Kapitel 16

"Du hast es geschafft."

Mac beschloss Ryan nicht zu sagen, wie nah sie daran gewesen war, heute Abend nicht zu kommen. Stattdessen hob sie die braune Papiertüte hoch, die sie mit einem Arm an sich gedrückt hatte.

"Ich war mir nicht sicher, was du kochst, also habe ich Rot- und Weißwein mitgebracht. Der weiße ist bereits gekühlt."

Er nahm ihr den Wein ab. "Perfekt. Beides wird gut passen. Komm rein.", sagte er und trat einen Schritt zurück.

Ihr Herz schlug vor Vorfreude höher, als sie an ihm vorbeiging, aber er berührte sie nicht.

"Ich hoffe du hast hunger.", sagte er, als sie seine Wohnung betraten.

"Habe ich."

Fast sofort blieb ihr Blick am Boden tiefen Fenster in seinem Wohnzimmer hängen. Alle ihre Freunde waren neidisch auf Ryans Wohnung. Er hatte einen atemberaubenden Blick auf die Stadt. Die Lichter im Raum waren gedimmt, was den Anblick der beleuchteten Skyline von Melbourne noch spektakulärer machte. An der Seite des großen Fensters stand ein Tisch für zwei Personen, der für das Abendessen gedeckt war. Eine einzelne blutrote Rose stand in einer Vase in der Mitte des Tisches, auf einer strahlend weißen Leinentischdecke. 

"Das Abendessen ist vorbereitet, aber ich wollte nicht mit dem Kochen beginnen, bevor du da bist. Ich werde nicht lange brauchen."

Mac drehte sich um und sah Ryan in der Küche gegenüber dem Wohnzimmer verschwinden - zusammen mit ihrem Wein. Sie brauchte jetzt ein Glas flüssiger Mut. Sie konnte sich nicht erinnern, wann sie das letzte Mal bei einem Date so nervös gewesen war - wahrscheinlich, weil sie noch nie so nervös gewesen war. Auf dem ganzen Weg in seine Wohnung hatten Brads Worte in ihrem Kopf gekreist.

 "Wenn du dich entscheidest, dass die Nachteile die Vorteile überwiegen, brich ihn nicht allzu sehr das Herz."

Die Vorstellung, das Herz von Australiens Romeo zu brechen, schien absurd, aber Brad hatte so ernst geklungen, als er es gesagt hatte. Die Sorge in seiner Stimme war offensichtlich gewesen. Er machte sich Sorgen um seinen Freund. Und als ob das alleine nicht schon genug gewesen wäre, um sie zu verwirren, hatte Brad erwähnt, dass Ryan darüber nachdachte, Harts Valley zu verlassen; dass er sich Sorgen um die Zukunft machte, wenn es zwischen ihnen nicht klappte.

In ihrem Kopf herrschte ein einziges Durcheinander. Ihr Geständnis gegenüber Ryan und ihr nicht jugendfreier Kuss am Set, gefolgt von Ryans Liebeserklärung und Lyndels plötzlichem Auftauchen, war alles in einem sehr kurzen Zeitraum passiert. Sie versuchte immer noch, die Ereignisse des Tages zu verarbeiten, und es war ihr noch nicht ganz gelungen. Heute Abend war sie mit der Absicht hier hergekommen, eine Entscheidung darüber zu treffen, ob sie eine Beziehung mit dem Mann, in den sie verliebt war, führen wollte, aber sie hatte keine Ahnung, wie sie das anfangen sollte. 

Seit sie das Set verlassen hatte, wollte sie Ryan nur noch über Lyndel ausfragen, aber gleichzeitig hatte sie absolute Angst, die andere Schauspielerin zu erwähnen. Was würde Ryan sagen, wenn er herausfände, dass sein ehemaliger Co-Star zurück war? Wäre er glücklich und aufgeregt? Oder würde er den Anschein erwecken, dass es ihn nicht interessierte? Würde er ihr sagen, dass jetzt nichts mehr zwischen Lyndel und ihm war, und sie dann Wochen später abservieren, wenn er merkt, dass da doch noch etwas war?

Brad hatte ihr mehr als einmal gesagt, dass sie mit Ryan über all ihre Bedenken und Sorgen sprechen müsse. So entsetzt sie auch von der Vorstellung war, all ihre Unsicherheiten offenzulegen, Brad hatte recht. Sie mussten reden. Sie mussten sich gegenseitig verstehen. Wenn Ryan wirklich in sie verliebt war, dann war sie es ihm schuldig, die Dinge zu besprechen, bevor sie eine Entscheidung traf.

Sie ging in die Küche und sah zu, wie Ryan mehrere Schüsseln und Gläser aus dem Kühlschrank holte. Er hatte immer noch nicht erwähnt, was er kochte, aber den Zutaten nach zu urteilen, die er auf die Arbeitsplatte stellte, würde sie vermuten und sagen, dass es Spaghetti Carbonara gab.

"Kann ich helfen?", fragte sie ihn.

"Ah, das Knoblauchbrot muss in den Ofen, und der Wein muss geöffnet und eingeschenkt werden."

"Das kann ich machen", sagte sie schnell.

Er sah sie mit einem wissenden Lächeln an. "Nervös?"

Verdammt, ja. "Nur ein bisschen."

Er grinste. "Die Weingläser stehen auf dem Tisch."

Mac suchte schnell das Knoblauchbrot im Kühlschrank und nahm es aus der Verpackung.

"Im Ofen ist schon ein Blech. Handschuhe sind im Schrank über den Ofen."

Ohne die Handschuhe zu benutzen, öffnete sie die Ofentür und legte das Brot vorsichtig auf das Blech. Dann holte sie die beiden Weingläser.

"Weiß oder rot?", fragte sie ihn, während er Öl in eine Pfanne goss.

"Such du aus."

"Dann rot? Der passt zu Nudeln."

"Großartig."

Mac öffnete den Schraubverschluss der Flasche und goss sofort ein. Nachdem sie Ryan ein Glas gereicht hatte, nahm sie einen großen Schluck von ihrem eigene. Vielleicht würde sie sich nach einem vollen Glas - auf ihrem derzeit leeren Magen - selbstbewusst genug fühlen, um genau herauszufinden, wie Ryan sich eine Beziehung zwischen ihnen vorstellt, wenn ihr Chef strikt dagegen war.

Sie beobachtete und bewunderte Ryan, wie er schnell und ordentlich in seiner kleinen Küche arbeitete. Gekleidet in eine schwarze Hose und ein schwarz-silbern gestreiftes Hemd, das am Kragen offen und an den Manschetten hochgekrempelt war, sah er gut und perfekt aus, ganz der Fernsehstar und Herzensbrecher, als den sie ihn kannte.

Nachdem er alle Zutaten untergerührt hatte, fragte er sie nach der letzten Szene, die sie mit Brad und Vanessa gedreht hatte und verkündete dann, dass das Abendessen fertig sei.

"Das Knoblauchbrot sollte fertig sein.", sagte er zu ihr. "Es braucht nur 8 Minuten."

Richtig, sie sollte sich auf die kleinen Aufgaben konzentrieren, die er ihr aufgetragen hatte, anstatt den Anblick vor ihr zu würdigen. Sie zog die Handschuhe aus dem Schrank über den Ofen und holte das Knoblauchbrot heraus, bevor sie es auf den Teller legte, den Ryan bereithielt.

Vorsichtig klappte sie die Folie auf. "Die Oberseite ist nicht braun."

Sie war zu sehr damit beschäftigt gewesen, Ryan anzustarren, als dass sie daran gedacht hätte, die Folie in den letzten ein oder zwei Minuten, in denen es im Ofen war, zu öffnen.

"Ich kann es für eine weitere Minute noch einmal hineinstellen.", fügte sie hinzu.

"Vergiss es.", erwiderte er, während er die Nudeln in den großen Nudelschüsseln servierte, die er aus dem Schrank geholt hatte. "Es ist alles gut. Ich bin jetzt bereit zu essen."

Ryan nahm die beiden Schüsseln und sie nahm die Weingläser und folgte ihm zum Tisch. Nachdem er die Teller auf dem Tisch gestellt hatte, zog er ihr den Stuhl zurecht und legte ihr die Serviette auf den Schoss, sobald sie Platz genommen hatte. Dann kehrte er in die Küche zurück, um die Weinflasche und das Knoblauchbrot zu holen.

"Das ist ein Service, an dem ich mich gewöhnen könnte.", machte sie den Fehler zu sagen, als Ryan ihr gegenüber Platz nahm.

"Genauso war es geplant.", entgegnete Ryan.

Es war das erste Mal, dass er den nicht zwanglosen Charakter ihrer Verabredung zum Abendessen erwähnte. Die Nervosität, die in den Hintergrund gedrängt worden war, kehrte plötzlich mit voller Wucht zurück, raubte ihr den Atem und ließ ihren Magen bis auf den Boden sinken.

Er hob sein Glas. "Auf uns."

Ihre Hand zitterte ganz leicht, als sie ihr Glas mit seinem zusammenstieß. 

"Auf uns.", wiederholte sie.

"Hau rein, bevor es kalt wird.", wies er sie an.

Erleichtert einen Grund zu haben, sich von seinem intensiven Blick abzuwenden, nahm sie ihre Gabel und wickelte etwas von den Spaghetti darum, bevor sie sie in ihren Mund schob.

"Unglaublich.", sagte sie, als sie den Bissen aufgegessen hatte. "Die besten Spaghetti, die ich je gegessen habe."

"Brad hatte schon Angst, du würdest Spaghetti auf Toast bekommen."

"Ich werde sicher ein Loblied auf dich singen, wenn ich ihn morgen sehe."

"Ich wäre erleichtert, wenn du das tun würdest. Er wird sich sonst Sorgen machen."

Sie lachte.

"Er hat mich angerufen, weißt du?", sagte Ryan zaghaft und hielt kurz inne, bevor er fortfuhr. "Nachdem eure Szene heute Abend beendet war."

"Oh?"

Mac spürte, wie ihr Herzschlag sich beschleunigte. Hatte Brad ihm erzählt, dass Lyndel zurück war? Wusste er, dass sie ihr neuer Co-Star war? Hatte Brady Ryan etwas über das Gespräch erzählt, dass sie geführt hatten, bevor sie das Studio verlassen hatte? Sie griff nach ihrem Wein und nahm einen großen Schluck.

"Er hat mir gesagt, dass Lyndel bei der Show mitmacht."

Also wusste er es? Er wusste von ihrem neuen Co-Star. Sie beobachtete ihn, und versuchte zu verstehen, was ihm durch den Kopf ging, aber er beobachtete sie genauso aufmerksam, offensichtlich versuchte er das Gleiche - ihre Reaktion auf die Neuigkeiten herauszufinden. 

"Blainesworth hat sie zum Set gebracht, damit sie sich mit dir und Brad treffen kann.", sagte sie, ohne im Moment mehr verraten zu wollen.

Sie brauchte mehr von Ryans Reaktion auf die Neuigkeiten. Leider blieb er ärgerlicherweise in dieser Angelegenheit stumm. 

"Ihr drei habt doch früher bei Wild Horses zusammen gearbeitet, nicht wahr?", fragte sie. Bohrte sie förmlich nach.

"Haben wir."

Ryan hatte gehofft, dass, sobald er das Thema Lyndel ansprach, Mac ihn etwas über seine Beziehung zu der anderen Frau fragen würde und sie dann in ein Gespräch über die Bedenken, von denen er wusste, dass sie über ihren neuen Co-Star besorgt war, einsteigen konnten. Er wollte sie zur Ruhe bringen. Bis jetzt sah Mac jedoch nur unbehaglich aus und griff immer wieder nach ihrem Wein. Er musste einfach den Ball ins Rollen bringen und hoffen, dass Mac sich entschied zu reden, wenn er sich öffnete.

"Wir haben miteinander geschlafen.", sagte er. "Lyndel und ich."

Mac nickte nur und griff wieder nach ihrem Wein. Er bekämpfte eine Welle der Frustration. Ich versuche es hier. Arbeite mit mir, Mac.

"Das habe ich mir schon gedacht.", erwiderte sie. "Ihr hattet eine tolle Chemie."

"Es war nur einmal, und es war ein Fehler. Ein großer Fehler. Sie hat das ganze Jahr, in dem wir zusammen gearbeitet haben, auf eine Beziehung zwischen uns gedrängt."

"Aber du wolltest keine?"

"Wollte ich nicht.", bestätigte er. "Wie du weißt, war ich zuvor noch nie an einer Beziehung interessiert."

"Warum? Ich meine, warum haben dich Beziehungen noch nie interessiert?"

"Ähm, abgesehen von der Tatsache, dass ich noch nie verliebt war, hat es wahrscheinlich etwas mit einigen Dingen zu tun, die passiert sind, als ich jünger war."

Er konnte sehen, dass er eindeutig ihr Interesse geweckt hatte, aber er würde es vorziehen, dieses Gespräch über Lyndel zu führen. Der Hass seiner Mutter auf ihn und seinen Vater war nicht gerade sein Lieblingsthema beim Abendessen.

"Vielleicht können wir uns dieses Gespräch für ein anderes Mal aufheben.", fügte er hinzu.

"Okay."

Es gab andere logische Gründe, warum er sich dazu entschlossen hatte, sich nie auf eine Beziehung einzulassen. Allerdings glaubte er nicht, dass es der richtige Weg war, über die Ansichten zu diskutieren, die er einst über langfristige, funktionierende monogame Beziehungen vertreten hatte - nicht, wenn er Mac davon überzeugen wollte, dass er eine Beziehung mit ihr führen wollte. Außerdem hatte das verliebt sein definitiv eine Delle in seinen Zynismus geschlagen, und er wollte glauben, dass glückliche Langzeitbeziehungen keine Märchen waren. Hoffentlich machte ihn das nicht zu einem kompletten Idioten.

"Du hast also mit Lyndel geschlafen, obwohl du keine Beziehung mit ihr wolltest, aber sie eine mit dir?", fragte sie und kehrte zum Thema Lyndel zurück.

Er seufzte. "Wir haben nicht mehr am Set gedreht. Lyndel und ich hatten keine Szenen mehr. Sie hatte ihren Flug gebucht und sollte in ein paar Tagen nach ihrer Abschiedsfeier das Land verlassen."

"Und du hast dich entschieden mit ihr zu schlafen, da sie das Land bald verlassen würde?"

Mac ließ ihn wie einen Arsch klingen, der jemanden ausgenutzt hatte, der Gefühle für ihn hatte, aber das war überhaupt nicht der Fall gewesen. Und Mac sollte ihn inzwischen besser kennen als das.

"Nein. Die Nacht ihrer Abschiedsparty kam und ich ... hatte viel getrunken. Ich erinnere mich nicht einmal daran, mit ihr ins Bett gegangen zu sein. Ich erinnere mich nicht daran, Sex mit ihr gehabt zuhaben. Alles, woran ich mich erinnere, ist, dass ich am Morgen danach neben ihr aufgewacht bin und sie mir sagte, dass sie nicht mehr nach Amerika gehen wollte. Sie wollte hier in Oz bleiben, damit wir sehen könnten, wie die Dinge zwischen uns klappen würden. Dann sagte sie mir, dass sie total in mich verliebt sei."

"Wow.", erwiderte sie. "Was hast du ihr gesagt?"

"Ich habe ihr gesagt, dass ich nicht auf der Suche nach einer Beziehung bin und dass sie es mir übel nehmen würde, wenn sie die Möglichkeit aufgäbe und hier bleiben würde."

"War sie verärgert?"

"Sehr."

"Als sie heute zu uns kam, hätte ich das alles nie vermutet. Sie schien sich zu freuen, dich zu sehen - wirklich glücklich, wieder mit dir zu arbeiten."

Er rutschte auf seinen Sitz hin und her. "An dem Tag, als sie das Land verließ, tauchte sie hier auf. Sie hat mir noch einmal gesagt, dass sie mich liebt und dann hat sie gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, dass in Zukunft jemals etwas zwischen uns laufen könnte."

"Was hast du gesagt?"

"Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Ich hatte noch nie eine Frau an der Nase herumgeführt und wollte auch nicht damit anfangen, aber ich fühlte mich schon wie ein riesiges Arschloch, nachdem ich mit ihr geschlafen hatte, und ich wollte nicht zu hart mit ihr sein."

"Also ...?"

"Also sagte ich ihr, dass ich uns wirklich nicht zusammen sehen konnte. Überhaupt nicht. Aber ich würde niemals nie sagen."

"Oh mein Gott.", sagte Mac. "Sie ist hierher zurückgekommen, um in Harts Valley zu arbeiten, in der Hoffnung, dass du deine Meinung geändert hast und bereit für eine Beziehung mit ihr bist?"

"Ich hoffe wirklich, dass das nicht der Fall ist, aber ich mache mir Sorgen, dass es so sein könnte."

"Sie ist immer noch in dich verliebt."

"Sie war Jahre weg. Sie kann nicht mehr in mich verliebt sein, Mackanzie."

"Aber wenn sie es ist?"

"Ich bin nicht interessiert. Ich war es damals nicht und ich bin es sicher auch jetzt nicht. Lyndel ist eine schöne Frau, aber es gab nichts anderes an ihr, das mich angesprochen hat. Manchmal war sie ein richtiges Miststück zu den anderen Frauen, mit denen wir zusammen gearbeitet haben, und ich fand sie ein wenig oberflächlich. Wir waren nie Freunde - nur zwei Leute, die zusammenarbeiteten und sich zueinander hingezogen fühlten. Außerdem gibt es jetzt nur eine Frau, die ich will.", antwortete er und warf ihr einen vielsagenden Blick zu.

"Jetzt, wo ihr beide wieder zusammenarbeitet, besteht aber immer die Chance, dass die Chemie, die ihr einst hattet, in den Szenen, die ihr zusammen dreht, wieder da ist."

"Um ehrlich zu sein, glaube ich nicht, dass es eine Chance dafür gibt. Nicht von meiner Seite aus."

"Wie kannst du dir da so sicher sein? Ich meine, du hast sie seit Jahren nicht mehr gesehen, und ihr habt genauso lange nicht mehr zusammen gearbeitet. Ich verstehe nicht, wie du so ..."

"Mac, wir waren immer Freunde, du und ich. Denkst du wirklich, ich würde etwas tun, von dem ich weiß, dass es dich so verletzen würde?"

"Nicht absichtlich, nein."

"Brad und Jazz würden mich umbringen."

"Sie wären nicht glücklich, ich weiß, aber ... Chemie ist Chemie. Es ist schwer, diese Dinge zu leugnen."

Mac entschied, dass Ehrlichkeit hier die beste Option war und fuhr fort. "Ich will nicht zusehen, wie du eine andere küsst. Ich will nicht sehen, wie es zwischen dir und Lyndel funkt, oder wie die Chemie, die du mit ihr hattest, zwischen uns kommt. Ich würde es wirklich schwierig finden, damit umzugehen. Ich würde mich ständig fragen, wann du es ausleben würdest."

"Hast du eine Ahnung, wie schwer es für mich war, dich mit Westlaker zu sehen?", fragte er sie. "Mac, zu wissen, dass du mit ihm zusammen warst und der Gedanke, dass zwischen euch wieder etwas anfangen könnte, war ein andauernder quälender Albtraum für mich. Und zu sehen, wie du ihn heute geküsst hast ..."

Mehr brauchte er nicht zu sagen. Mac wusste, dass es hart war, zu sehen, wie der, den man liebt, einen anderen küsst. Sehr hart. Sie hatte nicht darüber nachgedacht, wie Ryan sich gefühlt haben könnte, als sie Danny geküsst hatte, aber das lag daran, dass sie da noch nicht wusste, was er für sie empfand. Und sie war immer noch dabei, damit zurechtzukommen; sie versuchte immer noch, die Tatsache zu begreifen, dass Ryan Moore angeblich in sie verliebt war.

"Außerdem", fuhr er fort. "Scheinst du eine Vorliebe für deine Hauptdarsteller zu haben. Ich könnte mir Sorgen machen, dass du dich in den nächsten Mann verliebst, mit dem du am Set zu tun hast."

Das war lächerlich. Sicher, es war zweimal hintereinander passiert, aber sie hatte sich in Ryan aus anderen Gründen verliebt als in Danny. Nicht, dass sie glaubte, dass Ryan wirklich besorgt war. Er versuchte offensichtlich, auf die Absurdität ihrer Ängste hinzuweisen. Sie verstand es. Sie war unsicher und das mochte sie nicht an sich, aber Ängste waren irrational.

"Ich glaube nicht, dass das passiert.", teilte sie ihm mit.

"Aber es könnte. Ich könnte sagen 'warum sollte es nicht?' Du hast dich in Danny verliebt. Du hast dich in mich verliebt."

"Das waren zwei völlig verschiedene Szenarien."

"Inwiefern waren sie verschieden?"

"Bei Danny war ich gefangen, wurde mitgerissen. Ich konnte das, was ich auf der Bühne fühlte, nicht von der Realität trennen."

"Und das ist bei uns nicht der Fall?"

"Nein, das ist es nicht."

Das war es ganz sicher nicht. Die ganze Zeit hatte sie sich vorgeworfen, die gleichen Fehler zu machen, die sie bei Junction Hospital gemacht hatte, und obwohl sie sich jetzt technisch gesehen zweimal hintereinander in ihren Hauptdarsteller verliebt hatte, waren die Umstände anders. Sie hatte wirklich angefangen, sich in Ryan zu verlieben, lange bevor sie angefangen hatten, sich am Set zu küssen.

Ihre Freundschaft und Anziehung hatte sich vom ersten Moment an zu etwas aufgebaut, als sie ihn kennengelernt hatte. Sie hatte sich um ihn gesorgt, ihn respektiert und ihn von Anfang an gemocht. Und die Anziehungskraft, die sie als Frau für ihn empfand, kombiniert mit den Fantasien, die sie als Teenager um ihn herum aufgebaut hatte, war zu schwer zu ignorieren gewesen. Hätte sie ihn durch einen Freund oder auf anderem Wege kennengelernt, wäre ihre Reaktion dieselbe gewesen. Es war nicht nur eine Sache am Set. Was sie für Ryan empfand, war viel, viel größer.

Was nur bedeutete, dass es hier so viel mehr Potenzial gibt, verletzt zu werden.

"Habe ich jemals erwähnt, dass ich ein Poster von dir an der Wand hatte, als ich fünfzehn war?", fragte sie ihn, bevor sie sich eines Besseren besinnen konnte.

Ryan schüttelte den Kopf, während sich ein träges, überhebliches Grinsen auf seine Lippen ausbreitete. Sie errötete jetzt heftig, und das hatte nichts mit der Wirkung des Weins zu tun.

"Warum? Willst du damit sagen, dass wir eine Fantasie ausleben, die du dir als Fünfzehnjährige ausgedacht hast?"

Mac hätte nicht gedacht, dass es möglich war, noch stärker zu erröten, aber sie tat es. Sie klang wie eine Art vernarrtes Fan-Girl. Warum hatte sie es erwähnt? Erstaunlicherweise sah er nicht so aus, als wollte er sie zur Tür hinausstoßen. Er konnte sich nur das Grinsen nicht verkneifen.

"Als ich herausfand, dass ich mit dir bei Harts Valley zusammenarbeiten würde, war ich nervös und ein wenig aufgeregt, aber mehr auf der Hut. Ich wollte meine Karriere nicht riskieren, nach allem, was gerade mit Danny passiert war, und ich wusste, dass ich es mir nicht leisten konnte, die Tage meiner ... Verliebtheit noch einmal zu erleben. Aber ich fühlte mich .... von Anfang an zu dir hingezogen. Und als wir uns besser kennenlernten und anfingen, als Freunde abzuhängen, fing ich an dich zu mögen. Und zwar sehr. Und dann hat mich die Anziehung und alles andere einfach ... überwältigt. Ich will damit sagen, es war nichts im Vergleich zu der leichten Verehrung und der Bühnenchemie, die ich mit Danny hatte."

"Ich verstehe."

Sie hatte gerade ihr Herz ausgeschüttet und sich blamiert, als sie über ihre dumme Teenager-Schwärmerei gesprochen hatte, und das war alles, was er dazu zu sagen hatte?"

"Bist du fertig?", fragte er und deutete auf ihren Teller, den sie schon vor langer Zeit aufgegeben hatte, weil ihre Nerven ihren Magen auf und ab hüpfen ließen.

"Ich denke schon."

"Gut.", sagte er, stand auf und hielt ihr seine Hand hin.

"Was ist mit ...", sie brach ab, als sie die blanke Lust sah, die in seinen Augen brannte.

Sie mussten weiter miteinander reden, oder? Das sollten sie nicht tun, bevor sie nicht alles geklärt hatten, und sie hatte immer noch keine Ahnung, wie sie eine Beziehung führen sollten, wenn ihr Chef dagegen war und sie ihren Job verlieren könnten.

"Vergiss die Pasta, vergiss den Abwasch. Vergiss alles.", sagte er, während er sie aus ihrer sitzenden Position hochzog und sie an seine Brust drückte.

Sie spürte, wie ihr Atem ihre Lungen verließ, als sein Blick einen Moment lang den ihren suchte. Als er die Antwort fand, die er suchte, senkte er seinen Mund auf ihren und küsste sie. Ihr solltet wirklich reden. Ihr müsst das wirklich besprechen. So viel Gefahr. So viel potenzieller Herzschmerz. Wie um alles in der Welt soll das funktionieren? Das musst du herausfinden, bevor du wieder mit ihm schläfst.

Sie öffnete ihren Mund, um ihn das zu sagen, aber dann wanderten seine Hände zu ihren Hüften und er hob sie an, damit sie ihre Beine um ihn schlang, genauso wie sie es getan hatte, als sie ihn früher am Tag geküsst hatte. Anstatt ihm zu sagen, dass sie aufhören sollten, gab sie so ein bedürftiges und flehendes Geräusch von sich, dass er den Kuss vertiefte, bis sie vor Verlangen zitterte und äußerst dankbar dafür war, dass er sie festhielt. Wem wollte sie etwas vormachen? Sie würde niemals in der Lage sein, irgendwas zu durchdenken, bevor sie nicht das Feuer gelöscht hatte, das er in ihr entfacht hatte.

Ryan hatte von dem Moment an, als er die Tür geöffnet und Mac in ihrem kleinen schwarzen Kleid gesehen hatte, gewusst, dass es schwer werden würde, die Finger von ihr zu lassen. Er hatte den größten Teil des Abendessens überstanden, und das war lobenswert, denn es hatte ihn viel Mühe gekostet, nicht so an sie zu denken - mit ihren langen, perfekten Beinen, die sich um seine Hüften legten, ihren Körper, der auf seinen wartete.

Zu sehen, wie sie errötete und ganz verlegen darüber war, dass sie mit fünfzehn ein Poster von ihm an der Wand hatte, war so ziemlich das Süßeste und Heißeste, was er je in seinen Leben gesehen hatte. Und jetzt lag sie in seinen Armen, und er wollte sie auf keinen Fall gehen lassen.

Er wusste nicht, wie sie diese Sache zwischen ihnen regeln würden. Er wusste nicht, wie sie mit Blainesworth oder ihren Unsicherheiten bezüglich Lyndel umgehen würde, oder überhaupt mit irgendwas anderem, aber in Moment konnte er sich nicht davon abhalten, daran zu glauben, dass sowieso alles gut gehen würde.

Sie liebte ihn. Sie war in ihn verliebt, und er war in sie verliebt. Die Anziehungskraft und Freundschaft zwischen ihnen hatte sich für sie in etwas verwandelt, das so viel mehr war - etwas, das sie überwältigte - und er verstand das nur zu gut, weil es auch für ihn so viel mehr war. Es überwältigte auch ihn.

"Ich weiß, wir haben noch einiges zu besprechen.", sagte er. "Aber willst du die Nacht  mit mir verbringen, Mackanzie?"

"Ja.", antwortete sie.

Ihre Antwort war Musik in seinen Ohren und erfüllte sein Herz mit Hoffnung. Es würde alles gut werden. Das musste es.

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