25.
Lian's P.o.V.
Meine Finger bohren sich in die Wand hinter mir, während ich probiere diesen Drang zu zügeln.
Das Bedürfnis mit Pia den Mate-Biss zu vollziehen, hat mich gerade fast überwältigt, sodass mein Atem immer noch rast. Beinahe hätte ich sie gebissen, obwohl sie es eigentlich nicht will.
Und dieses Wissen trübt meine Gedanken, auch wenn unser Kuss wundervoll war. Er war einfach nur atemberaubend und unfassbar schön.
Langsam bemerke ich, dass mein Atem immer normaler wird und ich mich mehr entspanne. Vorsichtig löse ich deshalb meine Finger von der eingedrückten Wand.
Meinen Blick dabei auf Pia gerichtet, erkenne ich, dass sie nun sehr stark zittert. Ob es wohl an der Kälte oder meinem Ausbruch liegt?
Sorge breitet sich in mir aus und ich schreite auf ihre durchnässte Gestalt zu.
Das Gefühl von Kälte kenne ich nicht, da einem Werwolf wie mir nie kalt ist, aber ich kann mir vorstellen, wie schlimm es sein muss.
Ich nehme Pia schnell in den Arm und spende ihr Wärme, woraufhin sie sofort aufhört zu zittern.
Wieder sauge ich ihren betörenden Duft ein, reiße mich dieses Mal jedoch zusammen. Meiner Mate ist kalt und es ist jetzt meine Aufgabe ihr zu helfen!
Ich gebe ihr einen sanften Kuss auf die Stirn, bevor ich von ihr loskomme und sie zum Badezimmer lotse.
Am liebsten würde ich sie tragen, aber das lasse ich lieber bleiben, bevor es ihr wieder zu viel Körperkontakt wird.
Also gehe ich einfach vorraus, die Mamortreppe wieder runter und anschließend nach links zum Badezimmer.
Auf ihre Anwesenheit achte ich dabei ganz besonders, nicht, dass sie wieder wegläuft.
Es wäre ja nicht das erste Mal.
Vor dem Badezimmer angekommen, halte ich ihr ganz gentlemanlike die Türe auf, bleibe jedoch auch dabei bewusst auf Abstand.
Ihre Gedanken zeigen mir nähmlich gerade, dass sie sich nicht wirklich wohl fühlt, was mich ein bisschen traurig stimmt. Aber das wird sich schon noch ändern!
"Hier ist die Dusche: Du kannst einfach die Shampoos darin verwenden, wenn du willst. Und hier, Pia, ist der Fön.
Toilette findest du, glaube ich, selber.
Möchtest du sonst noch was haben?", frage ich sie möglichst rücksichtsvoll.
Denn meiner Mate sollte es gut gehen, besonders damit sie sich hier wohl fühlt.
"Ähm, ja .... Klamotten wären nicht schlecht. Und ...", beginnt sie und gerät dann jedoch ins Stocken.
"Klar, und was noch?", hacke ich vorsichtig nach. Klamotten sollten kein Problem darstellen, nur das weitere will sie mir einfach nicht sagen.
Denn auch nach weiterer Nachfrage verrät sie es nicht.
Nachdenklich schaue ich über die Verbindung in ihren Verstand und muss promt grinsen. Das bereit ihr also Probleme!
"Ein Tampon also.", stelle ich amüsiert fest und achte auf ihre Reaktion. Pia's Wangen nehmen einen süßen Rotton an, dabei verzieht sich ihr Gesicht aber ärgerlich.
"Hast du schon wieder in meine Gedanken geschaut? Mensch, das ist Privateigentum!", lässt sie ihren Ärger auch sofort Luft, als sie mein Grinsen bemerkt, und wirft ihr Haar schwungvoll nach hinten.
"Mensch, trifft es nicht wirklich.", erwiedere ich jedoch nur, um ihrem Vorwurf auszuweichen. Eigentlich hat sie Recht, ich sollte diese Fähigkeit nicht ausnutzen, aber ich habe es nur gemacht, um ihr zu helfen.
Pia's P.o.V.
"Gelten normale Regeln für Werwölfe etwa nicht?", bombadiere ich ihn weiter, um Antworten auf meine anderen Fragen zu bekommen.
Zwar will mein Herz ihn lieber küssen als befragen, aber mein Verstand hat sich endlich wieder dazugeschaltet.
Dieser Aussetzer vorhin muss wohl echt daran gelegen haben, dass ich meine Tage gestern bekommen hatte, sonst bin ich nähmlich nicht so gefühlsgesteuert.
War das gerade auch peinlich!
"Doch, aber diese zählt zwischen Mates nicht.", antwortet Lian, was mir ein wütendes Knurren entlockt.
"Aber wenn du es nicht willst, dann flute dein Gehirn wieder.", fügt er deshalb noch schnell hinzu, was mich nur die Luft ausstoßen lässt.
"Ich soll mein Gehirn jetzt 24/7 fluten? Dir ist schon klar, dass das spätestens im Schlaf aufhört?", spreche ich meine Gedanken sofort laut aus. Es würde ja sowieso nichts bringen sie vor ihm zu verheimlichen.
"War es schlimm, dass ich geschaut habe? Es ist doch völlig normal, dass man das als Frau hat.", fragt er mich nun mit reuevollem Unterton, was mich langsam nachgeben lässt.
"Es ist aber schon was privates.", halte ich dennoch weiter dagegen, wobei meine Stimme leicht verzerrt ist.
Eigentlich möchte ich gar keinen Streit, sondern nur einen Ort zum Wohlfühlen.
Eine Person bei der ich mich komplett fallen lassen kann.
Und genau das bietet er mir doch, oder?
"Es bleibt auch privat.", höre ich seine angenehme Stimme wieder. Könnte ich noch ohne ihn? Ich glaube nicht, denn mich zerrt es förmlich zu ihn hin.
Wie ich im Spiegel sehe, wurde unser Abstand während des Gesprächs auch immer kleiner, denn jetzt ist kaum noch eine Armlänge zwischen uns Platz.
Aber ich sehe auch wie dreckverschmierrt ich noch vom Wald bin, was mich sofort einen Schritt zurücktreten lässt.
Ich bin gerade graueneregend, wie kann er mich nur so liebevoll anschauen?
"Ich geh dann jetzt mal duschen!", sage ich hektisch und schiebe ihn förmlich nach draußen, um mich fertigzumachen.
Schnell streife ich die Klamotten von mir und tapse unter eine riesige Regendusche.
Nach unzähligen Minuten bin ich fertig mit Duschen. Anschließend wickle ich mich in ein Handtuch ein, dass ich mir einfach von der Heizung nehme, und bemerke erst jetzt, dass ich nicht mehr auf die Klamotten von Lian gewartet habe.
So ein Mist aber auch!
Lian, kannst du mir die Klamotten bringen?, frage ich ihn deshalb peinlich berührt über die Gedankenverbindung und erhalte sofort eine Antwort:
Klar, mache ich. Sie können dir aber ein bisschen zu groß sein, da sie von mir sind. Ich habe gerade leider keine anderen.
Kein Problem, danke!, erwieder ich sofort und wickle das Handtuch fester um meinen Körper. Wehe, es rutscht!
Nach einer Minute des Wartens klopft es dann endlich und ich öffne vorsichtig mit meinem Ellbogen die Tür.
Sofort streckt Lian seine Hand durch die Öffnung und überreicht mir einen Klamottenstapel.
Zittrig nehme ich sie entgegen, bedanke mich nocheinmal und schließe die Tür dann wieder.
Ich schlüpfe in seine Klamotten, natürlich alle frisch gewaschen, und gehe dann langsam aus der Tür.
10 K SPECIAL:
Lian's P.o.V.
Ich warte im Sessel auf dem Flur auf Pia, als sich der Betha meines Dads im Führerlink meldet:
Ich müsste kurz stören, Alpha.
Okay, dann berichte, fordere ich ihn auf, da Pia sich sowieso noch umzieht.
Heute gab es einen Anschlag auf den Alpha, begann er.
Wie Ihr sicher wisst, geht es ihm immer schlechter, weshalb er mich und zwei seiner Tics zur Konferenz schickte. Mitten in einer Diskussion kam die Nachricht, dass einige Wölfe des Nordrudels ins Rudelhaus eingedrungen sind, woraufhin wir natürlich sofort aufbrachen.
Da die Angreifer alle drei einstige Tics waren, konnten unsere Mitglieder sie nicht aufhalten. Der Alpha wurde von ihnen gebissen, nun liegt er im Behandlungsraum. Wir wissen nicht, ob er überlebt. Die Alphaposition wird er aber nicht mehr übernehmen können...
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