39.
Pia's P.oV.
Entschlossen, mich nicht unterkriegen zu lassen, öffne ich die Tür und schaue mich nach Xamin um. Wie erwartet steht er in der Ecke, in der er auch schon das letzte Mal stand.
"Ich wäre dann bereit.", gebe ich ihm ein wenig nervös Bescheid. Soll ich Lian auch Bescheid sagen? Wäre wohl besser, dass ich noch einmal mit ihm rede, bevor ich umgebracht werde vom Anführer.
Du Lian. Ich gehe jetzt zum Anführer, okay? , spreche ich ihn beruhigend an. Am Ende regt er sich sonst nur noch mehr auf und das können wir beide nicht gebrauchen. Während ich auf seine Antwort warte, geht Xamin vor, den Gang nach links entlang.
Angespannt folge ich ihm und behalte meine Umgebung dabei genaustens im Auge. Werde ich hier an der Decke baumelnde Fledermäuse zu Geischt bekommen? Nervös schaue ich mich in dem höhlenartigem Gang um, kann aber nichts Sonderliches erkennen.
Du schaffst das, Pia. Mach das Beste draus..., höre ich Lian besorgt antworten. Das Beste? Mein Ziel ist es das Schlechteste zu vermeiden! Ich schicke ihm trotz meiner Bedenken ein 'Ja' zurück und konzentriere mich lieber auf meine Umgebung.
Mittlerweile habe ich das Gefühl schon zehn Mal abgebogen zu sein und weniger sehen zu können als am Anfang. Müssten sich meine Augen nicht an die Lichtverhältnisse gewöhnen oder wird es wirklich dunkler?
Hibbelig folge ich Xamin weiter, biege noch einige Male ab und schaue mich weiter aufmerksam um, bis wir vor einer großen Stahltür stehen bleiben. Ist das hier ein Sicherheitsbunker, oder was?
"So, Pia. Jetzt musst du es alleine weiter. Der Anführer wartet gleich hinter der Tür auf seinen Thron. Du sollst dich vor ihm verneigen.", erklärt Xamin mir in einem ungewohnt, neutralen Ton.
Und das ich mich verneigen soll, kann er sich doch gleich abschminken! Hat er plötzlich die Seiten gewechselt, oder wie?
Ein bisschen verärgert und von seinem Verhalten verunsichert, möchte ich ihm wiedersprechen. Aber bevor ich nur ansatzweise etwas sagen kann, presst sich seine Hand auf meinen Mund.
Erschrocken trete ich einen Schritt zurück und blicke ihn an. Seine Hand zeigt von seinem Mund, auf die Tür und anschließend auf sein Ohr.
Der Anführer kann uns hören? Kann das durch eine Stahltür funktionieren? Wahrscheinlich schon, da ja Magie im Spiel ist. Da kann alles wahr sein. Immerhin hat er wohl doch nicht die Seiten gewechselt. Mit einem Nicken gebe ich ihm zu verstehen, dass ich verstanden habe und trete dann auf die Tür zu.
Jetzt oder nie! Augen zu und durch!
Immer weitere sinnlose und nichtsbringende Gedanken strömen aufgeregt durch meinen Kopf, bis Xamin die Tür aufdrückt und dann zurücktritt.
Ich gehe nervös einen Schritt nach vorne und höre die Türe leise zuschwingen. Sofort bleibe ich stehen, da ich jetzt so gut, wie gar nichts mehr, sehe.
Am Ende stolpere ich noch und dann war es das komplett mit einem selbstbewussten Auftritt.
Still lausche ich auf meinem Platz und versuche auszumachen, ob der Anführer hier ist. Aber Xamin meinte ja, dass er auf einem Thron sitzt. Wenn ich jetzt noch wüsste wo der Thron ist, würde mich das auch noch weiterbringen. Wahrscheinlich amüsiert er sich gerade über meine Unbeholfenheit!
So ein feiger Typ! Ergötzt sich am Leid der Schwächeren!
Von meiner Wut getrieben, rufe ich laut in den Raum: "Sie können gerne das Licht anmachen, Herr Drakula!"
Als ich es bereits gesagt habe, realisiere ich, dass meine Wut meinen Verstand mal wieder übertroffen hat und das nicht besonders vorteilhaft ausgehen könnte. Einige Momente warte ich ängstlich, aber es passiert wieder nichts. Will der mich komplett verarschen? Ohne mit Folgen zu rechnen, rufe ich abermals hämisch in den Raum: "Oder sind sie so hässlich, dass sie sich nicht zeigen wollen?" Ich weiß jetzt auch nicht mehr, was gerade bei mir ab ging.
Ich höre daraufhin ein Fluchen von Lian, der sich anscheinend aber zurüchalten will. Er sagt nämlich nichts weiteres, sodass ich mich auf die Situation hier konzentrieren kann.
Ich spüre, dass mich etwas leicht an der rechten Schulter streift, und drehe mich schnell um. 'Okay, jetzt wird es ernst', denke ich und höre mein Herz laut in der Brust schlagen. Bestimmt hört er es auch.
"Ich und hässlich? Nein. Diese Peinlichkeit möchte ich nur dir ersparen.", raunt eine tiefe Männerstimme in mein Ohr. Aber allein von der Vorstellung, wie er neben mir steht, bin ich so angewiedert, dass ich schnell zurücktrete.
"Oh, hat meine Kleine etwa Angst?", stachelt er meinen Ekel und meine Wut weiter an. Wiederlich! Gleichzeitig ist auch ein Knurren von Lian zu hören.
"Ich bin nicht deine Kleine! Wie alt bist du eigentlich?", frage ich ihn aufgebraust. Was, wenn das so ein alter Knacker ist? Bääääh!
"Körperlich bin ich 42 für dich, meine Liebe. Wie alt du bist, muss ich ja nicht fragen."
"Was heißt körperlich?", gehe ich nicht auf seinen letzten Satz ein und frage stattdessen weiter nach. Je mehr ich über ihn weiß, desto besser, nicht wahr?
"Ich lebe schon 126 Jahre lang, Süße."
Geplättet von dieser Antwort schaue ich in die Richtung, wo er stehen muss. Der Mann muss beide Weltkriege miterlebt haben, war gleichzeitig mit Albert Einstein auf der Welt und hat die ersten Autos gesehen! Krass! Ich habe hier ein Geschichtsobjekt vor mir!
"Kannst du mir vom ersten Weltkrieg erzählen?", frage ich neugierig und vergesse fast meinen Ekel. Das ist immerhin eine einmalige Gelegenheit!
"Aber gerne doch, Schatz. Wenn du mir dafür auch etwas über dich erzählst?", stimmt er mit seiner schleimigen Stimme zu. Eine Gänsehaut überzieht meinen Körper, bei dem Gedanken Dinge von mir preiszugeben. Ist es das wert, um Sachen aus der Vergangenheit zu erfahren? Wohl eher nicht. Und auch von Lian höre ich ein lautes Nein in meinem Kopf.
"Nein, danke.", sage ich ironisch lächelnd. Ob er das sieht? Die Ironie hört er aber auf alle Fälle herraus.
"Wenn du das Persönliche überspringen willst, dann bitteschön. Kommen wir also gleich zum Geschäftlichen: Du wirst alle Aufgaben einer Anführerin übernehmen und dafür sorgen, dass alle sich an die Regeln halten. Dafür bekommst du immer genug zu Essen und zu Trinken. Wohnen wirst du bei mir, da du als eine meiner Gefährtinnen absofort immer in meiner Nähe bleiben musst. Dazu übernimmst du natürlich auch die Aufgaben einer Gefährtin. Auch mich zu befriedigen gehört dazu. Ich werde mir deshalb eine Etage mit dir und Vulvia teilen. Hast du sonst noch Fragen oder Änderungsbedarf, meine Liebe?", erklärt er mit einem vorfreudigen und hysterischen Unterton.
Mit dem Typen in einem Bett? Niemals! Empört schaue ich ihn an und überlege, was ich erwiedern soll.
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