30.

Lian's P.o.V.

Das bleibt immernoch meine Entscheidung, höre ich Pia entschieden in meinem Kopf flüstern und muss mich wirklich zusammenreißen, um nicht irgendetwas kurz und klein zu schlagen.
Bei dem Gedanken daran, dass die Arschlöcher meiner kleinen und unschuldige Mate in ihrer Gewalt haben, würde ich am liebsten alles kurz und klein schlagen. Es ist der Unmut über ich selbst, der mich so rasend macht. Ich habe es nicht geschafft, auf sie aufzupassen. Ich bin Schuld. Es ist die Sorge um Pia, die mich immer weiter voran treibt und mich meine Umwelt vergessen lässt.

Würden sie mich wirklich sexuell ausutzen?, höre ich sie derweil ungläubig fragen.

Sie werden es, wenn ich dich nicht rechtzeitig hole!, schießt es mir durch den Kopf. Aber das lasse ich ihr nicht zu Ohren kommen. Ich möchte sie nicht weiter verunsichern.
Denn egal ob sie gefoltert oder missbraucht wird, es sind die beiden schrecklichsten Dinge, die sie uns antuen können. Hoffnungslosigkeit würde dieses Ereignis für sie nur erschweren. Doch bevor sie ihr Wunden und Schmerzen zufügen, würde ich auf ihre Unschuld verzichten. Vielleicht lassen sie sich jedoch auch bestechen?

Frag sie, wie viel Geld sie haben wollen, damit sie dich wieder freigeben, weise ich Pia an und merke, dass sie schlucken muss.
Wie weit würdest du denn gehen? Was ist, wenn sie zu viel wollen?, fragt sie vorsichtig nach, was meine Emotionen wieder durchdrehen lässt. Als ob irgendwas zu viel wäre!
Sie würden nicht zu viel verlangen, verspreche ich ihr daher, bin mir aber immernoch bewusst, dass sie wahrschienlich nicht auf das Angebot eingehen werden.
Sie möchten die Fähigkeiten einer Anführerin und daher haben sie sich anscheinend meine Luna geschnappt. Und die Füchsin wäre anscheinend auch Anführerin bei irgendeinem Rudel geworden, sonst hätten sie sie nicht mitgenommen. Geld haben dagegen wahrscheinlich im Überfluss.

Was passiert dann mit Vulvia?

Die Chance, dass du rauskommst, wäre größer, wenn Vulvia da bleibt, teile ich ihr ungerühert mit. Vulvias Befreiung ist gerade nur nebensächlich, denn ich kann nur an meine Mate denken.
Ich lasse sie hier nicht allein zurück, Lian, wiederspricht sie mir trotzig.
Ja, sie ist eine echte Luna, stelle ich seufzend fest. Während ich auch mal kaltblütigsein kann, um unser Rudel vor anderen zu verteidigen, ist sie immer liebevoll und aufmerksam, womit sie perfekt für die Aufgabe der Luna geeignet ist. Diese Eigenschaft kann ich ihr auch nicht übel nehmen, die Füchsin muss also mit raus. 
Dann frag, wie viel sie für euch beide haben wollen, gestehe ich ihr deshalb zu.
Danke.
Gerne. Aber wenn es nicht klappt, dann mach bitte alles, außer dich foltern zu lassen, okay? Wir holen dich da raus, halt sie einfach solange auf. Du schaffst das, spreche ich ihr noch einmal Mut zu, bevor ich mich an Timo wende.

"Hast du die Daten der Fee?", frage ich ihn angespannt.
"Ja, hab ich. Wir müssen eineinhalb Stunden zum nächsten Flughafen fahren, dann vier Stunden fliegen und nochmal eine Stunde fahren. Danach sind wir an der Adresse, die sie uns genannt hat.", teilt mein Betha mir mit.
Mühsam nickend unterdrücke ich meine aufsteigende Wut und Sorge. Dafür starre ich in die Autobahn vor mir förmlich ein Loch, um mich zu sammeln, und widme mich anschließend wieder unserer Verbindung.

Ich bekomme wie durch einen Schleier mit, dass der Entführer meine Mate für den Vorschlag auslacht und sie anschließend fragt, wofür sie sich entschieden haben. Gespannt warte ich auf ihre Antwort, die Vulvia preisgibt. Sie werden sich einleben, um sich anschließend an den Aufgaben zu versuchen.
Erleichtert sinke ich in meinen Sitz zurück und hoffe, das die gewonnen Zeit reicht. Denn wenn nicht... Daran will ich gar nicht denken!

Die Stunden verstreichen unendlich langsam und steigern meine Nervosität ins Unermessliche. Meine ganze Hoffnung liegt auf der Fee, aber wenn sie nicht hilft, was dann? Ich könnte versuchen Pias Standort ausfindig zu machen, aber das wird wahrscheinlich nicht klappen. Die Werfledermäuse haben ihn sicher geschützt.
Nur mit der Magie der Fee könnte ich etwas bewirken, allerdings sind Feen wirklich eitel. Es wird schwer werden sie zu überzeugen.
Und wenn es nicht klappt... Nein! Es wird klappen! Ich werde diese Fee überzeugen, egal wie.
Geht es dir noch gut, Pia?, nehme ich wieder Kontakt zu meiner Mate auf.

Sie haben uns ihre Höhle gezeigt, Lian. Die wohnen doch echt in einer Höhle, wie so Steinzeitmenschen! Aber ja es geht mir gut, antwortet sie geschockt.
Also wenn die einzigen Sorgen meiner Mate eine Höhle sind, dann geht es ihr gut, erkenne ich erleichtert und bemerke, wie Timo bremst.
Schnell steigen wir aus und gehen über den großen Eingang zu den Privatjets, denn mein Wolf verträgt es einfach nicht, mit vielen Menschen auf engen Raum eingesperrt zu sein. Apropos eingesperrt:
Bist du eingesperrt? Oder vertrauen sie euch schon?, versuche ich weitere Informationen zu bekommen, um die Situation besser einschätzen zu können.
Mein Unwohlsein verschwindet dabei nicht, da ich die Nähe meiner Mate vermisse.

Sie haben nicht abgesperrt, aber dafür ich. Wenn ich schlafe, sollen die ja nicht reinkommen.

Das wird nicht viel bringen, Pia. Sie haben auch sehr starke Kräfte.
Eigentlich will ich ihr die Hoffnung ja nicht nehmen, aber sie sollte nicht von Falschen Tatsachen ausgehen.

Achso, shit. Aber die werden doch wohl kaum ihre Tür kaputt machen, oder?,
hakt sie verunsichert nach und bringt mich damit zum Schmunzeln.
Eine Tür wird sie wahrscheinlich nicht abhalten, aber vielleicht hält sie ja doch auf? Es ist absurd und trotzdem hoffe ich es.
Ich fahre übrigens gerade mit Timo zu einer Fee. Sie wird uns bestimmt helfen können. Es dauert nicht mehr lange, teile ich ihr zuversichtlich mit.

Fee? Hast du gerade Fee gesagt? Du hast Fee gesagt!, kreischt meine Mate nun schon fast, was mich schmerzvoll mein Gesicht verziehen lässt.
Ja, es gibt Feen, bestätige ihr ihr und höre sie wieder innerlich aufschreien.

Warum hast du das nicht schon vorher gesagt? Was kann eine Fee so? Kann sie auch fliegen? Mag sie rosa?, preschen ihre nächsten Fragen auf mich ein.
Allerdings bin ich nicht in der Lage eine zu beantworten, da ich selbst bisher noch keine Fee kennenlernen durfte.
Hoffen wir mal, dass sie nicht ganz so eitel ist, wie behauptet wird.

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