20.

Lian's P.o.V.

Ich spüre ihre Angst. Hat sie Angst vor mir? Oder ist da doch jemand, der sie bedroht?
Ich laufe schneller und ermahne mein Rudel mit einem lauten Heulen.
Ihr blumiger Duft in meiner Nase lässt meinen wölfischen Teil rosa sehen, als wäre sie schon hier. Als könnte ich sie jetzt spüren.
Ich laufe weiter durch die Straßen und lausche nach jedem Geräusch. Wenn jemand in die Grenzen eingedrungen ist...
Wenn sie es schafft vor mir zu fliehen...
Wenn, wenn, wenn bohren sich die verschiedensten Ängste in meine Gedanken und lassen mich erneut mein Tempo anziehen.
Wir kommen am Ende der Siedlung an, wohin sie wohl gegangen ist?
Ihr Duft verändert sich ein bisschen, als wäre eine weiteres Wesen in ihrer Nähe gekommen, stelle ich beunruhigt fest.
Ein raues Knurren verlässt mein Hals, als ich bemerke, dass ihr Geruch in zwei Richtungen verläuft.
Nach Rechts und Links.
Wohin jetzt?
Mein Instinkt sagt rechts, mein Verstand sagt nichts. Woher soll er es auch wissen?
Ich schicke Timo und Keran nach links und gehe mit meinen restlichen Rudel nach rechts weiter. Die Zeit und Angst sitzen mir im Nacken und abermals beschleunige ich mein Tempo.
Die Fährte hört nicht auf, es muss die richtige gewesen sein, erkenne ich und renne weiter.
Wieder spüre ich ihre Angst durch die Verbindung, diesesmal aber viel größer.
Ich sprinte los, denn etwas muss passiert sein. Es müssen fremde Leute sein, weshalb hätte sie sonst plötzlich so Panik?
Ihr darf nichts passieren, das geht einfach nicht. Ich habe sie doch nicht einmal in meinen Armen gehalten.
Verzweifelt winsel ich kurz auf.

"Ahhhh", höre ich sie leise schreien. Sie ruft nach Hilfe!
Ihre Stimme klingt wundervoll dabei, aber das ist erst einmal nebensächlich, reiße ich mich zusammen und hetze durch den Wald , immer weiter auf sie zu.
Wir drehen um, höre ich Timo sofort.
Dabei wird ihr Geruch immer intensiver und meine wölfische Seite immer ausgeprägter.
Ich spüre, wie ihre Angst von Sekunde zu Sekunde steigt, dann bemerke ich Entsetzten.

Wer ihr solch negativen Empfindungen zufügt, den werde ich umbringen!, schwöre ich mir.
Ich bemerke, dass sie Schmerzen bekommt, beinahe spüre ich es selber, jemand muss ihr wehgetan haben, schlussfolgere ich.
Vor Wut bebend ändere ich meinen Schwur:
Wer auch immer ihr das zugefügt hat, den werde ich langsam foltern und dann töten.
Wie kann er es wagen meiner unschuldigen Mate etwas anzutun?
Sie weiß doch nicht einmal viel von der echten Welt.
Wie. Kann. Man. Das. Nur. Tun?

Wieder ertönt ein Schrei von ihr, der mein Herz fast auseinander reißt.
Werfledermäuse, höre ich ein leises Raunen  über unsere Verbindung ehe Stille einkehrt.
Ich spüre nichts mehr von ihr, rein gar nichts. Es sind keine Gefühle mehr zu spüren.
Entsetzt renne ich die letzten Meter ihrem wundervollem Geruch nach und probiere sie zu finden.
Der Geruch anderer Gestaltwander verpestet die Luft nun geradezu, sodass ich sie fast nicht mehr riche.  Nach Orientierung suchend, schaue ich auf und entdecke sie.

Ein Mann bindet meiner Mate gerade Fesseln um die Handgelenke, während die anderen reden. Sie selbst bewegt sich nicht, diese Bastarde!
Ich sollte mich nun leise anpirschen, aber dass lässt die Wut in mir nicht zu. Mit lauten Heulen hechte ich auf den meine Mate berührenden Wandler zu und halte auf seine Kehle zu.
Er muss weg von Pia!
Allerdings hat er meinen Angriff Dank des Heuelns bemerkt und weicht mir schnell aus.
Ich spüre mein Rudel hinter mir kämpfen während ich wieder auf ihn zusteuere. Der Biss in seinen Unterschenkel gelingt mir, was ihn aufstöhnen lässt.
Anscheinend erkennt er, dass er als Mensch keine Chance gegen mich hat, da ich stärker bin, denn er rennt nun weg. Seine Schritte sind nicht besonders schnell und in dem Moment, in dem er die Verwandlung einleitet, schnappe ich mir seine Kehle und beiße kräftig zu.
Es knackt, ich höre Knochen splittern, dann bleibt ein verkrüppelter Körper vor mir liegen. Ich lecke mir noch einmal über die blutige Schnauze und renne dann hastig zu meiner Mate zurück. Sie muss leben!

Im Leaderlink verkünden die anderen ihren Sieg und heulen dann triumphierend auf.
Ich aber renne so schnell es nur geht auf meine auf dem Boden liegende Mate zu.
Sofort wandle ich mich in meine menschliche Form zurück und hebe sie in meine Arme nach oben.
Ihr Körper schmiegt sich angenehm in meine Arme und ihr Kopf ruht an meiner Brust.
Ihr Atem streicht dabei immer wieder sanft über meine Haut, was mir eine Gänsehaut verpasst.
Sie ist so perfekt. Ihre braunen Haare fließen in Wellen über meine Arme und ihr Gesicht ist einfach unvergleichbar, was meine wölfische Seite laut aufheulen lässt. Mein Rudel stimmt sofort ein.
Ich habe meine Mate gefunden und sie ist bei mir!
Nach einigen Sekunden stoppe ich wieder und schaue zu ihr herunter.

Die Freude in mir, sie gefunden zu haben, läuft fasst über, bis ich unter ihren verrutschten Pulli Blutergüsse sehe. Zu der Freude gesellt sich riesige Wut, am liebsten hätte ich die Wandler noch einmal umgebracht, ich hatte das Foltern ganz vergessen. Ich hätte sie leiden lassen sollen. Ihnen und den anderen zeigen sollen, was passiert, wenn man meiner Mate schadet!
Aber jetzt kann ich es auch nicht mehr ändern. Das Wichtigste ist, dass meine Mate bei mir ist und lebt.
Ich küsse ihren flachen Bauch noch einmal zärtlich bevor ich ihren Pulli wieder darüber ziehe.

Mann, ist ihre Haut weich! Ihr Duft umhüllt mich, meine Lippen prickeln immernoch und innerliche schmelze ich dahin. Aber das darf ich nicht vor den anderen zeigen. Ich bin der gefährliche Alpha, ich sollte mich nicht verwundbar machen!

Wir fahren jetzt sofort in die gemietete Villa!, befehle ich im Leader-Link und renne die Strecke vorsichtig zurück. Ich möchte nicht, dass sie friert oder ich ihr unnötig Schaden durch zu heftiges Rütteln zufüge.
Sollen wir die Leichen entsorgen?
Es waren übrigens Werfledermäuse, Alpha. Einer hat sich vor uns verwandelt und ist entkommen, berichtet mein Betha Timo.
Einer ist entkommen und das sagen sie erst jetzt?
Ist einer von euch ihm gefolgt?, frage ich wütend nach. So ein Fehler sollte eigentlich nicht passieren. Wenn er die Informationen weitergibt, dann ist meine Mate weiterhin in Gefahr!
Nein, Alpha. Wir waren alle mit den anderen beschäftigt, es tut uns leid.
Verärgert versuche ich langsam ein und auszuatmen, denn nun könnte ich wirklich mal aus meiner Haut fahren. Ein Blick auf Pia beruhigt mich aber ganz schnell und lässt mich zu einem weiteren wichtigen Thema wechseln, denn mir ist was aufgefallen.
Wo ist Keran, war er nicht bei dir ist, Betha?

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