45.

Lian's P.o.V.

"Was hast du gesagt?", frage ich wütend. Will er mich hier mit meiner einzigen Schwäche ablenken? Aber ich kann ihn auch nicht umbringen, wenn er etwas über Pia weiß.
Energisch halte ich ihn am Oberkörper fest und warte aufgebracht auf seine Antwort.
"Sie hat ihn getötet und liegt jetzt auch da drunter.", stammelt er sichtlich verzweifelt. Aber auch dieses Schauspiel überzeugt mich nicht ganz.
"Wieso sollte dich das interessieren?", hake ich streng, aber innerlich unruhig, nach.
"Sie rettete mein Leben und wir freundeten uns an. Ihr Leben zu retten, das bin ich ihr einfach schuldig."

Kurz überlege ich noch zweifelnd, aber ich glaube ihm. Den letzten Beweis suchend, ziehe ich die Luft noch einmal ein. Das ist Pias Geruch!
Mein Herz zieht sich vor Schmerz und Angst zusammen und ich lasse die Wache augenblicklich los.
"Wir müssen die Brocken wegräumen!", schreie ich außer mir vor Sorge und packe bereits das erste große Stück unter mir.

Pia? Ist alles okay? Pia! Hörst du mich?, versuche ich es immer wieder. Eine Antwort erhalte ich allerdings nicht, was meine Sorge vergrößert. Ich habe Angst, solche Angst! Noch lebt sie, das kann ich spüren. Aber wer weiß, wie lange noch.

Sie muss mir gefolgt sein und mit der Handgrante, die ich ihr gegeben habe, unser aller Leben gerettet haben, fügen sich die Puzzleteile in mir zusammen. Gleichzeitig räume ich so schnell wie möglich mit den anderen die Wandstücke zu Seite.
Schneller als erhofft, aber trotzdem unendlich langsam, kommen Teile von Pia unter dem Geröll zum Vorschein.
Aber auch Geröll neben ihr bewegt sich scheinbar von alleine und lenkt mich ab. Eine Hand erscheint zwischen zwei Mauerresten und gehört definitiv nicht Pia.
Es muss die Hand des Anführers sein, da bin ich mir sicher.
Holt auch ihn raus und bringt ihn um!, beauftrage ich Timo wütend. Am liebsten würde ich ihn selbst umbringen und ihn den Schmerz empfinden lassen, den er mich dem letzten Tag ausgesetzt hat. Aber dafür habe ich keine Zeit, da mir Pias Gesundheit wichtiger ist!
Ich richte ihn für dich zu, Lian!, versichert mir Timo und ich konzentriere mich ein wenig besänftigt auf die Steinbrocken über Pia.
Als endlich alles von ihr weg ist, greife ich ihr verzweifelt unter den Rücken und hebe sie behutsam hoch.

Sie hätte ihr Leben für uns gegeben!
Diese Erkenntnis treibt mir die Tränen in die Augen während ich ihre Haare zur Seite streiche. Ihr Gesicht ist unverletzt! Sorgsam suche ich ihren weiteren Körper ab und entdecke an ihren Armen rote Flecken. Mit diesen muss sie versucht haben, sich zu schützen.
Vorsichtig betrachte ich ihre Beine, aber auch die sind zum Glück unverletzt. Erleichtert atme ich auf, da sie anscheinend nicht in Lebensgefahr ist.
Trotzdem gehe ich so schnell ich kann zum Ausgang und halte sie so geschützt wie möglich. Hier können immer noch andere Fledermäuse sein.
Redet mit der Wache und kümmert euch dann entsprechend um die Lage! Ich denke, dass nicht alle schuldig sind, so wie die Wache auch, gebe ich eine letzte Anweisung an mein Rudel, um mich dann voll und ganz meiner Mate zu widmen.

Erleichtert und besorgt zugleich trete ich endlich aus der Höhle und steige gleich in das danebenstehende Auto ein. "Fahr bitte sofort zum Krankenhaus.", weise ich meine Rudelmitgliedin an, die daraufhin sofort Gas gibt. Durch die abfallende Anspannung lehne ich mich erschöpft nach hinten und betrachte meine Mate.
Immer wieder kann ich dem Drang, ihr wunderschönes Gesicht zu küssen, nicht wiederstehen.
Dabei überrollt mich die Müdigkeit, weil ich die letzte Nacht nicht geschlafen habe, beinahe im Sekundentakt, aber ich halte meine Augen zwanghaft offen.
"Kam meine Mate vorher schon einmal zum Auto?", frage ich Sina nachdenklich.
"Nein, Alpha.", erwidert sie tonlos.

"Du kleine, eigensinnige und tapfere Mate.", beschimpfe ich, die in meinen Armen liegende, Pia liebevoll. Aber wäre sie nicht da gewesen, würde es mich jetzt wahrschienlich nicht mehr geben.
Schnell steige ich aus, als das Auto hält, und laufe mit ihr ins Krankenhaus.

Lian?, höre ich sie in meinem Kopf flüstern und halte kurz vor dem Eingang inne.
Ja, Mate?, frage ich sie liebevoll und leicht schuldbewusst. Sie muss aufgewacht sein, da ich sie beim Laufen zu sehr durchgeschüttelt habe.
Meine Arme tun weh.
Wir sind gleich im Krankenhaus, verspreche ich ihr und setzt meinen Weg fort.

Im Eingang werden wir sofort in Empfang genommen und in einen Raum geschickt.
Immer wieder begegnet Pias unruhiger Blick dem meinen.
Ist Drakula tot?, fragt sie mich schließlich leise, als ich gerade ihre Hand streichle.
Wer ist Drakula, Pia?
Verwirrt streichle ich weiter ihre Hand. Wen meint sie mit Drakula?

Der mit der Handgranate.
Ja, er ist tot, versichere ich ihr zutraulich, du brauchst keine Angst mehr vor ihm zu haben.
Die aufgehende Tür unterbricht unser Gespräch abrupt und ich drehe mich alamiert um.
Pias Hand, die meinen Arm ergreift, lässt mich ruhiger werden und den Arzt das Zimmer betreten.
Das ist kein Feind, er wird ihr helfen, halte ich mir vor. Von meinem Entschluss eine Erste-Hilfe-Ausbildung zu machen hält mich das allerdings nicht ab.
Es ist besser, wenn ihr Mate ihr helfen kann und nicht so ein fremder Schnauzbart.

Nachdem er sich vorgestellt hat und die Untersuchung durchgeführt wurde, für die Pia unter anderem gerönkt wurde, bekommt sie einen Gips am linken Arm angelegt. Ihr rechter ist zum Glück nur geprellt. Einen Folgetermin lehne ich dankend ab, da mir unser Rudelarzt definitv lieber ist.
Zusätzlich erwähnt der Arzt eine Gehirnerschütterung und viel Ruhe für die nächsten Tage, anschließend verlässt er das Zimmer.
"Der übertreibt doch.", entgegnet Pia missmutig.
"Ruhe bekommst du, ob du willst oder nicht. Ein bisschen Frühstück am Bett und Fernseh schauen mit mir wird dir doch ganz gut tun.", überzeuge ich sie grinsend, um sie mir anschließend zu schnappen und aus dem Raum zu tragen.
Das Gefühl meine Mate endlich wieder bei mir zu haben, auch wenn es nur einen Tag der Trennung war, ist überwältigend.
Voller Freude sie wieder bei mir zu haben, drücke ich sie weiter an mich und ignoriere ihr erschrockenes Quieken.
"Lian, das ist peinlich. Lass mich runter.", empört sie sich. Aber auch das kann meine Laune jetzt nicht mehr trüben. Ich habe meine Mate wieder und sie wird wieder ganz gesund!
Ich kann es nicht mehr erwarten ihr unser Haus zu zeigen und lege noch an Tempo zu, während uns alle im Krankenhaus nachschauen. Manche mit einem grimmig, genervten Gesichtsausdruck und andere mit einem sehnsuchtsvollen Lächeln.
"Lian! Mein Arm tut weh. Lass mich lieber runter!", greift meine Mate zum nächsten Argument, da ihr unser Auftritt sichtlich peinlich zu sein scheint. Zwar verlangsame ich meine Schritte wieder, aber was sollen mich irgendwelche Leute hier aufhalten?
Mit einem Lächeln auf dem Gesicht trage ich sie aus dem Gebäude und gehe auf unseren Wagen zu. Galant öffne ich ihr die Tür mit einer Hand und setzte sie anschließend ins Auto.
Wir haben Keran im Kerker gefunden, dringt Timos Stimme über den Leader-Link zu mir hindurch. Super, geht's ihm gut?, frage ich erfreut, meinen einen Tic wiedergefunden zu haben.
Ja, alles in Ordnung.
Mit einem noch größerem Lächeln setzte ich mich neben meine Mate ins Auto. Damit sind zwei weitere Probleme gelöst, freue ich mich und ergreife ihre Hand. Wir wissen, wer Pias Namen im Kerker wusste und wir haben Keran wiedergefunden!

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