Plötzlich funkelte etwas in ihrem Blick. „Das ist lieb von dir, dass du das zugibst. Und ist schon okay... ich sag es niemandem."

Darjana nickte und atmete tief durch.

„Wir müssen mal darüber reden", fuhr Charity munter fort, als wäre sie schlagartig hellwach geworden. „Das klingt spannend."

Ein Schnauben war die Antwort. Super spannend... Darjanas Absturz ins verknallte Dasein einer Idiotin.

„Komm, geh schlafen", erwiderte Darjana mit einem belustigten Lächeln und Charity lachte leicht, bevor sie auf sie hörte und zurück in ihren Schlafsaal ging. Darjana schüttelte schwach den Kopf, lächelte aber, als sie sich auf den Weg durch den Gemeinschaftsraum nach draußen machte.

Es fühlte sich überraschend gut an, diese Worte zu Charity gesagt zu haben.

Jetzt müsste sie nur noch ihren Kopf beim Laufen frei bekommen und es wäre nahezu der perfekte Start in diesen Tag... Doch der wurde ihr verwehrt, als sie plötzlich am Handgelenk gepackt wurde, kaum dass sie ein paar Schritte in den Korridor vor ihren Gemeinschaftsraum gesetzt hatte.

Kurz übernahmen ihre Instinkte, doch als sie ansetzte, sich zu wehren, erkannte sie, wer es war, der sie gerade einfach so mit sich zog. „Lupin?", entfuhr es ihr entsetzt. Er war der letzte, den sie sehen wollte, ausgerechnet jetzt.

„Ja", erwiderte er knapp. Darjana zog die Augenbrauen zusammen, bevor sie sich stur gegen ihn stemmte und nicht weiterlief. „Komm mit", bat er sie eindringlich und sah ihr direkt in die Augen, während er sich umdrehte.

Kurz blieb Darjana die Luft weg. Merlin, er sah gut aus. Sah er immer so gut aus? Irgendwie sah er mit jedem Tag besser aus. Seine braunen Haare waren wirr und seine Augen verrieten, dass diese Uhrzeit nicht seine bevorzugte zum Aufstehen war. Aber woher hatte er überhaupt gewusst, dass sie wach war? Hatte er gewartet? War es Zufall? Irgendwie schien bei diesem Jungen nichts Zufall zu sein.

Sie wollte etwas sagen, aber ihr Mund öffnete sich nicht, so erstarrt fühlte sie sich. Remus jedoch schien ihr Schweigen für eine Weigerung zu halten und seufzte laut, bevor er nickte und sich entschied, das Thema direkt anzusprechen, das all das hier verursacht hatte.

„Was war das gestern Abend?", fragte er und klang... gereizt. Wow, sie hätte nicht gedacht, diese Emotion an ihm zu sehen.

„Äh", erwiderte Darjana, die unter seinem Blick nervös wurde. Das war ja richtig peinlich. Sie musste doch in der Lage zu sein, Worte zu formen. „Nichts", fuhr sie schnell fort und schluckte, während sie sich unruhig eine Haarsträhne zurückstrich. Bei ihrer seltsamen Reaktion runzelte Remus die Stirn, doch als er etwas sagen wollte, fuhr Darjana fort: „Ich... ähm... wollte nur ein bisschen Stress machen, du kennst mich doch."

„Ja", erwiderte Remus langsam und nach einem kurzen Zögern machte er einen Schritt auf sie zu, bewegte seine Hand vorsichtig auf ihr Gesicht zu, strich mit seinem Daumen sanft über ihre Lippe und schließlich über ihren Kieferknochen, bevor er seine Hand in einer qualvoll langsamen Bewegung über ihren Hals bewegte und auf ihrem Schlüsselbein ruhen ließ. Darjana atmete zittrig aus, als er sich vorbeugte, um seine Lippen an ihr Ohr zu legen, während seine Hand an die Seite ihres Halses hochfuhr. „Deswegen weiß ich mittlerweile, wenn du lügst."

Er hätte es so gerne gehört. Ich war eifersüchtig. Weil er glaubte, dass es stimmte. Weil er die Hoffnung hatte, dass es stimmte.

Darjana musste die Augen schließen, als sie seinen Atem gegen ihre Haut spürte und spannte ihr Becken an. Remus konnte spüren, wie sie sich ihm entgegen lehnte, und drückte seine Lippen auf ihren Hals. Ein schweres Atmen entwich ihr, als er seine Hand in ihren Haaren vergrub und unerwartet fester zupackte. Darjana stieß laut Luft aus.

„Ich lüge nicht", brachte sie leise hervor, als sie einen Moment zum Denken hatte. Remus brummte leise etwas, während er wortlos mit seinen Lippen über die Stelle neben ihrem Ohr und unter ihren Kiefer strich. Gerade als er seine warme Hand unter ihr Shirt schob, murmelte er: „Du bist also nicht eifersüchtig? Dir ist es egal, wenn das hier endet?"

Sie ballte eine Hand zur Faust. Was glaubte er, wer er war? Dachte er, er konnte einfach ankommen und— Ja, das konnte er. Hastig zog sie ihn nach oben und küsste ihn voller Verzweiflung. Sollte er es doch buchstabiert bekommen: Natürlich war sie eifersüchtig auf Zara Westwick gewesen. Weil sie eben nicht wollte, dass das hier endete. Sie biss sanft auf seine Unterlippe und konnte fühlen, wie er sich enger an sie presste und sich seine Hand in einer energischen Bewegung um ihren Hals schloss. Sofort spürte Darjana, wie ein Ziehen durch ihren Unterleib schoss.

Dennoch nickte sie stur und plötzlich ließ Remus sie unerwartet los. Ihre Haut, wo er sie soeben noch berührt hatte, fühlte sich kalt an, als sie lediglich mit einem Kribbeln zurückgelassen wurde.

„Na schön", sagte er, als wäre nichts geschehen. „Dann ist es ja nicht schlimm, wenn ich jetzt gehe."

Und bevor Darjana überhaupt nachdenken konnte, griff ihre Hand nach seinem Arm, als er sich umdrehte. Langsam wandte er sich zurück zu ihr, doch sein Blick fiel auf ihre Finger, die sich um seinen Pullover schlossen, bevor seine Augen langsam zu ihrem Gesicht wanderten. Ein seltsamer Ausdruck lag auf seinem Gesicht. Darjana schluckte und ließ ihn schnell wieder los.

Remus öffnete leicht den Mund, während er nicht einmal zu blinzeln schien. „Ich könnte dir einen Ort zeigen, an dem wir ungestört sind", schlug er ruhig vor. „Es ist allerdings nicht ganz erlaubt, dass du da bist."

Bei dem frechen Zucken seiner Mundwinkel lachte Darjana leise.

„Komm", meinte er mit einem sanften Lächeln und hielt ihr seine Hand hin, die sie mit klopfendem Herzen ergriff. Kurz zögerte sie. Vermutlich war es dumm, aber seine Hand zu nehmen fühlte sich plötzlich so... intim an. Als wäre es ein riesiges Geheimnis, das er mit ihr teilte. In gewisser Weise hatte all das mit einem Geheimnis angefangen. Sie fragte sich, wann er ihr erzählen würde, was er war — oder ob sie einfach gestehen sollte, dass sie längst alles wusste.

Irgendwie war dort diese fast schon nörgelnde Stimme, die an ihrem Inneren zerrte und sie dazu bringen wollte, ehrlich zu ihm zu sein. Andererseits sprachen sie so vieles nicht aus, dass das das geringste Problem war.

„Woher weiß ich, dass du mich nicht entführst?", fragte sie mit gespielter Skepsis.

„Hm." Remus legte frech den Kopf schief. „Ich bin Vertrauensschüler, was impliziert, dass du mir vertrauen kannst."

„Schwaches Argument", bemerkte Darjana trocken. „Aber ich akzeptiere es."

Während er weiterging, versuchte sie zu erahnen, wo er sie wohl hinbringen wollte. Zweiter Stock, dritter Stock, vierter Stock — erst beim fünften verließ er die Treppe. Was gab es im fünften Stock? Einen Musikraum, einen Balkon am Uhrenturm oder... Doch Remus blieb vor einer Statue von Boris dem Bekloppten stehen, der verzweifelt auf seine Handschuhe sah, die er verkehrt herum angezogen hatte. Darjana runzelte die Stirn.

Wellenreiter", sagte Remus mit Blick auf die Tür neben der Statue. Welchen geheimen Ort hatten er und seine kleinen Freunden hier wieder entdeckt? Doch ihre Fragen verpufften alle, als sich die Tür mit einem lauten Klicken entriegelte und Remus sie vor ihr öffnete.

„Willkommen im Bad der Vertrauensschüler", verkündete er mit einem stolzen Funkeln in den Augen, während sie ihm hinein folgte. Darjana klappte der Mund auf. Es war ein riesiger hoher Raum, dessen Wände mit Marmor und einem goldgerahmten Bild einer Meerjungfrau bedeckt waren. In der Mitte war eine große Wanne eingelassen, um die allerlei verschiedenfarbige Wasserhähne platziert waren.

„Wow", murmelte Darjana, während sie sich umsah. Es musste cool sein, Vertrauensschüler zu sein. Wenn sie das gewusst hätte, hätte sie sich vielleicht mehr angestrengt, um diese Position selbst zu bekommen.

Wortlos lief Remus zu den Wasserhähnen und betätigte ein paar von ihnen. Darjana konnte nicht anders, als ihn zu beobachten, während er sich auf den Weg zurück zu ihr machte und vor ihr stehenblieb. Schweigend betrachtete sie ihn und holte Luft um etwas zu sagen, das ihr Gehirn noch gar nicht zu Ende gedacht hatte. Doch als sie still blieb, sah Remus sie nur abwartend an, bevor er lächelte.

„Willst du ein Bad mit mir nehmen?", fragte er mit einer Gelassenheit, die Darjana fast die Röte in die Wangen trieb. Nun, sie hatte gelogen: Nicht nur fast. Sie errötete, als hätte ihr Schwarm sie nach Hogsmeade eingeladen.

„Wenn du so höflich fragst", erwiderte Darjana mit einem leichten Lächeln, ohne die Augen von ihm abzuwenden. Dann atmete sie tief durch und zog sich ihren Pullover und das Shirt, das sie darunter trug, über ihren Kopf. Achtlos ließ sie ihre Kleidung auf den Boden fallen, Stück für Stück, bis es nichts mehr gab, das sie ausziehen konnte.

Sie konnte Remus' Blick auf sich brennen spüren und plötzlich fühlte sie sich schrecklich nackt. Was sie auch war, ja... aber sie meinte es anders. Weniger wörtlich. Ihr Puls schlug schneller und sie biss sich auf die Lippe, gerade als Remus zu ihr aufsah. Seine Augen waren leicht geweitet und er blinzelte schnell, bevor er zu sich selbst den Kopf schüttelte und murmelte: „Merlin..." Er machte einen Schritt auf sie zu und als er die Hand an ihre Wange legte, damit sie wirklich zu ihm blickte, fragte er: „Weißt du eigentlich, was du mit mir machst?"

Darjana hätte gerne eine schlagfertige Antwort darauf, oder zumindest etwas Selbstbewusstes. Aber ihr Gehirn war wie leer und so öffnete sie nur leicht die Lippen. „Mir ist kalt", murmelte sie und sofort nickte Remus.

„Das Wasser ist warm", erwiderte er und trat wieder zurück, während sich Darjana auf den Rand des Beckens zubewegte und vorsichtig ihren Fuß hineinhielt. Als sie die Temperatur für angenehm erachtete, hockte sie sich hin und ließ sich behutsam in das Wasser gleiten, das sie sofort in wohlige Wärme hüllte.

Sie konnte Remus' Kleidung rascheln hören und als sie sich umdrehte, glitt er bereits zu ihr ins Wasser. Er näherte sich ihr mit einem leichten Grinsen, bis er neben ihr am Beckenrand verweilte. „Hey", sagte er leise.

„Hey", gab Darjana zurück und schluckte. „Du nutzt deine Vertrauensschülerprivilegien so schamlos aus?"

Remus zuckte mit den Schultern und bewegte sich vor sie, um sich mit seinem linken Arm an ihrer anderen Seite abzustützen. Er war ihr nun so nahe, dass ihr nichts anderes übrig blieb, als den Blick auf ihn zu richten. Nicht dass sie es anders wollte... Als sie auf seine Arme hinabsah, die sie zwischen sich einkesselten, atmete sie tief durch. Ohne darüber nachzudenken ließ sie ihre Hand zu seinem Haar wandern und das schien alles gewesen sein, was Remus brauchte, um sich vorzubeugen und sie innig zu küssen. Sie berührte seine Schulter und krallte sich in sie fest, während er seine rechte Hand vom Beckenrand löste und sie an ihrer Taille festhielt, um sie näher zu sich heranzuziehen.

Er lehnte sich kurz zurück und auch Darjana schnappte nach Luft, bevor sie sich noch enger an ihn heran drückte und weiter küsste. Er bewegte seine Lippen auf ihren, als brauche er sie mehr als alles andere, und er wanderte von ihrem Mund zu ihrem Kiefer, ihrem Hals und Schlüsselbein, bis er sie ein wenig nach oben zog, um auch ihre Brüste küssen zu können. Als er mit seiner Zunge ihren Nippel umkreiste, entfuhr ihr ein Stöhnen, und sie fühlte sich so ergeben, dass sie ihn alles mit sich machen lassen würde.

Darjana fuhr mit ihren Händen über seinen Brustkorb immer weiter nach unten, doch als er das spürte, löste sich Remus von ihr und hielt ihre Hände sanft vor ihr fest. „Hör zu", wisperte er leise. Seine Augen glänzten und seine braunen Haare waren völlig zerzaust, während er mit geschwollenen Lippen zu ihr hinabblickte. „Ich weiß, dass du es liebst, über alles Kontrolle zu haben. Aber überlass sie dieses eine Mal mir."

Darjana stockte der Atem. Sie konnte ihre Augen nicht von ihm abwenden.

„Ich will dir zeigen, dass nur dir meine Aufmerksamkeit gehört. Ich will, dass du dich fallen lässt", fuhr er leise fort und küsste sie langsam, teilte ihre Lippen mit der Zunge und berührte innig ihre, bevor er sich von ihr löste und sagte: „Schaffst du das? Deine Hände bei dir zu lassen?"

Sie nickte, ohne zweimal darüber nachzudenken.

„Gut", murmelte Remus und begann, sanft ihren Hals zu küssen. Seine Hände strichen über ihre Taille und ließen sie erzittern. „Es ist keine Schwäche, weißt du? Dich mir hinzugeben... Du verlierst deine Achtung nicht vor mir, nicht ein kleines bisschen. Ich bin dir dankbar, mit dir hier sein zu können. Lass ruhig los."

Lass los, dachte sie zu sich selbst. Wenn sie einer Person auf dieser Welt genug vertraute, um genau das zu tun, dann ihm. Vielleicht war es okay, es für die nächste halbe Stunde zuzulassen. Das musste es sein.

Denn als Remus sie immer weiter küsste, war es ihr egal. Okay oder nicht, wen kümmerte das schon? Für den Moment war es okay, dass sie wimmerte, als er sie zwischen ihren Beinen berührte. Remus' Lippen wanderten weiter über ihren Hals und küssten ihr Schlüsselbein, und sie neigte ihren Kopf zurück, um ihm besseren Zugang zu gewähren.

Er hob sie leicht an und drückte sie gegen den Rand des Beckens. Die raue Textur der Wand kratzte an ihrem Rücken, aber sie bemerkte es kaum. Alles, worauf sie sich konzentrieren konnte, war das Gefühl von seinen Händen, denen sie sich entgegen lehnte und verzweifelt nach mehr verlangte.

Sie wand sich wimmernd und konnte nicht verhindern, dass sie nach ein paar Minuten weinerlich darum bat, ihn endlich in sich spüren zu können.

Als er das hörte, hielt er inne und ließ sein Gesicht kurz vor ihrem verweilen. Er beugte sich vor, um sie zu küssen, und Darjana ließ ihre Lippen von seinem Mund über seinen Hals wandern und hörte ihn laut ausatmen. Er packte sie wenig fester, sodass sie enger gegen den Beckenrand gedrückt war, und sie gezwungen war, ihre Beine um ihn zu schlingen.

Das Wasser plätscherte sanft um sie herum. Plötzlich wirkte es kühl, ein starker Kontrast zu der Hitze, die sich zwischen ihren Körpern aufbaute. Darjanas Finger verhedderten sich in Remus' feuchtem Haar, während er ihre Schulter küsste und seine Zunge ihre empfindliche Haut streifte. Sie wölbte sich ihm entgegen und sehnte sich nach mehr Berührung.

Remus' Hände wanderten unter Wasser über ihren Körper, streichelten ihre Oberschenkel und Hüften. Er zog sich leicht zurück, seine Augen waren dunkel vor Verlangen, als er ihr Gesicht musterte. „Darf ich?", flüsterte er heiser.

Darjana nickte eifrig, ihr Atem kam in kurzen Stößen. „Bitte", murmelte sie.

„Wenn du so höflich fragst", imitierte Remus sie mit leiser Stimme und dann, langsam, drang er mit einem heiseren Stöhnen in sie ein. Darjana keuchte bei diesem Gefühl, ihre Nägel gruben sich in seine Schultern. Sie blieben einen Moment lang still, die Stirne aneinander gelegt.

„Du hast ja schnell gehört", sagte sie leise und Remus sah sie an, während er sich mit der einen Hand hinter ihr abstützte und die andere in ihre Haare schob.

„Merlin, machmal hasse ich dich", murmelte er.

„Oh ja, ich kann den Hass spüren", erwiderte Darjana mit einem schwachen Grinsen. Remus lachte leise und begann sich zu bewegen, erst langsam und dann immer schneller. Sie konnte seine warme Haut an ihrer spüren, während das Wasser Wellen um ihre Körper schlug, jedes Mal, wenn sie es aufwirbelten.

Sie hätte nicht gedacht, dass es ihr so sehr gefallen würde, wenn er die Kontrolle übernahm, aber sie fühlte sich so sicher, dass es ihr ganz leicht fiel. Es war schön, wenn man jemandem so sehr vertraute.

Lass los, hörte sie Remus' Stimme erneut in ihrem Ohr, und sie hörte darauf. Es war schön loszulassen, zu fühlen, wie er sich bewegte, wie er sie packte. Sein heiseres Stöhnen war die plötzlich der schönste Klang der Welt und sie wollte einfach nur ganz für ihn da sein, sich ihm ganz und gar hingeben.

Genuss strömte durch ihren Körper und ihre Lippen prickelten, als er sie leidenschaftlich küsste, ihre Haare packte und sie anschaute, als gäbe es nur sie. Sie genoss jeden Moment dieser Minuten, biss sanft in seine Schulter, drückte ihren Rücken durch, keuchte mit jedem Stoß und vergrub ihre Hände in seinem Haar.

Sie musste es sich überhaupt nicht mehr sagen. Lass los. Das tat sie längst. Das tat sie selbst, als der Blick in seinen Augen trüber wurde, seine Augenbrauen sich zusammenzogen und sich schließlich ein Ausdruck grenzenloser Lust über sein Gesicht legte, bevor er schwer atmend ruhiger wurde und den Kopf auf ihrer Schulter ablegte.

Auch Darjana atmete zittrig durch und legte den Kopf neben seinem ab. Sie wollte für immer hier bleiben. Nach einer Weile bewegte Remus sich wieder und schob sich neben sie an den Beckenrand, um sich gegen ihn zu lehnen und den Kopf nach hinten zu legen. Darjana fühlte sich kalt, sobald er sie losgelassen wurde, und tat, worüber sie vor nicht einmal einer Stunde in ihrem Bett nachgedacht hatte: Sie umarmte ihn. Während er sich mit dem Rücken an den Beckenrand lehnte, schlang sie ihre Arme um seinen Brustkorb und schloss die Augen, als er eine Hand auf ihren Rücken legte, während er sich mit der anderen festhielt.

Sein Brustkorb hob und senkte sich sanft unter ihr und sie konnte wahrnehmen, wie er immer langsamer wurde. Je länger sie in dieser Position verharrte, desto mehr bekam sie das Bedürfnis etwas zu sagen. Aber was? Sie wusste es nicht. Also sprach sie das erste aus, was ihr in den Sinn kam.

„Ich vertraue dir übrigens wirklich", gestand sie in die Stille hinein. Sie ärgerte sich, sein Gesicht nicht sehen zu können, aber da er nichts erwiderte und nun schweigend seine Hand zu ihrem Haar bewegte, fügte sie eine Erklärung hinzu: „Weil du das am Anfang meintest mit den Vertrauensschülern und so. Ich vertraue dir wirklich. Nicht weil du Vertrauensschüler bist... Ich meine... Ich vertraue nicht vielen Menschen." Sie biss sich auf die Lippe. „Glaub ich zumindest."

Nun verspürte sie zunehmend Erleichterung darüber, dass sie ihm nicht in die Augen sehen musste. Irgendwie war das schrecklich peinlich.

„Ist ja nicht so, dass ich jedem im Schloss misstraue, aber Vertrauen ist schon ein großes Wort, findest du nicht? Wenn du ein großes, dunkles Geheimnis hättest, das dein Leben zerstören könnte, würdest du dir ja auch genau aussuchen, wem du es anvertrauen kannst", fuhr sie fort. Sie spürte, wie Remus sich für einen winzigen Moment unter ihr versteifte, und sie wünschte, er würde es ihr erzählen. Wenn sie klarer denken könnte, würde sie wissen, dass er sie bei weitem nicht gut genug dafür kannte und sie kein Recht dazu hatte, so etwas zu verlangen oder zu hoffen. „Wir sind ja Freunde, also..."

Sie spürte seinen Brustkorb sanft beben und als sie den Kopf nach oben hob, um ihn anzusehen, bemerkte sie ein belustigtes, warmes Lächeln auf seinem Gesicht. „Genau, deswegen machen James und ich das hier auch täglich", scherzte er und Darjana warf ihm einen vorwurfsvollen Blick zu, lachte aber.

„Ich meine nur", begann sie, „wenn du über irgendwas reden willst, dann kannst du das auch mit mir. Du kannst mir auch vertrauen. Es ist nur..." Sie zuckte mit den Schultern, als wäre es nicht so wichtig, was sie jetzt sagte. „Ich mag dich — sieh mich nicht so an."

„Wie seh ich dich denn an?", fragte Remus verwirrt.

„Als wäre das witzig!", sagte Darjana und verdrehte leicht die Augen.

„Nein, du hast recht." Als Remus sich ein wenig aufsetzte und Wasser von seiner Brust hinunter tropfte, wurde seine Miene ernster. „Es ist nicht witzig, das stimmt. Tut mir leid." Er zog kurz die Augenbrauen zusammen, als würde er versuchen, etwas Undeutliches zu entziffern. „Danke, dass du das sagst. Das ist wirklich... Das bedeutet mir was."

Darjana schluckte.

Remus legte forschend den Kopf schief. „Du würdest mir also deine dunklen Geheimnisse erzählen?"

Sie lachte leicht. „Ich hab gar keine", antwortete sie und vermutlich stimmte das. Was hatte sie schon groß zu bieten zu ‚Hey, ich verwandele mich monatlich in einen großen gefährlichen Wolf'? „Hast du denn welche?"

Remus hob die Augenbrauen, als würde er schwer nachdenken. „Puh", überlegte er langsam. „Mein dunkles Geheimnis ist wohl das Geheimrezept des Tranks, mit dem ich James und Sirius aushalte."

Es schmerzte, diese Antwort zu hören, aber trotzdem lachte sie. Gefühle waren dämlich. Natürlich erzählte er ihr nicht davon — was erwartete sie? Woran lag es, dass trotzdem ein kleiner Teil darauf hoffte? An menschlicher Dummheit? Was auch immer es war, sie hasste es.

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Ein neues Update!!

Ich habe mich entschieden, Losing Game von nun an priorisiert und bevorzugt regelmäßig zu updaten. Ich würde mich riesig freuen, dieses Buch als Nächstes beenden zu können und hoffe, dass es immer noch genug Leute gibt, die Darjanas Geschichte interessiert :)

Wie gefällt euch das Kapitel?
Und an alle, die das innerhalb der nächsten Tage lesen: Ich wünsche euch eine schöne Weihnachtszeit und frohe Weihnachten! 🥰

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