Kapitel 3
Bild von Kahira hinzugefügt.
Ich hasse die Blicke, die ich bekomme als ich am nächsten Tag durch die Schule laufe.
Sie alle triefen aus Mitleid und die, die es nicht wussten, erfahren es jetzt. So auch meine andere beste Freundin, Felice, die bis vor einem Tag noch für eine Woche in Australien war.
,,Ira", kommt sie jetzt auf mich zu und nimmt mich in ihre Arme.
,,Es tut mir so unglaublich Leid, meine Mom hat es mir gestern Nacht als wir angekommen sind gesagt, deine Mom hat angerufen und es erzählt. Ich wollte zu dir aber du bist nicht an dein Handy gegangen und ich dachte du schläfst", sagt sie und schaut mich mit glasigen Augen an.
,,Ist nicht schlimm", sage ich ehrlich, denn ich nehme es ihr wirklich nicht übel, da ich genau weiß, dass wenn sie es früher gewusst hätte oder ich ans Handy gegangen wäre, sie sofort zu mir gekommen wäre.
Chloé ist die etwas temperamentvollere, während Felice, nun ja, irgendwie die Mimose von uns dreien ist. Ihr geht alles ans Leib und sie erträgt kein Leid. Nicht ihr eigenes und nicht das der anderen.
Und ich. Naja ich würde mich selber als so gut wie immer glücklich bezeichnen, naja bis auf jetzt natürlich, aber das ist verständlich.
,,Falls Mom fragt, war ich gestern Abend mit dir unterwegs", sage ich jetzt an Chloé gewendet und beide schauen mich verwirrt an während wir uns zum Klassenzimmer begeben.
,,Wo warst du denn wirklich oder mit wem warst du?", fragt Chloé und ich überlege ob ich es ihnen sagen soll und beschließe mich schließlich dafür.
,,Mit Zayn", antworte ich knapp und beide halten geschockt den Atem an.
Sie schauen mich mit großen Augen an und Felice wagt sich als erste etwas zu sagen.
,,Du meinst Zayn Malik? Der Zayn?", fragt sie vorsichtig und ich nicke seufzend.
,,Der Zayn der gerade in unsere Richtung läuft?", fragt Chloé und meine Augen schießen nach vorne, als ich ihn den Gang runterlaufen sehe.
Nicht nur unsere Blicke haften an ihm, sondern beinahe die von allen.
Ob es nun so ist, weil er verboten gut aussieht, oder, weil die Polizei ihn sogar schon mal von der Schule abgeholt hat, weiß ich nicht. Und dabei war es auch noch meine Mutter, die ihn abgeholt hat, was es nun wirklich nicht besser macht.
Seine schwarze Kleidung sitzt perfekt auf seinem großen Körper, während seine Haare durcheinander sind, aber es keinen negativen Einfluss auf sein Aussehen hat, eher im Gegenteil.
Er schaut mich nichteinmal an, als er an uns vorbei läuft und ich nicke den beiden zu.
,,Ja, genau er", sage ich langsam und beide sind noch wie in Trance.
,,Ich habe das Gefühl er wird von Tag zu Tag immer gutaussehender", sagt Khloé und seufzt während Felice nickt.
,,Aber ich hab trotzdem Angst vor ihm", ergänzt sie und ist damit nicht alleine, das hatte gut 98% der Schule.
Ich zähle mich vorsichtig zu den 2%, die keine Angst haben, wobei ich definitiv Respekt habe.
Das hat jeder.
Wir drehen uns zu ihm nur um gerade noch mit zu bekommen, wie er einen Jungen mit Brille und Büchern im Arm anrempelt, die ihm dann aus der Hand fallen.
,,Muss ich mir sowas gefallen lassen? Entschuldigen kann er sich auch nicht", höre ich den Jungen murmeln und ich schätze ich bin nicht die einzige, denn Zayn bleibt stehen. Mein Herz bleibt stehen und ich habe Mitleid mit dem Jungen. Ich schätze er hat es lauter gemurmelt als beabsichtigt, falls es überhaupt beabsichtigt war es auszusprechen.
,,Wie bitte?", fragt Zayn und seine raue, tiefe Stimme hallt durch den Gang und die Blicke der meisten Leute liegen auf ihm.
Ich sehe wie die Hände des Jungen anfangen zu zittern und seine Augen sich weiten als er realisiert, dass er es nicht leise gesagt hat.
Er traut sich garnicht aufzustehen und ihn anzuschauen und mein Herz bricht, als ich die Angst in seinen Augen sehe.
,,Ich hab dich was gefragt", wiederholt sich Zayn und schaut ohne jeglichen Ausdruck auf seinem Gesicht zu dem Jungen runter.
Der Junge sammelt sich und steht auf um ihm in die Augen zu schauen, aber nicht bevor er seine Brille zurecht rückt und seine Bücher so fest umklammert, als hinge sein Leben davon ab.
Ich hätte gedacht Zayn hätte ihn geschlagen und der Zayn vor ein Paar Jahren hätte dies auch tatsächlich gemacht, aber seitdem er vor etwa einem Jahr abgeholt wurde von der Schule und 2 Monate nicht zurück gekommen ist und gemunkelt wurde, dass er im Jugendknast saß, ist er anders. Kühler, Angst einflößender.
Vorher hatte er noch irgendwas kindliches, aber mittlerweile ist er ernst, fast zu ernst für sein Alter.
Meine Mom hat mir natürlich nicht verraten, was wirklich in den 2 Monaten passiert ist wegen ihrer Schweigepflicht.
,,I-ich", fängt der Junge an zu stottern und es ist unerträglich mit anzusehen.
Zayn schaut unbeeindruckt zu ihm.
Gerade als ich dahin laufen will um sein Elend irgendwie zu beenden, fängt Zayn an zu reden.
,,Hast du Angst vor mir?", fragt er plötzlich und tritt dem Jungen näher.
Der Junge schluckt und nickt schnell und es ertönt ein kurzes Lachen aus einer Ecke des Gangs, das aber auch schnell wieder erstickt.
Die Person die gerade lacht, hätte sich in der Situation wahrscheinlich genau so verhalten.
,,Dann verhalt dich gefälligst auch so", sagt Zayn, während seine Stimme tief und leiser als sonst ist.
Der Junge nickt schnell und Zayn klopft ihm kurz auf die Schulter, aber so fest, dass dem Jungen seine Bücher wieder aus der Hand gleiten und laut auf den Boden fallen.
Er dreht sich um, um zu gehen.
Kurz dreht er sich zu dem Jungen um, der wieder mit zitternden Händen dabei ist seine Bücher auf zu heben und ich eile hin um ihm zu helfen.
,,Sollte ich mich entschuldigen?", fragt Zayn und würdigt mich nicht mal eines Blickes, als ich das Mathebuch des Jungen, der jetzt hastig den Kopf schüttelt, aufhebe.
,,Genau das denke ich auch", sagt Zayn und schaut dann zu mir, als ich dem Jungen sein Buch reiche, das er dankend annimmt.
Ich schaue dem Jungen ins Gesicht und stelle fest, dass er keineswegs hässlich ist mit seinem symmetrischen, gut definierten Gesicht und stechend blauen Augen, von denen ich meine nicht nehmen kann.
Ich höre ein Schnauben und dann sehe ich wie sich Zayn wieder umdreht um weiter zu laufen.
,,Danke", haucht der Junge und ich lächele ihm zu.
,,Nichts zu danken", sage ich schnell, als Khloé und Felice zu uns eilen und wir beiden uns aufrichten, während die restlichen Leute im Gang sich wieder in Bewegung setzen.
,,Ich bin neu hier und das erste was ich gehört habe ist von dem Zayn, vor dem jeder Angst hat und ich habe es erst realisiert, als es schon zu spät war. Das war doch Zayn oder? Bitte sagt ja, denn dieser war einschüchternd genug und ich kann mir niemand schlimmeres vorstellen", redet der Junge plötzlich los und ich muss irgendwie kichern.
,,Ja, das war er", sage ich und Felice nickt.
,,Also du hast das gut überstanden, ich wäre wahrscheinlich an einem Herzinfarkt an Ort und Stelle verstorben", sagt Khloé und ich verdrehe meine Augen.
,,Übertreib nicht, so schlimm ist er garnicht", sage ich und verdrehe meine Augen.
,,Achte nicht auf sie, sie kann es einfach nicht verarbeiten, dass ihr Kindheitsfreund in ein Monster mutiert ist", sagt Felice jetzt und der Junge schaut überrascht zu mir.
,,Dein Kindheitsfreund?", fragt er interessiert und ich schüttele meinen Kopf.
,,Lange Geschichte", sage ich und der Junge stopft seine Bücher in seine Tasche.
,,Die ich hören möchte", sagt er plötzlich grinsend und reicht mir seine Hand.
,,Ich bin übrigens Max, eigentlich Maximilian, aber ich bevorzuge definitiv Max", stellt er dich vor, während ich seine Hand schüttele.
,,Kahira", sage ich und seine Augenbrauen ziehen sich zusammen.
,,Der Name kommt von der Stadt Kairo, ebenfalls eine längere Geschichte, wie meine Eltern darauf gekommen sind", sage ich und mein Grinsen nimmt ab als ich an meinen Dad denke, was Max aber nicht zu bemerken scheint, denn er macht sich mit den anderen bekannt.
,,Felice und Chloé", sagt Chloé und Felice haut ihr auf den Arm.
,,Ich kann mich gut selbst bekannt machen", sagt sie und Khloé reibt sich lachend den Arm, sodass Max grinst.
,,Wo hast du jetzt?", frage ich ihn und er schaut auf seinen Stundenplan.
,,E109", sagt er und wir schauen ihn mitleidig an.
,,Wir haben zusammen. Chemie. Bei der schlimmsten Lehrerin", sagt Khloé und ich stimme nickend zu, während Felice ihm den Stundenplan entreißt.
,,Mein herzliches Beileid", ergänzt sie und wir machen uns auf den Weg zum Raum als mir meine Banknachbarin, Leah von Biologie über den Weg läuft.
,,Kahira!", sagt sie und läuft auf mich zu.
,,Es tut mir Leid", sagt sie und ich fühle mich augenblicklich zurück in meinen Schmerz versetzt.
Sie nimmt mich kurz in die Arme und ich spüre wie mir die Tränen wieder in die Augen steigen.
Sie streicht mir noch ein letztes Mal mit einem mitleidigen Blick über den Arm und ich höre wie Max leise fragt was los ist.
,,Ihr Dad ist gestern verstorben", hört man Felice murmeln und dann wie Max erschrocken nach Luft schnappt.
Der Schmerz wird niemals weggehen, aber er wird nicht mehr so präsent sein, wie Zayn es gesagt hat.
Ich hoffe es aus ganzem Herzen, denn ich spüre gerade wieder, wie mein Herz aus meinem Leibe gerissen wird nur um geschreddert und verbrannt zu werden, während ich nur zu sehen kann, da ich ohne mein Herz unfähig bin irgendwie zu reagieren. Ohne meinen Dad bin ich nichts, ein komplettes Nichts.
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Neues Kaptööööl.
Ich hoffe es gefällt euch und bitte lasst mir eure Meinung da.
Gerade in den ersten Kapiteln ist mir das am wichtigsten, also scheut euch nicht davor zu schreiben, was euch nicht gefällt und warum und was euch gefällt.
Außerdem werdet ihr in den folgenden Kapiteln merken, dass Kahira zurzeit eine Maske aufgesetzt hat und keineswegs so schnell über den Tod hinweggekommen ist.
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