☔︎ Lavender Boy ☔︎
Close To You Piano Cover - Carpenters
Der Duft von getrockneten Lavendel umhüllte mich, als ich den kleinen Bücherladen betrat. Erleichtert, endlich geschützt vor dem strömenden Regen zu sein, strich ich mir die feuchten Strähnen aus dem Gesicht, welche mir vor den Augen hingen. Ich zuckte leicht zusammen, als die alt eiserne Tür mit einem Klingeln, was von einem kleinen Glockenspiel ausging, sich hinter mir schloss.
Interessiert, über den wahrlich verwunschenen Anblick, der sich mir bot, glitten meine Augen über den kleinen, verwinkelten Raum. Kurz darauf schloss ich jedoch diese und genoss für einen Moment den magischen Geruch von alten Büchern, Staub und Lavendel. Zögerlich wandte ich mich nach rechts, wo hinter einem alten, antik aussehenden Schreibtisch aus dunklem Holz den Besitzer dieses Geschäfts vermutete.
Immerhin war das Geschäft offen, vielleicht konnte ich nach dem Weg in die Innenstadt fragen, – nur ich konnte mich beim Joggen verirren – doch der Regenguss kam derart unerwartet, dass ich mich kurzerhand bei der Suche nach einem Unterstand in den kleinen Gassen der Altstadt verlaufen hatte.
Aber es war bis auf mehrere, ungleich gestapelte Haufen, von abgegriffenen, in altem Leder gehüllten Büchern niemand zu sehen. Die angenehme Stille und die Ruhe, die der kleine Laden ausströmte, ließen mich wohl und geborgen fühlen. So, als wäre ich endlich angekommen, obwohl ich eigentlich eben das nicht war.
Kurz straffte ich meine Schulter, unangenehm klebte das teils durchgeschwitzte, teils mit Regen vollgesogene T-Shirt an meinem Oberkörper. Kurz verzog ich mein Gesicht, einfach nur ekelhaft. Hoffentlich würde ich das bald loswerden und duschen können. Etwas mutiger, ging ich einige Schritte in Richtung eines sehr wackelig aussehenden Bücherregals. Dieses hatte definitiv – wie dem Anschein nach vieles hier – seine besten Zeiten bereits längst hinter sich.
Zögerlich griff ich nach einem schweren, mit in Altschrift verfassten goldenen Lettern auf dem breiten Buchdeckel, Wälzer und zog diesen langsam hinaus. Wenn ich mir schon die Zeit vertreiben musste, bis sich entweder das Unwetter gelegt oder ein Mensch angefunden war, dann wenigstens sinnvoll.
Er war schwerer als gedacht, lag dennoch gut in der Hand. Das Buch schien bereits einige Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte, in dem Regal zu stehen. Leicht angeekelt, aber auch neugierig wischte ich die Spinnenweben von den Seiten und dem zerfledderten Buchrücken. Vorsichtig klappte ich den rötlichen Buchdeckel auf und musste leicht niesen. Ich fühlte mich wie in einem Film oder einem Abenteuerroman, kurz davor etwas Besonderes, außergewöhnliches wie einen verschollenen Schatz zu entdecken.
Kurz schmunzelte ich bei meinem Gedanken, als Kind hatte man sich eben das immer gewünscht. Doch jetzt sehnte ich mich mehr nach einer heißen Schokolade als dem Fund meines Lebens...
Der Staub, der von diesen Seiten aus ging, kitzelte empfindlich in meiner Nase. Während ich versuchte die altertümliche, verschlungene Schrift zu entziffern, schreckte ich leicht auf als ein Wassertropfen, der sich von meinen Haaren gelöst hatte, auf die einstmals weißen und mittlerweile angegrauten, sogar hier und da leicht angefressenen Seiten fiel.
Ich verfolgte verträumt und ein wenig abgedriftet, wie dieser über die mit schwarzer Tinte verfassten Buchstaben glitt und das dicke Papier ihn aufsog. Nur die leichte Verfärbung der nun feuchten Stellen, über die der Tropfen geglitten war, zeugte von diesem. Ein Wort war nun in dem grau getränkt und stach heraus. Nach einiger Zeit hatte ich es geschafft, es zu entziffern. ℓανєη∂єя вσу.
Ich zog meine Augenbrauen zusammen. Lavendeljunge? Was hatte das zu bedeuten? Mit meinem Finger fuhr ich über die anmutigen Striche, aus denen sich das Wort zusammensetzte. Doch bevor ich mich hier festlesen und mich auf den mit Teppich überzogenen Boden setzen würde, stellte ich es mit einem leichten aufseufzen zurück.
Eigentlich wollte ich nur der Nässe entfliehen und nicht meine Nase in schmutzige Bücher stecken. Mir war kalt, meine Nase lief und auch generell war jetzt nicht der richtige Zeitpunkt dafür, ich konnte ja an einem anderen Tag wieder hierherkommen.
Jetzt sollte ich mich erstmal um meinen Heimweg kümmern, es setzte bereits die Dämmerung ein, immerhin war es bereits seit heute Früh düster und trüb. Nicht, dass ich Angst im Dunkeln hatte, nein... ich mochte es einfach nicht noch mitten in der Nacht um die Häuser zu streunen, auch wenn dies hier nur eine Kleinstadt war.
Behutsam strich meine rechte Hand über die vielen Buchrücken, während ich meinen Blick weiterhin im Raum umherschweifen ließ. Es schien keine Lampen, vielleicht nicht mal elektrischen Strom in diesem Geschäft zu geben. Jedoch brannten hier und da einzelne Kerzen oder dreiarmige Kerzenständer, was mich kurz an die sicherlich nicht geringe Brandgefahr denken ließ.
Ausschließlich ein großer, aus vergoldeten Ranken und Blüten bestehender Kronleuchter, welcher am anderen Ende des Raumes hing und diesen erleuchtete, erhellte halbwegs in einem sanften Schimmern das verzweigte Labyrinth der Regale.
Durch ein großes, verstaubtes Fenster an der Decke drang Licht, welches sich sanft und träumerisch durch die vielen Gänge ausbreitete. Es hatte die Form einer Rose, in verschiedenen Mustern und Farben dargestellt. Das wilde Durcheinander von Blau, Rot und Gelb bildeten Wirbel, die ineinander verschlungen zum nächsten hinübergingen.
Durch die vereinzelten Sonnenstrahlen, die dadurch fielen, sah man den schwebenden Staub in der Luft, der den warmen, goldenen Schimmer des Lichtes aufnahm und sich wie in Zeitlupe sich auf die hölzernen Regale und Bücher legte.
All dies erinnerte mich an eine Kirche, auch wenn ich ungläubig war und darauf beharrte, Atheist zu sein. Hier herrschte einfach eine andächtige Stimmung, welche mich unbewusst vorsichtig und leise bewegen ließ, jeder unnötige Ton sollte vermieden werden, um nicht diese Atmosphäre zu stören.
Ein Geräusch ließ mich überrascht aufhorchen, schien immer lauter zu werden, bis ich es schlussendlich als die sanfte Melodie eines Klaviers entziffern konnte. Huh? War ich demnach doch nicht so allein, wie ich mir gedacht hatte? Ich neigte nachdenklich meinen Kopf zur Seite und schloss erneut meine Augen, um ausmachen zu können, woher die Musik kam.
Entschlossen straffte ich meine Schultern und ich atmete abermals tief durch, was mich lautstark niesen ließ. Automatisch blickte ich mich um nach jemanden, den ich damit gestört haben könnte. Doch selbstverständlich kam keine Reaktion, auch das Klavierstück endete nicht so abrupt, wie ich kurz darauf befürchtet hatte.
Leise, so als ob ich die sachten Noten, die sich zu einer Melodie zusammensetzten, nicht verschrecken wollte schritt ich in Richtung Kronleuchter, welcher in der Mitte des Saales hing. Dabei stach mir die Deckenbemalung ins Auge, welche mich kurz stocken ließen. Mit vor Erstaunen leicht geöffnetem Mund betrachtete ich die detailreichen Pinselstriche, welche zu einem Ganzen wurden, wenn man genauer hinsah.
Blüten, Blätter, kleine Vögel – vielleicht Kolibris – und noch weitere Gestalten, Tiere konnte ich entdecken. Wie war ich nur hier gelandet? Wieso hatte mir niemand etwas über diesen geheimnisvollen und atemberaubenden Ort erzählt? Ein unbekanntes Gefühl durchfuhr mich, eine Art sehnen nach neuem, das Kribbeln von Vorfreude und Aufregung machte sich in mir breit und ließen den kurzen Anflug von Müdigkeit, welcher mich seitdem ich durch die Tür getreten war, verfliegen.
Meine behutsamen Schritte wurden von dem roten, samtigen Teppich verschluckt, der sich über den ganzen Boden zog. Langsam schienen die Töne lauter zu werden, vielleicht kam ich ihnen auch näher?
Ich lugte um das nächste Regal, in dem sich nach Grüntönen geordnete Bänder befanden, welche allesamt von der Pflanzenkunde im alten England handelten, was man unschwer an den verschlungenen Buchstaben erkennen konnte, die auch hier in Gold auf dem breiten Buchrücken eingefasst waren.
Am Ende des langen Ganges aus hölzernen Bücherregalen stand in der Mitte auf einem kleinen Podest ein schwarzer polierter Flügel, der in dem Halbdunkel glänzte, das gedämmte Licht der Kerzen reflektierte sich leicht auf der Oberfläche.
Langsam und schon fast andächtig führten mich meine Beine wie von selbst dorthin. Scheinbar hatte ich soeben den einzigen Gegenstand entdeckt, auf dem sich keine dicke Staubschicht gebildet hatte. Eine einzelne, tiefrote Rose lag auf dem mattschwarz lackierten Holz. Sie schien weder vertrocknet noch frisch gepflückt, beinahe zeitlos.
Auf ebendiesem stand eine sechseckige Spieluhr, auf dessen Spitze sich langsam eine grazile Figur um sich selbst drehte, Arme hoch in die Luft und ein Bein weit von sich gestreckt. Fasziniert beobachtete ich die kleine Ballerina, welche befremdlicherweise geflügelt war. Sie schien förmlich zu schweben, nur wenn man genau hinsah, konnte man die dünne Nadel sehen, auf dieser sie befestigt war. Sie drehte und drehte sich, immer und immer wieder zu derselben hauchzarten Melodie.
Eigentlich wollte ich näher an das Podest treten, um sie mir aus der Nähe anschauen zu können, doch ich traute mich nicht, wollte die Blase, welche sich um mich herum gebildet hatte nicht zerplatzen lassen. Es war, als ob mich etwas daran hindern würde.
Erst als mir leicht schummrig vor den Augen wurde bemerkte ich, dass ich all die Zeit meinen Atem angehalten hatte. Ich versuchte Luft zu holen, doch ich konnte nicht. Ich konnte schlichtweg nicht mehr einatmen. Verzweifelt keuchte ich auf, doch mehr als ein ersticktes Wimmern, welches über meine Lippen kam, brachte ich nicht von mir. Schwankend stützte mich an ein schiefes, mit dunkelblauen Büchern bestücktes Regal.
Aus dem nichts umhüllte mich der schwere Duft von Lavendel, schloss mich endgültig ein. Ich durfte keinesfalls jetzt einschlafen! Doch auch so sehr ich wollte, es war unmöglich. Ich musste bei Bewusstsein bleiben, aber mehr als ein sanftes Flattern meiner bereits halb geschlossenen Augenlidern brachte ich nicht zustande. Verzweifelt zwang ich mich, diese aufzuhalten. Doch etwas nahm mir meine Kraft, Lavendelgeruch drang zu meinem benebelten ich hindurch und ermüdete mich vollends.
Langsam sackte ich zu Boden, auf den weichen, staubigen Teppich. Ein Hauch von Lavendel strich sanft über meine Augen, sodass diese sich abermals schlossen. Meine Gedanken waren umhüllt von Lavendel, ich dachte nicht mehr an meinen Versuch, Sauerstoff zu mir zu nehmen, schien es mir nun doch so unwichtig.
Ein letztes Mal konnte ich meine Augen öffnen, blickten über die hohe, wunderschöne Decke über mir. Lila-blaue Blüten an langen dunkelgrünen Stängeln hingen komischerweise dicht an dicht gebündelt aneinander von dieser. Wann war das geschehen? Wie Schneeflocken fielen die kleinen Knospen auf mich hinab, Lavendel war um mich herum, auch in meinem Geist.
Ich fühlte mich high und schlussendlich wurde alles vor meinen Augen schwarz, ich verlor mein Bewusstsein.
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❝ υмgєвєη νση ℓανєη∂єℓ νєяℓιєß ι¢н ∂єη тяαυм υη∂ ωα¢нтє αυƒ- σ∂єя вєgαηη ι¢н єяѕт zυ тяäυмєη? ❞
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Ich hoffe, euch hat dieser OS ein wenig von einem Ort träumen lassen, an dem ihr auch mal gerne wärt...zumindest habe ich es mir während dem Schreiben gewünscht shshsh.
Ich hoffe, dass er auch in das Konzept der 'Library' passt uwu...falls jemand wissen will, wie es weitergeht, was passiert ist, die ist der Prolog meiner BoyxBoy Fantasy story 'lavender boy', welche ich seit Kurzem überarbeitet qwq.
Könnt auch gerne vorbeischauen UwU *innocent smile*
Hab euch lieb *hugs thightly* ; stay soft & cute, eure
@minousang
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Ich danke der lieben @minousang fürs beisteuern dieses schönen OS und würde mich freuen, wenn noch weitere Leute, die Initiative ergreifen und etwas einreichen würden, sonst hoffe ich natürlich, dass es euch gut geht!
Stay safe and love youself!
SUNN
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