27.
Pia's P.o.V.
"So schnell sieht man sich wieder", höre ich diesen ekelerregenden Typen über mir raunen und drehe mich krampfhaft von seinem Mundgeruch weg, der einfach nur abstoßend ist. Durch die Drehung kann ich jetzt wieder auch nach unten in den Heimgarten schauen, was mir ein Keuchen entlockt.
Die beiden Tics haben den anderen mitlerweile befreit und rennen auf uns zu. Wie wollen die hier bitte hochkommen, über die Garage, oder was? Ja, wahrscheinlich, dneke ich und spüre im gleichen Moment etwas Kaltes an meinem Kopf.
"Wir schießen, wenn ihr nur einen Schritt näher kommt!", höre ich den Typen hinter mir brüllen und mein Herz gefriert schlagartig. Hält der mir eine Pistole an den Kopf?
Durch die Angst fangen meine Augenlieder an zu flackern und mein ganzer Körper beginnt zu zittern, was in dieser Situation nicht gerade gut ist, da die Pistole dadurch an meiner Kopfhaut reibt. Zusätzlich bin ich nicht gerade weit von dem Dachende entfernt und habe echt Angst, dass ich runterfalle. Aber das würde doch keiner von denen zulassen, oder? Die einen wollen mich heile, deshalb brauchen die andern mich heile. Macht doch Sinn.
Scheiße, Pia! Geht es dir gut? Ich komme sofort zu dir, pass nur einfach auf wo sie dich hinbringen, ja? Ich hole dich da wieder raus! Ich bin ja so blöd... wie konnte ich dich nur alleine lassen? Alles meine Schuld..., höre ich Lian immer weiter fluchen, was mich sogar in dieser absurden Situation zum Schmunzen bringt. Der erhöhte Druck der Pistole holt mich aber ganz schnell wieder in die Gegenwart und ich schicke noch ein schnelles: Ja. Aber mach dir bitte keine Vorwürfe!, zu Lian, als mir auch schon ein Sack über den Kopf gezogen wird. Ich möchte nicht, dass er sich das vorwirft, denn wer kann schon erahnen, dass die Deppen uns in eine Falle locken. Er hat ja alles gemacht, um auf mich aufzupassen. Aber wenn es nicht einmal zwei seiner Tics schaffen, dann kann er auch nichts mehr dran ändern. Oder hätte er die Typen besiegen können? Ich glaube nicht.
Der angefauelte Geruch des Kartoffelsackes steigt mir langsam in die Nase und lässt mich niesen. Durch mein eigenes, lautes Geräusch zucke ich zusammen und warte ängstlich auf eine Reaktion meiner Entführer.
"Halt die Schnauze, du Schlampe!", schreit sogleich auch der Mann neben mir und ich weiche langsam von seiner Stimme zurück. Mit meinen Füßen taste ich nach der Dachrinne , um bloß nicht runterzufallen, aber so viel Zeit habe ich nicht mehr. Ich spüre, wie zwei Arme meine Taille umfassen und mich hochheben, was mich aufquietschen lässt. Sofort höre ich die verärgerten Stimmen der Männer, aber das Knurren von Lian drängt sich in den Vordergrund.
Die Typen sind sowas von tot, höre ich ihn dann beinahe schreien und konzentriere mich nur auf seine Präsenz in meinem Kopf, um die eckelhaften Finger auf meinem Körper auszublenden.
Als Weihnachtsgeschenk für euch ein neuer Teil und für mich ein VOTE?
Mit einem Ruck schmeißt er mich über seine Schulter und beginnt sich nun mit langsamen Schritten fortzubewegen, sodass ich durchgeschüttlelt werde. Aber ohne Wiederstand werden die mich sicher nicht wegbekommen!, nehme ich mir vor und verändere langsam den Platz meiner Beine. Bei seiner Körpermitte angekommen warte ich noch einen Moment, dann trete ich ihn dahin, wo es wirklich wehtut. Sofort krümmt er sich schmerzerfüllt und lässt mich los. Verzweifelt probiere ich den Sturz noch mit meinen Armen abzufangen und kann immerhin mein Gesicht noch schützen.
Mit einem lauten Schrei komme ich allerdings auf meinem rechten Arm auf und höre ein Knirschen, welches mir wieder eine Gänsehaut über den Rücken treibt. Angespannt richte ich mich aber sofort wieder auf und streife mir den Sack vom Kopf, um meine Chance zu nutzen. Nur der Griff um meinen Fußknöchel lässt mich stoppen. Da hält der Idiot, statt sein bestes Stück zu schützen, mich wirklich erneut fest!
Wütend trete ich ihn mit meinem freien Bein ins Gesicht und dann in den Magen, um mich zu befreien. Ein Tuch, das sich von hinten an meine Nase drückt, lässt mich allerdings innehalten, auch mit dem Atmen, denn ich bin mir sicher, dass Betäubungsmittel in dem Tuch ist. Die wollen, dass ich bewusstlos werde! Dann werde ich Lian nicht einmal mehr sagen können, wie lange die Fahrt gedauert hat, schlussfolgere ich. Scheiße, ich bin am Ende!
Lian! Die wollen mich betäuben! Ich hab Angst!, lasse ich meine Gefühle raus, da ich sie einfach nicht mehr für mich behalten kann. Ich möchte wieder bei Lian sein! Bei ihm fühle ich mich sicher und ich vertraue ihm.
Ich befreie dich, okay. Versuch nur ihnen nicht zu wiedersprechen, damit sie keinen Grund haben dich zu verletzen, ja?
Aber er darf mich nicht holen kommen! Am Ende werden die Typen noch ihn verletzten. Ich möchte nicht, dass er verletzt wird! Es wäre nur meine Schuld!
Meine Luftreserven werden kleiner und ich immer panischer, aber ein Gedanke kommt mir noch, bevor ich von meinem Körper zum Luftholen gezwungen werde: Ich liebe Lian.
Dann vernebelt der beißende Geruch des Tuchs meine Gedanken und mir wird langsam schwarz vor Augen. Die Stimmen um mich herum werden immer leiser und schließlich lässt sogar meine Angst nach und ich versinke ganz im Schwarz.
***
Nach und nach lichtet sich das Schwarz wieder und ich kann meine Umgebung erkennen. Ich bin Zuhause! Ich bin wieder Zuhause! Ein Klingeln an der Tür lässt meinen Kopf herumschnellen und ich gehe langsam auf die Tür zu. Ein Blick durch den Spion zeigt mir, dass Lian auf mein Öffnen wartet. Erfreut reiße ich die Tür auf und falle ihn um den Hals. Ein Kuss auf meine Stirn lässt mich zurücktreten und ihn anstrahlen, bevor ich seine Lippen mit meinen bedecke. Wir küssen uns leidenschaftliche, bis ich meine Neugier nicht mehr im Zaun halten kann und ihn voller Glück frage: "Was machst du hier?". Ich sehe wie ein Grinsen sich auf seine Lippen schleicht und er schelmisch fragt: "Freust du dich etwa nicht?". Ich beschließe darauf ironisch zu antworten: "Nein, gar nicht!" Die Glücksgefühle sprudeln bei diesen Neckereien beinahe in mir über, als Lian mir antwortet.
"Oh, schade. Dabei habe ich dir doch einen Brief mitgebracht. Den kann ich dir jetzt leider nicht mehr geben.", spielt er mit und wedelt mir mit einem Brief vor der Nase herum, den ich mir sogleich schnappe.
"Du hinterlistiges Ding!", keucht er, bevor er mich erneut küsst und ich auf Wolke sieben mit ihm verschwinde. Seine Zunge fährt meine Unterlippe nach und gerade als ich ihm Einlass gewähren will, lässt ein Hupen von der Straße uns abrupt auseinanderfahren.
"Das muss Timo sein. Ich muss leider los, Pia.", bringt er keuchend hervor und ich gebe ihn noch einen kleinen Schmatzer, bevor er mein Haus wieder verlässt. Ich sehe ihm nach wie er über die Straße geht, als das Auto plötzlich los fährt. Ein Blick zum Fahrer zeigt mir, dass es einer der Werfledermäuse ist, der Lian umfährt. Sein markerschüttender Schrei lässt meinen Körper ängstlich und schmerzerfüllt zittern, bevor ich meine Augen aufschlage.
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