22.
Lian's P.o.V.
Ich muss mich flach auf dem Boden legen, um nicht vom Bett erdrückt zu werden, aber das ist es wert.
Ich berühre meine Mate nicht, aber ich kann sie sehen, riechen und hören.
Ihre Atemzüge beruhigen mich zusammen mit ihrem Duft, nur ihre leichte Angst stimmt mich etwas traurig. Dieses Problem werde ich aber bestimmt auch bald in den Griff bekommen. Wenn wir uns erstmal richtig kennen, wird sie sehen, dass sie bei mir am sichersten ist und sich wohlfühlen kann.
Wir bleiben noch einige Minuten unterm Bett liegen und es herrscht ein schönes Schweigen zwischen uns bis sie anfängt zu reden.
"Weißt du: Es ist ja alles schön und gut, dass du ein Werwolf bist, dass habe ich jetzt kapiert. Vielleicht glaube ich es auch, aber das kann nicht funktionieren.
Erstens bin ich ein Mensch und zweitens möchte ich nicht, dass die Liebe sozusagen erzwungen ist. Das ist doch dämlich.
Ja, du schaust gut aus und bist auch süß, aber für immer ein Paar? Vielleicht will ich ja mein Leben auch noch genießen und nicht so eine langweilige Ehefrau werden? Sorry, aber das klappt einfach nicht.", erklärt sie traurig.
Ich soll süß sein? Ich bin ein Alpha!, empöre ich mich und knurre sie halb im Ernst an, woraufhin sie ihre Augen aufreißt. Habe ich sie jetzt erschreckt, überlege ich ängstlich.
Zuerst schaut sie mich an, dann muss sie grinsen und ihre Hand schnellt nach vorne, während ich sie noch fragend anstarre.
"Oh, der Kleine will ein Alphachen sein!", wuschelt sie mir lachend durch die Haare.
Das hat sie nicht gemacht? Zuerst empört schaue ich sie an, verwandle mich dann in meine Wolfsgestalt und krieche auf sie zu.
So sind meine Haare immerhin nicht verwuschelt.
Wieder knurrend komme ich auf sie zu, nur dieses Mal robbt sie zurück. Ich erkenne ihre Angst, überwende schnell die letzten Zentimeter und schlecke ihr quer übers Gesicht. Erkennt sie jetzt, dass ich ihr nichts tun will?
Vorsichtig lausche ich in unsere Verbindung. Sie hat noch Angst, aber diese legt sich langsam, während sie sich angewiedert mit dem Handrücken übers Gesicht wischt.
Vorsichtig, um ihr auch die letzte Angst zu nehmen, lege ich mich ganz flach hin.
Tschuldigung, sage ich in Wolfssprache, was für sie wahrscheinlich wie ein Winseln klingt.
Ich spüre wie ihre Angst verschwindet, verharre aber in meiner Position. Langsam bewegt sie sich wieder auf mich zu und wieder schnellt ihre Hand nach vorne, um mir durchs Fell zu wuscheln.
Ich bin kein Hund!, gebe ich ihr in Gedanken lachend zu verstehen, freue mich aber wirklich, dass sie meine wölfische Seite akzeptiert. Jetzt muss sie mich nur noch ganz als ihren Mate akzeptieren.
Sie wuschelt mir einfach weiter durchs dunkelbraune Fell und ich lasse sie machen. Es ist unglaublich und ein Geschenk Lunas, dass sie keine Angst vor mir hat! Bei meinem Ansehen schreckt sonst jeder fremde Wolf zurück.
Ich genieße ihre Hand, die mich streichelt, aber langsam wird es hier unten ungemütlich.
Können wir bitte unterm Bett raus?, frage ich sie. Wird sie es sich trauen? Weshalb hatte sie eigentlich so eine große Angst, dass sie sich versteckt hat.
Das kleine Alphachen bittet?, lacht sie wieder los und auch ich muss einstimmen, denn sie hat sehr schnell mein Wesen begriffen. Ich bitte sonst nie. Aber für meine Mate tue ich es, denn sie ist in meinen Augen gleichberechtigt wie ich.
Es gibt auch einige Alphas bei denen die Mate unter Ihnen steht, aber das finde ich falsch. Sie wird für immer ein Teil von mir sein. Also hat sie die selben Rechte wie ich, solange es uns nicht schadet.
Erfreut bemerke ich, dass Pia wieder unter dem Bett hervorkriecht und tue es ihr gleich. Vor dem Bett angekommen, richte ich mich auf und setzte zur Verwandlung ein.
Endlich stehe ich wieder als Mensch vor ihr und betrachte sie ein weiteres Mal. Sie ist so wunderschön und ihre Ausstrahlung erst!
"Du bist wunderschön, Pia.", spreche ich es auch sofort aus. Ich verberge nichts vor ihr, sie könnte den Gedanken sowieso durch die Verbindung finden.
"Ähm, ... danke", antwort sie mir, während ihre Wangen sich rot verfärben. Wie süß!
Sie erwidert das Kompliment zwar nicht, aber das kann ja noch kommen.
"Wie geht es dir?", komme ich auf das eigentliche Thema zurück. Die Wandler haben ihr, wie mein Tic-Doc behauptet, mehrmals in den Magen geschlagen und einmal auf den Kopf. Bei einem Werwolf wäre das kein Problem, aber meine Mate ist ein Mensch. Es muss ihr furchtbar wehtun!
"Es tut noch ein bisschen weh.", behauptet sie, aber ich spüre die Lüge durch unser Band.
"Lüg mich nicht an, Pia."
Das Gefühl, das meine Mate mir nicht vertraut, könnte mich in den Boden rammen. Wäre sie ein Werwolf würde sie mir von Anfang an trauen, so muss ich mir das aber wohl erst erarbeiten.
Es ist nervenaufreibend, aber für Pia würde ich fast alles tun. Alles außer sie zu verlassen.
"Du würdest alles tun?", fragt sie und streicht sich die Haare aus dem Gesicht zurück.
"Du hast meine Gedanken gehört?", antworte ich verwundert aber auch stolz. Sie lernt ja so schnell.
"Ja. Also würdest du?", hackt sie weiter nach.
"Natürlich, du bist meine Mate."
"Scheiß Mate Sache. Ich will, dass mich jemand mag, weil er mich so gut findet wie ich bin und nicht weil es irgend ein Band vorgibt! Das ist doch der letzte Dreck! Du kennst mich nicht! Du hast kein Plan, wie mein Leben aussah bevor du mich kennengelernt hast! Und du glaubst einfach daher zukommen und mich als DEINE Mate zu beanspruchen.
SAG MAL HACKT'S?", wird sie immer zorniger und lauter und eine kleine Träne läuft ihr Gesicht herunter.
Liebevoll wische ich sie weg und ziehe meine Mate in eine Umarmung, um ihr Trost zu spenden. Was ist ihr wohl passiert?
Sie schluchzt in meiner Umarmung und drückt ihr Geschicht in meine Halsbeuge.
Die Gefühle schwappen über die Verbindung zu mir rüber und ich muss mich sichtlich zusammenreißen, um mir nichts anmerken zu lassen, als ich ihre Trauer empfange. Ich muss jetzt stark sein! Für meine Mate!
Erneut spüre ich ihren Atem an meinem Hals, dann zappelt sie und schnell lasse ich sie frei. Nicht, dass sie sonst wieder Angst bekommt.
Sie tritt einen Schritt zurück und schaut mich mit ihren großen Augen an.
"Ich will nach Hause.", höre ich sie, durch mein Wolfsgehör flüstern, bevor sie sich wegdreht, aufs Bett schmeißt und das Kopfkissen über sich zieht.
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