Als Moriarty sich gerade wieder seinen Mantel übergestriffen hatte, kam Caleb in seine Kajüte gestürmt. Die langen Haare hatte er mit einem längstgerissenen Stück Stoff größtenteils bändigen können, dennoch hingen ihm einige Strähnen im Gesicht. Er atmete schwer und schien sichtlich aufgeregt zu sein. „Land in Sicht, Sir!", keuchte er, eine Hand auf sein schnell pochendes Herz gelegt. Sein Kapitän runzelte die Stirn. „Ich hatte nicht damit gerechnet das wir Nassau noch vor Sonnenaufgang zu sehen bekommen" Caleb schob wieder die Händen in die Taschen. „Thomas schien nicht überrascht zu sein, er sagte wir haben eine Geschwindigkeit von sieben einhalb Knoten" „So ?", fragte Moriarty überrascht und ging an dem Jungen vorbei, hinauf an Deck an dem die ganze Mannschaft stand und der weiß-grünen Fläche am Horizont entgegen sehnte. Darunter natürlich auch Miss Dilton und Sebastian Moran die ganz vorne am Bug standen.
Moriarty bahnte sich seinen Weg zu ihnen hindurch und zog sein Fernrohr aus seiner Manteltasche. Er spürte den Blick des Küchenhelfers und musste grinsen. Dann konzentrierte er sich auf die Bucht die er nun sehr vergrößert vor sich sah. Er konnte die Marianne sehen und die Develish Quest. Auch die Golden Rose und die Bloody Victory konnte er erkennen. Nassau würde sehr lebhaft sein, ganz anders als bei ihrer letzten Rast hier. Er seufzte. Er müsste sich dann wohl zwangsläufig mit der Gesellschaft von Rackham, Hornigold und Johnson rumschlagen müssen.
Er setzte das Fernrohr ab und wandte sich an seinen Navigator Smule. „Wir segeln nicht in die Bucht, wir beginnen gleich morgen früh mit der Überholung des Kiels. Mister Beckett, Hector und ich haben uns für den Nord-östlichen Strand entschieden. Dort sind viele Palmen und voraussichtlich keine anderen Schiffe" Smule salutierte. „Aye, aye Käpt'n"
Dann wandte er sich zu Moran herum. „Sie bleiben an meiner Seite wenn wir an Land sind. Wenn Sie voll und ganz zur Mannschaft gehören wollen müssen Sie sie verstehen. Sie sind Männer die ein Piratenleben führen und um dieses kennen zu lernen sollten Sie sich von mir führen lassen" Der Mann war blass geworden. Aber er schluckte tapfer. „In Ordnung" James grinste und hielt ihm seine Hand hin. „Als dann" Moran schlug ein. „Als dann"
_..._
Der Strand war atemberaubend. Die Luft erschien dort viel fruchtiger und blumiger. Der Sand war weiß und feinkörnig und der Wind ließ die Blätter rascheln. Sie hatten mit kleinen Booten übergesetzt und standen nun im Halbkreis um Moriarty versammelt auf dem Grund.
„Wir werden morgen früh pünktlich beginnen den Kiel zu überholen. Dafür werden wir das Schiff so nah an die Küste bringen wie möglich und es dann die letzten Meter mit Seilen ziehen. Diese Seile werden wir um diese Palmen wickeln und das Schiff so in eine Schieflage bringen. Dann wird es für uns einfacher sein die Muscheln abzukratzen und den Kiel neu zu teeren" „Was ist mit einem Hurenzelt ?!", fragte einer der Männer. Sebastian glaubte es sei Mister Cooper gewesen. „Und was zu essen ?!"
Er fragte sich was ein Hurenzelt sein sollte. Miss Dilton die neben ihm stand bemerkte seine Verwirrtheit. „Zum vögeln. Sie bauen ein Zelt auf, holen ein paar Huren und abgewetzte Matratzen her und dann können die da ficken. Ist abartig aber naja" Sie zuckte mit den Achseln während Sebastian das Gehörte verarbeitete. In einem Zelt. An einem Strand. Auf alten Matratzen. Mit Huren.
Angewidert schüttelte er den Kopf.
„Ich werde mich um beides kümmern", sagte Moriarty beruhigend. Die Männer jubelten. Sebastian hatte sich ihnen gegenüber noch nie so fremd gefühlt.
Nach der Verteilung der Anteile an der letzten Prise, brachen sie schnell auf. Der Strand wurde von einem dichten Palmenwald von dem Rest Nassaus getrennt und war so sehr ruhig. Ruhig wollten die Männer in diesem Moment aber nicht. Sebastian hörte wie sie hinter ihm davon sprachen endlich wieder Frauen zu sehen und guten Schnaps und Wein zu trinken. „Ich gehe sofort in's Brothel Hugo, ich sag's dir!" Der Schreiber lachte. „Ich hol' mir erstmal ein saftiges Steak man das hab ich mir nach diesem langem Fisch-und Zwiebackgegesse wirklich verdient!" „Ich freu mich auf John Harker den alten Schinken!" Sie lachten. „Der hat bestimmt wieder ein paar ordentliche Geschichten zum Besten zu geben" So erzählten sie weiter und weiter und Sebastian bemerkte wie er unruhig und neugierig wurde. Er wollte wissen warum Hector bei dem Namen Helen so gelacht hatte und was John Harker schon alles erzählt hatte. Wer Troy war und wie seine Freundschaft zu dem Sklaven Marley entstanden war.
Er ekelte sich vor sich selbst. Er hatte nie so sein wollen, so interessiert an dem Leben eines Piraten, nie so neugierig darauf wie es war so zu sein wie einer.
„Und wonach dürstet es dich ?" Sebastian zuckte zusammen und sah von den Palmwedelbüschen auf. Doch die Frage war nicht an ihn gerichtet sondern an Miss Dilton. Sie seufzte. „Ich hoffe ich sehe Anne wieder" Moriarty zwischen ihnen lächelte. „Sie ist auf jeden Fall in Nassau, ich habe die Golden Rose in der Bucht gesehen" Miss Dilton lachte. „Na wer weiß ob sie noch lebt" „Das lässt sich schnell in Erfahrung bringen" Sie lachten wieder dann wiederholte sie seine Frage. Er schlug ein Stück Dickgicht beiseite. „Ich hoffe auf wenige bis gar keine Gesellschaft" Er zwinkerte Sebastian zu. „Außer unserem Frischling hier" Sebastian runzelte die Stirn.
„Ich dachte sie wollten mir das Piratenleben näher bringen" „Das stimmt", wandte Moriarty ein, ein breites Lächeln auf den Lippen. Sebastian dachte für einige Sekunden das der Kapitän noch etwas sagen würde doch er schwieg und schlug die Plamenwedel beiseite.
Langsam wurde der Wald lichter und nach und nach ließ sich eine Bucht erkennen. Sie taten die letzten zwei Schritte und dann sah Sebastian das erste Mal Nassau. Es war genau wie Miss Dilton gesagt hatte.
Selbst, hier, noch am Rande der Stadt konnte Sebastian die Sünden spüren. Überall waren Männer in kleinen Gruppen und unterhielten sich. Ihre Füße waren nackt und vedreckt, die Hosen bis zu den Knien hochgekrempelt und als Oberteil diente meist nur eine dünne Weste oder ein zerrissenes oder gar kein Hemd. Ab und zu war auch eine Frau unter ihnen. Meist halbnackt und immer in den Armen von einem der Männer. Dazwischen huschten kleine Jungen und spielten Fangen.
Und es stank nach Rum.
Als würde der Sand daraus bestehen. Und wie er so unter seinen Stiefeln klebte, könnte es sogar so sein. Gleichzeitig überwältigt und angewidert folgte er Moriarty und Miss Dilkton weiter hinein in die Stadt.
Die kleinen Holzhütten wichen hohen Steinhäusern mit Balkonen und weit geöffneten Fenstern. Die Pastellfarben blätterten ab und zeigten hässlich grauen Sandstein. Auch die Menschen veränderten sich. Die Frauen waren angezogen, trugen Einkaufskörbe mit sich oder ranzige Sonnenschirme. Die Männer waren ebenfalls anständiger gekleidet. Sie trugen Schuhe, keine schönen oder hochwertigen, aber Schuhe und halbzugeknöpfte Leinenhemden in hellen Farben. Der Geruch nach Rum hatte abgenommen. Hier stank es nach Staub und Urin.
Es war abartig und Sebastian hasste es. Und dennoch; irgendetwas ließ ihn den Geruch immer und immer wieder aufsaugen bis er bemerkte das auch etwas Süßes in der Luft lag. Wie Karamell oder Zuckerrüben.
Sebastian bemerkte wie die Männer sich nach und nach auflösten. Hector und Jackson bogen nach dem Hufschmied rechts in eine Nebenstraße ein, Caleb, Robbie und ein anderer Junge in ihrem Alter gingen in ein Obstgeschäft. So brach die Mannschaft langsam auseinander bis nur noch an die fünf Männer mit ihnen gingen. Bis sie vor einem orange-rot gestrichenem Haus anhielten. Von drinnen konnte man die Leute lachen und trinken hören. Die vielen Fenster oben waren verdeckt und oft ziemlich schmutzig, so als ob sie wenig gebraucht würden.
„Endlich!", rief Mister Smule hinter ihm und rannte geradewegs durch die angelehnte Tür und stieß diese dabei weit auf. Sebastian verstand nun was dies hier war. Die nackten Frauen und betrunkenen Männer sprachen für sich.
Dies hier war das Brothel von Nassau.
Nach und nach verschwanden die restlichen Männer darin bis nur noch sie drei vor der Tür standen. Moriarty seufzte und wandte sich zur Seite. „Ich werde in der Taverne etwas trinken gehen. Wollen Sie uns Gesellschaft leisten, Miss Dilton ?" Sie seufzte und warf einen Blick in das Brothel. „Ich werde mich hier noch ein wenig umsehen. Geht ihr schon mal vor"
Und so kam es das Sebastian mit Moriarty alleine durch die Straßen von Nassau ging. Sebastian fiel auf das die Leute vor ihnen zurückwichen. Es hatte ihn erst daran erinnert wie Leute in London vor der Pest zurückwichen doch es war anders. Schneller, respektvoller. Sie hatten Angst, ging es ihm auf. Angst vor Moriarty. Er warf dem Mann einen Seitenblick zu.
Er sah nicht gefährlich aus. Nichteinmal ansatzweise. Er war klein, blass und nicht besonders muskulös.
Es mussten die Geschichten sein die ihnen Angst einjagten. Dieselben Geschichten die in Sebastian nur ungewollte Bewunderung und aufgrunddessen Hass hervorriefen. Er wandte seinen Blick wieder ab und schaute auf den Lehmboden.
Es war eine unangenehme Stille die zwischen ihnen lag. Sie fühlte sich dick und schwer an, wie der Schornsteinrauch in London. „Was trinken Sie gerne, Mister Moran ?", fragte Moriarty nun in einem neckischem Ton, seinen Säbel zurück in seinen Gürtel klemmend. „Whiskey", antwortete Sebastian knapp. Moriarty lachte auf. „Dann haben wir schon mal zwei Dinge gemeinsam" Sebastian hob eine Braue. „Zwei ?" Moriarty stieß die Tür der Taverne auf. Durch hohe Fenster an der Front und den Seiten war sie gut beleuchtet. Selbst am Mittag war sie sehr voll. Es waren größtenteils Männer anwesend. Nur an zwei der vorderen Tischen saßen einige Frauen. Es waren große Gruppen von fünf bis zehn Mann. Doch hinten, in einer dunkelen Ecke schräg hinter dem Thresen konnte Sebastian nur zwei Männer sehen. Einen mit einem auffälligem Bart und noch auffälliger Kleidung und einen etwas kleineren, glatt rasierten Mann mit rot-braunen langen Haaren in denen kleine Holzperlen eingeflochten waren.
Moriarty ging auf einen freien Tisch unter einem der Fenster zu. Man konnte das Treiben auf der Straße von dort aus gut beobachten. Sebastian hatte das Gefühl das er keine andere Wahl hatte als ihm zu folgen also tat er das. „Ja zwei Dinge", griff Moriarty ihre Konversation wieder auf nachdem sie sich gesetzt hatten und er seinen Hut abgenommen hatte. „Whiskey und eine andere Vorliebe über die wir an einem Ort wie diesem nicht sprechen sollten" Er zwinkerte und winkte das Mädchen hinter dem Thresen herüber.
Hastig fuhr sie sich durch die Haare und kam dann schnellen Schrittes auf sie zu. „Das Übliche Kapitän Moriarty Sir ?" Er nickte. „Und für meinen Freund hier dasselbe" Sie hatte sich schon herumgewandt als er sie am Arm festhielt. Es war kein fester Griff, jedoch schaute sie ihn an als würde er sie gleich erwürgen wollen. „Wo befindet sich Bonny ?" Das Mädchen schluckte und deutete hinter die Bar.
„Dort drüben Sir, in Begleitung von Kapitän Rackham Sir" Ihre Stimme zitterte. Man merkte ihr deutlich an das sie um ihr Leben fürchtete. Moriarty ließ sie frei, ein verschlagenes Lächeln auf den Lippen. „Danke Rosemary" Sie nickte und rannte schon fast zurück zum Thresen. Ihr Kinn zitterte heftig. Sebastian zog die Brauen zusammen. Vielleicht hörten sie hier andere Geschichten, schlimmmere Geschichten. Oder das Mädchen war einfach von ängstlicher Natur. Doch das konnte Sebastian sich nicht vorstellen. Man arbeitete nicht auf einer Pirateninsel in einer Taverne wenn man ängstlich war.
Er wandte den Blick von der Blondine ab und schaute hinaus auf die Straßen. Und plötzlich stellte sich ihm eine Frage die er sich noch nie gestellt hatte obwohl sie doch so offenkundig war. Es hätte die erste Frage sein sollen die ihm einfiel wenn er von Nassau hörte, doch das war sie nicht. Stattdessen kam sie ihm erst jetzt in den Sinn.
„Wem gehört Nassau ?", fragte er gerade in dem Moment in dem das Mädchen eine Flasche Whiskey und zwei Gläser auf den wackeligen Tisch abstellte. Moriarty lachte auf. Es war ein höchstamüsiertes Lachen, als hätte Sebastian einen unglaublich lustigen Witz gemacht.
„Niemandem. Sie glauben doch nicht im Ernst ein Gouverneur wäre so bestechlich das er so viele Piraten auf seiner Insel beherbergen würde", er lachte erneut während Sebastian die Stirn runzelte. „Aber wie sind Sie an diese Insel gelangt, er wird Sie Ihnen ja wohl nicht freiwillig übergeben haben" Moriarty nahm einen Schluck seines Whiskeys.
„Nun die Leute sagen wir haben sie ihm gestohlen"
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Leute macht euer Praktikum bei Thalia!
Coole Leute, Bücher, sortieren - und am Ende kriegt man ein Buch seiner Wahl geschenkt! :)))
Die Filiale in der ich war war extrem cool weil die Mitarbeiter so nett waren :) (Ich würde sie ja jetzt grüßen aber ich bin paranoid und habe Angst vor Stalkern)
Also zum Chappie:
Wie findet ihr Nassau?
Würdet ihr gerne dort leben? Warum ja, warum nein?
Habt ihr schon Vorstellungen oder Ideen was als nächstes passieren könnte?
Kennt ihr einen der genannten Kapitäne ?
(Nicht alle sind real, ein oder zwei hab ich mir ausgedacht ;))
Welches Buch lest ihr gerade ?
So ich gehe jetzt meinen Donut essen und an meinem Praktikumsbericht schreiben
einen wunderschönen Abend euch noch
- Mavis
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