Kapitel 9:
Als wir ins Schloss gingen, waren die Flure leer und wir hörten die Stimmen aller Schüler aus der Großen Halle. Wir waren schon längst zu spät zum Essen, also machten wir auch nicht schneller. Darauf kam es nicht mehr an.
Ich reichte Harry mein Taschentuch hin, weil seine Nase trotz dem geheilten Bruch immer noch blutete.
In der Großen Halle sahen Ron, Hermine und Ginny uns bereits von weitem, wobei sich bloß Hermine und Ginny Sorgen machten, weil Ron sich entspannt mit Götterspeise voll stopfte.
Ein Vertrauensschüler ging gerade mit dem Sprechenden Hut davon und wir hatten sogar die Einschulung der Erstklässler verpasst, was ich eigentlich sehr mochte, weil ich gerne wissen wollte, wer neu in Ravenclaw war.
Harry setzte sich zu seinen Freunden, währenddem ich mich neben Cho und Penelope Clearwater hinsetzte. Diese verkündete mir, dass dieses Jahr einige Neue Mitglieder in unser Quidditch-Team kamen, wobei Cho unter ihnen war. Sie spielte nun als Hüterin, währenddem Roger Davies noch als Kapitän und Jäger blieb. So waren Roger und ich die längsten Mitglieder des Ravenclaw Quidditchteam seit 1993. Aber nun hatten wir zwei neue Jäger und die waren Chambers Hern, ein Fünftklässler und Bradley Koerner, ein Drittklässler. Außerdem hatten wir zwei neue Treiber, Audrey Fraser aus unserem Jahrgang und Frederic Harms, Fünftklässler.
In Gryffindor, hörte ich, dass Harry nicht mehr Sucher war und er durch Ginny Weasley ersetzt wurde. Schade auch, denn er war wirklich gut. Doch wie es schien, hatte er immer wenig Zeit zum Training.
Viele sind dieses Jahr aus den Teams gegangen, weil sie die Schule fertig gemacht hatten oder gerade wegen der Schule kaum Zeit hatten. Ich blieb im Team, denn ich war seit der ersten Klasse drin und ich wollte so lange Quidditch spielen, bis ich aus der Schule war. Es hatten sich keine Freiwilligen gemeldet, also hatte Roger bereits das Team gemacht. Nicht so, wie bei Gryffindor und Hufflepuff, dort waren angeblich über zwanzig Schüler dieses Jahr, die in ihre Hausmannschaft wollten, darunter auch Ron.
Cho stupste mich leicht von der Seite an und beugte sich zu mir herüber. „Wo warst du? Und wieso blutet Harry?"
„Ach, es war eigentlich ziemlich blöd. Harry stieß gegen die Tür des Zugs." Ich lachte. „War eigentlich sehr witzig anzusehen, bis er zu bluten begann und wir uns dann verspäteten."
„Ah."
Ich wusste nicht, ob Cho mir glaubte, doch ich lenkte meinen Blick zum Podest, wo Dumbledore hinging und für alle Schüler im Saal um Ruhe bat.
„Ich wünsche euch einen guten Abend." Alle Schüler drehten sich zu ihm um und hörten augenblicklich auf mit Essen. „Als Erstes möchte ich euch jemanden vorstellen: das neueste Mitglied in unserem Kollegium. Horace Slughorn." Dieser stand auf und alle klatschten. „Ich freue mich, dass Professor Slughorn seine alte Stelle als Meister der Zaubertränke wieder antritt. Dem Unterrichtsfach ‚Verteidigung gegen die Dunklen Künste' widmet sich fortan Professor Snape."
Ein Entsetzen kam in die Große Halle auf und nur die Slytherins klatschen auf. Alle von ihnen, außer Draco, der betrübt und irgendwie enttäuschend da saß, den Rücken krumm gebeugt und seinen Kopf hängen ließ. Er starrte nicht mal hoch, sondern hielt seinen gefühllosen Ausdruck nach unten gerichtet. Sogar sein Teller stand leer und er sah ziemlich deprimierend aus, wenn man ihn länger betrachtete.
Dumbledore fuhr fort. „Wie ihr bemerkt habt, wurde jeder von euch bei seiner Ankunft heute Abend durchsucht. Und ihr habt das Recht, den Grund zu erfahren. Es gab einst einen jungen Mann, der wie ihr auch in dieser großen Halle saß, durch die Gänge dieses Schlosses wandelte. Unter seinem Dach schlief. Es schien allen, als wäre er ein Schüler wie jeder andere. Sein Name war... Tom Riddle."
Ein lautes Geflüster überkam die Große Halle und Draco schaute zum ersten Mal auf. Sein Blick wandelte dann sehr schnell durch die Plätze des Ravenclaw-Tisches und genau zwischen den Köpfen von Roger und einem Mädchen namens Melanie konnte ich ihn sehen, wie er auf mich blickte. Sein Blick war nicht mehr mit Trübsal gefüllt, eher verwundert oder sogar traurig. Wir hielten lange den Augenkontakt, bis ich zu Dumbledore abschwang, der weiterredete.
„Heute, freilich, ist er auf der ganzen Welt unter einem anderen Namen bekannt. Welches der Grund ist, wieso jetzt, da ich hier vor euch allen stehe, mir wieder schmerzlich bewusst wird, dass jeden Tag, jede Stunde, vielleicht gar in dieser Minute, dunkle Kräfte versuchen, die Mauern dieses Schlosses zu überwinden. Aber letztendlich seid deren größte Waffe ihr Schüler. Denkt mal in Ruhe darüber nach." Dumbledores Stimme wird lauter. „Jetzt ab ins Bett! Hopp-Hopp!"
„Das war ja eine fröhliche Rede.", murmelte Cho und stand sofort auf, sowie alle anderen.
Ich jedoch blieb sitzen und aß schnell irgendetwas, was übrig blieb und hielt dabei meinen Blick zu Draco gerichtet, der genau wie ich, sitzen blieb, seinen Kopf mit seiner Hand abstützte und über die Köpfe der Schüler verloren hinweg sah.
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